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Textkritik: Das Spiel – Prosa

Sie stand da. Stand einfach nur da. Wie eine Statue. Wortlos. Ohne sich zu bewegen stand sie an der Straßenecke und schien auf etwas zu warten [1]. Sie trug einen langen Trenchcoat und hatte den Gürtel nicht mit der Schnalle geschlossen, sondern die beiden Hälften [2] verknotet. Unter dem Trenchcoat schauten die schwarzbestrumpften Beine heraus. Schöne Beine, wie er meinte. Sie hatte die Unterschenkel verschränkt und beide Hände in den Taschen. Ihr langes, sorgfältig gekämmtes, blondes Haar war rechts über die Schulter geworfen, die linke Seite [3] lag auf der Vorderseite des Trenchcoats. Sie trug hochhackige Schuhe, die ihre Figur [4] betonten. Ihr Make-up war sehr elegant und dennoch unscheinbar. Der Halsausschnitt des Trenchcoats gab den Blick auf eine dezente Perlenkette frei. Und sonst gar nichts. Man konnte vermuten, dass sie nichts darunter trug. Das war es vielleicht, was ihn veranlasste, hinzusehen. Männer haben einen Blick für so etwas [5].
Er saß in einem Straßencafé in Zweibrücken, inmitten der Altstadt, um die Tageszeitung zu lesen, als sie ihm auffiel. Beim Lesen trank er immer mal wieder an seinem Café au Lait. Beim Absetzen der Tasse fiel sie ihm auf, als sein Blick zufällig aus dem Fenster des Cafés schweifte. Seltsam, dieser ruhende Pol inmitten der Hektik der Passanten. Er beobachtete sie eine Zeit lang, um sich dann wieder der Zeitung zu widmen [6].
Nach einiger Zeit schaute er auf die Uhr, da er zur Messe musste. Eine Schuh und Lederwarenmesse, die hier in Zweibrücken stattfand. Er hatte noch reichlich Zeit, stellte er fest. Wie zufällig blickte er aus dem Fenster, und stellte fest, dass sie immer noch dastand. Wie eine Erscheinung aus einer Anderen Welt. Er runzelte die Stirn und dachte: »Wer würde eine Frau solange warten lassen [7]
Da begegneten sich ihre Blicke. Kurz nur, aber es war deutlich zu spüren. Verlegen schaute er wieder in die Zeitung, Desinteresse heuchelnd. Aber nichts desto trotz schauten die Augenwinkel dennoch hin [8].
Nach einiger Zeit hatte er sie vergessen. Zu vielfältig die Neuigkeiten, und zu stressig der vor ihm liegende Tag [9].
Plötzlich sagte eine sehr weibliche stimme:
»Darf ich mich zu ihnen setzen?«
Er schaute auf und war erstaunt. Es war die Frau von der Straßenecke. Sie schaute ihn an, eine Antwort erwartend. »Natürlich, bitte«, antwortete er verduzt.
»Äh, Entschuldigung, aber ich habe Sie beobachtet. Mag sein, dass ich zu sehr geglotzt habe«, versuchte er verlegen.
»Ist schon gut. Ich bin offensichtlich versetzt worden.«
»Welcher Volltrottel würde eine Frau versetzen? Ich meine grundlos?«
»Ich weiß es nicht. Ich kenne ihn ja nicht.«
Er war ein wenig sprachlos in diesem Augenblick. Gab sie ihm doch Anlass zu vielen Spekulationen [10].
»Aah, ein Blind Date. Treffen mit einem Unbekannten. Stelle ich mir sehr aufregend vor«, sagte er, die Verlegenheit ablegend [11]. Jetzt war nur noch Neugier da. Brennende Neugier [12]. Er betrachtete die Frau jetzt, da sie nahe war, genauer [13]. Ein edles Gesicht, hohe Wangenknochen, braune Augen. Die Augenfarbe ließ ihn die Stirn runzeln. Blondinen mit braunen Augen? Eher selten [14].
»Ja«, sagte sie, »Wenn man nicht versetzt wird? [15]«
»Ist bestimmt ein blödes Gefühl, wenn man sich freut, zurechtmacht, pünktlich da ist, und dann stehen gelassen wird«, sagte er, ihre Antwort mit Spannung erwartend.
»Stimmt. Ist aber auch nicht das erste Mal«, sagte sie
»Na ja, ob man sich so leicht daran gewöhnt…ich weiß nicht [16]
Die Serviererin stand mittlerweile am Tisch und wollte die Bestellung aufnehmen.
