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Stichwort: Lyrik

Alle Beiträge, die von der literaturcafe.de-Redaktion mit dem Stichwort »Lyrik« versehen wurden.

Beitrag vom 14. November 2016 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Zu große Wörter, inzwischen völlig sinnentleert

Als die Zeit stehen blieb
blühten Veilchen
Lerchensporn und Schlehen
Maiglöckchen am Winterhang

Die Dämmerung wollte nicht weichen
endlos streifte
dasselbe Wasser
dasselbe Ufer

Als die Zeit stehen blieb
jagte ein Hund seinen Schweif
Menschen jagten Menschen
zu den Waffen
und ein Klerus legte sich in Eisen
schillernd, im Kristall des Spiegels

Als die Zeit stehen blieb
zog ich aus
die Raben zu suchen und die Eulen
Wölfe auf ihrem Beutezug zu begleiten

Dem Nachklang eines Kinderlachens
entgegenzulaufen

© 2016 by Christof Wieland. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Das Gedicht stimmt einfach nicht, denn die Zeit ist nicht stehen geblieben, wie behauptet wird. Da wären ein ganz anderer Titel nötig mit entsprechenden Strophen-Anfängen und geändertem Inhalt.

Die Kritik im Einzelnen

Tja, das ist so eine Krux mit der Zeit: Bliebe die Zeit tatsächlich stehen (wie in diesem Gedicht Strophe für Strophe wiederholt wird), dann könnte nichts von dem geschehen, was da geschildert wird, denn Zeit ist definiert als Bewegung im Raum, und bleibt die Zeit stehen, gibt es eben keine Bewegung im Raum mehr. Hier treffen wir auf das alte Problem der zu großen Wörter, die inzwischen völlig sinnentleert sind, aber herrlich kitschen, so wie Ewigkeit oder All oder Unendlichkeit oder etwa die ganze Welt, die angeblich trauert, weil irgendein Spinner andere umbringt oder die aus dem Häuschen gerät, weil jemand ein Tor geschossen hat. zurück

Ein Klerus? Es kann nur einen geben, nämlich DEN Klerus, also die komplett versammelte katholische Geistlichkeit. Diese soll sich also in Eisen legen, und zwar schillernd im Kristall des Spiegels? Welcher Spiegel denn? Rätsel über Rätsel … zurück

Warum will das Lyrische Ich Raben suchen – die sind doch überall? Und Eulen sind nachtaktiv, im Gegensatz zu den Raben. Oder sind hier Raben als Aasfresser und Eulen als Symbol für Weisheit gemeint? Und wenn ja, warum? Ach ja, dann noch die Wölfe, die das lyrische Ich auf deren Beutezug begleiten will: Haben die das Kind erbeutet, das kurz davor noch gelacht hat? Das ist alles höchst seltsam … zurück

Beitrag vom 10. Mai 2016 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Das missglückte Luder

Magst tanzen mit mir im fahlen Licht?
Bei Tannenduft?
Auf Moos gebettet,
verschling ich dich mit meinen Schenkeln.

Magst jagen mit mir durch Dornengebüsch?
Zum Ruf der Eule?
Im See erfrischt,
liebkost mein kalter Busen deine Lenden.

Magst laben dich an meinen Gruben?
Bei brütenden Vögeln?
Über Pfade der
fließenden Glut verführe ich dich.

Magst, dass ich dein Köder bin?
Ein Lockruf des Verlangens?
Willst, dass ich mich
schinde auf Knien vor deinem Eros!

Magst fühlen das Feuer unsrer Herzen?
Blutrote Haut auf weißen Federn!
Wässrige Küsse glucksen
im Sumpf meiner Verderbtheit.

Magst rufen mich bei meinem Namen?
Mein brennender Atem flackert vor Lust!
Als Jungfrau Diana soll ich dir dienen,
nennst Luder mich.

Magst dich nicht wehren mit Klauen und Zähnen?
Ich keuche meine Beichte mit Freude Dir ins Ohr:
Deinen Leib will ich weiden,
wie der Jäger die Ricke!

Magst nun darben auf liederlichem Schindacker,
verscharrt unter vertrocknetem Laub!
Noch ein Mal witt’re ich deinen klebrigen Duft.
Nun lockst du nach altem Brauch das Biest!

© 2016 by Martina Siehms-Dahle. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Missglückter Versuch, die Doppelbedeutung von Luder in ein Gedicht zu stopfen
Dieses Gedicht enthält eine inhaltliche Steigerung. Das spiegelt sich aber nur grob inhaltlich wieder, jedoch überhaupt nicht in der Form! Die Vorgabe der ersten beiden Strophen wird nicht allmählich aufgelöst, sondern schlagartig. Formal bleiben nur die vier Zeilen und die Frage Magst zu Beginn (abgesehen letzten Abschnitt). Eine allmähliche Veränderung der Struktur in weniger Strophen wäre eindringlicher gewesen.

