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Warum ich nicht an der Ice-Bucket-Challenge teilnehme

Emily Bold bei der Ice Bucket Challenge

Emily Bold nimmt die Ice-Bucket-Challenge an und nominiert Wolfgang Tischer

Nun ist es also passiert. Ich wurde für die Ice-Bucket-Challenge nominiert [1]. Ich muss mich nun dabei filmen (lassen), wie ich mir einen Kübel Eiswasser über den Kopf gieße oder alternativ 75,27 Euro an die ALS-Stifung überweisen.

Aber nein! Ich muss gar nichts.

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Emily Bold: ALS Ice Bucket Challenge

Mittlerweile haben ja fast alle an dieser viralen Aktion teilgenommen. Normale Menschen, Politiker und auch Autoren. Stephen King in kurzen beigefarbenen Hosen und mit weißen Socken. Das war schon reichlich gruselig.

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Stephen King ALS Ice Bucket Challenge

Wer ganz nobel ist, der gießt sich nicht nur öffentlichkeitswirksam einen Eimer Eiswasser über den Kopf, nein er gibt gleichzeitig bekannt, dass er dennoch 100 Dollar spendet.

Die Videos der sogenannte Ice-Bucket-Challenge überführten sogar Straftäter [3] und Befürworter illegaler Drogen [4]. Man präsentiert die schönsten Pannen bei der Eiswasserdusche [5] und nun ist sogar zu lesen, dass man mit seiner Spende die Forschung mit Tierversuchen unterstütze [6]. Die virale Aktion wird medial in allen Formen durchdekliniert.

Gutes zu tun und sich dabei zum Affen machen, das zeugt von einer noblen Haltung und Sinn für Humor. Naja, bei vielen der Videos ist auch ein Hang zur Selbstdarstellung zu erkennen.

Das Prinzip der Challenge ist das des Kettenbriefes: Nachdem man brav auf Sinn und Zweck der Aktion hingewiesen hat, kippt man sich einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf und nominiert drei weitere Personen, die es einem gleich tun sollen.

Aber warum sollte man das tun? Weil es ganz einfach Spaß macht? Sicherlich nicht, denn dann würde das öffentliche Überschütten mit kaltem Wasser des öfteren praktiziert und nicht nur als »Challenge«. Die selbstdarstellerische und voyeuristische Komponente spielt also wohl doch eine wichtige Rolle. Denn schließlich wollen sich auch viele meist (halbwegs) prominente Zeitgenossen in der Originalität ihrer Videos überbieten. Ist man eine Frau, so kommt man als sexy Ice-Bucket-Challenge-Teilnehmerin vielleicht sogar in die Bildzeitung.

Die Ice-Bucket-Challenge ist die zeitgemäße Variante dieser E-Mail-Kettenbriefe, die ein mehr oder weniger seriöses Anliegen im Fokus haben. Obwohl es die Krankheit ALS nachweislich gibt, ist die Challenge dennoch ein HOAX.

Daher gilt für mich der gleiche Ratschlag, der auf der HOAX-Infoseite [7] schon seit Jahren zu lesen ist:

In diese Kategorie fallen Kettenbriefaktionen, die dazu aufrufen, sich für oder gegen dies oder jenes einzusetzen. Das mag alles gut gemeint sein und die Ziele der Aktion mögen höchst ehrenwert sein, jedoch gilt hier ganz klar:

  • Kettenbriefe sind kein adäquates Medium, um seriöse Anliegen zu kommunizieren.

Eine Spende sollte keine Modeerscheinung sein, und Gutes zu tun sollte man nicht immer an die große Glocke hängen. Wobei: Wenn man es genau nimmt, kaufen sich die Eiskübelübergießer ja im Grunde genommen von ihrer Spende frei. So gesehen leiten sie nur meist lachend einen Kettenbrief weiter.

Ok, könnte man jetzt sagen, aber am erhöhten Spendenaufkommen, das die ALS-Stiftung meldet, sieht man doch ganz gut, dass die Aktion in diesem Fall wirklich etwas bewirkt. Aber was sagt das schon aus?

Wissen wir, ob vielleicht jetzt einige am nächsten Bettler vorbeigehen, weil sie ihr Spendenbudget für dieses Jahr schon für ALS aufgebraucht haben? Und für was genau Spende ich eigentlich, wenn ich für die ALS-Stiftung spende? Nein, ich möchte hier nicht auf die oben erwähnte angebliche Forschung mit Tierversuchen hinweisen.

Wahrscheinlich könnte ich mich auf irgendwelchen Infoseiten [8] ganz genau darüber informieren, was mit den Spendengeldern geschieht. Aber auch hier gilt: Warum sollte ich das tun?

Ich möchte selbst entscheiden für was und für wen ich spende – oder für wen und was nicht. Weder eine Social-Media-Kettenvideo-Kampagne noch andere Methoden des sozialen Drucks dürfen zu einer Spende verleiten.

Wer will, der darf. Wer nicht will, darf auch dies.

Wolfgang Tischer