Dass es so schnell gehen würde, war doch überraschend: Ab dem 19. Oktober 2009 kann Amazons eBook-Lesegerät Kindle auch in Deutschland bestellt werden.
Schon seit einigen Tagen gab es Spekulationen darüber, dass Amazon das Gerät noch vor der Buchmesse in Großbritannien auf den Markt bringen würde. Amazon selbst wollte sich zu diesen Gerüchten wie immer nicht äußern.
Doch seit heute morgen ist es offiziell auf der deutschen Startseite amazon.de zu lesen: Ab dem 19. Oktober 2009 wird das Kindle auch nach Deutschland geliefert. Denn das ist interessant: Bei amazon.de selbst ist das Gerät nicht erhältlich. Es wird an deutsche Kunden von amazon.com direkt aus den USA zum tagesaktuellen Dollarpreis geliefert. Außerdem müssen Kunden in Deutschland die Zollgebühren und weitere Aufschläge selbst zahlen. So kostet das Gerät hier ca. 300 Euro gegenüber umgerechnet 176 Euro, die die Kunden in den USA für das Kindle berappen.
Das umständliche Prozedere lässt vermuten, dass es für Amazon dann doch recht schnell gehen musste, nachdem die Markteinführung bereits 2008 noch eine Medien-Ente war. Noch vor der Frankfurter Buchmesse 2009 sollte jetzt offenbar das Signal gesetzt werden: das Kindle wird es nicht nur in den USA geben! Ab Mitte Oktober kann es in weiteren 100 Ländern bestellt werden.
Im September 2003 stellt die US-amerikanische Buchhandelskette Barnes & Noble den Verkauf von elektronischen Buchdateien – den sogenannten eBooks – ein. Der Betrieb der Plattform lohnt sich nicht mehr. Die Firma Microsoft, die mit dem »Reader« eine Software auf den Markt gebracht hatte, die jahrelang Bestandteil jedes windows-mobile-basierten PDAs war, entwickelt das Programm seit Juni 2003 nicht mehr weiter. Der eBook-Pionier Gemstar, der seinerzeit das Lesen von eBooks auf dem sogenannten RocketBook revolutionieren wollte, stellt ebenfalls 2003 den Verkauf der Geräte ein.
Das eBook war 2003 tot. Der Hype ums Lesen auf batteriebetriebenen Geräten war kurz nach der Jahrtausendwende beendet. Vorbei die Galaveranstaltung eines eBook-Awards in der Frankfurter Oper.
Doch dann kam alles anders, denn dann kam Amazon und brachte im Herbst 2007 mit dem Kindle plötzlich wieder ein neues Lesegerät auf den Markt. Und der eBook-Hype begann erneut.
Die Süddeutsche berichtet in der gedruckten Ausgabe vom 06.12.2008 über die bislang größte eBook-Konferenz im deutschsprachigen Raum, die letzte Woche in München stattfand. Die Akademie des deutschen Buchhandels hatte eingeladen, und laut der Süddeutschen Zeitung kamen 130 Teilnehmer. Aus dem Bericht von Helmut Martin-Jung liest man jedoch heraus, dass dort nicht wirklich Neues präsentiert wurde. Es scheint, als warte der Deutsche Buchhandel nur darauf, bis Amazon, Google oder Apple den Verlagen zeigen, wie das mit dem eBook funktioniert und man damit Geld verdienen kann. Der deutsche Buchhandel konzentriert sich leider auf die nach Expertenmeinung reichlich chancenlose und nur Geld verschlingende Eigenentwicklung »libreka!« und zieht es ansonsten vor, die Kriminalisierung der Kunden voranzutreiben und setzt sich dafür ein, dass vermeintliche Raubkopierer auch ohne richterliche Zustimmung verfolgt und bestraft werden können.
Die Presse hatte diesen Termin als das große Ereignis angekündigt: Amazon präsentiert den Kindle, das elektronische Wundergerät, das eBook wird kommen – und nichts wird mehr so sein wie zuvor.