Die Kritik im Einzelnen

Wie kann man auf Moos gebettet tanzen? Nachdem das Luder zwei Fragen gestellt hat, teilt es dem befragten Wesen mit, es verschlingen zu wollen. Normalerweise müsste der Text hier enden  – aber wer kennt schon des Wesens Wesen! Gewiss: verschlingen ist hier übertragen gemeint, dennoch bleibt der Fall vom Tanz zum Geschlechtsverkehr gewaltig! zurück

Durch die Wiederholung ist jetzt die Struktur des Gedichts vorgegeben: Erste und zweite Zeile enthalten jeweils eine Frage, dann folgt ein konkreter Ort, gefolgt von einem Partizip, und dann folgt die Handlung des Luders.
Im Metrum zeigen sich kleine Variationen – außer in der Schlusszeile: die hat hier fünf Jamben, in der vorherigen waren es nur vier. Das ließe sich leicht verbessern, wenn man aus dem kalten Busen einfach Busen machte – schon wäre sie sauber! zurück

Jetzt wird die aufgebaute Struktur zerbrochen. Einen nachvollziehbaren Grund dafür finde ich nicht: Es gibt kein mit mir mehr, keine Orte, das Metrum wird verlassen. Gleich bleibt nur das Magst zu Beginn jeden Abschnitts (Strophe heißt es nur, wenn die Teile eines Gedichts vom Aufbau gleich sind).
War in den beiden ersten Strophen das Luder noch aktiv, ist es nun passiv: Es will, dass die andere Person sich an seinen Gruben labt . Was das für Gruben sind? Keine Ahnung! Bisher war noch nicht von einem Aushub die Rede! Oder sollten das etwa Wangengrübchen sein? Und kann man sich denn an denen laben? Keine Ahnung! Geschehen soll das bei brütenden Vögeln, also irgendwo in der Nähe eines Nestes. Doch warum werden hier Tiere genannt statt nur der Ort?
Dann wird das Luder wieder aktiv und verspricht der anderen Person, sie zu verführen … aber das hat Luder bereits in der ersten Strophe erledigt – auch wenn die andere Person jetzt nicht mehr schenkelmäßig verschlungen wird, sondern über Pfade der fließenden Glut. zurück

Luder würde gern Köder der anderen Person sein? Aha, sie will also nicht mehr die andere Person verführen, sondern dass die andere Person sie als Köder benutzt – für andere Männer und Frauen, mit anderen Worten: Das Luder wünscht sich einen Luden – nun gut, jede wie sie will.
Aber wieso heißt das, dass das Luder sich jetzt schinden muss auf Knien wegen des Eros’ des Luden? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Dieser Abschnitt kann getrost fehlen! zurück

Prostitution hilft offenbar nicht weiter, jetzt ist erneut (Ex)-Lude gefragt: Ob er das Feuer unserer Herzen fühlen möge, fragt sie. Kitsch sage ich. Dazu passend das schräge Bild von wässrigen Küssen, die im Sumpf der Verderbtheit glucksen … zurück

Das Luder möchte jetzt bei seinem Namen genannt werden, der da lautet Diana. Aber warum? Weil sie dem Luden als Jungfrau dienen will mit flackerndem Lustatem? Zu spät, geht nicht mehr, hat sich in der ersten Strophe bereits erledigt! zurück

Dass der Exlude Diana einfach über sich ergehen lässt, mag sie nicht, sie hätte lieber Gegenwehr, am besten mit Klauen und Zähnen, tierisch halt! Und aus irgendeinem Grund keucht sie ihm dabei freudvoll ihre Beichte ins Ohr: Deinen Leib will ich weiden,/wie der Jäger die Ricke!
Eine seltsame Beichte, denn niemand, nicht einmal eine Göttin kann etwas weiden! Es gibt Tiere, die weiden können. Man findet sie auf der Weide. Man kann sich zudem an etwas weiden (nicht an diesem Text), z. B. an einem Leib. Und den kann man sogar ausweiden – so wie ein Jäger den einer (toten!) Ricke. zurück

Jetzt haben wir den Salat: Das Luder hat den Exluden zum Luder im jägersprachlichen Sinne gemacht. Dann fragt es sich, wieso der Leib unter Laub versteckt wurde, wenn er das Biest anlocken soll, obwohl das Biest Luder-Diana bereits da ist!
Wozu also noch eins anlocken? Und welches? Das von der Schönen? Es gibt doch so viele
PS: Was ist ein liederlicher Schindacker? Gibt es denn auch gepflegt? zurück

Beitrag vom 4. März 2016 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Mit 30 Wörtern auf den Punkt

Als ich ihr geschrieben
»hab nie dich belogen«,
hat spöttisch der Bleistift
die Mine verzogen.

Als ich es bereute
nach einigen Wochen,
da streikte mein Bleistift,
er war dran zerbrochen.

© 2016 by Manfred Ende. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Inhaltlich und formal überzeugend

Zunächst fällt das Metrum auf: Gewählt wurde der in unserem Sprachraum seltene Amphibrachys (unbetont-betont-unbetont) und bis zum Ende sauber durchgehalten. Weiter überzeugt das Spiel mit dem Homonym Mine-Miene und dem konkreten und metaphorischen zerbrechen. Und es zeugt von Humor, wenn der Bleistift besser weiß als der Schreiber, dass letzterer lügt! Sonst würde er ja wohl einen Kuli verwenden.

