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Stichwort: Lyrik

Alle Beiträge, die von der literaturcafe.de-Redaktion mit dem Stichwort »Lyrik« versehen wurden.

Beitrag vom 16. Juli 2000 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: (ohne Titel) – Lyrik

Dieser
winzige Wind
den die Wimpern ins Ohr tragen
wenn niemand spricht.

Zittern
befiehlt der Hauch
den Händen unterm Tisch

Wasser zu kühlen
die Hitze in den roten Augen
die was sehen wollten
das nicht ist

etwas
das aus der Tasche fiel
auf dem langen Weg nach Haus
das jetzt auf Wegen liegt

der Glückliche
der es in der Sonne blinken sieht
und sicher verstaut

oder fest in den Fäusten hält.

© 2000 by Max Pluta. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Dieser
winzige Wind
den die Wimpern ins Ohr tragen
wenn niemand spricht

Zittern
befiehlt der Hauch
den Händen unter dem Tisch

Wasser
zu kühlen die Hitze
in den Augen

Endete das Gedicht hier, dürfte ich mich trauen, es ein Meisterwerk zu nennen. Ich würde allenfalls vorsichtig das vorschlagen, was ich gerade vorgeführt habe: nämlich die dritte Strophe – analog zu den anderen beiden – mit 1 Wort beginnen zu lassen.
Bedauerlicherweise folgen noch dreieinhalb Strophen – und die machen nur kaputt! Alles, was an Stimmung, an Gefühl, an denkbaren Situationen verdichtet war, wird hemmungslos breitgetrampelt. Eigentlich sind die letzten drei Strophen nämlich ebenfalls ein eigenes Gedicht, allerdings ein kitschlastiges:

etwas
fiel aus der Tasche
auf dem langen Weg nach Haus
das jetzt auf Wegen liegt

der Glückliche
der es in der Sonne blinken sieht
und sicher verstaut

oder fest in den Fäusten hält

Brauchen diese Verse die obigen als Einstimmung? Kommen die nicht prächtig allein zurecht? Wären sie nicht die Zierde einer jeden Ratgebergedichtsammlung für melancholische Stündchen, Beziehungskrisen oder Anfälle von Weltschmerz?
Um wie viel mehr kommen die ersten drei Strophen ohne diesen Wurmfortsatz aus: Sie hätten einen Platz verdient in anspruchsvolleren Lyrik-Sammlungen!

Die Kritik im Einzelnen

Die erste Strophe spricht mich sehr an: sie strahlt Ruhe aus, ein Staunen über die Wahrnehmung, die erst in absoluter Stille möglich wird; die vielen i-Laute, die dreifache Alliteration winzig, Wind, Wimper: ein grandioser Beginn! Ich sehe zwei Menschen ruhig nebeneinander sitzen, sie spüren die Nähe, sie genießen sie. Ich merke: ich gerate ins Schwärmen!  zurück
Schlagartig ändert sich die Situation: dieser winzige Wind, der Hauch, ändert seinen Charakter: er hat alle Leichtigkeit verloren und tritt militärisch-massiv auf, denn er befiehlt den Händen zu zittern. Ich empfinde das als ein Zittern aus innerer Unruhe, als ein Erinnern, hervorgerufen durch diese minime Wahrnehmung. Diese Strophe bildet einen starken Kontrast zur ersten; das erzeugt Spannung! zurück
Wird hier ein Wunsch nach Wasser ausgesprochen? Die erste Strophe war für mich ein Ausdruck ungläubigen Staunens, die zweite beinhaltet eine innere Unruhe; aber die dritte? Werden die brennenden Augen hervorgerufen durch eine Erinnerung? Dann könnte es ein Wunsch sein. Es ist aber auch möglich, dass eine Person weint: Wasser ist dann kein Wunsch, sondern Wasser kühlt bereits. Letzteres gefällt mir besser. Die Spannung würde sich so auch besser lösen in etwas Neuem.
Noch eine dritte Möglichkeit bietet sich an: der hauch befiehlt nicht nur »zittern«, er befiehlt auch »Wasser« – das würde mir noch mehr zusagen! Letztlich macht genau das den Reiz aus: alle drei Möglichkeiten, die ich jetzt genannt habe, sind denkbar, auch alle drei gleichzeitig. Das führt dazu, dass ich mir Gedanken mache, was in mir vorgeht, wenn ich mich an Trauriges erinnere. Dieses Gedicht schreibt mir gerade nicht vor, was ich empfinden soll: es ruft Empfindungen hervor. Und das macht es so wertvoll – bis hierher jedenfalls!
Frage: muss das Rot der Augen so betont sein? Hitze lässt doch ebenfalls an rot denken, vor allem im Zusammenhang mit Augen (siehe brennende Augen). Ich halte rot an dieser Stelle für verzichtbar. Es führt auch leicht in die Irre, denn Augen sind vom Reiben oder vor Müdigkeit oder vom Weinen rot. Rote Augen haben also durchaus eine bestimmte Bedeutung (wohingegen der winzige Wind etwas Neues ist! Hier bedeutet das Adjektiv etwas, bei den Augen beschreibt es nur). zurück
Jetzt folgt ein gewaltiger Bruch; die Augen werden vom lyrischen Ich kommentiert: die wollten etwas sehen, das nicht ist. Damit wird ihnen ein Mangel vorgeworfen, eine Einschränkung, ja Blindheit: sie hätten sehen müssen, dass da nichts ist. Die lyrische Ebene wird verlassen: es folgt eine Belehrung. Diesen Wechsel im Ton empfinde ich als herben Verlust: schade! zurück
Die Belehrung wird weitergeführt, indem erläutert wird: das wurde verloren; man hatte es schon in der Tasche gehabt. Der lange Weg nach Haus riecht zu süßlich nach Heimkommen und Heimweh und Fremde und Einsamkeit: irgendwo auf diesem langen Weg hat jemand was verloren; ganz platt wird jetzt ausgesprochen, was in den ersten beiden Strophen höchstens erschließbar war. Das tut weh! Und dass dieses etwas jetzt auf Wegen liegt (statt auf dem Weg) ist sicher Absicht, aber ich mag dieses Rätsel nicht lösen, es ist die Mühe nicht mehr wert. zurück
Es wird noch trivialer! Übersetzt heißen diese Zeilen: Ach ich Unglücklicher, der ich im Dunkeln sitze und den Goldschatz (blink blink blink) für immer verloren habe. Kotz & Würg!!! zurück
Zum Schluss noch eine Alliteration (fest, Fäuste), ansonsten der Ratschlag, besser etwas in der Hand (bzw. Faust) fest zu halten, als zu glauben, es sicher in der Tasche zu haben; diese umwerfende Erkenntnis wird als moralischer Lehrsatz ans Ende gestellt, und da der er von so tiefer Wahrheit durchdrungen ist, kriegt er sogar eine eigene Zeile ganz für sich allein! Es ist zum Heulen … zurück

Beitrag vom 22. Juni 2000 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Immer wie vorgestern – Lyrik

Wie immer
sein Platz auf der Bank
sucht Ruhe nach der Arbeit
vergräbt die Hände ins Gesicht
unfassbar das Chaos der Erinnerungen

Wie immer
schwappen Stadtgeräusche herüber
drüben türmen graue Fassaden himmelhoch
Neonlichter drinnen tragen grelle Schminke auf

Wie vorgestern
knallt ein Düsenvogel vorüber
spontan schreit das Kind
sein Blick wird abgelenkt
fängt schwarze Raben
eine Ameisenkarawane
zieht über den Feldstein
nebenan ein Telefongespräch
der Wind trägt jedes Wort herüber
doch er
versteht die Menschen nicht

Vorgestern wie gestern
der Kalender sagt es ihm

heute vor 32 Jahren
verlor der Tag
sein freundliches Gesicht
begrub schwarzer Asphalt
Zukunftsträume

© 2000 by Achim Stahnke. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Das Gedicht enthält schöne Elemente: einen nachvollziehbaren Aufbau von immer nach heute; Strophen, die inhaltlich voneinander abgegrenzt sind; ansprechende Bilder (Fassaden türmen himmelhoch, der Tag verlor sein freundliches Gesicht); durch den Verzicht auf Satzzeichen werden mehrere inhaltliche Verbindungen möglich, z.B. in der 3. Strophe: der Blick fängt Raben, dann Ameisen, gleichzeitig ziehen die Ameisen über den Feldstein, ebenso der Blick.

Überstrapazierte Bilder und Verschlüsselungen erwecken aber den Verdacht, dass in diesem Gedicht nicht Erlebnis oder Stimmung verdichtet, sondern ein reales Geschehen in »lyrische« Sprache übersetzt wird, um es zu etwas Besonderem aufzublasen. Das hat mit Lyrik wenig zu tun.

»Man merkt die Absicht und ist verstimmt.«
(Von wem war das bloß? Peinlich …) (Ha! Gefunden: Eichendorff! Digitale Bibliothek sei Dank!)

