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Umfrageergebnis: Sind 97% der Autoren zufrieden mit ihrem Verlag?

Zufrieden?Die Schriftstellerverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben heute das Ergebnis ihrer Umfrage zur Beziehung Autor/Verlag bekannt gegeben. Auch im literaturcafe.de hatten wir zur Teilnahme aufgerufen [1].

»Jeder dritte Autor ist unzufrieden mit seinem Verlag« lautet die alarmierende Überschrift der Pressemitteilung der Verbände [2], die heute auch in den Branchenmedien [3] verbreitet wird [4].

Doch bei genauer Betrachtung besteht für die Verlage kein Grund zur Sorge. In Deutschland haben gerade einmal 8% der im Verband der Schriftsteller (VS) organisierten Mitglieder teilgenommen.

Daher ist eher zu vermuten, dass eine überwältigende Mehrheit der Autorinnen und Autoren mit ihrem Verlag zufrieden ist – oder es ist ihnen schlichtweg egal.

Nicht mal jedes 10. VS-Mitglied hat an der freiwilligen Umfrage teilgenommen

Denn die Teilnahme an der Umfrage war freiwillig und nicht auf Verbandsmitglieder beschränkt. Von den 1.219 Autorinnen und Autoren, die sich an der Umfrage beteiligt haben, sind 704 Mitglied im deutschen, Schweizer oder österreichischen Autorenverband. 274 davon sind wiederum Mitglied beim Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di.

Laut Wikipedia hat allein der deutsche Verband 3.600 Mitglieder [5]. Demnach haben davon nur 7,6% freiwillig an der anonymen Umfrage teilgenommen – und das, obwohl nicht nur über die Verbandskanäle für die Umfrage getrommelt wurde.

Erfahrungsgemäß nehmen an solchen freiwilligen Umfragen eher die Teil, die unzufrieden sind und ihren Unmut kund tun wollen oder die sich von einer solchen Umfrage Besserung erhoffen. Der Rest ist zufrieden, ihm ist es egal oder er hat schlichtweg nichts von der Umfrage mitbekommen.

Sind nur 2,5% der Schriftsteller unzufrieden mit ihrem Verlag?

Würde man diese schweigende Mehrheit als Stimmenthaltung interpretieren – was zugegeben genauso gewagt wäre -, so wären lediglich 2,5% der Schriftstellerinnen und Schriftsteller unzufrieden mit der Arbeit ihres Verlages.

Die Interpretation, dass über 97% der im VS organisierten Mitglieder zufrieden mit ihrem Verlag sind, wäre jedoch genauso falsch, wie die Aussage der Pressemeldung, dass ein Drittel aller Autoren unzufrieden sei.

Wenn man präzise sein wollte, so müsste man zumindest titeln »Freiwillige Autorenumfrage: Jeder dritte Teilnehmer gibt an, unzufrieden mit seinem Verlag zu sein«.

Erwartbares und wenig spektakuläres Umfrageergebnis

Aber das klingt erwartbar und wenig spektakulär, und weder das Gesamt- noch das Teilergebnis der Umfrage gibt ein echtes Stimmungsbild ab.

Auf der Website des VS kann man sich die detaillierten Umfrageergebnisse herunterladen [2]. Es überrascht beispielsweise überhaupt nicht, dass die größte Unzufriedenheit unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Umfrage bei der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit besteht, die der Verlag für die Bücher macht. Über 52% der Umfrageteilnehmer sind in diesem Bereich unzufrieden oder gar sehr unzufrieden mit der Verlagsleistung. Aber wünscht sich nicht jeder Autor, dass der Verlag noch mehr Werbung und PR für sein Buch macht?

Repräsentative Aussagekraft der Zahlen liegt leider bei Null

Somit sind alle Ergebnisse, die die Verbände vermelden, mit größter Vorsicht zu genießen, liegt doch ihre repräsentative Aussagekraft leider bei Null.

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