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Stichwort: Lyrik

Alle Beiträge, die von der literaturcafe.de-Redaktion mit dem Stichwort »Lyrik« versehen wurden.

Beitrag vom 9. Januar 2012 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Hundephilosophie und Hundehandwerk

Der Hund, der seinen Schweif verfolgt
Zeigt mir dadurch ganz ungewollt
Wie oft ich mich auch wenden mag
Wie oft ich stets dasselbe frag’
Ob rechts, ob links – ist’s nie getan
Dank hündischem Verfolgungswahn
Kann ich mir daher sicher sein
Kein Anfang holt das Ende ein.

© 2011 by Corinna Holz. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Handwerklich gelungen, inhaltlich überfrachtet.

Astreine Jamben, saubere Reime – aber inhaltlich überfrachtet: Weniger wäre hier mehr!

Die Kritik im Einzelnen

Was diesem Gedicht vor allem fehlt: Satzzeichen! Der Konstruktion ist schwer zu folgen, sie ist auch brüchig. Hier wäre am Zeilenende ein Komma hilfreich! zurück

Auch hier wäre am Zeilenende ein Komma hilfreich – besser noch: ein Doppelpunkt! Denn jetzt sollte etwas Wichtiges folgen. zurück

Jetzt kommt das lyrische Ich ins Spiel – aber wieso es sich wendet und wohin, ist völlig unklar: Sollte es ebenfalls um sich selbst kreisen? Aber sich wenden hat nichts mit dem Kreisen des Hundes zu tun! Sollte damit gemeint sein, dass das lyrische Ich überall eigenschwanzjagende Hunde entdeckt, wohin es sich auch wendet? Keine Ahnung. Bleibt eine Rätselzeile, sollte aber bei dieser Art Gedicht keine sein. Auch hier fehlt am Ende ein Satzzeichen, sinnvollerweise ein Komma, denn der Satz geht ja weiter, die nächste indirekte Frage folgt. zurück

Gleich zwei Rätselzeilen: Was soll Ob rechts, ob links für eine Frage sein, die das lyrische Ich sich immer wieder stellt angesichts dieses Hundes? Es ist egal, ob es sich selbst nach recht oder links wendet? Ob der Hund rechts- oder linksrum seinen Schwanz verfolgt?

Ganz unklar bleibt nach dem Gedankenstrich dieses ist’s nie getan: Hier müsste ein Hauptsatz stehen: Es ist nie getan! Oder in Kurzform: ‘s ist nie getan. Damit wäre immerhin der Satzbau gerettet, nicht aber der Inhalt: Was ist denn nie getan? Die Antwort auf die Frage (sofern man eine Antwort tun kann)? Das Kreisen? Kann nicht sein, irgendwann ist jeder Hund erschöpft oder leckt seinen verwundeten Schwanz, wenn er ihn denn erwischt hat (was das Gedichtlein allerdings kategorisch ausschließt). Also haben wir jetzt schon drei inhaltlich verquaste Rätselzeilen! Auch hier täte ein trennendes Satzzeichen (Punkt oder Ausrufungszeichen) dem Vers-Ende nur Gutes! zurück

Eine schöne Spielerei mit dem Begriff »Verfolgungswahn«, denn nicht der Hund fühlt sich verfolgt, sondern er verfolgt spielerisch ein eigenes Körperteil, indem er es als etwas Fremdes betrachtet, das gejagt werden muss! zurück

Da anschließend das große Finale kömmt (Kleist, Der zerbrochen Krug, Stuttgart 1983, S.7, Z.68 – hier wird schließlich nicht geguttenbergt!), sollte am Ende ein Doppelpunkt darauf hinweisen! zurück

Abgesehen von dem inhaltlichen Fehler, denn manche Hunde erwischen durchaus ihren Anhang, mögen die geneigten Leser und Leserinnen mir gestatten, dass ich hier die Gelegenheit ergreife, das Gedicht ansprechend von allem verklausulierten zu befreien und auf den Kern zu reduzieren – Danke, vielen Dank:

Ein Hund, der seinen Schweif verfolgt,
Zeigt mir dabei ganz ungewollt:
Ich darf mir völlig sicher sein –
Kein Anfang holt das Ende ein!