Offen bleibt, warum der Schreiber das bereute: Hat der Empfänger des Briefes ihm die Lüge nachgewiesen? Musste er das eingestehen und wollte sich jetzt ehrlich entschuldigen?

Und wieder weiß der Bleistift besser Bescheid: Er lässt eine weitere Lüge nicht zu, verweigert den Dienst, denn er war bereits an der ersten Lüge zerbrochen.

Manche machen aus einer Liebeslüge einen Roman, andere kitschen, was die Feder hergibt. Manfred Ende bringt es formal und inhaltlich mit 30 Wörtern auf den Punkt!

Die Kritik im Einzelnen

entfällt

Beitrag vom 25. Januar 2016 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Zusammengepfuschter Betroffenheitsmatsch

Laut pochten meine Adern
bei diesen Luftgeschwadern.
Ich zitterte und schrie.
Sirenen heulten in der Nacht, als Häuser brannten
und Menschen um ihr Leben rannten.
Der Himmel spie

die Flugzeugteile und die Bomben,
wir saßen in den Katakomben,
die Erde bebte.
Es ging ein Zittern durch den Raum,
in Angst der letzte Abschiedstraum,
der leise, still entschwebte.

Ich fiel und fiel in weite Tiefen
vorbei an Kindern, die da schliefen
im Wolkenmeer.
Ich spürte, wie die Tränen liefen
zwischen den Lidern, die noch schliefen
und weinte sehr.

© 2015 by Hans-Walter Voigt. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Zusammengepfuschter Betroffenheitsmatsch

Die Kritik im Einzelnen

Bereits bei der wichtigtuerischen Überschrift ahnt man schon, wo’s lang gehen wird: Weite Tiefen! Warum nicht Tiefe Weiten? Wo ist da der Unterschied? Und welch rätselhafter Beginn: Wieso pochen des lyrischen Ichs Adern bei den Luftgeschwadern? Ist es etwa von allen guten Adern verlassen? Und was fangen die Geschwader mit den Adern an, während das lyrische Ich zittert und schreit? zurück

Mo-ment! Die ersten drei Verse boten 1 dreihebigen Jambus, 2x klingend, 1x voll. Damit ist eine Struktur vorgegeben, auch was das Reimschema betrifft (aabccb). Jetzt aber folgt ein sechshebiger Jambus: Soll das etwa die Zerstörung durch Bomben symbolisieren? Dann doch bitte weder Rhythmus noch Reim, sondern nur Fragmente!
Vers vier hatte 6 Jamben, Vers fünf hat 4, Vers sechs nur noch 2, dafür voll und mit einem Enjambement.
So geht’s halt zu beim Stümpern: Hauptsache, es reimt sich irgendwie, sonst ist es ja wohl kein Gedicht. Und der Inhalt spielt eh keine Rolle. zurück

Immerhin wird das Reimschema eingehalten; das Metrum wechselt in 2x vierhebig und 1x zweihebig.
Das rettet jedoch nicht den absonderlichen Inhalt: »Der Himmel spie« DIE Flugzeugteile und DIE Bomben? Welche denn? Bislang dachte ich, Flugzeuge haben die Bomben abgeworfen – Irrtum: Hier ist der HErr persönlich am werkeln, schmeißt Bomben und auch noch Flugzeugteile wie Seitenruder, Flügel und Fahrgestelle auf die rennenden Menschen. Was soll das?
Erstaunlich ist das Verhalten der Menschen: Da sie in den Katakomben sitzen,  müssen sie folgerichtig sitzend um ihr Leben rennen durch die Straßen in den Katakomben oder wie oder was? Ist egal, denn die Erde bebte (und hat wohl nebenbei die Wörter durcheinander gewirbelt!). Aber warum? Wegen der aufprallenden Fahrgestelle? Bebten die Katakomben mit? zurück

Reim stimmt, Metrum hat Neues zu bieten: 2x vierhebig und 1x dreihebig.
Ein Zittern geht durch den Raum? Das ist nur zu verstehen, wenn man sich erinnert an den dritten Vers, da zitterte nämlich das lyrische Ich (und schrie dabei); folglich geht jetzt das ent-aderte lyrische Ich rennend & Raum-erzitternd & sitzender Weise durch die Katakomben (den einzig bekannten Raum).
Jetzt wird’s mystisch: In Angst der letzte Abschiedstraum, der leise, still entschwebte. Seit wann sind Träume laut? Seit wann haben Träume Angst? Entschwebte folglich ein erster Abschiedstraum, ein lauter, geschwätzig?
Selbst Umstellproben ergeben keinen Sinn: Die Abschiedsangst, die leise, entschwebte still im letzten Traum oder die stille Traumangst, die letzte, entschwebte im leisen Abschied. Klingt auch nicht schlecht und ist inhaltlich genau so leer. zurück

