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Beitrag vom 13. Juli 2016 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Wo bleiben Altenromance und Altenliteratur?

Ausschnitt aus dem Cover des Romans »Recuerdos – Vielleicht war es ein Tango«

Ausschnitt aus dem Cover des Romans »Recuerdos – Vielleicht war es ein Tango«

Es gibt Jugendliteratur, Kinderbücher, Frauenromane und natürlich jede Menge Subgenres wie Lesben- und Schwulenromance. Doch eine große Lesergemeinschaft wurde vergessen, für die es weder eine eigene Literatur noch ein eigenes Subgenre gibt. Es ist sogar so, dass bei Kindle-Veröffentlichungen in der Wahl der Kategorie (Familie und Beziehungen, Lebensabschnitte) das »mittlere Alter«, das höchst Erreichbare zu sein scheint. Die Kategorie »Silver Age«, »Senioren« – oder mit welchen Euphemismen man auch immer die Generation 50+ zu bezeichnen pflegt – fehlt völlig.

Peter Hakenjos macht sich auf die Suche.

Lesen 35-jährige Männer mehr als 60-jährige Frauen? Das Angebot in der Buchhandlung widerspricht der Antwort, die Ihnen vermutlich spontan einfiel: Für den 35-jährigen Mann gibt es in jeder Thalia-Filiale Regale mit Krimis, Abenteuerromanen und Fantasy, in denen Männer seines Alters die Protagonisten stellen. Wie sieht es mit der 60-jährigen Frau aus? Sollte sich ein Verlagsvertreter hier ins literaturcafe.de verirrt haben und diesen Artikel lesen, wird er jetzt die Backen aufblasen, leicht erröten und dann erleichtert ausrufen: »Und ewig wackelt der Pudding«, das haben wir vor drei Jahren auf den Markt geworfen. Lief gar nicht so schlecht! Da ging es um ein paar komische Alte, die …«

Alte im Film: Vertrottelt, lieb und doof, senil oder asexuell

Von Verlagsseite habe ich schon gehört: »Kein Mensch will etwas über Alte lesen, selbst die Alten nicht!« Stimmt! Auch ich meide das Zeug, das uns mit alten Protagonisten geboten wird. Gelebt habe ich 68 Jahre und weiß, was mich erwartet, wenn Alte in Film oder Literatur die Hauptrolle spielen.

Der Drehbuch- oder Romanautor, vorzugsweise kaum vierzig Jahre alt, stellt uns als vertrottelt, lieb und doof, senil oder asexuell dar. Nein, das muss ich mir nicht geben, das muss ich nicht anschauen und auch nicht lesen! Sie hätten gerne Beispiele?

Peter Hakenjos (Foto:privat)Peter Hakenjos
wurde 1948 geboren, ist aufgewachsen in und immer wieder zurückgekehrt nach Karlsruhe. Er studierte Wirtschaftspädagogik an der Universität Mannheim und war Lehrer für Spanisch sowie Wirtschaftswissenschaften an einer beruflichen Schule, darüber hinaus war er in der Lehreraus- und -fortbildung tätig.
www.peterhakenjos.de

Der Klassiker im Film: Harold and Maude. Maude als 80-Jährige liebt einen 18-Jährigen. Scheint progressiv zu sein. Ist es aber nicht. Die Alte muss zum Gedudel von Cat Stevens mittels eines Suizids entsorgt werden, wäre sonst ja auch eklig, oder?

In Wolke 9, auch einem Film, gibt es schönen Sex von Alten. Super, denkt man zu Beginn. Endlich ein Film für und mit uns Alten! Doch die Strafe folgt auf dem Fuß. Der Ehemann bringt sich um, als seine Frau ihn wegen eines anderen Alten verlässt. Der Autor und Regisseur Andreas Dresen war höchstens 45, als er sein in mehr als einer Hinsicht schwaches Drehbuch geschrieben hat.

Was das Herz begehrt? Die alte Diane Keaton muss den sensiblen, jungen und schönen Keanu Reeves, der sie liebt, verlassen, um das Ekelpaket Jack Nicholson zu ehelichen. Die Liste mit gesellschaftlich korrekt dargestellten Alten im Film ließe sich beliebig fortsetzen. In der Literatur nicht.

Im Film kann man Alte offenkundig noch an die Leute bringen. Wieso fehlt so etwas fast völlig in der Literatur? Philip Roth mit »Der menschliche Makel«? Der alte Professor liebt die junge Putzfrau. Am Ende sind beide tot. Erbaulich? Eher nicht. Virginia Ironside schreibt uns mitunter aus der Seele. Aber das läuft unter dem Genre »Ratgeber«. Man könnte als Altenromance noch Brücken am Fluss von Robert J. Waller anführen. Dazu müsste man akzeptieren, dass Mitte 40 bereits alt ist. Ist es das? Eher nicht.

Keine Literatur, die sich für uns Alte zu lesen lohnt

Nein, es gibt so gut wie keine Literatur, die sich für uns Alte zu lesen lohnt, und würde etwas für uns geschrieben, wir würden nur wieder erwarten, dass wir darin die asexuellen, verpeilten Deppen oder liebenswert harmlose Schrullen sind. Die Folge: Kein Verlag will Bücher auflegen, von denen er erwartet, dass sie unverkäuflich sind. Und es gibt noch einen weiteren Grund, dass keine Altenromance, keine Altenkurzgeschichten usw. in den Regalen der Buchhandlungen stehen: Die Redaktionsmitglieder der meisten Verlage sind kaum den Hörsälen der Universität entwachsen. Für sie ist das Alter und das Altwerden höchstens ein Thema, wenn es darum geht, uns Alte als lächerlich oder überflüssig darzustellen. Auch alte, unbekannte Autoren sind in den Redaktionsstuben wenig gefragt. Die Alten haben die unangenehme Angewohnheit, bald zu sterben. Dann ist das schöne Geld, das für das Marketing eines Namens ausgegeben wurde, mit dem Debut-Roman verpulvert.

