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Stichwort: Textkritik

Alle Beiträge, die von der literaturcafe.de-Redaktion mit dem Stichwort »Textkritik« versehen wurden.

Beitrag vom 10. April 2013 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: 110 fehlende Leerzeichen

Lautes Lachen, ein rollendes Poltern und Gejohle hörte Anna plötzlich hinter sich. Erschrocken drehte sie sich um. Mindestens fünf Jugendliche auf Inlinern und Skateboards kamen um die Ecke gebraust. Schnell trat sie an die Seite. ›Das sind doch die Kinder aus der Nachbarschaft!‹ dachte sie missmutig. ›Keine Rücksicht nehmen die, auf nichts und niemanden. Frech und Laut, so waren wir früher nicht.‹ Langsam ging sie weiter, dabei stütze sie sich schwer auf ihren Gehstock. Mit der anderen Hand zog sie einen Einkaufs-Trolly hinter sich her. Vom Ziehen tat ihr der Arm nun weh, denn der Supermarkt war ein ganz schönes Stück entfernt. Der Arzt hatte ihr einen Rollator empfohlen, aber so etwas wollte sie nicht. ›Das ist doch nur was für alte Leute‹, das war ihre Meinung dazu. Erneut blieb sie stehen, um etwas zu verschnaufen. Dabei schweifte ihr Blick zur anderen Straßenseite. Ihre Augen wurden mit einem mal groß. Erstaunt sah sie dort eine noch ziemlich junge Frau mit einem … Rollator! »Meine Güte, die ist so jung, und ich habe Angst, alt zu wirken? Ich muss wohl doch noch mal über den Rat des Doktors nachdenken.« Nach diesem Selbstgespräch ging sie mit etwas mehr Schwung weiter. Endlich stand sie vor ihrer Haustür. Seit dem Tod ihres Mannes lebte sie alleine hier.
›Nein, nicht ganz alleine‹ dachte sie lächelnd, als sie die Wohnungstür aufschloss. Ein großer roter Perserkater kam schnurrend auf sie zu und strich um ihre Beine. Der wurde jetzt ausgiebig gestreichelt. Dann erst fing sie an, die Tasche auszupacken. Der Kater war auch nicht mehr jung und ihr ein und alles. »Wir sind ein gutes Team« sagte sie zu ihm. Er miaute, als ob er ihre Worte verstand.

Mit einer Tasse Kaffee setzte sie sich nun auf den großen Balkon. Alles blühte so wunderschön, eine richtige Wohlfühl-Oase war das. Früher hatten sie und ihr Mann am Stadtrand ein kleines Einfamilienhaus mit einem Garten. Aber als sie beide älter wurden, entschlossen sie sich zu dieser Eigentumswohnung. Deshalb legte sie so großen Wert auf die Bepflanzung der Blumenkästen, quasi als Ausgleich zu dem Garten, den sie manchmal vermisste. Wie schön wäre es, wenn ihre Enkel hier mal sitzen würden. Aber die Kinder wohnten weit weg und sie sah sie nur noch selten. War das vielleicht ein Grund für die Abneigung gegen die lärmenden Nachbarskinder? Kinder waren nun mal laut, und man kann sie nicht festbinden und ihnen auch kein Pflaster auf den Mund kleben. Ihre eigenen waren in der Jugend auch nicht anders. Das musste sie ehrlicherweise zugeben. Und wie war sie selbst gewesen? Nun musste Anna doch schmunzeln. Sie war ein ziemlich wildes Mädchen, und das war in ihrer Jugend schon sehr unschicklich gewesen. Sehr oft hatte sie Hausarrest, und auch auf den Po hat es öfter was gegeben. Die Eltern hatten es mit ihr nicht leicht. Sie liebte Kinder und war deshalb auch Lehrerin geworden. Nun war sie schon viele Jahre pensioniert, aber sie dachte gerne an die Schulzeit zurück.

Von draußen hörte sie nun wieder unbeschreiblichen Lärm. Als sie über die Balkonbrüstung schaute, erblickte sie die Jugendlichen von vorhin. ›Aber da weint doch jemand‹ dachte sie und sah genauer hin. Einer der Jungens lag etwas verdreht auf dem Boden und die Freunde standen ziemlich ratlos herum. Jemand rief um Hilfe. Ein anderer meinte: »Meine Eltern sind nicht zu Hause
Anna war nun nicht mehr zu halten. Ohne zu überlegen ergriff sie den Notfallkoffer und rannte zum Fahrstuhl. Durch den Keller des Hauses war sie nach einigen Minuten im Garten.
»Ich wusste gar nicht, das ich noch so schnell laufen kann!« sagte sie zu den Kids. Diese sahen sie erstaunt an. Darum zeigte sie auf ihren Balkon direkt über ihnen: »Da wohne ich, Anna Meyers ist mein Name. Was ist passiert?« Die Jugendlichen erklärten es ihr und fragten sie, ob sie Ärztin wäre. »Nein,« lächelte Anna, »ich war Lehrerin, aber mein Mann war Arzt und ich musste ihm oft helfen
Der junge Mann hatte einige Schürfwunden an Kopf und Knie, und das eine Bein war am Knöchel schon stark geschwollen. Sanft befühlte sie die Stelle. »Es scheint nichts gebrochen, nur verrenkt. Ihr habt doch im Gefrierschrank bestimmt so Eisbeutel, die holt mal und ein Glas Wasser.« Schnell wie der Blitz sauste einer ins Haus. Die anderen standen flüsternd etwas abseits. Scheinbar wussten sie nun wer die alte Dame war. Sehr oft hatten sie sie schon geärgert und beschimpft, wenn sie nicht schnell genug aus dem Wege ging. Und jetzt war sie hier unten und half ihnen, während die anderen, sonst so freundlichen Nachbarn, hinter der Gardine standen und zusahen.
Zu allem Überfluss fing es jetzt an zu regnen. Der Eisbeutel war inzwischen da und sie legte ihn auf den Knöchel. Dann gab sie ihm ein Aspirin gegen die Schmerzen. »Das Bein muss ruhig gehalten werden. Besser wäre es, wenn ihr in die Notaufnahme fahren würdet. Damit er noch mal von einem Arzt untersucht wird. Mehr kann ich für ihn nicht tun.« »Aber wir sind alleine, unsere Eltern sind arbeiten und die Freunde wohnen wo anders. Wie sollen wir da hin kommen?« Anna sah die Jugendlichen prüfend an: »Ich rufe von meiner Wohnung aus einen Krankenwagen an. Einer fährt mit ihm. Die anderen können von mir aus bei mir warten. Natürlich nur, wenn ihr wollt. Zu essen und zu trinken habe ich auch.» Das nahmen sie zögernd an und trugen erst einmal den Verletzten auf die Terrasse.