Die Kritik im Einzelnen

Ausgehend von der Überschrift könnte hier auch vorgestern stehen; es spielt überhaupt keine Rolle, denn immer schließt gestern und vorgestern und alle Zukunft mit ein! Schon der Titel signalisiert: Obacht, hier kommt ein bedeutungsschweres Gedicht! Nämlich eines, dem man anmerken soll, dass es tiefsinnig sein will. Das ist kein guter Anfang. zurück
Der erste Strophe beschreibt eine äußere Situation; vor mir sehe ich ein männliches Wesen, dass auf einer Bank sitzt und das schon eine lange Zeit zu tun pflegt (wie immer): man ist diesen Anblick gewohnt. Dieser Mann sitzt da, weil er nach der Arbeit Ruhe sucht. Soweit ist alles klar und in Ordnung.
Anschließend wird mit einer Redewendung gespielt: der Mann vergräbt nicht das Gesicht in seinen Händen, sondern er vergräbt die Hände ins Gesicht, und er tut es, weil er Erinnerungen fassen will (dieser Zusammenhang drängt sich auf durch die räumliche Nähe von Händen und unfassbar; sollte das nicht beabsichtigt gewesen sein, wäre es grob fahrlässig). Was macht der Mann also auf der Bank? Da es immer so ist, weiß er, dass er keine Ruhe finden, sondern stattdessen sinnlos nach Erinnerungen kramen wird, was zudem sehr schmerzhaft ist; diese Wahrnehmung ruft vergräbt die Hände ins Gesicht hervor. So schön dieses Spiel mit der Redewendung ist, so wenig wird es allerdings dem Sachverhalt gerecht: zum einen liegen Erinnerungen nicht im Gesicht, auch nicht hinter ihm, sondern im Kopf; zum andern »vergräbt« der Mann höchstens seine Finger im Gesicht. Das durch das Spiel mit der Redewendung entstandene Bild wird erheblich überstrapaziert.
Dass der Mann Ruhe nach der Arbeit sucht, ist also inhaltlich unsinnig: da sitzt ein Mann auf der Bank, um sich selbst zu quälen! Während der Arbeit hingegen war er vor diesen unfassbaren Erinnerungen geschützt. Mal ganz banal gesagt: an seiner Stelle würde ich nach der Arbeit nicht Bank samt Quälerei aufsuchen, sondern lieber was Entspannendes oder Aufregendes tun.
Bisher habe ich Chaos unterschlagen, komme aber nicht drum herum: zunächst ist Chaos von Haus aus nicht fassbar, ein entsprechender Hinweis folglich überflüssig; alsdann: wenn die Erinnerungen des Mannes ein Chaos bilden – wie kann er sich dann erinnern, dass es überhaupt was zu erinnern gibt? Woher stammt der Impetus, etwas fassen zu wollen? Wie schon in der Überschrift wird zu viel gewollt und dadurch das Gegenteil erreicht!
Was will diese Strophe eigentlich sagen? Das weiß ich nicht, ich bin nicht diese Strophe! Ich weiß nur, was ich diesem Gedicht entnehme: dass ein Mann jeden Tag nach der Arbeit von einer bestimmten Erinnerung (siehe letzte Strophe …) heimgesucht wird, und das nicht immer, aber immerhin schon 32 Jahre lang… zurück
Das Bild von dem Mann auf einer Bank wird vervollständigt, der Blick weitet sich: die Bank steht wohl am Stadtrand, nur dann könnten Stadtgeräusche herüberschwappen. Sowohl herüber als auch drüben deutet auf etwas hin, das den Standort der Bank von der eigentliche Stadt zusätzlich trennt (es könnte ein Fluss sein oder eine Bahnschneise, letztlich ist es unbedeutend, denn wichtig ist allein die Distanz zur Stadt). Dass graue Fassaden himmelhoch türmen ist ein auf Anhieb einleuchtendes Bild, das an expressionistische Gedichte erinnert (wie übrigens auch die folgende Zeile – was keinerlei Kritik ist, sondern einfach eine Feststellung). Die letzte Zeile drückt einerseits Kritik aus an einer Falschheit (grelle Schminke), zum zweiten allerdings katapultiert sie den Leser unversehens in die Nacht: nur dann nämlich kann Neonlicht so wahrgenommen werden, dass der Ausdruck grell gerechtfertigt ist! Ob mit drinnen hinter den Fassaden gemeint ist oder in der Stadt oder beides, ob gemeint ist, dass die Stadt bzw. die Häuser falsch sind (oder die Bewohner) – das ist offen gelassen. zurück
Der zweite Teil der Überschrift wird wichtig; vorgestern hat an dieser Stelle aber nur dann einen Sinn, wenn den beiden vorhergehenden Strophen ein konkretes heute zugrunde liegt, also ein Moment, an dem die Strophen geschrieben wurden, die so ein immer inhaltlich definieren. Es hat offenbar in dem immer eine Veränderung stattgefunden, die zu erwähnen wichtig ist. zurück
Da knallt ein Düsenvogel vorüber: da wird das nächste Bild überbeansprucht! Dieses Gemisch aus Überschallknall und Vogel ist schlichtweg ungenießbar: bereits knallt ein Düsenjäger vorüber würde die Schmerzgrenze erwischen, da ein Knall lokal und plötzlich ist, während vorbei einen zeitlichen Verlauf kennzeichnet! Wieso der stinknormale Überschallknall eines Düsenjägers so verklausuliert werden muss, verstehe ich überhaupt nicht: warum die Dinge nicht beim Namen nennen, wenn sie einen haben? Warum Tiefsinn vorgaukeln, wo es flach ist?
Diese Art von Bild unterstützt volles Rohr das alte Vorurteil, das Lyrik im Allgemeinen entgegenschlägt: eigentlich meint der Dichter ja was ganz Simples, das verschlüsselt er dann irre raffiniert und gibt damit dem Lesern ein Rätsel auf; sollte der es nicht lösen können, ist er eben zu blöd und das Gedicht klasse ( kann der Leser es jedoch lösen, ist er bitter enttäuscht und fragt sich berechtigt: warum sagt’s der Dichter denn nicht gleich so…). Auf diese Weise bestätigt sie (diese Art von Bild) – ob nun gewollt oder ungewollt – penetrant die angebliche Berechtigung der allerobersaudümmsten Frage, die überhaupt an Literatur gestellt werden kann: Was will der Dichter uns eigentlich damit sagen? Kotz und würg! zurück
Das Kind (es ist dem Mann also inzwischen bekannt) schreit erneut angeohrs (ziemlich miese Analogie zu angesichts, das bei Knall nicht passt; hat aber wohl keine Zukunft) des Überschallknalls, folglich zum dritten Mal, aber nicht zum letzten (vorgestern, gestern, jetzt und ab heute immerdar: immer wie vorgestern… )! Ob sein Blick zurück der Blick des Kindes ist oder der des Mannes, bleibt offen (auch das ist keine Kritik: es muss in Texten beileibe nicht immer alles gesagt werden – ganz im Gegenteil); ungesagt bleibt ebenso, wohin bisher geschaut wurde. Beim Kind habe ich keine Vorstellung, beim Mann könnte ich vermuten, dass sein Blick von innen nach außen gelockt wird, er also das Chaos aus den Augen verliert und stattdessen die Wirklichkeit wahrnimmt, die im Folgenden geschildert wird. zurück
Der Standort der Bank wird für mich noch ein Stück deutlicher: sie steht am Rand einer Wiese oder auch eines Feldes. Doch warum müssen die Raben schwarz sein? Hätten es nicht auch weiße sein können? Werden die Raben schwarz genannt, weil sie sowieso schwarz sind, so wie Gras grün ist, Schnee und ein Schimmel weiß, Feuer heiß, Sonne und Sand und Sonnenblume gelb, Gebrüll laut, Flüstern leise, Wasser nass, Minirock kurz? Kurz und knapp und bündig: muss man und frau alles und jedes zweifach und doppelt singen und sagen, insbesondere und besonders vor allem und speziell das augenscheinlich Offensichtliche? Tja dann… zurück
Sitzt der Mann gar nicht auf einer Bank in der freien Natur? Nebenan findet schließlich ein Telefongespräch statt, und Nebenan verlangt abgrenzbare Gebiete: das Haus oder der Garten nebenan. Gut: dann hat meine bisherige Vorstellung nicht gestimmt (wohlgemerkt: das Gedicht trifft daran keinerlei Schuld), dann setze ich den Mann einfach in seinen Vorgarten mit Stadtblick (also an einem Hügel oder einer Uferböschung), und Nachbars telefonieren. zurück
Dieses Mal trägt der Wind etwas herüber (wohl über eine Grundstücksgrenze), nämlich die Worte eines Telefongespräches, die der Mann sehr wohl versteht, aber (und jetzt kommt es ganz dick und kitschgesättigt): er versteht die Menschen nicht.
Ich übrigens auch nicht: ich halte das allerdings weder für eine Leistung noch für einen Mangel; ich bin höchst zufrieden, dass ich – jedenfalls manchmal – einige Menschen verstehe. Die Menschen verstehen zu wollen ist Hybris pur. Sollte dieser Mann darunter leiden, würde ich ihm empfehlen, es mit einem Menschen zu probieren. Das aber wird er nicht wollen, es könnte ihn die Einsamkeit kosten, an der die Menschen schuld sind, da er sie nicht versteht. Das beißt sich wunderbar in den Schwanz!
Ach: so einfach wäre zu streichen dieses »doch er versteht die Menschen nicht«, nichts würde dem Gedicht fehlen, gewinnen würde es. zurück
In der Kette vorgestern, gestern und heute sehe ich an dieser Stelle einen Widerspruch zum immer in der Überschrift und den beiden ersten Strophen: es nähert sich nämlich ein Jahrestag, an den sich der Mann – meinetwegen mithilfe des Kalenders – sehr genau erinnert (also, wie oben schon ausgeführt: gerade kein Chaos, dafür sehr fassbare Erinnerungen!), und sei es nur in den letzten drei Tagen! Welches Unglück ihm widerfahren ist, wird hier bedauerlicherweise wieder verrätselt: schwarzer Asphalt (siehe schwarze Raben) hat des Mannes Zukunftsträume begraben: auf meiner geistigen Leinwand erscheint ein städtisches Straßenbaufahrzeug, das Asphalt abkippt und versehentlich den Lieblingshund verschüttet…
Aber dabei habe ich ein schlechtes Gewissen: tief in meinem Innern vermutet etwas trotz der sprachlichen Gestaltung dieser Zeile, dass der Mann bei einem Unfall auf der Straße einen geliebten Menschen verloren hat – dann wären seine Zukunftsträume nicht vom Asphalt begraben, sondern auf dem Asphalt verendet (oder wie auch immer). Ich betone: es ist reine Vermutung, sie kann durch keinen einzigen Hinweis im Text gestützt werden! zurück

