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Von Feen und leiser Zivilisationskritik: Alina Bronskys Jugendroman »Spiegelkind«

Alina Bronsky (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

Alina Bronsky (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

Abgelebte Holzstühle und Tische mit Kratzern und Einkerbungen, auf einer Regalzeile an der Wand hinter der Theke reihen sich bunte Spirituosen. So die Atmosphäre des schnuckeligen Cafés »Linie 3 [1]«, das Alina Bronsky für das Gespräch ausgewählt hat. Unweit davon wohnt die junge Schriftstellerin mit ihren drei Kindern. Als sie in grünem Parka und mit Hund Akira, einem Eurasier, zur Tür hereinkommt, kann sie den hibbeligen Vierbeiner kaum ruhig halten. Es schließt sich eine angeregte Unterhaltung über ihr neues Buch »Spiegelkind« an.

Christian Hoffmann war in Darmstadt und hat sich mit Alina Bronsky unterhalten.

»Die Geschichte kam zu mir«, erzählt Alina Bronsky. Bei »Spiegelkind« handelt es sich um ihren ersten Jugendroman, der dazu phantastisch angehaucht ist. Er erzählt die Geschichte einer 15-Jährigen, deren Mutter plötzlich verschwindet, wobei sich herausstellt, dass die Mutter ein feenhaftes Wesen ist. Gemeinsam mit ihrer Freundin begibt sich die Tochter also in eine Märchenwelt, um die Mutter zu suchen. Wer erinnert sich an Tinker Bell [2], die kleine Fee an der Seite von Peter Pan, der nie erwachsen werden wollte? Oder die Feen in romantischen Werken von E.T.A. Hoffmann?

Alina Bronskys Ursprungsidee war es, einen Roman über einen radikalen Konflikt einer Jugendlichen zu schreiben, vielleicht über ein Trennungskind: Mama hat einen neuen Freund. Fragen nach Verlust, Verrat und Identität sollten die Geschichte umkreisen. In diese Richtung wollte die 34-jährige Autorin stoßen. »Ich lese selbst gerne solche Jugendromane«, verrät die Schriftstellerin. Da werde sie von ihrer eigenen Tochter, mit 13 Jahren am Beginn der Pubertät, mit Titeln auf dem Laufenden gehalten. Ihre Tochter war es auch, die das fertige Manuskript zuerst zu lesen bekam. Im vergangenen Dezember erlitt jedoch Alina Bronsky einen schweren Schicksalsschlag: Ihr Mann verunglückte in der Schweiz bei einem Sturz in eine Gletscherspalte tödlich. »Kinder erden einen sehr, man behält die Bodenhaftung, weil man ständig im Dienste anderer steht«, erklärt Alina Bronsky, die durch ihre Kinder lernte, die Welt mit Kinderaugen zu entdecken.

Cover: Spiegelkind von alina Bronsky [3]Der Roman »Spiegelkind« ist in lakonischer Jugendsprache verfasst. Klar wie Kloßbrühe. Wobei die jugendliche Protagonistin Juli Rettemi einen Rückblick auf ihre unbeschwerte Kindheit hält. »Der Haushalt machte sich, wie es mir schien, von alleine. Ich ging niemals Lebensmittel einkaufen und hatte noch nie im Leben etwas gekocht.«

Mehrere Theaterbühnen, darunter das Frankfurter Autoren Theater, adaptierten Alina Bronskys Debütroman »Scherbenpark« [4], ein Buch über ein Coming-of-Age-Mädchen, das in einer Plattenbausiedlung aufwächst. Momentan wird in Stuttgart der Roman auch verfilmt, mit den Schauspielern Jasna Fritzi Bauer und Ulrich Noethen. Eine Verlängerung der Verwertungskette, von der Buchhandelstheke an die Kinokasse. »Schreiben macht mich glücklich«, bekennt Alina Bronsky. Ihr gefällt es, wenn andere Kunstschaffende Bronskys Stoffe mit eigenen Ideen in ein anderes Medium übertragen.

Zurück zum »Spiegelkind«: Juli Rettemi besucht ein Elite-Gymnasium, an dem nicht nur Schuluniformen zu tragen, sondern die Pennäler auch mit einem Armband-Code gekennzeichnet sind. Eine leise Zivilisationskritik? »Wenn man das so lesen möchte, ja«, kommentiert Alina Bronsky, die letztes Jahr bei der großen Kölner Lit.Cologne-Gala neben Elke Heidenreich las. Der Deutungsspielraum lasse dies zu. Zwischen biometrischen Personalausweisen, Spuren im Internet und Videokameras auf öffentlichen Plätzen. Ohne paranoide Verschwörungstheorien zu stricken: Uns ist sicher nur zu einem Bruchteil bewusst, was der Staat über seine Bürger verdeckt erfährt, wie er uns beobachtet und durchleuchtet [5]. Der Jugendroman »Spiegelkind« ist Auftakt einer Trilogie. Der zweite Teil soll noch 2012 in die Läden kommen.

Christian Hoffmann

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Die Website zum Buch: www.pheen.de [12]