Mit Genres für Alte besteht zudem das gleiche Problem, wie mit allen Sub-Genres, die noch nicht geläufig sind: Um überhaupt Leser zu finden, muss erst für das Genre selbst geworben werden, muss für ein neues Buch wesentlich mehr die Werbetrommel gerührt werden, als für ein Fantasy-Buch, in dem muskelbepackte Werwölfe sich über blasse Jungfrauen hermachen.

Ich habe mich an Romanen für Alte versucht. Zwei Romane waren das Ergebnis: Recuerdos – Vielleicht war es ein Tango und Von Spanien, einer alten Liebe und der verrückten Lust auf Leben. Bei den Kurzgeschichten Alt und frei: Stories vom Lieben und Lästern habe ich zwar bei Vito von Eichborn eine gewisse Anerkennung gefunden, sie wurden in die EDITION BoD aufgenommen, verkauft wurde wenig. Über den Erfolg des zweiten Bandes der Kurzgeschichten: …aber versuchen will ich ihn, schweige ich lieber. Der ist bei CreateSpace erschienen.

Einen großen Publikums-Verlag für Altengenres finden? Fehlanzeige. Gut, ich weiß schon: Sie runzeln jetzt die Stirne und denken: »Oh Gott, schon wieder ein Spätberufener, der glaubt Schriftsteller zu sein und dabei das und dass nicht unterscheiden kann!« Vielleicht haben Sie ja recht. Ich kann meine eigenen Romane und meine Altenkurzgeschichten in ihrer Qualität nicht beurteilen. Mag sein, meine Veröffentlichungen gehören in den unüberschaubaren Müllberg qualitätsfreier Vanity-Publisher Produkte. Aber finden Sie in den Katalogen der Verlage etwa Romane, in denen schöne alte Menschen ihre Liebe leben, zueinander finden, nicht die Deppen sind, Sex haben und ihr Leben nach diversen Konflikten wiederfinden? Für einen Tipp wäre ich dankbar.

Peter Hakenjos

38 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Ingken Wehrmeyer schrieb am 13. Juli 2016 um 12:22 Uhr

    Lieber Herr Hakenjos, lesen Sie bitte Die Breite der Zeit von Brigitte Halenta! Ich glaube, es beinhaltet genau das, was sie suchen! Auch das Thema Sex im Alter wird nicht ausgespart! Aber vor allem ist dieses Buch wunderbar geschrieben und steckt voller Lebensweisheiten! Wenn sie es wirklich lesen, würde mich ihre Meinung interessieren. Hier der Link zu Amazon: https://www.amazon.de/Die-Breite-Zeit-Brigitte-Halenta-ebook/dp/B019LT9I9O?ie=UTF8&ref_=asap_bc

  2. Alexander Cien schrieb am 13. Juli 2016 um 12:29 Uhr

    Verstehe nicht die vielen Worte um eine heiße Gasblase. Warum sollte es Genres für die Alten geben? Die sind schließlich klug genug geworden, zu wissen, dass dieses Kategorisieren nur dem Kommerz und der Logistik von Büchern dient. Ich habe, mit wenigen Ausnahmen, immer nur LITERATUR (in Großbuchstaben) gelesen, der ganze Unterhaltungsmist kann mir gestohlen bleiben! Und, für die paar Lebensjahre habe ich noch mehr Bücher zu lesen als ich es überhaupt bewältigen kann. Also Silver-Lit nein, danke!
    Und wendet Euch mal wieder relevanten Themen zu. Tischer in Klagenfurt war ja wohl auch eher eine Nullnummer…

  3. evelyne weissenbach schrieb am 13. Juli 2016 um 13:06 Uhr

    >>>Lieber Herr Hakenjos, das Thema “Altersroman” ist ein Ablehnungsgrund bei Verlagen. Ich habe es schriftlich, neben dem Vermerk “literarischerQualität” des Manuskriptes…<<<
    genauso ist es mir auch ergangen.
    ein roman über eine erotische beziehung in einem seniorenwohnhaus …
    ich habs dann in unserem kleinen hausverlag verlegen können, der aber natürlich nur eine sehr geringe reichweite hat.

  4. Zauberfee schrieb am 13. Juli 2016 um 14:51 Uhr

    Hallo

    danke für diesen interessanten Artikel- Dieser gefällt mir sehr. In der heutigen Zeit werden manche Themen leider verbannt. Ich weiß, dass ist ein alter Hut. Ich selbst erlebe wie wenig altersgerechte Art es von kulturellen Zugängen für ältere Menschen gibt. Altenroman ist eben nicht ein schöner Begriff. Aber das kann man ändern. Was spricht gegen Alt? Per definitionem gibt es drei verschiedene Unterteilungen in den Altersklassen von Senioren. Großartiger Artikel und danke für den Gedankenanstoß Chapeau!

  5. Horst-Dieter Radke schrieb am 13. Juli 2016 um 17:32 Uhr

    Einfch mal nach “Monika Detering” fahnden. In ihren Erzählungen “Carls Tange” und “Hollywood-Gruft” fahnden. Die Protagonisten sind alle 50+. Und auch Gerde ist nicht mehr die jängste (“Bernd, der Sarg und Ich”).

