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Beitrag vom 2. April 2013 | Rubrik: Buchmesse-Podcast Leipzig 2013, Leipziger Buchmesse 2013, Podcast, Schreiben

Wie finde ich einen Verlag? Oder: Brauche ich überhaupt noch einen Verlag?

Vortrag: Verlage suchen und verlage finden»Welchen Verlag können Sie mir empfehlen?« oder »Gibt es im literaturcafe.de eine Liste seriöser Verlage, an die ich mein Manuskript senden kann?« Das sind Standardfragen, die der Redaktion des literaturcafe.de regelmäßig gestellt werden.

Diese beiden Fragen zeigen die erschreckende Naivität vieler Autorinnen und Autoren deutlich auf. Sie sind Beleg dafür, dass viele Schreibende selbst nie eine Buchhandlung betreten – geschweige denn selbst Bücher lesen.

In einem Vortrag auf der Leipziger Buchmesse erläuterte Wolfgang Tischer, welche Fragen sich Autoren stattdessen stellen sollten.

In welchem Regal würde Ihr Buch stehen?

Wer einen Text veröffentlichen will, der sollte selbst am besten wissen, welcher Verlag der richtige ist.

Oder würden Sie an eine Autozeitschrift die Frage richten »Welches Auto können Sie mir empfehlen?« oder »Gibt es eine Liste seriöser Autohersteller?« Natürlich nicht. Autos kennen wir, weil wir sie täglich sehen. Wer ein praktisches Auto will, weil er öfters etwas zu transportieren hat, der wird sich keinen Sportwagen kaufen. Menschen mit Potenzproblemen werden sich keinen Opel anschaffen: Wir wissen, wofür welche Marke steht.

Genauso ist es mit Verlagen.

Wer die Redaktion des literaturcafe.de nach einem Verlag für sein Manuskript fragt, dem stellen wir die Gegenfrage: »Wenn Sie in Ihre Buchhandlung oder in Ihre Bibliothek gehen: Wo würde die Buchhändlerin ihr Buch einsortieren, wenn es bereits auf dem Markt wäre? Gehen Sie zu diesem Regal und schreiben Sie die Verlagsnamen ab, die Sie dort auf den Buchrücken finden.«

Häufig erleben wir dann folgende Reaktion:

  • Viele Leute, die ein Buch veröffentlichen wollen, kennen den Unterschied zwischen einer Buchhandlung und einer Bibliothek nicht.
  • Viele Leute, die ein Buch veröffentlichen wollen, waren schon lange nicht mehr in einer Buchhandlung oder Bibliothek.

Noch häufiger ist jedoch die Antwort:

  • So einfach lässt sich mein Buch gar nicht einer bestimmten Kategorie zuordnen, weil es in gewisser Weise sehr außergewöhnlich ist.

Beliebigkeit ist chancenlos

Was sich jedoch in einer Buchhandlung nicht eindeutig in ein thematisches Regal einsortieren lässt, wird nie eine Chance haben. Ein Buch benötigt eine Zielgruppe, die in »ihrem« Regal nach Lesestoff sucht. Und niemand sollte diese Zielgruppe besser kennen als der Autor oder die Autorin.

Beliebigkeit ist chancenlos – wie immer im Leben.

Als Autorin oder Autor müssen Sie in der Lage sein, mit höchstens zwei Sätzen zusammenzufassen, worum es in Ihrem Buch geht und welchem Bereich oder Genre es zuzuordnen ist. Das sind elementare Dinge, die einen Verlag interessieren.

Jeden Profi, der mit Büchern zu tun hat, schrecken Sie mit der folgenden Antwort ab:

  • »Mein Buch kann eigentlich jeder lesen, es ist für Jung und Alt. So ähnlich wie »Harry Potter«.

Vergleichen Sie sich nie mit den größten und bekanntesten Autoren. Einmal abgesehen davon, dass dies nach maßloser Selbstüberschätzung klingt, liegt der Verdacht nahe, dass Sie nur diese Autoren kennen – weil Sie vielleicht den Film gesehen haben. Ein Vergleich mit anderen Autoren ist hilfreich, doch sollten Sie Namen der zweiten Reihe nennen und eben nicht J. K. Rowling, Stephen King oder E. L. James.