Reim stimmt, Metrum stimmt mit dem letzten Dreierpack überein.
Warum das in den Katakomben herumzitternde lyrische Ich jetzt unvermittelt in tiefe Weiten – pardon: weite Tiefen stürzt, vorbei an Kindern, die da schliefen im Wolkenmeer, bleibt ungeklar, so dass sich Leser/in selbst einen Reim darauf machen muss/darf/kann:
Das lyrische Ich hat sich zu Tode gezittert, wollte dann in den Himmel und wurde dort vom HErrn in die Hölle geschickt  – es handelt sich also letztlich um eine Höllenfahrt. Denn dann und nur dann könnte das lyrische Ich das Reich der ungetauften Kinder durchqueren, die ja gemäß katholischem Magieverständnis weder erlöst noch verdammt werden können, weil halt das Taufritual fehlt, und die sich deswegen zwangsweise in einem Zwischenreich aufhalten müssen wie z. B. dem Wolkenmeer. zurück

Reimschema ändert sich (aabaab), auch das Metrum liefert Neues: 2x zweihebig; in der vorletzten Zeile nervt der Daktylus, denn verzichtete man auf den Artikel vor Lidern, wäre alles im Rahmen. Selbst solch leicht zu behebenden Fehler werden nicht bemerkt.
Erst wird das lyrische Ich seine Adern los, jetzt pennen – weil blutmäßig unterversorgt – seine Lider und merken deshalb nicht, dass sich zwischen (sic!) ihnen die Tränen die Füße wund laufen, weil sie nicht raus können! Wenn das mal nicht zum Weinen ist … zurück

Beitrag vom 6. Januar 2016 | Rubrik: Literarisches Leben, Literatur online

Paulchen schreibt: Die schönste Post des ganzen Jahres

fragment I von Sophie Paulchen

Es lag lange auf dem Schreibtisch: das fragement I. Manchmal erhält man Post, da will man sich für eine Antwort Zeit nehmen. Und dann liegt die Sendung da – und die Antwort kommt nie, weil man die Zeit nicht findet.

Daher muss an dieser Stelle endlich von der schönsten unverlangten Einsendung berichtet werden, die uns im vergangenen Jahr 2015 erreicht hat. Sie besteht aus 7 DIN-A4-Blättern – und ist doch viel mehr.

Beitrag vom 16. Juli 2015 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Brennende Babys

dörfer brennen wie
zeitungspapier
bäume genug
um einen wald voll
zu verbrennen
menschen noch mehr
so viel schon
brennt
und tiere erst
knistern in der luft
wie babys
oder spielzeug
als zigarrenrauch
in der luft
all das obst
und ähren und felder
selbst der fluß
kaffeeheiß
steigt empor
wie brennen dörfer

herr ober
lieber einen tee
und die neueste ausgabe
die hier ist
von gestern

© 2014 by Gary Tuncay. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Kurz, böse und ehrlich
Was dieser scheinbar beliebige Übergang von brennendem Zeitungspapier zu anderem Brennenden wie Wald, Tiere, Babys, Spielzeug auslöst, das spielt sich im Leser ab, damit muss er ganz allein fertig werden: Was geht da ab? Was geschieht? Woher kommen diese irritierenden Bilder?

Angedeutet wir es schon in der zweite Zeile: Die Zeitung mit ihren Sensations-Meldungen steht am Anfang, sie kommt jeden Morgen frisch auf den Tisch.
Die Meldungen informieren, aber stumpfen auch ab, wie z. B das lyrische Ich, das beiläufig alles zur Kenntnis nimmt und dann feststellt: Kenn ich doch, ist doch von gestern! Gibt es denn nichts Neues? Immer diese brennenden (oder ertrinkenden) Babys …

Die Kritik im Einzelnen


(entfällt)

Beitrag vom 4. Dezember 2014 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Freude über den Tod und ein gelungenes Gedicht

Im Apfelbaum
war der Tod
unerwartet
verschieden.

Ein Code
im Staub
waren wir
selbst
verständlich
nicht
den anderen.

© 2014 by Wilfred Gerber. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Einfach nur großartig! Hier wird dem Leser nichts vorgeschrieben, er darf seinen eigenen Assoziationen folgen!

E: Laut Luther-Übertragung war ein verbotener Apfel Ursache von Tod und Vertreibung – aber nun ist der Tod selbst gestorben … Was aber bleibt? Freunde!

Asche zu Asche, Staub zu Staub – eine weitere Anspielung auf den Tod. Die Freunde wissen es selbstverständlich – aber die anderen verstehen das nicht, können den Code im Staub nicht entziffern. Die Freundschaft jedoch überdauert.

Die Kritik im Einzelnen

entfällt

Beitrag vom 9. September 2013 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

feine post zum reinweinen von horst, hund und brodt

host, hund und brodt - nur die Postkarte, das Buch ist im Papier darunter eingewickeltEs steckt vieles im Briefkasten der Redaktion und immer viele Bücher. Man freut sich über die, die man angefordert hat, was selten passiert (das Anfordern, nicht das Freuen).

