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Beitrag vom 25. Januar 2010 | Rubrik: Literarisches Leben

Seriöse Verlagsautoren: »Nein, wir zahlen nicht!«

Autoren gesucht! Wir prüfen Ihr Manuskript kostenlos! - Die Veröffentlichung kostet Sie jedoch ein Vermögen!Dieser Artikel erschien im Original im Weblog der Autorin Nicole Rensmann. Wir veröffentlichen ihn hier mit freundlicher Genehmigung.

In den letzten Tage stoße ich vermehrt auf Interviews, Artikel, Anzeigen von Verlegern, Verlage, die von den Autoren Geld nehmen und auf »Autoren«, die für eine Veröffentlichung bezahlen. Natürlich wird auf diese kleine Unwichtigkeit nicht hingewiesen. Selbst große Zeitungen und Magazine informieren sich nicht mehr, es wird nur der Text aus der Pressemappe übernommen.

Werden Journalisten von großen Magazinen auch nicht mehr bezahlt? Bezahlen sie dafür, dass sie einen Artikel schreiben dürfen, oder wie darf ich das verstehen?

Es ist ein Schlag ins Gesicht jedes seriösen Verlags, wenn sich große Magazine nicht über den Verlag informieren, der weder Werbung noch ein Lektorat bietet, aber vierstellige Summen für eine Veröffentlichung verlangt. Und es ist ein Stich ins Herz, wenn Rezensionen geschrieben und Pressemitteilungen verfasst werden über Bücher von Menschen, die sich als Autor bezeichnen möchten und dafür gerne einen vierstelligen Betrag bezahlen.

Schriftsteller zahlen nicht für ihre Arbeit, sie erhalten Geld von einem Verlag

Mich erinnert dieses Vorgehen an korruptes Verhalten, wie es in der Wirtschaft, bei Bauunternehmen oder auch in der Politik vorkommt. Manchmal wird ein großes Fass geöffnet, beschimpft, abgestritten, entlassen. Aber mehr und mehr geht es bei der Berichterstattung nur noch um weichgespülte Kindergartenlektüre – bloß nicht die Wahrheit sagen, bloß nicht anecken, bloß keinem auf die Füße treten. Vor allem: Wer laut schreit, wird genommen – die Seriosität bleibt außen vor.

Um das wieder einmal zu verdeutlichen:

Schriftsteller zahlen nicht für ihre Arbeit, sie erhalten Geld von einem Verlag. So läuft das in einem Job. Es gibt sehr viele seriöse Verlage – egal ob groß oder klein. Und es gibt viele gute Autoren, die sich die Nächte um die Ohren schlagen und gute Arbeit abliefern, dann möglicherweise nur wenig Geld von einem kleinen Verlag bekommen – aber sie erhalten es! Und diese finden kaum Platz in der Presse, wohl aber für die, deren Bücher nur wegen einer vorab bezahlten hohen Summe publiziert wurden.

Es klappt nicht immer sofort mit einer Veröffentlichung, aber wer es wirklich will und an sich arbeitet, an sich und seinen Texten, der schafft es auch irgendwann bei einem seriösen Verlag unterzukommen. Er muss nicht groß sein – dieser Verlag –, aber den Text bezahlen, der abgeliefert und verkauft werden soll.

Alle Autoren haben Geschichten in ihren Schubladen liegen, die sie zunächst für genial hielten. Manche sind es und werden viele Jahre später (gegen Bezahlung) veröffentlicht. Andere schlummern für ewig vor sich hin, waren aber dann doch eine gute Übung, denn ohne Übung geht es nie.

Wie dem auch sei: Ich glaube nichts mehr, was ich in der Presse lese, denn ich lese sehr viel über Praktiken oder Vorgehensweise, von denen ich Ahnung habe und weiß, dass keine Recherche stattgefunden hat. Ich  muss also davon ausgehen, dass auch bei Artikeln, über deren Inhalte ich kein eigenes Wissen gesammelt habe, ebenfalls der Großteil nichts weiter als der Pressetext eines möglicherweise korrupten Interviewpartners ist.

Nun, zum Glück gibt es Journalisten, die aufklären, und die müssen sich dann meist mit den Anwälten der entsprechenden Firma rumschlagen. Seltsame Gesellschaft. Verkehrte Welt.

Wer mehr zum Thema »Seriöse Verlage« wissen möchte, dem empfehle ich FAIRLAG – ein Bündnis von Verlagen und Autorengemeinschaften, die sich für Fairness im Verlags- und Literaturwesen einsetzen.

