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Textkritik: Ohne Drumrumlabern und Schmachtgesülze

*Ümit ist ein türkischer Vorname, der Hoffnung bedeutet. Ümitle karşılaşmak heißt übersetzt »Begegnung mit der Hoffnung [1]«.

Im August des vorigen Jahres hatte sie angefangen sich zu trennen. Zuerst trennte sie sich von einer alten Gewohnheit: Sie hörte auf, Menschen zusammenzubringen. Nachdem der Eindruck von Ungefälligkeit nachließ, trennte sie sich von ihrem liebsten Hobby: Sie hörte auf zu tanzen. Als Nächstes trennte sie sich von einer vertrauten Freundin. Um den Abschiedsschmerz nicht zu spüren, trennte sie sich von sich selbst [2].

»Nur im Bett zu liegen und Snooker zu gucken ist nicht gut«, sagte ihre Ärztin. »Warum?«, fragte sie.

Im Juni hörte sie auf zu warten. Sie gab die Hoffnung auf, dass ein Impuls sie befreien würde. Auf ihren stundenlangen Spaziergängen spürte sie die Unebenheiten des Bodens unter ihren Füßen. Sonst spürte sie nichts.

Dann war plötzlich Ümit da und riss ihr – so wie man ein festsitzendes Pflaster entfernt – mit einem Ruck die Decke der Dumpfheit [3] weg. Sie fand sich wieder in einem fremden Garten und spürte vor allem eins: Lust. Das Herz, das sie öffnete, war leer und Ümit fand darin einen Platz wie ein Juwel, das sie zum Strahlen brachte [4]. Ihr Blick wurde weit. Ümit lachte. Mit Erstaunen teilte sie die Freude. So ging es eine Weile.

Die anderen bemerkten es zuerst. »Du wirkst so glücklich!«, sagten sie und schoben hinterher: »Nicht, dass es wieder böse endet …« Sie versuchte gar nicht erst, es abzustreiten. Sie wusste, was zu tun war, damit ihr die Hoffnung nicht entglitt. Und ehe sie sich versah, verhörte sie sich. Wohl wissend begegnete sie der wachsenden Dissonanz, das Erleben wurde abgelöst vom stummen Warten [5].

Es blieb dabei: Ihre Wünsche waren unerhört [6]. Begleitet von Verständnislosigkeit befreite sich das Bild von seiner Täuschung.

Zu guter Letzt schlug Ümit einen Nagel in die Wände der Wohnstatt [7], und ihr Herz erschlaffte. Sie saß ernüchtert und verließ den Ort dennoch nicht [8]. Sie schaute zu, wie ihre Demut sich in Demütigung verwandelte [9].

Wochen später, als sie endlich sicher war, dass die Fläche ihrer Projektionen leer blieb, stand sie auf und ging. Auf ihren stundenlangen Spaziergängen spürte sie nichts, außer Trauer [10].

© 2016 by Lula Witzescher [11]. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.
Zusammenfassende Bewertung [12]

Ein gradliniger Text ohne das übliche dumpfe Drumrumlabern und Schmachtgesülze!
Das positive Gesamtbild trüben nur Kleinigkeiten, die sind aber schnell zu verbessern!

Die Kritik im Einzelnen [14]

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Hier wäre ein Kürzen angebracht, das die letzten beiden Sätze zusammenfasst; das läse sich dann so:
Sie saß ernüchtert und schaute zu, wie ihre Demut sich in Demütigung verwandelte. zurück [23]

zurück [24]