  6. Peter Hakenjos schrieb am 13. Juli 2016 um 17:58 Uhr

    Mir fällt auf, dass einige Kommentatoren sich äußern, dass Sie keine “Altenliteratur” lesen würden. Warum auch? Ich lese auch keine Horrorromane. Sagt dies etwas über Horrorromane aus? Wohl eher nicht. Wir können uns auch ausschließlich “Literatur” zuwenden – wir müssen es aber nicht. Auch Shakespeare wäre in seiner Zeit – hätte es die Begriffe denn gegeben – sicherlich nicht der hohen Literatur zugeordnet worden.
    Altenliteratur – wenn ich den Begriff verwenden darf – würde sich an Alte wenden, wie sich Jugendliteratur an die Jugend wendet. Daran kann ich nichts Verwerfliches finden.
    Auch dass Verlage Bücher verkaufen wollen – also bitte! Das ist doch nicht schlecht. Wenn die Katalogisierung von Literatur uns das Suchen erleichtert und damit den Absatz von Büchern erhöht, ist das nicht eine sog. Win-Win-Situation?
    Auffällig ist, dass der Begriff “alt” dermaßen negativ belegt ist, dass es uns allen Angst machen sollte, auch den Jungen. Denn die Zukunft der Jugend liegt im Alter ;-)

  7. Susanne schrieb am 14. Juli 2016 um 09:47 Uhr

    Hallo Herr Hackenjos,
    das Problem sind nicht die Romane für Alte – sondern falsche Altersangaben und -beschreibungen der Autoren. Nehme an, da greift wahrscheinlich auch das lektorat ein. Aber als passionierte Krimileserin ärgert es mich, wenn Mittdreissiger oder anfangsvierziger bereits alles erlebt haben: Studium, Karriere, Familie und dann Mord. Das stimmt selten und ist selten stimmig. Ältere Kommissare? Kommissare, die alt werden dürfen? Selten.
    Ein Werk, das ich auch den älteren Lesern ans Herz legen kann ist Jaume Cabré: Die Stimmen des Flusses. Eine alternde Herrscherin, viel Vergangenheitsbewältigung vor der Kulisse des Franco-Spaniens. Bei @Osiander.de zu haben: https://www.osiander.de/webdb/index.cfm?osiaction=details&id=KNO2015112601272&source=UWK

  8. Team Verlag 3.0 schrieb am 14. Juli 2016 um 10:52 Uhr

    In der Backlist des Verlag 3.0 gibt es ein empfehlenswertes Werk, das das Thema Liebe im Alter und Musik auf wundervolle Weise miteinander verbindet und das von Peter Kleiß (Saarländischer Rundfunk) mit folgenden Worten wertgeschätzt wurde:
    “In der Literatur und im Film enden Liebesgeschichten meist “glücklich”, also wenn die beiden Protagonisten sich “kriegen”. In der Musik ist das nicht immer so. Der Blues z.B. ist geradezu sprichwörtlich für Trennung oder diverse in anderer Form unglückliche Lieben. Christian Oelemanns “Dumme Gedanken” ist ein Blues in Romanform. Logisch, dass der Protagonist gerne Jazz hört. Keith Jarrett vor allem. Kluge Gedanken, wunderbare Ideen zu Musik und vor allem die große Empathie mit den handelnden Personen machen den Roman zu einem modernen Meisterwerk.”

    Weitere Infos zum Buch:
    https://buch-ist-mehr.de/PWA/buecher/dumme-gedanken

  9. Andrea Hillberg schrieb am 14. Juli 2016 um 11:21 Uhr

    Ich bin keine 40 mehr. Nicht mal mehr 50. Und ich muss dem Autor zustimmen: Die Alten werden in TV und Buch gerne verdeppt dargestellt. Mir ist eine Krimi-Ausnahme über den Weg gelaufen: Die Lizzi-Reihe von Anja Marschall. Deppig sind da nur die anderen, aber bestimmt nicht die 70jährige Lizzi, die in Hamburg als Detektivin-wider-Willen ermitteln muss. Da geht es zwischen den Zeilen um Altersarmut, schrittweises Entmündigen der Alten, Selbstbestimmtheit und auch mal Sex. Ob sich die Reihe, die im Aufbau Verlag erschienen ist, gut verkauft, weiß ich nicht. Momentan gibt es zwei Bücher. Und beide finde ich toll.

  10. Renate Blaes schrieb am 14. Juli 2016 um 15:06 Uhr

    Es stimmt nicht, was Sie schreiben, verehrter Herr Hakenjos. Es gibt sehr wohl Altenliteratur. Unter anderm auch unter “alt”bekannten Autoren.
    Ein wohl weniger bekannter Autor ist Hallgrimur Helgason mit seinem Roman “Eine Frau bei 1000˚”.
    Sehr zu empfehlen!

  11. Vito von Eichborn schrieb am 14. Juli 2016 um 15:40 Uhr

    Moin,
    1. Wie wär’s mit Don Quijote – dem ersten und immer noch besten Roman der Weltliteratur – als “Altenroman”? Von dem hat doch der Hundertjährige gelernt.
    Oder mit der “Liebe in Zeiten der Cholera”, einem der besten Romane des vorigen Jahrhunderts? Mit liebevoller Alterserotik?
    2. Ich bin Ü70, höre grade guten Rap, genieße morgens schwimmen und abends guten Whisky – und bin verdammt nochmal nicht alt. Mit 60 hab ich aufgehört, älter zu werden. Das ist nämlich scheiße, dazu hab ich keine Lust.
    3. Wenn der Handel für dieses “Genre” ein Schild aufstellt, kann er diesen Quadrameterumsatz vergessen.
    4. Wenn jemand mir einen Text schickt, der einfach große Klasse ist und nur von Alten handelt – her damit. Den verkaufe ich an alle, die Qualität schätzen.
    5. Am Rande: Was steckt da für ein Leserbegriff dahinter? Der mißverstandene Realismus, als ob Leute was über sich selbst lesen wollen. Kokolores. Wirklichkeiten haben Leser, wenn sie aus dem Fenster schauen. Andere – Menschen und Leben – sind doch viel interessanter!
    6. Wovon ein Roman handelt, ist zweitrangig. Man mache, wie von Daniel Keel formuliert, die Käseprobe: Lies ein paar Seiten. Wenn’s schmeckt, lies weiter. Sonst lass es.
    Wie es hier heißt: Hol di fuchtig!

  12. Renate Blaes schrieb am 14. Juli 2016 um 15:53 Uhr

    Vito nimmt nimmt mir das Wort aus dem Mund … wollte gerade Ähnliches meinem Kommentar anfügen.
    Ich lege keinen Wert auf “Altenliteratur” und würde auch nie mit diesem Begriff nach Büchern suchen.
    Wenn aber alte Menschen in einem Buch (guten) vorkommen, ist das eine andere Sache. In diesem Zusammenhang noch eine weitere Buchempfehlung: “Dienstags bei Morrie”.

