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Statt Heizdecken an Rentner: Heidenreich verkauft Bücher nun im Internet

Elke Heidenreich liest im Internet

Quelle: litCOLONY.de

Jetzt ist sie da, wo nach Meinung vieler die Zukunft ist: im Internet. Nachdem sie beim ZDF wegen allzu garstiger Bemerkungen [1] rausgeworfen wurde [2], ist Elke Heidenreichs Dauerwerbesendung für Bücher nun im Internet zu finden. Wann immer man will, kann man dort die neueste Folge von »lesen!« mit Tote-Hosen-Sänger Campino abrufen [3]. Man kann vor- und zurückspringen zwischen den einzelnen vorgestellten Titeln und darunter ist sofort der Bestelllink zu finden.

Doch das Ganze ist eher erbärmlich und traurig. Eine Internet-Sendung, die den maroden Charme eines Heizdeckenverkaufs im Landgasthof oder des C-Promi-Auftritts zur Möbelhauseröffnung hat. Groß hatte die Heidenreich angekündigt [4], sie werde ihre Sendung bald in einem neuen TV-Sender präsentieren, doch nun ist das Ganze zum Werbetrailer für den neuen Internet-Auftritt zur Kölner Buch- und Lesemesse lit.cologne [5] verkommen.

Und alles andere als souverän streut Heidenreich immer wieder plumpe und peinliche Seitenhiebe auf Reich-Ranicki, das schreckliche Fernsehprogramm im Allgemeinen und natürlich gegen das ZDF ein und hofft auf die Reaktion der ihr nachfolgenden Chlaqueure.

Eine verbitterte und gekränkte Frau, die statt in der Kölner Kinderoper ihre ohnehin geplante Sendung nun 1:1 in der Kölner Kneipe »Backes« runterreißt. Und da gerade bei ihrem peinlich stichelnden Eingangsmonolog die Lacher und Reaktionen aus dem Publikum ausbleiben, lässt das darauf schließen, dass dieser nachträglich noch eingefügt wurde.

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Waren in der ZDF-Version das Heidenreichsche Geschnatter abfangende Kameraschwenks und Zooms zu finden, so unterstreicht im Kneipenrund die nachträglich eingefügte zu schnelle Schnittfolge nur das Runterrasseln von »Supertoll-schönes Buch. Kaufen! Lesen! Weiter! Nächtes!«-Monologen.

Totgeredet wird Campino. Das ist schade, denn wenn dieser Ansätze macht, einmal etwas Substanzielles oder Gegenteiliges zum Buch zu sagen, bekommt er verbal eine übergebraten. Campinos wenige Worte sind die Höhepunkte. Am Schluss drückt sein süffisantes Lächeln zu Roger Willemsens Buch »Der Knacks [7]« mehr aus als Heidenreichs lobhudelnder Wortschwall.

In diesem Umfeld ist es für jede und jeden klar, dass dies nur eine Verkaufsshow ist, die so auch auf der Website von amazon.de oder brigitte.de zu finden sein könnte. Ein liebloses und reflexartiges Bücherloben, das keine Leselust mehr verbreitet, wie dies im ZDF noch der Fall war.

Und am 16. Dezember gibt es die Sondersendung mit letzten Geschenktipps vor Weihnachten.

Und spätestens jetzt ist klar, wo Heidenreichs Sendung am besten hingehört hätte: in den Homeshoppingkanal von RTL.

Wolfgang Tischer

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