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Beitrag vom 18. Juli 2011 | Rubrik: Lyrik

Sechs preisgekrönte Gedichte zum Lesen und zum Hören

Vertonte LyrikSeit einigen Jahren unterstützt das literaturcafe.de den Jokers Lyrikpreis. Das literaturcafe.de vergibt dabei drei Sonderpreise, die aus einer literaturcafe.de-Tasse und einer Gedichtvertonung bestehen. Wir präsentieren Ihnen heute die sechs Gedichte, die den Sonderpreis 2011 und 2011 erhalten haben. Sie können die Gedichte nachlesen oder auch vertont als MP3-Datei herunterladen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und Hören!

Beitrag vom 26. Juni 2011 | Rubrik: Podcast

34. Podcast-Folge: Twitter-Lyrik und das Ende von Fräulein Else

Der Podcast des literaturcafe.deDie 34. Podcast-Folge steht heute ganz im Zeichen der Twitter-Lyrik und der ersten Twitter-Lyrik-Lesung in Berlin. Kerstin Schlüter und Wolfgang Tischer moderieren diese Ausgabe.

Zu hören gibt es unter anderem ein Interview mit Beryl Nicolai, die zum Organisationsteam der Twitter-Lyrik-Lesung gehörte, und wir sprechen mit André Krüger, einem der Macher der Twitter-Lesung, über sein Fazit der Veranstaltung in Berlin – und es gibt die letzte Folge von Arthur Schnitzlers »Fräulein Else« zu hören – gelesen von Antje Bruns.

Beitrag vom 16. Juni 2011 | Rubrik: Literarisches Leben, Literatur online

Hund hört mit: Video-Impressionen von der ersten Twitter-Lyrik-Lesung in Berlin

Twitter-Lyrik-HundPremiere im Berliner BASE_camp von E-Plus: Am 15. Juni 2011 fand dort die erste Twitter-Lyrik-Lesung statt. Linda Stelzner und Christian Werner lasen die besten Tweets aus den beiden Twitter-Lyrik-Büchern vor.

Eingeladen hatten Studentinnen und Studenten des Instituts für Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin, die den Abend organisiert hatten. Zu Gast war auch literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer.

In ihrem Blog Mobile Stories haben die Macher die Lesung mit Handy-Video dokumentiert, die auch bei YouTube zu sehen sind – und hier im literaturcafe.de.

Beitrag vom 10. Juni 2011 | Rubrik: Literarisches Leben, Literatur online, Preise und Wettbewerbe

Einladung zur Twitter-Lyrik-Lesung in Berlin am 15. Juni 2011

Twitter-Lyrik-Lesung am 15.06.2011 im BASE_camp BerlinDas Institut für Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin, die E-Plus Gruppe und das literaturcafe.de laden ein zur 1. Twitter-Lyrik-Lesung in Berlin am Mittwoch, 15. Juni 2011.

Die besten Kurzgedichte aus den beiden Twitter-Lyrik-Bänden werden im Café Mokador im BASE_camp, Unter den Linden 10 in Berlin von den beiden Schauspielstudenten Linda Stelzner und Christian Werner vorgetragen.

Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de wird über den Twitter-Lyrik-Wettbewerb berichten und erläutern, was Lyrik mit (maximal) 140 Zeichen so besonders macht.

Außerdem wurde die aktuelle 3. Runde des Twitter-Lyrik-Wettbewerbs bis zum 30. Juni 2011 verlängert wurde. Sie haben noch Gelegenheit mitzudichten!

Beitrag vom 5. Mai 2011 | Rubrik: Preise und Wettbewerbe

3. Twitter-Lyrik-Wettbewerb startet als Japan-Edition zugunsten der Katastrophenopfer

Der 3. Twitter-Lyrik-Wettbewerb startetBereits in den letzten zwei Jahren hat der Twitter-Lyrik Wettbewerb von literaturcafe.de und BoD eine Menge kreative und individuelle Kurz-Poesie zutage gebracht. Bis zum 30.06.2011 (der Wettbewerb wurde verlängert) können Poeten, Dichter und alle anderen nun wieder ihr Kurzgedicht twittern – eine Jury wählt anschließend aus allen Beiträgen den besten Tweet aus. Neu ist diesmal, dass das Preisgeld in Höhe von 500 Euro nicht als Einzelgewinn vergeben, sondern an die Organisation »Save the Children« gespendet wird, um den Opfern der Katastrophe in Japan zu helfen.

Aus allen eingereichten Wettbewerbsbeiträge entsteht das 3. Twitter-Lyrik-Buch als spezielle Japan-Edition.