  13. Ulrike Jonack schrieb am 14. Juli 2016 um 16:03 Uhr

    In den bisherigen Kommentaren zeigt sich, dass es sehr wohl Bücher rmit Alten und über Alte gibt, die diese nicht in die “Vergreißt!”-Schublade stecken. Es gibt nur offenbar kein Etikett dafür. Braucht es auch nicht, denke ich.
    Zum einen wollen Alte – bei allen unbestreitbaren Besonderheiten ihres Lebensalltages – in der Regel nicht als alt angespochen werden. Eine Kollegin sagte mal sinngemäß: „Es ist komisch: Ich weiß zwar, dass ich jetzt älter bin und ich merke das auch oft – aber mein ich fühlt das nicht, da fühle ich mich gar nicht anders. Ich bin noch immer ich.“
    Zum anderen haben Alte aber auch genug Erfahrung, um ihre Lieblingsbücher auch so zu finden. Und die Prägung auf Marken (oder eben Etiketten) lässt nach.

  14. Renate Blaes schrieb am 14. Juli 2016 um 17:15 Uhr

    Alt zu sein ist nicht “okay”, sondern schlichtweg ein Fakt – dem jeder irgendwann ausgesetzt ist. Falls er nicht vorher stirbt …

  15. Renate Blaes schrieb am 14. Juli 2016 um 22:42 Uhr

    Es ist OK jung zu sein. Aber es ist auch OK alt zu sein. Oder auch nicht … Und wenn das allgemein anerkannt wird, geht es allen besser. Tatsächlich? Die Erkenntnisse bzw. Vermutungen von Herrn Hakenjos sind wirklich beeindruckend.

  16. Peter Hakenjos schrieb am 14. Juli 2016 um 22:53 Uhr

    Na ja. OK kommt von “In Ordnung” und ich finde, es ist in Ordnung, wenn man alt wird. Und mal so ganz unter uns: Wer wollte denn wieder jung sein? Da ging es uns doch viel schlechter – mir wenigstens. Und klar – das Alter hat auch verschiedene Phasen und irgendwann lassen die Kräfte nach, man verliert das Gedächtnis und den Gleichgewichtssinn. Nur ist das eben der Winter und das Alter beginnt im Herbst.

  17. Renate Blaes schrieb am 14. Juli 2016 um 23:04 Uhr

    Verehrter Herr Hakenjos, es ist schade für Sie, dass es Ihnen als junger Mensch nicht so gut ging.
    Aber was hat das damit zu tun, dass Sie “Altersliteratur” vermissen? Und … wie sollte diese aussehen?

  18. Eva Jancak schrieb am 15. Juli 2016 um 11:16 Uhr

    Wie wäre es mit Elfriede Vavriks “Nacktbadestrand”, was ich gerade lese, das Thema hat, wie die Kommentare zeigen, breites Publikumsinteresse und ich denke es ist auch sehr wichtig, weil wir werden ja alle älter, der Begriff “Seniorenliteratur” wird wohl nicht ziehen, denn wer will schon gern ein solcher sein, aber die Themen könnten interessieren, wie zum Beispiel Älter werden, Alzheimer, Demenz, Sex im Alter, “Den Hundertjährigen der aus dem Fenster…” habe iche ich zum Beispiel mit Interesse gelesen und ich schreibe auch selber gerne über ältere Menschen und es gibt ja auch Autoren, die mit Siebzig zu schreiben anfangen, daß das die Verlage dann nicht so gerne nehmen, ist eigentlich schlimm, aber man kann ja lesen, was man will, also nicht nur immer die Debutanten und die Fräuleinwunder und ich denke, daß gerade Frauen mit fünfzig plus bevorzugt lesen, haben sie ja die Zeit dazu und daß man sich gerne über die Omas lustig macht, die dann Frauenliteratur lesen, haben ich erst unlängst auf einen Blog erlebt. Meine Schwiegermutter liest übrigens auch sehr viel, vor allem Krimis und Reader Digest Ausgaben und läßt sich da zum Geburtstag gern beschenken oder die Bände aus den offenen Bücherkästen mitbringen

  19. Renate Blaes schrieb am 15. Juli 2016 um 11:28 Uhr

    Mir fällt gerade auch noch ein Buch ein: “Emily, allein” von Stewart O’Nan.

  20. Karin Struckmann schrieb am 15. Juli 2016 um 14:25 Uhr

    Sie suchen Tipps?
    38 Bücher hat Cupido Books im Programm – und davon 7 Titel, deren Protagonisten zwischen 50 und 88 Jahre alt sind und lustvoll Erotik erleben! Ist das jetzt Altenromance?
    Nein! Unsere AutorInnen veröffentlichen Geschichten, die genau so passieren könnten, die authentisch und nah am Leben sind – dem Leben, das nicht mit 40 aufhört, nur, weil sich zunehmend Falten eingraben.
    Wir wünschen viel Spaß beim Lesen! :-)
    https://cupido-books.com/home/56-erotissima.html
    https://cupido-books.com/home/57-leo-erotisches-tagebuch.html
    https://cupido-books.com/patchwork-romane/30-seduire-verfuehrung-im-park.html
    https://cupido-books.com/patchwork-romane/47-seduire-silvester.html
    https://cupido-books.com/kurzgeschichten/35-treppen-der-lust.html
    https://cupido-books.com/home/53-aldi-sex-rock-n-roll.html
    https://cupido-books.com/home/26-cupido-darts-machtuebernahme.html

