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Beitrag vom 27. August 2015 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Literarisches Leben

SPIEGEL ⇒ Stieg Larsson, Millennium ⇒ Kaufen! ⇒ Amazon

Beitrag im SPIEGEL Online zum 4. Band der Millennium-Trilogie

Heute erscheint der vierte Band der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson. Der Satz allein ist paradox. Noch merkwürdiger ist, dass der vierte Band gar nicht von Larsson geschrieben wurde, da der Autor bereits seit 10 Jahren tot ist.

Aber genauso merkwürdig ist ein Beitrag dazu auf SPIEGEL online.

Gerhard Spörl schreibt auf SPIEGEL online über Stieg Larsson und wie alles angefangen hat. Und dass der Thriller schließlich ein Megaerfolg wurde und der Autor am 9. November 2004 verstarb. Das war – wohlgemerkt – ein Jahr bevor der erste Band der so genannten Millennium-Trilogie überhaupt auf den Markt kam. Den Erfolg seiner Bücher hat Stieg Larsson nicht mehr erlebt. Auch nicht den Erfolg der Verfilmung. Und auch nicht die zweite Verfilmung durch Hollywood mit Daniel Craig, weil Hollywood ja alles nochmal neu verfilmen muss, was erfolgreich war, aber nicht in Hollywood verfilmt wurde.

Nun also gibt es einen vierten Band, der zeitgleich in 26 Ländern erscheint. Dieser vierte Band ist nicht von Larsson. Wie schon bei »Vom Winde verweht« oder selbst beim deutschen Krimi-Autor Andreas Franz nutzt man die bekannte Marke und lässt von einem Schreibsöldner ein weiteres Buch verfassen, weil sich damit einfach unglaublich viel Geld verdienen lässt.

Gerhard Spörl berichtet all dies in seinem SPIEGEL-Beitrag, erörtert das Für und Wider solcher Fortschreibungen, zitiert Larsson-Freunde und dass der Autor selbst das wohl nicht gut gefunden hätte, denn Larsson war – wie jeder anständige schwedische Krimi-Autor – ein Linker.

Dann geht Gerhard Spörl etwas auf den Inhalt des vierten Bandes ein, findet zwar, dass er nicht hätte geschrieben werden müssen, findet ihn aber auch gar nicht mal so übel.

Und schließlich beendet Gerhard Spörl seinen Beitrag auf SPIEGEL Online mit einem unglaublichen Cliffhänger, der mehr oder weniger direkt zum Buch führt:

Ist es ihm gelungen? Darüber entscheidet ab heute die große Larsson-Käufergemeinde. Wird daraus ein Flop, dürfen sich die Puristen bestätigt fühlen. Wird daraus ein Erfolg, gibt es einen Band 5, keine Frage. Denn im Krieg der Zwillingsschwestern ist noch nichts entschieden. Und außerdem sieht es so aus, als ob Lisbeth und Mikael…

Aber lesen Sie doch selbst.

Und was folgt dann? Direkt unter dem Bericht findet sich eine Buchanzeige – für den vierten Band von Millennium! Darin gleich zwei Bestelllinks zu Amazon, zum Buch und zur Kindle-Ausgabe. Es sind Affiliate-Links mit SPIEGEL-Kennung, und somit ist es keine Anzeige, die »zufällig« z. B. via Google Adsense dort platziert wurde.

Der Cliffhänger im Beitrag führt direkt zur Anzeige und zum »Kaufen!«-Link (Klick zum Vergrößern)

Der Cliffhanger im Beitrag auf SPIEGEL Online führt direkt zur Anzeige und zum »Kaufen!«-Link (Klick zum Vergrößern)

Grundsätzlich ist dagegen nichts zu sagen, denn auch das literaturcafe.de setzt solche Links zu Amazon ein. Sie gehören zum Service und helfen bei der Finanzierung der Website. Leider bietet kein anderer Online-Buchhändler derzeit vergleichbare Schnittstellen.

Aber so trichterförmig auf den Cliffhanger hinschreiben wie Gerhard Spörl? Ist da nicht der ganze SPIEGEL-Beitrag eine Anzeige? Ist das jetzt ein Beitrag, der von Gerhard Spörl ausschließlich und allein dafür verfasst wurde, damit die Leute unten auf den Link klicken sollen?

Zudem ist verwunderlich, dass der SPIEGEL immer noch ausschließlich zu Amazon verlinkt, da es doch unlängst Beschwerden gab und sich der SPIEGEL hochoffiziell mit Vertretern des deutschen Buchhandels zusammengesetzt hat, um eine breitere Verlinkung anzubieten. Das war im Herbst 2014.

Seltsam. Seltsam.

Aber lesen Sie doch selbst. Von mir aus auch Stieg Larsson.

