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Maltes Meinung

Die Textkritik im literaturcafe.de

Bedienungsanleitung: Zunächst sehen Sie den gesamten Text. Anschließend folgen die zusammenfassende Bewertung sowie die Detailkritik. Vom Text aus können Sie durch Anklicken der verlinkten Wörter oder Wortgruppen direkt zu der entsprechenden Detailkritik springen und wieder zurück. Basierend auf dieser Besprechung erhält der Text »Lesebrillen« verliehen, wobei fünf Brillen die beste Wertung darstellen.

Der Rezensent: Malte Bremer, Jahrgang 1947, studierte Germanistik in Freiburg, liest viel, schreibt, (veröffentlicht aber nichts, und wenn, dann nur im literaturcafe.de), misstraut allen Adjektiven, ist Brillenträger und Weintrinker.

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Textkritik vom 25. September 2012 | Textart: Prosa
Brillen: BrilleKeine BrilleKeine BrilleKeine BrilleKeine Brille

Der Bär

von Bob Blume

Alle wussten sie es. Alle glaubten daran. Doch es gab, eigentlich, niemanden, der es schaffte, es zu tun. Dabei wäre es so einfach gewesen. Man musste, und dass wussten alle, nur den Bären um Erlaubnis fragen. Doch das war nicht so einfach. Der Bär konnte ja schlafen. Oder aber, wenn man ihn anträfe, würde er eine andere Sprache sprechen als man selbst. Und dabei wusste niemand, ob der Bär überhaupt sprechen konnte. Es gab entsprechend viele Gerüchte. Denn das war es ja, was alle wollten. Mit dem Bären sprechen, ihn um Erlaubnis fragen. Doch es war zu schwer. Außerdem war es ja zu kalt in der Höhle, die eigentlich gar keine war. Sie war ein ganz anderes Land, das alle kannten. Und dann war da ja noch die Dunkelheit und natürlich hatte keiner Licht. So vergingen die Jahre und keiner wusste, ob der Bär Erlaubnis geben würde. Immer wenn der Bär kam ein Tier zu fressen, das unvorsichtig genug war, sich ihm zu nähern, waren alle ruhig. Und auch sie wurden immer hungriger, denn sie hatten nicht um die Erlaubnis gefragt zu essen. Alle waren sie tot, bevor sie erkennen konnten, dass auch sie Bären waren.

© 2012 by Bob Blume. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Eine sehr missglückte Fabel

Da wird zu viel angedeutet und verklausuliert, als dass sie noch aufklärerisch bzw. politisch wirken könnte; das ist auch sehr schwer in einer Demokratie, denn dort BRAUCHT man keine Fabeln, da wir Meinungsfreiheit haben. Fabeln gedeihen prächtig in Diktaturen jeder Couleur!

Die Kritik im Einzelnen

Entweder glaubten sie daran oder sie wussten es – denn glauben bedeutet schließlich nicht wissen: Ich empfehle hier wissen (auch wenn Glauben durchaus auch zu dummen Handlungen führen kann …) zurück

Da es tatsächlich niemand schaffte, ist eigentlich hier falsch, denn es suggeriert, dass es doch jemand schaffte! Es zu tun wäre ebenfalls verzichtbar: Doch es gab niemanden, der es schaffte. zurück

Hier müsste die Unsicherheit durch den Konjunktiv könnte ausgedrückt werden – analog zu den folgenden! zurück

Warum wird jetzt die umgangssprachliche Hilfskonstruktion würde sprechen gewählt statt das einfache spräche? zurück

Wie viele Gerüchte sind es denn, dass hier viele so betont werden muss? Reichen nicht einfache Gerüchte? Nur zwei Vermutungen sind genannt worden, die reichen doch aus, um ein Ansprechen zu verhindern … zurück

Dieser Satz ist missverständlich, denn inhaltlich bezieht sich das auf die Gerüchte des vorigen Satzes: Alle wollten Gerüchte! Dieses Missverständnis ließe sich ganz einfach beheben, wenn dieser Satz mit einem Doppelpunkt endete: Der wäre der Hinweis darauf, dass das das erst im Folgenden erläutert würde. zurück

Jetzt wird es kritisch: Bereits Außerdem zeigt an, dass hier kein vernünftiger Zusammenhang hergestellt werden konnte, also patscht man eine weiteren Einfall mitten in den Text: Das tut dem Text gar nicht gut, diese Höhle, die eigentlich (!) keine Höhle war. zurück

Eiwei: Die Höhle war also eigentlich keine Höhle, sondern ein Land? Auch noch ein Land, das alle kannten? Wieso nennen sie das dann Höhle? zurück

Schlimm schlimm, jetzt wird noch einmal etwas drangepatscht: Dunkelheit, und niemand hat Licht! Würde man diesen Kälte/Höhlen/Land/Dunkelheit-Klumpatsch einfach streichen – niemand würde das Fehlen bemerken! zurück

Wieso kam der Bär, um zu fressen? Das Tier näherte sich ihm doch von allein: Da musste der Bär nur warten, braucht nicht zu kommen! Und warum näherte sich das Tier? Was wollte es beim Bären? Den Bären um Erlaubnis fragen? zurück

Fein. Sie wurden hungriger. Und wer noch? Der Bär doch nicht, da ist immer einer hingelatscht. Weshalb steht denn da geschrieben, dass auch sie immer hungriger wurden? zurück

Das war vorauszusehen – das sollte eine Fabel werden! Sogar eine mit Moral (was Fabeln eigentlich nicht haben: Diese ist eine Erfindung von Pädagogen aus dem 19. Jahrhundert): Alle sind gleich, auch in einem kalten und dunklen Land, und man sollte die Herrscher besser um Erlaubnis Fragen, ob man essen darf – wenn man nicht fragt, wird man gefressen. Oder so oder wie oder was. zurück

© 2012 by Malte Bremer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

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  1. In eigener Sache: Eine missglückte Textkritik | Bob Blume verlinkte am 23. November 2013 um 14:55 Uhr

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