Als der Freund weg war, standen sie auf der Terrasse herum und schauten zu Annas Balkon hoch. Sie trauten sie nicht, in die Wohnung zu gehen. War das ihr schlechtes Gewissen? Da erschien Annas Kopf über dem Geländer: »Nun kommt schon, der Kakao wird kalt.« Schnell wie der Blitz rannten die Jugendlichen nun hinauf.
In der Wohnung roch es wunderbar nach heißem Kakao. Auf dem Tisch standen Schokokekse und Apfelkuchen.
»Setzt euch und langt zu. Bei soviel Temperament, wie ihr habt, seid ihr bestimmt hungrig, oder?« meinte sie lächelnd. Immer noch waren sie erstaunt über diese alte Dame, die eigentlich keinen Grund hatte ihnen zu helfen. Und das sagten sie dann auch. Und sie entschuldigten sich. Aber davon wollte Anna nichts hören. »Kinder sind nun mal so. Zeitweise habe ich vergessen, wie ich selbst einmal war und auch meine Kinder waren keine Engel. Viele alten Leute vergessen das. Aber ich habe mich, glaube ich, noch rechtzeitig erinnert.« Es entspann sich ein tolles Gespräch. Die Kinder waren froh, das ihnen mal jemand zuhörte. Sie erzählten ihr von ihren Sorgen und Nöten. Anna hatte so manch guten Rat. Plötzlich klingelte es und die beiden Jungens waren wieder da. Auch sie bekamen heißen Kakao und Kuchen. Mit Erstaunen sahen sie, wie gut sich die Freunde inzwischen mit Frau Meyers verstanden. Anna erzählte ihnen Erlebnisse aus ihren Schultagen als Lehrerin und auch von ihren vielen Strafen als Kind. Sie versprach den Jugendlichen immer ein offenes Ohr für sie zu haben. Sie dürften jederzeit zu ihr kommen, auch mit den Hausaufgaben. Allerdings nicht ohne Zustimmung der Eltern. Und so entstand eine wunderbare Freundschaft. Auch die Eltern der Kinder waren begeistert und luden die neue Freundin nun öfter zu sich ein. Kater Oskar war auch sehr angetan, hatte er doch jetzt ganz viele Hände mehr, die ihn streichelten.

© 2012 by Sieglinde Schwierczinski. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung


Eine Erzählung für Kinder mit dicker Moralkeule und überaus kitschigem Schluss.
Unklare räumliche Vorstellungen, seltsame Dialoge, und im Original kaum zumutbar: 110 (!) fehlende Leerzeichen nach Punkt oder Komma mussten ersetzt, 29 fehlende oder falsche Anführungs- bzw. Schlusszeichen sowie 13 falsche Satzzeichen verbessert werden, damit Leser und Leserin dem Text ohne Irritationen folgen kann …

Die Kritik im Einzelnen


Wie kann Anna lautes Lachen von dem viel lauteren Gejohle unterscheiden? Ist das laute Lachen überhaupt wichtig? Rätselhaft auch, warum sie das plötzlich laut hörte: Normalerweise steigert sich die Lautstärke mit der Annäherung der Jugendlichen. Das ist alles ziemlich merkwürdig. zurück

Die Ecke macht das Unverständliche des Anfangs nicht besser, denn diese hält den Schall nicht davon ab, schon vor den Jugendlichen um die Ecke zu witschen! M.a.W: die Ecke darf fehlen!. Erstaunlich, dass Anna sie nicht zählen kann: Dann müssen die Jugendlichen verdammt schnell gewesen sein, denn bis zu sieben Personen erkennt man ohne zu zählen auf einen Blick …
Inliner sind in der Regel ziemlich lautlos, sie verursachen gewiss kein rollendes Poltern – das bleibt den Skatebords mit den kleinen Rädchen vorbehalten.
Ich erlaube mir mal wieder einen Verbesserungsvorschlag zu machen für diesen missglückten Beginn:
Erschrocken trat Anna zur Seite: Mit lauten Gejohle brausten fünf Jugendliche auf Inlinern und lärmenden Skateboards von hinten an ihr vorbei. zurück

Ein Trolly ist eigentlich ein Trolley, zumindest rechtschreibmäßig betrachtet – das hat nichts damit zu tun, dass Trolly sehr wohl im Internet zu finden ist, wie jeder andere Rechtschreibfehler auch. Aber das ist nicht so wichtig: Viel wichtiger ist, dass es nicht um die Entfernung zum Supermarkt geht, sondern um den Weg hin und zurück. Dass ihr der Arm nun weh tat, ist verzichtbar. Und so würde ich das auch schreiben:
Vom Ziehen tat ihr der Arm weh, denn der Weg zum Supermarkt und zurück war weit. zurück

Das das nebst voraus gegangenem Komma darf man getrost streichen! zurück

Warum wohl werden Augen groß? Na? Eben – Anna ist erstaunt! Warum also muss das denn nochmals dem armen Leser um die Ohren geklatscht werden? So muss das heißen:
(…) wurden groß: Eine ziemlich junge Frau mit einem … Rollator! Dass die Madame noch ziemlich jung ist, kann man getrost vergessen, denn niemand ist immer jung, das vergeht, garantiert … zurück

Mit etwas mehr Schwung ist dröger Nominalstil: Wie wäre es mit einem einfachen etwas schwungvoller? zurück

Sowohl hier als auch im folgenden Sätzlein empfehle ich das hochsprachliche allein statt dem umgangssprachlichen Geschnodder alleine. zurück

Nanu? Hat die alte Anna den Trolley verloren? Wo kommt die Tasche her? zurück

Ab hier den Rest des Satzes streichen – denn das sind Standardfloskeln, die man sich schenken kann. Kinder sind nicht doof, die verstehen das Miauen schon ohne diesen Hinweis. zurück

Was soll das denn heißen? Was ist eine großer Balkon? Wie wäre es mit ausladend, geräumig, großzügig bemessen, stattlich? Aber dieses dröge groß? Es ginge ganz ohne ein Adjektiv: Denn dass da viel Platz ist, wird aus der folgenden Wohlfühl-Oase deutlich – was braucht es also mehr? zurück

Klar, ja, ich weiß schon: Normalerweise blühen Pflanzen potthässlich – Anna hingegen liebt & hütet absonderliche Pflanzen, die blühen in echt so wunderschönAlles blühte so wunderschön bitte bitte in den Abfalleimer! Und so zusammen fassen: (…) setzte sie sich nun auf den Balkon: Der war eine richtige Wohlfühl-Oase! Bitte auch die geänderten Satzzeichen beachten, es gibt schließlich weit mehr als Punkt und Komma! zurück

(Stöhn) Es gibt einfach keinen Ausgleich ZU etwas, aber es gibt einen Ausgleich FÜR etwas! zurück

Welche Kinder sind hier gemeint? Die Enkelkinder? Oder Annas eigene mit ihren Kindern? Hieße es ihre Kinder statt die Kinder, wo doch gerade von Enkel die Schreibe war, wäre alles klar, selbst Kinder würden den Satz dann verstehen … zurück

In eigener Sache: Jetzt gibt es nur noch einen Link pro Absatz, sonst sitze ich nächste Woche noch an dieser Besprechung!
Zu Beginn hörte Anna beschreiblichen Lärm – jetzt hört sie wieder unbeschreiblichen Lärm (eiwei …) – und als sie über die Balkonbrüstung blickt, hört sie trotz des unbeschreiblichen Lärms jemanden weinen: Das wird dann wohl eher ein Kreischbrüllen gewesen sein … Auch der Hilferuf und der völlig alberne Satz Meine Eltern sind nicht zu Hause wären in dem unbeschreiblichen Lärmgekreische wohl untergegangen. Und der Genitiv Plural von Junge heißt JungenJungens ist Umgangssprache und damit gewisslich nicht Stil einer pensionierten Lehrerin!
Hätte jedoch vor dem Haus der übliche Kinderlärm stattgefunden und wäre plötzlich abgebrochen, wäre das doch Grund genug gewesen, über die Balkonbrüstung zu schauen, und alles hätte annähernd so sein können – annähernd, denn der alberne Satz kommt später nochmals, da passt er dann auch! zurück

