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Beitrag vom 19. Mai 2016 | Rubrik: E-Books, Literarisches Leben, Self-Publishing

Wie Self-Publishing Leser, Autoren und Verlage verändert hat

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Baby schreib mir ... einen Roman

Wie hat Self-Publishing den Belletristikmarkt verändert? Hannes Monse stellte mir die Frage. Demnächst werde ich bei der 3. Stuttgarter Verlagsrunde dieser Frage nachgeben und am kommenden Wochenende wird sie mir beim Seminar für den Förderkreis deutscher Schriftsteller gestellt werden.

Ich versuche mich an einer Antwort. Was hat Self-Publishing der Bücherwelt gebracht, was den Verlagen, was den Autoren, was den Lesern?

Keinen Verlag haben ist kein Stigma mehr

Self-Publishing gibt es seit genau 5 Jahren. Davor nannte man es »selbst verlegen«, was reichlich uncool war. Es waren Texte, die keine Leser fanden, weil sie niemand lesen wollte. Langweilige Lebenserinnerungen, die nur der Autor wichtig fand. Berichte über überstandene Krankheiten, die anderen Mut machen sollten und doch nur langweilten. Selbstverleger hatten meist ein Sendungsbewusstsein, aber niemand interessierte sich dafür. Einige landeten blauäugig in den Fallen der Zuschussverlage.

Amazon hat »selbst verlegen« zum »Self-Publishing« gemacht. Vor fünf Jahren kam in Deutschland der Kindle auf dem Markt und gleichzeitig startete die KDP-Plattform. Die Veröffentlichung dort war und ist bis heute kostenfrei, nicht exklusiv und ohne lange Vertragsbindung. Niemand musste sich mehr mit PDF-Dateien und Formatierungen für den Druck herumschlagen. Mit den E-Readern und den Lese-Apps war von einem Tag auf den anderen eine Lese-Infrastruktur geschaffen, für die man E-Books vergleichsweise einfach bereitstellen konnte.

Die Amazon-Konkurrenz belebte hier glücklicherweise das Geschäft der Konkurrenz und machte sie nicht platt. Print-on-Demand-Dienstleiter senkten ihre Konditionen, Distributoren und andere Plattformen entstanden oder passten sich dem Markt an. Und nicht zuletzt entstand mit dem Tolino und Tolino-Media ein Konkurrent auf Augenhöhe. Selbst alternative Finanzierungsformen wie Crowd-Funding profitierten davon. Keinen Verlag haben ist kein Stigma mehr.

Das sind und waren schon eine ganze Menge an Veränderungen, die das Self-Publishing mit sich brachte. Dennoch sind die wichtigsten noch nicht genannt:

1. Ein Markt für das Minderwertige

Die größte Veränderung, die Self-Publishing für die Belletristik brachte: Ein neuer Markt für das Minderwertige ist entstanden. Texte, die bislang von Verlagen abgelehnt wurden und die in den Buchhandlungen höchstens als »Nackenbeißer« zu finden waren, fanden Autoren und Käufer. Adjektivgetränkte kitschigste Fantasy mit vorhersehbaren phrasengetriebenen Plots, finden begeisterte Leser und Fans. In romantischen Regionen, in denn man bislang höchstens den Heftroman finden konnte, etablierten sich Dank Self-Publishing neue Autoren und neue Leser. Nicht nur inhaltlich, auch preislich orientiert sich Self-Publishing deutlich nach unten. Wenn es so etwas wie ein YouTube für Texte gibt, dann ist es das Self-Publishing. Ohne die schnelle und unkomplizierte Digitalform wäre dieser Markt nicht entstanden, wäre er nicht sichtbar geworden. Wenn Self-Publisher ab und an beklagen, dass sie nicht im Buchhandel präsent sind, so ist gerade diese Nicht-Existenz der Faktor, der sie groß gemacht hat. Ausnahmen und Textperlen – meist von Verlagen weggekauft – bestätigen dies.

2. Raubbau an Preisen und Formaten

Vielleicht hat das E-Book-Format und hat der günstige Lesestoff der Self-Publisher auch bisherige Nicht-Leser erreicht. Doch deren Zahl dürfte sich in Grenzen halten.

Stattdessen bedeutet das neue Marktsegment leider nicht neue Leser oder gar mehr Zeit zum Lesen. Budgets und Lesezeit verteilen sich nur anders. Statt eines Verlagstitels kauft man lieber drei oder vier E-Books von Self-Publishern. Neben dieser Preisorientierung nach unten, sorgt auch Amazons Tantiemenregelung dafür, dass selbstverlegte E-Books über 10 Euro verdienstmäßig für Autoren unattraktiv sind. Ein Angriff auf die E-Book-Preise der Verlagstitel, die vom Leser schon immer als zu hoch angesehen wurden.

Das E-Book-Format und die günstigen Titel der Self-Publisher treiben Raubbau, speziell bei den Verlagen und Verlagstiteln, die bislang im Unterhaltungsbereich zuhause waren, speziell im Taschenbuchsektor. Bei diesen Verlagen entstand die größte Unruhe. Sie versuchten dem Raubbau durch eigene Self-Publishing-Plattformen (oder deren Zukauf) oder Imprints zu begegnen.

3. Stärkung der Autoren, Schwächung der Autoren, Degradierung der Verlage

Neben dem Raubbau an den bestehenden Produktsegmenten, führte das Self-Publishing dazu, dass Verlage im Becken der Self-Publisher fischten. Im besten Falle wurden Self-Publisher ins Print-Programm der Verlage und somit sogar in die Buchhandlungen gehievt. Self-Publishing wurde zur Talentschmiede und die bessere Alternative zur unverlangten Manuskripteinsendung. Im schlechteren Falle führten Imprints und E-Only-Buchausgaben dazu, dass sich in manchen Verlagen ein neues Autorenprekariat bildete: keine Vorschüsse, geringere Tantiemen, wenig bis kein Marketing. Autoren können sich bei diesen Verlagen Dienstleistungen wie Cover, Lektorat oder Marketing »dazubuchen« – natürlich mit einem entsprechenden Tantiemenabzug oder anderen Verschlechterungen der Konditionen.

»Verlage müssen sich mehr als Dienstleister der Autoren verstehen«, diese Forderung einiger Self-Publisher wurde bisweilen von Verlagen missverstanden. Durch die erwähnen Imprints mit Billig-Konditionen und quasi-kaufbare Verlagsdienstleistungen degradierten sich einige Verlage. Selbst seriöse Häuser versuchen, ihr Buchniveau nach unten anzupassen, um Leser vom Self-Publishing-Markt abzugreifen. Ein trauriges Bild – auch auf den Buchcovern abzulesen. Die vermeintliche Stärkung der Autoren ist nicht immer eine.

Und dennoch hat Self-Publishing das Selbstbewusstsein der Autoren enorm gefördert, weil nun eine ernsthafte Alternative zum Verlag besteht. Eine Alternative, die selbst Verlagsautoren nutzen. Das schreckliche Wort der Hybrid-Autoren ist entstanden, die sowohl Verlagsautor aber auch Self-Publisher sind.

Die stundengenauen Auswertungen der Verkäufe und Tantiemen auf den Self-Publishing-Plattformen führten dazu, dass auch Verlagsautoren plötzlich nachfragten, warum es nur ein oder zweimal im Jahr eine Tantiemenabrechnung gibt und was die Marketing-Abteilung wirklich für das eigene Buch tut. Ohne Self-Publishing gäbe es die Autorenportale nicht, die einige Verlage nun für ihre Autoren eingeführt haben.

Und nicht zuletzt dürfte der Jubel über das VG-Wort-Urteil bei einigen Autorengruppen nicht so groß und selbstbewusst ausgefallen sein, wenn Self-Publishing keine Alternative bieten würde.