Beitrag vom 3. Mai 2011 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Noch kein Gedicht, aber eine Ausgangsbasis!

Wir fuhren nachts
in unseren Herzen Lieder
und Wandersterne über uns
noch Düfte, Worte, hin und wieder
der weiße Mond
vielleicht das bange Morgen

Wir fuhren nachts,
schwebend im dunklen Blau,
Träume und Gedanken
aus Autoradio Klängen
zwischen Ab- und Ankunft Irgendwoland,
nicht wirklich, nicht hier.

Wir fuhren nachts
schlafend nach langer Fahrt
Kondenswasser auf dunklen Scheiben
abgestanden Luft und Traum
der Fahrer kämpft allein
sich durch den Hyperraum
und ist bald da, bald da, bald da

© 2011 by Michael Schwarz. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Noch kein Gedicht, aber eine Ausgangsbasis!

Es fehlt an Struktur, an innerer Logik, an Handwerk – eben an Arbeit!

Die Kritik im Einzelnen

Das Thema wird angeschlagen: Nachtfahrt! Die Stimmung scheint friedlich, denn im Herzen tragen sie Lieder, die noch zu singen sind oder gesungen wurden – wer weiß. Das Wort Wandersterne gibt es nicht – vielleicht sind hier Wandelsterne gemeint, die Planeten, also etwas, was oberhalb des Fahrzeuges seine Ellipsen zieht. Es wird festgestellt, dass im Fahrzeug noch Düfte und Worte wahrgenommen werden, dann wieder der Mond außerhalb und oben,  am Schluss gelangen wir wieder ins Herz, das dem Morgen entgegenbangt.
Warum ich das schreibe? Nun, hier haben wir die erste Strophe, hier wird eine Struktur vorgegeben, der die nächsten Strophen entsprechen sollten: Herz – außerhalb – im Fahrzeug – außerhalb – Herz. So einfach ist das – und so schwer!
Inhaltlich missfällt mir der befürchtete bange Morgen: Was für Lieder haben die im Herzen? Mutmacher? Tröster? Das passt nicht so recht in die sonst sehr friedliche Stimmung. zurück

Die Strophe beginnt gleich – aber schon die folgende Zeile verändert das Metrum: Sie müsste unbetont anfangen. Eine melancholische Stimmung entsteht durch das dunkle Blau – da wären wir wieder bei den Herzen. zurück

Und nun bleiben wir innen, statt nach außen zu gehen; auch hier ist das metrische Vorbild verworfen. Anschließend befindet man sich im Fahrzeug, hört das Autoradio: Offenbar wird nicht mehr geredet.
Die folgenden beiden Zeilen geben Rätsel auf: Was ist Abkunft anderes als die Herkunft, also der Ursprung? Gewiss aber ist es nicht der Ort, von dem man aufgebrochen ist! Ankunft hingegen ist der Ort, wo jemand ankommt!: Dieses Wortspiel funktioniert nicht! Und Irgendwoland ist ein entsetzlich ausgelutschtes Bild!
Der Schluss nicht wirklich, nicht hier greift noch mal den Schwebezustand auf. Metrisch und formal hat diese Strophe kaum was mit der ersten gemein. zurück

Diese beiden Zeilen passen inhaltlich und formal gut zu denen der zweiten Strophe – also sollte die erste entsprechend geändert werden: Auch diese brauchte z. B. ein Partizip zu Beginn der zweiten Zeile! zurück

Jetzt bleiben wir im Fahrzeug. Die Schlafenden (wir) jedoch können überhaupt nicht wahrnehmen, was hier steht: Da liegt ein Perspektivwechsel vor, denn das wir als die Schlafenden schließt den Fahrer aus – und nur der kann sehen, was hier beschrieben wird! Dieser Bruch tut dem Gedicht überhaupt nicht gut! zurück

Dass hier ein Reim auftaucht (Traum-Raum) ist eher Ärgernis denn Geniestreich: Warum nur hier und nicht in jeder Strophe? Was ist das Besondere, außer dem Perspektivwechsel? Es wäre so leicht zu verhindern gewesen!
Zum Glück gibt es noch ein ausgesprochenes Bonbon – nämlich die letzte Zeile: Diese dreifache bald da lässt sich mehrfach verstehen. Einmal, dass der müde Fahrer mit seinen Gedanken hin und her springt, dann, dass er inständig hofft, bald da zu sein, also endlich angekommen sein wird! zurück

Beitrag vom 31. März 2011 | Rubrik: Preise und Wettbewerbe

Jokers Lyrikpreis 2011 – Teilnahmeformular als Zwischenlösung

Jokers Lyrik-Preis 2011Am 31.03.2011 wäre der ursprünglich geplante Einsendeschluss zum Jokers Lyrikpreis 2011 gewesen, den literaturcafe.de als Partner unterstützt.