Nicole Rensmann
lebt und arbeitet als Autorin und Journalistin in Remscheid

33 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Immanuel schrieb am 25. Januar 2010 um 21:49 Uhr

    Es sollte zwar schon allgemein bekannt sein, dass Druckkostenzuschussverlage keine Alternative sind, aber es kann einfach nicht oft genug gesagt werden; also ein Lob an die Artikelschreiberin. Es enstpringt einfach einer Unmöglichkeit für eine Leistung die man selbst erbracht hat Geld zu zahlen. Am liebsten ist mir dabei die Antwort eines DKZs, dem ich einen nicht all zu netten Brief geschickt hatte, dass er doch auf seiner Internetseite direkt darauf hinweisen sollte, dass er Geld will (dies hatte ich erst durch eine Antwort seinerseits erfahren); da hieß es, man würde ja auch das “Risiko” tragen und eine Dienstleistung bieten. Aber wo liegt das Risiko bei einem Geschäft in das der Verlag selbst 0€ steckt? Unmöglich, dass man gegen so etwas nicht von staatlicher Seite vorgehen kann.

  2. Hardy Hilgers schrieb am 26. Januar 2010 um 07:28 Uhr

    Hallo Immanuel,

    wie sicherlich die meisten anderen Leser hier auch, halte ich es für äußerst wünschenswert, wenn nur noch dann ein Verlage sich “Verlag” nennen dürfte, wenn Geld ausschließlich vom Verlag zum Autor fließt.

    Viele Grüße
    Reinhardt

  3. Immanuel schrieb am 26. Januar 2010 um 13:28 Uhr

    Hallo Hardy,
    dem würde ich mich zu 100% anschließen.

  4. Peter Hellinger schrieb am 26. Januar 2010 um 13:31 Uhr

    Ich denke man kann es sich nicht so einfach machen und die Verlagsbranche in Gut (zahlt Geld) und Böse (verlangt Geld) aufteilen.

    Bei einigen Veröffentlichungen ist es üblich, Druckkostenzuschüsse zu verlangen; wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Beispiel, aber auch bei angesehenen Lyrik-Verlagen habe ich es schon gehört, dass dort Zuschüsse verlangt werden. Book-On-Demand ist im Prinzip ebenso ein Druckkostenzuschuss-Verlag, auch hier bezahlt der Autor für die Produktion des Buches, wenn auch nur das “Master”-Produkt.

    Punkt 2 ist, dass es auf die Dienstleistung selbst ankommt. Ich kenne einen Fall, bei dem der Verlag zwar einen Druckkostenzuschuss zur Produktion des Buches verlangt hat, diesen Druckkostenzuschuss aber über die verkauften Exemplare an den Autor zurückerstattet. Wenn ich sehe, wie schwer ich mich als Kleinverleger bei meiner Hausbank tue, um die Finanzierung einer größeren Auflage zu bekommen, kann ich mir vorstellen, dass dies eine Alternative sein kann, wenn es vertraglich sauber geregelt ist und der Verlag ansonsten die üblichen Leistungen erbringt. Natürlich ist dabei ein Risiko: Wenn das Buch nicht läuft, kriegt der Autor sein Geld nicht oder eben nur teilweise zurück. Das sollte der Verlag dann aber auch klar festhalten.

    Das Perfide bei diesen Verlagen, über die wir uns alle aufregen, ist doch aber, dass solche Verlage eben KEINE Leistung erbringen, außer das Ding zu drucken und somit nur eine kostspielige Variante eines Copyshops darstellen. Gern wird argumentiert, dass man die Bücher in jeder Buchhandlung ja bestellen kann. Damit das funktioniert, muss natürlich Werbung gemacht werden. Und wer das Klingelputzen bei Buchhändlern schon mal selbst gemacht hat, kann sich vorstellen, dass die Werbung nicht mit einem Banner auf der Homepage des Verlags getan ist. Das kostet richtig Zeit und Geld.