4. Lesernähe, Drogensucht und MAKE! MONEY! FAST!

Self-Publishing hat die Nähe zum Leser unglaublich verkürzt. Denn die Fanbase ist das Wichtigste, das Self-Publisher haben. Pflege und Aufbau von Fans garantiert längerfristigen Erfolg. Self-Publisher sind für ihre Leser greifbarer und präsenter. Nicht nur auf Facebook und Instagram, sondern auch im wahren Leben auf Buchmessen, Conventions und Barcamps. Das färbt auf Verlagsautoren ab und wird auch von ihnen gefordert. Die Leserin wird bei Plot oder Cover-Entscheidungen mit eingebunden, ist nicht nur Konsumentin des Endproduktes, sondern wird zum beständigen Fan, die die Regungen und das echte oder inszenierte Leben der Autorin verfolgt.

Doch wie bei einigen Hollywoodstars führt dies mitunter bei Self-Publishern auch zur Sucht und massiver psychischer Belastung. Die Leserin und das mit ihr verdiente Geld werden zum Rauschmittel. Ihre Liebe darf nicht verloren gehen. Der Veröffentlichungszyklus muss kürzer werden, neuer Text, neue Fortsetzungen, neue Storys müssen auf den Markt gebracht werden. Wann ist der beste Zeitpunkt? Wie sind die Bewertungen des neuen Buches? Was sagt die Leserunde? Warum gab es diese eine 1-Sterne-Wertung? Was schreibt die Bloggerin? Und in einigen Wochen muss schon wieder ein neuer Text her! Tipps und Tricks, wie man den optimalen Plot schreibt, wie man Algorithmen austrickst und den Leser bindet, rauschen bei Facebook und den einschlägigen Portalen durch. Die Nähe und der Übergang zur Make-Money-Fast-Szene ist beim Self-Publishing fließend. Abgeschriebene Texte, kopierte Plots, zusammengestümperte Texthaufen und Tricks, gegen die selbst Amazon nicht schnell genug ankommt, sind der unrühmliche Bodensatz des Self-Publishing-Booms, unter dem auch die ehrlichen und erfolgreichen Self-Publisher leiden.

Gestandene, erfolgreiche Self-Publisherinnen, die sich mit dem Schreiben eine neue Existenz aufgebaut haben, werden beim Abschreiben erwischt und man fragt sich: »Wie konnte das passieren? Sie war doch eigentlich eine ganz nette Frau. Das hätte man nie gedacht.« Sucht ist nicht mehr steuerbar.

5. Der Rest ist Literatur und ihr Betrieb

All diese Änderungen betreffen in Deutschland ausschließlich den Bereich, der gerne als »Unterhaltungsliteratur« bezeichnet wird. Es sind Genre-Texte zum schnellen Weglesen: Krimi, Thriller, Romance, Erotik, Science-Fiction, Chicklit, Fantasy … Daher die Nähe zum E-Book. Es sind keine Werke, die man sich gedruckt ins Regal stellen muss.

Wenn also von den Auswirkungen und Veränderungen durch Self-Publishing die Rede ist, muss der Vollständigkeit halber auch gesagt sein, wo diese Auswirkungen gleich Null sind: Bei all dem was nicht Mainstream, was nicht einfache Unterhaltung, was nicht Genre ist, also das, was man als »Literatur« bezeichnen kann. Damit soll keine qualitative Wertung verbunden sein. Es gibt auch schlechte Literatur und herausragende Unterhaltung. Und es gibt wunderbare Bücher, die Unterhaltung und Anspruch verbinden. Hin und wieder sind es Titel, die sich auf der Bestsellerliste des SPIEGEL finden – aber nie im Bereich des Self-Publishing.

Das Unerwartete, das Neue findet im Self-Publishing nicht statt, es findet sich ausschließlich im Programm der Verlage. Ob das in fünf Jahren anders sein wird?

Wir werden sehen.

Wolfgang Tischer

37 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Peter Hakenjos schrieb am 19. Mai 2016 um 14:06 Uhr

    Die Unterscheidung von Literatur und “Mainstream” ist mehr als fragwürdig. Zu seiner Zeit war Shakespeare eindeutig Mainstream und Unterhaltung. Am besten, man wendet sich einer anderen Terminologie zu, es sei denn, man möchte ganze Genregruppen zugrunde richten wie dies bei der Lyrik oder den Kurzgeschichten geschehen ist.

  2. Peter Hakenjos schrieb am 20. Mai 2016 um 10:34 Uhr

    Ja, in seiner Zeit war Shakespeare Mainstream. Wäre er mit einer anderen Sprache auch heute noch: Dramatik mit viel Blut, Mord, Totschlag, heiße Liebesszenen … und dazu noch so, dass jeder “normal Gebildete” (was immer das sein mag) die Inhalte verstehen kann. Doch, er war Mainstream und er wäre es immer noch.
    Diese fatale Trennung in Musik, Kunst UND Literatur in “anspruchsvoll” und “Mainstream” hat verheerende Auswirkungen für unsere Kultur.

  3. Renate Blaes schrieb am 20. Mai 2016 um 11:09 Uhr

    Die Verlage kaufen nicht (nur) “Textperlen”, sondern SP-Bücher, die sich gut verkaufen. Die Qualität spielt dabei definitiv eine untergeordnete Rolle – wie man bei etlichen Büchern anschaulich beobachten kann. Gerade vorgestern habe ich testweise ein Ebook gekauft, die momentane Nr. 2 der Top 10. (Dieses Buch wird im Herbst bei einem renommierten Verlag erscheinen.)
    Mein Fazit: Groschenroman-Qualität! Aber den Leser scheint es nicht zu stören – im Gegenteil. Bei den anderen Titeln der Top 10 ist eine ähnliche “Qualität” zu verzeichnen.
    Das ist allerdings nicht verwunderlich, denn die Tageszeitung mit der höchsten Auflage in Deutschland ist die mit dem B am Anfang …

  4. Jens Thaele schrieb am 20. Mai 2016 um 11:19 Uhr

    Zweifellos hat Self-publishing auch negative Begleiterscheinungen – wie jede neue Innovation. Ganz sicher jedoch hat es den Markt ordentlich aufgerüttelt und sehr wohl viele neue, gewagte Formate produziert. Dazu gehört dann neben guten Werken auch sehr viel Unsinn. Im Unterschied zu früher entscheidet beim Self-publishing der Kunde über wohl und wehe, nicht ein Gatekeeper beim Verlag.

    Ergänzend zu Ihrem Artikel, Herr Tischer, sollte der Wissenschaftsbereich deutliche Erwähnung finden. In diesem Segment ist das Self-Publishing eine tatsächlich sehr gute Alternative, denn viele Autoren publizieren hier eh nebenberuflich und riesige Stückzahlen an verkauften Büchern sind eher unwahrscheinlich. Der Vorteil: Sehr schnelles “go to market” und viel eigene Gestaltungsfreiheit. Wenn die Autoren dann noch für ein professionelles Lektorat u.a. sonstige “Verlagsdienstleistungen” Sorge tragen, dann müssen diese Werke den “echten” Verlagsbüchern aus Kundensicht in nichts nachstehen – im Gegenteil: Bei Sachbüchern mit zeitkritischen Themen, kann das für Kunden, aufgrund der Aktualität, sogar vorteilhaft sein.

  5. Peter Hakenjos schrieb am 20. Mai 2016 um 13:06 Uhr

    Herr Jens Thaele hat vollkommen Recht: Im SP wird der Sachbuchbereich völlig unterschätzt. Ihm gilt es, mehr Aufmerksamkeit zu schenken, auch universitär.
    Verlage sind ökonomisch arbeitende Unternehmen. Daraus ist ihnen kein Vorwurf zu machen. Was sich gut verkauft, das weckt ihr Interesse. Dass dies zunehmend Romane auf Groschenheft-Niveau sind, ist mir noch nicht aufgefallen, aber es hat ebenso Logik wie die Produktion des Dschungelcamps durch das Kommerz-Fernsehen.
    Übrigens ist der “Gatekeeper” großer Verlage in der Regel eine un- oder unterbezahlte Praktikantin, deren einzige Aufgabe darin besteht, Autoren unverlangt eingesandter Manuskripte mehr oder minder freundlich abzusagen.