Wem hier keine vergleichbaren Autoren einfallen, hat schlechte Karten. Denn erneut belegt es, dass Sie entweder selbst gar nicht lesen oder gar nicht wissen, für wen Sie schreiben – und daher auch nicht wissen, welcher Verlag sich auf diese Zielgruppe spezialisiert hat.

Tödlich bei der Verlagssuche ist auch der Satz:

  • »Ich habe das Manuskript meinem Schwager gegeben, der sonst nie Bücher liest, aber selbst der war begeistert.«

Denn wie will jemand, der nie Bücher liest, beurteilen, ob ein Manuskript gut ist? Er hat doch keinerlei Vergleiche. Vermeiden Sie auch Varianten wie »Mein Schwager liest sonst nur Krimis und mag keine Fantasy, aber von meiner Fantasygeschichte war er begeistert.«

Krimileser werden in einer Buchhandlung nicht unbedingt im Fantasyregal stöbern.

Umgekehrt wird die Sache logisch: »Mein Schwager liest unglaublich viele Krimis und hat einen Überblick, was es da alles gibt. Selbst er war von meinem Krimi begeistert.« Ihr Schwager sollte Ihnen dann auch sagen können, mit welchem anderen Autor Ihr Stil vergleichbar ist und welcher Verlag sich auf diese Art von Krimis spezialisiert hat.

Die kometenhafte Autorenkarriere ist die Ausnahme

Nun sind die dem Ziel näher gekommen, einen geeigneten Verlag für Ihr Manuskript zu finden. Doch wird Ihnen das wenig nützen.

Unverlangt eingesandte Manuskripte haben bei Verlagen kaum eine Chance. Natürlich berichten die Medien hin und wieder über solch spektakuläre Fälle. Viele spätere Bestseller wurden zunächst von anderen Verlagen abgelehnt. Der Umkehrschluss, dass eine Ablehnung für die Bestsellerqualität Ihres Manuskriptes spricht, ist jedoch selten zutreffend.

Daher für Ihre Notizen: Der Weg über ein unverlangt eingesandtes Manuskript ist nicht der normale Weg, wie Verlage »ihre« Autoren finden. Vielmehr schauen sie sich bei namhaften kleineren und größeren Wettbewerben nach neuen Talenten um. Der Aufbau von Beziehungen ist auch im Buchbetrieb wichtig. Die kometenhafte Autorenkarriere ist die Ausnahme.

Und wenn Sie jetzt glauben, dass – wenn es bei den Verlagen nicht klappt – der Weg über einen Agenten der bessere wäre, so sind Sie leider auf dem Holzweg. Denn zum einen bekommen auch Agenten unzählige Manuskripte zugeschickt, und zum anderen ist festzuhalten:

Die besten Literaturagenten sind oftmals die, auf deren Website der Satz zu finden ist: »Bitte schicken Sie uns keine Manuskripte zu«.

»Arrogantes eingebildetes Pack!«, ruft da der unbekannte Autor. Dabei sagt dieser Satz nur aus: »Wir finden unsere Autoren auf anderen Wegen«.

Ist Ihr Manuskript einfach nicht gut genug?

Und der immer wieder gern zitierte Satz einer Verlagsabsage »Leider passt Ihr Werk nicht in unser Verlagsprogramm«, mag zwar darin begründet sein, dass Sie sich nicht die obigen Gedanken und Überlegungen über den »richtigen« Verlag gemacht haben, aber in den meisten Fällen ist es die höfliche Umschreibung für: »Sie können nicht schreiben.«

Auch dieser Tatsache müssen Sie sich irgendwann stellen.

Da kommt der Selfpublishing-Trend natürlich wie gerufen. Endlich können Sie es diesen Verlagen zeigen, die vermeintlich darüber bestimmen, was der Leser lesen darf. Sie hören von Erfolgsgeschichten, von Autoren, die es ohne Verlag geschafft haben oder die womöglich unzufrieden ihrem Verlag den Rücken gekehrt haben.

Allerdings unterscheidet sich der Selfpublishing-Bereich nicht vom traditionellen Buchmarkt: Ausnahmen sind sehr, sehr selten – aber die Medien berichten daher umso lieber darüber.

