| Hier lesen Sie die besten Beiträge der fünften Runde (April '02 - Mai '02), die unseren Autorinnen und Autoren zu einem Satz von Anne Tyler eingefallen sind. Der Satz stammt aus dem Roman »Atemübungen«. Fischer Taschenbuch 10924. ISBN 3-596-10924-8. 8,45 EUR: |  | Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse drauf, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Ich habe es getan von Andreas Krauss, 65205 Wiesbaden (Deutschand) Sie verschloss den Umschlag, schrieb die Adresse darauf und bevor sie es sich anders Überlegen konnte, ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Evi schickte noch schnell ein Stoßgebet hinauf und machte sich auf dem Weg zur Arbeit.
Nach Büroschluss traf sich Evi mit Gaby, ihrer besten Freundin, gemeinsamen in ihrem Stammcafe "Blum". Gaby wollte gerade einen Cafe bestellen doch Evi kam ihr zuvor und bestellte eine Flasche Champagner. "Was ist denn in dich gefahren," fragte Gaby erstaunt? "Ich habe es getan, " sagte Evi und umarmte Gaby hektisch, wobei noch fast das ganze Tisch Inventar den Boden gesegnet hätte. "Wirklich." Gaby sprang auch auf und gemeinsam tanzten beide um ihrem Tisch herum. Sämtliche blicke schienen auf sie gerichtet zu sein, was beide aber nicht sonderlich interessierte. "Siehste, war gar nicht so schwer, oder?" Gaby setzte sich und zündete sich eine Zigarette an. "Na ja, ein bisschen Mut gehört schon dazu. Du glaubst gar nicht was ich für einen Bammel habe noch eine Absage zu kassieren." Evi nahm sich auch eine Zigarette. "An welchem Verlag hast du das Manuskript denn geschickt?" "An den S.Fischer-Verlag. Ich hoffe das war eine gute Entscheidung." Gaby nahm Evis Hand in die ihre. "Glaube mir Evi, wenn ich dir sage das es ein Erfolg wird. Ich habe es gelesen und für gut befunden und wenn ich es für gut befunden habe dann ist es gut."Gaby schaute in Evis Augen und beide mussten plötzlich lachen wie sie zuvor noch nie gelacht hatten. "Ich weis dein vertrauen und deinen sechsten Sinn für so etwas zu schätzen, aber glaubst du nicht das du ein wenig übertreibst?" Gaby nahm Evis Glas und gab es ihr, dann nahm sie ihr Glas und sagte,"Nein, Prost."
Ein Jahr später
Erbenheimer Anzeiger, 15. April 2002 Evi Bauer, ein neuer Stern am Literaturhimmel. Mit ihrem Erstlings Roman schaffte Evi Bauer Den einstieg in die Unterhaltungsliteratur. Der S. Fischer-Verlag bezeichnet sie als.........!
"Du hast recht, Gaby. Ich habe es geschafft und du glaubst gar nicht wie froh ich bin endlich unabhängig zu sein. Ich bin frei." "Doch, ich glaube dir das, meine Evi." Sie saßen beide noch bis tief in die Nacht und redeten.