  6. Renate Blaes schrieb am 20. Mai 2016 um 13:26 Uhr

    Ja, auch ich teile Jens Thaeles Meinung bezüglich Sachbücher. Zumal das Autorenhonorar für Sachbücher lächerlich gering ist. Und sich dafür unter die Knechtschaft eines Verlages zu begeben, wo der Autor so gut wie kein Mitspracherecht hat, ist nicht mehr zeitgemäß. Abgesehen davon, dass ein eigenes Buch innerhalb eines Tages online und innerhalb von wenigen Wochen gedruckt ist. Und Letzteres für mittlerweile sehr wenig Geld – bei sehr guter Qualität – sofern man sich die entsprechende Druckerei gesucht hat.
    Und wenn der Autor sich um die PR kümmert (was jeder Autor machen sollte, auch “Verlags”-Autoren) dann kann er als Selbstpublizierer deutlich mehr einnehmen als bei einem Verlag.
    Eine meiner Autorinnen (mein Verlagskonzept ist anders als das herkömmlicher Verlage) schreibt u. a.: “Je größer der Verlag, desto mehr Erfahrung, desto reibungsloser die Zusammenarbeit, desto routinierter der Ablauf? Sollte man meinen. Aber man ist in einem großen Verlag als einzelner Autor auch leider nur eine kleine Nummer. Wie auch der betreuende Redakteur. Mit dem lief alles glatt und angenehm, plötzlich wird die Abteilung umstrukturiert, die Stelle neu besetzt. Da gelten auf einmal auch neue Maßgaben für den Buchinhalt. Schon passiert, dass man aufgefordert wird, ein fast fertiges Manuskript komplett umzustrukturieren. Doppelte Arbeit fürs gleiche Honorar – denn es änderten sich nur die Vorstellungen von Verlagsseite, nicht die Konditionen für den Autor. Das ärgert.”

  7. Hans Habakuck schrieb am 20. Mai 2016 um 13:59 Uhr

    Mit Sicherheit ist das Self-Publishing ein Segen für die Autoren, können sie doch jetzt anhand der Verkaufszahlen selber sehen, dass die genialen Ergüsse vielleicht doch nicht ganz so toll waren (Reflexion und Fähigkeit der Selbstkritik vorausgesetzt). Tatsächlich scheinen mir die meisten Publikationen, übertrage ich das Bild dass sich daraus ergibt auf die Fernsehlandschaft, als würde es nun 500 zusätzliche Sender wie Tele 5 oder RTL 2 geben.
    Wen das nicht stört, wird begeistert sein ob der Vielzahl an neuen Perlen, die es dort zu entdecken gibt. Ich kann allerdings nicht erkennen, dass die Qualität gelitten hätte. Im Gegenteil. Mein sozialkritischer Roman: “Die Nacktpiratinnen von Eros IV” verkauft sich bei Amazon ausgesprochen gut und ich überlege schon, ob ich nicht eine Serie draus mache.

  8. Amélie von Tharach schrieb am 20. Mai 2016 um 14:06 Uhr

    Also ich schreib eher selten Kommentare, aber dazu muss ich etwas schreiben. Ich habe selten einen so dämlichen, überheblichen und bornierten Text gelesen. Dem Autor empfehle ich eine Wanderung durch eine x-beliebige Buchhandlung, und die Suche zwischen Kochbüchern, Reisebildbänden, Kinderbüchern, und Schmökern von Liebe und Herzschmerz nach guter (also stinklangweiliger und unlesbarer) Literatur, die als Beeindruckungsrumsteher nur noch in Eichenanbauschrankwänden neben Bertelsmann-Lexika (soll wieder megain sein) ihren Platz findet. Mir fehlt eine genaue Definition, was “gute” Literatur ist, oder ist “gute Literatur” das, was ein bekannter Denker mit dem Satz “ist es auch nur Tand, verkaufen ist keine Schand” treffend bezeichnet hat. Und damit schließe ich mit herzlichen Grüßen an den Buchhandel und die Verlagskamarilla

  9. Louise Bourbon schrieb am 20. Mai 2016 um 15:59 Uhr

    Ich muss sagen, dass ich den Beitrag als sehr einseitig empfinde. Ich bin Self Publisherin – aus guten Gründen.
    Keiner davon ist: mangelnde Qualität, Lebenserinnerungen die niemanden interessieren und so weiter. Einige meiner Kollegen veröffentlichen bei Verlagen und als Self Publisher. Warum? Wegen der Freiheit, die Self Publishing bietet. So bot mir ein Lektor an, die Handlung eines Buches nach Deutschland zu legen. Keine gute Idee, wenn einer der Hauptpersonen ein französischer Monarch ist.
    Außerdem lehne ich minimal Preise bei Büchern ab. Noch nie habe ich irgendwelche entsprechenden Preis Aktionen gestartet, mein Buch ist für einen ganz regulären Preis, der sich nicht verändert hat, im Handel. Es gibt überall solche und solche. Es gibt gute Werke von Verlagen, es gibt schlechte. Es gibt gute Werke von Self Publisher, es gibt schlechte.
    Aber eines ist klar: solange man sich nicht endlich den Self Publishing etwas mehr öffnet, wird ganz sicherlich immer nur mainstream den Buchhandel dominieren. Kleine Perlen bleiben vollkommen unentdeckt. Und das ist definitiv schade.
    Lediglich in einem kleinen Absatz wird hier erwähnt, dass es durchaus auch erfolgreiche Self Publisher gibt, die sogar ihren Weg in einen Verlag gefunden haben.
    Ich würde mich freuen, wenn man Literatur als solche betrachten könnte, ohne die Art der Veröffentlichung. Dann wären einige vielleicht zugänglicher und würden ebenfalls Perlen entdecken.
    Ich merke zudem an: wie viele der heutigen großen Dichter haben als Self Publisher begonnen? Ja, genau. Einige. Und da können wir dankbar sein, dass sie es getan haben.
    Ich persönlich habe überhaupt keine Lust, dauerhaft sagen zu müssen: Entschuldigung, ich bin Self Publisher.
    https://lareynesoleil.com/2016/02/19/entschuldigung-ich-bin-self-publisherin/

  10. PhantaNews schrieb am 20. Mai 2016 um 22:17 Uhr

    Meine Anmerkungen zu diesem rückwärtsgerichteten, bornierten und arroganten Werbetext fürs Buchbranchenkartell wären von Fakalinjurien durchsetzt und nicht gesellschaftsfähig. Deswegen verzichte ich auf sie.

  11. Peter Hakenjos schrieb am 20. Mai 2016 um 23:30 Uhr

    Also ich finde den Artikel sehr sachlich, Herr/Frau PhantaNews. Wir sollten auch als Selfpublisher den Tatsachen ins Auge sehen, auch wenn unser eigenes dann zu tränen beginnt. Wir alle müssen daran arbeiten, dass das Selbstverlegen vom Leser angenommen wird und das gelingt uns nur gemeinsam und wenn wir die ökonomische Realität mit einbeziehen.

  12. Martin Schröder schrieb am 21. Mai 2016 um 01:44 Uhr

    Wenn schon der erste Satz eines Artikels flasch ist, ist weiterlesen sinnlos. Der Verfasser hätte ja einfach mal bei Wikipedia nachschlagen können. Aber das ist ja nur so eine Website…

  13. Dani schrieb am 21. Mai 2016 um 21:13 Uhr

    Schon witzig, dass der Autor des Artikels selbst zwei Bücher im Selfpublishing herausgebracht hat – dazu noch Bücher, die dabei helfen, den bösen Selfpublishingmarkt zu überfluten wie “Amazon Kindle – eigene E-Books erstellen und verkaufen”.