Selfpublishing ist keine Alternative zu einem größeren Verlag

Denn: Wenn tatsächlich ein größerer Verlag Interesse an Ihrem Manuskript zeigt, dann sollten Sie nicht über Selfpublishing nachdenken. Auch wenn sich die Dinge derzeit etwas verändern: Selfpublishing ist keine Alternative zu einem größeren Verlag. Die Präsenz im Buchhandel, die Vertreter des Verlages, die dort Ihr Werk vorstellen, der Verlagsname, der beim Handel und bei Lesern Signale setzt, die Pressekontakte – all das ist derzeit nach wie vor ein wichtiges Argument, um Bekanntheit und Verfügbarkeit des Titels zu ermöglichen.

Mit Verlagen sind jedoch echte Verlage gemeint und nicht Zuschussverlage mit beeindruckenden Namen, die Ihnen das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Schwierig haben Sie es als Autor auch bei Kleinverlagen, also 1-Mann- oder 1-Frau-Verlagen, die in den Buchhandlungen nicht vertreten sind.

Alternative Selfpublishing – auch für Profis

Wenn Sie jedoch von zu vielen Verlagen abgelehnt wurden, wenn Ihre Zielgruppe zu klein ist, als dass sich eine Veröffentlichung in Papierform wirtschaftlich trägt, oder wenn Sie grundsätzlich ohne Verlag veröffentlichen wollen, dann kann Selfpublishing eine Alternative sein – oftmals die einzige.

Für Autoren, die bereits einen Verlag haben, kann es noch weitere Gründe für Selbstverlegen geben: Ein Titel ist gedruckt vergriffen und die Rechte liegen wieder beim Autor, oder der Verlag hat kein Interesse an einigen Manuskripten, weil sie zu kurz sind oder nichts ins Genre passen, in dem der Autor sonst üblicherweise schreibt.

Ein guter Autor und eine gute Autorin – egal ob Neueinsteiger oder Profi – sollte sich realistisch einschätzen können und den Markt und die Zielgruppe kennen, für den er oder sie schreibt und sich darüber Gedanken machen. Und wenn dies vor oder beim Schreiben nicht geschehen ist, so wenigstens hinterher – aber vor der Verlagssuche. Die Frage »Welchen Verlag können Sie mir empfehlen?« ist daher zunächst einmal ein Zeichen, dass der Autor noch einiges an Recherche betreiben muss, bevor er sein Manuskript in die Welt hinaus schickt.

Verlage sind keine Wohlfahrtsunternehmen, die einen Text Ihnen zuliebe veröffentlichen, weil Sie ihn selbst so toll finden. Verlage wollen mit Ihrem Text Geld verdienen, nicht zuletzt, um Ihnen ein Honorar zu zahlen.

Weitere Infos hören Sie im Mitschnitt des Vortrag von Wolfgang Tischer vom 16. März 2013 auf der Leipziger Buchmesse im Forum autoren@leipzig.

Tipp: Abonnieren Sie den kostenlosen Podcast des literaturcafe.de z.B. für iPhone und iPad via Apple iTunes, um keinen der Mitschnitte von der Leipziger Buchmesse zu verpassen.

17 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Rouven schrieb am 2. April 2013 um 15:43 Uhr

    Den Rowling-Vergleich finde ich krass, der letzte Harry P. war so schlecht geschrieben, das ich als Leser keine Ehrfurcht mehr vor Miss R. habe. Sie nur, weil sie wirklich viel Geld mit diesem Buch verdient hat, auf ein Podest zu stellen, kommt für mich nicht in Frage. In anderen Worten: Wäre ich Autor, würde ich mich nicht mit Rowling vergleichen, nie.
    Der (literarische?), schreibtechnische Wert von Herrn King liegt auch in weiter Ferne zu dem, das ich für das Beste halte. Auch Herr K. ist nur eine Geldnummer.

    Von einem Verleger zu fordern: „Wenn du den Schund von R. und K. auf den Markt gebracht hast, dann kannst du auch meinen Müll veröffentlichen“, ist noch viel krasser.