Wenn jemand schwer am Gehstock geht, kann er nicht rennen. Die Äußerung, dass sie selbst nicht wusste, dass sie so schnell rennen könne, entschuldigt das nicht, zumal diese Äußerung in der Situation völlig überflüssig ist. Ebenso ihre Vorstellung. Und dass die Jugendlichen plötzlich Kids heißen, ist nur noch sonderbar. Folgendes bliebe übrig:
Anna war nun nicht mehr zu halten. Ohne zu überlegen ergriff sie den Notfallkoffer und beeilte sich. Zwei Minuten später war sie im Garten. »Was ist passiert?« Die Jugendlichen erklärten es und fragten, ob sie Ärztin wäre. »Nein,« lächelte Anna »ich war Lehrerin, aber mein Mann war Arzt, und ich musste ihm oft helfen.« zurück

Annas Wunsch nach Eisbeutel und Wasser ist höchst umständlich und letztlich unangemessen. Die Floskel schnell wie der Blitz kommt demnächst nochmals und ist fürchterlich breitgetrampelt – soll der eine Bursch doch ins Haus rennen oder in ihm verschwinden (war das der, dessen Eltern nicht zu Hause sind?). Dass die Jungen nicht wussten, wo Anna wohnt, ist unglaubwürdig, es sei denn, der Junge, der ins Haus geblitzt ist, ist gerade erst eingezogen. Die anderen Nachbarn sind also freundlich? Und Anna war immer unfreundlich? Was soll das, es ergibt doch keinen vernünftigen Sinn! Außerdem frage ich mich: Wo ist eigentlich das Weinen des Jungen geblieben? Und hat er eigentlich Schmerzen? Darüber zu befinden ist aber nicht meine Aufgabe! Übrig bliebe:
Der junge Mann hatte einige Schürfwunden an Kopf und Knie, und das eine Bein war am Knöchel schon stark geschwollen. Sanft befühlte sie die Stelle. »Es scheint nichts gebrochen, nur verrenkt. Ich brauche einen Eisbeutel und ein Glas Wasser.« Einer verschwand im Haus. Die anderen standen flüsternd etwas abseits. Sie kannten die alte Dame. Oft hatten sie sie schon geärgert und beschimpft, wenn sie nicht schnell genug aus dem Wege ging. Und jetzt war sie hier unten und half ihnen, während die anderen Nachbarn hinter der Gardine standen und zusahen. zurück

Den Regen kann man sich sparen, er hat keinerlei Bedeutung für den Fortgang der Handlung. Man hätte genau so gut schreiben können, zu allem Überfluss sei in Indien ein Sack Reis umgefallen. Warum hat der Eisbeutel eigentlich Schmerzen und bekommt Aspirin, während der Junge leer ausgeht? Das zumindest sagt die Satzkonstruktion aus, denn das ihm bezieht sich sprachlogischerweise auf das Subjekt des vorangegangenen Satzes (sollte der Knöchel das Aspirin bekommen, müsste es diesem heißen – der Junge hingegen fehlt völlig. Vermutlich war das Glas Wasser noch unterwegs, angekommen ist es ja nicht im Gegensatz zum Eisbeutel. Warum Anna aber überhaupt Aspirin verabreicht, ist unverständlich: Weder den Jungen noch den Eisbeutel hat sie danach gefragt. Damit aber nicht genug: Wie sollen denn bitte die Jungen den Verletzten ins Krankenhaus befördern? Und wieso schaut Anna die Jugendlichen prüfend an? Und warum tragen sie den Jungen auf die Terrasse – und auf welche? Wo kommt die her? Der Junge liegt doch im Garten, wenn ich mich recht erinnere … Vorschlag:
Der Eisbeutel und Wasser waren inzwischen angekommen. Sie legte ihn auf den Knöchel. Dann gab sie ihm ein Aspirin gegen die Schmerzen. »Das Bein muss ruhig gehalten werden. Er muss noch mal von einem Arzt untersucht werden. Ich rufe gleich einen Krankenwagen. Einer bleibt bei ihm. Die anderen können von mir aus bei mir warten. Ich wohne im dritten Stock. Natürlich nur, wenn ihr wollt. Zu essen und zu trinken habe ich auchzurück

Die Terrasse und den Regen hatte ich entfernt – Es wäre ja auch doof von den Jugendlichen, auf einer Terrasse zu stehen, wenn es regnet – denn was wäre da der Vorteil? Und sollte es sich um eine überdachte Terrasse handeln, könnten sie nicht von da aus zu Annas Balkon hoch schauen. Da stimmt was Gehöriges nicht. Zudem kommt der angekündigte Blitz … Übrig bliebe:
Als der Freund weg war, schauten zu Annas Balkon hoch. Sie trauten sich nicht, in die Wohnung zu gehen. War das ihr schlechtes Gewissen? Da erschien Annas Kopf über dem Geländer: »Nun kommt schon, der Kakao wird kalt.« zurück

Ja, ja, wundaba … hatten wir doch schon … roch wunderbar (schauder): Wie wäre es mit einem schlichten duftete OHNE riechen und wunderbar? SO EINFACH kann Schreiben sein, wenn man sich nur an die herrlichen Verben zu erinnern bemüht: Die Wohnung duftete nach heißem Kakao. zurück

An diesem Teilstück stört mich lediglich Zeitweise habe ich vergessen – es ist ihr doch gerade erst passiert, und das ist doch nicht Zeitweise, sondern manchmal! Ich würde vorschlagen Manchmal vergesse ich (…) zurück

Und jetzt kommt die Moralkeule … beim letzten Link hätte diese Erzählung enden können: Anna hat eine Verbindung hergestellt, die Jugendlichen sind gekommen. Alles Weitere ist überflüssig. Stattdessen wird jetzt ein superkitschiges Happyend konstruiert nach dem Motto: Seid lieb zu den Alten, denn dann geht es euch prima! Diese Verbrüderung ist schlichtweg peinlich! Jedes Kind, das zugehört oder gelesen hätte, kann allein weiter denken, vielleicht entstehen fruchtbare Gespräche, aber ein solch zuckersüßes Ende macht die Erzählung unglaubwürdig, weil sie so tut, als müsste es so sein. Solche Moral sollte Märchen vorbehalten bleiben, wo die Kleinen und Schwachen und Unterdrückten gewinnen – aber in Erzählungen haben sie nichts zu suchen, damit macht man alles kaputt! zurück

Beitrag vom 11. Februar 2013 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Liebe in Gruben und Gräben

»Im Wesen nichts Neues«, bemerkst du, Marie,
und legst diesen Blick in mein Bett, dass ich denke,
den Schinken aufs Kissen, das Wissen, Marie,
dass Krieg ist, und du mir und ich dir nichts schenke.

Wir leiern uns alt und wir lauern, Marie,
in Gräben hier nebeneinander und staken
im Grund auf der Suche nach Schwäche, Marie,
und treffen uns nachts in den Gruben der Laken.

© 2012 by Volker Weist. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Ein überaus bemerkenswertes Gedicht!
Das Spiel mit Erich Maria Remarques immer noch verstörenden Anti-Kriegs-Roman »Im Westen nichts Neues« ist inhaltlich und formal überaus gelungen: Reime, Versmaß, Aufbau: alles vom Feinsten! Der durchgängig sauber verwendete Amphibrachus als Metrum, das Spiel mit dem Titel: Westen – Wesen, dann leiern – lauern, die Folge Gräben – Grund – Gruben: Alles kompakt! Und: Man darf sich seine eigenen Gedanken machen, nichts wird einem übergestülpt!