Beitrag vom 28. Mai 2000 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Ecce homo – Lyrik

***

Unsere Tage werden schamloser
Nacht zu Nacht
sie tarnen unseren Blutrausch
als Abendröte
waschen sich im unendlichen Blau
der Meere rein
aus denen sie aufsteigen
in der Frühe
ohne die Schamröte
ihres Morgens zu verbergen

Das Kainsmal des Menschen
ist hoffähig geworden
unter den Augen dessen
der vorgibt bei ihm zu sein
bis an der Welt Ende

Das werden wir müheloser erreichen
wenn die Aufgabe des Menschen
vollbracht ist. Das babylonische Werk
für das jede Generation
ihren eigenen Anlauf nimmt:

Seit der Steinzeit
bis hin zur WEBzeit
die uns fortan
global auf dem Laufenden hält –
damit wir Anstoß nehmen können
an allem, was wir so
nie gewollt haben

während unsere Kinder
in ihren Chatrooms verblöden
und der Mob sich verabredet
am Ballermann 6
oder anderswo, wie im Osten
wo neuerdings
die braune Sonne aufgeht

Aber noch ist der Mond nicht besudelt:
In den Fluten des Meeres
in reinerem Licht
badet der Tag Nacht für Nacht
sein Antlitz in Unschuld
weit weg von den Todesstreifen
die sich alles Lebendigen entledigt haben

© 2000 by Michael Lobisch-Delija. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Was bleibt von dem Gedicht außer dem unerklärlichen Titel? Was schrecklich Schreckliches geht vor in unserer Welt, sodass der Morgen sich schon schämt, bevor der Tag begonnen hat, der seinerseits das Elend und Blutvergießen in der Welt gnädig verdeckt und sich nächtens von den üblen Erinnerungen reinwäscht. Gott schaut ungerührt zu, wie er es versprochen hat. Mit anderen Worten: es wird auf unserer Welt immer unerträglicher, es wird nachgerade untragbar – das Ende der Welt ist da: da ham wir den Salat!
Kennen wir, wissen wir: warum so viel Aufhebens? WWW, chatrooms, Ballermann 6, Nazis … dieser hochbrisanten Weltuntergangs-Mischung aus dem Gedicht hätte ich noch einiges hinzufügen, z.B. Tamagotchis (Gibt’s die eigentlich noch? Da sieht man mal, wie schnell diese prophezeiten Endzeit-Katastrophen im Sande verlaufen – nix is mit den herzlosen Kindern!), Ego-Shooter, Gummibärchen, Techno, Elektrosmog, XTC, Windows 95 ff, Kinderporno, krumme Erdstrahlen, gerade Erdstrahlen, Ozonlöcher, indizierte Computerspiele, Schulen, Bravo-Hits Folge 34, Kohl, Kampfhunde, Stefan Raab, Moorhuhnschlachten, Russenmafia, Teletubbis, Computerviren, Blümchen, Bild-Zeitung, maltes meinung, Auffahrunfälle, Händis, Frühstück, Staus auf der Autobahn, ………………………………….. (gemäß eigener Katastrophenvorlieben auszufüllen) – und natürlich das Oberallerletzte, der ultimative Verdummbrunnen: Big Brother. BIG BROTHER!!! Jetzt muss die Welt doch endlich untergehen! Die Zeugen Jehovas werden wie gewohnt den genauen Tag berechnen. Allerspätestens wenn Sladdi The Brain Bundeskanzler wird, begeht Deutschland kollektiven Selbstmord zum Zwecke der Endlösung. Dafür bleibt der Mond. Ätschebätsche, das haben wir davon. Hätten wir bloß rechtzeitig aufgepasst!
Man kann eine Meinung vertreten. Man kann eine andere haben. Man kann sogar jemanden überzeugen. Keiner Meinung tut es gut, wenn sie möglichst dramatisch in irgendwelche halbdurchdachten Bilder gepfercht wird, wo sie sich nicht mehr entfalten kann, sondern jämmerlich erstickt. Trotz brauner Sonne im Osten ist Ecce homo kein politisches Gedicht, denn es fehlen Einsichten und Denkanstöße; es ist eine Moralpredigt in untauglichem Gewand, diesem inhaltlich und sprachlich überstrapazierten Gedicht, zweifellos sehr gut gemeint und sehr sehr überflüssig.

Postscriptum: Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn die Menschheit verschwindet? Die Welt geht deswegen nicht unter, die denkt nicht daran! Da es uns dann nicht mehr gibt, würde niemandem etwas fehlen, wenn es uns nicht mehr gibt.
Zum Abschied gibt es gratis, da frei von copyright, mein Lieblings-Weltuntergangs-Gedicht, bereits über 80 Jahre alt; es hatte inhaltlich so wenig Recht wie das besprochene, ist dafür aber unglaublich exorbitant fabelhaft genial meisterlich (schwelg, schwelg & abermals schwelg)! Ich wünsche allen Lesern, ob sie es nun kennen oder nicht, viel Vergnügen!

