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Beitrag vom 18. Juli 2013 | Rubrik: E-Books, Schreiben, Self-Publishing

Strategie: Wie veröffentliche ich mehr als ein E-Book bei Amazon & Co?

Fantasy-Trilogie Leserfrage: »Ich habe eine Fantasy-Trilogie geschrieben, die ich dank eures E-Book-Ratgebers bei Amazon veröffentlichen möchte. Wie sollte ich dabei vorgeben? Sollte ich alle Teile auf einmal veröffentlichen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Leser den Erscheinungstermin des zweiten und dritten Teils vergessen könnten?«

Eine interessante Frage, da sie sich weder auf technische E-Book-Details noch auf den Inhalt bezieht, sondern auf die Strategie einer Veröffentlichung.

Die Antwort zeigt viele Aspekte auf, die für alle Autoren hilfreich sind, die mehr als ein Buch geschrieben haben.

Der Leser muss dem nächsten Buch entgegen fiebern

Zunächst müssen wir auf den Inhalt zu sprechen kommen. Wer als Autor Angst hat, dass Leser den Erscheinungstermin weiterer Bände vergessen könnten, der scheint vom eigenen Werk nicht überzeugt zu sein. Denn begeisterte Leser und Fans sollten dem nächsten Band geradezu entgegen fiebern und täglich bei Amazon, auf der Website des Autors oder auf der Facebook-Fanseite nachsehen, ob der neue Band bereits erhältlich ist. Wenn Sie wirklich die Angst hegen, dass die Leser das vergessen, dann hegen Sie auch die Angst, dass Ihr Text nicht gut genug ist.

Oder anders gesagt: Niemand, dem der erste Teil nicht gefällt, wird den zweiten kaufen, selbst wenn dieser sofort lieferbar wäre.

Natürlich wird der erste Teil nicht allen Lesern gefallen, doch alle begeisterten Leser sollten weitere Folgen sehnsüchtig erwarten. Das verzögerte Veröffentlichen einer Reihe ist Teil der Dramaturgie – so die Folgebände beim Erscheinen des ersten Bandes überhaupt schon fertig sind.

Klare erste Antwort: Die Teile einer mehrbändigen Serie sollten Sie nie gleichzeitig veröffentlichen. Nur so steigern Sie die Erwartung und Neugier Ihrer Fans!

Selbstverständlich sollten Sie Ihr Werk inhaltlich so gestalten, dass die Leser wissen wollen, wie es weitergeht. Auf allzu platte Cliffhänger sollten Sie jedoch verzichten.

Rückmeldungen der Leser einbinden – oder aber nicht

Wenn Sie den nächsten Band noch nicht fertig geschrieben haben, können Sie Rezensionen und Leserkommentare abwarten und schauen, ob es gewisse Präferenzen und Vorlieben gibt, die Sie in die Geschichte einfließen lassen können. Wollen die Leser beispielsweise mehr über das Vorleben des Protagonisten wissen, so könnten Sie entsprechende Passagen in die weiteren Folgen einbauen. Aber bedienen Sie den Lesergeschmack nicht allzu gefällig. Sie sollten immer noch Autorin oder Autor der Geschichte bleiben. Lassen Sie sich auch nicht allzu sehr von negativen Kritiken beeinflussen, solange diese nicht in der Überzahl sind. Vielen stillen, zufriedenen oder begeisterten Lesern stehen oft einzelne lautstarke Nörgler gegenüber. Deren Meinung sollte nicht überbewertet werden. Leser neigen zudem oft dazu, dramaturgische Notwendigkeiten negativ zu bewerten: »Ich finde es doof, dass der Hauptfigur so viel Unglück passiert. Dieser böse Charakter sollte im nächsten Band einen fiesen Tod sterben.« Dass der Roman ohne den bösen Gegenspieler jedoch sinnlos wäre, wird dabei schlicht vergessen. Man stelle sich einen 8. Harry-Potter-Band vor, in dem auf 400 Seiten beschrieben wird, wie Harry – nun zum Kleinbürger mutiert – sein Auto wäscht und den Rasen mäht.

