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Maltes Meinung

Die Textkritik im literaturcafe.de

Bedienungsanleitung: Zunächst sehen Sie den gesamten Text. Anschließend folgen die zusammenfassende Bewertung sowie die Detailkritik. Vom Text aus können Sie durch Anklicken der verlinkten Wörter oder Wortgruppen direkt zu der entsprechenden Detailkritik springen und wieder zurück. Basierend auf dieser Besprechung erhält der Text »Lesebrillen« verliehen, wobei fünf Brillen die beste Wertung darstellen.

Der Rezensent: Malte Bremer, Jahrgang 1947, studierte Germanistik in Freiburg, liest viel, schreibt, (veröffentlicht aber nichts, und wenn, dann nur im literaturcafe.de), misstraut allen Adjektiven, ist Brillenträger und Weintrinker.

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Textkritik vom 17. Juli 2017 | Textart: Lyrik
Brillen: BrilleBrilleKeine BrilleKeine BrilleKeine Brille

Ab heute wird zurückgestochen

von Hannelore Furch
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Es saßen zwei Staaten beim Abendbrot
sich starr gegenüber im Gram,
dann sagte das eine: »Mein Angebot:«,
und streckte hinüber den Arm,

»Nimm hin das Schmalz,
es bleibt bei mir
das Döschen Salz,
die Flasche Bier

Das andere sagte: »Ich esse nicht
ein Brot nur mit Schmalz ohne Salz,
und ohne das Bier schmeckt mein Nachtgericht
mir übler als salzloses Schmalz.«

»Dann biete ich
jetzt Bier und Salz,
begnüge mich
allein mit Schmalz.«

Das andere Land hat im Groll gedacht:
Nur Worte aus Lug und Betrug!
Und eh sie der Gegner zur Tat gemacht,
ergreift es ein Messer: »Genug!«

Ein Stich geschwind
zur Feindesseit’,
und beide sind
zum Krieg bereit.

© 2017 by Hannelore Furch. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Das wechselnde Metrum ist astrein durchgehalten: Handwerklich absolut überzeugend!
Aber inhaltlich? Absolut mangelhaft! Da bleibt nichts übrig und nichts hängen; das sollte wohl eine Parabel werden auf sich streitende Staaten oder Länder oder Männer oder Potentaten, aber das ist gründlich missglückt – Das gilt auch für die Überschrift zu diesem verunglückten Gedicht: Dafür habe ich nur ein Kopfschütteln übrig.

Die Kritik im Einzelnen

Das Staat? Hat sich hier etwa klammheimlich die Vorstellung von einem Staatsoberhaupt einschlawienert? Oha: Das ist ein verratzter Einstieg! zurück

Und noch etwas, was ein Staat nicht hat – wohl aber ein Gesetz: das hat sogar einen langen! zurück

Bier und Salz sind zwei Dinge, und logischerweise bleibt das nicht, sondern sie bleiben! Das ließe sich zudem völlig problemlos ändern, ohne die saubere metrische Gestaltung zu stören: »Es bleiben mir / das Döschen Salz, / die Flasche Bier.« zurück

Und: Zack! – da schlägt es wieder zu, das Staat … zurück

Hoppala: Hat da wer irgendwie was gemerkt und tut lieber so, als sei gar nichts, statt in der ersten Zeile Staaten in Länder umzubenennen? Immerhin meinen Staat und Land nicht dasselbe, und auch bei dieser Veränderung würde das vorbildlich durchgehaltene Metrum nicht gestört! zurück

Es gibt weder Worte noch Wörter, die aus Lug und Betrug bestehen! Aber mit Worten und Wörtern lässt sich trefflich lügen und betrügen, und genau das ist gemeint: Der Landstaat bzw. das Staatland vermutet eine Lüge!
Auch dieser inhaltliche Unfug ließe sich im Einvernehmen mit dem Metrum ganz einfach beheben: Nur Worte sind’s, Lug und Betrug! zurück

Mit Verlaub: Ich kenne zwar den Befehl »Stich zu!« – aber wie jemand zu einer Feindesseit’ bzw. überhaupt zu etwas stechen kann … Meiner Treu: »Reim dich, oder ich fress’ dich!« ist alles, was mir dazu einfällt! zurück

© 2017 by Malte Bremer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.