  14. Susanne Gerdom schrieb am 22. Mai 2016 um 16:52 Uhr

    Wenn es doch nur so einfach wäre …

    Wirklich ausgefallene, anspruchsvolle, komplexe und nicht gar so marktgängige Texte finden natürlich beim Verlag ihren Unterschlupf.

    Ach ja?

    Darf ich kurz lachen?

    Verlage sind zuvörderst Wirtschaftsunternehmen – auch wenn sich viele Printverlage immer noch gerne als Gralshüter der wahren Kunst und Literatur gerieren.
    Aber wer als AutorIn die Absagen im Mailfach hat: “Zu anspruchsvoll”, “Leider nicht in Schublade XY passend, das machen unsere Leser nicht mit”, “Tolles Manuskript, aber das kriegen wir unserem Vertrieb nicht verkauft” – der weiß, dass der Weg am SP nicht vorbeiführt.

    Ich kenne mehr als genug literarisch anspruchsvolle Texte von KollegInnen (ich selbst schreibe ja nur dieses anspruchslose Fantasyzeugs /ironie off), die kein Verlag machen wollte. Und die sind jetzt mit ihren schönen Texten unter all dem selbst- und abgeschriebenen SP-Müll verschüttet. (Und da sind wir uns dann wieder einig, lieber Wolfgang Tischer).

  15. Chris Popp schrieb am 22. Mai 2016 um 18:05 Uhr

    Der Artikel trifft fast zu hundert Prozent ins Schwarze. Ich bin selbst sehr viel in diversen Foren und Gruppen unterwegs, gerade bei Facebook kann man sich vor schreibwütigen Autor*innen kaum retten – noch weniger von ihren manchmal unangenehmen Eigenarten und ihrer Aggressivität.

    Und leider ist es so, dass viele (nein, nicht alle!) der unter Schreibdurchfall leidenden Zeitgenossen, die immer mehr, immer schneller, veröffentlichen “müssen”, nicht nur das Verhältnis von Quantität und Qualität in Schieflage bringen, sondern mit ihrem Verhalten den wenigen seriösen Vertreter*innen im SP-Bereich einen Bärendienst erweisen.

    Denn oftmals üben sich viele der SP in einer oftmals nur schwer bis gar nicht zu ertragenden Larmoyanz. Sie begeben sich in eine Opferrolle, in die sie sich oftmals zu Recht bugsiert haben (nein, austauschbare bis schlechte Cover sowie mehrfache Fehler bereits während der ersten drei bis vier Seiten der Leseprobe animieren mich nicht zum Lesen!)

    Sie bemitleiden sich dabei nicht nur selbst (indem sie dabei offenlegen, unter welch armen Verhältnissen sie leben etc. pp.), sondern bringen es beispielsweise fertig, dem potenziellen Leser beispielsweise mit diesem im Internet kursierenden Kaffee-Bildchen (Gegenüberstellung: Ein Becher Kaffee bei Starbucks kostet über 4 Euro, ein E-Book 2,99 Euro) ein schlechtes Gewissen zu suggerieren.

    Das ist alles insofern schade, weil gerade sie mit ihrem offensiven und omnipräsenten Auftreten denen das Wasser abgraben unter den SP, die wirklich etwas auf der Pfanne haben.

    Diese Perlen als Leser und evtl. Rezensent zu finden, ist alles andere als einfach.

  16. Renate Blaes schrieb am 22. Mai 2016 um 20:15 Uhr

    Ich bin auch sicher, dass es diese “Perlen” gibt. Doch, wo findet man sie?

  17. Susanne Gerdom schrieb am 22. Mai 2016 um 23:49 Uhr

    Perlen finden? Ganz einfach:

    http://www.qindie.de

    ^^

  18. Isabell Schmitt-Egner schrieb am 23. Mai 2016 um 10:57 Uhr

    Nach diesem Artikel ist das Literaturcafé, sollte sich das Ganze nicht als Satire enttarnen, für mich gestorben. Der Text beweist nichts weiter als Uninformiertheit und oberflächliches Drübergucken = Urteil fällen.
    Einige Korrekturen wurden hier ja schon von Kollegen angebracht, zum Beispiel, dass es bei Verlagsübernahmen oft mitnichten um Qualität sondern eher um Follower und Größe des Blogs geht. Verlage sind LEIDER schon lange kein Qualitätsgarant mehr.
    Wer das immer noch behauptet, hat die Augen nicht aufgemacht, sorry. Dass unter den SP grauenhafte Machwerke kursieren, streitet niemand ab. Aber würde eins dieser Machwerke ein Kassenschlager, es fände einen Großverlag. Sofort. Und dann würde es kaum verändert auf den Markt geworfen, weil “Die Fans es ja jetzt schon so kennen”.

    Ich frage mich manchmal ernsthaft, wo die Leute unterwegs sind, dass so etwas geschrieben wird. In der Community anscheinend nicht, sonst würden solche Artikel nicht entstehen.

    “Das Unerwartete, das Neue findet im Self-Publishing nicht statt, es findet sich ausschließlich im Programm der Verlage.”

    Dies ist zweifellos der dümmste Satz im ganzen Text.
    Ich bin maßlos enttäuscht vom Literaturcafé. Auf Wiedersehen für immer.

  19. Uli schrieb am 23. Mai 2016 um 11:25 Uhr

    @16 Susanne Gerdom

    Sie haben tatsächlich echte Rückmeldungen von Verlagen bekommen? Wow! Ich habe das bislang für eine urbane Legende gehalten, habe ich doch von keinem Verlag – und bezeichnete er sich als noch so “fair” und war er auch noch so “regional” (alles Tips von Herrn T. aus L. am C.) – jemals eine Antwort erhalten! Nicht, dass ich so naiv gewesen wäre, gleich ein Manuskript einzusenden, nein, es waren ganz poplige Vorabanfragen bezüglich etwaigen Interesses an einem Thema.

    Nachdem ich mehrmals erst auf Nachfrage als Antwort gelangweilte und ganz offenkundig desinteressierte Zweizeiler erhalten hatte, waren “normale” Verlage für mich gestorben. Entweder macht man’s selbst, oder gar nicht.

    Somit ist der ganze Artikel für die Tonne. Sorry, Herr T.

  20. Silke Boger schrieb am 23. Mai 2016 um 14:12 Uhr

    Perlen im Indiebereich finden?

    lesering.de veröffentlicht monatlich die “Indie-Book-Perle des Monats”

    http://www.lesering.de/tag/Indie-Perle%20des%20Monats/

    Finde ich ein tolles Engagement für SP Autoren

  21. Ellen schrieb am 23. Mai 2016 um 14:23 Uhr

    Interessante Meinungsäußerung – aber wie fundiert ist sie wirklich? Ganz explizit fragwürdig wird der Abschlusssatz: “Das Unerwartete, das Neue findet im Self-Publishing nicht statt, es findet sich ausschließlich im Programm der Verlage.” Lieber Herr Tischer, wie kommen Sie zu dem Urteil? Wieviele der selbst-veröffentlichten Titel haben Sie gelesen oder wenigstens angeschaut, um die pauschale Formulierung zu rechtfertigen?

  22. Susanne Gerdom schrieb am 23. Mai 2016 um 14:32 Uhr

    Ja, doch. Es gibt durchaus Verlagslektorate, die sich auch differenziert zurückmelden. Allerdings nicht auf unverlangt Eingesendetes, das ist klar. Man muss vorher schon mal mit den Menschen am anderen Ende kommuniziert haben. Dann kommen auch Antworten. ^^

  23. Renate Blaes schrieb am 23. Mai 2016 um 17:04 Uhr

    Den letzten Satz von Wolfgang Tischer unterschreibe ich auch nicht: “Das Unerwartete, das Neue findet im Self-Publishing nicht statt …” Allerdings habe ich wie auch schon bei den “Textperlen” keinen Gegenbeweis.
    Eines kann ich aber sagen: Viele Selbstpublizierer rennen den Trends hinterher. Nach dem erfolgreichen (meiner Meinung nach hundsmiserablen) Buch über Mr. Grey gibt es in der SP-Szene eine Neuerscheinung nach der anderen mit einem reichen/schwerreichen Protagonisten. Der Traum von Lieschen Müller wird weiter geträumt.