  2. Eva Jancak schrieb am 2. April 2013 um 21:51 Uhr

    Ein schöner Beitrag, bei dem natürlich auch noch die Schlußpointe sein mußte, den naiven Autoren nochmals um die Ohren zu hauen, warum sie es vielleicht doch nicht bei Rohwohlt oder Suhrkamp machen können. Und natürlich muß man lernen, lernen, um besser zu werden und hat dann auf diese Weise vielleicht einmal das Glück, den Agenten oder Lektoren aufzufallen! Aber ich denke es war, abgesehen von ein paar leicht zynischen Pointen, ein Vortrag, der wirklich viel Klarheit und Info über den Stand der Dinge bringt! Also Autoren und Autorinnen, sehr viele von ihnen werden ja auch weiblich sein, viel lesen und nicht nur schreiben, den Unterschied zwischen einer Buchhandlung und einer Biblliothek lernen, beim einen muß mans zahlen, beim anderen kann man gratis lesen, dann werdet ihr es vielleicht einmal schaffen, ansonsten und das ist jetzt mein Tip, ist eine Druckerei vielleicht auch eine brauchbarer und kostengünstigeAlternative, dann habe ich eine Schachtel Bücher und kann sie selbst vertreiben!

  3. Peter Hakenjos schrieb am 3. April 2013 um 11:49 Uhr

    Der Tipp, an Schreibwettbewerben teilzunehmen ist nicht schlecht, besser wäre noch, die Verlage würden qualifizierte Vorlektoren einstellen. Dazu habe ich aber hier schon in einem anderen Blog etwas geschrieben.
    Was mir bezüglich Scheibwettbewerben immer auffällt ist, dass es in diesen Wettbewerben die Altersdiskrimnierung eine gängige Praxis ist. Ich schreibe seit ca. 3 Jahren intensiv, bin also Anfänger, Newbie, oder wie immer man solche Nobodys wie mich nennen mag, und Anfänger bin ich mit knackigen 64 Jahen, auf die ich auch noch stolz bin. Wenn eine Ausschreibung für “Anfänger bis 40” ist, dann reicht meine Alterserfahrung nicht hin, mir diese Altersgrenze zu erklären. Bis 21 ist in Ordnung. Schüler, die die Schule oder ihre Lehrer lieben, verbleiben häufig bis zu diesem Alter in selbiger, liebevoll sie umhegenden Institution. Und schließlich gilt auch für die persönliche Entwicklung, dass es schon seinen Grund hatte, in früheren Zeiten das Erwachsenenalter mit 21 beginnen zu lassen.
    Vielleicht kann mir aber jemand aus dem Forum erklären, wieso sich ein 30 oder 40-jähriger Schreibanfänger von mir – außer beim Haarwuchs – qualitativ unterscheidet?

  4. Rolf Schneider schrieb am 3. April 2013 um 13:24 Uhr

    Der Artikel ist dünkelhaft, arrogant, zielt auf Exklusivität und gibt generell die Sichtweise eines Verlages wieder. Dadurch entstehen Ungereimtheiten, die dem Autor gar nicht bewußt sind. Warum soll z.B. ein Verlag, dem es “ja in erster Linie aufs Verdienen” ankommt, nicht auch sein Verlagsprogramm erweitern oder anders formuliert eine Ausnahme zulassen, wenn er mit einem bestimmten Buch Kohle machen will ? Herrn Tischers Habitus ist ein Spätausläufer der dudengläubigen Oberlehrerschicht, also eigentlich ein Auslaufmodell. Man kann nur hoffen, dass niemand solchen Weisheiten auf den Leim geht.

  5. Rouven schrieb am 3. April 2013 um 20:55 Uhr

    @Peter Hakenjos
    Hallo Peter, vielleicht wollen die junges Blut, das sie dann länger ausbeuten können. Die denken du stirbst ihnen zu schnell hinfort.
    Ich persönlich bin der Meinung, dass ältere Schriftsteller wesentlich bessere Geschichten zustande bringen.

    @Rolf Schneider
    Der Spätausläufer-Satz, faszinierend. Aber ich denke, die Selfpublisher sind dem Herrn Tischer so sehr ans Herz gewachsen, dass er sich genötigt sah in diesen schweren Zeiten, harte Worte zu sprechen. Vielleicht war auch die Redezeit gekürzt worden, sicherlich hätte Herr Tischer 9 Stunden ohne Pause über das Thema reden können.

  6. Diana Hillebrand schrieb am 5. April 2013 um 21:31 Uhr

    Vielen Dank, lieber Wolfgang, für diesen interessanten Beitrag, den ich gern weiterempfehlen werde.

  7. B.E. Knoll schrieb am 11. April 2013 um 22:57 Uhr

    Herr Hakenjos!

