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Arsen und Spritzgebäck
Kriminalistisch-kulinarische Lesung im Stuttgarter »GUM« am 22.11.1997

Die Affinität zwischen Essen und Morden scheint groß zu sein - sonst wäre das »GUM«, das zu mörderischen Geschichten mit stärkendem Imbiss eingeladen hatte, nicht rappelvoll bis zum letzten Platz gewesen. Das Konzept versprach einen unterhaltsamen Abend: drei Gänge im Wechsel mit drei Leserunden, wobei die Gäste mit allen Programmpunkten gleichermaßen überrascht wurden.

Rudolf Guckelsberger, bekannter SDR-Sprecher und meisterhafter Vorleser, konnte seine Vorliebe für britische Literatur nicht leugnen, wobei er sich fast ausnahmslos weibliche Autorinnen herausgepickt hatte - ohne dem gerade boomenden Genre des Frauen-Krimis nachzugehen. Natürlich präsentierte er in seinem "erlesenen" Krimi-Menü jede Menge Giftmorde, aber auch Wasserleichen, durchschnittene Kehlen und strangulierte Tote. Mahlzeit!

Einem Hors d'Oeuvre von Blätterteigpastetchen mit Huhn folgten erste Ausschnitte aus dem Giftschrank mörderischer Literatur von Dorothy Sayers und Martha Grimes (herrlich: »Inspektor Jury bricht das Eis«). Natürlich verstand es Rudolf Guckelsberger, genau jene appetitanregende Dosis einzusetzen, die den drängenden Wunsch hervorrief, unbedingt weiterzulesen. Glücklicherweise beruhigte ein stärkender Gang mit Käseschnittchen, dem eine gelungene Passage aus Celia Fremlins »Onkel Paul« folgte. Als schließlich das Dessert serviert wurde (was, das sei hier nicht verraten), ging es bereits auf Mitternacht zu. Der Vortragende folgte dem Wunsch nach Zugabe mit dem flotten englischen Vierzeiler »Miss Lizzi« von Walter Satterthwait - und ließ ein Publikum zurück, das sich gleichermaßen satt und angeregt fühlte. Geschmackvoller kann Literatur kaum präsentiert werden!

Bleibt zu hoffen, dass noch weitere Abende dieser Art geplant sind. Es lohnt sich, einen Tisch zu reservieren.

Ingeborg Jaiser
22.11.1997


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