Und da sind die, die man nicht angefordert hat, die man aus dem Umschlag nimmt und deren Cover bereits verkündet, dass man sie nach dem Lesen des ersten Satzes weglegen wird. Aber wohin?

Und dann einer der raren Momente, in denen das Auspacken bereits Poesie ist und inmitten des Papiers Lyrisches schläft.

Beitrag vom 8. August 2013 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Gefroren ohne Muse

Was wird, wenn alles an Wert verliert?
In Dir Sinn und Glück erfriert?

Ohne Leidenschaft.
Ohne Muse. Ohne Kraft.

Bleibt nur – zu funktionieren.
Und ohne Ziel sinnieren

Oder sterben und erwachen!
Und am Ende drüber lachen.

© 2013 by Sabrina Fritzsche. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Haltloses Dumpfgelaber in Pseudogedichtform

Die Kritik im Einzelnen

Huch? Soll diese Frage ernst gemeint sein? Wieso denn gleich alles, also dieses Gedicht und den Wert inklusive? Wert ist nichts Materielles, folglich wird nichts anders, als es ist. zurück

Seltsam: Sinn & Glück sind zwar gerade wertlos geworden und jetzt auch noch als Steigerung in mir und dir und euch zusätzlich erfroren, und zwar nicht allgemein (=alles), sondern im Besonderen! Das soll also echt schlimm sein, wenn etwas Wertloses auch noch tiefgefrostet wird? Solch Unsinn will mir nicht in den Kopf! Immerhin reimen sich diese beiden metrisch unregelmäßigen Zeilen, aber das hat bekanntlich keinen Wert. zurück

Das soll wohl eine Aufzählung dessen sein, was übrig bleibt, wenn alles an Wert verloren hat und unser aller Sinn und Glück erfriert: Dann sind z. B. unsere Haare ohne Leidenschaft und kraftlos.
Schön. Na und? Waren sie vorher auch schon, zumindest was die Leidenschaft angeht!
Rätselhaft bleibt diese fehlende Muse: Welche denn? Klio, Melpomene, Terpsichore, Thalia, Erato, Urania, Polyhymnia, Kalliope, Euterpe … um nur die klassischen olympischen zu nennen?
Mich beschleicht ein böser Verdacht: Euterpe wird gefehlt haben, allerdings schon vor Beginn dieses Dumpfgedichtes, denn diese ist u. A. für Lyrik zuständig!
Warum aber nur die eine fehlt, da sie als Teil von alles ihren Wert verloren hat, aber zum Glück (noch) nicht erfroren ist: Was ist mit den anderen geschehen, die doch auch Teil von alles sind, also ebenfalls Musen ohne Wert?
Korrekter- und logischerweise müsste es dann doch ohne Musen heißen!
Man könnte diese beiden Zeilen auch durch eine ersetzen: Ohne alles. Das impliziert nämlich sowohl Leidenschaft als auch Kraft und Musen. Ließe sich sogar optisch unterstützen, indem man die Schriftfarbe dem Hintergrund anpasst, da sie ebenfalls keinen Wert mehr hat. zurück

Geht aber so was von ganz & gar & überhaupt nicht, hat doch keinen Wert mehr! Wieso soll denn ausgerechnet das Funktionieren noch funktionieren? Herr, schmeiß Hirn ra! zurück

Kalliope fehlt wohl auch: Vor den … steht ein Leerzeichen, sofern kein Wort abgewürgt wird!
Und bitte schön und mit Verlaub: Wie soll man sinnieren können, da der Sinn doch gefrostet ist? Na? Klingelts? Eben: So geht’s, wenn Wörter beliebig zusammengekleistert werden. zurück

Fein: Das Erwachen ist das Ende und somit dieses Gestammel erledigt.
Was bleibt? Muster ohne Wert! Nicht mal daraus lernen kann man, da nicht übertragbar. zurück

Beitrag vom 20. Juni 2013 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Pfiffig, nässend, unzufrieden – und doch sehr zufrieden

Rosarot
Die Wolken
Jubelnd
Bin ich
Leben Lachen
Licht

Rosigrot
Die Wunden
Nässen Narben
Sieht man
Schmerzen
Nicht

© 2012 by Derry Verleger. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung


Feines, überraschendes, pfiffig sauberes kleines Gedicht
Die sattsam bekannten beiden Seiten der Liebe werden hier pfiffig und überraschend neu dargestellt – und DAS mach ein Gedicht aus! Rosarot-Rosigrot, Wolken-Wunden, jubelnd-nässend – bereits diese Gegensätze sprechen für sich! Und dabei handwerklich gekonnt mit seinen Alliterationen und dem Trochäus!

Die Kritik im Einzelnen


Ich empfehle analog zu Jubelnd im ersten Abschnitt Nässend. zurück

An der zweiten Strophe irritiert mich: Den beiden Silben von Jubelnd stehen vier in Nässend Narben gegenüber, während den vier in Leben Lachen nur zwei gegenüberstehen (Schmerzen).
Habe deswegen einen Versuch gewagt:

Rosigrot
Die Wunden
Nässend
Narben
Sieht man Schmerzen
Nicht

Das überzeugt mich aber auch nicht, weil optisch die vorletzte Zeile unvermittelt so lang ist: Damit bekäme diese Zeile ein besonderes Gewicht, das sie nicht verdient! Na ja, das hat man davon, wenn man nie zufrieden ist. Aber ich traue dem Verfasser durchaus zu, daran weiter zu arbeiten, wenn es denn tatsächlich nötig sein sollte!

