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Superblogs 2007: Billige Marketing-Idee für unter 1.500 Euro

Superblogs auf technoratiDer Podcast des literaturcafe.de [1] wurde für die Superblogs 2007 nominiert. Wir haben dankend abgelehnt und gebeten, uns von der Liste der Nominierten zu streichen. Bei einem solchen »Wettbewerb« wollen wir nicht dabei sein.

Warum? Weil es eigentlich kein Wettbewerb ist. Der Veranstalter Hitflip (www.hitflip.de), der in der Vergangenheit bereits durch aggressive, nervige und zum Teil höchst dubiose [2]Marketingkampagnen aufgefallen ist, will damit nur ein paar Bauern fangen, um seinen Tauschdienst bekannter zu machen. Und Wettbewerbe sind ein beliebtes Mittel der Bauernfängerei. Übrigens auch im Literaturbereich, wo sie häufig den schwarzen Schafen [3] der Zuschussverlage helfen, neue Opfer zu finden.

Natürlich ist Hitflip selbst kein unseriöses Angebot. Die Buch- und DVD-Tauschbörse erfreut sich bei vielen durchaus großer Beliebtheit. Umso trauriger, dass man zu solch billigen Marketing-Aktionen wie den Superblogs greifen muss, die lediglich die Naivität einiger Blogger ausnutzt. Denn billig ist die Maßnahme im wahrsten Sinne des Wortes: Gerade einmal knapp 1.500 Euro kostet eine Kampagne, die die Tauschbörse ins Gespräch bringt und zusätzlich viele Links, Klicks und Neukunden. Mit herkömmlichen Mitteln wie Anzeigenwerbung wäre das zu diesem Preis nicht möglich.

Wie funktioniert das Ganze? Hitflip schreibt einen Wettbewerb aus und nennt ihn Superblogs 2007. Ausgezeichnet werden sollen damit nicht die großen Blogs, sondern die kleinen, die sich – oh, welch Zufall – exakt mit den Themengebieten beschäftigen, in denen Hitflip das größte Kundenpotenzial für die Tauschbörse vermutet. Dem Ganzen gibt man einen höchst demokratischen Anstrich, indem jeder jeden zur Nominierung vorschlagen kann. So etwas wandert natürlich durch die Blogs mit dem Ergebnis, dass sich mindestens jeder Blog-Betreiber schon einmal selbst vorschlagen wird. Das gibt für Hitflip einige neue Links, die sich wiederum gut bei der Google-Platzierung oder bei der Blog-Suchmaschine Technorati auswirken [4] und vielleicht schon die ersten neuen Kunden bringt.

Noch während die Vorschlagsphase läuft, gibt man die ersten Nominierungen bekannt. Die Nominierten freuen sich natürlich über die Aussicht auf den pompös klingenden Preis und schreiben darüber wiederum begeistert in ihren Weblogs. Selbstverständlich unterstützt dies der Veranstalter, indem er vorgefertigte Code-Schnipsel und Buttons anbietet, die die Nominierten auf ihre Homepage setzten können. Folge: Hitflip profitiert von weiteren Links und positiven Erwähnungen.

Und da bei diesem Wettbewerb eben nicht die Qualität entscheidet, sondern bei einer Publikumsabstimmung eben die gewinnen, die die meisten Stimmen auf sich vereinigen können, werden die nominierten Blogger nochmals alles daran setzten, um Freunde und Bekannte auf die Hitflip-Site zu locken, damit sie dort für das eigene Weblog stimmen, sofern man dies nicht per Klickbetrug schon selbst besorgt.

Wie’s weitergeht, ist klar und muss hier nicht näher beschrieben werden. Dass sich auf der Liste der Nominierten auch Weblogs von Beratern der Firma befinden, soll hier ebenfalls nicht näher beleuchtet werden. Nur eine Erwähnung der Gewinne soll noch folgen: Da ist zum einen ein Gegenlink im Hitflip-Weblog – das kostet den Veranstalter nichts; dann ein Pokal, dessen Wert im einstelligen Euro-Bereich liegen dürfte; und schließlich 200 Euro Preisgeld in jeder der 6 Kategorien.

Alles in allem zahlt der Veranstalter nicht einmal 1.500 Euro für die Aktion. Von den Personalkosten wollen wir absehen, da der Einsatz nicht hoch ist und so etwas mit hauseigenen Mitarbeitern oder Praktikanten gestemmt werden kann. Nun mögen 1.500 Euro für einige viel Geld sein, doch vergleicht man diesen Betrag mit den Kosten, die Bannerwerbung, Google-Anzeigen oder gar der Einsatz eines professionellen Suchmaschinenoptimierers bedeuten würden, dann ist diese Summe als verschwindend gering zu betrachten.

Natürlich ist dieser Wettbewerb nichts Unredliches, doch wollen wir kein Glied einer Marketingkette sein, die Blogger bloß als Linkvieh missbraucht. Daher gibt es hier auch keinen direkten Link zu Hitflip, denn sonst wäre dieser Artikel kontraproduktiv.

Nachtrag aus dem Jahre 2008:
Viele haben gar nicht gemerkt, dass sich der Artikel auf den Wettbewerb 2007 bezog. Im Jahr 2008 hat Hitflip den »Wettbewerb« erneut durchgeführt, denn günstiger und schneller sind Links nicht zu bekommen. Und natürlich haben auch 2008 nicht die besten Blogs gewonnen, sondern meist die, die Ehre und Moral über Bord geworfen haben und die simplen Klicksperren am besten aushebeln konnten. So sieht man sich beispielsweise bei Schallgrenzen als »moralischer Sieger [6]«, weil man an den albernen Klickbetrügereien nicht mitgemacht hat. Der Betreiber des Blogs schreibt: »Eigentlich sollte ich mich ja selbst ohrfeigen, das ich bei diesem Voting zum Superblog 2008 (Sparte Musik) mitgemacht habe.«

Zu dieser Hitflip-Aktion ist bereits 2007 alles gesagt worden, und die Diskussion soll hier nicht nochmal aufgewärmt werden (und womöglich dann 2009 erneut), sodass die Kommentare geschlossen wurden. Wer will, der kann z. B. hier [7] oder hier [8] kommentieren.