Indem der männliche »Maria« in eine Marie verwandelt wird, spielt das Gedicht auf die bekannten situativen homosexuellen Notbeziehungen an (z.B. in Gefängnissen oder eben bei Soldaten im Feld) – aber Liebe funktioniert nicht in den Gräben, trotz der Gruben der Laken. Seltsamerweise fiel mir nach dem Lesen aber auch noch Bertolt Brechts Gedicht »Erinnerung an die Marie A.« ein, das jedoch nichts mit Krieg zu tun hat! Bei Brechts Gedicht spielt die weiße Wolke ganz weit oben eine Hauptrolle, hier sind es Gräben, Grund und Gruben … ist es dieser Gegensatz?

Bedauerlich ist, dass ich nicht mehr als 5 Punkte vergeben kann …

Die Kritik im Einzelnen

entfällt

Beitrag vom 5. Januar 2013 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Das Bild hängt schief

Die Sonne schenkt ein strahlend Kleid der Erde
und breitet es auf großen Feldern aus.
Der späte Raps lässt alle Fluren leuchten,
die Augen laben sich an diesem Schmaus.

Der gelbe Traum, er lässt einfach nicht los.
Ich möchte hier mein Menschsein überwinden
und einfach fliegen über diesen Gründen,
die mich so locken in den gelben Schoß.

© 2012 by Renate Tank. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Handwerklich sauber, inhaltlich schief.
Da kann jemand reimen und weiß auch mit dem Metrum umzugehen. Aber inhaltlich und sprachlich holpert es heftig – aber es ist auch schwer, noch Naturgedichte zu ersinnen, die neue Sichtweisen ermöglichen: Dieses Feld ist gründlich abgeerntet!

Die Kritik im Einzelnen

Das nennt man »schiefes Bild«: Wenn die Sonne der Erde ein strahlendes Kleid schenkt, dann müsste dieses Kleid Tag und Nacht strahlen, somit gäbe es keinen Tag mehr, da es keine Nacht mehr gäbe, die Wörter hätten ihren Sinn verloren, die Erde würde ja quasi selbst zur Sonne! Nun gut, mag man einwenden: Die Erde zieht das Kleid ja gar nicht an, sondern die Sonne breitet es aus auf großen Feldern – was immer auch ein großes Feld sein mag: Sind hundert Hektar groß genug, um den Ehrentitel großes Feld verpasst zu bekommen? Ach so, groß sind sie erst ab 112 … Nun ja, da habe ich mich getäuscht! Darf es auch eine Menge kleiner Felder sein, oder haben die keinen Anspruch auf das radioaktive Kleid? Aha, keinen Anspruch … na, meinetwegen.

So viel zu dem hilflos stümpernden Adjektiv groß. Damit sind das radioaktiv verseuchte Kleid und das Geschenk aber noch nicht gerettet! Vorschlag: Belassen wir doch der Sonne ihr Strahlenkleid, man muss nicht alles neu erfinden – das Wort strahlend hingegen hat spätestens seit Fokushima eine fiese Nebenbedeutung! Wie wäre es z. B. so:

Die Sonne senkt ihr Strahlenkleid zur Erde
und breitet es mit weiten Schwüngen aus.

Bevor jemand laut meckert: Ich bin mit der zweiten Zeile überhaupt nicht zufrieden, habe aber keine Lust, mir darüber Gedanken zu machen – das Verfassen von Naturgedichten ist nicht mein Metier. Hauptsache, die großen Felder sind eliminiert! zurück

Ja da schau her: Die Sonne hat ein strahlendes Kleid auf einem Dingsbums-Feld ausgebreitet, und jetzt lässt der späte Raps alle Fluren leuchten? Haben die Strahlungen des Kleides ihn etwa radioaktiv verseucht, so dass er stellvertretend zu ihm leuchten lässt alle Fluren – also alle nutzbaren Feldflächen?– Das wäre gewiss eine stattliche Menge! Warum muss es denn immer so gewaltig und groß sein? Alle Fluren? Ist 1 nicht genug? Das passiert wohl, wenn des Metrums oder des Reimes wegen gedankenlos Adjektive reingestopft werden, die halt irgendwie passen.

Jetzt wird der gute alte Augenschmaus getrennt und auf Schmaus mit laben noch einer draufgesetzt: Egal welcher Schmaus, da gehört sich laben einfach automatisch dazu, da muss nicht nochmals drauf gepocht werden. Wobei die Vorstellung von genüsslich schmatzenden Augen auch was für sich hat …

Von mir aus dürfen sich die Augen an diesem Schmaus weiden. Aber das macht die missglückte erste Strophe kaum besser. zurück

An dieser Strophe lässt sich nicht viel aussetzen – bis auf die Frage, warum das lyrische ich über diesen Abgründen fliegen möchte, wo der der gelbe Schoß so lockt: Was hindert es denn daran, hinein zu gehen und zu genießen? Warum muss hier das herrliche Menschsein so mühselig überwunden werden? zurück

Beitrag vom 13. Dezember 2012 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Wenn der Frost nach Sommer schmeckt

1
Riechst du es? Im Herbst kochen die Frauen
Apfelmus ein. Es wärmt bis zum
Nächsten Frühjahr ihnen die Bäuche von
Innen. Selbst der Frost
Schmeckt damit nach Sommer.

2
Der Blick von der Burg reicht in die Hinterhöfe, in denen die Tage wie Scheite gestapelt liegen.
Aus den Gärten riecht es nach Grillkohle und Petersilie und Wäsche, die Stimmen der Alten klingen laut über die Hecken, und der Wetterhahn zeigt niemals nach Westen, weil ihm ein Arm fehlt.
Ich denke mit den Fingerspitzen auf Mauersteinen; Namen wie Basalt, Ammonith und Porphyr scheinen flüchtig auf, und ich kann sie nicht zuordnen, wie auch Ulme, Erle und Pappel nur Worte sind. Was ich sehe, sind Mauersteine und Laubbäume, und ich denke, wenn ich zwischen der Wäsche, dem Wetterhahn und den Alten geboren wäre, wüsste ich mehr.

3
Zwischen diesen Halmen habe ich nicht gesessen seit jenem ersten Jahr, als die Stammtische noch keine Gesichter hatten und das Schnauben der Pferde mein städtisches Ohr erschreckte. In den Sommern las ich Spuren auf den geteerten Straßen und senkte meine Zehen in die gemalte Landschaft. Hier ist der Himmel stets blau und manchmal eine Lüge; mit der Uhr am Handgelenk bestimme ich die tatsächlichen Sonnentage, lese sie ab an der wintergebliebenen Haut unterm Gehäuse.
Mit den Füßen schreibe ich Zeichen ins Gras beim Feuer, das ist für die Kinder, und Hände tragen die Wörter zu mir, während am Bogen meines Daumens die Sonne aufgeht.

4
Ich sortiere die Wäsche und sammle: aus den aufgekrempelten Hosenbeinen Blätter und Steinchen, aus dem Hemdtaschen Bleistifte, vom Mantelkragen Altweiberhaar.
Ich sammle, und lege: über den Ginster das Haar, die Bleistifte neben das Telefon, die Blätter auf die Schwelle, die Steinchen ins Fenster.
Ich mache die Wäsche und gieße die Blumen. Spüle den Milchtopf aus. Hänge das Geschirrtuch über die Stuhllehne. Seit ich zurück bin, atme ich flacher. Also halte ich still jetzt, die Hände, die Füße, den Kopf.