Weltende
Jakob van Hoddis

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Die Kritik im Einzelnen

Ecce homo bedeutet gemäß der Bibel-Einheitsübersetzung »Seht, da ist der Mensch«; Pilatus sagte das (laut Johannes 15,5 – aber der war nicht dabei gewesen) über Jesus, der zuvor von Soldaten mit Purpurmantel und Dornenkrone angetan und als »König der Juden« verspottet worden war, zu den anwesenden Juden, die Jesus kreuzigen wollten, weil er sich als Gottes Sohn ausgegeben habe.
Soweit die biblische Tradition dieses »ecce homo«; welcher Gott nun in dem Gedicht vom Sockel geholt und verspottet wird, werden wir sehen. zurück
Die ersten beiden Zeilen bieten gleich einen Kontrast: Tag und Nacht. Unsere Tage beziehen alle Menschen und damit den Leser ein. Zusätzlich wird festgestellt, dass unsere Tage schamloser werden, und zwar ist diese Steigerung nachts festzustellen. In welcher Beziehung unsere Tage schamloser werden, ist noch nicht gesagt. Soweit, so gut. zurück
Was tun unsere Tage? Sie tarnen unseren Blutrausch. Ist das schamlos, wenn – wer auch immer – einen Blutrausch tarnt? Schäm dich, du hast einen Blutrausch getarnt? Das leuchtet mir nicht ein. Und dass ich in einem Blutrausch leben soll, bestreite ich energisch. Ab sofort komme ich in diesem Gedicht nicht mehr vor! Ich bezweifle auch entschieden, dass die Menschheit in einem Blutrausch lebt. Sollte hier Bezug sein zu vereinzelten Amokläufern und diese wiederum hochgerechnet auf die Menschheit? Und inwiefern werden unsere Tage schamloser? Werden die Tarnungen Nacht für Nacht vervollkommnet?
Getarnt wird der Blutrausch als Abendröte; Blut ist rot und Abendröte ist rot; ginge es um die beiden, fiele eine Tarnung nicht schwer (wobei zu fragen wäre, wieso und vor wem unsere Tage unseren Blutrausch tarnen sollten, wir sind schließlich unter uns – abgesehen von mir, der ich da nicht mitrausche; allerdings habe ich mich gerade erst geoutet); es geht aber nicht um Blut, sondern um Blutrausch. Angenommen, unsere Tage seien nicht schamlos, sondern schamhaft und gnadenlos ehrlich, dann müssten sie allabendlich unseren Blutrausch zeigen. Da wäre aber nicht viel zu sehen, denn ein Blutrausch sieht nicht aus; deshalb müsste auch nichts getarnt werden. Allenfalls die Folgen eines Blutrausches müssten vielleicht getarnt werden, Blutrausch selber ist ziemlich unsichtbar. zurück
Ist das eine zweite Begründung für das Schamloserwerden: dass die Tage sich reinwaschen? Heißt das, sie waschen sich nachts wieder rein, damit sie tagsüber umso schamloser die Folgen des anhaltenden Blutrausches tarnen können? Nochmal: wird der Blutrausch immer stärker oder die Tarnung immer besser? Spielen die Tage »Pilatus«, waschen gewissermaßen des Nachts ihre Hände in Unschuld, während sie den Juden tagsüber freie Hand lassen zur Befriedigung ihres Blutrausches, was die Pilatustage dann abends überflüssigerweise mit einem Purpurmantel (der ist auch beinahe rot, jedenfalls erheblich röter als ein unsichtbarer Blutrausch!) tarnen, immer besser und immer mehr und immer schamloser? Fragen über Fragen auf der Suche nach irgendeinem Sinn.
Sollte tatsächlich diese Analogie gemeint, sollte tatsächlich diese Bibelstelle allegorisch verklausuliert worden sein, dann ist das heftig daneben gegangen. Schließlich findet die entsprechende Episode in der Bibel genau einmal statt, zudem fehlten Jesus samt Dornenkrone und Soldaten und Pilatus’ Zweifel und und und: lässt sich alles im Johannesevangelium nachlesen. Sollte diese Analogie jedoch nicht gemeint sein, dann weiß ich weder aus noch ein (ich schwöre Stein und Bein: das sollte jetzt kein Reim sein!). Aber vielleicht kommt’s noch, noch sind wir ganz am Anfang!
Wie sich die Tage nachts im »unendlichen Blau des Meeres« reinwaschen sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Da die Tage personifiziert wurden, können sie sich im Meer waschen; das bliebe alles in der korrekten Bildebene. Doch blau sind Meere ausschließlich tagsüber bei entsprechendem Himmel; es geht nicht darum, ein lyrisches Bild auf optische Phänomene zu reduzieren: doch nachts sind die Meere nie blau, aber nachts waschen sich die Tage in ihnen rein, bevor sie erneut aufsteigen – so habe ich es jedenfalls verstanden. Der Grund für dies schiefe Bild liegt wohl ganz woanders: Blau und Meer und als Sahnehäubchen ein Löffelchen Unendlichkeit – kitscht das nicht ganz arg doll schön, dieses unendliche Blau des Meeres? Geht da nicht das Innerste des Herzens der Seele auf, der Inbegriff allerunschuldigsten Da-Seins, Blutrausch hin, Blutrausch her? Ja, jaa! Jaaaaaah!! zurück
Die Tage werden immer schamloser, tarnen Blutrausch als Abendröte, waschen sich im Meer rein und besitzen alle zusammen einen Morgen, der an Schamröte leidet: er schämt sich stellvertretend für die immer schamloser werdenden Tage. Da das unsere Tage sind, müsste es ja auch unser Morgen sein: schämt sich also unser Morgen für uns? Dazu hat er keinen Grund – wir tun doch gar nichts! Wir (außer mir) genießen unseren Blutrausch offen und ehrlich, verheimlichen nichts, können schließlich nichts dafür, wenn unsere Tage diesen mir nichts dir nichts einfach tarnen! Deren Problem! Wir sind schließlich keine Unmenschen und haben die Tage schon immer machen lassen, was sie wollen.
Aber da unser Blutrausch getarnt ist, kann der Morgen gar nichts davon wissen. Hallo, was geht hier eigentlich ab? Wieso also leidet unser Morgen an Schamröte? Keine Antwort? Sei’s drum! Das ganze Wortgeklingel hatte wohl nur den Zweck, der Morgenröte ein Gefühl zu verpassen, das die Menschen (außer mir) wegen ihres Blutrausches nicht mehr kennen. Immerhin: Das Morgenrot hat jetzt auch eine Ursache, nämlich Schamröte (die ihrerseits keine hat), während das Abendrot die Tarnung für das tägliche Blutbad ist. Verantwortlich für beides sind unsere Tage, die sich im Schutz der Nächte heimlich reinwaschen. Bedauerlicherweise hat das wer beobachtet und aufgeschrieben.
Die erste Strophe will zu viel auf einmal und verheddert sich in rettungslos in ihren allzu überladenen und schrägen Bildern: der Rufer in der Wüste trägt zu dick auf; seine Warnung (?) geht im dramatischen Wortgewitter unter. Was bleibt, ist ein dumpfes Gefühl von irgendwas wie Weltuntergangsstimmung.
Zumindest der Form der ersten Strophe kann ich etwas abgewinnen: in den ersten 7 Zeilen liegen zwischen den längeren drei kürzere eingebettet: das unterstützt einen Kreislauf, der inhaltlich irgendwie angestrebt wurde; die folgenden Zeilen nehmen in ihrer Länge zu, was auch optisch die zunehmende Helligkeit des Morgens veranschaulicht. Hier macht die freie Form Sinn! zurück
Es gibt kein Kainsmal des Menschen; das trugen nur die Abkommen von Kain, nicht aber die von Set, dem nachgeborenen Abelersatz, von dem wiederum Noah abstammt, dessen Familie als einzige die Sintflut überlebt hat: Alle Kainsmalträger sind schon vor Urzeiten ertränkt worden, da sie anno dunnemals hoffähig zu werden drohten.
Auch dieses Bild wird überstrapaziert. Vielleicht ist Kainsmal jedoch rein symbolisch gemeint (das war es schon in der Bibel), und als symbolisch Blutberauschte tragen wir es symbolisch alle (außer mir) ganz frech und schamlos, was der liebe Gott akzeptiert (hoffähig geworden) und ihm vorgeworfen wird: nämlich dass er zuschaut; weiterhin wird diesem Gott vorgeworfen, dass er den Menschen quasi angelogen hat (vorgibt), als er versprochen hatte, bei ihm zu sein bis ans Ende der Welt. Diesen Vorwurf verstehe ich nicht: Gott schaut zu, alles passiert expressis verbis laut Gedicht vor seinen Augen, also ist er doch da! Er hat nie versprochen, erneut einzugreifen, es sei denn am Tage des Jüngsten Gerichts!  Er hat allerdings auch nie versprochen, beim Kainsmal zu sein (worauf sich ihm grammatisch bezieht) bis ans Ende der Welt: er hatte wie gesagt alle Träger desselben standrechtlich ersäuft.
Ist das jetzt die Schlüsselstrophe? Bezieht sich das »ecce homo« auf diesen Gott? Ist er es, der vom Sockel geholt und zum Menschen erklärt wird, weil er bloß zuschaut wie Gaffer bei einem Autounfall? Kann nicht sein, geht nicht, passt nicht: wir Menschen (außer mir) befinden uns laut erster Strophe in einem gediegenen Blutrausch, da ist nichts mit gaffen, da müsste dieser Gott schon mitmischen, wollte man ihn zu einem von uns machen. Würde sich die Überschrift auf diesen Gott beziehen, müsste sie »ecce deus« heißen: »Seht, da ist der Gott« – der mordet nicht, der schaut friedliebend zu. zurück
Irgendwie, ich weiß nicht, da stimmt doch. also noch einmal von vorne: wir Menschen werden das Ende der Welt müheloser erreichen, wenn wir eine bestimmte Aufgabe vollbracht haben werden. Richtig? Richtig!  Was aber ist die Aufgabe? Und warum sollten wir diese Aufgabe erledigen, deren einziger Sinn darin besteht, anschließend leichter den Weltuntergang zu erreichen, denn das Vollbringen der Aufgabe bedeutet ja nicht das Ende der Welt – oder etwa doch? Sind hier wieder einmal die Metaphern in gefährliche Schieflage geraten und drohen jetzt abzustürzen? Vielleicht sehen wir klarer, wenn wir wissen, was die zu vollbringende Aufgabe ist, die zu bewältigen wir uns auferlegt haben (oder uns auferlegt wurde – wer weiß das schon so genau; das Gedicht gibt keinerlei Hinweis (muss es auch nicht!))
Unsere Aufgabe ist das »babylonische Werk, für das jede Generation ihren eigenen Anlauf nimmt«. Das ist aber fein, das lässt hoffen: auf diese Weise kommen wir Menschen nämlich keinen Schritt voran, wenn jede Generation einen eigenen Anlauf nimmt. So kann dieses Werk nie vollendet werden, dadurch rückt das Ende der Welt in weite Ferne, denn unter diesen Umständen müssten wir uns mühevoll um selbiges bemühen – und mal ganz im Vertrauen und unter uns: wer bemüht sich schon gerne? Eben! Und dann noch wegen so was: nee, der Kittel ist geflickt, Weltende is nich! Gedicht umsonst geschrieben. Tja, so kann’s gehen.
Allerdings sind wir ja alle (außer mir) im Blutrausch gefangen: könnte es nicht sein, dass man in einer solchen Verfassung keinen eigenen Anlauf mehr nimmt, sondern genau da weiter macht, wo die vorherige Generation das Vollenden des babylonischen Werks eingestellt hat? Kann ich nichts zu sagen, kenne mich mit Bluträuschen nicht aus!
Zum Verständnis dieser Strophe muss aber noch geklärt werden, was es mit dem babylonischen Werk auf sich hat, auf das hier wortwörtlich verwiesen wird: woran haben die Babylonier gebaut, was wollten sie? Es war ein Turm, der bis in den Himmel reichen sollte: sie wollten zu Gott. Das hat diesen genervt, deswegen hat er schnell verschiedene Sprachen erfunden und in die Bauarbeiter getan, sodass diese sich nicht mehr verständigen und folglich nicht mehr weiter bauen konnten. Seitdem steht die Ruine verlassen. Das Gedicht lässt diese Arbeit wieder aufleben; auch das ist sicherlich symbolisch gemeint: diese Arbeit wird jedoch so, wie das Gedicht sie beschreibt, nicht beendet werden können; schließlich nützen keine Dolmetscher was, wenn jede Generation neu beginnt. Außerdem stelle ich mir das lustig vor, wenn der liebe Gott, sollte der Turm (symbolisch) tatsächlich bis zu ihm wachsen dank der ungeheuren Anstrengung einer fiktiven, aber durchaus denkbaren besonders emsigen Generation, wenn also der liebe Gott besagten Turm lächelnd mit dem kleinen Finger (sofern er einen hat – weiß man’s?) symbolisch anstupst, sodass er (der Turm) schrill kreisch-knirschend zu Boden brettert: das wird gewaltig stauben (symbolisch)!  Aber diese schaffige Generation ist nicht in Sicht; also werden wir den Weltuntergang nie mühelos erreichen, und ich bestehe auf dem oben gesagten: Weltende is nich! Gedicht umsonst geschrieben, denn es liefert genügend Beweise gegen sich selbst.
Auch in dieser Strophe gerät die gewünschte Aussage durch unpassende Bilder, unglückliche biblische Anspielungen und unsaubere Formulierungen in eine ganz andere Richtung. zurück
»Seit der Steinzeit bis zur WEBzeit« involviert, dass WEBzeit das Ende der denkbaren Zeitenfolge darstellt, das erwartete Weltende. Wer das web so wichtig nimmt, ist selbst schuld! Das web ist nichts anderes als eine schrecklich unübersichtliche Bibliothek. An so etwas geht keine Welt zu Grunde, nicht mal die Menschen.
Die folgende Formulierung finde ich überaus gelungen (einzige Einschränkung: es ist nicht die WEBzeit, die uns auf dem Laufenden hält: es ist allenfalls das web!): das web, »das uns fortan global auf dem Laufenden hält – damit wir Anstoß nehmen können an allem, was wir so nie gewollt haben« – das ist bissig und flüssig und verständlich formuliert und schön widersprüchlich wegen Das-Netz-Wollen und manchen Folgen der herrlich anarchischen Freiheit in ihm, an denen man durchaus Anstoß nehmen kann und soll. In dieser Souveränität, in diesem Stil hätte ich mir das ganze Gedicht gewünscht, leider bleibt diese Formulierung eine isolierte Perle; das ist ein Jammer: es geht doch! zurück
Die Pauschalisierungen in dieser Strophe finde ich so oberpeinlich, dass ich lieber nichts dazu sage! Wenn das die entscheidenden äußeren Kennzeichen des nahen Weltendes sein sollen. (siehe auch die zusammenfassende Beurteilung) zurück
Einspruch: Der Mond ist sehr wohl besudelt! Da liegt bereits allerlei Müll, sogar eine amerikanische Fahne flattert(e) dort motorgetrieben angeberisch im nicht vorhandenen Wind! Ein gnädiger Meteor möge dem ein Ende setzen!
»In den Fluten des Meeres«: es freut, dass es nicht mehr das unendliche Blau sein muss. Warum nicht von Anfang an so unprätentiös? Es ginge sogar noch unprätentiöser: »im Meer badet der Tag Nacht für Nacht«. Fehlt was? Iwo.
Och nöö: nicht schon wieder: »In reinerem Licht badet der Tag Nacht für Nacht (.)«! Also nochmals: nachts ist es nicht blau, und es auch nicht hell. Nachts ist es verdammt noch mal dunkel!!!
Was ist eigentlich aus »unseren Tagen geworden« – heißt so in der ersten Strophe? Vergessen? Die sind vermutlich so lange immer schamloser geworden, bis sie geplatzt sind, schließlich hat (fast) jede Steigerung irgendwann einen Endpunkt. Übrig blieb dann der Tag, der sich auch nicht mehr rein waschen muss, sondern getrost baden kann im reinen Nachtlicht – was immer das auch sein soll…
Korrektur: der badet nicht sich, sondern sein Antlitz (ist also doch keine Anspielung auf Pilatus’ Hand-Wäscherei, wie bei der ersten Strophe vermutet). Und dieses Antlitz badet er auch nicht »in reinerem Licht«, wie versehentlich behauptet wurde, sondern in Unschuld, also ebenda, wo auch Pilatus seine Hände drin hatte (ist also doch eine Anspielung auf Pilatus’ Hand-Wäscherei, wie bei der ersten Strophe vermutet). Ist reineres Licht vielleicht gleich zu setzen mit Unschuld? Was wäre dann ganz reines Licht? Wieder kollabieren sprachliche Bilder; man ist es allmählich gewohnt, und gewöhnt sich doch nie daran!
Selbst die Todesstreifen bekommen noch ihr Fett weg: ein ganz normaler Todesstreifen hat die Aufgabe, Leben zu vernichten. Kein Leben kann auf dem Todesstreifen existieren. Wie kann dann ein Todesstreifen sich alles Lebendigen entledigen??? Das setzt die Existenz von Lebendigem auf einem Todesstreifen voraus, den persönlichen Besitz an Leben sozusagen, den der Todesstreifen hat und dessen er sich jetzt entledigt! Ein besonderer Ausdruck (sich entledigen) wurde gewählt, und der haut prompt jeden Sinn in die Pfanne. »(.) weit weg von den Todesstreifen, die alles Leben vernichtet haben«: es wäre so einfach gewesen.
Vielleicht sind auch Todeszonen gemeint oder, noch umfassender, dass die ganze Erdoberfläche Todeszone geworden ist und in diesem Werden alles Leben vernichtet hat. Aber es wäre halt bloß gemeint. Es steht etwas völlig anderes da! Die Aufgabe eines Schreibers ist es, möglichst präzise zu schreiben, was er meint. Andernfalls passiert genau das, was in diesem Gedicht passiert ist.
Schön, dass die letzte Strophe den Rahmen schließt, der in der ersten Strophe gesetzt wurde: Das Meer kommt wieder, das Reinigen, Tag und Nacht; nur der Mensch fehlt, der in der ersten Strophe noch ungehemmt seinem Blutrausch frönte. zurück