»Café au lait, bitte«, sagte sie zu dem Mädchen.
»Zwei, ich bekomme auch noch einen«, korrigierte er die Bestellung [17].
»Ich möchte ja nicht indiskret sein«, sagte er, »Aber wie geht so etwas vonstatten? Ich hatte nämlich noch nie das Vergnügen eines Blind Date [18]
Sie sah ihn erstaunt an. Als ob es Menschen geben könnte, die diese Erfahrung noch nie gemacht hätten. Er hielt ihrem prüfenden Blick stand. Schaute direkt in ihre Augen [19]. Er konnte normalerweise in den Augen der Menschen lesen, wie in einem Buch. Aber da war nichts. Absolut nichts, was er hätte erkennen können. Ihre schönen braunen Augen ließen ihn nicht die Tiefe ihrer Seele erkennen [20]. Das machte sie nur noch interessanter für ihn. Er wartete lange auf eine Antwort, und schaute ihr dabei unablässig in die Augen. Sie erkannte wohl keine negative Absicht in seinen Augen [21], und sagte:
»Kontaktanzeigen. Es passiert über Kontaktanzeigen. Gott, das glaube ich nicht. Ich erzähle Ihnen hier Dinge über mich…..Sie müssen ja denken, ich sei Nymphoman oder so!«
»Äh, ich will ganz ehrlich sein, der Gedanke ist mir gekommen. Aber, wenn es Ihnen nichts ausmacht, möchte ich das SIE ablegen. Mein Name ist Kyle [22]
Er streckte ihr die Hand entgegen. Hoffte, sie würde sein Angebot annehmen.
Und tatsächlich, sie ergriff seine Hand. Er erhob sich, nahm ihre Hand und hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken [23]. (…)

(Der Originaltext ist noch lange nicht zu Ende – aber genau hier habe ich jede Lust verloren, eine weitere Zeile auch nur zu anzuschauen; wer den Rest lesen will, möge sich an den Autor wenden)

© 2000 by Thomas R. Buntrock [24]. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.
Zusammenfassende Bewertung [25]

Schrott.

Die Kritik im Einzelnen [26]

Oha: das fängt aber schon sehr bedeutsam an! Eine sie stand da, stand einfach da (zweifach geht auch nicht), stand wie eine Statue (die pflegen bekanntlich immer einfach so dazustehen), wortlos (wohl im Gegensatz zu den schwätzenden Statuen) und – man lese und staune: – ohne sich zu bewegen! Eine Statue, die sich nicht bewegt!
Ob diese Statue dabei nicht vielleicht doch ein wenig vor sich hin gemurmelt hat? Wie will das dieser Mensch hören, der sie durch ein Fenster sieht (wie sich später herausstellt), es sei denn, er hat Augen mit Ohren? Oder ist das eine messerscharfe Schlussfolgerung, die daraus gezogen wird, dass Statuen von Haus aus gemeinhin stumm sind? Muss deswegen als sensationelle Erkenntnis unbedingt zu Papier gebracht werden: Wenn schon jemand wie eine Statue steht, dann hat er gefälligst nicht zu reden?