Wolfgang Tischer

David Lagercrantz: Verschwörung: Millennium 4 – Roman. Gebundene Ausgabe. 2015. Heyne Verlag. ISBN/EAN: 9783453269620. EUR 22,99 (Bestellen wie beim SPIEGEL bei Amazon.de)
David Lagercrantz: Verschwörung (Millennium 4). Hörbuch-Download. 2015. Random House Audio, Deutschland. EUR 27,88 (Bestellen wie beim SPIEGEL bei Amazon.de)
David Lagercrantz: Verschwörung (Millennium Trilogie, Band 4). Kindle Edition. 2015. Heyne Verlag (Herunterladen wie beim SPIEGEL bei Amazon.de)

P. S.: Sie können das Buch auch beim örtlichen Buchhandel kaufen. Und gerne würden wir auch andere Affiliate-Links anbieten. Nur war bislang kein Buchhändler in der Lage, uns eine ähnlich gut Schnittstelle zu den Buchdaten anzubieten wie Amazon.

P.P.S: Aber Sie müssen das Buch auch nicht kaufen. Es gibt so viele andere. Es sei denn, Sie wollen wissen, dass Lisbeth und Mikael am Ende des vierten Bandes doch tatsächlich …

Nachtrag und P.P.S.: Bei den SPIEGEL-Beststellern verlinkt der SPIEGEL mittlerweile auch auf buchhandel.de. Wir werden mal nachfragen, ob es diese Lösung auch für Websites wie literaturcafe.de gibt. Wir wollen das auch!

Bei den SPIEGEL-Bestsellern verlinkt der SPIEGEL parallel auch auf buchhandel.de

Bei den SPIEGEL-Bestsellern verlinkt der SPIEGEL parallel auch auf buchhandel.de

P.P.P.S.: Erste Recherchen haben ergeben, dass aktuell nur mit statischen Links auf die Datenbank von buchhandel.de verlinkt werden kann. Dies ist jedoch keine befriedigende Lösung, denn es muss vorab eine Abfrage möglich sein, ob das Buch überhaupt (noch) auf buchhandel.de gelistet ist. Einen Link anzubieten, der dann nach einiger Zeit zu einem »Artikel nicht vorhanden« führen könnte, ist keine Lösung. Wir bleiben dran.

5 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Sascha schrieb am 2. September 2015 um 16:19 Uhr

    Es gibt doch seit Jahren Schnittstellen zu anderen Shops wie buch.de, buecher.de etc – allen, die im lokalen Buchhandel kaufen wollen, emfpehle ich mal einen Blick auf die App lChoice

  2. Redaktion schrieb am 2. September 2015 um 23:22 Uhr

    Leider gibt es diese Schnittstellen nicht. Auch nicht bei buchhandel.de. Einige Shops bieten zwar Affiliate-Programme und entsprechende Produktlinks an, aber leider keine Schnittstellen, die Buchdaten oder Lieferbarkeit bereits im Vorfeld abfragen lassen.

  3. Renate Blaes schrieb am 10. September 2015 um 16:36 Uhr

    Ach, lieber Herr Tischer, ich liebe Ihre Artikel! Danke für den bei mir erzeugten Lacher im P. P. S.: “… Es gibt so viele andere.” So trivial die Aussage scheinen mag … bei mir hat sie Gelächter erzeugt. Diese Lakonie – köstlich!
    Viele Grüße vom Ammersee (heute saukalt).
    Ihre Renate Blaes
    P. S.: Jetzt schreibe ich auch ein P. P. S.
    P. P. S.: Ich werde mir erlauben, Ihren Artikel zu verlinken.

  4. Lars Gunmann schrieb am 10. September 2015 um 22:25 Uhr

    War es nicht so, dass der Autor ursprünglich mehrere Teile geplant hatte und auch einen halbfertigen vierten Teil zurückließ, um den sich Angehörige und Geliebte stritten? So genau bekomme ich es nicht mehr zusammen.

  5. Fabian Neidhardt schrieb am 11. September 2015 um 21:32 Uhr

    Lars, tatsächlich war die Reihe als neunteilige geplant, wurde aber durch den Tod unterbrochen. Man munkelt von zumindest relativ aufgefeilten Exposés bis zum sechsten Band und sogar einem sehr weit gediegenem Manuskript des Vierten. Aber gleichzeitig gibt es einen Rechtstreit um das Erbe von Stieg Larsson, auf der einen Seite stehen da sein Vater und sein Bruder, auf der anderen Seite seine Lebenspartnerin, welche mehr als 30 Jahre mit ihm zusammen, aber nicht liiert war. Deshalb ist ihr nach schwedischem Recht nichts vom Erbe zugesprochen worden. Aber in ihrem Besitz befindet sich der Computer mit eben jenen Manuskripten und Exposés. Dieser Roman, der veröffentlicht worden ist, hat aber nichts mit diesen Sachen zu tun. Wenn wir also Glück haben und sich die Familie irgendwann einig wird, könnte es nochmal einen vierten Teil geben. Die Literaturwelt hat schon merkwürdigeres veranstaltet.

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