Leider waren aufgrund einer technischen Umstellung die Wettbewerbsseiten des Veranstalters jokers.de kurz vor dem Einsendeschluss nicht erreichbar.

literaturcafe.de hilft aus und stellt ein alternatives Teilnahmeformular zur Verfügung, das Sie bis zum 2. April 2011 für Ihre Gedichteinsendung nutzen können. Wir leiten Ihre Daten direkt an jokers.de weiter.

Beitrag vom 4. März 2011 | Rubrik: Preise und Wettbewerbe

Jokers Lyrik-Preis 2011: Bitte erfreuen Sie die Jury mit einem guten Gedicht

Jokers Lyrik-Preis 2011

Der Jokers Lyrik-Preis 2011 hat begonnen. Seit dem 1. März 2011 sind Lyrikerinnen und Lyriker aufgerufen, ihre Gedichte auf der Website des Buchversenders einzureichen.

1.000 Euro gibt es für das beste Gedicht. Die Plätze zwei und drei sind mit 500 bzw. 250 Euro dotiert. Außerdem gibt es über 100 weitere Preise zu gewinnen. Einsendeschluss ist der 31. März 2011.

Das literaturcafe.de zählt wieder zu den Unterstützern des Wettbewerbs. Literatur-Café-Herausgeber und Jury-Mitglied Wolfgang Tischer wünscht sich nur eines: viele gute Gedichte.

Ein Wunsch, der leider nicht immer erfüllt wird.

Beitrag vom 23. Februar 2011 | Rubrik: Textkritik

Textkritik: Irrlichternd irritierende Erinnerungsfetzen

allenfalls ein gewebe aus etwas wie wärme:
atome in ständiger kettenreaktion mit uns
selbst wir scheiterten – weil wir beides sind
immer ich und du etymologisch zusammen
hängend im raum der stapel kassetten deutet
auf unsere kreuzzüge oder entdeckungsreisen das
such dir aus was wir nie werden die welt
kassetten die wir wuschen als kinder und später
schämten wir uns der korrelierenden stimmen
und menschen darauf erwarteten in umbrüchen
deutlicher dem anschein nach die erinnerung
der glieder an ihre beweglichkeit dieses strenge
wagnis ein absatz von uns den flüssen nach
streben und halten am rande des sees von dem
wir sagen er beginne und ende am ufer die enten

© 2011 by Peter Dietze. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

Zusammenfassende Bewertung

Irrlichternd irritierende Erinnerungsfetzen
Eingefangen in Videokassetten, die die Welt bedeuten – aber sie wärmen kaum! Und die Welt? Das ist am Ende des Flusses ein See. Aber die Welt umfasst mehr: Schließlich sind Enten Wasser- UND Landvögel … während wir am Ufer anhalten.

Die Kritik im Einzelnen

Hier ereignet sich die erste größere Irritation: Gehört dieser Kassettenstapel noch zu Raum oder bereits zu deutet? Die Frage ist wohl falsch, es gibt kein Entweder-Oder, denn Erinnerungen sind häufig assoziativ! Dass Aufnahme sich nur auf die Kassetten bezieht, muss nicht sein: Es könnte auch das Einander- Aufnehmen sein, nicht nur die (Video-)Aufnahme – eben das Wir. zurück

Die zweite große Irritation: Haben die Kinder Kassetten gewaschen? Vielleicht Hörkassetten? Oder haben sie als Kinder die Welt gewaschen, und Kassetten gehört eigentlich zwischen zwei Kommas? Such dir was aus! zurück

Die dritte große Irritation: Wer erwartete da? Wir? Die Menschen? Ändern sich die Stimmen (Stimmbruch)? Und was wurde erwartet: Die Erinnerung (beim Anschauen der Kassetten) oder erinnern sich die Glieder an ihre ehemalige Beweglichkeit? Das geht alles so schnell vorbei – im Nachhinein, in der Erinnerung …zurück

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