Es hätte vollkommen gereicht zu schreiben, dass jemand eine sie beobachtet, die bewegungslos wartet (warten tut man immer auf etwas oder auf jemanden, das bedarf keiner besonderen Betonung): hier wird etwas Normales zu einer Sensation aufgeblasen, indem immer Gleiches wiederholt wird bis zur Blödsinnigkeit: Das mag als Steigerung gedacht sein, kommt aber nur kitschig: was ist an Bewegungslosigkeit so einzigartig, dass über sie dermaßen überzogen und albern herumgefaselt werden muss? zurück [27]
zurück [28]
Es gibt Erstaunliches: Gürtel haben Hälften, und Haar hat zwei Seiten, nämlich eine linke und eine rechte! Es freut immerhin, dass hier nicht ebenfalls Hälften steht, wäre irgendwie doch auch möglich gewesen, so zu schreiben, oder! Ich nehme mal an, dass es eigentlich nicht so gemeint war – aber so steht es da, und ein Leser gerät ins Grübeln …
Also: Rechts war das Haar über die Schulter geworfen, links lag es auf der Vorderseite des Trenchcoats. Schön. Dennoch kann ich mir die Frisur immer noch nicht vorstellen – obwohl viel Wert auf Präzision gelegt wird: Man denke nur an die Darstellung des bewegungslosen Dastehens, der Körperhaltung, des Gürtels (bei allem sprachlichen Unfug bleibt der Wunsch nach Genauigkeit unbestritten) – ich kann mir also immer noch nicht genau vorstellen, auf welcher Seite dieser Frau das Haar über die Schulter geworfen ist, denn rechts ist abhängig vom Standort: meint rechts jetzt die linke Hälfte der Frau (aus Sicht des gegenüber sitzenden Betrachters) oder die rechte Seite der Frau (aus Sicht der vollständigen Frau)? Das wäre problemlos zu lösen, wüsste der Leser, ob die Frau das Haar über ihre (das wäre dann auch ihre Sicht) rechte bzw. linke Schulter geworfen hätte. zurück [29]
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zurück [31]
Die Qualität des Ragouts bessert sich nicht, die neuen Zutaten passen wieder nicht – oder eigentlich gerade! Da hockt einer im Straßencafé, um zu lesen: das heißt, er hat die Absicht zu lesen! Und während er noch diese Absicht hat, fällt ihm die Trenchcoat-Figur auf. Wie wir bereits wissen, hat er sie ausgiebig beglotzt und ist bereitwillig seinen Fantastereien gefolgt; aus den folgenden Zeilen wird deutlich, dass er schon längst beim Lesen war, als er die Blonde erblickte – demnach saß er nicht im Café, um zu lesen, sondern er saß im Café und las (man mag diese Kritik für überzogen halten, aber wer es ernst meint mit dem Schreiben, sollte das Schreiben selbst ernst nehmen. In »Das Spiel« türmt sich bereits gefährlich Unausgereiftes, Unfertiges und Unsinniges, und ich bin gerade erst mitten im zweiten Absatz!)
Sie fiel ihm also auf. Und warum fiel sie ihm auf? Weil etwas seltsam war – das ist ein Killer-Adjektiv, denn es enthebt jeden Autors des Nachdenkens und des Formulierens, da er von vornherein aufgeben darf: seltsam suggeriert Unfassbarkeit und Einzigartigkeit, die in Worte zu übertragen jeder Versuch sinnlos ist, denn Vergleichbares gibt es nicht. Was ist hier seltsam? Der ruhende Pol inmitten der Hektik der Passanten. Da ich diesen Satz wieder wörtlich nehme, entsteht tatsächlich ein seltsames Bild: Jemand steht bewegungslos in der Mitte von einer Gruppe Menschenwesen, die hektisch um diesen jemand herumkreisen (soviel zu Pol) – doch da es so bestimmt nicht gewesen ist, war es so auch nicht gemeint; hier ist halt wieder ein sprachliches Bild erfolgreich zu Grabe getragen worden; daran, dass eine Person nicht ebenfalls hektikt, wenn andere es tun, ist gar nichts seltsam – aber angesichts des Killer-Adjektivs soll jeder Leser dem Autor beipflichten: meiner Treu, wie seltsam, diese seltsame Frau! Gottseidank (jetzt schlägt mir Word 2000 ernsthaft »Gottspeidank« als Korrektur vor! Wenn man nicht alles selber macht…) schaut der Typ endlich weg, wäre irgendwie seltsam, wenn er es nicht irgendwann täte. zurück [32]
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Schnulz: Da begegneten sich ihre Blicke – es steuerte schon von Anfang an darauf zu, und jetzt findet es endlich statt, in bewährter Manier: der Augenkontakt war kurz, aber deutlich zu spüren; kennen wir doch alles, das ist doch der älteste Hut … wieder soll Triviales als Erlesenes verkauft werden! Augenkontakte sind immer zu spüren, so kurz sie auch sein mögen, da gibt es kein wenn und aber, es sei denn zu Pflege des Kitsches; und selbstverständlich schaut er wieder weg: Der Augenkontakt war doch kurz, das habe ich gerade eben gelesen, was soll das bloß!!! Obwohl ich allmählich ernsthaft in Zweifel gerate, ob nicht »nach einiger Zeit« in diesem Text an dieser Stelle (vom Wegschauen war die Rede) ebenfalls möglich gewesen wäre, dann hätten wir es immerhin drei Mal (statt zwei Mal) kurz nacheinander lesen müssen/können/dürfen, und außerdem ist die Dauer von kurz ja schließlich Ansichtssache, Oder? Aber genau!