Beitrag vom 3. Juni 2013 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Die geballte Dichte des Walle Sayer

Sayer-KohlrabenEs muss anfangs dieses Jahrtausends gewesen sein, dass in meiner inzwischen leider geschlossenen Lieblingsbuchhandlung mir ein schmales Bändchen von Walle Sayer auffiel, »Kohlrabenweißes«, ein »Prosazyklus«.
Schon das Äußere sprach mich an, der feste Einband, das klare Layout.

Und ich begann zu lesen. Aber das war keine Geschichte. Oder gerade doch? Es ist … ja was?

Beitrag vom 11. Februar 2013 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Liebe in Gruben und Gräben

»Im Wesen nichts Neues«, bemerkst du, Marie,
und legst diesen Blick in mein Bett, dass ich denke,
den Schinken aufs Kissen, das Wissen, Marie,
dass Krieg ist, und du mir und ich dir nichts schenke.

Wir leiern uns alt und wir lauern, Marie,
in Gräben hier nebeneinander und staken
im Grund auf der Suche nach Schwäche, Marie,
und treffen uns nachts in den Gruben der Laken.

© 2012 by Volker Weist. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Ein überaus bemerkenswertes Gedicht!
Das Spiel mit Erich Maria Remarques immer noch verstörenden Anti-Kriegs-Roman »Im Westen nichts Neues« ist inhaltlich und formal überaus gelungen: Reime, Versmaß, Aufbau: alles vom Feinsten! Der durchgängig sauber verwendete Amphibrachus als Metrum, das Spiel mit dem Titel: Westen – Wesen, dann leiern – lauern, die Folge Gräben – Grund – Gruben: Alles kompakt! Und: Man darf sich seine eigenen Gedanken machen, nichts wird einem übergestülpt!

Indem der männliche »Maria« in eine Marie verwandelt wird, spielt das Gedicht auf die bekannten situativen homosexuellen Notbeziehungen an (z.B. in Gefängnissen oder eben bei Soldaten im Feld) – aber Liebe funktioniert nicht in den Gräben, trotz der Gruben der Laken. Seltsamerweise fiel mir nach dem Lesen aber auch noch Bertolt Brechts Gedicht »Erinnerung an die Marie A.« ein, das jedoch nichts mit Krieg zu tun hat! Bei Brechts Gedicht spielt die weiße Wolke ganz weit oben eine Hauptrolle, hier sind es Gräben, Grund und Gruben … ist es dieser Gegensatz?

Bedauerlich ist, dass ich nicht mehr als 5 Punkte vergeben kann …

Die Kritik im Einzelnen

entfällt

Beitrag vom 5. Januar 2013 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Das Bild hängt schief

Die Sonne schenkt ein strahlend Kleid der Erde
und breitet es auf großen Feldern aus.
Der späte Raps lässt alle Fluren leuchten,
die Augen laben sich an diesem Schmaus.

Der gelbe Traum, er lässt einfach nicht los.
Ich möchte hier mein Menschsein überwinden
und einfach fliegen über diesen Gründen,
die mich so locken in den gelben Schoß.

© 2012 by Renate Tank. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Handwerklich sauber, inhaltlich schief.
Da kann jemand reimen und weiß auch mit dem Metrum umzugehen. Aber inhaltlich und sprachlich holpert es heftig – aber es ist auch schwer, noch Naturgedichte zu ersinnen, die neue Sichtweisen ermöglichen: Dieses Feld ist gründlich abgeerntet!

Die Kritik im Einzelnen

Das nennt man »schiefes Bild«: Wenn die Sonne der Erde ein strahlendes Kleid schenkt, dann müsste dieses Kleid Tag und Nacht strahlen, somit gäbe es keinen Tag mehr, da es keine Nacht mehr gäbe, die Wörter hätten ihren Sinn verloren, die Erde würde ja quasi selbst zur Sonne! Nun gut, mag man einwenden: Die Erde zieht das Kleid ja gar nicht an, sondern die Sonne breitet es aus auf großen Feldern – was immer auch ein großes Feld sein mag: Sind hundert Hektar groß genug, um den Ehrentitel großes Feld verpasst zu bekommen? Ach so, groß sind sie erst ab 112 … Nun ja, da habe ich mich getäuscht! Darf es auch eine Menge kleiner Felder sein, oder haben die keinen Anspruch auf das radioaktive Kleid? Aha, keinen Anspruch … na, meinetwegen.