Zur »Wartestrategie« kann es gehören, dass Sie die Leser aktiv über den weiteren Verlauf befragen. Starten Sie eine Umfrage auf Ihrer Website, oder lassen Sie Ihre Fans spekulieren, wie es mit der Geschichte weitergehen könnte. Unter allen Einsendern können Sie Exemplare des nächsten Bandes verlosen. Ob Sie die Antworten oder Wünsche tatsächlich einbauen, das liegt natürlich ganz bei Ihnen.

Halten Sie den begeisterten Leser fest!

Für die E-Book-Datei selbst gilt, dass Sie im ersten Band deutlich auf die Fortsetzung hinweisen.

Und nicht nur das: Halten Sie den begeisterten Leser fest! Unmittelbar am Ende des Werkes sollte eine klare Aufforderung stehen, dass der Leser Ihr Fan bei Facebook wird, Ihnen auf Twitter folgt oder – die beste Lösung – dass er sich in einen E-Mail-Verteiler einträgt, der sie oder ihn sofort über das Erscheinen weiterer Bände informiert. Hierzu sollten Sie das Formular für einen Newsletter oder Ihre Facebook-Seite direkt am Ende in einem kurzen Nachwort verlinken. Prüfen Sie, ob das Formular auch mit dem einfachen Kindle-Browser funktioniert. Der Weg muss für die Leserin oder den Leser möglichst einfach sein, und der Aufruf zum Handeln sollte unmittelbar nach der Lektüre erfolgen, wenn die Begeisterung am größten ist.

Trotz aller »Sozialen Medien« ist der gute alte Newsletter immer noch das beste Instrument, um Fans zu erreichen. Außerdem liegen die Mailadressen in Ihren Händen, während es durchaus passieren kann, dass Facebook Ihre Fanseite abschaltet.

Auf jeden Fall wird es später wichtig, die Fans gleichzeitig über den neuen Band zu informieren. Doch dazu unten mehr.

Der beste Termin für den nächsten Band

Welches ist das ideale Erscheinungsintervall? Sollte ich es vorab festlegen?

Diese Frage kann nicht allgemein beantwortet werden. Ein jährliches Erscheinen wäre in der schnelllebigen E-Book-Welt sicherlich zu lang. Für eine Fortsetzungsgeschichte kann ein monatlicher Erscheinungsrhythmus sinnvoll sein.

Hüten Sie sich jedoch davor, einen Erscheinungstermin anzugeben, wenn Sie diesen nicht einhalten können.

Ansonsten spielen die Verkaufszahlen eine wichtige Rolle, um den besten Zeitpunkt zu ermitteln. Amazon beispielsweise zeigt Ihnen die Verkäufe nahezu in Echtzeit an. Solange sich diese noch in einem hohen Bereich bewegen, sollten Sie mit dem nächsten Band warten. Das Gleiche gilt, wenn der erste Band überhaupt noch keine nennenswerten Abverkäufe hatte. Viele Autoren nutzen die Möglichkeit, ihr E-Book zum Start zu verschenken, um ihm eine gewisse Aufmerksamkeit unter den Schnäppchenjägern zu sichern. Aber Downloader sind nicht immer Leser. Dennoch kann eine solche Aktion die Sichtbarkeit steigern. Dabei sollte natürlich auch Artikelbeschreibung und Cover stimmen. Ziel der Verschenkaktion sollte es zudem sein, möglichst viele (ehrliche) positive Besprechungen zu erhalten, die den Artikel weitertragen, wenn er wieder Geld kostet.

Gehen die Verkaufszahlen nach unten und haben Sie auf Ihrer Facebook-Seite oder in Ihrem Mail-Verteiler viele Fans gesammelt, so mag dies ein idealer Zeitpunkt sein, den nächsten Band auf den Markt zu bringen.

Nichts zu verschenken – oder doch?

Band 2 ist da!Sobald die Fortsetzung auf den E-Book-Plattformen online ist, sollten Sie alle Fans auf allen Kanälen (Newsletter, Facebook, Twitter etc.) gleichzeitig über den neuen Teil informieren. Gleichzeitig ist hier wörtlich zu nehmen! Denn wenn sehr viele Fans das E-Book bei Amazon in derselben Stunde kaufen, dann sind die Chancen gut, dass der Titel in den Top-100 weit nach oben kommt – entsprechende Fan-Zahlen natürlich vorausgesetzt. Und was in den Charts nach oben kommt, das hält sich dort meistens auch, da andere Käufer darauf aufmerksam werden.

