StartseiteLiterarisches LebenElke Heidenreich und Ildikó von Kürthy rechnen mit Denis Scheck ab

Elke Heidenreich und Ildikó von Kürthy rechnen mit Denis Scheck ab

Elke Heidenreich (Foto: Tischer)
Elke Heidenreich (Foto: Tischer)

Ildikó von Kürthy kann Denis Scheck nicht mehr leiden, und auch Elke Heidenreich hat genug vom Stil des Literaturkritikers. In der ZEIT antwortet Heidenreich auf Denis Schecks Dauerfeuer gegen Bücher von Autorinnen – und stellt die Frage: Ist das noch Literaturkritik oder bereits gebührenfinanzierte Misogynie?

Den Anfang machte von Ildikó von Kürthy. Am 6. April 2026 veröffentlichte die Bestsellerautorin auf zeit.de einen offenen Brief an den Kritiker, ausgelöst durch Schecks Urteil über ihr neues Buch Alt genug.

»Nachrichten aus der Schnatterzone der Damentoilette«, hatte Scheck über das Buch befunden. Von Kürthy kontert mit einer ironischen Einladung auf die Damentoilette – und beschreibt, was dort tatsächlich passiert: gegenseitige Unterstützung, Zusammengehörigkeit, echte Gespräche. Davon habe Scheck schlicht keine Ahnung. Ihren bisherigen Frieden mit dem Kritiker, der ihre Bücher seit 20 Jahren verrisse (»Hallöchen-Popöchen-Stil«, »für den Altpapiercontainer«, »Inge Meysel auf Ecstasy«), habe sie lange gewahrt. Jetzt nicht mehr. »Ich kann Sie ab jetzt nicht mehr leiden«, sagt von Kürthy zu Scheck.

Elke Heidenreich legte zwei Tage später in der gedruckten ZEIT (Nr. 16/2026) nach – grundsätzlicher und literarhistorisch weiter ausgreifend. »Warum darf Denis Scheck noch immer Bücher in die Tonne werfen?«, will Heidenreich wissen. Auch ihr Buch Altern wurde von Scheck entsorgt, ein Jahr lang, »mit immer neuen Sprüchen«, so Heidenreich.

Literaturkritiker und Jane-Austen-Fan Denis Scheck (Foto: Tischer)
Literaturkritiker und Jane-Austen-Fan Denis Scheck (Foto: Tischer)

Elke Heidenreich fragt sich, ob hinter Schecks Sendungskonzept etwas steckt, das über individuelle Geschmacklosigkeit hinausgeht: ein struktureller Blick auf Bücher von Frauen, der Gefühle als »Weiberkram« behandelt und männliche Selbstreflexion als mutige Ausnahme.

Martin Walser und Joachim Meyerhoff dürften über das Altern schreiben – bei Autorinnen werde daraus »Geschnatter aus der Damentoilette«. Für die Einordnung zieht sie Simone de Beauvoir, Verena Stefan, Siri Hustvedt und den Psychologen Steven Pinker heran. Den schärfsten Satz spart sie für das Ende: Aus Christa Wolfs Kein Ort. Nirgends eine Zeile über »den Ehrgeiz der Unbegabten an ihrem verzerrten Selbstgefühl« – und lässt offen, wen sie damit meint. Das Scheck das Buch von Christa Wolf in seiner damaligen SWR-Sendung auf dem Tisch verbrennen durfte, erwähnt sie dabei nur beiläufig.

Das literaturcafe.de hat Schecks damaliges Sendungskonzept bereits grundsätzlich hinterfragt – und auch, warum der SWR dafür Gebührengelder einsetzt, während andernorts Literatursendungen abgesetzt werden. Dass Scheck mit bestimmten Büchern und Zielgruppen wenig anfangen kann, zeigte sich auch bei den TikTok Book Awards 2023, als die BookTok-Community gegen seine Juryteilnahme protestierte.

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