Begrüßung & Tipps

»…kommerzielles Arschloch!«

Nicht immer nur Kultur und Zivilisation - von Freud’ und Leid beim Betreiben des Cafés.

FrustIch bin frustriert. Gerade eben wurde ich als »kommerzielles Arschloch« beschimpft. Wenn ich einmal wohl wollend »kommerziell« mit »professionell gemacht« gleichsetze, dann legt sich mein Frust etwas, denn immerhin scheint das Café auf jenen ausfallend gewordenen und schlecht informierten Besucher einen professionellen Eindruck gemacht zu haben.
     Natürlich haben wir auch diesen professionellen Anspruch, aber die kommerzielle Wirklichkeit sieht - leider - anders aus. Alle Autoren, Designer und Betreiber sind ehrenamtlich tätig - neben einem »normalen« Beruf. Und hätten wir mit der ISS GmbH nicht einen großzügigen Sponsor, dann wäre es sicherlich fraglich, ob das Café überhaupt existieren könnte, denn Telefongebühren und sonstige Kosten sind hoch genug. Ansonsten lebt das Café vom kostenlosen Engagement seiner Mitarbeiter.
     Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir das Café gerne kommerziell betreiben würden. Die Vorstellung, dass wir uns eine dreiköpfige Vollzeitredaktion leisten könnten, wäre sicherlich verlockend: Mehr Beiträge, ein professioneller Beurteilungsservice für Autoren, eine umfangreiche, gepflegte Linkliste, tausend Ideen für neue Projekte und Rubriken usw. usf. - man kommt schon ins Träumen.
     Doch zurück in die Realität: Ohne ein Marketingbudget bekommen wir keine Werbekunden.
     Aber wir wollen nicht jammern! Immerhin will das Café keine »Veröffentlichungsmaschine« sein oder demnächst werden. So müssen wir auch viele der Gäste vertrösten, die uns Texte einsenden, denn wir können - und wollen! - nicht alles sofort veröffentlichen, dennoch ist es nicht immer leicht, Absagen zu erteilen, zumal mit vielen der Texte auch persönliche Erfahrungen verbunden sind. Und so fühlen sich einige wenige tödlich beleidigt, obwohl wir auf diesen Umstand immer wieder hinweisen.
     Genauso weisen wir auch immer darauf hin, dass wir in unsere Linksliste am liebsten irgendwelche originellen oder informativen Sachen zum Thema aufnehmen und dies eine subjektive Auswahl bleiben wird. Dennoch erreichen uns pro Woche mehrere Bitten, doch die eigene private Homepage mit Gedichten aufzunehmen. Wie ausfallend nach einer höflichen Ablehnung hier plötzlich manche Leute werden und ein scheinbar naives Dichterherz schlagartig die Ebene der höflichen Umgangsform verlässt, weil wohl der Nobelpreis schon zum Greifen nahe war und wir arroganten Säcke vom Literatur-Café dies einfach nicht kapieren wollen. Dass der Absender anonym schreibt, spricht für sich. Den entsprechenden Briefwechsel lesen Sie hier.

Aber dies ist ein unrühmlicher Ausnahmefall! Zum Glück freut sich die Mehrzahl unserer Gäste über unsere Einrichtung, und für diese betreiben wir schließlich das Café.

Viel Spaß im Literatur-Café!

Wolfgang Tischer


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