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Welches soziale Netzwerk ist das richtige für Buchautoren?

Facebookseite von Annika Bühnemann

Facebook, Twitter, Google+, YouTube, Instagram … Die Liste der sozialen Netzwerke im Internet ist lang. Schnell können diese Systeme viel Zeit fressen, ohne einen Effekt auf die eigenen Bücher zu haben. Ist es sinnvoll, sich ein Profil zu erstellen? Wenn ja, wo? Und wie viel Zeit sollte dabei investiert werden?

Annika Bühnemann, selbst Social-Media-Managerin, Autorin und Bloggerin, auf der Suche nach Antworten.

Vor der Frage, wie viel Zeit Autorinnen und Autoren in welche Netzwerke investieren sollten, ist die Frage nach dem Sinn zu stellen. Nicht jedes soziale Medium ist für jeden Autor geeignet. Es gibt allgemein bekannte Systeme wie Facebook [1] und Twitter [2], aber auch buchspezifische wie beispielsweise Lovelybooks [3], in denen sich alles um Bücher dreht. Ehe man sich versieht, verbringt man mehrere Stunden am Tag damit, die Kanäle mit Inhalt zu bedienen, sodass man nicht mehr zum Schreiben kommt. Von Anfang an sollte man sich daher mit einigen wenigen Fragen beschäftigen.

Was möchten Sie erreichen?

Wenn ich im Internet agiere, unterscheide ich von Anfang an zwischen »privat« und »beruflich«. Privates Surfen in sozialen Medien hat häufig kein bewusstes Ziel, es dient dem Austausch von Informationen. Man interagiert mit seinen »Freunden« und Bekannten.

Für uns ist der andere Aspekt interessant: Als Autor/Autorin möchten Sie bei der Nutzung sozialer Medien eines oder mehrere dieser Ziele erreichen:

Setzen Sie sich Ziele! Um sich nicht gleich zu verzetteln, empfehle ich Ihnen, sich höchstens zwei dieser Ziele vorzunehmen. Häufig greifen sie ohnehin ineinander und ergänzen sich. Bevor Sie mit den sozialen Medien durchstarten, überlegen Sie sich also, was Sie erreichen möchten.

Wie kann man die Ziele messen?

Im Projektmanagement spricht man sehr häufig davon, sich Ziele zu setzen, die »SMART« sind. Dieses Akronym steht für die Worte »spezifisch«, »messbar«, »akzeptiert« (oder auch attraktiv oder ausführbar), »realistisch« und »terminiert«. Wenn alle diese Bedingungen an ein gesetztes Ziel erfüllt sind, hat man ein klares Ziel.

Man kann sich also bei seinen Social-Media-Aktivitäten beispielsweise das Ziel setzen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Um dieses Ziel greifbar zu machen, wendet man die oben genannten Merkmale an:

Spezifisch: Ich möchte auf der Plattform Facebook mit Menschen in Kontakt treten, mich in Chatnachrichten mit ihnen austauschen, in Gruppen Kommentare hinterlassen, ihnen mein Wissen anbieten und von ihrem Wissen profitieren.

Messbar: Ich messe das Ziel an Hand der entstandenen Kontakte (Freunde). Ist-Stand: X Freunde (die Anzahl ihrer bisherigen Kontakte). Ich will 50 neue Kontakte erreichen.

Attraktiv: Das Ziel ist attraktiv, weil ich durch die erhöhte Anzahl der Kontakte auf einen großen Wissenspool zugreifen kann und zudem möglicherweise neue Leser kennenlerne, die in einem nächsten Schritt meine Bücher kaufen können.

Realistisch: 50 neue Kontakte zu gewinnen, ist bei Facebook ein realistisches Ziel

Terminiert: Ich bemühe mich 3 Monate lang, dieses Ziel zu erreichen und schaue dann, ob ich es geschafft habe.

Welche Netzwerke gibt es?

Das Internet wimmelt vor verschiedenen Netzwerken, aber wer viele Menschen erreichen will, der sollte sich an den Marktführern orientieren. Beispielhaft seien hier drei genannt.

Facebook

Das größte Netzwerk mit rund 28 Millionen deutschen Nutzern bietet generell zwei Möglichkeiten der Interaktion: Es können private »Profile« und/oder »Seiten« erstellt werden [4]. Profile dürfen ausschließlich von Privatpersonen erstellt werden. Um für ein Unternehmen, eine Organisation oder eine öffentliche Person (in diesem Falle Sie) Werbung zu machen, wird eine Seite erstellt. Mit Seiten hat man auch die Möglichkeit, gezielte Werbung zu schalten, wenn man das möchte.