  21. Monika Detering schrieb am 15. Juli 2016 um 15:37 Uhr

    Lieber Herr Hakenjos,
    und Kommentatoren – Jugend, Erwachsenen-AltenRoman klingt nach Schublade, ist Schublade, es können Kinder die Protagonisten eines Romans sein und viele Altergruppen bewegen, begeistern und wenn Ältere, Alte die Hauptrollen spielen, muss es kein Roman sein zum Abwinken. Spannend zu lesen, wieviel Vorurteile da sind und doch wieder nicht, sich das daran stoßen am Begriff. Muss es einen geben?
    https://www.amazon.de/Hollywood-Gruft-Humor-Kurzgeschichte-booksnacks-Kurzgeschichten-ebook/dp/B01FICD8R6
    http://www.amazon.de/Langeooger-Liebestöter-Inselkrimi-Monika-Detering-ebook/dp/B01FS5JW64?ie=UTF8&ref_=asap_bc

    Zwei Beispiele mit alten Protagonisten – und sie werden insbesondere von Jungen gelesen.
    Also! Nur mal als Beispiel. Es gibt viele andere Geschichten, die ältere Protags haben und weder ältlich noch doof oder faltig sind …

  22. Peter Hakenjos schrieb am 15. Juli 2016 um 17:47 Uhr

    Die Diskussion hier im Forum hat mich weitergebracht. Dafür allen ein herzliches Dankeschön. Mir ist mittlerweile einiges klarer:
    • Es gibt zwar für viele Bevölkerungsgruppen Schubladen, also Subgenres. Für uns Alte wäre es solche Rubrik keine gute Idee, weil Altsein nun mal negativ bewertet wird und es die Leidenschaft eines jeden Buches ist, verkauft zu werden. Da hilft kein Klagen und kein Jammern.
    • Es gibt mehr Romane und Kurzgeschichten mit Alten, als mir bekannt war. Danke für die vielen Tipps, ich bin jetzt auf Jahre mit Lesen beschäftigt :-) Die meisten dieser Veröffentlichungen wurden, soweit ich es bis jetzt überblicken kann, von relativ kleinen und deshalb mutigen Verlagen auf den Markt gebracht. Die Publikumsverlage bleiben größtenteils beim Klischee der komischen Alten. Wundervolle Ausnahmen gibt es. Doch die sind selten zuerst in Deutschland erschienen. Bestes Beispiel: Liebe in Zeiten der Cholera.
    • Romane mit alten Protagonisten werden lieber gelesen, als es den Redaktionen der Verlage bewusst ist. Ist der Autor selbst alt, nicht wie in den Comicbänden Die alten Knacker von Wilfrid Lupano, so fließt deren Lebenssicht mit allen Enttäuschungen und Erkenntnissen in den Roman ein und wird deshalb auch gerne von jungen Menschen gelesen.
    • Altenromane definieren sich für mich jetzt, nach dieser Diskussion, durch a) alte Autoren, d.h. der Generation 50+ sowie alten Protagonisten, ohne dass Benennungen wie Altenromance, Seniorenromance usw.empfehlenswert wären.

    Insgesamt muss ich auch in dieser Diskussion feststellen, wie verbreitet das Negativbild der Alten in unserer Gesellschaft ist. Altsein wird mit schrullig, verbohrt, rückwärtsgewandt, körperlich und geistig behindert identifiziert, während Jungsein gleichwertig mit dynamisch, aufgeschlossen, tolerant assoziiert wird. Dies prägt auch die Literaturlandschaft, in der einerseits die Verlagsbelegschaften, nicht die Chefs, immer jünger werden und Bücher älterer Autoren, die noch unbekannt sind, keine Chance haben.

    Vielleicht wachen Verlage irgendwann auf und nehmen zur Kenntnis, dass unsere Literatur alle interessiert, einen Markt hat und dass die Zahl der Alten in unserer Gesellschaft zunimmt, was durchaus als Chance verstanden werden kann.

  23. Elke Heinze schrieb am 15. Juli 2016 um 18:46 Uhr

    Diese Frage habe ich mir auch lange gestellt und schließlich selbst einen Roman geschrieben. Dabei herausgekommen ist “Mord in der Schwanheimer Düne”, ein Mix aus Krimi und Liebesroman für die Generation 50+. So steht es auch in der Beschreibung bei Amazon. Trotzdem weiß ich, dass das Buch auch von jüngeren Menschen gelesen wird. Warum auch nicht? Ich selbst lese durchaus auch mal einen Jugendroman und bin über Sechzig. Ich finde es sehr schön, dass dieses Thema mal aufgegriffen wird.
    Elke Heinze

  24. Heike Müller schrieb am 19. Juli 2016 um 13:56 Uhr

    Es ist sogar noch trauriger: als 60+ muß ich nicht unbedingt Werke über andere Ältere lesen, aber verdammt nochmal, muß jeder Film und jedes Buch heutzutage vor ekelhaften Blut-Kotze-Sperma-Szenen strotzen, oder so dermaßen perfide psycho sein, daß man hinterher nicht einschlafen kann? Vielleicht nicht einmal ausschließlich ein Problem meiner Generation?

  25. Adi Hübel schrieb am 22. Juli 2016 um 15:04 Uhr

    Hallo zusammen, das war jetzt eine erholsame, witzige halbe Stunde! Toll, dass jemand mal dieses Thema zur Diskussion stellt. Erst jetzt ist mir klar geworden, dass in meinen beiden Krimis mehrere alte Menschen agieren. In “Tod in Ulm” steckt eine alte Dame, ehemalige Kostümbildnerin, ihre Nase in den Kriminalfall und weiß vieles besser. Im zweiten Roman “Der Hund muss weg” handelt es sich um mehrere Ü 50 Personen, wovon zwei intensiv an Mord und Totschlag denken.
    Die übrigen Figuren sind meist jünger, bearbeiten Fälle und erleben selbst Liebschaften usw.. In den Romanen tummelt sich also jung und alt. Ich finde, auch unsere Gesellschaft besteht ja nicht nur aus Alten. Und die Mischung macht das Schöne aus am Leben. Auch die Literatur sollte so sein, so bunt und vielfältig.
    Dass die großen Verlage keine Ü50-Autoren bewerben, ist so, weil sie sie schon ins Grab sinken sehen. Das habe ich selbst erfahren. Das lohnt doch nicht mehr! Und sollte es auch noch eine AutorIN sein, dann ist alles zu spät.