So viel zu dem hilflos stümpernden Adjektiv groß. Damit sind das radioaktiv verseuchte Kleid und das Geschenk aber noch nicht gerettet! Vorschlag: Belassen wir doch der Sonne ihr Strahlenkleid, man muss nicht alles neu erfinden – das Wort strahlend hingegen hat spätestens seit Fokushima eine fiese Nebenbedeutung! Wie wäre es z. B. so:

Die Sonne senkt ihr Strahlenkleid zur Erde
und breitet es mit weiten Schwüngen aus.

Bevor jemand laut meckert: Ich bin mit der zweiten Zeile überhaupt nicht zufrieden, habe aber keine Lust, mir darüber Gedanken zu machen – das Verfassen von Naturgedichten ist nicht mein Metier. Hauptsache, die großen Felder sind eliminiert! zurück

Ja da schau her: Die Sonne hat ein strahlendes Kleid auf einem Dingsbums-Feld ausgebreitet, und jetzt lässt der späte Raps alle Fluren leuchten? Haben die Strahlungen des Kleides ihn etwa radioaktiv verseucht, so dass er stellvertretend zu ihm leuchten lässt alle Fluren – also alle nutzbaren Feldflächen?– Das wäre gewiss eine stattliche Menge! Warum muss es denn immer so gewaltig und groß sein? Alle Fluren? Ist 1 nicht genug? Das passiert wohl, wenn des Metrums oder des Reimes wegen gedankenlos Adjektive reingestopft werden, die halt irgendwie passen.

Jetzt wird der gute alte Augenschmaus getrennt und auf Schmaus mit laben noch einer draufgesetzt: Egal welcher Schmaus, da gehört sich laben einfach automatisch dazu, da muss nicht nochmals drauf gepocht werden. Wobei die Vorstellung von genüsslich schmatzenden Augen auch was für sich hat …

Von mir aus dürfen sich die Augen an diesem Schmaus weiden. Aber das macht die missglückte erste Strophe kaum besser. zurück

An dieser Strophe lässt sich nicht viel aussetzen – bis auf die Frage, warum das lyrische ich über diesen Abgründen fliegen möchte, wo der der gelbe Schoß so lockt: Was hindert es denn daran, hinein zu gehen und zu genießen? Warum muss hier das herrliche Menschsein so mühselig überwunden werden? zurück

Beitrag vom 16. April 2012 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Innenhof der Bibliothek mit wenigen überflüssigen Wörtern

graue Pflastersteine im Geviert
in der Nessel die Hummel
die Vergissmeinnicht
leuchten blau

dicke Buchsbaumkugeln
am Pflasterweg
das Steintier, gekrönt,
frisst die Mondsichel

im Viereck der Häuser
schläft der Sonnenschirm
aus uralten Fenstern
schauen die Bücher

© 2012 by Gabriele Knoten. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Feines Simmungsbild

mit wenigen überflüssigen Wörtern

Die Kritik im Einzelnen

Dass Vergissmeinnicht in Blautönen leuchten, ist trivial, da redundant wie kalter Schnee oder grünes Gras. Ich würde sie einfach nur leuchten lassen und zudem den bestimmten Artikel entfernen: Bei der Nessel leuchtet dieser ein, da es sich offenbar um eine Nessel handelt, in der eine Hummel zugange ist – dadurch werden beide zu etwas Besonderem. Problem: Dann würde eine Zeile wegfallen, es sei denn, man verteilt Vergissmeinnicht leuchten auf zwei Zeilen. zurück

Auch hier ist das dick bei den Buchsbaumkugeln eines dieser völlig nichtssagenden Adjektive: Wer bei Buchsbaumkugel nicht automatisch an dick denkt, weiß entweder nicht, was ein Buchsbaum ist, oder – ganz doll schlimm – was eine Kugel ist … zurück

Beitrag vom 12. März 2012 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Bei dieser Lyrik hilft keine Meduzin

An wen soll ich mich noch wenden,
ich weiss nicht mehr wer.
Zu keinem das Vertrauen, mich zu verstehn.
Aber ich kann es nicht alleine,
nur ich und das Papier.
Es spricht nicht, kommt nur aus mir.
Buchstabe für Buchstabe, ein hilfloses Meer.
Sollte ich besser schweigen,
auf Nägeln weiter gehn?
Schmerzen ertragen, Gefühle verwehrn?

© 2012 by Andrea Schatt. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Sinnentleertes Geschwafel

Hat überhaupt nichts mit einem Gedicht zu tun und wäre auch als Text unerträglich. Dafür müsste es eigentlich Minusbrillen geben statt nur keine.