Och nö: das… Ich weiß nicht, wie lange ich mir das noch antue, das wird ja noch schlimmer: Jetzt geschieht etwas dennoch nichtsdestotrotz, hier wird vor lauter Sülzerei doppelt gemoppelt; da kann ich glatt Verschärfungen vorschlagen, es geht noch dümmer: trotzdem schaute er gleichwohl des ungeachtet nichtsdestotrotz dennoch immerhin hin, wobei das doppelte hin am Ende gewisslich ebenfalls etwas zusätzlich Qualitäts-Förderndes beiträgt. Wobei nicht vergessen werden darf: Ich habe die Textvorlage böse verbogen: Nicht er schaut hin, auch nicht seine Augen, nein – die Augenwinkel schauen hin!!! Die Augenwinkel höchstpersönlich besitzen in diesem Typ ihre höchsteigenen Winkeläuglein!  Der schaut nicht aus den Augenwinkeln, der kann mit diesen gucken – das wären dann 6 Augen, sofern die Winkeläuglein selbst nicht ebenfalls eigene Augenwinkel-winkeläugleinwinkel-winkeläuglein hätten usw., das wird dann sehr schnell unübersichtlich (nicht nur sprachlich: hatte schon mit diesem Wort Riesenprobleme); und wenn er 6 Augen hätte, dann hätte das etwas Spinniges, was bei diesem Text auf eine ganz eigene Weise einleuchtend ist! zurück [34]
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Erstaunt, verduzt, verlegen, ein wenig sprachlos (bedauerlicherweise: Ich hatte ich mir totale Sprachfinsternis gewünscht; vergebens): Gefühlchen oder was weiß ich werden benannt, statt dass die sichtbaren Reaktionen geschildert würden; wie drückte sich denn die Verlegenheit aus (außer in dem kindischen äh, das fast ausnahmslos jedem beim Reden widerfährt)? Rollte er die Zeitung zusammen (irgendwo muss die doch noch sein) und rührte damit in den Resten seines café au lait?
Was ist Spinnenaug für ein Vogel, wenn er sich für ein Glotzen entschuldigt, dass dieses Wesen vom anderen Stern nicht gesehen haben kann, denn ihr Augenkontakt war nachweisbar deutlich & kurz? Ist das Anbiederung der verlegenen Art? Verlegen war er darüber hinaus in einem solchen Ausmaß, dass sie ihn glaubt beruhigen zu müssen – was ein idiotischer Gesprächsanfang! Die dumpf-verlegene Anbaggerei  setzt sich fort: welcher Volltrottel (…) grundlos; hier relativiert Spinnenaug seine prinzipielle Aussage von vorhin, denn er hat dazugelernt und kann sich jetzt Gründe vorstellen, warum jemand eine Frau warten lassen kann: z.B. möchte der Wartenlasser eine Frau einem Glotzer zukommen lassen. Was ihn zur Revision seiner Überzeugung bewogen hat, bleibt sein Geheimnis, ebenso wie seine Spekulationen. Prima: Will ich auch nicht wissen! Nach dem bisherigen Verhalten von Spinnenaug müssen diese oberdümmlichster Natur sein; dem Autor sei dank, dass er den Leser davor fürsorglichst bewahrt! zurück [36]
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Wie lange hat die Serviererin sich dieses Gerede anhören müssen, da sie mittlerweile schon am Tisch stand? Wie hat sie das ertragen? Oder war sie etwa in diesem Augenblick an den Tisch getreten? Wurschdegal, viel wichtiger ist doch, dass jetzt zum allerersten Mal in diesem Text etwas Interessantes geschieht: Die Serviererin bestellt café au lait bei Trenchcoatblondi! Mit Mädchen muss die stehen gelassene Blind-daterine gemeint sein, grammatisch jedenfalls: Denn das letzte feminine Subjekt, das agiert hatte, war Serviererin; folglich spricht die Serviererin zu dem Mädchen; das ist vom Satzbau her notwendig & logisch – jajaja, ich weiß, ich weiß: selbstverständlich war es gaaaanz anders gemeint: dann könne alle autore besser viel schreibe egal Wörter in Reihenfolge aufeinander wenn könne verstehe man was wolle autore irgendwie …
Dass er anschließend eine korrekte Bestellung korrigiert (statt sie zu ergänzen oder eine eigene aufzugeben), kann nicht mehr überraschen: Er hat sich gedacht, Blondi hätte aus dem aufgeweichten Zeitungsrest in seiner Tasse schließen müssen, dass er ebenfalls einen café au lait hätte trinken wollen, und da er sie zum Sitzen eingeladen hat, hat sie ihn selbstverständlich zu einem solchen einzuladen: Deswegen korrigiert Macho Spinnenaug unverzüglich. zurück [43]
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Bisher war Trenchcoatwoman expressis verbis noch nie interessant für ihn, das wird durch den Komparativ wett gemacht; und endlich kann Geilbock sich mit eigenen Augen überzeugen, wie Recht Aristoteles mit seiner Ansicht hatte, dass Frau so wenig wie Hammer oder Sklave eine Seele besitzt und folglich zu den Gebrauchsgegenständen gezählt werden muss: Geilbocks feuchtester Traum droht hier wahr zu werden – da lohnt sich schon ein genaueres und unablässiges Hinsehen.
