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Maltes Meinung

Die Textkritik im literaturcafe.de

Bedienungsanleitung: Zunächst sehen Sie den gesamten Text. Anschließend folgen die zusammenfassende Bewertung sowie die Detailkritik. Vom Text aus können Sie durch Anklicken der verlinkten Wörter oder Wortgruppen direkt zu der entsprechenden Detailkritik springen und wieder zurück. Basierend auf dieser Besprechung erhält der Text »Lesebrillen« verliehen, wobei fünf Brillen die beste Wertung darstellen.

Der Rezensent: Malte Bremer, Jahrgang 1947, studierte Germanistik in Freiburg, liest viel, schreibt, (veröffentlicht aber nichts, und wenn, dann nur im literaturcafe.de), misstraut allen Adjektiven, ist Brillenträger und Weintrinker.

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Textkritik vom 31. Dezember 2000 | Textart: Lyrik
Brillen: BrilleBrilleBrilleBrilleBrille

Datenreduktion

von Arnold Piok

Wandlern gleich
ziehen Oszillanten
digitalisierend durch integrierte Schaltungen
und baden
im stockenden Datenfluß.

Resultierend
ist nichts meßbar
als
rechtgeeckte Wechselströme
ohne Ziel und Sinus.

© 2000 by Arnold Piok. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Da haben wir ein kleines, feines Gedichtlein, das allen Computer- und Datenfetischisten ins Stammbuch gehört! Allen Technik-Gläubigen sowieso! Und ganz besonders denjenigen, die ihren Computer denken lassen und glauben, sie seien brillant, weil sie mit einer Clipart Brief oder Homepage verunstalten können; die sind nämlich die penetrantesten Datenfetischisten: die halten alles für gut und richtig und wahr, nur weil es da ist!
Was das mit dem Gedicht zu tun hat? Je nun: ohne Ziel und Sinus halt; es sind Assoziationen, die dieses Gedicht bei mir verursacht. Das Gedicht beginnt so gediegen predigthaft, und nichts kommt dabei raus – das hat eine wunderschöne Fallhöhe!

Die Kritik im Einzelnen

Ich weiß eigentlich nicht so genau, was ein Wandler ist, aber das muss ich auch nicht; mir reicht mein Wissen, dass allerlei gewandelt werden kann: Daten, Spannungen, Strom, Wasser (in Wein); vor allem schätze ich die Assoziation zum Wandern, die sich durch das ziehen noch gewaltig verstärkt!  Das nachgestellte altertümelnde gleich gar schafft halbvergessene Bibelverse ans Tageslicht: … und Jesus wandelte unter ihnen und sprach. Da schleicht sich doch ein Grinsen in mein Antlitz? Fürwahr! zurück
Jetzt jedoch schleicht sich Zweifel ein: sollte ich mich nicht doch um das rechte Verständnis von Wandler bemühen? Hier scheint mir eine unnötige Verdoppelung vorzuliegen: selbstverständlich sind Rechteckschwingungen (schön, dies rechtgeeckte = zurecht gerückte, nicht mehr an-eckende) keine Sinusschwingungen: warum wird das betont? Oder ist das Unwissenheit? Nö: das glaub ich einfach nicht!
Denn: so ganz ohne Ziel und Sinn, so ganz ohne Ziel und Sinnus scheint es mir doch nicht zu sein. schleicht sich da etwa wieder so ein feines Grinsen in mein oberwähntes Antlitz? Wahrlich! zurück

© 2000 by Malte Bremer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.