Beitrag vom 28. April 2000 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Das Büffet – Lyrik

Ein Büfett
ist schon okay,
stehst du vorne in der Menge.

Aber es ist äußerst trist,
wenn man ganz weit hinten ist
und nicht ran kommt im Gedränge.

Denn du siehst die leck’ren Sachen
schnell verschwinden in den Rachen
all der vielen Menschen hier,
die im Gegensatz zum Tier,
wenn sie satt sind weiter fressen
und im Saufen sich noch messen,
die sich, randvoll bis zum Kragen,
endlos mästen bis ihr Magen
alles wieder von sich speit
und sich von dem Schmaus befreit;
doch man findet dies gerecht,
weil man schließlich dafür blecht.

Auch du selbst, der du weit hinten
siehst das Festmahl schnell entschwinden
und drum geiferst Gift und Galle,
bist im Grunde wie sie alle,
bist nur leider unbesonnen,
viel zu spät dazugekommen.

© 2000 by Ulrich Selzer. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Wer sich mit Gedichten auch nur ein bisschen auskennt, leidet in der Regel unsäglich, wenn selbst ernannte Dichterfürsten mit zusammengestümperten endlosen Versen irgendwelche Jubilare ehren wollen: Diese Ergüsse sind in der Regel handwerklich grauenerregend schlecht, ganz zu schweigen vom Inhalt, aber die Vortragenden kommen sich Wunder weiß wie vor. Solch Gerümpel in Kurzfassung findet sich – finanziell honoriert – zu Hauf in der Regenbogenpresse, angeblich fabriziert von Hausfrau &Co.

Büffet hat den unschlagbaren Vorteil, handwerklich sauber gemacht zu sein. Die Reime stimmen, durch alle Strophen zieht sich ein einheitliches Versmaß, es hat einen Rahmen (den Standort des du) – ich kann mir durchaus Gelegenheiten vorstellen, wo es Menschen Spaß machen kann, dieses Gedicht zu hören.
Aber unbestreitbar bleibt, dass der Reim stellenweise auch dieses Gedicht unter Preisgabe des Inhalts dominiert. Das ließe sich problemlos durch zusätzlichen Arbeitsaufwand beheben (der müsste ebenfalls begradigen die allzu auffälligen Verschiebungen im Satzbau der letzten Strophe). Es würde dann ein kleines, nettes Gedicht ohne Ambitionen außer der: zu unterhalten.