Facebook eignet sich hervorragend für Autorinnen und Autoren, die viele Menschen erreichen wollen und an einem Austausch mit ihren Mitmenschen interessiert sind. Auf der eigenen Fanseite kann man über seine Bücher, seinen Autorenalltag, bevorstehende Lesungen oder Probleme mit einer Figur berichten, die schon wieder ihren eigenen Kopf hat.

Mit jedem Posting (Beitrag), das sie veröffentlichen, versuchen Sie, ihrem Ziel ein Stück näherzukommen. Haben Sie sich also das Ziel gesetzt, eine treue Leserschaft aufzubauen, passen Sie Ihre Beiträge dahingehend an. Leser möchten den Menschen hinter dem Buch kennenlernen, also erlauben Sie sich hier und da mal einen persönlichen Beitrag. Bitte beachten Sie aber die ganz unten stehenden Hinweise.

Google+

Nach Facebook folgt im Ranking der am häufigsten besuchten Netzwerke lange Zeit nichts und irgendwann Google+ (vor Twitter). Dieses Netzwerk ist noch recht jung, von Google initiiert und orientiert sich am größten Konkurrenten Facebook. Auch hier gibt es Profile und Seiten, die man erstellen kann. Auf Seiten kann eine automatische Verknüpfung mit YouTube erfolgen (das Netzwerk gehört seit einiger Zeit zu Google). Da Google+ ähnlich wie Facebook funktioniert, gelten die gleichen Regeln: Wer eine Leserschaft aufbauen möchte, sollte mit Informationen nicht hinterm Berg halten, sondern beispielsweise in Gruppen den Kontakt suchen.

Twitter

Twitter ist ein Kurznachrichtendienst, dessen Charakteristik es ist, Beiträge auf 140 Zeichen zu beschränken. Man muss sich also genau überlegen, was man sagen möchte. Statistiken besagen [5], dass Tweets (Beiträge bei Twitter) mit ca. 100 Zeichen sogar am besten funktionieren. Twitter lebt von Aktualität. Im Gegensatz zu Facebook wird bei Twitter nicht mit Filtern gearbeitet. Das bedeutet: Es werden in der Gesamtübersicht alle Beiträge der Nutzer angezeigt, denen man selbst folgt (Facebook blendet Beiträge aus [6], die nach Meinung von Facebook mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht Ihrem Geschmack entsprechen).

Wer sich bei Twitter eine treue Gefolgschaft von Lesern aufbauen möchte, sollte mehrere Male am Tag online sein, interessante Tweets teilen (=retweeten), Menschen mit gleichem Interesse folgen, Bücher von Kollegen empfehlen und mittels Hashtags (Stichworten) und Erwähnungen auf sich aufmerksam machen.

Weitere bekannte und empfehlenswerte Netzwerke für Autoren sind Instagram [8] (spezialisiert auf Bilder/gehört zu Facebook), Tumblr [9] (Blog-Netzwerk), YouTube [10] (für Buchtrailer und Ausschnitte aus Lesungen) und natürlich die buchspezifischen wie Lovelybooks [3] (gehört zum Holtzbrinck-Konzern) und Goodreads [11] (gehört zu Amazon).

Welches Netzwerk ist denn nun das richtige?

Jetzt, da Sie wissen, wo ihr Ziel liegt und welche Möglichkeiten es gibt, müssen Sie sich für ein Fahrzeug entscheiden. Das ist am Anfang eine knifflige Aufgabenstellung und es lässt sich nicht immer von vornherein bestimmen, welches Medium für Sie persönlich am besten geeignet ist.

Konzentrieren Sie sich vorerst auf ein einziges Netzwerk. Lieben Sie Bilder und haben Sie die Möglichkeit, täglich eins hochzuladen? Dann könnte Instagram interessant sein. Wollen Sie viele Menschen erreichen? Dann wählen Sie eine Facebook-Seite. Möchten Sie kurzfristig mit Menschen interagieren und lieber häufiger aber kurz online sein, dann ist Twitter das Mittel der Wahl. Stehen Sie gern vor der Kamera? Dann ist YouTube interessant.

Probieren Sie verschiedene Dienste aus, wenn Sie sich nicht entscheiden können. Für den Anfang ist Facebook das Netzwerk, mit dem die meisten Menschen am schnellsten warm werden und das bisher den größten Erfolg verspricht.

Der Unterschied zwischen Facebook-Profilen und Facebook-Seiten

Es gibt bei Facebook grundsätzlich zwei Arten der Anmeldung: Entweder man interagiert mittels eines persönlichen Profils (auch Account genannt) oder man interagiert mittels einer Seite. Es ist zwar möglich, ohne ein privates Profil eine Seite anzulegen, aber nicht üblich (zu diesem Zwecke erstellt man ein Unternehmenskonto). Wer es sich einfach machen will, registriert daher ein privates Profil und erstellt damit eine Seite.

