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TV-Tipp nicht nur für Self-Publisher: Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt [jetzt online]

Die Self-Publisherin Emily Bold (Foto: Arte)

Die deutsche Self-Publisherin Emily Bold (Foto: Arte)

Am Mittwoch (16. April 2014) zeigt arte um 22:30 Uhr die Dokumentation »Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt«. Nachtrag: Jetzt im Netz online anzusehen. [1] Brigitte Kleine, Autorin des TV-Beitrags, porträtiert darin u. a. die deutsche Self-Publisherin Emily Bold [2] und ihre französische Kollegin Agnès Martin-Lugand [3].

Der TV-Beitrag beleuchtet die verlegerischen Ambitionen Amazons und welche Rolle dabei die Autoren spielen. Kleine hat zudem Amanda Hocking in den USA besucht, die als erste erfolgreiche Self-Publisherin gilt [4] – und die schließlich psychische Probleme bekam.

Wir haben die TV-Dokumentation bereits vorab gesehen und verraten, ob sich das Einschalten lohnt.

In der offiziellen Programmbeschreibung von arte heißt es über die Dokumentation:

Amazon, das größte Online-Kaufhaus der Welt, hat in jüngster Zeit durch einen Skandal um Leiharbeiter und fragliche Steuerpraktiken für Schlagzeilen gesorgt. Doch längst stiftet der weltgrößte Online-Buchhändler in der Verlagsproduktion Unruhe. Der Konzern begnügt sich nicht mehr damit, Bücher übers Internet zu verkaufen: Er macht mittlerweile selbst welche. Mit seiner Self-Publishing-Plattform und mit einem neu gegründeten Verlag greift Amazon das alte System der Autoren, Verlage und Buchhändler an. Droht der Buchkultur, wie wir sie kennen, der Kollaps?

Es ist der Traum aller Hobbyautoren: das eigene Werk in den Buchhandlungen sehen. Aber die Ochsentour durch die Verlage ist hart, normalerweise hagelt es Absagen. Mit Hilfe von Amazon kann ihr Traum nun in Erfüllung gehen. Schreiben, hochladen und innerhalb kurzer Zeit werden ihre Bücher hundertfach heruntergeladen, finden sich die Hobbyautoren in Rankings und Bestsellerlisten wieder.

Self-Publishing – mit Amazon ist das Verlegen von Büchern einfach wie nie. Doch übernimmt der Online-Riese nicht die Aufgaben herkömmlicher Verlage: Marketing, Lektorat, Sekretariat – um all das müssen sich die frischgebackenen Self-Publisher selbst kümmern. Das bedeutet nicht selten 70-Stunden-Wochen. Und das Aussterben traditioneller Verlage und Buchhandlungen.

In den USA werden bereits 75 Prozent der gedruckten Bücher von Amazon verkauft, im Handel mit E-Books hat der Konzern auch in Europa ein Monopol. Mit geschickten Angeboten gelingt es ihm zuweilen, die Buchpreisbindung zu umgehen, den letzte Schutzwall der klassischen Buchkultur in Deutschland und Frankreich. Auch hier überflutet Amazon den Markt mit billigen E-Books, seichter Unterhaltungsliteratur – eben mit dem, was die breite Masse anspricht.

Was ist mit den Autoren, deren Bücher keinen Massengeschmack treffen? Was mit den Lesern, die auch jene Bücher brauchen, die unbequem sind, aufwühlend, überraschend? Obwohl sie auf den Verkaufs-Rankings ganz unten stehen? Wird es sie noch geben, wenn ein Player wie Amazon den Vertrieb kontrolliert und dazu die Inhalte?

Die Dokumentation verfolgt die Gewinner und Verlierer dieser radikal neuen Entwicklung.

Die Meinung der literaturcafe.de-Redaktion zu »Storyseller«:

Anders als der ebenfalls vom Hessischen Rundfunk produzierte Beitrag »Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon« vom Februar 2013, der die Diskussion um die zweifelhaften Arbeitsbedingungen bei Amazon in Gang brachte, der aber oftmals auch optisch sehr reißerisch und effekthaschend daher kam, ist »Storyseller [1]« ein angenehm ruhiger und informativer Bericht.