    Ein weiterer Punkt ist – und das werden einige nicht gerne hören: Das Problem schaffen die Autoren und seriösen Verlage leider selbst und ist somit systemimmanent. Am Geschäftsmodell eines DKZ-Verlage ist rechtlich nichts anstössiges. Allerdings zielt das Geschäftsmodell auf die Eitelkeit der Menschen: Das Meiste, was einem Verleger zum Veröffentlichen angeboten wird, ist literarischer Müll. Das hat zur Folge, das tausende von Autoren abgelehnt werden, sich auf Publikumsschelte “Die haben nicht verstanden worum es ging” zurückziehen, und auf missverstandener Künstler machen. Da tut es natürlich gut, wenn ein Verlag schreibt, dass das Manuskript gut ist, und man tolle Umsätze erwartet, wenn denn erst die Erstauflage finanziert ist. Und schon sitzt der vermeintliche Bestsellerautor auf der Leimrute. Eigentlich ist das so ähnlich wie bei DSDS: 30000 Leute wollen Superstar werden und sind davon überzeugt der Beste zu sein. Einige können etwas, andere sind talentiert, aber das Gros kann es eben nicht. So ist das mit Autoren auch.

    Ich habe selbst am Anfang versucht, den Leuten, die mir Manuskripte schicken, klar zu machen, warum ich sie ablehne (sprich kein Geld in eine Veröffentlichung investiere), aber das spare ich mir inzwischen. Es kostet nur Zeit und Nerven immer wieder zu erklären, dass es eben nicht Aufgabe des Lektors ist, die 200 Rechtschreibfehler auf den ersten 50 Seiten zu beheben oder Nachhilfe in Grammatik zu erteilen. Erst gestern sprach mich eine “Autorin” bei einer Lesung an, dass sie jetzt erstmal einen Verlag suche. Während des Gesprächs kam heraus, dass sie noch nie etwas literarisch geschrieben und auch gar keine Vorstellung davon habe, wie so etwas geht. Sie wolle ja nur ihre Autobiografie schreiben, und eigentlich müsste sich doch um Stil und Rechtschreibung der Lektor kümmern. Schliesslich sei sie seit 15.01. jetzt “offiziell” Schriftstellerin, zumindest sei sie jetzt als Freiberuflerin anerkannt. Man verzeihe es mir: Wenn so jemand an einen DKZ-Verlag kommt, hält sich mein Mitleid in Grenzen.

    Aber ich sehe da auch keinen Ausweg, außer ständig den Leuten zu predigen: Wenn ihr abgelehnt werdet, hat das seinen Grund. Der muss nicht mal im Nichtbeherrschen der Kunst liegen, sondern es könnte auch der falsche Verlag sein, oder die falsche Zeit. Sehr aufschlussreich fand ich dazu Isa Schikorskys kleines Büchlein “Aus dem Lektorat”:
    http://www.literaturcafe.de/aus-dem-lektorat-tipps-schreiben-veroeffentlichen/

    Wer von einem Verlag ernst genommen werden will, muss eben auch ernsthaft arbeiten, das heißt auch, dass man sein Handwerk lernen und üben muss, und sich in einem professionellen Markt auch professionell verhalten muss. Wer dann immer noch aus gekränkter Eitelkeit zu einem DKZ-Verlag rennt – bitte.

  5. Immanuel schrieb am 27. Januar 2010 um 13:25 Uhr

    Also Peter, in einem Punkt muss ich dir klar wiedersprechen; nämlich gibt es sehr wohl etwas anstößiges am DKZ-Verlag. Der Verlag, der eigentlich für seine Bücher “werben” sollte, tut nämlich genau das nicht. Warum auch, er hat ja schon sein Geld eingenommen… bei den DKZs ist es ja nicht gang und gebe, dass einfach nur ein Zuschuss zum Druck gezahlt wird, sondern sogar MEHR als die Produktion desselben kostet; damit wird doch hier erst Geld verdient.

    Das mit den Ablehnungen ist auch Problematisch. An wen schickt ein “frischer” Autor seine Manuskripte denn als erstes? Natürlich erstmal dorthin, wo er gerne hin will: an große Verlage wie Rowohlt, Suhrkampf, Carlsen und Co. Natürlich gibt es genügend Autoren die kein Talent zum schreiben beweisen oder denen einfach die Übung fehlt; und es gibt auch genügend – ich höre es immer wieder – die an einen Verlag schicken wollen, ohne sich darum zu kümmern in wie weit denn jetzt das eigene Buch in diesen Verlag passt. Eine Absage ist insofern also selbstverschuldet.

