CMA - Bestes vom Bauern Das Literatur-Café - Der literarische Treffpunkt im Internet
 
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Essen ist Liebe - Genießen ist Lust
von Rosemarie C. Barth

Wer einen Prinzen sucht, muss viele Frösche küssen? Ich gebe zu, einige habe ich geküsst und erst spät den Prinzen gefunden, der mich verwöhnt. Ich liebe ihn leidenschaftlich und bin, seit ich ihn kenne, genusssüchtig. Eben ist er eingeschlafen. Ich liege noch wach und denke über den genussfreudigen Tag nach. Nach dem Ausflug durch den Elbpark lud mich Hein zum Liebesmenü ein. Am Stadtrand hat das Lokal "Nur du und ich" neueröffnet. Hein hatte einen Tisch mit Seeblick bestellt. Er half mir aus der Jacke und meine Augen wanderten durch das Liebesnest.
Stilvolle Tische waren mit Spitzendecken verziert, warmes Kerzenlicht funkelte. Ich genoss das Ambiente wie ein rauschendes Zeremoniell. Es duftete nach Wildrosen und ich sog sinnlich das Bukett ein.
"Bitte" flüsterte Hein, "setz dich Liebes." Ich war von der verführerischen Aura gefangen, meine Glückshormone tanzten. Hein bestellte einen Aperitif. Verheißungsvoll ließen wir die Gläser klingen. Aus der Musikbox tönte "Ich lieb‘ zuviel, viel zu viel, ich lieb..." wir berührten unsere Finger und waren erregt.
"Darf ich Ihnen das Liebesmenü ‚Gaumenkitzel der Cleopatra‘ empfehlen? Und einen feurigen Rotwein?" fragte der Ober und strahlte wie ein Glücksbote.
Hein sah mich an und ich hauchte ein seliges: "Gern." Das Auge isst mit und der Ober reichte ein Sahnetörtchen mit Schoko und Piemontkirschen. "Hm! Schmeckt lecker", himmelte ich, meine Sinne loderten. Ich schleckte genussvoll, der liebliche Duft weckte sinnliche Effekte in mir. Ein "Gaumenkitzel der Cleopatra" wurde uns gereicht. Austern, Vanille, Kaviar, Reis, Chilischoten, Trüffelpilze, Petersilie, Meeresfrüchte, Paprika, Vanille, Papaya, Mango und Zitronenmelisse waren zu einer duftigen Delikatesse zubereitet. Wohlig schloss ich die Augen und nahm das Aroma durch Haut und Nase auf. Belebende Fantasie wallte durch meinen Körper. Ich öffnete die Augen und legte ein Stück Auster auf die Zunge. Gaumenfreude und verlockendes Funkeln im Glas stimulierten meine Sinne. Zart ließ ich die vielfältigen Geschmacksnuancen im Munde zergehen. Das raffinierte Menü hatte in mir eine ungeheure Lust entfacht. Wir tranken den köstlichen Wein aus und hatten es plötzlich eilig, nach Hause zu gehen. Mir war von den Glückshormonen schwindlig, und ich wollte nur noch meinen Prinzen genießen. Das taten wir intensiv. Ein letzter zärtlicher Blick auf Hein und schon liege ich auch in Morpheus‘ Armen und weiß, es wird noch viele Genusstage geben.

© by Rosemarie C. Barth. Für die Rechtschreibung sind die Autoren verantwortlich.

 
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