Self-Publisherin Agnès Martin-Lugand (Foto: Arte)

Die französische Self-Publisherin Agnès Martin-Lugand (Foto: Arte)

Hier wird nicht auf die mittlerweile in TV-Dokus übliche Dramatisierung gesetzt. Dem Film ist anzumerken, dass er sich um eine ausgewogene Darstellung der Sachverhalte bemüht und Vor- und Nachteile des Self-Publishing aufzeigt. Dabei werden die Akteure nicht vorgeführt, obwohl auch private Momente gefilmt wurden.

Die Autorin Emily Bold [2] schafft es in ihrer natürlichen und offenen Art ohnehin seit jeher, die Begeisterung am digitalen Selbstverlegen rüberzubringen, ohne dass sie dabei die Realität aus den Augen verliert. Die Dokumentation zeigt Bold unmittelbar beim Veröffentlichen eines neuen Buches. Und auch ihre Reise in die USA auf der Suche nach der gedruckten englischen Ausgabe ihres Buches [2] dokumentiert das Filmteam. Der Autorin gegenübergestellt wird der Erfolg des deutschen Autors Oliver Pötzsch, der mit seiner Henkerstochter-Saga [5] in den USA bereits sehr erfolgreich ist.

Die amerikanische Self-Publisherin Amanda Hocking (Foto: Arte)

Die amerikanische Self-Publisherin Amanda Hocking (Foto: Arte)

Dass die französische Self-Publisherin Agnès Martin-Lugand mittlerweile bei einem Verlag glücklich ist und auch Amanda Hocking nun bei einem Verlag veröffentlicht, weil sie irgendwann dem psychischen Druck nicht mehr stand hielt und fast alle 10 Minuten ihre Amazon-Rankings checkte, mag für einige Self-Publisher vielleicht zu verlagsfreundlich daherkommen – doch auch hier zeigt die Dokumentation nur eine mögliche Entwicklung auf.

Brigitte Kleine ist es zudem gelungen, dass sie am Amazon-Hauptsitz Seattle mit dem für die verlegerischen Aktivitäten zuständigen Amazon-Mitarbeiter Jeffrey Belle sprechen konnte. Ebenfalls im Film zu Wort kommen KiWi-Verleger Helge Malchow [7], der Literaturagent Peter Fritz [8] und der Geschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels Alexander Skipis [9].

Und nicht zuletzt stellt der Film am Ende die bereits oben zitierte Frage, die derzeit niemand beantworten kann:

Was ist mit den Autoren, deren Bücher keinen Massengeschmack treffen? Was mit den Lesern, die auch jene Bücher brauchen, die unbequem sind, aufwühlend, überraschend? Obwohl sie auf den Verkaufs-Rankings ganz unten stehen? Wird es sie noch geben, wenn ein Player wie Amazon den Vertrieb kontrolliert und dazu die Inhalte?

Fazit: Unbedingt im TV oder im Web ansehen [1] oder eine Aufzeichnung programmieren. Der Film zeigt wohltuend unaufgeregt die Vor- und Nachteile des Self-Publishing und die Rolle Amazons in diesem Geschäft.

Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt [1]
Produktion: Hessischen Rundfunk 2013/2014. Stereo, HD, 16/9. 52 Minuten.
Sendetermin: Mittwoch, 16. April 2014 um 22:30 Uhr
Wiederholung: Samstag, 03. Mai 2014 um 2:20 Uhr

Aktuell: Der Beitrag ist jetzt online – und eine Info-Seite mit Diskussionsmöglichkeit

Online in der Arte-Mediathek Arte+7 abrufbar vom 16.04-23.04.2014 [1]. Außerdem hat Arte eine Info-Seite ins Netz gestellt mit einer Grafik »Amazon und Self-Publishing« [10]. Außerdem steht der ebenfalls im Film porträtierte Autor Oliver Pötzsch zur Diskussion bereit [11].

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