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Innerliches Feuer und erloschene Liebe: »Der Brand« von Daniela Krien

Der Brand von Daniela Krien
»Der Brand« von Daniela Krien

Daniela Kriens dritter Roman »Der Brand« liest sich reibungslos und leicht – fast schon zu schnell gleitet man über die 270 Seiten hinweg. Die Autorin kombiniert aktuelle gesellschaftliche Diskussionen gekonnt mit dem Kernthema zwischenmenschlicher Beziehungen.

Mit ihrem zweiten Roman »Die Liebe im Ernstfall« stand Daniela Krien monatelang auf der Bestsellerliste. Den dritten Roman der Leipziger Autorin erwarteten daher viele mit Spannung. Im Juli 2021 erschien schließlich »Der Brand«. Wie die beiden vorherigen Romane erschien er im Diogenes Verlag.

Der titelgebende »Brand« leitet die Geschichte ein. Anders als man vermuten könnte, folgt kein Krimi oder Thriller. »Der Brand« ist vielmehr eine Liebes- und Familiengeschichte, in der die Protagonisten – die fast dreißig Jahre verheirateten Eheleute Rahel und Peter – manchmal vor Wut oder Unverständnis innerlich brennen – oder sich ein verloren gegangenes Brennen ihrer Liebe zurückwünschen.

Der Roman erstreckt sich über drei Urlaubswochen, jeder Wochentag bildet ein Kapitel. Der Leser hört von alltäglichen Szenen und von der Ehe(-krise) aus Rahels Sicht, personal in der dritten Person erzählt.

Die Kapitel sind in »Der Brand« in Wochen(-tage) untergliedert
Die Kapitel sind in Wochen(-tage) untergliedert

Daniela Krien schreibt im Präsens. Und das passt, denn der Roman spielt in der Gegenwart. Im vergangenen Jahr konnte man den Eindruck gewinnen, Autoren wollen die Pandemie-Ära umschiffen, indem sie ihre Romane ein paar Jahre früher spielen lassen. Beispielsweise wählt Lily King für ihren 2020 erschienenen Roman »Writers and Lovers« die 90er-Jahre als Handlungszeitraum. Sally Rooney lässt »Normale Menschen« zu Beginn er 2010er-Jahre spielen. Daniela Krien hingegen stellt sich der Corona-Zeit. Auf den ersten Seiten erfährt der Leser, dass der Roman im ersten Jahr des Virus spielt. Im Sommer 2020.

Die Autorin thematisiert die aktuellen Gender- und Identitätsdebatten genauso wie die Diskussion um die Klimaveränderung. Die beiden Protagonisten mögen sich in ihrer Ehe Problemen gegenübersehen, jedoch vereint die beiden Intellektuellen eine Skepsis gegenüber der Welt. Krien webt dies gekonnt in Dialoge und Gedankengänge ein, wenn es beispielsweise übers Zeitunglesen heißt: »In zu vielen Beiträgen vermissten sie journalistisches Ethos und Realitätssinn […], und eines Samstags kam Peter nur mit einer Tüte Brötchen vom Bäcker zurück.«

Die Psychologin Rahel und der Literaturprofessor Peter sind glaubhaft gezeichnet. Ebenso deren Kinder, die in der Geschichte auch auftauchen. Bereits wie Peter sein Frühstücksbrot belegt, sagt viel über ihn aus. Er legt »Salamischeiben so auf sein Brot, dass sie den Rand der Brotscheibe nicht überlappen«. Gurken und Möhren werden ebenfalls exakt geschnitten und daneben aufgereiht, bevor er zu essen beginnt: »Ein Biss vom Brot, ein Stück Gurke, ein Karottenstift. Brot, Gurke, Karotte. Brot, Gurke, Karotte.«

Kriens Sprache ist klar und schnörkellos und modern wie ein Neubau. Sie wirkt bisweilen lakonisch und nüchtern, ist jedoch angenehm zu lesen. So liest sich das Buch reibungslos und leicht – fast schon zu schnell gleitet man über die 270 Seiten hinweg.

Es scheint ein generelles Problem unserer Zeit, dass immer mehr Stoff auf immer weniger Seiten oder Fernsehminuten gepackt wird. So auch hier: Warum muss die Geschichte einer Ehekrise überladen wie eine Seifenoper sein? Braucht es wirklich eine vergangene Affäre und einen späteren Schwangerschaftsabbruch? Und warum muss die Protagonistin zusätzlich noch rätseln, wer denn ihr Vater sei? Hätten nicht familiäre Konflikte genug Stoff ergeben?

Daniela Krien kann wunderbar schreiben, auch über Stimmungen: »Später steht sie in der Haustür und blickt hinaus. Kein einziges Tier ist zu sehen. Blauschwarze Wolken verdunkeln den Himmel, die Luft flirrt. Ein Windstoß treibt Staub an ihr vorüber, und von weither hört sie leises Donnergrollen.«

Etwas mehr Stimmung (schließlich spielt der Roman an einem Landhaus am See) und etwas weniger Drama hätten »dem Brand« nicht geschadet.

Die Bücher »Die Liebe im Ernstfall« und »Der Brand« von Daniela Krien
Daniela Kriens zweiter und dritter Roman – »Die Liebe im Ernstfall« und »Der Brand«

Alles in allem ist »Der Brand« ein lesenswerter Roman mit schönem (offenem) Ende. Die Autorin kombiniert aktuelle gesellschaftliche Debatten gekonnt mit dem Kernthema zwischenmenschlicher Beziehungen.

Juliane Hartmann

Daniela Krien: Der Brand. Gebundene Ausgabe. 2021. Diogenes. ISBN/EAN: 9783257070484. 22,00 €  » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel

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