    Dass ein Selbstpublizierer mal auf eigene Ideen kommt … ich wäre sehr gespannt darauf! Wäre so ein Buch dann noch gut geschrieben ist, wäre ich umso glücklicher.

    In einer Facebook-Gruppe gibt es mittlerweile sogar einen Link zu einem Programm, das Ideen bzw. Schlagworte für Romanideen kreiert. Und die vielen “Likes” dazu sprechen eine klare Sprache.

    Meine Meinung ist: Wer keine Idee für ein Buch hat, sollte es bleiben lassen. Denn es gibt schon genügend schlechte Bücher. Von Verlagsautoren wie von Selbstpublizierern.

  24. Casandra Krammer schrieb am 23. Mai 2016 um 17:11 Uhr

    Um ehrlich zu sein, wollte ich zu diesem Artikel eine Antwort auf meinem Blog verfassen, das würde aber Benzin ins Feuer kippen und dem Brandstifter zugutekommen. Also habe ich es gelassen.
    Der Text ist gezielt einseitig geschrieben, um zu polarisieren – sind ja doch sehr viele Leser des Literaturcafes Self-Publisher. Keine Ahnung ob als Werbekampagne oder ernst gemeint, der Artikel hat sich auf jeden Fall Feinde gemacht und Aufmerksamkeit erregt – Glückwunsch, ihr seid im Gespräch *slow clap*.
    Man kann nicht leugnen, dass Self-Publishing den Buchmarkt nachhaltig verändert. Die Bücherwelt muss nur lernen, mit der Veränderung umzugehen, denn am Ende formt die Nachfrage den Markt und die Nachfrage nach günstigen und schnellen E-Books ist nun mal groß. Trotzdem gibt es sehr viele Leser, die auf Qualität achten.
    Was du getrost außer Acht lässt ist, dass vielen anspruchsvollen Self-Publishern die Amazon Preispolitik selber ein Dorn im Auge ist. Jetzt gilt es als Verlage und SPs an einem Strang zu ziehen und das Ganze für alle wieder profitabel zu machen.
    Aber was weiß ich schon, ich bin nur Herausgeberin im Verlag, Autorin, Leserin und Coverdesignerin.
    Zu behaupten, dass es “wunderbare Bücher[gibt], die Unterhaltung und Anspruch verbinden […] aber nie im Bereich des Self-Publishing.” Ist schlichtweg falsch und frech. Klar gibt es unter den Indie-Büchern viel Müll, den gibt es in der Verlagswelt aber auch, die Bücher stehen meistens nur nicht vorne im Verkaufsregal – Shades of Grey als Ausnahme.
    Als jemand der nicht nur für Self-Publisher arbeitet, sondern auch regelmäßig Indie Titel liest, kann ich diese Aussage nicht unterschreiben – vor allem nicht, wenn man, wie ich, fast ausschließlich nach anspruchsvollen Romanen greift die einen Mehrwert versprechen.
    Fast jeder Self-Publisher der was auf sich hält bezahlt gerne für Korrektorat, Lektorat und ein gutes Cover. Den Geschichten mangelt es nicht an Qualität und Originalität, sondern an Verlage, die sich mal außerhalb des Bücher-Hypes wagen. Ich hatte so oft Kunden die mir sagten, dass sie abgelehnt wurden, weil das Thema gerade nicht „angesagt“ ist. So viel zum Qualitätssiegel Verlag. Und da muss ich Susanne Gerdom (übrigens eine unheimlich gute und erfolgreiche „Hybrid“ Autorin, die auf Qualität setzt) einfach Recht geben: „Verlage sind zuvörderst Wirtschaftsunternehmen – auch wenn sich viele Printverlage immer noch gerne als Gralshüter der wahren Kunst und Literatur gerieren.“
    Da bleibt einem gar nichts anderes übrig, als in den Selbstverlag zu gehen.
    Ich verstehe und unterschreibe viele Punkte aus dem Artikel. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass er nicht so brachial einseitig argumentiert wäre – echt schade.

  25. Jens Thaele schrieb am 23. Mai 2016 um 17:58 Uhr

    Natürlich ist der Artikel etwas provokant geschrieben, allein die Überschriften geben bereits die Richtung vor. Jedoch ist es doch das gute Recht von Herrn Tischer, seine Meinung sehr klar zu vertreten. Und sein Ziel hat er doch erreicht – Aufmerksamkeit.
    Nur der letzte Satz „Das Unerwartete, das Neue findet im Self-Publishing nicht statt, es findet sich ausschließlich im Programm der Verlage ….“ macht seinen Text, wie ich finde, eher kaputt, da die Aussage weder beweisbar noch logisch ist. Behauptungen, die schlicht unhaltbar sind, entwerten damit den Gesamtkontext und machen einen Autor unglaubwürdig. Jeder Wissenschaftsautor würde damit beim Leser durchfallen – aber es ging ja hier um Fiction … Vermutlich war der Satz lediglich als abschließende (gelungene) Provokation gedacht?

  26. Renate Blaes schrieb am 23. Mai 2016 um 19:11 Uhr

    Mein vermutlich letzter Kommentar in diesem Thread.
    Herr Tischer, den ich sehr schätze, hat ein Portal aufgebaut, von dem die Besucher/Leser profitieren. Das steht zweifelsfrei fest. Und dafür danke ich ihm persönlich an dieser Stelle endlich einmal. Denn ich habe hier schon viele interessante, inspirierende und nützliche Informationen gefunden.

    Herr Tischer ist nirgendwo die Verpflichtung eingegangen, populäre Meinungen zu vertreten. Weder in bezug auf Verlagsautoren noch in bezug zu Selbstpublizierern.

    Herr Tischer ist ein Mensch mit individuellen Ansichten und Meinungen. Die äußert er hier teilweise. Wenn die nicht allen gefallen oder einleuchten, dann ist das kein Problem von Herrn Tischer.

    Was mir (mal wieder) stinkt, ist, dass eine Meinung, die nicht allgemein gefällt, bombadiert wird. Ich finde es schade, dass über andere Ansichten nicht sachlich diskutiert, sondern u. a. mit “ich verlasse hiermit das Literaturcafé” reagiert wird.

    Mein Gott, glaubt denn einer, der hier nicht mehr mitliest/kommentiert, irgendjemand würde ihn vermissen?

    Herr Tischer ist nicht der Nabel der Welt. Aber das behauptet er auch nicht von sich. Genauso wenig haben Kommentatoren die Weisheit mit Löffeln gefressen.

    Lieber Herr Tischer, Sie haben ja gesehen, dass ich nicht unbedingt konform mit ihnen gehe, trotzdem schätze ich Ihr Literaturcafé sehr und liebe Ihre Beiträge. Sind sie doch immer wieder gut für Kontroversen. Schön wäre, wenn die Kontroversen konstruktiver wären, als sie oft sind. Aber das liegt ja nicht in Ihrer Hand …

    Viele Grüße vom Ammersee!
    Renate Blaes

  27. Renate Blaes schrieb am 23. Mai 2016 um 19:13 Uhr

    “… konform mit Ihnen” sollte es heißen.