    Das Problem fängt aber bei den großen Verlagen an. Ich habe einen bekannten, der hat sein Manuskript an größere und kleinere Verlage geschickt (veröffentlicht jetzt auch in einem kleineren); während die letzteren ihm immer begründete Antworten schickten, warum genau sie das Manuskript ablehnten, kamen von den großen standatisierte Briefe zurück. Das heißt, jemand der nur an große Verlage schreibt, weiß gar nicht woran es lag; ist das Buch noch nicht gut genug, schreibe ich schlecht, passt es nicht ins Programm, oder wurde das Manuskript vielleicht einfach nur nicht gelesen? Jemand der sich nicht mit der Branche beschäftigt hat, ist dann natürlich deprimiert; entweder er denkt sein Manuskript ist schlecht, schließlich wurde es abgelehnt, oder er sieht keine Chance darin, dass je ein Verlag sein Buch überhaupt liest. Und genau hier liegt etwas noch viel anstößigeres als der Betrug; hier greift ein DKZ sagt demjhenigen wie gut doch sein _Buch ist, wie toll geschrieben… und nutzt damit die naivität eines “Autoren” aus; es wird ganz einfach gelogen, was nicht strafrechtlich zu verfolgen ist, aber einfach ein verstoß gegen die Würde jedes Menschen.

  6. Frank Rawel schrieb am 27. Januar 2010 um 14:49 Uhr

    Besonders amüsiere ich mich über die im Web immer öfter auftauchende Reklame: “Hier können Sie kostenlos veröffentlichen.”
    Schade, dass nur Geistessschaffende erfolgreich für doof gehalten werden.
    Ich würde gern (fürchte aber sehr die Reaktion) einem Handwerker zurufen: “Hier dürfen Sie umsonst arbeiten!”

  7. Luise schrieb am 27. Januar 2010 um 15:46 Uhr

    Meines Erachtens berührt der Beirag von Peter Hellinger einen wichtigen Punkt: Die oft mangelnde Kritikfähigkeit des Autors gegenüber seinem eigenen Werk und die oft mangelnde Bereitschaft, professionelle Kritik anzunehmen.
    Bis zu meiner Berentung vor zwei Jahren war ich als Sekretärin in einem mittelgroßen Verlag tätig.
    Auch ich selbst habe immer gern geschrieben: Tagebuch, Briefe an liebe Freunde, kleine Geschichten für meine Enkel, in letzter Zeit meine Biografie. Aber es ist mir nie in den Sinn gekommen, das alles groß zu veröffentlichen, denn ich weiß: Dafür ist es (leider) nicht gut genug, trotzdem macht mir das Schreiben auch weiterhin Freude.

  8. Uli schrieb am 27. Januar 2010 um 16:56 Uhr

    Wenn denn mal von den “Großen” auch Kritik käme. Statt dessen kommen Umschläge mit Expose und Anschreiben ungelesen zurück, der Umschlag gerade soweit geöffnet, dass ein standardisierter Brief reinpasst.
    Wobei man den großen Verlagen zugute halten muss, dass sie ja förmlich überschwemmt werden mit Zuschriften. Ob allerdings so ein Vorgehen, das ja bewusste Ignoranz impliziert, einem Neuling als Ansporn dient, wage ich zu bezweifeln.

  9. Luise schrieb am 28. Januar 2010 um 09:11 Uhr

    Ja, Uli, solche Erlebnisse sind sicherlich demotivierend. Bei den meisten Verlagen kann man meiner Erfahrung nach solchen Frustrationen vorbeugen, wenn man vorher nachfragt, ob Interesse an dem Manuskript besteht und auf keinen Fall ein Ms unaufgefordert losschickt.
    Allerdings: Über 90% der Ms, die ein großer Verlag veröffentlicht, sind von Stamm-Autoren des Verlags oder werden von Agenturen vermittelt.

    Grundsätzlich gilt: Wer als Autor gute Chancen hat, von einem großen Verlag genommen zu werden, der hat auch gute Chancen, von einer seriös und professionell arbeitenden Agentur genommen zu werden.

  10. Peter Hellinger schrieb am 28. Januar 2010 um 09:58 Uhr

    @Immanuel: Also rechtlich kann man einem DKZ-Verlag wohl kaum am Zeug flicken. Allenfalls kann man einzelne Verträge möglicherweise wegen Sittenwidrigkeit anfechten (z.B. diese Achtzehnjährige, der man eine Zehntausender-Auflage verkauft hat, die sie wohl nie verkaufen wird, wäre so ein Fall, der sich zu prüfen lohnt), aber selbst das dürfte schwierig sein.