Die Kritik im Einzelnen

Warum der Wechsel von du zu man? Fast alle weitere Zeilen haben ebenfalls du; ändern lässt es sich ebenfalls blitzschnell, da ohne jede Umstellung innerhalb des Satzes. Die ersten beiden Ströphlein ließen sich zu einer verbinden: das ergäbe eine 6-zeilige Eingangsstrophe, parallel zur Schlussstrophe; inhaltlich beschreiben beide 3-Zeiler die Ausgangssituation: die Bewertung eines Büffets in Abhängigkeit vom Platz in der Menge – die Verbindung zu einer Strophe wäre also inhaltlich sogar geboten. zurück
Die fehlenden Satzzeichen erschweren ein Lesen und damit ein Verständnis; sinnvoll müsste oder könnte es heißen: die – im Gegensatz zum Tier -, wenn sie satt sind, weiter fressen (.) zurück
Der Inhalt dieses Verses findet sich bereits zwei Zeilen zuvor im satt; die Doppelung ergibt sich aber nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern aus der Notwendigkeit, für fressen einen Reim zu bilden, der sich in der folgenden Zeile in messen findet; daraus ergibt sich die seltsame Folge zu viel essen – zu viel trinken – zu viel essen. Um das zu beheben, müsste stärker inhaltlich in den Text eingegriffen werden. zurück
Die Menschen mästen sich gerade nicht endlos, sondern nur bis zu dem Augenblick, an dem sie alles von sich geben; endlos hieße, sie würden in kolportierter römischer Manier nach dem Reihern erneut essen, per Pfauenfeder sich von dem Schmaus befreien usw.; davon aber ist in diesem Gedicht nicht die Rede! Darüber hinaus bedeutet randvoll bis zum Kragen, dass jedes weitere Krümelchen unweigerlich zum Überlaufen führen muss – mithin ist endlos weiter mästen dreifach falsch und übertrieben. Hier diktiert eindeutig der Reim das Geschehen, nicht das Geschehen den Reim! zurück
Zwei verschiedene Magenaktionen werden einfach aneinander gereiht, anstatt dass die verschiedenen Aspekte verdeutlicht werden, nämlich der Vorgang speien und das Ziel befreien. Ich würde folgende Änderungen anregen: alles wieder von sich speit, so sich von dem Schmaus befreit oder (was ich vorziehen würde): (.) und sich so vom Schmaus befreit. zurück
Da sich man auf die Menschen bezieht, ließe es sich das erste durch sie ersetzen: doch sie finden dies (.) Eine Änderung des folgenden man geht technisch nicht so einfach, wäre aber auch nicht unbedingt notwendig; das Hauptproblem liegt jedoch ganz wo anders:
Gerecht und blecht reimen sich, als seien sie eigens dafür geschaffen; aber was ist gerecht am Kotzen? Gemeint ist doch nur, dass die Gesellschaft ihre Reiherei ganz okay findet. Das hat mit Gerechtigkeit bzw. ihrem Gegenteil nicht mal im Ansatz etwas zu tun. Hier verzerrt der Reim den Inhalt gewaltig! zurück

Beitrag vom 4. April 2000 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Sucht – Lyrik

Wie schwer ist das reale Leben für dich zu ertragen -
und wie leicht ist es doch, diesem Leben zu entflieh’n!
Allen Realitäten einfach zu entsagen,
und zu Mitteln zu greifen, wo Gedanken nur noch Kreise zieh’n!

Wie schön muss es sein, Gedanken zu haben, ohne Kanten und Ecken -
kein Elend, keine Krankheit, kein Kummer, keine Not,
nur das unbeschreibliche Gefühl, hinter Sucht sich zu verstecken,
und kein erbitterter Kampf mehr um das tägliche Brot!

Mit Alkohol, mit Tabletten, mit Drogen kannst du alles erreichen,
brauchst nicht jeden Tag das Letzte deiner Kraft zu nutzen,
kannst spielend leicht ins Reich der Träume entweichen,
und musst nicht jeden Tag irgend einen Fehler ausputzen!

Sehnst du dich nicht auch nach Mittel, die berauschen?
die dir gestatten, ins Land der Fantasie zu reisen,
die dir helfen, nur auf die Stimmen des Paradieses zu lauschen,
und nicht dazu beitragen, dich ständig nur zurechtzuweisen!

Wie teuer ist die Reise in den Garten Eden?
Welchen Preis musst du dafür wohl bezahlen?
Erschwinglich ist er zuerst für jeden,
und kostet doch Tausende von Höllenqualen!

Gibt es doch Menschen, die dich nicht nur hassen,
die immer an deiner Seite geblieben,
die dir stets helfen, schwierige Entscheidungen zu fassen,
und die dich von ganzem Herzen lieben.

Willst du wirklich diese Realität nicht spüren,
bist du wirklich so auf den  Rausch versessen?
Soll niemals mehr das Gefühl der Liebe dich rühren,
und möchtest du tief im Innern die Wunder der Erde vergessen?

So lange du noch denken kannst, bedenke vor allem dies!
Alkohol, Tabletten und Drogen sind eine Sucht,
werden deine ständigen Begleiter auf einer endlosen Flucht,
und entpuppen sich als Teufel im Paradies!

© 2000 by Christine Utermöhlen. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Gut gemeinter moralischer Zeigefinger ist alles an Positivem, was ich mir dazu abringen kann.
Ansonsten ist Sucht ein grauenhaft schlecht gemachtes Gedicht, voll von gravierenden inhaltlichen und sprachlichen Fehlern; formal haben immerhin sieben Strophen einen Kreuzreim, während die letzte Strophe als »Moral von der Geschicht« einen umfassenden Reim bietet. Metrum kommt nicht vor, war wohl auch nicht beabsichtigt. Dieser Text wird keinem einzigen Nicht-Süchtler Stoff zum ernsthaften Nachdenken geben, ebenso wenig einem Süchtler, denn keiner von beiden erfährt auch nur den Hauch von etwas Neuem, dafür muss er viel Unfug ertragen. Sucht ist schlichtweg überflüssig.

Mir wird von alledem so dumm,
als ging’ mir ein Mühlrad im Kopf herum.

