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Maltes Meinung

Die Textkritik im literaturcafe.de

Bedienungsanleitung: Zunächst sehen Sie den gesamten Text. Anschließend folgen die zusammenfassende Bewertung sowie die Detailkritik. Vom Text aus können Sie durch Anklicken der verlinkten Wörter oder Wortgruppen direkt zu der entsprechenden Detailkritik springen und wieder zurück. Basierend auf dieser Besprechung erhält der Text »Lesebrillen« verliehen, wobei fünf Brillen die beste Wertung darstellen.

Der Rezensent: Malte Bremer, Jahrgang 1947, studierte Germanistik in Freiburg, liest viel, schreibt, (veröffentlicht aber nichts, und wenn, dann nur im literaturcafe.de), misstraut allen Adjektiven, ist Brillenträger und Weintrinker.

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Textkritik vom 7. März 2004 | Textart: Prosa
Brillen: BrilleBrilleBrilleBrilleBrille

Schlaf

von Xenia Klinge

Keine Angst. Das Zimmer ist größer, wenn es dunkel ist. Der Papagei hängt höher über dem Bett und ist nicht rot, manchmal bewegt er sich. Vor dem Bett ist ein Loch. Die Schafe fallen hinein und du kannst nicht einschlafen. Die Bilder im Kopf. Du hast sie gemalt, aber sie sind immer noch drin. Man hat gefragt, warum die Männer schwarz seien und so groß, viel größer als das rote Kind, und du hast keine Antwort gewusst.
Schritte auf der Treppe. Er kommt Gute-Nacht-Sagen. Schlaf, Kindlein, schlaf. Du kannst nicht einschlafen. Die erste Stufe, die zweite. Die dritte knarrt. Du kennst sie. Du bist ein Stein. Knarr. Acht Stufen, du kennst sie, zwei knarren, die letzte quietscht. Es macht dir Spaß, sie quietschen zu lassen. Das Knarren magst du nicht.
Die Beine anziehen, die Arme darum. Ein Stein. Ganz an die Wand rücken. Das Bett sieht fast leer aus. Knarr. Die sechste. Du machst die Augen zu. Du schläfst schon. Schlaf, Kindlein, schlaf. Kopf einziehen, zusammenrollen, ganz an die Wand. Du fällst durch die Ritze. Du bist unsichtbar. Du schläfst schon. Quietsch.
Er summt. Schlaf, Kindlein, schlaf… Die Tür. Du hörst ihn. Schlaf, Kindlein, schlaf. Dein Vater hüt’ die Schaf. Er hat nicht aufgepasst. Sie sind alle in das Loch gefallen. Aber jetzt ist er ja da. Er geht einfach über das Loch. Es ist gar nicht so groß.
Er setzt sich auf die Bettkante. Du bist kein Stein. Du fällst nicht durch die Ritze. Schlaf, Kindlein, schlaf. Du bist nicht unsichtbar. Schlaf, Kindlein, schlaf. Du bist noch wach.
Gute Nacht, flüstert er. Er dreht deinen Kopf und küsst dich.

© 2004 by Xenia Klinge. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Erschütternd!
Gefragt habe ich mich: ist es die Erschütterung, die mich verstummen lässt? Aber ich finde hier kein überflüssiges Wort, kein blindes Motiv: die Schafe, das Loch, das Blut, der gefangene Papagei und das gefangene Kind, das Kinderlied, die Treppe … Ich habe keine Ahnung, was man hier noch besser machen könnte! Und das ist der Text einer 17-Jährigen …

Die Kritik im Einzelnen

Entfällt

© 2004 by Malte Bremer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.