    Moral ist leider nicht immer ein Geschäftsmaßstab, auch in den seriösen Medien nicht. Ich hab mich vor Weihnachten mal mit Sandra Uschtrin von der Federwelt unterhalten, warum sie denn noch Anzeigen solcher Verlage schaltet; lieber würde ich mehr für die Federwelt bezahlen. Und tatsächlich sagte sie, dass dieses Jahr in der Federwelt keine solchen Anzeigen mehr gedruckt werden. Oliver Buslau von der TextArt sieht das aber ganz anders: Er meinte, er prüfe nicht den Inhalt der Annoncen, die Zeit oder die FAZ tun das ja auch nicht. Ich finde das etwas zwiespältig. Das wäre so, als würde die Frankfurter Verlagsgruppe auf der Webseite von FAIRLAG Werbung schalten. :-)

    Zum Thema Ablehnung (auch @Luise und @Uli): Ich habe irgendwo – ich glaube es war in der Federwelt – ein Interview mit einem Lektor vom Aufbauverlag gelesen. Der meinte damals, dass er etwa 1000 Manuskripte pro Jahr bearbeite und davon ein bis zwei verlege. Bei 250 Arbeitstagen sind das 4 Manuskripte pro Tag, oder 2 Stunden pro Manuskript. Und dann soll man noch den Autor auf seine Fehler aufmerksam machen? Ein tollkühnes Unterfangen, oder?

    Zugegeben, bis ich 1000 Manuskripte im Jahr zugechickt bekommen, muss noch viel passieren. :-) Ich hab mir am Anfang die Mühe gemacht: Rechtschreibkorrektur und Hinweise gegegeben, nur um dann mit den Autoren über Stil, Grammatik und Inhalt zu diskutieren. Einer hat mich sogar böse als “Banause” und “Scheinverlag” beschimpft, weil ich sein Manuskript nicht verlegen wollte. Das kostet Zeit, die ich für andere Dinge (Buchhändler besuchen, Lesungen organisieren, Werbung machen, das nächste Buch vorbereiten, meine Vertragsautoren betreuen – und auch selbst schreiben!) nicht habe und für die ich kein Einkommen erziele. Gerade als Kleinverlag muss ich aber jeden Euro zweimal umdrehen, damit sich die Sache nicht als bloßes Steckenpferd entpuppt.

    Auch das Argument “er weiß nicht, warum er abgelehnt wird” mag ich nicht gelten lassen. In jeder größeren Stadt gibt es offene Foren für Autoren. In meiner Stadt (Nürnberg) zum Beispiel das “Literarische Café” oder die “TextArena”. Da kann man seinen Text vortragen und sich Meinungen anhören, unabhängig von den Verwandten und Bekannten, die sowieso alles gut finden, was man macht. In jeder Volkshochschule kann man für wenig Geld Kurse in kreativem Schreiben belegen. Auch dort wird meist über die Texte offen diskutiert. So kann man sich schon mal ein Bild machen, wie der eigene Text oder Schreibstil auf das Publikum wirkt. Natürlich braucht es dazu aber auch – wie Luise schreibt – Kritikfähigkeit, und das haben tatsächlich sehr viele Leute nicht, wie ich immer wieder feststelle.

    Es gibt ja eine Menge Schreibratgeber zu kaufen. Aber es gibt vier, die sollte JEDER, der schreibt, haben und beherzigen:
    – “Vier Seiten für ein Halleluja” von Hans-Peter Roentgen
    – “Drei Seiten für ein Exposé” von Hans-Peter Roentgen
    – “Aus dem Lektrorat” von Isa Schikorsky
    – “Marketing für Autoren” von Björn Jagnow

    Während die ersten Beiden mehr auf das Handwerkliche eingehen, findet man bei den letzten Beiden viele nützliche Tipps wie man einen Verlag findet, wie man mit dem Lektor in Kontakt kommt und wie man herausfindet, was der Verlag gerade sucht. Denn eines sollte klar sein: Den tausendsten Meyer/Follet/Pilcher-Klon braucht kein Verlag mehr.

    Und zum Schluß hake ich nochmal bei Luise ein: Schreiben ist ein wunderbares Hobby, das viel Spaß bringen kann. Ich kenne einige Leute, die toll schreiben, aber kein Interesse an Veröffentlichung haben. Und da gibt es auch gar nichts dran zu meckern. :-)

  11. Hans Blazejewski schrieb am 28. Januar 2010 um 16:56 Uhr

    Guten Tag.
    Ich denke, es ist nicht richtig, pauschal mit dem Finger auf die DKZ Verlage zu zeigen. Wenngleich diese Verlage ihr ganzes Arsenal an psychologischer Beeinflussung auf den armen Poeten loslassen, so sind es doch die Autoren, die den Vertrag unterschreiben oder ablehnen können.