© 2012 by Kati Fränzel. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Ein wunderbarer Text!
Man wird förmlich hineingesaugt in die Stimmung durch Sprache und Rhythmus, und am Schluss hält man ebenfalls still und rätselt darüber, was einem gerade widerfahren ist. Das ist eigentlich mehr wert als 5 Brillen … Chapeau!

Die Kritik im Einzelnen

Die Eingangsfrage richtet sich an den Leser, sozusagen einen Ortsunkundigen – oder spricht hier der Erzähler mit sich selbst? Dieses Gedicht in freien Rhythmen umfasst Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken, alle vier Jahreszeiten, und analog zu diesen treibt das Gedicht dank der Enjambements zügig voran: Kurz, konzentriert, knapp: vorbildlich! zurück

Da der folgende Irrealis wäre von Haus aus zeigt, dass darüber nachgedacht wurde, ist die Floskel ich denke überflüssig. zurück

Hier werden erneut die Sinne angesprochen: Sehen, Riechen, Hören – und Fühlen, was hier als denke[n] mit den Fingerspitzen auf den Mauersteinen beschrieben wird, überraschend, aber logisch: Der Tastsinn verrät dem Ortskundigen mehr als eine wissenschaftlich Beschreibung der Stein- und Baumsorten. Zudem wird hier erstmals deutlich, dass der Erzähler kein von Haus aus Ortskundiger ist, sondern sich das erarbeiten musste. Sprachlich einfach überzeugend. zurück

Ich möchte nicht weiter auf diesen Abschnitt eingehen als: Was hier durch die lyrische Sprache an Stimmung erzeugt wird von heimelig über befremdlich bis wehmütig-resignierend, das ist einfach großartig! zurück

Ortskunde im kleinen – alles hat seinen Platz, aber es ist eng daheim, denn der Atem geht flacher. Verschiedene Orte galt es zu erkunden, den großen realen, den der Erinnerung und die kleine eigene Burg. zurück

Beitrag vom 25. September 2012 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Fabelhaft missglückt

Alle wussten sie es. Alle glaubten daran. Doch es gab, eigentlich, niemanden, der es schaffte, es zu tun. Dabei wäre es so einfach gewesen. Man musste, und dass wussten alle, nur den Bären um Erlaubnis fragen. Doch das war nicht so einfach. Der Bär konnte ja schlafen. Oder aber, wenn man ihn anträfe, würde er eine andere Sprache sprechen als man selbst. Und dabei wusste niemand, ob der Bär überhaupt sprechen konnte. Es gab entsprechend viele Gerüchte. Denn das war es ja, was alle wollten. Mit dem Bären sprechen, ihn um Erlaubnis fragen. Doch es war zu schwer. Außerdem war es ja zu kalt in der Höhle, die eigentlich gar keine war. Sie war ein ganz anderes Land, das alle kannten. Und dann war da ja noch die Dunkelheit und natürlich hatte keiner Licht. So vergingen die Jahre und keiner wusste, ob der Bär Erlaubnis geben würde. Immer wenn der Bär kam ein Tier zu fressen, das unvorsichtig genug war, sich ihm zu nähern, waren alle ruhig. Und auch sie wurden immer hungriger, denn sie hatten nicht um die Erlaubnis gefragt zu essen. Alle waren sie tot, bevor sie erkennen konnten, dass auch sie Bären waren.

© by Bob Blume. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Eine sehr missglückte Fabel

Da wird zu viel angedeutet und verklausuliert, als dass sie noch aufklärerisch bzw. politisch wirken könnte; das ist auch sehr schwer in einer Demokratie, denn dort BRAUCHT man keine Fabeln, da wir Meinungsfreiheit haben. Fabeln gedeihen prächtig in Diktaturen jeder Couleur!

Die Kritik im Einzelnen

Entweder glaubten sie daran oder sie wussten es – denn glauben bedeutet schließlich nicht wissen: Ich empfehle hier wissen (auch wenn Glauben durchaus auch zu dummen Handlungen führen kann …) zurück

Da es tatsächlich niemand schaffte, ist eigentlich hier falsch, denn es suggeriert, dass es doch jemand schaffte! Es zu tun wäre ebenfalls verzichtbar: Doch es gab niemanden, der es schaffte. zurück

Hier müsste die Unsicherheit durch den Konjunktiv könnte ausgedrückt werden – analog zu den folgenden! zurück

Warum wird jetzt die umgangssprachliche Hilfskonstruktion würde sprechen gewählt statt das einfache spräche? zurück

Wie viele Gerüchte sind es denn, dass hier viele so betont werden muss? Reichen nicht einfache Gerüchte? Nur zwei Vermutungen sind genannt worden, die reichen doch aus, um ein Ansprechen zu verhindern … zurück

Dieser Satz ist missverständlich, denn inhaltlich bezieht sich das auf die Gerüchte des vorigen Satzes: Alle wollten Gerüchte! Dieses Missverständnis ließe sich ganz einfach beheben, wenn dieser Satz mit einem Doppelpunkt endete: Der wäre der Hinweis darauf, dass das das erst im Folgenden erläutert würde. zurück

Jetzt wird es kritisch: Bereits Außerdem zeigt an, dass hier kein vernünftiger Zusammenhang hergestellt werden konnte, also patscht man eine weiteren Einfall mitten in den Text: Das tut dem Text gar nicht gut, diese Höhle, die eigentlich (!) keine Höhle war. zurück

Eiwei: Die Höhle war also eigentlich keine Höhle, sondern ein Land? Auch noch ein Land, das alle kannten? Wieso nennen sie das dann Höhle? zurück

Schlimm schlimm, jetzt wird noch einmal etwas drangepatscht: Dunkelheit, und niemand hat Licht! Würde man diesen Kälte/Höhlen/Land/Dunkelheit-Klumpatsch einfach streichen – niemand würde das Fehlen bemerken! zurück

Wieso kam der Bär, um zu fressen? Das Tier näherte sich ihm doch von allein: Da musste der Bär nur warten, braucht nicht zu kommen! Und warum näherte sich das Tier? Was wollte es beim Bären? Den Bären um Erlaubnis fragen? zurück

Fein. Sie wurden hungriger. Und wer noch? Der Bär doch nicht, da ist immer einer hingelatscht. Weshalb steht denn da geschrieben, dass auch sie immer hungriger wurden? zurück

Das war vorauszusehen – das sollte eine Fabel werden! Sogar eine mit Moral (was Fabeln eigentlich nicht haben: Diese ist eine Erfindung von Pädagogen aus dem 19. Jahrhundert): Alle sind gleich, auch in einem kalten und dunklen Land, und man sollte die Herrscher besser um Erlaubnis Fragen, ob man essen darf – wenn man nicht fragt, wird man gefressen. Oder so oder wie oder was. zurück

Beitrag vom 29. August 2012 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Lockende Locken vor Lok

Locken in den Händen. »Wer bist du?« »Weiß nicht. Ist das wichtig?« »Weiß nicht.« »Wer bist du?« »Weiß nicht.« Kopfhaut unter Fingerspitzen. »Wo bist du?« »Hier.« »Bleibst du?« »Soll ich?« »Ich will.« »Ich auch

Lippen auf der Stirn. »Ich muss.« Blinzeln. »Ich auch.« »Musst du?« »Weiß nicht. Muss ich?« »Weiß nicht. Bleib.« »Ja?« »Ja.« Lippen am Ohr. »Ich muss.« Hand an den Lippen. »Wo bist du?« »Hier.« »Und gleich?« »Gegenüber.« Lippen. »Wer bist du?« »Weiß nicht. Wer bist du?« »Weiß nicht. Ist das wichtig?« »Weiß nicht.« Ohr an den Lippen. »Ich will.« Lippen am Ohr. »Ich auch.«

Gegenüber. Menschen. Sonntag. Gespräche. Locken. Kaffee dampft ins Gesicht. Wasserglas fängt Sonnenstrahlen. Locken. Sonne tanzt im Wein. Große Zeitung. Locken.