    Nachdem ich mir Ihren Beitrag hier und Ihren Blog angesehen habe, möchte ich einige Anmerkungen dazu loswerden.
    Durch all Ihre Betrachtungen zieht sich eine Tendenz, die bei unveröffentlichten Autoren (wie übrigens auch ich einer bin) immer wieder findet. Es wird überall die Schuld gesucht, nur die Überzeugung der eigenen Genialität wird nicht hinterfragt.

    Ich habe mir Ihre Kurzgeschichte “Die Rache der Frisörin” durchgelesen. Würde ich mir anmaßen, Ihr Schreiben auf der Grundlage dieses einen Textes zu beurteilen, müsste ich deutlich sagen: Es liegt nicht an unqualifizierten Lektoren, diskriminierenden Ausschreibungen, risikoscheuen Verlagen und Ihrer Biographie, dass Sie nicht bei einem Verlag veröffentlichen. Es liegt an der Qualität Ihrer Literatur. Dem Text fehlt es an vielem. Er ist hochgradig unglaubwürdig, beinhaltet logische Fehler, die Sprache steht in keinem Verhältnis zum Erzählten, die Moral ist pseudo- gewitzt und vorhersehbar. Es gäbe noch mehr zu bemängeln.
    Vergleichen Sie jetzt Ihren Text beispielsweise mit den Siegertexten des Open Mike- Wettbewerbs der letzten Jahre, ist ein Qualitätsunterschied unübersehbar. Das ist nämlich meist Literatur.

    Abgesehen davon darf ich Sie darauf hinweisen, dass längst nicht alle Wettbewerbe eine Altersklasse ausschließen. Viele tun es tatsächlich, ebenso wie Wettbewerbe oft einen regionalen Bezug des Autors zu einer bestimmten Gegend verlangen oder ein bestimmtes Geschlecht oder eine Nationalität.

    Wettbewerbe wie der MDR- Literaturpreis (unter dessen Finalisten sich heuer übrigens der 59- jährige Peter Wawerzinek befindet) geben keine Altersbegrenzung an.

    Wenn Sie die Biographien erfolgreicher Autoren vergleichen, werden Sie am häufigsten eine Parallele feststellen: So gut wie alle Verlagsautoren verfügen über ein Talent, dass bereits von anderen, externen Stellen als den jeweiligen Verlagen festgestellt wurde. Das heißt, sie haben entweder Literaturpreise gewonnen oder Stipendien bekommen. Dieses “Vorleben” werden Sie unter Garantie häufiger sehen als einschlägige akademische Karrieren, wie Sie auf Ihrem Blog dünkelhaft vermuten.

    Sie können es Sich natürlich weiterhin leicht machen und hinter all diesen Geschichten Verschwörungstheorien vermuten, Verwandschaftsverhältnisse zwischen Jury und Autoren, oder hübsche Gesichter der Autorinnen oder absolvierte Studien.
    Es sei Ihnen selbst überlassen.

    Was mit einem erfolgreichen Text gemeint ist, das kann Ihnen übrigens nicht nur, wie Sie vermuten, nicht mal der Autor selbst erklären. Autoren können es, tun es nicht immer. Menschen mit Literaturverständnis können es meistens auch.
    Es ist keineswegs dir Voraussetzung für Erfolg, den Inhalt oder die Aussage möglichst im Dunkeln zu lassen. Andererseits, spricht man alles so kunstlos aus wie Sie in Ihrem Text, ist es keine Literatur.

    Mit einem allerdings haben Sie natürlich Recht. Nicht jeder, dessen Buch veröffentlicht wird, schreibt gut. Am allerwenigsten die Julia Schramms, Dieter Bohlens, Heiner Lauterbachs. Aber auch sogenannte ernstzunehmende Schriftsteller sind nicht immer gut, nur weil sie bei einem Verlag sind. Im Normalfall allerdings sind sie wesentlich besser als die, die es nicht sind.

  8. Rouven schrieb am 22. April 2013 um 06:35 Uhr

    Heeee, Herr/Frau B.E. Knoll das mit der “Die Rache der Frisörin” stimmt ja gar nicht, haben sie sich verlesen? Ich kann das nur als Versuch eine Negativkritik unterzubringen bezeichnen. Ich hoffe, sie haben es bei dem letzten Satz an den Nerven bekommen. Das schreibt man bei ihrem hochtrabenden Literaturschweiß wohl anders, wie?