  28. Nikola Hahn schrieb am 24. Mai 2016 um 02:09 Uhr

    Ich finde den Artikel unbedingt lesenswert, kann aber das Resümee nicht teilen. “Die Literatur” hat auch bislang eher in Nischen stattgefunden, und dass die Chance, mit Selfpublishing neue Wege zu gehen, nicht mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wird, hat auch und vor allem damit zu tun, dass die “Meinungsbildenden” (auch das von mir sehr geschätzte Literaturcafé) in der Regel auf die (schnellen) Verkaufszahlen fokussieren und “Erfolg” mit “schnell viel verkaufen” gleichsetzen. Dass Schreiben weitaus mehr ist als einfach nach Formel xy Massengeschmack zu bedienen, gerät dabei leicht aus dem Blick. Dass “Heftchenromane” für die große Masse gemacht sind und auch in Massen gekauft werden, ist nicht neu – das kenne ich aus den Supermarkt-Wühltischen meiner Jugendtage und die liegen Jahrzehnte zurück. Nur hat sich damals selten jemand bemüßigt gefühlt, das literarisch zu untersuchen. Es ist sehr schade, dass die faszinierenden Möglichkeiten so wenig herausgestellt werden, die das Selfpublishing Autoren bietet, die literarisch schreiben und veröffentlichen wollen. Ich war zehn Jahre Autorin in großen Publikumsverlagen und habe vor vier Jahren nach einer längeren Orientierungs- und Vorbereitungsphase den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, einen eigenen Verlag gegründet, der schon im zweiten Jahr in den schwarzen Zahlen war. Natürlich wollte ich nicht auf die Anbindung an den Buchhandel verzichten, nicht auf Barsortiment und VLB. Noch vor wenigen Jahren wäre das unvorstellbar gewesen – jetzt bieten Barsortimenter wie KNV ein eigenes PoD-Programm für Verlage. Meine Intention, den Verlag zu gründen, war letztlich eine ausgefallene Idee für ein Romanprojekt. Der entsprechende Roman bildet mittlerweile den Verlagsschwerpunkt; die Verkaufszahlen sind fünfstellig! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es nicht mehr Erfolge in diesem Sektor gibt!

  29. David Pawn schrieb am 24. Mai 2016 um 09:02 Uhr

    Der Rest ist Literatur …
    Wirklich? Diese Unterscheidung nach Unterhaltung und Literatur ist, ähnlich wie in anderen Kunstformen auch, das bekloppteste, was man äußern kann. Das hat mehrere Gründe. Zum einen suggeriert es einer Schar Leser: Das ist nichts für dich! Das ist Literatur! Zum anderen behauptet es umgekehrt, wie auch einer der vorherigen Kommentatoren: Literatur ist langweilig und nur zum Im-Schrank-stehen.
    Sagen Sie das mal einem Autor von „Literatur“. Ich hoffe sehr, der geht Ihnen an die Gurgel. Glaubt wirklich jemand, irgendein Autor setzt sich hin mit dem Vorhaben: Jetzt schreibe ich mal etwas stinklangweiliges, was kein Mensch wirklich liest, die Kritik und das Feuilleton aber bejubelt. Es soll voller Weisheit und Lebenshilfe sein, aber bitte keinen einzige Satz enthalten der spannend, komisch und, der Himmel bewahre mich davor, unterhaltend ist. Glaubt das jemand? Der Trick beim Buch ist doch gerade, dass es die Meinungen und Überzeugungen des Autors zur Hintertür reinträgt, während es an der Vordertür buntschillernd tanzt und ablenkt.
    Es ist ja nicht so, als würde die Weltliteratur nicht von „Krimi, Thriller, Romance, Erotik, Science-Fiction, Chicklit, Fantasy“ bevölkert. Die unselige Trennung verbindet uns nur oft genug die Augen und verhindert, statt zu fördern, dass Menschen bekannte Autoren lesen.
    Das Beispiel Shakespeare, ein Theaterdichter, der wusste, was die Menschen wollen, ist hier ja schon genannt worden. Aber wenn mich nicht alles täuscht, nutzt der „Faust“ Mittel der Fantasy. Oder ist die Verwandlung eines Hundes in einen Mann keine Magie? Ist der Ritt auf einem Fass aus Auerbachs Keller hinaus kein grober Gag? Aber das ist ja Goethe, das ist Literatur, von dem hat man sich gefälligst nicht unterhalten zu fühlen!
    Oder nehmen wir Umberto Eco. Angesichts der Ehrendoktorwürden und Preise wird keiner in Abrede stellen, dieser Mann hat Literatur verfasst. Berühmt wurde er mit einem Mittelalterkrimi.
    Miguel de Cervantes – den haben die Spanier gerade gefeiert – gilt als Begründer des Romans. Mit dem ganz, ganz furchtbar trivialen Comedy-Machwerk Don Quijote. Wäre es eine Donna, könnte man von Chick-Lit sprechen. Nehmen wir ein paar Nobelpreisträger zur Hand.
    Boris Pasternak – Doktor Schiwago – Romance.
    Henryk Sienkiewicz – Durch Wüste und Wildnis – Abenteuer
    Rudyard Kipling – Das Dschungelbuch – Abenteuer, Fantasy
    George Bernard Shaw – Pygmalion, Helden, Major Barbara – Chick-Lit (aber sowas von …)
    William Faulkner – Absalom, Absalom! – Abenteuer
    Man könnte jetzt behaupten, diese Einstufungen würden die Werke degradieren, trivialisieren. Aber wieso? Es ist eine hohe Kunst, Menschen zu unterhalten. Menschen zu langweilen, ist leicht. Das beherrscht jeder Trottel. Sie aber in den Bann zu ziehen, zu fesseln, und ihnen heimlich gute Gedanken in den Kopf zu setzen. Das ist hohe Kunst. Darum sollte man nicht in Unterhaltung und Literatur trennen, höchstens und gute und schlechte Unterhaltung.

  30. Susanne Gerdom schrieb am 24. Mai 2016 um 13:17 Uhr

    Verdammt, es nervt, dass man hier nicht direkt auf Beiträge antworten kann.
    @David Pawn (Kommentar No. 35): Danke. Applaus. Dem ist nichts hinzuzufügen.

  31. Renate Blaes schrieb am 24. Mai 2016 um 16:19 Uhr

    Ich schließe mich Susanne Gerdom an!

  32. Nikola Hahn schrieb am 24. Mai 2016 um 20:25 Uhr

    Ich würde den Unterschied doch eher bei guter oder schlechter Literatur sehen wollen, oder? Und den würde ich vor allem daran festmachen, ob der Autor sein Handwerk beherrscht oder nicht. Und wo, bitte, ist ein Widerspruch zwischen Unterhaltung und Literatur? Unterhaltungsliteratur ist natürlich Literatur, Genreliteratur ist Literatur … Literarisch schreiben hingegen meint, dass der Autor die Freiheit hat, seine Figur im Wald wohnen zu lassen und nicht in der Wüste, nur weil es ein (Publikums-)Verlag so möchte, weil es angeblich der Leser so möchte oder weil es das Genre verlangt. Andersherum kann aber ein Autor sehr wohl seine Figur in der Wüste wohnen lassen, weil er es gut und passend für seine Geschichte findet – und wenn dann die Leser das auch gut finden, ist alles gut. Einschließlich der Platzierung des betreffenden Buches auf der Bestsellerliste. Literarisch schreiben heißt, dass ich mich mit Sprache und Form auseinandersetze, das kann hochkompliziert (und durchaus auch wenig spannend und nur für eine kleine Gruppe von Lesern interessant sein), aber es kann genausogut wunderbar leicht, unterhaltend, spritzig, ja, sogar “trendig” und “massentauglich” sein. Und so ist auch die Aufzählung der entsprechenden Autoren nicht im Geringsten ein Widerspruch. Im Gegenteil! Natürlich ist es eine große Kunst, Menschen zu unterhalten! Niemand würde indes behaupten, dass jeder, der unterhalten will, es auch schafft. Literarisch schreiben heißt also nicht, dass das, was dabei herauskommt, per se gut ist (das müssen die Leser beurteilen), sondern es heißt vor allem Freiheit in Sujet und Form, Unabhängigkeit vom Lesergeschmack, von Vorgaben jeder Art. Und daher auch die Freiheit, den Lesergeschmack zu bedienen – weil ich es als Autor will. Übrigens: In der Autorenzeitschrift “Federwelt” schreibt Jan Decker eine tolle Serie darüber, was literarisches Schreiben ist. Mit dem “Literaturbegriff”, den David Pawn beschreibt, hat das jedenfalls nichts zu tun.

