Dichter am Frühling Veilchen
Bekannte Frühlingsgedichte zum Anhören als MP3-Dateien präsentiert von dtv und dem Literatur-Café im Internet

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Im Frühling erwachen Natur und Gefühle. Eine Jahreszeit, die viele Dichter inspirierte. Und wer kennt nicht die berühmten Worte Mörikes »Frühling lässt sein blaues Band...«
     Hundert Frühlingsgedichte hat Gudrun Bull im wunderbaren Taschenbuch »Gedichte für einen Frühlingstag« zusammengestellt, aus dem auch die Gedichte stammen, die wir Ihnen als Hördateien in Zusammenarbeit mit dtv anbieten, um Sie akustisch durch den Frühling zu begleiten. Viel Freude damit!

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Vor dem Tor (»Osterspaziergang«)
Spaziergänger aller Art ziehen hinaus.

FAUST. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in raue Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flor;
Aber die Sonne duldet kein Weißes:
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt's im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behänd sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit' und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet Groß und Klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

WAGNER. Mit euch, Herr Doktor, zu spazieren,
Ist ehrenvoll und ist Gewinn;
Doch würd' ich nicht allein mich her verlieren,
Weil ich ein Feind von allem Rohen bin.
Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben
Ist mir ein gar verhasster Klang;
Sie toben wie vom bösen Geist getrieben
Und nennen's Freude, nennen's Gesang.

Aus: Johann Wolfgang Goethe:
»Faust. Der Tragödie erster Teil.«

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Über den Sprecher

Wolfgang TischerWolfgang Tischer, Jahrgang 1967, spielte in zahlreichen Theaterstücken, darunter auch Beckett (»Das letzte Band«) und Albee (»Die Zoogeschichte«). Darüber hinaus trat er jahrelang mit einem eigenen Kabarettprogramm auf. Wolfgang Tischer ist zudem Inhaber des Literatur-Cafés im Internet. Mehr Infos unter www.vorleser.de …