Goethe, Faust, V.1946f

Die Kritik im Einzelnen

Wie viele Realitäten gibt es? Reicht eine nicht? Und wohin gehört diese Aussage grammatisch? Ich nehme an, hier sollte und wie leicht ist es doch, diesem Leben zu entflieh’n fortgesetzt werden, was aber durch das Ausrufezeichen unterbunden wird. Alle Realitäten würde – wenn meine Annahme stimmt – zu einer Erläuterung von Leben, was inhaltlich dürftig ist, oder zu einem Synonym, was einfach albern ist. Rätselhaft bleibt auch, warum es entflieh’n heißt und nicht einfach entfliehen, schließlich hat dieses Gedicht keinerlei erkennbares Versmaß (sodass das zugeordnete Reimwort genau so einfach wie schön ziehen heißen dürfte). Oder bekommen apostrophierte Reime etwas Dichterisches allein kraft des Apostrophs? Was es nicht alles gibt! zurück
Entsagen bedeutet entschiedenen Verzicht auf etwas, das man bisher sehr geliebt hat. Dem war aber nicht so: das angesprochene Menschenkind du hat das Leben nicht ertragen! Entsagen passt also keinesfalls (reimt sich aber schön auf ertragen).zurück
Dieses du wird keinesfalls dem Leben entfliehen und zu Mitteln greifen, sondern es wird diesem Leben entfliehen, indem es zu Mitteln greift; hier werden inhaltliche Zusammenhänge verschleiert, werden Ursache und Folge voneinander getrennt und als gleichwertige Bestandteile addiert – das ist  grobe Schludrigkeit. zurück
Die Ortsangabe wo wird sich doch nicht etwa auf Mittel beziehen??? Es gibt aber keinen anderen möglichen Bezug!!! Mittel, in denen Gedanken nur noch Kreise ziehen – au weia… zurück
Aber nicht genug damit: nehmen wir einmal entgegen der Satzbaulogik an, es seien nicht die Mittel, die denken, sondern dass Gedanken sich im Kreise drehen, wäre die Folge von Einnahme dieser Mittel: ist die Aussage dann besser?
Iwo! Weil Gedanken sich im Kreise drehen, die Verzweifelten also keinen Ausweg mehr sehen, greifen sie zu Drogen: dann hört dieses Kreisen nämlich auf, zumindest vorübergehend. Der Satz bleibt unsinnig, wie man ihn auch dreht. zurück
Wenn Gedanken sich im Kreise drehen, haben sie notwendig weder Kanten noch Ecken, aber warum das schön sein muss bzw. wie schön das sein muss, weiß niemand, es ist ja aus genannten Gründen gerade nicht schön! Der Unsinn wird hier einfach nur fortgesetzt. Was aber folgt wohl nach dem Gedankenstrich? In der ersten Strophe war es ein Sichtwechsel von schwer zu leicht. Man darf gespannt darauf sein, was jetzt gewechselt wird! zurück
Gewechselt wird nichts, dafür unser Blickfeld geweitet: wir erfahren endlich, was reales Leben ist oder die Realitäten: Elend, Krankheit, Kummer, Not – und dieses ungleiche Quartett ist gleichbedeutend mit »Gedanken mit Ecken und Kanten«: Wer an Elend und Konsorten denkt, denkt mit Ecken und Kanten, wer ohne Not denkt, soll es lieber gleich unterlassen, denkt er doch im Kreise »Elend, Krankheit, Kummer, Not, Elend, Krankheit, Kummer, Not, Elend, Krankheit, Kummer, Not, dumda dumda dumda dumm (da capo al fine)«
Würde dieses Gedicht aus dem Sudan stammen, könnte ich ihm an dieser Stelle irgendwie noch einen gewissen Realitätsbezug abgewinnen; da es aber aus Deutschland stammt, ist es geradezu blanker Hohn! Damit mir niemand etwas unterstellt: selbstverständlich gibt es bei uns Elend, Krankheit, Kummer, Not (wobei Krankheit überhaupt nicht zu den anderen Begriffen passen will), aber es ist nicht die Realität unseres Lebens, genauso wenig wie der folgende erbitterte Kampf (.) um das tägliche Brot!
Worauf sich nur das unbeschreibliche Gefühl bezieht ist – wieder einmal – völlig unklar: ist es als Gegensatz zu dem Leidensquartett gemeint? Dann wäre das schlichtweg dumm: Drogensüchtige sind selten stolz auf ihre Sucht, sie leiden extrem darunter, nicht von der Sucht loszukommen (auch wenn sie es nicht zugeben), und der erbitterte Kampf um die tägliche Droge ist in Deutschland um einiges härter als jeder Kampf ums tägliche Brot: Brot kann man klauen, Drogen muss man kaufen, und für die Finanzierung muss man wesentlich mehr klauen als einen Laib Brot gegen den Hunger!
Sicherheitshalber und folgerichtig wird dieses Gefühl der Drogensüchtigen unbeschreiblich betitelt: was man nicht weiß, kann man nicht beschreiben – es ist eine sehr einfältige Sicht der Dinge, wenn man vor ihnen die Augen verschließt! zurück
Kein Mensch kann mit Drogen alles erreichen, niemand will mit Drogen alles erreichen: gewünscht wird Glücksgefühl, Überlegenheitsgefühl, Schmerzfreiheit, Lockerheit und was der verständlichen Wünsche mehr sind; aus diesen Zeilen schwingt spürbar empörte Eifersucht mit: ich armes Schwein muss jeden Tag um das tägliche Brot kämpfen und das Letzte meiner Kraft nutzen, muss jeden Tag einen Fehler machen und diesen wieder ausputzen, und du, du asoziale Sau, nimmst einfach Drogen!
Es wundert nicht, dass unterschieden wird zwischen Äpfeln und Obst, zwischen Alkohol, Tabletten und Drogen: im Bewusstsein vom Deutschen Michel sind nämlich Alkohol und Tabletten keine Drogen, sondern Alkohol und Tabletten, und – ach ja: Zigaretten, aber die sind ja nun eigentlich überhaupt nicht schlimm! Doch wenn eine Tablette XTC heißt oder LSD, dann ist das keine Tablette mehr, sondern eine Droge, im Gegensatz zu Valium oder Captagon, was keine Drogen sind, sondern Tabletten. Ob ein Gedicht, das auf dieser Schiene fährt, irgendetwas bewirkt außer Gelächter, ist zumindest fraglich (unter der Voraussetzung, dass jemand wirklich aufmerksam liest bzw. zuhört). zurück
Irgendwie irritiert mich das du zu Beginn dieser Strophe: ist hier ein Leser gemeint? Nicht mehr der Drogensüchtige wie zuvor? Oder ist zuvor gar nicht der Drogensüchtige gemeint gewesen, sondern ebenfalls der Leser? Ich muss das Gedicht nochmals von vorne lesen! Ich bitte um drei Augenblicke Geduld! (pro Strophe eine Auszeit): (.)(.)(.)
Tatsache: Man könnte es auch anders lesen! Ich hätte die ersten drei Strophen auch lesen können, als wolle jemand mir als Nicht-Drogen-Nehmer (nur Weintrinker, aber genau!) Drogen schmackhaft machen – einmal abgesehen von der Zeile mit dem unbeschreiblichen Gefühl, hinter Sucht sich zu verstecken, denn verstecken ist ja nichts Schmackhaftes bzw. Wünschenswertes, und Sucht schon gleich gar nicht! Das ändert allerdings nichts an dem inhaltlichen Unsinn; ich habe die Zeilen anders gelesen, und sogar die mit dem unbeschreiblichen Gefühl usw. hat in meiner Lesart ihren Platz (im Gegensatz zur anderen Lesart). Es gibt folglich keinen Grund, irgendetwas zurückzunehmen: Ich habe es – fett gedruckt - relativiert. Weiter also in Text und Strophe:
Mit Land der Fantasie ist der zuvor genannte Ort gemeint, der so angepriesen wurde: wo Gedanken nur noch Kreise zieh’n. Das ist ein eigenartiger Begriff von Fantasie oder auch »Deine Fantasie schlägt Blasen, Onkel Donald«, wie einstmals Tick, Trick und Track ihres Onkels Fantasie in die Schranken wiesen.
Den Drogen-Mitteln wird eine – wohl anderen Mitteln inneliegende – Fähigkeit abgesprochen: Drogen können nicht dazu beitragen, sich ständig nur zurechtzuweisen. Meines Wissens beherrschen Drogen nicht nur das nicht, sondern sie können zudem nicht dazu beitragen, rechts und links zu unterscheiden oder sich an den eigenen Haaren aus dem Sprachmüll zu befreien oder einen Knopf anzunähen oder oder oder: die Bandbreite dessen, wozu Drogen nicht beitragen können, geht gegen unendlich; warum also wird dieses Unvermögen der Drogen so herausgehoben? Und was soll das inhaltlich bedeuten? Ich weiß es nicht. Es ist mir letztlich auch egal: man muss ja nicht mit Gewalt alles verstehen wollen, was so geschrieben wird. zurück
Der Preis ist also erschwinglich? Nicht etwa die Ware, also die Reise? Schön, dann kaufen wir halt einen billigen Preis, wenn es denn unbedingt sein muss (es muss: Text will es so). Was nun bedeutet erschwinglich? Der Preis, der Tausende von Höllenqualen kostet, und zwar doch kostet, ist erschwinglich. Das verstehe, wer will!
Gemeint ist vermutlich, dass jemand teuer dafür bezahlen muss, wenn er für die erschwinglichen Preise blecht: entgegen der Aussage im Text muss er aber nicht mit Tausenden von Höllenqualen bezahlen, sondern jemand muss für die erschwinglichen Preise bezahlen, indem er anschließend (das soll doch hier bedeuten) Tausende von Höllenqualen erleidet. Warum unser Drogenkopf in spe lediglich lächerliche Tausende von Höllenqualen leiden soll und nicht Billiarden von diesen oder gar unendliche solche, bleibt im Drogennebel verborgen: Hauptsache, es ist mehr als 1 Höllenqual; ansonsten ist für eine Abschreckung jedes Maß richtig in der nach oben offenen Kitschskala. Nach meinem Dafürhalten genügte ein schlichtes Höllenqualen – da kann sich jeder so viele vorstellen, wie er möchte (z.B. fallen mir mehr als drei auf Anhieb nicht ein: Stefan Raab, Arabella und dieses Gedicht – wobei das Erste das weitaus Schlimmste wäre). zurück
Eiwei, hier kommt der überzeugend-geniale Trost: Es gibt Menschen, die das armselige drogenanfällige du nicht nur hassen! Will sagen: »Ey, schau mal die Menschen: Die hassen dich nicht nur, die quälen dich auch, lachen dich aus, verarschen dich sogar, mobben an dir rum, dass uns das Herz im Leibe lacht! Halte durch, halte durch, haben wir doch unsere Freude dran!« Woher kommt das? Wieso geschieht das? Da verrutscht beim Schreiben ein nicht nur, und schon steht das Gegenteil da von dem, was beabsichtigt war; ein absichtliches Verlagern des nicht nur wäre nachvollziehbar, sollte damit ein ansonsten holperndes Versmaß gewaltsam zurechtgerückt werden – aber diese Ausflucht gilt in diesem Gedicht nicht; wie auch immer: Diese nicht-nur -Verlagerung verdreht den Sinn völlig, ist in jedem Falle kontraproduktiv. Stellen wir nicht nur an den Platz, wo es hingehört: »Gibt es doch nicht nur Menschen, die dich hassen (.)« – schon wäre alles eindeutig. (Selbstverständlich müssten die folgenden drei Zeilen umformuliert werden, sonst verdreht sich deren Aussage!)
Drogenabhängige fühlen sich fürchterlich einsam, da nützen alle gegenteiligen Beteuerungen nichts: Denn in der Regel ist – für ihr eigenes Empfinden – genau dann niemand für sie da, wenn es ihnen besonders schlecht geht. Sie brauchen eine Betreuung rund um die Uhr, und die kann beinahe niemand leisten, der das nicht professionell macht. Soviel zu immer an deiner Seite geblieben: man macht sich da gern was vor! Und einer, der Drogen nimmt oder in einer entsprechenden Verfassung ist, merkt zwar die gute Absicht, erkennt sie aber gleichzeitig als Ausdruck der Hilflosigkeit von demjenigen, der Entsprechendes äußert (ich stelle das fest aus eigener Erfahrung im Umgang mit Drogenabhängigen; es ist kein Anlass für Resignation, sondern für mehr Ehrlichkeit: man muss Drogenabhängige nicht mit leeren Versprechungen beruhigen wollen).
Zurück zur Strophe: Entscheidungen werden nicht gefasst, auch nicht um des Reimes willen, das unterscheidet sie nämlich von Entschlüssen: Die werden gefasst. Entscheidungen aber werden getroffen oder vertagt oder hinausgeschoben oder abgewogen oder… aber niemals gefasst. zurück
Was ist aus den Realitäten geworden? Ist nur noch eine übrig geblieben? Daschauher! Ist aber doch wohl eher versehentlich geschehen, denn die erste Strophe mit den vielen Realitäten ist nicht überarbeitet worden.
Wieso soll ihn das Gefühl der Liebe nicht mehr rühren: ihm wurde doch gerade erst versichert, dass da Menschen um ihn sind, die ihn von Herzen lieben? Wird hier eine Drohung ausgesprochen: wenn du Drogen nimmst, lieben wir dich nicht mehr (das wäre dann diese berüchtigte Liebe, die nach Belieben ein- und ausgeschaltet werden kann)? Was ein Schmarren!
Jetzt schlägt der Kitsch unvermittelt geharnischt zu: Willst du Drogen nehmen, das heißt tief im Innern die Wunder der Erde vergessen? Stellen wir uns die Auswirkungen dieser Frage einmal in literarischer Form vor (bedauerlicherweise aber nur in Prosa):
Kaum vernimmt er diese Frage, geht ein Aufschrei durch den angehenden Drogensüchtigen: »Nein!« – so schreien die Wunder der Erde tief im Innern – »Nein, vergiss uns nicht, sonst sind wir ganz allein, vergessen von aller Welt!« Eine Träne rinnt dem angehenden Drogensüchtigen aus dem Augenwinkel über die Backe, und ein heftiges Schluchzen lässt seinen zarten Körper erbeben: »Niemals!« entringt sich seinen zitternden Lippen: »Niemals nie werde ich euch vergessen, oh ihr wunderbaren Wunder in meinem tiefsten Innern!« Und durch diese unglaubliche seelische Erschütterung stürzt es ihm wie Schuppen von den Haaren, und er sieht sie wieder, die Welt mit allen ihren Realitäten, und glücklich stammelnd sinkt er anbetend auf die Knie:»Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!«
Und zack! schon ist ein angehender Drogensüchtiger weg vom Dealer, der das Nachsehen hat und aus lauter Frust einer ehrlichen Tätigkeit nachzugehen beginnt. Wie schön, dass wir in einer solch einfach gestrickten Welt leben dürfen. Ich würde diesen Satz als neue Therapie vermarkten, vielleicht als Realitäten-Therapie oder Tränen-Therapie (tolle Alliteration) – darf ich leider nicht: ‘s ist nicht meiner… zurück
Alkohol, Tabletten und Drogen (hatten wir schon, brauche nichts mehr hinzuzufügen) verursachen also nicht etwa Sucht: sie sind eine Sucht! Zu dieser Erleuchtung komme man – so das Gedicht -, wenn man noch denken kann! Na, da freu ich mich aber: sollte man nicht mehr denken können, kann das Ergebnis einer geistigen Anstrengung auch nicht danebener sein als die obige Erkenntnis; Folgerung: warum sollte jemand eigentlich noch denken, wenn so etwas als Ergebnis gewünscht wird?
Angenommen, die Flucht ist tatsächlich endlos: was scheren mich dann irgendwelche Teufel in irgendeinem Paradies? Ich komme doch eh nie zur Ruhe, bin dauernd unterwegs! Und wenn meine ständigen Begleiter sich als Teufel im Paradies entpuppen (mehrere Teufel? Also ein ganzes Rudel von Schlangen? – Hoppla: Sagt man eigentlich Rudel bei mehreren Schlangen? Oder ist das eher ein Pulk oder ein Bündel, gar eine Herde? Muss ich mal im Brehm nachschauen …), dann bin ich sie spätestens nach der Entpuppung los: Die ehemaligen Drogen vergnügen sich als Teufel im Paradies, und ich befinde mich weiterhin, jetzt aber drogenfrei, auf einer endlosen Flucht. Ist gut für die Kondition, macht fit, hält beweglich. Quintessenz: Nimm Drogen!
Danke mal, ich verzichte dennoch (bis auf den Wein, aber das ist ja eh keine Droge, das ist schlechterdings nicht einmal Alkohol, das ist bloß Wein)! Dass diese Quintessenz-Strophe ein eigenes Reimschema bekommen hat, ist angesichts des wahren Gehalts dieser Strophe nur zu unterstützen!
P.S.: Brehm’s Thierleben gibt leider keine Auskunft darüber, wie man eine Formation von mehreren Schlangen nennt: Er kennt nur Schlangen bzw. viele Schlangen, manchmal auch einige. Vielleicht kann mir ein Schlangenkenner helfen; bis dahin werde ich mich an den Brehm halten. zurück