  33. Symone Hengy schrieb am 25. Mai 2016 um 12:59 Uhr

    Liebe Isabell, danke, dein Kommentar bringt auf den Punkt, was auch ich von diesem Kommentar halte.

  34. Joachim Tiele schrieb am 25. Mai 2016 um 16:23 Uhr

    Ich möchte mich zunächst einmal Renate Blaes (Beitrag 32) anschließen. Was Literatur angeht, ist das “Literaturcafé” inzwischen so etwas wie mein “Leib und Magen”-Blatt. Und das kam so: Vor einigen Jahren erkrankte ich auf eine Weise, die mein Leben in ein “Davor” und ein “Danach” geteilt hat, d. h., mich auch beruflich etwas reduziert hat. Die von Herrn Tischer genannten “Mutmacher”-Autoren für andere Erkrankte kannte ich natürlich, und es gibt durchaus auch Zuschussverlage, die seriös sind, also ihre Autoren nicht *nur* ausnehmen, obwohl diese natürlich für jede “Dientsleistung” bezahlen. Eine dieser Verlegerinnen gehört auch zu meinem privaten Bekanntenkreis… Also, aus mehreren Gründen kein Weg für mich, obwohl in einer bewegungsarmen Gesamtsituation an einem Schreibtisch sitzen für mich ein gangbarer Weg wäre, beruflich doch noch für etwas zu gebrauchen zu sein. Also keine “literarisierte Krankengeschichte” von mir. Aber – und das dauerte durchaus einige Jahre – die Idee, einen Roman zu schreiben, bekam ich dann doch irgendwann – nicht *meine* Krankengeschichte, aber die Geschichte eines fiktiven Protagonisten, der auch eine Erkrankung erleidet, die *sein* Leben in ein “Davor” und ein “Danach” teilt, was er zum Anlass nimmt, sein bisheriges Leben zu reflektieren und nach Wegen zu suchen, aus seiner als zunehmend schwierig empfundenen Situation herauszukommen – indem er einen Roman schreibt…

    Ich begann also zu schreiben, hatte, obwohl ich darin stpäter kein Examen gemacht hatte (sondern in anderen Fächern), auch mal Germanistik studiert und war zeitlebens ein sog. “Literaturliebhaber” gewesen, was auch zu einer umfänglichen Privatbibliothek geführt hatte, die zwar nicht nur sogenannte “ernsthafte” Literatur enthält, an dieser aber so viele Beispiele, die “ein ganzes Autorenleben” vorhalten können, um sich zu orientieren, aber auch abzugrenzen, um nicht zu schreiben wie XY oder YZ… Von der Option des Selfpublishing hatte ich natürlich gehört und mir dann auch ein paar entsprechende Portale “ergoogelt” (und die meistenvon ihnen inzwischen auch wieder hinter mir gelassen…).

    Eines dieser Portale war Neobooks, wo ich mich als “Rezensent”, nicht als “Autor” angemeldet hatte. Und ja, dort konnte man durchaus Perlen finden, darunter auch eines meiner tatsächlichen späteren Lieblingsbücher, ein ehemals bei einem kleinen Regionalverlag erschienens, dort nach der zweiten Auflage gestrichenes und von der Autorin dann als Ebook via Neobooks selbstverlegt neu herausgebracht, damit es grundsätzlich verfügbar bleibt… Auch den ersten deutschsprachigen Gerichtssaal-Kracher habe ich dort gefunden, der, verfasst von einem ehemaligen Anwalt, einen “Dreh” gefunden hat, auch im deutschen Rechtssystem einen Fall zu erfinden, der – zumindest in meiner Wahrnehmung – den US-amerikanischen Genre-Platzhirschen in nichts nachstand, was wegen der Unterschiede der Rechtssysteme nicht ganz einfach ist… Auch eine recht junge Coming-of-Age-Autorin war darunter, die – gemessen an Germanistik-Standards – literarisch eher unbeleckt war, aber mit viel Authentizität ein Leben zwischen Punk sein, Wahnsinn und dem Versuch, eine bügerliche Existenz zu führen beschrieb, was mir einfach den Atem genommen und mich zu einer 5-Sterne-Rezension veranlasst hatte, nachdem ihr andere Rezensenten aufgrund ihres Alters das Recht abgesprochen hatten, über “solch schwierige Themen” schreiben zu *dürfen*. Ach ja, aber damit sind meine Beispiele auch schon zuende, eine Oberstudienrätin war auch dabei, von der einige Stücke für ihre Schul-Theater-AG bei einem Bühnenverlag erschienen sind, die ihre Jugendromane aber trotz Literaturagentin nirgendwo unterbekam. Eigentlich ist so gut wie niemand bei Neoabooks während der Zeit, als ich dort zugange war, irgendwo “untergekommen” und die Marketing-Gags, dass Rezensionen und Bewertungen der anderen User “ihren” Autoren eine Verlagschance liefern würden, war schnell als unredlich entlarvt…

    In dieser Zeit schrieb ich munter vor mich hin und bin im Laufe der Zeit mit einigen anderen “Autoren” in Kontakt gekommen, die dann irgendwann auch fragten, ob ich denn nicht selbst schreiben würde… In einer Mischung aus Drängeln und Mutmachen waren einige davon recht hartnäckig, so dass ich irgendwann mal ein lesefreundliches PDF zusammengestellt habe und so zu meinen ersten “Testlesern” gekommen bin (dass es dafür mit “Testleser” einen “Fachbegriff” gibt, wusste ich seinerzeit noch nicht). Das Ergebnis war natürlich inhaltlich differenziert und unterschiedlich, lässt sich aber in einem Satz zusammenfassen: “Das ist ja Literatur!”. Bloß nicht bei Neobooks veröffentlichen, war ein Ratschlag, mir einen Literaturagenten suchen, ein anderer und eine der Leserinnen sah mich “in Klagenfurt”… Okay, da stand ich nun.

    Und hier kommt das “Literaturcafé” ins Spiel. Was ein Literaturagent ist und wie man einen finden kann, habe ich hier gelernt, bin über einen Artikel hier auf die fabelhaften Infos des Uschtrin-Verlages gestoßen und habe im letzten Sommer anhand der Vorberichte hier “Klagenfurt gelernt” (natürlich wusste ich vorher schon, dass es den Bachmann-Preis gibt und habe auch schon seit Jahren eine Bachmann-Gesamtausgabe hier stehen). Während der Veranstaltung selbst lief im Fernseher 3Sat, auf einm Rechner die ORF-Übertragung, und in einem anderen hatte ich die Texte der Autoren in einem Browser-Fenster offen und die “Literaturcafé”-Videocasts und -Kommentare in einem anderen. Okay, das war ein individuell bereicherndes Lernerlebnis, das mich natürlich in diesem Jahr (noch ;-)) nicht nach Klagenfurt geführt hat, aber: all dieses hat mich langsam, Schritt für Schritt, etwas näher an den Literatur*betrieb* herangeführt, wohin immer auch das eines Tages führen mag.