Um den Effekt des »Sofortkaufes« zu verstärken, können Sie alle Verkaufsregister ziehen. Sie könnten den neuen Band für einen begrenzten Zeitraum verschenken. Doch dann erhalten Sie kein Geld von Ihren treuen Fans. Erwägen Sie also besser, den neuen Band zu einem zeitlich sehr eng begrenzten Sonderpreis anzubieten. Das kann z. B. ein günstiger Preis ausschließlich am Erscheinungstag sein. Vergessen Sie jedoch die Preisbindung nicht. Wenn Ihr E-Book auf mehreren Plattformen gelistet ist, so muss dieser Sonderpreis überall gelten und sich danach auch überall ändern.

Eine weitere Strategie kann es sein, den ersten Band bei Erscheinen der Folgeausgabe zu verschenken oder günstiger anzubieten, da dieser in den Verkaufszahlen ohnehin nach unten ging. Das könnte Ihrer Serie wieder einen Kick geben.

Wenn Sie im ersten Band einen Hinweis auf die »demnächst« erscheinende Fortsetzung haben, so sollen Sie die Buchdatei aktualisieren und direkt am Ende auf den jetzt lieferbaren Teil verlinken. Hierzu können Sie sogar Ihren Amazon-Partnerlink verwenden, um bei einem Kauf noch ein paar Cent extra zu verdienen.

Und im aktuellen Teil sollte dann wieder ein Hinweis auf die weitere Fortsetzung stehen und ein Link auf Facebook und Newsletter – und das Spiel beginnt von neuem.

Sammelband mit Bonusbeitrag

Ist Ihre Trilogie oder Ihre Fortsetzungsgeschichte irgendwann tatsächlich abgeschossen und jeder Band auf dem Markt, so sollten Sie – ebenfalls mit etwas zeitlichem Abstand – an einen Sammelband denken, der alle Teile vereint und etwas günstiger ist als der Kauf der Einzelbände. Damit sich Ihre echten Fans sogar zusätzlich den Sammelband kaufen, ist es sinnvoll, die Komplettausgabe mit Bonusmaterial anzureichern. Das kann z. B. eine exklusive Kurzgeschichte sein mit einem der Protagonisten oder ein »Making-of«, in dem Sie als Autorin oder Autor für Ihre Fans etwas über die Entstehung des Werkes berichten.

Es lohnt sich also, sich Gedanken über die Verkaufsstrategie zu machen, um Verkaufserfolg und Zufriedenheit der treuen Leser zu maximieren.

Vielleicht haben Sie ja auch noch ein paar Ideen, die Sie gerne in den Kommentaren zu diesem Beitrag ergänzen können.

Außerdem: Die hier beschriebene Strategie gilt nicht nur für zusammenhängende Werke, sondern kann grundsätzlich von Autoren angewandt werden, die mehr als ein Buch veröffentlicht haben.

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3 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Pius von Heereman schrieb am 21. Juli 2013 um 16:34 Uhr

    Ich finde die größte Schwierigkeit besteht darin, genug Zeit zum Schreiben freizuschaufeln. Ansonsten würde ich es einfach so halten, dass ich minimal 3 Monate zwischen den Bänden frei lasse, viel mehr aber auch nicht. Für den Laien besteht die größte Gefahr auf jeden Fall darin, dass er sich, wenn er die Fortsetzungen noch nicht fertig hat verschätzt. Irgendwann sprudelt die Kreativquelle vielleicht nicht mehr so ergibig und es wird zäh. Also besser genug Zeit nehmen.

  2. sws schrieb am 29. Juli 2013 um 18:39 Uhr

    Warum drei Bände machen? Alles als ein eBook veröffentlichen sollte beim eBook doch kein Problem sein, oder?

  3. Rouven schrieb am 30. Juli 2013 um 00:17 Uhr

    Sehr geehrter sws,
    Zum Abkassieren natürlich. Serien verkaufen sich länger als einzelne Bücher. Die einzelnen Bände kommen hin und wieder in den Verkaufszahlen nach oben. Statistisch gesehen: Serien lohnen mehr, deshalb gibt es ja auch so viele. Außerdem wollen die Leser Fortsetzungen. Wenn sie keine schreiben, dann ziehen sie den Zorn der Leser auf sich.

    Grüße
    Rouven

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