  26. Peter Hakenjos schrieb am 22. Juli 2016 um 16:08 Uhr

    Schön, dass Sie sich auch unserer Generation in Ihren Büchern annehmen. Was mir sehr wichtig erscheint, ist, dass Protagonisten über 60 in Romanen nicht dem üblichen Schema entsprechen: trottelig, asexuell, verschroben. Wenn die Alten so gut und so schlecht, so erotisch und so durchblutet wie die Jungen sind, dann ist es ein Genuss. Und mir ist bei “Liebe in Zeiten der Cholera” klar geworden: Das geht!

  27. Joachim Tiele schrieb am 22. Juli 2016 um 16:11 Uhr

    Kann es sein, dass da ein paar Sachen durcheinander geraten sind?

    Zum einen geht es sicherlich um „Altersdiskriminierung“, und dies nicht nur im Bereich der Bücher. Alt zu sein schickt sich irgendwie nicht, obwohl wir alle immer älter werden wollen und – statistisch gesehen – wohl auch werden. Dann entsteht das Bedürfnis, als gesellschaftliche Gruppe genau so wahrgenommen zu werden, wie andere „relevante“ Gruppen auch. Es ist ein paar Jahre her, dass das Thema richtig hochgekocht war, z. B. auch im Zusammenhang mit der Kreditvergabe an Ältere. Irgendwann hat die Werbewelt dann aber mitbekommen, dass es meistens Menschen 50+ sind, die Autos 50+ (hier jetzt in Tausenderkategorien) kaufen. Entsprechend werden viele Produkte inzwischen schon nahezu „subtil altersgerecht“ beworben. Sogar von Amazon im TV-Werbespot mit den Laubbläsern: „I’m a Man“, eine tolle Single der Spencer Davis Group aus dem Jahr 1967 ist als Soundtrack unterlegt. Das war damals ein toller Song, ist es heute immer noch, und spricht „Ältere“ genauso an, wie vielleicht neugierige Jüngere: „Was, so etwas habt ihr damals gehört?“. Richtig „geflasht“ hatte mich vor einiger Zeit ein anderer Song, „21st Century Schizoid Man“ von King Crimson aus dem Jahr 1969 als Werbung für einen Herrenduft, das war auch für die damalige progressive Phase in Musik und Gesellschaft ein ausgesprochen anspruchsvolles Musikstück. Es geht also grundsätzlich, Ältere intelligent und emotional anzusprechen, und ihnen etwas zum Kauf anzubieten, das sie auch tatsächlich anspricht, völlig jenseits von Erwachsenenwindeln oder Blutzuckermessgeräten, mit denen die Werbewirtschaft Ältere lange Zeit fast ausschließlich assoziiert hatte.

    Jetzt erst mal nur als Frage formuliert, lieber Peter Hakenjos: Kann es sein, dass Sie als Älterer in Ihrem Selbstverständnis als Älterer einfach stärker wahrgenommen werden möchten, fast in Richtung von – ich wage es kaum zu schreiben – kindlicher Aufmerksamkeit? Alle haben „ihrs“, nur wir haben “nix”, nicht einmal eine eigene Kategorie im Buchhandel. Kinder, Heranwachsende, Frauen, Krimliebhaber, Freunde historischer Romane, alle werden mit einer gut sichtbaren Regalüberschrift begrüßt, nur wir nicht, obwohl wir doch vielleicht nach jedem Besuch einer Buchhandlung die etwas größeren Bücherstapel nach Hause tragen. Aber wollen wir das wirklich und brauchen wir das wirklich?

    Viele hier haben ja Beispiele für Bücher gepostet, die sich speziell für „Ältere“ eignen, einschließlich Erotik und Sexualität, und Sie haben ja auch geschrieben, dass Sie dadurch auf vieles aufmerksam wurden, was Sie gar nicht kannten. Ich will jetzt nicht „noch einen drauf setzen“, in dem ich das „noch ältere“ Buch, für „noch ältere“ Leser poste, aber es gibt sie, Bücher im Bereich der allgemeinen (und durchaus anspruchsvollen) Belletristik, in denen Ältere vorkommen und angesprochen werden, aber natürlich auch Jüngere, die mit offenen Augen durch die Welt gehen und feststellen, dass es in der Literatur (wie in der wirklichen Welt ;-)) interessante Figuren gibt, die schon etwas älter sind und die kennenzulernen sich lohnt. Philip Roths „Der menschliche Makel“ hatten Sie genannt, „Das sterbende Tier“ ist fast noch „expliziter“, was das Alter angeht, aber auch „Nemesis“ mit einem sehr jungen Protagonisten spielt in einer Zeit, deren Zeitgenossen inzwischen „alt“ geworden sind und einem wichtigen existenziellen Thema ihrer Jugend (der Kinderlähmung) wiederbegegnen. Zwei andere ältere Bücher älterer (und inzwischen verstorbener) Autoren sind mir kürzlich im eigenen Bücherregal wieder einmal in die Hände gekommen; in beiden geht es um einen kompletten Lebensverlauf, vom jung sein bis zum sehr alt geworden sein: „Im Lande Tennessee“ von Peter Taylor oder „Lichtjahre“ von James Salter. Und damit hier nicht nur Männer als Autoren und Protagonisten vorkommen: Siri Hustvedts „Gleißende Welt“ ist auch ein gutes Beispiel für die literarische Verarbeitung des älter Werdens. Und dann sind vor nicht allzu langer Zeit zwei Romane erschienen, durch die ich mich (als seinerzeit später Mittfünfziger) von circa zehn Jahre älteren Autoren direkt angesprochen gefühlt hatte, und diese Ansprache wurde in den Büchern selbst auch thematisiert: Zum einen Paul Austers „Unsichtbar“ mit dem schönen Satz „Die klugen jungen Männer von einst wurden alt, und binnen kurzem wäre unsere ganze Generation vom Erdboden verschwunden“. Zum anderen Ian McEwans „Honig“, das in Teilen in den siebziger Jahren in London spielt, und zumindest in einer Kneipe, die darin vorkommt (dem „Hope & Anchor“ in Islington ;-)), war ich zu dieser Zeit auch mal gewesen (und kann mich sogar noch an die Band erinnern, die ich dort gesehen hatte), und fühlte mich auch dadurch durch das Buch als heute älterer und damals jüngerer Zeitgenosse des Autors regelrecht willkommen geheißen.