  9. B.E. Knoll schrieb am 18. Mai 2013 um 03:54 Uhr

    Heeee, Herr/Frau B.E. Knoll das mit der “Die Rache der Frisörin” stimmt ja gar nicht, haben sie sich verlesen?

    Herr/ Frau Rouven. Hat Ihr Sohn oder Ihre Tochter sich die Tastatur unter den Nagel gerissen? Ich verstehe Ihre Antwort leider nicht.
    Was meinen Sie mit “das mit der (….) stimmt ja gar nicht”?
    Was meinen Sie mit “den letzten Satz an den Nerven bekommen”?
    Was meinen Sie mit “hochtrabenden Literaturschweiß”?

  10. Peter Hakenjos schrieb am 19. Mai 2013 um 11:36 Uhr

    Hallo Herr Knoll,
    vielen Dank. So viel Ehre ist mir lange nicht mehr widerfahren, dass jemand so ausführlich auf einen meiner Blogbeiträge geantwortet hat. Danke, danke, danke :-)
    Vielleicht lesen Sie auch meine anderen Kurzgeschichten, ich würde mich sehr freuen. Bestimmt ist auch eine für Sie dabei.
    Übrigens können Sie viele meiner Argumente hier im Literaturcafé nachlesen. Die meisten habe ich nämlich aus Herrn Tischers Vortrag zur Verlagssuche anlässlich der Buchmesse in Leipzig 2012 .
    Was die Kritik an meiner Kurzgeschichte angeht kann ich nur eines sagen: heulllllllll, snifffffff, ich habe es immer befürchtet, dass ich Mist schreibe :-( und meine Tante Frida mich nur lobt, weil ich ihr Lieblingsneffe bin und sie im Pflegeheim sitzt.
    Würde mich freuen, wenn Sie einen ähnlich schönen Beitrag zu MEINMEM Blog Neid – Neid – Neid schreiben würden. Ich würde ihn bestimmt nicht löschen. Verprochen! Sie wären immerhin der erste, der antwortet …. wieder … heullllllllll

  11. Peter Hakenjos schrieb am 19. Mai 2013 um 11:42 Uhr

    Nachtrag: mein fortgeschrittenes Alter tut sich mitunter schwer, in einem so kleinen Fenster zu korrigieren. Tut mir leid, dass ich z. B. “verprochen” gepostet habe. Es könnte na klar auch “verbrochen” heißen, meine Absicht war aber, “versprochen” zu schreiben :-)
    Und dann werfen Sie nur noch einige Kommata über den Text ….die blöden Dinger sind ja soooo klein, dass ich sie echt übersehen habe. Nächstes Mal schreibe ich im Texteditor vor und füge mit der Gutenberg-Technik ein. Mann lernt eben nie aus.

  12. Peter Hakenjos schrieb am 19. Mai 2013 um 21:59 Uhr

    Ich muss Herrn Knoll in Schutz nehmen. Er hat vermutlich meinen Blog: http://blog-fls.hispal.de/ zum Thema der Altersdiskriminierung gelesen. Dort schreibe ich auch über meinen persönlichen Neid, gegenüber Personen, die Bezieh… äh …, die über ein Netzwerk verfügen, die prominent sind, ein literaturaffines Studium vorweisen können oder so jung und gut gebaut sind, dass sie ihre “Feuchtgebiete” in Buchform verkaufen können :-)
    Ich habe auch darüber nachgegrübelt, wie er zu meiner Geschichte kam: zwei Exemplare habe ich schon verkauft, eines an besagte Tante Frida und die anderen Kurzgeschichten an meine Schwester. Also daher kann er die Geschichte nur von meiner Webseite kennen oder, lieber Herr Knoll?
    Ja, ja, nehmen wir alles nicht so verbissen, das Leben ist stressig genug.

  13. claus menzel schrieb am 2. März 2014 um 16:48 Uhr

    Nein, ich bin – einstweilen zumindest – kein verhinderter Dichter. Und ja, ich kenne den Unterschied zwischen Buchhandlungen und Bibliotheken. Ich habe allerdings auch ziemlich viel Spass am Lesen und manchmal sogar an ein paar fiesen Tricks. Wie zum Beispiel an dem, die ersten beiden Seiten aus Kästners “Fabian” oder Falladas “Kleiner Mann…” abzuschreiben, diesen zwei, drei Blättern zehn oder 15 Seiten mit Fotokopien etwa von Stromrechnungen, Gebrauchsanweisungen oder Werbebriefen anzuhängen und das Konvolut als Manuskript-Angebot an unsere grossen Verlage zu schicken. Wie sich das gehört : also mit Rückporto und adressiertem DIN-A-4-Umschlag.

