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Beitrag vom 22. Dezember 2015 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, E-Books

Popppappp von Momus: Dem Schwein der Geschichte Lippenstift verpassen

Popppappp von Momus auf einem E-Reader

Momus’ erster Roman bei Fiktion »Herr F.« ist eine raffinierte Adaption von Goethes Faust, die in der heutigen Zeit spielt. Jetzt ist sein neuer kostenloser Roman erschienen, und nun bekommen die Designer eine auf die Mütze, denn der Schein ist alles, der Inhalt nichts!

Die beiden Designer Popppappp (mit 7 P – Darauf legt er Wert!) und der feige Minotaurus sollen die Dummheiten einer terroristischen Organisation aufhübschen:

Etwas gestalten bedeutet, dem Schwein der Geschichte etwas Lippenstift zu verpassen.

Sie werden von einer Gruppe namens Kameraderie im Keller der Blackpool Polytechnic of Trade-Polytechnic festgehalten. Dort sollen sie das Propaganda-Material für den Faul-Staat zusammenbrauen.

Und es geht selbstverständlich um mystische Aspekte und politische Lehren, z. B. dem gerechtfertigten Klassenressentiment: Der designte Adlige namens Gland in Lendenschurz, Clogs, einer ärmellosen Jacke und einem Schmuckschwert ist so edel, dass er kein Wort normal aussprechen kann, wenn es mit einem Vokal beginnt – Er muss es anhauchen (was Popppappp tierisch nervt):

Der Hanstand gerät hins Hintertreffen. Hein großer Wandel steht bevor. Heine Demütigung wird vorbereitet hund gefühlvolle Seelen können nicht länger so tun, hals bemerken sie nichts.

Es wird im Text über die Funktion der Leser nachgedacht, es gibt zahlreiche philosophische Anspielungen in echter & verballhornter Form – es macht einfach nur Freude, all die überraschenden Winkelzüge zu verfolgen und das Die-Sprache-beim-Wort-Nehmen.

Ich fürchte, alles, was er kann, ist designen. Er ist also für nichts zu gebrauchen.

Übersetzt wurde der Text aus dem Englischen von Andreas L. Hofbauer. Roman gibt es kostenlos auf der Homepage des staatlich geförderten Literaturprojekts Fiktion in den Formaten Epub, Mobi und HTML auf Deutsch oder Englisch. Man kann ihn auch direkt im Browser mit dem Fiktion-Reader lesen.

Momus ist das Pseudonym des britischen Autors, Musikers und Journalisten Nicholas Currie. Sein Song »Finnegan the Folk Hero« von 2001 war seinerzeit bei Web-Programmierern sehr beliebt.

Malte Bremer

https://www.youtube.com/watch?v=HHn9KO2hUYc

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1 Kommentar zu diesem Beitrag lesen

  1. Renate Blaes schrieb am 7. Januar 2016 um 11:41 Uhr

    Lesevergnügen ist – für mich – hetwas handeres!
    Mal wieder ein Beispiel dafür, dass es Autoren gibt, die mehr für sich schreiben als für die Leser.

    P. S.: Tipp für die Rubrik „Buchtipps“: „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Diese Autorin konnte wirklich schreiben. Einfach, klar und vor allem unprätentiös.

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