Tatsächlich ist es aber genauso gekommen, wie vom Literatur-Café vorhergesagt: Auf einer Präsentation hielt ein Vertreter (bzw. eine Vertreterin) von Amazon das Kindle hoch und erzählte und präsentierte in einer für amerikanische Firmen erstaunlich langatmigen Präsentation das Gerät.
Aber es wurde dort nichts gesagt oder verkündet, was man nicht auch schon seit einem Jahr auf der Website des Buchversenders hätte nachlesen können.
Die wirklich spannenden Frage wurden auf der Bühne nicht beantwortet: Wann kommt das Kindle nach Deutschland? Wer wird der Partner im Mobilfunkbereich für die Übertragung der Inhalte sein? Gibt es schon erste Vereinbarungen mit Verlagen über die Inhalte?
Auf unsere Nachfrage lacht die Amazon-Repräsentantin nur: »Nein, darüber wann das Kindle nach Deutschland oder Europa kommt, könne man noch nichts sagen.«
In einer Pressemeldung hat der Buchversender Amazon.de heute angekündigt, dass er künftig auch in Deutschland für seine Kunden aus der Verlags- und Musikbranche Print-on-Demand-Dienstleistungen anbieten wird. Vergriffene oder bislang noch gar nicht angebotene Bücher, CDs und DVD können so von Amazon bei Bestellung in Einzelstücken produziert und an Endkunden ausgeliefert werden. Verlage oder Musiklabels müssen dazu die digitalen Daten ihrer Produkte an Amazon liefern – im Bücherfall reicht die PDF-Datei. Amazon hält für seinen »Buchdurchsuchdienst« Seach Inside! ohnehin bereits etliche Werke digital vor.
Den »Druck bei Nachfrage« bietet Amazon in den USA bereits seit einiger Zeit an, nachdem man sich dort Anfang 2005 den POD-Dienstleister BookSurge und dessen Know-how einverleibt hatte.
Derzeit stellt Amazon den POD-Service in Deutschland nur für größere »Content-Eigentümer« bereit. Wird der Dienst mittelfristig auch für Autoren und Kleinverleger günstig verfügbar sein? Wird Amazon somit demnächst ein Konkurrent für bod.de und lulu.com?
»Amazon bringt E-Book-Reader Kindle nach Deutschland« oder »Amazons E-Book-Leser kommt nach Deutschland« titeln seit gestern einige Online-Medien. Doch schon der Konjunktiv in den Meldungen dazu macht stutzig: »Das Gerät könne auf der Frankfurter Buchmesse seine Deutschland-Premiere haben«. Am Messestand von Amazon sicherlich nicht, denn der Online-Händler ist auf der Buchmesse nur virtuell vertreten.
Grundlage für all diese Spekulationen ist ein dpa-Bericht, der wiederum auf einer Vorabmeldung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beruht. Liest man den Artikel in der heutigen Ausgabe, so zeigt sich schnell, dass die FAZ damit nur einen völlig belanglosen Bericht interessant machen wollte, der nichts Neues über den eBook-Reader Kindle enthält außer hinlänglich bekannten Dingen, wie die von TechCrunch vermuteten Verkaufszahlen von 240.000 Exemplaren in den USA. Der Rest beruht auf Amazons eigenen Marketing-Aussagen. Und wieder einmal wird die Parallele zu Apples iPod gezogen, was man offenbar davon ableitet, dass das Gerät auch weiß ist und man käufliche Inhalte nur vom Hardware-Anbieter in einer Art Monopolstellung beziehen kann.
Die Vermutung, Amazon könnte die Buchmesse für den Deutschland-Start des Kindle nutzen, wird allein aus einer vagen Aussage des Geschäftsführers von Amazon in Deutschland, Ralf Kleber, abgeleitet.
Der Online-Buchhändler Amazon war wieder auf Einkaufstour. Ab sofort gehört auch AbeBooks, das nach eigener Aussage weltweit größte Web-Angebot für gebrauchte und antiquarische Bücher, zu Amazon. Nach Angaben von paidContent soll dies jedoch künftig nicht unbedingt sichtbar sein, denn AbeBooks wird weiterhin als eigenständige Website auftreten. An dem ursprünglich aus Kanada stammenden Angebot AbeBooks war zuletzt auch Burda mit rund 70% beteiligt.