Was ist denn das? Perspektivenwechsel? Wird jetzt aus Blondis Sicht erzählt? Oder handelt es sich um eine Spekulation (wohl), die Geilbock Spinnenaug anstellt, in der Hoffnung, dass seine negative Absicht nicht erkannt wird (welche denn, bitteschön? Was hat er denn vor? Will er sie in ein Lederkostüm zwängen und mit einer nagelgespickten Peitsche züchtigen? Das ist die einzige negative Absicht, die Trenchcoatwesen kennt! – selbstverständlich ist wieder mal alles gaaaanz anders, gemeint ist: bösen Absichten)- da: sie wird tatsächlich nicht erkannt! Blondi kann ebenfalls nicht lesen! Welch Erleichterung… zurück [47]
Ich werde mir mal Kontaktanzeigen genauer anschauen. Kontaktanzeigen. Wenn Trenchcoattussi das Wort zweimal nacheinander verwendet, wieso glaubt sie es dann nicht? Was geht denn hier schon wieder ab? Ach so – vor Gott muss sich der Leser eine Pause denken, Gott gehört zur nächsten Äußerung! Diese Pause hätte aber gefüllt werden können, ja müssen mit einer schönen Erläuterung, z.B. »In seinem seltsamen Augenaufschlag erkannte sie die negative Tiefe seines überraschten Erstaunens. Sie erschrak. Fürchterlich. Rang mit sich. Mit ihrer Verfassung. Kämpfte tapfer, fasste sich und sprach mit ihren schönen braunen Augen: Gott (usw. usw. usw.)« Damit wäre Gott (usw.) in den richtigen Zusammenhang gerückt, und sprachlich oder inhaltlich würde sich beileibe nichts verschlechtern!
Wer in aller Welt ist Nympho-man? Der Gegenspieler von Spiderman (ha: Spinnenaug!)? Batman? Ironman? Machoman? Aquaman? Wieso glaubt Blondi, Geilbock könne sie für einen Mann halten? Hat sie das in seinen Augen gelesen? Auf die Frage war Geilbock nicht gefasst, prompt greift Verlegenheit um sich und findet die bekannte sprachliche Vollendung: Äh. Blöd, wie er nun einmal ist, gibt er zu, dass er sie tatsächlich für Nympho-man gehalten hat, und erfindet aus lauter Verlegenheit einen abscheulichen Namen für sich: Kyle! Mit dem wird normalerweise kleinen Kindern gedroht: »Wenn du nicht sofort aufhörst zu schreiben, kriegst du Keile!« Ob das bei Blondi fruchtet? Ich will es eigentlich nicht wissen. Die Schmerzgrenze ist erreicht … zurück [48]
Er streckte ihr die Hand entgegen und hoffte, sie würde sein Angebot annehmen. Dieser (von mir sprachlich schon erheblich verbesserte) Satz gibt erneut Anlass zu unergiebigem Rätselraten: Das einzige Angebot ist die Hand; wenn sie diese annimmt, hat er eine weniger. Ansonsten möchte er das SIE ablegen, was aber ein Wunsch ist und kein Angebot. Blondi versteht ihn vollkommen richtig: Sie ergreift tatsächlich seine Hand. Aber statt dass er sich freut – er hat es doch so gewollt -, erhebt er sich und – nimmt ihre Hand: Jetzt hat er wieder zwei, der Glückliche!
Was in aller Welt soll dieser Händetausch? Was ist daran auszusetzen, wenn sich zwei Menschen die Hände reichen? Warum wird Einfaches in diesem Text immer so undurchschaubar kompliziert? Es reicht jetzt! Die Schmerzgrenze ist überschritten! Ich mag nicht mehr! zurück [49]