    Andere Dinge kamen hinzu. Zum Beispiel kann ich jetzt dank der entsprechenden Vorlage hier auf Wunsch jeden beliebigen Text in Normseiten bringen, dank Maltes Textkritik-Kolumne sogar hartnäckige Adjektiv-Verteidiger in den Leserunden eines bekannten Literaturportals zum Nachdenken und zu ersten Ansätzen eigener Textkritik bringen, und wenn man interpretatorisch einmal gar nicht weiter weiß, können die seltenen, aber dann immer fundierten Buchbesprechungen hier weiterhelfen. Und dabei muss man nicht mal unbedingt mit Wolfgang Tischer oder einem der anderen Rezensenten einer Meinung sein. Ein Beispiel ist die Autorin Anna Galkina, die von Wolfgang Tischer, als ihr Roman “Das kalte Licht der fernen Sterne” noch als Amazon-Ebook erhältlich war, gewissermaßen “entdeckt” und später sogar ein wenig “gehypt” hat. Ich gehe bei seinem Lob nicht mit, würde ihr Werk sogar der “Literatur der Lüge” (im Sinne Kirkegaards) zurechnen, aber: die völlig andere Meinung Wolfgang Tischers hat meine Kritik erst richtig “angespitzt” und dient(e) meiner Meinungsfindung als Maßstab. Das heißt: Zumindest *ich* brauche Meinungen, die von meiner abweichen, um meine eigene Meinung und deren Maßstäbe austarieren zu können.

    Und jetzt dieser von einigen doch als irgendwas zwischen arrogant und ungehörig empfundene Artikel Wolfgang Tischers zum Thema Selfpublishing. Mir liefert er im Wesentlichen Orientierung, eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt X, von einer Person geliefert, die ich in ihrer Beurteilung solcher Dinge für grundsätzlich kompetent halte, ob sie nun in diesem einen Punkt recht hat oder nicht, und ob ich ihrer Meinung bin oder nicht. Er weiß es nicht (zumindest nicht genau, und schreibt dieses ja auch) und ich weiß es nicht. Aber wir beide, und viele andere auch, suchen aus unterschiedlichen individuellen Gründen zu diesem Thema Orientierung. Die hat er gegeben und gleichzeitig einen Stachel gesetzt. Gut so, denn das nützt uns allen, die das Thema angeht.

    Mit anderen Meinungen habe ich keine Probleme, außer mit denen, die anderen absprechen, ihre Meinungen überhaupt haben oder äußern zu dürfen. Es ist schlimm, dass man wieder einmal Rosa Luxemburg zitieren muss mit ihrer Aufforderung zur Verteidigung der Meinung anderer. Ich habe ein Problem mit Leuten, die es nicht ertragen können, dass jemand eine andere Meinung hat als sie selbst, und die mit *Konsequenzen drohen*. Noch ist es hier nur die “Konsequenz”, hier im Forum nicht mehr aufzutauchen, was sicherlich verschmerzbar ist. Problematisch wird es aber, nicht nur im Bereich der Literatur, wenn immer mehr Menschen damit Probleme haben, dass andere eine andere Meinung haben als sie selbst. Dann kann es schnell passieren, dass der kritische Diskurs insgesamt als gesellschaftliches Steuerungsinstrument zur Meinungsbildung in Gefahr gerät. Dies ist das sogenannte “Toleranz-Paradoxon”: Wie tolerant darf man gegenüber Intoleranten sein, bevor diese die Toleranz abschaffen? In diesem Sinne “gut so”, dass Wolfgang Tischer seinen Artikel genau so geschreiben hat, ob er nun recht hat oder nicht. Er behauptet ja allenfalls, im Moment und in den von ihm besonders herausgegriffenen Punkten recht zu haben. Indem wir uns daran reiben, schärfen wir unsere eigenen Meinungen. Das, und die vorläufige Orientierung in einer strittigen oder in ihrer Antwort unbestimmten Frage, ist der Wert eines Meinungsartikels in einer demokratischen Medienkultur. My 50 cts.

  35. Kirk Spader schrieb am 25. Mai 2016 um 22:50 Uhr

    Bereits früher ist mir das “Liiteraturcafe” insbesondere dadurch aufgefallen, dass hier Artikel erfunden wurden, die nur den einen Zweck haben: Provozieren. Klar, dass ein Blog Leser braucht. also saugen wir uns mal was Provokantes aus den Fingern. Aber der obige Artikel schießt weit über das Ziel hinaus. Er hat eine unheilvolle Diskussion über Selfpublisher ausgelöst, die von einigen Buchbloggern aufgenommen wurde. Die dann sinngemäß schreiben, dass sie gar keine Werke von Selfpublishern annehmen, weil die a) nur als E-Book vorliegen oder b() viel zu aufdringlich sind. Jo. Ich frage mich nur, was ein Buchblog, der keine E-Books liest, die letzten 5 Jahre verpasst hat. E-Books sind da. Und sie bleiben auch. Gewöhnt euch daran. Und was b) angeht: Ja, viele Selfpublisher wollen Geld verdienen. absolut verwerflich, da Verlagsautoren ka nur schreiben, um für humanitäree Zwecke spenden zu können. Ganz ehrlich: Wenn ich schreibe, will ich gelesen werden. Wenn mein Buch keiner kauft, habe ich was falsch gemacht. Falsches Genre, blödes Cover, oder Vampire. die Druckertinte trinken sind einfach gerade nicht gefragt. Dann schreibe ich halt ein anderes Buch. Lektorat und Korrektorat? Klar, gerne gebe ich 4.000 € für ein E-Book only aus, das vielleicht niemand liest. Nein, mache ich nicht! Bitte mal alle Seiten an die Nase fassen und akzeptieren, dass es Selfpublisher gibt, die Geld verdienen müssen, weil sie nach dem ersten Buch ihren Job aufgegeben haben. Idiotisch, gibts aber. Und, liebe uneinennützige Bücherblogger: Verdient ihr nicht auch Geld mit euren Blogs? Warum können wir nicht einfach gegenseitig akzeptieren, dass die Welt kein Ponyhof ist? In Erwartung eines veritablen Shitstormns euer/dein Kirk Spader

  36. Erdmann Kühn schrieb am 30. Mai 2016 um 16:47 Uhr

    “Das Unerwartete, das Neue findet im Self-Publishing nicht statt, es findet sich ausschließlich im Programm der Verlage.”
    Besonders dieser Abschlusssatz ärgert mich sehr. Inzwischen freut man sich als Autor ja schon über eine Ablehnung, weil da draußen ein Verlag ist, der einen zumindest wahrgenommen hat. Irgendwann ist man soweit, dass man es gar nicht mehr weiter bei den Verlagen versucht, um sich ein Stück Selbstachtung zu bewahren. Da ist der Selbstverleger-Boom natürlich ein Segen. Ja, da ist viel Stümperei und Schrott dabei – weil es so einfach ist, ein ebook hochzuladen. Und die Suche nach den Perlen ist sicher mühsam. Aber das Fazit, Qualität und wirklich Neues gäbe es nur bei den Verlagen, ist falsch und überheblich. Wie schrieb mir eine Literaturagentin einmal so schön: “Ich mag Ihre Geschichte sehr und auch Ihre Art zu schreiben, aber leider finde ich dafür keinen Verlag …”

  37. Adelheid Seltmann schrieb am 14. Juli 2017 um 23:21 Uhr

    Das hier genannte und gemeinte eBook ist das, was man in einem passenden Vergleich – von der Entwicklungshistorie her gedacht – ein “Postkutschenauto” nennen muss: diese Bücher sind lediglich elektronischer Abklatsch von druckfähigen oder gedruckten Büchern.
    Das eigentliche eBook der Zukunft wird von der Struktur her ganz anders sein: es ist crossmedial, enthält also Musik, Bilder, Videos, Filme, ganz sicher auch im VR4 Format, es enthält Kommentare jeglicher Art, wird verlinkt sein können zu google oder you tube oder anderen Webseiten, sprich es ist vektoriell und ganz bestimmt nicht mehr für irgendeinen Druck zugänglich. Das sind dann neue Forme des Poetischen, auf alte Erzählformen kann verzichtet werden – und ja: Vordenker dazu gab es wie Musil und vor allem auch Brinkmann. aber in Deutschland ist man leider digital noch nicht soweit, in der Provinz gibt es nicht einmal anständige Breitbandzugänge. Besonders nicht in Wolfenbüttel bei Literaturseminaren, wie ich einmal erlebt habe. Aber die Zukunft gehört diesem Buch – ganz sicher!

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