Gegenüber. Menschen. Kaffee. Kuchen. »Ich muss.« »Ich auch.« »Wohin?« »Weiß nicht. Mit dir?« »Ja.« »Ich will.« »Ich auch.«

Park. Fußbälle. Kinderräder. Hunde. Hand in Hand. »Paul.« »Anna-Sophie.« »Ist das wichtig?« »Weiß nicht.« »Ich will.« »Ich auch.«

Bahnhof. Koffer. Hand neben Hand. »Ich muss.« »Ich weiß.« »Soll ich?« »Ja. Bald.« »Ich will.« »Ich auch.«

Bahnhof. Rolltreppen. Menschen. Koffer. Mantel über Hand. Textnachricht. »Zinnober?« Antwort. »Purpur?« Textnachricht. »Ich will.« Antwort. »Ich auch.«

© 2012 by Marcus Pauli. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Raffiniert komponierte Kurzliebesgeschichte!

Mit sehr leichten formalen Schwächen zwar, aber dermaßen reduziert und eigentlich nichtssagend – und doch alles sagend: Das zaubert ein Schmunzeln ins Gesicht!

Die Kritik im Einzelnen

Ich empfehle aus formalen Gründen, in diesem sehr komprimierten Text nicht mehr als 3 Wörter am Stück zu verwenden – das ist möglich und stört das Verständnis überhaupt nicht: Locken in Händen. zurück

Spannend: Locken sie sich? Die Überschrift ist mehrdeutig. Frage: Sind die beiden blind? Ist es Nacht? Egal: Hauptsache, zwei treffen sich: Prima! zurück

Das Gleiche gilt hier: Lippen auf Stirn genügt! zurück

Und noch mal: Hand an Lippen reicht aus! Auch beim folgenden: Ohr an Lippenzurück

Ich würde die Beobachtungen auf 1 Wort reduzieren, um sie formal vollständig von den Berührungen und den Dialogen zu trennen! Das könnte dann so aussehen:
Gegenüber. Menschen. Sonntag. Gespräche. Locken. Kaffeedampf. Wasserglas. Sonnenstrahlen. Locken. Wein. Zeitung. Locken.
Durch das dreimalige Einstreuen von Locken wird das gemeinsame Kaffetrinken zu einer richtigen Handlung: Einfachst gelöst!  zurück

Mantel über Hand streichen: Das ist keine Berührung mehr und sollte deshalb entfernt werden. Schon das vorangegangene Hand neben Hand deutet ja die Trennung an: Ob sich dabei die Hände gerade noch berühren oder schon nicht mehr, bleibt der Vorstellung des Lesers beiderlei Geschlechts überlassen. zurück

Beitrag vom 11. Mai 2012 | Rubrik: Textkritik

Drama mit dem Drama: Es gibt zu tun in Hülle und Fülle

N: (rülpst) Ich habe mich wieder überfressen.

Z: Wenn du unglücklich bist, solltest du lieber hungern. Sonst sieht es nur erbärmlich aus, aber zum Erbarmen reicht das nicht. (ein bisschen mitleidig, ein bisschen verächtlich)

N: Wenn mein Liebster
Wüsste, wie ich bin,
wenn ich nicht seins bin,
und in seinen Armen nicht meins.

A: Ein bisschen kümmerlich, aber immerhin empfindsam. Poesie ist aber nicht, wenn man mit Rotwein im Blut Jammereien von sich gibt.

Z: Sie glaubt es aber wirklich. Und ich dachte, so etwas ist heute Sache der Katholiken.

N: (sinnend) Ob ich wohl bald Stimmen höre? Dass endlich überhaupt etwas passiert.

A: Will sie uns beleidigen?

Z: Na, so wie du aussiehst, wird sich ja wohl kaum jemand anderes mit dir abgeben.

(N richtet sich trübselig auf, geht zum Bett und lässt sich fallen, A piekst ihr beim Gehen in den Bauch und in den Po, Z schnippst mit dem Finger über ihr Kinn)

Z: (lacht) Nicht so eilig! So wie du wackelst, könntest du jeden Moment einstürzen!

A: Sie ist nicht, sie wabert. Ihre Schenkel sind haarig, fleckig, picklig, dellig. Unnütze Haut, alles an ihr. Sie sollte Sport machen, sie sollte einfach weniger werden. Man kann ja kaum ihr Geschlecht erkennen, wenn sie sitzt.

N: Ich glaube, draußen ist Revolution. (geht zum Fenster) Doch nicht.

© 2012 by Julian Staff. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung


Ein sehr missglückter Dramenbeginn
Theatertexte haben ihre eigenen Gesetze: Es gibt zu tun in Hülle und Fülle!

Die Kritik im Einzelnen


Es handelt sich um den Beginn eines Dramas. Nun ist es bei modernen Dramen zwar nicht unüblich, dass auf die Angabe von Ort, Zeit sowie Personen verzichtet wird. Allerdings wäre es in diesem Fall wohl sinnvoll, das zu ergänzen, damit einem Leser die äußeren Umstände klar werden: Was ist das für ein Raum? Schlafzimmer, Küche oder Garage? Sitzen die Personen auf Stühlen oder auf dem Boden usw. Es geht dabei nicht um Details, sondern nur um eine grobe Orientierung!
Textproduzentinnen beiderlei Geschlechts sollten selbstverständlich ganz genaue Vorstellungen haben von diesen Umständen, damit Drama funktionieren kann!
(Allerdings kenne ich den Romannicht, von dem wohl der Titel  stammt – vielleicht wäre dann ja alles klarer? Doch sollte niemand, der schreibt, davon ausgehen, dass alle das Gleiche gelesen haben wie man selbst.) zurück

Hier tummelt sich ein Hauptproblem: Welche Regieanweisungen sind hilfreich, welche überflüssig? Und wie verhalten sie sich zum Text? Da N zu Beginn rülpst, könnte man den nachfolgenden Satz einfach streichen, denn der Zuschauer sieht ja die dicke Frau und hört das Rülpsen: Wozu also diese Rechtfertigung? Andererseits könnte auch auf die Anweisung rülpst verzichtet werden: Dann könnte die Schauspielerin sich entscheiden, ob sie von einem überladenen Teller essend sitzt oder z. B. aufstößt oder eine entsprechende Bewegung mit der Faust aufs Brustbein macht oder oder oder … zurück

Sinnvollerweise sollte diese Regieanweisung am Anfang stehen – wenn sie denn notwendig ist ich glaube das nicht, denn der Sprachstil wird aus dem schönen Wortspiel erbärmlich-Erbarmen schon allein deutlich. Zudem wird hier wiederholt, dass es ums Essen geht: Damit gäbe es noch ein Argument, warum der vorangegangene Satz bzw. die Regieanweisung überflüssig wären! zurück