    Tja. Bislang haben von den von mir und einem Freund angeschriebenen 26 Verlagen zwei (!) den Braten gerochen. Alle anderen versicherten, das Manuskript “mit grossem Interesse gelesen”, leider aber festgestellt zu haben, dass es nicht ins Programm passe.

    Will heissen : Lektorate, in denen Manuskripte aufmerksam oder überhaupt geprüft und unbefangen bewertet werden, gibt es nicht. Oder nicht mehr. Und vielleicht hat der trostlose Zustand unserer Gegenwartsliteratur ja auch damit zu tun, dass die deutschen Verlage lieber meist schlechte Übersetzungen meist schlechter Texte etwa aus den USA veröffentlichen als Leute mit der Lektüre neuer Manuskripte zu beauftragen.

    Damit freilich nicht genug. Selbst in den Büchern renommierter Verlage beginnt der 1.Weltkrieg schon mal 1916, während die Schlacht bei Verdun 1941 stattfindet. Richard Wagner wird in München geboren und stirbt in Zürich. Frankreichs grossnasiger General muss auf das zweite L in seinem Namen verzichten, und die Hymne der KPI ist nicht die “bandiera” sondern die “bandera rossa”. Eine vertretbare Betreuung auch der gedruckten Texte will man sich also auch nicht mehr leisten. Sobald aber die EU über die Preisbindung für Bücher diskutiert, gibt man sich als Hüter der heiligen Kultur. – Was für ein Quatsch. Verlage sind schlicht Unternehmen, Bücher eine Ware wie Lippenstifte oder Schnürsenkel. Basta cosi. Wo leben wir denn ?

    Neulich in Siena. Der Buchhändler hat als Antwort auf eine entsprechende Frage mit allen Zeichen abgründiger Verachtung im Gesicht auf das schmale Brett gedeutet, auf dem Frau Lewitscharoff im Verein mit den Herren Kracht, Walser, Schneider (Peter) und Stuckrad-Barre die deutsche Prosa vertraten. Nun erklärt er : “Deutsche Autos – Weltklasse. Deutsche Musik – wunderbar. Deutsche Literatur – überflüssig.”

    Nun ja. Widersprochen habe ich ihm nicht.

  14. Louise Arndt schrieb am 2. Juni 2014 um 08:52 Uhr

    Ich lese die Beiträge des Literaturcafés sehr gerne und fand das Meiste bisher auch sehr informativ und hilfreich. Vorab also vielen Dank an alle Autoren hier. Auch diesen Beitrag finde ich überwiegend gerechtfertigt. Viele Neu-Autoren gehen sicherlich sosohl zu naiv als auch zu “schwammig” an einen Veröffentlichungsversuch heran. Ob der gehässige Unterton notwendig ist (Unterschied Bibliothek und Buchhandlung, Absagen als charmante Umschreibung für “Sie können nicht schreiben” usw.) weiß ich nicht; ich denke, es gibt viele gutbelesene Autoren jenseits der Selbstgefälligkeit mit Potenzial. Aber dass Verlagshäuser und Literaturagenten hoffnungslos überlaufen sind und viele daher über Selfpublishing nachdenken, ist in der Tat ein wichtiges Thema, denn auch ich bin der Meinung, dass Selfpublishing Schwierigkeiten mit sich bringt, die so Manchem vielleicht vorab nicht gleich bewusst sind: fehlender Lektor zur Verbesserung und Korrektur, Marketing, Networking usw. Da ist ein Verlag einfach gold wert und den Tipp, es vorerst auch bei sehr kleinen Verlagen zu versuchen statt gleich ins kalte Wasser zu springen, finde ich sehr angebracht.

