- literaturcafe.de - http://www.literaturcafe.de -

Wie finde ich einen Verlag? Oder: Brauche ich überhaupt noch einen Verlag?

Vortrag: Verlage suchen und verlage finden»Welchen Verlag können Sie mir empfehlen?« oder »Gibt es im literaturcafe.de eine Liste seriöser Verlage, an die ich mein Manuskript senden kann?« Das sind Standardfragen, die der Redaktion des literaturcafe.de regelmäßig gestellt werden.

Diese beiden Fragen zeigen die erschreckende Naivität vieler Autorinnen und Autoren deutlich auf. Sie sind Beleg dafür, dass viele Schreibende selbst nie eine Buchhandlung betreten – geschweige denn selbst Bücher lesen.

In einem Vortrag auf der Leipziger Buchmesse erläuterte Wolfgang Tischer, welche Fragen sich Autoren stattdessen stellen sollten.

In welchem Regal würde Ihr Buch stehen?

Wer einen Text veröffentlichen will, der sollte selbst am besten wissen, welcher Verlag der richtige ist.

Oder würden Sie an eine Autozeitschrift die Frage richten »Welches Auto können Sie mir empfehlen?« oder »Gibt es eine Liste seriöser Autohersteller?« Natürlich nicht. Autos kennen wir, weil wir sie täglich sehen. Wer ein praktisches Auto will, weil er öfters etwas zu transportieren hat, der wird sich keinen Sportwagen kaufen. Menschen mit Potenzproblemen werden sich keinen Opel anschaffen: Wir wissen, wofür welche Marke steht.

Genauso ist es mit Verlagen.

Wer die Redaktion des literaturcafe.de nach einem Verlag für sein Manuskript fragt, dem stellen wir die Gegenfrage: »Wenn Sie in Ihre Buchhandlung oder in Ihre Bibliothek gehen: Wo würde die Buchhändlerin ihr Buch einsortieren, wenn es bereits auf dem Markt wäre? Gehen Sie zu diesem Regal und schreiben Sie die Verlagsnamen ab, die Sie dort auf den Buchrücken finden.«

Häufig erleben wir dann folgende Reaktion:

Noch häufiger ist jedoch die Antwort:

Beliebigkeit ist chancenlos

Was sich jedoch in einer Buchhandlung nicht eindeutig in ein thematisches Regal einsortieren lässt, wird nie eine Chance haben. Ein Buch benötigt eine Zielgruppe, die in »ihrem« Regal nach Lesestoff sucht. Und niemand sollte diese Zielgruppe besser kennen als der Autor oder die Autorin.

Beliebigkeit ist chancenlos – wie immer im Leben.

Als Autorin oder Autor müssen Sie in der Lage sein, mit höchstens zwei Sätzen zusammenzufassen, worum es in Ihrem Buch geht und welchem Bereich oder Genre es zuzuordnen ist. Das sind elementare Dinge, die einen Verlag interessieren.

Jeden Profi, der mit Büchern zu tun hat, schrecken Sie mit der folgenden Antwort ab:

Vergleichen Sie sich nie mit den größten und bekanntesten Autoren. Einmal abgesehen davon, dass dies nach maßloser Selbstüberschätzung klingt, liegt der Verdacht nahe, dass Sie nur diese Autoren kennen – weil Sie vielleicht den Film gesehen haben. Ein Vergleich mit anderen Autoren ist hilfreich, doch sollten Sie Namen der zweiten Reihe nennen und eben nicht J. K. Rowling, Stephen King oder E. L. James.

Wem hier keine vergleichbaren Autoren einfallen, hat schlechte Karten. Denn erneut belegt es, dass Sie entweder selbst gar nicht lesen oder gar nicht wissen, für wen Sie schreiben – und daher auch nicht wissen, welcher Verlag sich auf diese Zielgruppe spezialisiert hat.

Tödlich bei der Verlagssuche ist auch der Satz:

Denn wie will jemand, der nie Bücher liest, beurteilen, ob ein Manuskript gut ist? Er hat doch keinerlei Vergleiche. Vermeiden Sie auch Varianten wie »Mein Schwager liest sonst nur Krimis und mag keine Fantasy, aber von meiner Fantasygeschichte war er begeistert.«

Krimileser werden in einer Buchhandlung nicht unbedingt im Fantasyregal stöbern.

Umgekehrt wird die Sache logisch: »Mein Schwager liest unglaublich viele Krimis und hat einen Überblick, was es da alles gibt. Selbst er war von meinem Krimi begeistert.« Ihr Schwager sollte Ihnen dann auch sagen können, mit welchem anderen Autor Ihr Stil vergleichbar ist und welcher Verlag sich auf diese Art von Krimis spezialisiert hat.

Die kometenhafte Autorenkarriere ist die Ausnahme

Nun sind die dem Ziel näher gekommen, einen geeigneten Verlag für Ihr Manuskript zu finden. Doch wird Ihnen das wenig nützen.

Unverlangt eingesandte Manuskripte haben bei Verlagen kaum eine Chance. Natürlich berichten die Medien hin und wieder über solch spektakuläre Fälle. Viele spätere Bestseller wurden zunächst von anderen Verlagen abgelehnt. Der Umkehrschluss, dass eine Ablehnung für die Bestsellerqualität Ihres Manuskriptes spricht, ist jedoch selten zutreffend.

