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Beitrag vom 24. Januar 2015 | Rubrik: E-Books, Self-Publishing

Warum der Kindle Textbook Creator keine Textbücher erstellt

Kindle Textbook Creator

Mit dem kostenlosen Kindle Textbook Creator soll man PDF-Dateien rasch in ein Kindle E-Book umwandeln können. Anschließend kann es via Amazon KDP veröffentlicht und verkauft werden. So verspricht es Amazon.

Doch wer meint, mit der Software könne man schnell und einfach ein Textbuch erzeugen, der irrt.

Der englische Begriff des »Textbook« ist ein »False Friend«. Denn ein Textbook ist kein Textbuch. Vielmehr bedeutet Textbook auf Deutsch »Schulbuch«, »Lehrbuch« oder »Unterrichtsmaterial«.

Amazon preist den Kindle Textbook Creator daher als Software an, mit der man »reichhaltig ausgestattete elektronische Lehrbücher« erstellen kann (»richly featured eTextbook«).

Das klingt gut, aber eigentlich ist es aktuell nur eine vom Marketing aufgeblasene Umschreibung für ein rudimentäres Konvertierungsprogramm.

Was kann der Kindle Textbook Creator?

Der Kindle Textbook Creator macht nur eines: Er wandelt PDF-Dateien in ein proprietäres Amazon-Format um, sodass das Ergebnis via Amazons Self-Publishing-Plattform KDP angeboten und verkauft werden kann, was mit normalen PDF-Dateien nicht möglich ist.

Der Kindle Textbook Creator, der in einer Beta-Version für Windows und Mac OSX verfügbar ist, besitzt keinen Editor. Man kann weder Texte hinzufügen, noch Bilder oder gar Videos. Man kann auch die bestehenden Inhalte nicht verändern. Nicht einmal Klickbereiche zum Vergrößern wie beim Kindle Kids Book Creator können eingefügt werden. Nur ganze Seiten können entfernt oder hinzugefügt werden. Die PDF-Datei wird lediglich 1:1 in ein festes Layout übernommen.

Somit ergibt sich eine weitere Einschränkung: Die erstellen Lehrbücher können nicht auf den Kindle E-Ink-Geräten wie dem Paperwhite gelesen werden. Download und Anzeige ist nur auf den Kindle-Fire-Tablets und via Amazons-Lese-Apps auf iPad und Android-Tablets möglich. Die Vorschau-Funktion des Kindle Textbook Creator listet zwar auch iPhone und Kindle Voyage auf, doch ist deren Auswahl nicht möglich.

Screenshot: Kindle Textbook Creator

Die Vorschau des Kindle Textbook Creator zeigt, wie die konvertierte PDF-Datei später auf einem Kindle Fire aussieht. E-Ink-Geräte wie der Kindle Voyage können nicht ausgewählt werden. (Zum Vergrößern anklicken)

Hinzu kommt, dass die Größe der erzeugten KPF-Datei (Kindle Print Format?) so ziemlich mit der ursprünglichen PDF-Datei identisch ist. Mit anderen Worten: Sind Abbildungen enthalten, so ist die Dateigröße eher umfangreicher und wegen der abgezogenen Lieferkosten pro Megabyte ist ein Verkauf via KDP nicht unbedingt attraktiv.

Kann der Konverter die Textelemente der PDF-Datei als solche erkennen, so können die Schüler diese später auf den Fire-Tablets oder via Kindle-App markieren oder Übersetzungen aufrufen. Interaktive Elemente sind also nicht vorhanden. Der Kindle Textbook Creator in der Beta-Version ist derzeit weit von dem entfernt, was beispielsweise Apples iBooks Author kann.

Fazit: Was nützt der Kindle Textbook Creator?

Den Kindle Textbook Creator braucht man nicht. Wer gehofft hat, man könne eine PDF-Datei per Knopfdruck in ein Buch für den Kindle E-Reader umwandeln, wird enttäuscht. Der Verkauf einer mit dem Kindle Textbook Creator erzeugten Datei via KDP ist wenig lukrativ, die Zielgruppe wegen der mangelnden Geräte-Kompatibilität überaus klein.

Warum also bietet Amazon den Kindle Textbook Creator dann überhaupt an? Besonders auf dem US-Markt nimmt Apple für sich in Anspruch, dass iPads Einzug in die Klassenzimmer gehalten haben und elektronische Lehrbücher sehr populär seien. Mit dem kostenlosen iBooks Author von Apple lassen sich in der Tat beeindruckende Lehrbücher einfach erstellen und aufs iPad bringen.

Amazons Kindle Textbook Creator ist derzeit nicht mehr als ein Fingerheben von Amazon, um zu sagen: »Das geht bei uns auch«. Doch der Kindle Textbook Creator ist aktuell weit von dem entfernt, was Apples iBooks Author ermöglicht. Es muss abgewartet werden, ob und wie Amazon die Möglichkeiten der Software künftig ausbaut. Amazon verspricht in kommenden Versionen eine Unterstützung von Video- und Audioformaten und interaktiven Elementen.

Wie wandle ich dann PDF-Dateien ins Kindle-Format um?

Im Grund genommen kann jeder Amazon E-Ink-Reader PDF-Dateien ohne vorherige Konvertierung öffnen und darstellen. Man muss sie nur via Kabel übertragen oder über den integrierten Browser herunterladen. Doch eine Freude ist das Lesen von PDF-Dateien auf E-Readern nicht. Die Displays sind zu träge, die virtuellen Seiten müssen auf der kleinen Anzeigefläche ständig verschoben und verkleinert und vergrößert werden. Eine PDF-Datei ist kein E-Book, sondern sie ist eigentlich für den Ausdruck konzipiert.

Mit kostenlosen Konvertern wie Calibre kann man PDF-Dateien ins Kindle-Format bringen. Doch je nach Ausgangsdatei funktioniert auch das eher weniger gut. Der Text ist oft zerstückelt oder mitten im Text erscheinen Seitenzahlen. Ist der Text der PDF-Datei vektorisiert, kann er gar nicht umgewandelt werden. Ähnliches gilt, wenn man Amazons eigenen Konvertierungsvorgang via KDP oder per E-Mail-Übertragung nutzt. Eine PDF-Datei ist keine empfehlenswerte Quelle für die E-Book-Erstellung. Offene und »fließende« Textdateien, wie sie jede Textverarbeitung oder ein Texteditor erzeugt, sind die bessere Ausgangsbasis.

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1 Kommentar zu diesem Beitrag lesen

  1. Rouven schrieb am 27. Januar 2015 um 16:57 Uhr

    Mal davon abgesehen, dass es total Hirnrissig ist ein Schulbuch, als reines Buch für den Computergestützten Unterricht umzusetzen. Da sollte man schon die Möglichkeiten ausschöpfen und interaktive !!!LERNPROGRAMME !!! … aber was rege ich mich auf…
    Chiao

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