  15. Peter Hakenjos schrieb am 2. Juni 2014 um 19:06 Uhr

    Hallo Frau Arndt,
    ich stimme Ihnen voll zu: ein entscheidender Nachteil des Selfpublishing ist der Verzicht auf Korrektorat und Lektorat. Diesen Nachteil könnte man noch durch eine eigene Investition wettmachen; schließlich gibt es frei arbeitende Lektoren. Einen weiteren Nachteil des Selfpublishing dürfen wir dabei nicht vergessen: die Werbung. Werbung ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für den Erfolg einer Veröffentlichung. Ein professionell arbeitender Verlag hat eine eigene Marketing- und Presseabteilung. Die kann sich ein Selfpublisher nicht leisten und leider verfügt auch ein Kleinverlag nicht über die dafür erforderlichen Mittel. Und darin liegt die Krux. Die Kleinverlage haben (fast) genau so viele Probleme, ihre Produkte in die Buchhandlungen zu bekommen oder nennenswerte Rezensionen zu bekommen wie der Selfpublisher.

  16. Angelika Reimer schrieb am 22. März 2016 um 09:21 Uhr

    Ein toller Beitrag! Es stimmt, dass viele “Schreiberlinge” eine ziemliche Selbstüberschätzung vor sich her tragen.ABER, dass muß nichts Schlechtes bedeuten. Vielen Verlagen ist das “Produkt” doch garnicht mehr wichtig. Sie werben mit Promigesichtern und deren schlechte Werke, die oft noch nicht einmal selber geschrieben sind. Die “normalen Autoren” sind dann oft nur Mittel zum Zweck. Es wird mit einem Honorrarvertrag gewunken und dieser beinhaltet oft eine hohe 4stellige Druckkostenvorschusssumme. Wer es sich leisten kann…;-) Ja, auch ich schreibe und ich lasse meine Bücher auch drucken, so 1-10 Stück und dann lasse ich entscheiden, was gut und was nicht gut ist. Den Druck lasse ich in Polen machen, weil ich da einen tollen Menschen gefunden habe, der die nötige Geduld und auch die nötige Hilfestellung, bis zum fertigen Werk gibt. In einer deutschen Druckerei kann ich das nicht bezahlen. Verlage, mh klar müssen die verdienen, aber mit den Werken und dem Geld von Autoren? Nö, da läuft etwas falsch. Als freie Autorin entscheide ich meinen Stil, mein Cover, meine Stückzahl und wo ich mich plazieren möchte. Im Wald der Verlage, sitzen zum Teil Entscheider, die nicht die Spur einer Ahnung oder ein Gefühl für gute Werke haben. Beispiel: Messe Leipzig: Ich wollte mein Kinderbuch zeigen und mir eine Rückmeldung holen.Die Dame war soetwas von gelangweilt. Abfällig blätterte sie in einer Sekunde durch mein Buch. Antwort: Passt nicht! Ich: Zu was jetzt genau passt was genau nicht? Die Geschichte? Die Bilder? Sie: Passt nicht, muß ich nicht begründen. Klar sehen die Menschen auf so einer Messe unzählige Werke, aber deshalb so eine Abfälligkeit? Was ich dann immer tue, ich spreche die Zielgruppe an, in diesem Fall Kinder und siehe da, sie fanden mein Buch einfach Klasse. Es hat zwei Ausmalseiten und das war für die Kleinen, einfach Klasse. Ein Buch in das sie endlich hineinmalen dürfen und nicht dafür geschimpft werden…eine schöne Reaktion und Bestätigung. Genau so ist es richtig, wie ich es gemacht habe! Wozu dann in die Fänge eines Verlages? Weil es die gesetzliche Struktur so vorgibt? Es wird soviel Unsinn veröffentlicht und nach oben gelobt. Finden Autoren das Richtig? Danke das ich meine Meinung äußern durfte. Autorin A.LaRé

  17. Andrea Freiberger schrieb am 23. August 2017 um 13:02 Uhr

    Aus meiner Erfahrung heraus sage ich, dass die Vorteile einen Verlag an seiner Seite zu haben die Nachteile deutlich überwiegen. Daher immer weiter probieren und im Kern auf sein Manuskript vertrauen.. Ich habe über ein Jahr viele Kunstbuchverlage angeschrieben ehe es dann tatsächlich beim Kerber Verlag geklappt hat https://www.kerberverlag.com/de/… Ein Verlag ist einem eine riesen Hilfe durch das Know How, das Lektorat etc. Beharrlich bleiben heißt die Devise

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