Das Literarische Quartett: Zunehmend uninteressant

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Sandra Kegel (links), Literaturkritikerin bei der FAZ, war diesmal Gast im Literarischen Quartett (Foto: ZDF/Jule Roehr)
Sandra Kegel (links), Literaturkritikerin bei der FAZ, war diesmal Gast im Literarischen Quartett (Foto: ZDF/Jule Roehr)

Woran lag es, dass die Sendung vom 12. April 2019 zunehmend uninteressant wurde? An den Büchern? Dem Quartett? Der eigenen Müdigkeit? Als Gast versuchte zumindest Sandra Kegel, die besprochenen Bücher kritikabel differenzierter zu betrachten.

Ist es ein Gradmesser für die Qualität der Diskussion des Literarischen Quartetts, ob man nach der Sendung zumindest einen leichten Wunsch verspürt, in eines der bislang selbst nicht gelesenen Bücher reinzuschauen, wenn man in der kommenden Woche die Buchhandlung seines Vertrauens aufsucht? Man muss sich zumindest keine Sorgen machen, dass die Bücher vergriffen sind, denn schon lange führt die Literatursendung nicht mehr dazu, dass die besprochen Bücher die Bestsellerlisten erstürmen. Außerdem sind zwei der Bücher dort bereits auch ohne die Sendung ganz vorn zu finden.

Über den Gewinn des Preises der Leipziger Buchmesse war der Verbrecher Verlag offenbar selbst überrascht, denn Anke Stellings Buch »Schäfchen im Trockenen« war unmittelbar nach der Preisverleihung ausverkauft. Nun, zur ZDF-Sendung, liegt es wieder in den Buchhandlungen, der Verlag hat nachdrucken lassen.

Tatsächlich war die erste Diskussion über die Suade einer schwäbischen Mutter im Prenzlauer Berg noch die beste der Sendung. Thea Dorn hatte das Werk »mitgebracht«, obwohl sie ein »ambivalentes Verhältnis« zu diesem Buch habe. Diese Distanzierung und die Tatsache, dass das Buch somit keinen vehementen Fürsprecher hatte, mag dazu beigetragen haben, dass hauptsächlich über das Buch und nicht gegen die Gesprächspartner geredet wurde. Dem oft gehörten »Ich-finde« der quartettschen Aussagen, setzte insbesondere Sandra Kegel einen genauen und differenzierenden Blick entgegen, nachdem zumindest Volker Weidermann die Sprache des stellingschen Buches zur erstgenannten brachte, wenngleich auch mit einem »Ich-finde« verknüpft.

Das alles führte in keiner Weise dazu, dass man das Buch lesen wollte, denn nichts scheint langweiliger und unorigineller zu sein, als eine Prezlauer-Berg-Mami, die über Prenzlauer-Berg-Mamis wettert, doch die Diskussion übers Buch war interessant – zumindest am Durchschnitt der Quartett-Diskussionen gemessen.

Es folgte der derzeit überall gelobte Bestseller »Herkunft« von Saša Stanišić, der unerwartet von Frau Westermann ins Spiel gebracht wurde, die sonst eher fürs Seichte zuständig ist. Das Buch wurde gelobt, nur Frau Dorn insistierte, indem sie die »poetische Dimension« des Buches lobte, das »politische Programm« jedoch ablehnte. Auch hier setzte Frau Kegel den wohltuend analytisch-literaturkritischen Von-außen-Blick entgegen.

Quartettig gelobt wurde im Folgenden das schmale Bändchen »Was habe ich gelacht« des argentinischen Autors César Aria, von Frau Kegel etwas unglücklich mit der Aversion auslösenden Weltweit-schon-vielbeachtet-und-gelesen-nur-hierzulande-noch-nicht-Vorstellung eingeführt, wo doch schon die Vorderseite(!) des Buchcovers mit ähnlichen marktschreierischen Zitaten und Anpreisungen versehen ist.

Beim zuletzt besprochenen Buch »Monster« mag die eigene Müdigkeit ihren Teil dazu beigetragen haben, denn warum es dieses Buch braucht und was es von all den anderen Büchern zum Thema Shoa unterscheidet, wurde in keiner Weise klar. Stattdessen wurde über das Thema selbst und die eigenen Empfindungen gesprochen, aber so gut wie nicht über das Buch, dessen Mittel und Sprache. Schade.

Vorbei war eine Sendung ohne Höhepunkte, deren spätnächtlicher Spannungsbogen direkt ins Bett und zu dieser ebenfalls nicht sonderlich inspirierenden TV-Kritik führte.

Wolfgang Tischer

Link ins Web:

Die in der Sendung vom 12.04.2019 besprochenen Bücher:

2 Kommentare

  1. Liebes literarisches Quartett,
    ich frage mich immer wieder, warum in dieser Sendung nur hochgeistige Literatur aus den bekannten Gesellschaftsverlagen diskutiert wird.
    Warum kann man nicht mal ein Jugend- oder Kinderbuch, möglicher weise aus einem Kleinverlag, ohne auf die entsprechende Auflage zu schauen, in die Diskussionsrunde mit einbezogen werden?
    In der Regel sind doch Kinder- und Jugendliche die Buchkäufer von Morgen und vielleicht trägt eine Auflockerung dieses Genre zur Belebung der Sendung bei.
    Mit freundlichen Grüßen
    Werner Thieke, Kinder- und Jugendbuch Autor

  2. Bei einigen Aussagen zu “Herkunft” fragte ich mich, ob die Anwesenden ein etwas anderes Buch gelesen hatten als ich. Es war mehrfach von “Heimat” die Rede (nur als ein Beispiel). Frau Dorns Kritik fand ich unpassend. Ja,eine wenig aussagekräftige und auch langweilige enttäuschende Sendung.

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