Daher für Ihre Notizen: Der Weg über ein unverlangt eingesandtes Manuskript ist nicht der normale Weg, wie Verlage »ihre« Autoren finden. Vielmehr schauen sie sich bei namhaften kleineren und größeren Wettbewerben nach neuen Talenten um. Der Aufbau von Beziehungen ist auch im Buchbetrieb wichtig. Die kometenhafte Autorenkarriere ist die Ausnahme.

Und wenn Sie jetzt glauben, dass – wenn es bei den Verlagen nicht klappt – der Weg über einen Agenten der bessere wäre, so sind Sie leider auf dem Holzweg. Denn zum einen bekommen auch Agenten unzählige Manuskripte zugeschickt, und zum anderen ist festzuhalten:

Die besten Literaturagenten sind oftmals die, auf deren Website der Satz zu finden ist: »Bitte schicken Sie uns keine Manuskripte zu«.

»Arrogantes eingebildetes Pack!«, ruft da der unbekannte Autor. Dabei sagt dieser Satz nur aus: »Wir finden unsere Autoren auf anderen Wegen«.

Ist Ihr Manuskript einfach nicht gut genug?

Und der immer wieder gern zitierte Satz einer Verlagsabsage »Leider passt Ihr Werk nicht in unser Verlagsprogramm«, mag zwar darin begründet sein, dass Sie sich nicht die obigen Gedanken und Überlegungen über den »richtigen« Verlag gemacht haben, aber in den meisten Fällen ist es die höfliche Umschreibung für: »Sie können nicht schreiben.«

Auch dieser Tatsache müssen Sie sich irgendwann stellen.

Da kommt der Selfpublishing-Trend natürlich wie gerufen. Endlich können Sie es diesen Verlagen zeigen, die vermeintlich darüber bestimmen, was der Leser lesen darf. Sie hören von Erfolgsgeschichten, von Autoren, die es ohne Verlag geschafft haben [2] oder die womöglich unzufrieden ihrem Verlag den Rücken gekehrt haben.

Allerdings unterscheidet sich der Selfpublishing-Bereich nicht vom traditionellen Buchmarkt: Ausnahmen sind sehr, sehr selten – aber die Medien berichten daher umso lieber darüber.

Selfpublishing ist keine Alternative zu einem größeren Verlag

Denn: Wenn tatsächlich ein größerer Verlag Interesse an Ihrem Manuskript zeigt, dann sollten Sie nicht über Selfpublishing nachdenken. Auch wenn sich die Dinge derzeit etwas verändern: Selfpublishing ist keine Alternative zu einem größeren Verlag. Die Präsenz im Buchhandel, die Vertreter des Verlages, die dort Ihr Werk vorstellen, der Verlagsname, der beim Handel und bei Lesern Signale setzt, die Pressekontakte – all das ist derzeit nach wie vor ein wichtiges Argument, um Bekanntheit und Verfügbarkeit des Titels zu ermöglichen.

Mit Verlagen sind jedoch echte Verlage gemeint und nicht Zuschussverlage mit beeindruckenden Namen [3], die Ihnen das Geld aus der Tasche ziehen wollen [4]. Schwierig haben Sie es als Autor auch bei Kleinverlagen, also 1-Mann- oder 1-Frau-Verlagen, die in den Buchhandlungen nicht vertreten sind.

Alternative Selfpublishing – auch für Profis

Wenn Sie jedoch von zu vielen Verlagen abgelehnt wurden, wenn Ihre Zielgruppe zu klein ist, als dass sich eine Veröffentlichung in Papierform wirtschaftlich trägt, oder wenn Sie grundsätzlich ohne Verlag veröffentlichen wollen, dann kann Selfpublishing eine Alternative sein – oftmals die einzige.

Für Autoren, die bereits einen Verlag haben, kann es noch weitere Gründe für Selbstverlegen geben: Ein Titel ist gedruckt vergriffen und die Rechte liegen wieder beim Autor, oder der Verlag hat kein Interesse an einigen Manuskripten, weil sie zu kurz sind oder nichts ins Genre passen, in dem der Autor sonst üblicherweise schreibt.

Ein guter Autor und eine gute Autorin – egal ob Neueinsteiger oder Profi – sollte sich realistisch einschätzen können und den Markt und die Zielgruppe kennen, für den er oder sie schreibt und sich darüber Gedanken machen. Und wenn dies vor oder beim Schreiben nicht geschehen ist, so wenigstens hinterher – aber vor der Verlagssuche. Die Frage »Welchen Verlag können Sie mir empfehlen?« ist daher zunächst einmal ein Zeichen, dass der Autor noch einiges an Recherche betreiben muss, bevor er sein Manuskript in die Welt hinaus schickt.

Verlage sind keine Wohlfahrtsunternehmen, die einen Text Ihnen zuliebe veröffentlichen, weil Sie ihn selbst so toll finden. Verlage wollen mit Ihrem Text Geld verdienen, nicht zuletzt, um Ihnen ein Honorar zu zahlen.

Weitere Infos hören Sie im Mitschnitt des Vortrag von Wolfgang Tischer vom 16. März 2013 auf der Leipziger Buchmesse im Forum autoren@leipzig [5].

Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen Podcast [6] des literaturcafe.de z.B. für iPhone und iPad via Apple iTunes [7], um keinen der Mitschnitte von der Leipziger Buchmesse zu verpassen.