    Solange ich in den Belletristikregalen und Neuerscheinungsstapeln gelegentlich auch solche Literatur finde, brauche ich für mich persönlich keine spezifische „Literatur für Ältere“-Schublade.

    Aber gut, dass Sie das Thema angesprochen haben. Mein Post dazu versteht sich daher nicht als „Kritik“ in dem Sinne, dass ich denke, dass Sie da etwas „falsch“ sehen würden; ich sehe es nur „anders“ und würde mich freuen, wenn die Debatte zu Ihrem Artikel noch sehr lange dauert und viele zusätzliche Meinungen zu Tage bringt…

  28. Ingeborg Lassmann schrieb am 23. Juli 2016 um 06:59 Uhr

    Die englische Autorin Jane Gardam schreibt in ihren Büchern “Ein untadliger Mann”, “Eine treue Frau”, “Letzte Freunde” wunderbar über alte Menschen und das Altern. Leider sind alle ihre anderen Bücher noch nicht übersetzt.

  29. Schreiner Regina schrieb am 23. Juli 2016 um 09:28 Uhr

    Was ist mit dem Hundertjährigen, der aus dem Fenster sprang? Das Buch hat mir, wie so oft, besser gefallen als der Film.
    Regina Schreiner, Schriftstellerin

  30. Peter Hakenjos schrieb am 23. Juli 2016 um 10:33 Uhr

    @Herr Tiele: Seufz! Sie haben mich erwischt. Mama hat mich nicht geliebt und keiner beachtet mich armen Alten … heullll!
    @Frau Lassmann: Mir ist auch schon aufgefallen, dass es aus dem englischsprachigen Raum eher Literatur gibt, die Altenbewusstsein positiv transportieren. Philip Roth gehört meines Erachtens definitiv nicht dazu. Es kommt nicht darauf an, DASS, sondern WIE Alte wahrgenommen werden. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Alter finde ich gut und wichtig. Aber um die ging es mir nicht. Diese Auseinandersetzung findet auch in “Erklärt Pereira” statt, ein Romain, den ich gelesen habe, nachdem er hier im Forum empfohlen wurde.
    @Frau Schreiner: Ich habe selten so gelacht, wie beim Hundertjährigen. Aber ist er nicht genau wieder eine schräge Type, verschroben und seltsam? Das tut aber dem Werk keinen Abbruch, es ist genial!!! Ich mag durchaus solche Romane – warum sollten wir nicht über uns selbst lachen? Nur, dass wir darauf reduziert werden, meist von jungen Autoren, DAS stört mich.
    Übrigens, Herr von Eichborn: Ist nicht der Don Quijote genau dieser Typus des senilen Alten, der den Kontakt zur Gegenwart verloren hat, also der Typ, der dem Altenklischee voll entspricht? Es empfiehlt sich, “Die Alten 3.0 zu lesen von Roswitha Casimir und Roger Harrison. Altersdiskriminierung ist keine Erfindung unserer Zeit.

  31. Renate Blaes schrieb am 23. Juli 2016 um 10:36 Uhr

    Bei dem “Hundertjährigen …” habe ich bis zur Hälfte durchgehalten. Das Buch war für mich zu gewollt.
    Gott sei Dank habe ich mir das Buch nicht gekauft, sondern geliehen.

  32. Peter Hakenjos schrieb am 23. Juli 2016 um 11:00 Uhr

    @Frau Blaes: Jetzt muss ich etwas gestehen: Wir, meine Frau und ich, haben die Audio-CD auf einer Fahrt durch Schweden gehört und zwar gesprochen von Otto Sander. Es war genial!!! Anfangs glaubt man, im falschen Film zu sein. Es ist Deus Ex Machina pur. Erst wenn man seinen kritischen Verstand ausschaltet, genießt man die CD. Der Film ist wirklich erheblich schwächer – aber das ist auch nicht verwunderlich. Da wir nichts vom Film erwartet hatten, fanden wir ihn ganz OK.

  33. Renate Blaes schrieb am 23. Juli 2016 um 12:13 Uhr

    Ein von Otto Sander gelesenes Buch ist bestimmt ein Erlebnis der besonderen Art. Und vielleicht spielt dabei weniger das Gelesene, als die Sprechstimme und die Art des Vortrags eine Rolle.
    So, wie mich beim Lesen von Büchern in erster Linie die Formulierungskunst des Autors interessiert. Die Handlung ist dabei sekundär.
    Ich erinner mich immer wieder gern an eine Kurzgeschichte von Siegfried Lenz, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Die Handlung war völlig spannungslos – aber die Worte, mit der Lenz sie geschrieben hat, waren grandios.
    Den Film über den 100jährigen habe ich nicht angeschaut. Weil ich ja schon keine Freude an der Lektüre hatte …

  34. Heide Floor schrieb am 25. Juli 2016 um 14:37 Uhr

    Danke für Ihren lesenswerten Beitrag, Herr Hakenjos. Auch wenn es sich über die speziellen Begriffe und Kategorisierungen streiten lässt, im Grundsätzlichen teile ich Ihre Meinung. Ich bin auch immer wieder auf der Suche nach mich (auch altersgemäß, aber nicht nach altertümlichen Mustern) anprechender Literatur. Vielleicht sind Sie ja an einem Ausstausch bzw. Büchertausch interessiert? Meine web-site http://www.heidefloor.de ist in der jetzigen Form nur noch bis zum 15.9. existent.