Faustregel: Profile sind für die (private) Menschen, Seiten für Unternehmen. Da Sie als Autorin/Autor aber sich selbst als Person vermarkten möchten, trifft sowohl das eine als auch das andere auf Sie zu. Es hat sich als nützlich erwiesen, eine Fanseite für alles zu erstellen, was direkt mit Ihren Büchern zu tun hat und das private Profil entweder komplett privat zu halten (dazu sollten Sie die Privatsphäreeinstellungen überprüfen) oder das Profil zu nutzen, um auch Dinge mitzuteilen, die nicht direkt mit Ihrer Autorentätigkeit zu tun haben. Das macht Sie authentisch und Sie können in Gruppen agieren, was als Seite nicht möglich ist. Ich persönlich rate Ihnen, die Chancen des privaten Profils zu nutzen und es für den Aufbau Ihrer Marke zu nutzen. Einen weiterführenden Artikel zu dem Thema finden Sie hier [12].

Erstellen Sie also einen Account und nehmen Sie sich die Zeit, sich mit dem System vertraut zu werden. Erst, wenn Sie das Gefühl haben, zu wissen, was Sie tun, erstellen Sie eine Fanseite zu Ihrer Person. Veröffentlichen Sie ca. 10 Artikel innerhalb von zwei Wochen, bevor Sie andere auf Ihre Seite aufmerksam machen. So besteht bereits interessanter Inhalt, wenn Sie Ihre bis dahin erworbenen Freunde einladen, Ihrer Seite ein »Gefällt mir« zu geben. Was genau Sie posten können und wie Sie Ihre Reichweite erhöhen, erfahren Sie in einem ausführlicheren Bericht in der kommenden Woche.

Wichtige Hinweise

In einem Artikel dieser Länge ist es unmöglich, auf alle Netzwerke im Detail einzugehen. Wenn Sie Interesse an einem detaillierten Artikel über ein bestimmtes Netzwerk haben, schreiben Sie Ihre Anregung unten in die Kommentare.

Bleiben Sie stets in Ihrer Rolle! Informationen, die einmal im Internet sind, lassen sich nur schwer wieder löschen. Überlegen Sie also vor jedem Beitrag, ob Sie diese Information einer großen Masse zugänglich machen wollen. Das Gleiche gilt auch für alle Fotos, die Sie verbreiten. Verzichten Sie auf Fotos von Kindern zum Schutz der Kinder und holen Sie sich eine Genehmigung ein, wenn Sie Fotos mit anderen Personen von sich veröffentlichen. Wahren Sie zudem immer das Urheberrecht.

Jedes Netzwerk hat seine eigenen Regeln. Bei Facebook wird Eigenwerbung ungern gesehen, bei Twitter dürfen es nicht so viele Hashtags sein wie bei Instagram, und auf YouTube gibt es die »Daumen runter«-Funktion, von der durchaus Gebrauch gemacht wird. Nehmen Sie sich Zeit, die Regeln des Netzwerkes kennenzulernen!

Und denken Sie daran: Keines der genannten Netzwerke können Sie tatsächlich gratis nutzen. Sie bezahlen die Anbieter mit Ihren Daten [13].  In seinem Buch »Das Kapital bin ich« [14] prognostiziert Hannes Grassegger auf Basis einer Untersuchung der Boston Consulting Group [15], dass wir 3.000 Dollar im Jahr mit unseren Daten verdienen könnten, wenn wir sie nicht für scheinbar kostenlose Dienste eintauschen würden. Im Zentrum Ihrer Netzaktivitäten sollte daher trotz aller Social-Media-Aktivitäten immer die eigene Website [16] stehen.

Fragen? Anregungen?

Das Thema ist sehr vielfältig und sicherlich haben Sie die eine oder andere Frage. Schreiben Sie sie einfach unten in die Kommentarbox oder, wenn Sie sie nicht öffentlich stellen wollen, schicken Sie eine E-Mail an kontakt@annikabuehnemann.de.

Annika Bühnemann

Über die Autorin

Annika Bühnemann ist Autorin, Bloggerin und YouTuberin. Ihren ersten Roman »Auf die Freundschaft!« verlegte sie als Selfpublisherin, der zweite wurde über das feelings-Label der Verlagsgruppe DroemerKnaur veröffentlicht. Im März erscheint ihr fünfter Roman. Auf ihrem Blog www.vomschreibenleben.de gibt sie Schriftstellern Tipps zu den Themen Marketing, Zeitmanagement und Persönlichkeitsentwicklung. Auf ihrem YouTube-Kanal laufen alle Aktivitäten zusammen, dort zeigt sie Videos aus ihrem Alltag, nimmt die Zuschauer mit auf die Buchmessen und geht auf Themen aus ihrem Blog ein.

Mehr Informationen:

www.annikabuehnemann.de [17]
www.vomschreibenleben.de [18]
www.youtube.de/user/AnnikaBuehnemann [19]