ENDE Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers So geht es nicht weiter von Anna Rinn-Schad, 36119 Neuhof (Deutschand) Noch einmal trat sie ins Eßzimmer, musterte den gedeckten Tisch, das blütenweiße Tischtuch, die beiden Gedecke einander gegenüber, das blitzende Silberbesteck, die schlanken Kerzen. Die Leinenservietten waren zu Fächern gefaltet. Sie hob eines der schweren Weingläser auf und hielt es prüfend gegen das Licht: spiegelblank. Perfekt. Ja, so sollte es sein. Sie befühlte die Flasche im Eiskübel und malte Kringel in den Schleier feiner Kondenswassertröpfchen. Das Essen war fertig. Im Backofen ruhte auf einer hitzefesten Platte der Sauerbraten, daneben die Kartoffelknödel; das Elektromesser lag neben dem Herd bereit. Auf dem heißen Kochfeld zischelten zarte Möhren in einem Emailletopf. Sie stocherte ein wenig darin herum, seufzte und ging zum Fenster. Es war erst ihre dritte Verabredung. Wie konnte er sich so verspäten? Der Gurkensalat zog Wasser, die Gurkenscheiben schwammen schlapp in der Rahmsoße. Schon eine halbe Stunde über die Zeit. Fünf Minuten verbrachte sie am Fenster und starrte auf die leere Straße. Dann trat sie wieder an den Tisch, zündete die Kerzen an und goß sich Wein ein. Zum Wohl, sagte sie laut, trank einen Schluck und schenkte nach. Sie kehrte in die Küche zurück, füllte die Möhren in eine Schüssel um, schnitt den Braten in Scheiben und trug alles zum Tisch. Das Essen war köstlich. Sie brauchte fast eine Stunde dafür. Die Gurkenschüssel leerte sich, von den Möhren blieb ein Pfützchen Soße auf dem Grund. Die Weinflasche schwamm leer im geschmolzenen Eis. Der Eineinhalb-Pfund-Sauerbraten war bis auf eine einzige Scheibe zusammengeschmolzen. Zurückgelehnt döste sie auf ihrem Stuhl, den Gürtel gelockert, erschöpft von dem gewaltigen Essen und einer kompletten Flasche Riesling. Mit finsterem Blick betrachtete sie das letzte Stück Fleisch, aus dem kalte Brühe sickerte. Ein leiser Rülpser entfuhr ihr. Endlich erhob sie sich schwerfällig, trug die Platte mit dem Fleischstück in die Küche und packte es sorgfältig in eine Tiefkühltüte ein. Aus ihrem Schreibtisch holte sie einen großen Briefumschlag und schrieb in sorgfältigen Blockbuchstaben seine Adresse darauf. Steckte die Tüte mit dem Fleisch hinein und klebte den Umschlag zu. Sie frankierte den Umschlag und trug ihn zum Briefkasten. Der Weg zurück war mühsam. Sie schleppte sich mißmutig die drei Treppen zu ihrer Wohnung hinauf. Im Flurspiegel betrachtete sie ihr Profil. So geht es nicht weiter, seufzte sie und betastete Kinn und Hals. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Ätsch! von Hotze, A-2763 Pernitz (Austria) Der Vater blickte kurz hinter der Zeitung hervor die ihn fast verdeckte. Wo warst du Renate? Nur kurz draussen, kam es unbestimmt zurück und Renate war aus dem Wohnzimmer verschwunden. Du drückst dich schon wieder vom Geschirrabwischen, protestierte der Bruder, als sie zur Küchentür hereinkam. Mein Kind, es ist nicht fein vom Essen einfach aufzustehen und davonzulaufen ohne etwas zu sagen, kam es vorwurfsvoll von der Mutter.
Was versteht diese Familie eigentlich vom richtigen Leben. Renate murrte dem kleinen Bruder ein wenig freundliches, sei still, und der Mutter ein zustimmendes, mhmja, zu und begann die Teller im Geschirrtuch trocken zudrehen.
Ein wenig schneller vielleicht, gnädige Dame, sonst brauchen wir den ganzen Nachmittag. Ach, diese Familie. Renate spannte die Muskeln an, ein Wort noch, und ich schreie, ganz laut, nur noch ein Wort. Ich bin ganz ruhig, ich habe es bestellt, mein Leben werde ich ändern. Ganz einfach gegangen. Im Katalog aussuchen, Nummer auf die vorbereitete Karte schreiben, in den Umschlag und abschicken. Keiner bemerkt. Wenn es kommt, wenn es der Postbote bringt, muss ich auch noch sehr geschickt sein, damit sie nichts merken. Aber das ist wieder eine andere Sache. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Was wäre, wenn? von Ursula Roffler, 8804 Au / ZH (Schweiz) So, endlich. Sie stellte die Einkaufstüte ab und setzte sich auf den Küchenhocker. Sie hatte zu viel eingekauft, wie meist. Wenn sie jeweils im Laden stand und die vielen guten Sachen erblickte, vergass sie, dass ausser ihr keiner zu Hause war. Aber vielleicht kam ja plötzlich Besuch. Nein, wer sollte denn kommen? Sie kannte ja kaum jemand hier. Bevor sie von ihren melancholischen Gedanken überrollt wurde, schlug sie die Zeitung auf. Das war wie eine Wundertüte. Nie wusste man, was darin stehen würde. Sie blätterte um. Hier, die Inserate. Zu kaufen gesucht, zu verkaufen. Katze entlaufen, Kanarienvogel zugeflogen. Die Nachbarin hatte ihr geraten, sich eine Katze anzuschaffen, gegen die Einsamkeit. Oder einen Vogel. Lieber nicht, sonst hiess es noch, sie hätte einen Vogel... Todesanzeigen. So viele waren wieder gestorben. Und ebensoviele blieben allein zurück. Alle würden sie kämpfen müssen gegen das Gespenst der Einsamkeit, genau wie sie. Seit ihr Karl vor Jahren gestorben war, hatte sie keinen Menschen mehr. Man sollte all die Einsamen zusammenbringen, dann wäre keiner mehr allein. Klar, aber wie? Eine WG gründen, wie die Jungen? Und wenn man dann nach Hause käme, wäre jemand da, zum reden, lachen, weinen. Nie mehr allein fernsehen! Wie in Trance holte sie Schreibblock, Umschlag und Kugelschreiber und schrieb auf das Papier: Wer hilft mir, eine WG zu gründen für ältere Menschen? Wer weiss, wie man das macht? Zuschriften bitte an Klara Weber. Ohne lange nachzudenken setzte sie ihre Anschrift unter den Namen, faltete den Briefbogen und steckte ihn in den Umschlag. Darauf schrieb sie mit deutlichen Buchstaben die Adresse der Zeitung. Fertig. Halt, eine Briefmarke brauchte sie noch. Da hatte doch noch irgendwo eine gelegen? Da, neben dem Telefon. Weil das zerknitterte Stückchen Papier nicht mehr richtig kleben wollte, machte sie es fest mit einem durchsichtigen Klebstreifen. So, das hielt.Bevor sie es sich noch anders überlegen konnte, ging sie die Treppen hinunter aus dem Haus und steckte den Umschlag in den Briefkasten an der Ecke. Als der Briefschlitz mit einem Scheppern wieder zufiel, fuhr sie zusammen. Was hatte sie da angestellt? Wenn nun ganze Berge von Post kämen, du lieber Himmel. Ach was, erstens würde keiner den Brief lesen bei der Zeitung, zweitens druckte niemand sowas ab und drittens antwortete kein Mensch darauf. Da konnte sie unbesorgt sein. Und trotzdem, sie konnte hin und wieder davon träumen, was wäre, wenn... Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Wettlauf von Wolfgang Metzger, 50 858 Köln (Deutschand) Silke hat eine ganze Weile gebraucht um sich einen Sitzplatz zu ergattern. Dann nur noch quälendes Grübeln warum sie sich im Intercity 1913 die Nacht um die Ohren schlug. Guido hätte nicht kommen dürfen. Nicht über Nacht bleiben dürfen. "Du hast einen anderen" mutmaßte er als sie sich reserviert gab. Sie schliefen miteinander und es war schön wie früher. Dennoch – es hatte etwas von einem Déjà-vu-Erlebnis. Wie aufgewärmt. Als Guido dann sagte, er wolle sich auch in Köln um einen Job bemühen, geriet Silke fast in Panik. Guido fuhr am Sonntag nach dem Frühstück und sie schrieb dann überhastet diesen Brief und bevor sie es sich anders überlegen konnte ging sie hinunter an die Ecke und steckte ihn in den Briefkasten. Ihre ganze Wut über Guidos Verhalten war nun in diesem gelben Behälter. Jetzt bereute sie es und wollte alles ungeschehen machen. Sie liebte Guido noch immer. Um 10 Uhr Vormittag musste sie in der Reinsburgstraße 98 sein, im Stuttgarter Westen. Gegenüber dieser Bäckerei. Sie hatte was von "Schluss machen" geschrieben und "nicht mehr telefonieren". Das tat ihr leid. 10 nach 10 kam der Bote. Silke fragte ihn ob er Post für Guido Völker habe. Er schaute ungläubig. Ich bin eine Freundin. Sie können sie mir geben. Eine Stunde später ruft Silke Guido aus der Innenstadt an. Er ist zuhause. Guido sagt er habe eine Frau gesehen die so aussah wie sie. Kurz vor zwölf klingelt Silke bei Guido. Es war noch leidenschaftlicher als am Wochenende. Nur der Abschied, der war weitaus schmerzhafter als in Köln. Silke wusste, es war das letzte Mal. Die Entfernung von 400 km sind kein Pappenstil. Ihre Zukunft lag in Köln. Guidos in Stuttgart. Er wird es noch einsehen. Zurück zur Übersichtsseite des Satzfischers Hinweis: Für die Rechtschreibung und Zeichensetzung sind die Autoren selbst verantwortlich. Die Urheberrechte liegen beim jeweiligen Autor. |