
Auf den Stuttgarter Buchwochen diskutierten Bärbel Dorweiler (Geschäftsführerin Thienemann Verlage), Tom Kraushaar (Verleger Klett-Cotta) und Pierre Bourdon (Geschäftsführer ekz Bibliotheksservice) über den Einsatz von KI in Verlagen. Wolfgang Tischer moderierte die Runde, die hier als Podcast zu hören ist.
Die Diskussion auf den 75. Stuttgarter Buchwochen zeigte, dass auch Verlage längst KI einsetzen. Dabei geht es primär nicht um die Inhalte der Bücher. Vielmehr wird KI dort eingesetzt, wo repetitive und wenig fordernde Arbeiten zu erledigen sind, wie beispielsweise bei der Erfassung von Metadaten und bei internen Prozessen. Wie läuft in den Verlagen der Prozess der Implementierung? Und wo liegen die Grenzen für den KI-Einsatz? Die Runde diskutierte auch über mögliche Kennzeichnungen, urheberrechtliche Grauzonen und die Frage, ob der Staat die KI-Firmen stärker regulieren müsse. Sind billige, mit KI erstellte Kinderbücher oder Sachbücher, die Amazon fluten, eine Bedrohung für die Verlage? Wie sieht es bei der KI-Unterstützung für Covermotive und Übersetzungen aus? Die zunehmende Herausforderung für Bibliotheken ist zudem die Erkennung von eingereichten Titeln mit KI-Inhalten z. B. für die Onleihe.
Spannend wurde es beim Thema Kreativität und Beziehung zu den Leserinnen und Lesern. Bei Büchern, so betonte es Tom Kraushaar, gehe es paradoxerweise nicht nur um den reinen Inhalt. Die Verbindung zu einer Autorin oder einem Autor, zu einer echten Person und ihrem Text, spiele eine zentrale Rolle. Nicht nur auf Lesungen und Veranstaltungen, sondern auch auf den digitalen Plattformen wie BookTok zeige sich: Menschen suchen auch beim Lesen die Beziehung zu Menschen, nicht zu Algorithmen.
Ein Gespräch über den aktuellen Stand beim Umgang der Verlage und Bibliotheken mit KI und letztendlich darüber, was das Buch im Kern ausmacht.
Hören Sie den vollständigen Mitschnitt der Diskussion vom 26.11.2025 auf den 75. Stuttgarter Buchwochen im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten nach dem Beitrag. Leider funktionierte die Mikrotechnik auf der Bühne nicht ganz zuverlässig. Wir bitten die leichten Störgeräusche zu entschuldigen.
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Ich kaufe keine Bücher, die KI direkt zur Cover-Gestaltung nutzen. Für Recherche, Ideenfindung, Planung finde ich das völlig in Ordnung, aber generierte Inhalte will ich aus verschiedenen Gründen nicht sehen. Das viele Verlage da so offen sind (während sie es bei Texten ablehnen) finde ich erschreckend. Das sind aus meiner Sicht alles geklaute Inhalte, vergleichbar mit dem Sampling in der Musik. Das finde ich zwar grundsätzlich auch legitim – aber es müssen dann auch die ursprünglichen Urheber anständig vergütet werden (jedenfalls in unserer Kapitalistischen Welt). Und da würde die Blase dann spätestens platzen. Es ist aktuell eine Maschine, die Werte von unten nach oben verteilt, weil die eigentlichen Urheber nichts davon haben, und Konzerne ihre Arbeit nutzen.
@Hyperkeks
Was spricht gegen die Arbeit mit KI zur Recherche, eine Spiegelung von Gedanken und das Überprüfen von Texten und Strukturen? wenn die Texte noch von Menschen gemacht sind, habe ich kein Problem mit.
Danke für das Interview.
„Spannend“, dass Herr Kraushaar die Nutzung von KI-generierten Grafiken und Illustrationen „komplett anders bewertet“ und mit KI-generierten Covern und dem diesem vorausgegangenen Raub der Arbeit von Kreativen kein Problem hat („Mittel zum Zweck“, „Erzeugung von Werbemitteln“), den geschriebenen Text jedoch als „Kunst“ urheberrechtlich durch den Staat geschützt sehen will. Das ist kein „Ethos“, sondern schlicht eine heuchlerische Doppelmoral. Er fordert Schutz nur an der Stelle, wo ihm selbst als Verleger KI möglicherweise gefährlich werden kann – Kunst an sich und die Kunstschaffenden (ja, auch IllustratorInnen sind KünstlerInnen) stehen offensichtlich nicht in seinem Fokus.