A hat Recht: Das Gedicht ist inhaltlich schlecht: seins und meins gibt keine Auskunft darüber, wie jemand ist, sondern was! Dann müsste es sein und mein heißen.
Völlig überflüssiger Weise handelt es sich jedoch auch sichtbar um ein schlechtes Gedicht: Dabei bekommt es ein Zuschauer gar nicht zu sehen! Es wäre problemlos möglich, JEDEN Vers mit Großbuchstaben beginnen zu lassen (oder NUR den ersten), Seins und Meins groß zu schreiben und am Ende des dritten Verses das Komma zu streichen! zurück

Sprachlich behagt mir »Jammereien von sich gibt« so gar nicht, da es im Nominalstil vor sich hin stelzt: Warum nicht das klare »vor sich hin jammert«? Wir haben so wunderbare Verben! Aber inhaltlich hat A meine volle … (Erwischt! Das kommt davon, wenn man dieses Politikergesabbel in den Nachrichten anhören muss … nochmals von vorne:)  Aber inhaltlich unterstütze ich A aus leidiger Erfahrung: Allein diese Flut von Weltschmerz auskotzenden Jammergedichten, die eine öffentliche Besprechung wünschen und mir den Rechner zumüllen … Da nützt es gar nichts, ab und zu eines in die Pfanne zu hauen: Denn wer solche Gedichte schreibt, der liest nicht. zurück

Ich verstehe nur Flugzhafen (mal was anderes als der doofe Bahnhof): Was glaubt N wirklich? Dass sie nicht weiß, wie sie ist? Und das sei heute Sache der Katholiken, nicht zu wissen wie sie sind, damals jedoch wussten sie es noch? Rätsel über Rätsel … Nicht einmal Verbesserungen kann ich vorschlagen (klingt doch echt besser als »[…] Verbesserungsvorschläge kann ich machen«), da ich schlicht nichts dieser Äußerung begreife! zurück

Die Regieanweisung sinnend ist überflüssig, denn das Sinnen zeigt bereits die indirekte Frage! Aus dass würde ich damit machen, um die Absicht zu verdeutlichen, und am Ende ein Fragezeichen setzen, damit die Äußerung die indirekte Frage weiter führt. zurück

Da mir die Situation nicht klar ist, weiß ich nicht genau, an welches Du sich Z wendet: An A, da A ja direkt zuvor mit Z über N gesprochen hat? Oder an N? Beides ist möglich. In Dramentexten fände man hinter Z um der Klarheit willen eine Regieanweisung (zu A) bzw. (zu N). zurück

Allerhöchst verwirrend, diese Regieanweisung: N geht zum Bett (Aha: Schlafzimmer? Obdachlosenasyl? Bettenladen? Darum wäre eine Ortsbenennung zu Beginn so wichtig!) und lässt sich fallen: Ins Bett? Vors? Nebens? Aufs? Sitzt sie? Liegt sie? Bäuchlings? Rücklings? Seitlich? Und wieso richtet sie sich auf, wo befand sie sich denn zuvor? Lag sie auf dem Boden? Dass sie sich trübselig aufrichtet, sagt mir gar nichts: trübselig ist keine Aufrichtungsart. Und wohin geht A? Und wieso ist wichtig, ob er beim Gehen oder Stehen oder Sitzen piekst? Und wie kann er ihren Bauch und Po gleichzeitig pieksen, wenn N doch so umfangreich ist? Hüpft er vielleicht er neben ihr her? Oder geht N an A vorbei auf dem Weg zum Bett (Warum geht sie überhaupt an A vorbei? Oder verstellt A ihr den Weg?)? Und wie kann man jemandem mit dem Finger über das Kinn schnipsen (mit einem p)? Man kann daran zupfen, darüber streichen, es stupsen und oder vor/unter/neben dem Kinn mit den Fingern schnipsen – aber wie um Himmelswillen schnipst man mit 1 Finger? Das erinnert mich an diese berühmte Aufgabe für einen Schüler des Zen-Buddhismus: »Lausche auf das Klatschen einer Hand«. So erfüllen Regieanweisungen niemals ihren Zweck! zurück

Jetzt wird es völlig kurios: N befindet sich doch laut Regieanweisung bereits im/nebem/unterm/vorm Bett: Wie kann sie da einstürzen??? Oder sagt Z das, während N zum Bett geht? Dann – ja dann müsste die Regieanweisung aufgeteilt werden, damit sich eine vernünftige Reihenfolge ergibt … ich versuchs mal (reibt sich die Augen, richtet sich auf, seufzt ausgiebig, lockert die Finger, grübelt, schüttelt den Kopf, kopiert wirre Regieanweisung nebst Zetts Satz in das Dokument und legt los):

N: (steht auf, will an A und Z vorbei zum Bett)
A: (piekst ihr in Bauch und Po)
Z: (schnipst gegen ihr Kinn, lacht) Nicht so eilig! So wie du schwabbelst, könntest du jeden Moment einstürzen!
N: (lässt sich aufs Bett fallen)

Bei der Gelegenheit habe ich das unpassende wackelst (N ist kein starres Gebilde) sowie das Einfingerschnipsen gleich mit bereinigt – wenn schon, denn schon! zurück

Oha: N ist nicht! Das duftet schwer nach tiefenphilosophischem Auswurf, denn damit wird Ns umfangreiche Existenz verneint. Trotz derer Nichtexistenz folgt aber eine detaillierte Beschreibung der Schenkel  die also sind, existieren außerhalb von N?
Selbst wenn N wäre, fragt sich, aus welchem Grund und mit welcher Absicht ihre Schenkel eigentlich so beschrieben werden: Ist da sonst nichts zu sehen? Was hat der Zuschauer davon? Sieht er diese Person denn nicht (Vergaß: Die Person existiert ja gar nicht …)? Wieso ist die Haut unnütz? Der Zuschauer sieht diese Person – ihm muss man keine Abscheu einreden – die entwickelt sich ganz von selbst, sofern der Maskenbildner was taugt!
Von diesem Geschwätz würde ich nur Folgendes übrig lassen: »Sie sollte einfach weniger werden. Man kann ja kaum ihr Geschlecht erkennen, wenn sie sitztzurück

Beitrag vom 16. April 2012 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Innenhof der Bibliothek mit wenigen überflüssigen Wörtern

graue Pflastersteine im Geviert
in der Nessel die Hummel
die Vergissmeinnicht
leuchten blau

dicke Buchsbaumkugeln
am Pflasterweg
das Steintier, gekrönt,
frisst die Mondsichel

im Viereck der Häuser
schläft der Sonnenschirm
aus uralten Fenstern
schauen die Bücher

© 2012 by Gabriele Knoten. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Feines Simmungsbild

mit wenigen überflüssigen Wörtern

Die Kritik im Einzelnen

Dass Vergissmeinnicht in Blautönen leuchten, ist trivial, da redundant wie kalter Schnee oder grünes Gras. Ich würde sie einfach nur leuchten lassen und zudem den bestimmten Artikel entfernen: Bei der Nessel leuchtet dieser ein, da es sich offenbar um eine Nessel handelt, in der eine Hummel zugange ist – dadurch werden beide zu etwas Besonderem. Problem: Dann würde eine Zeile wegfallen, es sei denn, man verteilt Vergissmeinnicht leuchten auf zwei Zeilen. zurück

Auch hier ist das dick bei den Buchsbaumkugeln eines dieser völlig nichtssagenden Adjektive: Wer bei Buchsbaumkugel nicht automatisch an dick denkt, weiß entweder nicht, was ein Buchsbaum ist, oder – ganz doll schlimm – was eine Kugel ist … zurück

Beitrag vom 2. April 2012 | Rubrik: Notizen, Schreiben

Kritikerkritik: »Was fällt dem selbsternannten Kritiker eigentlich ein?«

KritikkritikErscheint wieder mal eine harsche Textkritik im literaturcafe.de, folgt fast standardmäßig mindestens ein Aufheulen per E-Mail an die Redaktion nach dem Motto, wer denn dieser »selbsternannte Kritiker« eigentlich sei, was der denn geleistet habe, damit man auch auf ihm herumhacken kann als Kritikerkritiker, der man so gerne wäre … (vermutlich ebenfalls selbsternannt – geht ja auch gar nichts anders): Schließlich weiß man Bescheid und findet gut.