Die Kritik im Einzelnen

Oioioi – da hat das lyrische Ich aber schon eine Menge Menschen behelligt, wenn es nicht mehr weiß, an wen es sich noch wenden soll. Hier gäbe es Rat! Kein Wunder, dass es am Ende der Wendestrecke allein ist (aber mit Verlaub: Ich bin mir sicher, dass es sich an mich nicht gewandt hat!).
Grammatisch ist der zweite Vers völlig verunglückt (ich spreche bei diesem Text doch lieber von Zeile, denn bereits diese hat metrisch/formal mit der ersten so gar nichts zu tun): Logisch müsste es heißen: Ich weiß nicht mehr, an wen. Das aber wäre nur eine Wiederholung der ersten. Vielleicht ist die vorliegende Konstruktion versehentlich nicht beendet worden, sollte eigentlich Ich weiß nicht mehr, wer ich bin lauten – das legt zumindest dieses seltsame wer nahe und würde zudem passen: Da will jemand wissen, wer er ist! Das ist schon wichtig, wenn man keine Ahnung mehr hat …zurück

Jetzt folgt zur Abwechslung ein elliptischer Satz, denn das Prädikat fehlt. Vom Metrum und der Form passt diese Zeile wiederum nicht zu den vorangegangenen: Es sieht so aus, als entstünde ein Gedicht dadurch, dass man Zeilen untereinander setzt – und wenn es ganz besonders toll sein soll, werden die dann auch noch zentriert, als ob Müll hübscher wird, wenn man ihn der Größe nach sortiert! Und ganz schlimm wird es, wenn ausgesprochene Homepage-Dummköpfe illegalerweise Gedichte renommierter Lyriker fehlerhaft abtippen und auch noch zentrieren … aber das nur am Rande!
Hier passiert das glücklicherweise nicht, und das ist das einzig Positive, was mir zu diesem Geschreibsel einfällt!
Die Logik des Satzes holpert: Wieso fragt sich ohne Fragezeichen das lyrische Ich, an wen es sich noch wenden soll, wenn es eh kein Vertrauen hat, verstanden zu werden? Wozu das Gejammer? zurück

Jetzt wird der klare Titel durch das umgangssprachliche alleine verballhornt – und ich hatte mich schon gefreut, dass jemand noch das schöne allein kennt. zurück

Wer eine Erklärung erwartet hatte, was das lyrische Ich allein nicht zustande bringt, wird bitter enttäuscht: Das wird nicht enthüllt. Satt dessen wird dem geneigten Leser weis gemacht, dass nur es (also das lyrische Ich) UND das Papier (Hallo Partner!) es kann – ja aber was denn? Und was hat das lyrische Ich mit dem Papier (nicht irgendeinem, nein: einem bestimmten) zu tun? Wo kommt das her, wo will das hin? Was können die beiden zusammen, was das lyrische Ich allein nicht nicht kann: Sich an jemanden wenden, nicht mehr wissen wer, gemeinsam das lyrische Ich verstehen?
An wen kann ich mich wenden? Mein Hirn droht zu verenden … Ojemine owe, das tut gar schröcklich weh … zurück

Kinder: Überraschung!!! Das Papier spricht nicht! Boah ey, ein nicht sprechendes Papier – so was gibt es nur in Erzeugnissen, die sich für ein Gedicht halten. Aber noch viel schöner ist, dass zumindest die Frage, woher das Papier kommt, geklärt wird: Das Papier kommt aus dem lyrischen Ich!
Mit anderen Worten: Das lyrische Ich ist ein Papierspender, das Gedicht folglich aus der Perspektive eines solchen geschrieben; der wird von niemandem verstanden und kann sich an niemanden mehr wenden, da er z. B. in der Toilette eines aufgegebenen Gasthauses hängt: So bleibt nur noch das Papier als Kumpel übrig, aber eben als ein stummer, da er nicht spricht … zurück

Wort für Wort ein hilfloses Meer … Ach, diente es doch der Selbsterkenntnis, möchte ich da dem Papierspender zurufen … nichts, aber gar nichts vermag ich diesem Buchstabengewimmel zu entnehmen, dass auch nur ansatzweise einen nachvollziehbaren Sinn ergibt oder auch nur andeutungsweise was mit einem Gedicht zu tun hat! zurück

Jaaaaaaaa! Aber bedauerlicherweise ist es 8 Zeilen zu spät für diese treffliche Erkenntnis! zurück

Wer geht denn bereits auf Nägeln, dass er weiter auf Nägeln gehen kann (der Papierspender hängt allenfalls an welchen, wenn er stümperhaft befestigt wurde)? Weiß niemand, ist auch schnurzegal! Doch auf welchen oder wessen Nägeln geht er: den Zehennägeln? Den eigenen? Das ist schmerzhaft, zugegeben, wenn sie lang genug sind, dass man auf ihnen gehen könnte. Auf denen des lieben Nachbarn? Ginge – aber nicht sehr weit, der hat nur zehn Zehn. Oder ist gemeint über ein Nagelbrett? Wo so viele Nägel nebeneinander stehen, dass man bei einigermaßen gesunder Hornhaut (barfuß gehen ist angesagt) problemlos, da schmerzfrei gehen kann?
Aber auf Nägeln gehen? Das geht eigentlich nicht – man kann darauf treten, das geht! zurück

Nein, keine Schmerzen ertragen: Da gibt es Meduzin gegen: Pipi fragen! Gefühle verwehrn? Hängt von den Gefühlen ab: Gegen Freude oder Angst hilft jede Art von Seditiva – am besten Arzt oder Apotheker fragen. Gegen Depressionen gibt es Antidepressiva (sollte ich nach diesem Wordgewusel besser einnehmen). zurück