Nach Europa breitete sich AbeBooks 2001 durch den Kauf von JustBooks aus. Interessant, dass der Link auf justbooks.de noch auf AbeBooks.de zu finden ist, obwohl die Domain justbooks.de schon längst im Besitz des Suchdienstes Bookfinder ist und nichts mehr mit dem ursprünglichen Anbieter zu tun hat.
Die letzte größere Einkaufstour von Amazon fand Anfang des Jahres statt. Da erwarb man mit Audible.com einen der größten Hörbuch-Download-Anbieter.
Unser (nahezu) monatliches literarisches Radioprogramm im MP3-Format können Sie über die Links am Ende dieses Beitrags herunterladen oder sofort anhören. Besser und komfortabler ist das Abo des Podcast-Feeds z. B. mit Apple iTunes. Die Feed-Links finden Sie rechts am Rand.
Die 26. Folge wird wieder moderiert von Kerstin Schlüter und Wolfgang Tischer.
Die Themen: (mit Zeitangabe im Podcast und Links)
Intro: Frau Steinbrink-Wessling hat einen Leseturbo
Lebenshilfe: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat (01:18)
Reingehört: Podcasts zu Büchern und Bücher zu Podcasts (07:25)
Amazons neuestes Kindle: Blättern wir zukünftig im eBook? (12:55)
Mitmachen und gewinnen: Das neue literarische Filmschnipselquiz (20:02)
Hörbuch mit Folgen: Antje Bruns liest Fräulein Else – Teil 7 (22:06)
Ein Hinweis, dass man auf Amazons neuem eBook-Lesegerät Kindle auch Raubkopien lesen kann, war überfällig. TechCrunch berichtet darüber, und die Verlage dürften sich in ihrer Angst bestätigt sehen.
Doch was TechCrunch beschreibt, ist nicht sonderlich spektakulär. Bislang sind die eBook-Dateien fürs Kindle (noch?) nicht geknackt worden, sondern TechCrunch verweist auf die Möglichkeit, dass man bereits als Raubkopie vorliegende digitalisierte Bücher in Sekundenschnelle auf das Kindle übertragen und dort lesen kann. Amazon habe keinerlei Filter oder Sperren eingebaut, um dies zu verhindern.
Raubkopien aktueller Bestseller, im Szene-Jargon »bookz« genannt, liegen in einschlägigen Foren und Tauschbörsen meist im PDF oder Word-Format vor. Diese können ohne Probleme als reine Textdatei auf das eBook-Lesegerät aus dem Hause Amazon übertragen werden. Das hochgelobte E-Paper-Display des Kindle sorgt für eine gestochen scharfe Darstellung. Neu ist also lediglich die Qualität und Portabilität, mit der die Lektüre raubkopierter Bücher dank Kindle möglich ist.
Der Online-Buchhändler Amazon.com hat am Montag, 19.11.2007, ein neues eigenes eBook-Lesegerät mit dem Namen Kindle präsentiert. Für deutsche Augen liest sich das recht schwäbisch. Übersetzt bedeutet »to kindle« so viel wie »anzünden«. Ein im Zusammenhang mit Büchern nicht unbelasteter Begriff.
Aber egal: Im alten Europa wird das neue Lesegerät ohnehin auf absehbare Zeit nicht erhältlich sein. Und an eine Bestellung in den USA sollte man nicht denken, denn das Gerät kann hierzulande technisch nicht betrieben werden, da es zum Empfang der Textdaten den us-amerikanischen Mobilfunkdienst EVDO benötigt. Allerdings dürften bei einer Kaufsumme von 399 Dollar für das Gerät auch amerikanische Käufer nicht begeistert sein. Für diesen Preis erhält man lediglich Gerät und Zubehör, aber noch keinen Text zum Lesen.
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