Mein Prinz - die Entstehungsgeschichte eines Romans Sebastian Schnoy über die Entstehung seines Debütromans Von Sebastian Schnoy
Da ich für das Schreiben meines ersten Romans RAMPENFIEBER eine gewisse innere Sammlung und Ruhe benötigte, kam er lange nicht zustande. Jedes Mal, wenn ich fest entschlossen war, mich an den Schreibtisch zu setzen, lud ich noch kurz die Waschmaschine, saugte das Zimmer und fand einige unbeantwortete eMails. Dann hängte ich die inzwischen fertige Wäsche noch auf, telefonierte, prüfte, ob etwas im Fernsehen lief und versuchte erst mal mein Leben in Ordnung zu bringen. Unter idealen Bedingungen Schreiben konnte ich dagegen in der 3*** Ferienanlage Punta Reina auf Mallorca. In meinem Appartement mit Blick aufs Mittelmeer lenkten mich keine persönlichen Dinge ab und so schaffte ich es täglich nach dem Frühstück rund vier Stunden zu schreiben, den Rest des Tages verbrachte ich mit einer bezaubernden Frau schnorchelnderweise in der Bucht. Eine geniale Mischung, denn ganze Tage am Strand sind zu langweilig und länger als vier Stunden kann ich eh nie schreiben. Vier bis sechs Seiten schaffte ich so pro Tag. Doch was heißt es schon Seiten zu füllen, wenn am Ende von rund 350 über 100 wieder den Kürzungen zum Opfer fallen. Aber das Streichen scheint fast so wichtig, wie das Schreiben selber. Einen Teil des Romans schrieb ich in Cafés, denn die murmelnde Betriebsamkeit der Gäste und das anregende Geräusch der Aufschäumdüse der Kaffeemaschine sind ein schöner Rahmen für die Arbeit, soweit die Gespräche an den Nachbartischen ein inhaltsloses Geräusch blieben. Sobald allerdings Sätze der Gäste mit ganzem Sinn mein Ohr erreichten („Wolfgang kapiert einfach nicht, dass die REAG-Analyse auf dem Server ohne externe Dateien im System hängen bleibt“) war es mit der Konzentration natürlich vorbei. Im Gegensatz zu Wien steht man in deutschen Cafés als Gast ohne Begleitung, der stundenlang liest oder schreibt schnell im Verdacht ein Freak zu sein. Ein jähes Ende fand meine Ich-schreibe-in-Cafés-Phase, als mir eine Kellnerin im Café Zeitgeist in Hamburg verbot die Steckdose für meinen Laptop zu benutzen, wegen des Stromverbrauchs. Ich drohte, sie in meinem nächsten Buch zu beschimpfen, aber das ließ sie kalt. Entnervt verließ ich den Laden und hole die Beschimpfung, da in meinem Roman kein so fieser Charakter vorkommt, an dieser Stelle nach: Die Kellnerin mit dem blonden Pferdeschwanz im Café Zeitgeist in Hamburg ist eine ignorante Schlampe. So. Ich bin hauptberuflich Stand up Comedian und jobbte einige Jahre als Warm Upper für Andreas Türk, Jörg Pilava, Sonja, Franklin, Britt, Vera am Mittag und Johannes B. Kerner. Die Liste wäre kürzer, führte ich an, für welche Moderatoren ich nicht das Warm gemacht habe. In meinem Roman geht es um Robert, der Stand up Comedian werden will und als Warm Upper jobben muss. Deshalb fragen mich natürlich alle, ob ich einen autobiografischen Roman geschrieben hätte. Aber ich erzähle nur aus einem mir bekannten Milieu und insbesondere die chronische Erfolglosigkeit der Hauptfigur Robert ist reine Fiktion : - ) Hermann Mensing Derzeit keine Titelinformationen vorhanden.
|