Dabei werden nicht der Text oder die Argumente des Kritikers kritisiert, sondern der Kritiker selbst angegriffen – ad personam heißt der Fachbegriff für diese Unsitte, die auch bei Politikern verbreitet ist: Mache den Gegner schlecht, dann kann das, was er von sich gibt, auch nur schlecht sein.

Es ist müßig, jedes Mal darauf zu antworten, denn die Vorwürfe sind immer die gleichen – deswegen dieser Beitrag.

Beitrag vom 12. März 2012 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Bei dieser Lyrik hilft keine Meduzin

An wen soll ich mich noch wenden,
ich weiss nicht mehr wer.
Zu keinem das Vertrauen, mich zu verstehn.
Aber ich kann es nicht alleine,
nur ich und das Papier.
Es spricht nicht, kommt nur aus mir.
Buchstabe für Buchstabe, ein hilfloses Meer.
Sollte ich besser schweigen,
auf Nägeln weiter gehn?
Schmerzen ertragen, Gefühle verwehrn?

© 2012 by Andrea Schatt. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Sinnentleertes Geschwafel

Hat überhaupt nichts mit einem Gedicht zu tun und wäre auch als Text unerträglich. Dafür müsste es eigentlich Minusbrillen geben statt nur keine.

Die Kritik im Einzelnen

Oioioi – da hat das lyrische Ich aber schon eine Menge Menschen behelligt, wenn es nicht mehr weiß, an wen es sich noch wenden soll. Hier gäbe es Rat! Kein Wunder, dass es am Ende der Wendestrecke allein ist (aber mit Verlaub: Ich bin mir sicher, dass es sich an mich nicht gewandt hat!).
Grammatisch ist der zweite Vers völlig verunglückt (ich spreche bei diesem Text doch lieber von Zeile, denn bereits diese hat metrisch/formal mit der ersten so gar nichts zu tun): Logisch müsste es heißen: Ich weiß nicht mehr, an wen. Das aber wäre nur eine Wiederholung der ersten. Vielleicht ist die vorliegende Konstruktion versehentlich nicht beendet worden, sollte eigentlich Ich weiß nicht mehr, wer ich bin lauten – das legt zumindest dieses seltsame wer nahe und würde zudem passen: Da will jemand wissen, wer er ist! Das ist schon wichtig, wenn man keine Ahnung mehr hat …zurück

Jetzt folgt zur Abwechslung ein elliptischer Satz, denn das Prädikat fehlt. Vom Metrum und der Form passt diese Zeile wiederum nicht zu den vorangegangenen: Es sieht so aus, als entstünde ein Gedicht dadurch, dass man Zeilen untereinander setzt – und wenn es ganz besonders toll sein soll, werden die dann auch noch zentriert, als ob Müll hübscher wird, wenn man ihn der Größe nach sortiert! Und ganz schlimm wird es, wenn ausgesprochene Homepage-Dummköpfe illegalerweise Gedichte renommierter Lyriker fehlerhaft abtippen und auch noch zentrieren … aber das nur am Rande!
Hier passiert das glücklicherweise nicht, und das ist das einzig Positive, was mir zu diesem Geschreibsel einfällt!
Die Logik des Satzes holpert: Wieso fragt sich ohne Fragezeichen das lyrische Ich, an wen es sich noch wenden soll, wenn es eh kein Vertrauen hat, verstanden zu werden? Wozu das Gejammer? zurück

Jetzt wird der klare Titel durch das umgangssprachliche alleine verballhornt – und ich hatte mich schon gefreut, dass jemand noch das schöne allein kennt. zurück

Wer eine Erklärung erwartet hatte, was das lyrische Ich allein nicht zustande bringt, wird bitter enttäuscht: Das wird nicht enthüllt. Satt dessen wird dem geneigten Leser weis gemacht, dass nur es (also das lyrische Ich) UND das Papier (Hallo Partner!) es kann – ja aber was denn? Und was hat das lyrische Ich mit dem Papier (nicht irgendeinem, nein: einem bestimmten) zu tun? Wo kommt das her, wo will das hin? Was können die beiden zusammen, was das lyrische Ich allein nicht nicht kann: Sich an jemanden wenden, nicht mehr wissen wer, gemeinsam das lyrische Ich verstehen?
An wen kann ich mich wenden? Mein Hirn droht zu verenden … Ojemine owe, das tut gar schröcklich weh … zurück

Kinder: Überraschung!!! Das Papier spricht nicht! Boah ey, ein nicht sprechendes Papier – so was gibt es nur in Erzeugnissen, die sich für ein Gedicht halten. Aber noch viel schöner ist, dass zumindest die Frage, woher das Papier kommt, geklärt wird: Das Papier kommt aus dem lyrischen Ich!
Mit anderen Worten: Das lyrische Ich ist ein Papierspender, das Gedicht folglich aus der Perspektive eines solchen geschrieben; der wird von niemandem verstanden und kann sich an niemanden mehr wenden, da er z. B. in der Toilette eines aufgegebenen Gasthauses hängt: So bleibt nur noch das Papier als Kumpel übrig, aber eben als ein stummer, da er nicht spricht … zurück

Wort für Wort ein hilfloses Meer … Ach, diente es doch der Selbsterkenntnis, möchte ich da dem Papierspender zurufen … nichts, aber gar nichts vermag ich diesem Buchstabengewimmel zu entnehmen, dass auch nur ansatzweise einen nachvollziehbaren Sinn ergibt oder auch nur andeutungsweise was mit einem Gedicht zu tun hat! zurück

Jaaaaaaaa! Aber bedauerlicherweise ist es 8 Zeilen zu spät für diese treffliche Erkenntnis! zurück

Wer geht denn bereits auf Nägeln, dass er weiter auf Nägeln gehen kann (der Papierspender hängt allenfalls an welchen, wenn er stümperhaft befestigt wurde)? Weiß niemand, ist auch schnurzegal! Doch auf welchen oder wessen Nägeln geht er: den Zehennägeln? Den eigenen? Das ist schmerzhaft, zugegeben, wenn sie lang genug sind, dass man auf ihnen gehen könnte. Auf denen des lieben Nachbarn? Ginge – aber nicht sehr weit, der hat nur zehn Zehn. Oder ist gemeint über ein Nagelbrett? Wo so viele Nägel nebeneinander stehen, dass man bei einigermaßen gesunder Hornhaut (barfuß gehen ist angesagt) problemlos, da schmerzfrei gehen kann?
Aber auf Nägeln gehen? Das geht eigentlich nicht – man kann darauf treten, das geht! zurück

Nein, keine Schmerzen ertragen: Da gibt es Meduzin gegen: Pipi fragen! Gefühle verwehrn? Hängt von den Gefühlen ab: Gegen Freude oder Angst hilft jede Art von Seditiva – am besten Arzt oder Apotheker fragen. Gegen Depressionen gibt es Antidepressiva (sollte ich nach diesem Wordgewusel besser einnehmen). zurück

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