Beitrag vom 22. März 2000 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: In dich – Lyrik

Auch schon mal in dich gegangen?
Verdammt große Räume.
Bescheiden möbliert.
Fenster mit Aussicht.
Andere verhangen.

Ein paar Zentimeter Teppich über dem Boden.
Staubfarben, klar.
An- und ausgehende Lichter.
Zeitweise trüber Geruch.

Übermalte Bilder von
Über-Malern.
Auch Fälschungen? Wer weiß!
Ein Fernseher mit kleinem Schwarz-weiß Bild.
Mit Sendungen aus den 50ern.

Eine Standuhr,
die ihrem Namen Ehre macht.
Eine bunt lackierte Tür.
Dahinter ein Plumpsklo mit Zeitungen
als Papier.

Menschen?
Die lieb und werten am Esstisch.
Vertieft ins Gespräch über
Thema Nummer eins:
Über dich, altes Haus!

© 2000 by Wilfried Bienek. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Zunächst gefällt mir, wie der Autor mit Lesererwartungen spielt, jedenfalls mit meinen: Angesichts der Überschrift sanken meine Erwartungen ins Bodenlose, denn in meinem Kopf brachen schlagartig schlimme Erinnerungen an kitschtriefende Liebesgedichte auf – doch schon in der folgenden Zeile bat mein guter Kern den Autor heimlich um Verzeihung: dass ich ihm so etwas zugetraut habe!
Ähnliches widerfuhr mir bei der vorletzten Zeile: »Thema Nummer eins«! Schade, jetzt hat das lyrische Ich am Ende doch noch nur Frauen im Kopf … – Pustekuchen: Wieder hat mich der Autor dran gekriegt. Heimlich entschuldigt habe ich mich allerdings nicht mehr bei ihm, sondern ich habe dem Schelm heimlich mit dem Finger gedroht. Dann gefällt mir: Der Autor nimmt eine Redewendung wörtlich, indem er sie mit einem umgangssprachlichen Idiom verknüpft. Klar, das ist nicht originell, schon gar nicht bei dieser Redewendung – aber das muss und soll es auch nicht. Entscheidend ist allein, wie der Autor das macht! In diesem Gedicht wird der Leser seinen Gedanken und seinen Gefühlen überlassen: schmucklose Satzfetzen, eine lakonische Bestandsaufnahme des Hausinnern, sachliche Adjektive (und die unerwartete Synästhesie trüber Geruch); nichts, was einem Gefühle aufzwingen will; nichts Belehrendes; nichts Tiefsinn-Vortäuschendes, dafür in der letzten Zeile ein kleines Augenzwinkern (Über dich, altes Haus). Der Autor macht ein Angebot. Und das ist gut so!
Dazu passt die Form (aber nur, wenn die 2. Strophe fünf Zeilen hat!!!); die erste, dritte und fünfte Strophe enthalten jeweils eine Frage, ein dich in der ersten und letzten Zeile schafft einen Rahmen; alle Sinne werden angesprochen (der Tastsinn bei Zeitungen als (Klo)Papier).

Dieses Gedicht öffnet im wahrsten Sinne des Wortes Räume für eigene Gedanken, Gefühle und Bilder, wenn man sich darauf einlässt; und je mehr ich mich darauf einlasse, desto mehr entdecke ich in dem alten Haus!

ALFONS herrscht ihn an: Hör auf mit diesem Ton! Geh lieber in dich!
Stille.
HUDETZ grinst: Wohin soll ich gehen? In mich hinein? Was tät ich denn da finden?
ALFONS Schau nach.
HUDETZ horcht auf und grinst nicht mehr.
Stille.

(Ödön von Horváth, Der jüngste Tag; Sechstes Bild)

Die Kritik im Einzelnen

Warum hat diese Strophe als einzige nur vier Zeilen? Liegt hier ein Übertragungsfehler vor? Gehört  vor Teppich ein Zeilenumbruch oder vor über – da ergäbe sich zudem eine formale Parallele zum gedoppelten Über der nächsten Strophe?
Sollte diese Strophe tatsächlich nur vier Zeilen haben, wäre ich ratlos, denn inhaltlich finde ich nichts darin, was diese besondere Formgebung rechtfertigen würde (Ich lasse mich gern eines Besseren belehren). In diesem Fall würde ich fordern: Umbrechen! Fünf Zeilen draus machen! Passend zu den anderen Strophen! Es nützt dem Gedicht, wenn der Leser nicht durch »zufällige« Besonderheiten auf Fährten gelockt wird, die in Sackgassen führen! zurück
Auf die Frage »Auch Fälschungen?« bekommt der Leser durch das anschließende »Wer weiß!« keine Antwort. Stünde die Frage allein, bekäme er ebenfalls keine Antwort: wozu also diese Nicht-Antwort-Antwort? Weg damit, auch um des überwiegenden sachlichen, ja lakonischen Tones willen; dieses »Wer weiß!« setzt einen geheimnisvoll-bedeutungsschwangeren Akzent, der sonst (erfreulicherweise!) durchweg fehlt: also weg damit! zurück
Die Sendungen aus den 50ern laufen fraglos im Fernseher, ein Radio ist schließlich nicht genannt. Auf Mit kann ebenfalls problemlos verzichtet werden, was wiederum den lakonischen Sprachstil unterstützte. zurück

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