  35. Werner Barth schrieb am 4. August 2016 um 21:12 Uhr

    “Altenliteratur” halte ich aus dem einfachen Grund für Quatsch, weil “alt sein” hauptsächlich eine vom Umfeld vorgenommene Definition ist. Selber ist man immer 18, auch wenn die Wehwehchen mehr werden und man zwei Brillen braucht.
    Als ich mit meiner Mutter, 87 Jahre, darüber diskutierte, ob ein Altersheim nicht langsam angeraten wäre, meinte sie nur, was soll ich da, da sind doch nur alte Leute.
    Als 16 Jähriger hat mich der Steppenwolf begeistert, und der Protagonist war über 60.
    Gruß

  36. Jens Judjahn schrieb am 5. August 2016 um 20:08 Uhr

    Lieber Peter Hakenjos, lassen Sie Ihren Zorn nicht durch wohlfeile Bemerkungen und Buchempfehlungen beschwichtigen. Sie beschreiben treffend den Wahn des Marktes. Natürlich haben Manuskripte von unbekannten Autoren im Rentenalter keine Chance auf Verleger- und Agententischen. Man vermutet wahrscheinlich hinter jedem der Texte heimliche Autobiografen, die der Umwelt Wunder was über ihr langes Leben aufdrängen wollen. Ich bin 77 und habe ein wissenschaftlich-phantastisches Sachbuch über das Tier-Mensch-Übergangsfeld geschrieben. Nach einseitigen Korrespondenzen mit Verlagen habe ich bald gemerkt, wie der Hase läuft, zumal ich neben dem zulässigen Alter auch keinen akademischen Lebenslauf und zu allem Überfluss auch kein Genre vorweisen kann, für das es eine Schublade gibt. Da habe ich das Buch in Mini-Auflage selbst drucken lassen und es an Promis unterschiedlicher Bereiche verschickt, v.a. an Wissenschaftler. Von gut der Hälfte der vielbeschäftigten Leute gab es keine Antwort, doch von anderen bekam ich abwägende und auch ermunternde Briefe und Mails. Nun arbeite ich an einer neuen Fassung, die ich dann in ähnlicher Weise streuen werde. Da ich an Einfluss mehr als an Publizität interessiert bin, kann mich der Buchmarkt mal. Ihnen und anderen Alt-Autoren empfehle ich nun, es mit einem bisschen Camouflage zu versuchen: Wie wäre es, wenn Sie unter den Verhältnissen bis zur Verzweiflung leiden, dann etwas Saugutes zustande kriegen und sich aber als junge Frau ausgeben? Vor dem persönlichen Kontakt mit einem Lektor oder, im weiteren Verlauf, bis zu Lesungen durch eine jugendliche Darstellerin? Sobald das Werk aber etabliert ist, sollte es zum Outing kommen, am besten in einem gut publizierten Prozess. Schließlich gibt es in der Kunst keinen Anspruch auf Identität, sondern nur auf Qualität. Oder weiß jemand etwas Besseres, um aus der Jugendfalle herauszukommen?

  37. Chris P. Fischer schrieb am 3. September 2016 um 15:42 Uhr

    Viele Romane sind tatsächlich für jüngere Leser geschrieben, besonders, wenn man in den Bereich Fantasy geht. Deswegen habe ich mich entschlossen, eine unterhaltsame Geschichte über Hexen in unserem Alltag zu schreiben, deren magischen Kräfte sich erst in der zweiten Lebenshälfte entwickeln. Und zwar genau dann, wenn man sich fragt, ob die Besinnung auf sich und seine Wünsche und Träume nicht wichtiger ist als sich dem alltäglichen Trott zu unterwerfen.
    Ich weiß natürlich auch, dass ich mit meinem Roman nur eine kleine Zielgruppe anspreche, aber da ich selbst in diesem Alter bin, schreibe ich nur das, was mir Spaß macht.
    Und meinen Roman *Aller Anfang ist zauberhaft*, den ich bei Amazon online gesteltt habe, gehört eben dazu. Wer also gerne liest, was noch alles passieren kann, wenn man die Jugendzeit hinter sich gelassen hat, kann sich auf kurzweilige Zeilen freuen. Sicher keine Weltliteratur – die schreibe ich dann, wenn ich 80 bin :-), aber das war auch nie mein Anspruch.

  38. Joachim Tiele schrieb am 5. September 2016 um 09:28 Uhr

    @Jens Judjahn, Beitrag #36

    Sie schrieben:

    “Wie wäre es, wenn Sie unter den Verhältnissen bis zur Verzweiflung leiden, dann etwas Saugutes zustande kriegen und sich aber als junge Frau ausgeben? Vor dem persönlichen Kontakt mit einem Lektor oder, im weiteren Verlauf, bis zu Lesungen durch eine jugendliche Darstellerin? Sobald das Werk aber etabliert ist, sollte es zum Outing kommen (…)”

    Keine neue Idee ist neu und gut genug, als dass sie nicht schon ein anderer gehabt hätte. In Klaus Modicks Roman “Bestseller” (Piper, 2. Aufl. 2012) wird “Ihr” Szenario in allen Einzelheiten beschrieben, einschließlich dem Exposé des fraglichen Buches (was einigen angehenden – nicht nur älteren – “Jung-Schrifttsellern” zu denken geben könnte, aber das ist ein anderes Thema). “Mit der überaus attraktiven Rachel als angeblicher Autorin, die die Geschichte ihrer angeblichen Oma erzählt, lässt sich mit reichlich Chuzpe aus dem mediengerechten deutschen Schicksal der Tante Thea ein anrührender Weltbestseller lancieren.” (Klappentext)

    Die Geschichte hat kein Happy End, soviel sei hier verraten, aber das Lesen lohnt sich allemal (und bei Modicks Geburtsjahr 1951 erfüllt sein Roman ja ohnhin fast alle Kriterien für “Altenliteratur” ;-).

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