    Insbesondere auf einen Menschen der sich als kommender Bestseller-Autor fühlt, weil ja schon bei privaten Vorlesungen einhelliger Beifall eingefahren werden konnte, trifft das leicht abgewandelt Sprichwort zu: Wenn die DKZ Verlage rufen, dann ist der Verstand im A…

  12. Annorra schrieb am 28. Januar 2010 um 18:02 Uhr

    @Peter: Was Ihre Meinung zur rechtlichen Immunität solcher Verlage betrifft: Ist das nur eine vage Aussage oder haben Sie da wirklich ernsthaft alle rechtlichen Register gezogen? Es ist nicht so selten, dass Menschen denken „man könne nichts machen“, aber wer sich da ordentlich informiert, kann vielleicht doch so einiges erreichen. Kenne mich da aber nicht genauer aus.

    Das mit den Anzeigen finde ich allerdings auch sehr zwiespältig und verantwortungslos. Das mit dem „nicht prüfen können“ ist definitiv eine Ausrede, wenn es um sehr bekannte DKZs geht. Ihr Vergleich mit der Frankfurter Verlagsgruppe hinkt allerdings. Die Federwelt druckt die Anzeigen (falls das stimmt), weil sie damit Geld verdienen will. Die Frankfurter Gruppe allerdings würde bei einem Hinweis auf Fairlag aber gewiss Verluste machen. Durch die Anzeige verliert sie bestimmt mehr Autorengeld als sie für das Schalten der Anzeige bekommen würde : – )

    Dass mit dem 2 Stunden pro Manuskript glaube ich nicht – nicht, wenn es sich um die Sichtung unverlangter Manuskripte handelt (wie ich Ihre Worte aufgenommen habe). Oder stammt diese Rechnung lediglich von Ihnen??? Ich fürchte, Sie übersehen, dass ein Lektor nicht den ganzen Tag über an den unverlangten MS-Stapeln sitzt. Von seinen 8 Stunden kümmert er sich vielleicht lediglich eine Stunde um den MS-Berg und widmet jedem MS eine Viertelstunde, folglich schafft er 4 MS pro Arbeitstag (wobei es vielleicht realistischer ist, dass er 3 davon in 15 Minuten abhandelt und das eine vielversprechendere länger betrachtet). Ich finde, Verlage sollten Autoren zumindest ein klein wenig auf ihre Fehler aufmerksam machen, vielleicht würde dies das DKZ-Problem tatsächlich um einiges eindämmen. Wäre nicht so viel Arbeit, eine kurze Note oder so Sternchen wie bei Amazon für ein MS zu vergeben, notfalls auch handschriftlich auf die gedruckte Standardabsage drauf. Standardabsage mit einer Skala, wo der Lektor vor der Absage nur ein Kreuzchen zu machen braucht (oder „Enthaltung, weil: Passt nicht ins Programm). Alternativ auch 3 Skalen für Sprache, Inhalt und was sonst noch. Es gibt so gut wie nichts, was aus dem Bereich „Zeitaufwand“ dagegen spricht, das ist Minimalaufand, höchstens fürchtet man wütende Nachfragen einiger Autoren, aber selbst diesbezüglich kann auf dem Standardbrief darauf hingewiesen werden, dass diese ignoriert werden. Und vielleicht liest ja jemand diesen Kommentar und setzt diesen Vorschlag um!

    Das Argument „er weiß nicht, warum er ablehnt wird“ nicht gelten zu lassen, weil man ja bei Autorenforen Erfahrungen mit seinen Text sammeln könne, ist in mehrerer Hinsicht naiv: Verlage lehnen nicht nur aufgrund von Qualitätsgründen und Radikal-Programm-unpassend ab, sondern da kommen mit ins Spiel: geschätzte (!!!) Vermarktbarkeit eines MS und diese hängt auch ab von Status/Bekanntheit des Autors und subjektivem Geschmack/Stimmung/Sympathie des Lektors. Und ein Nischenthema kann durchaus gute Kritik in Autorenforen ernten, während Mainstreamtaugliches als Klischee verschrien wird. Und schließlich: Die Reaktionen in Autorenforen sind nicht unbedingt „repräsentativ“ für die Lesergesamtheit. Was man dort findet, ist nicht „das Publikum“.

    Sie finden, „den tausendsten Meyer/Follet/Pilcher-Klon braucht kein Verlag mehr“? Da wäre ich mir gar nicht so sicher. Es gibt gute und schlechte Klone. Und gerade die ausgetretendsten SF-Serien wie Perry Rhodan und Star Wars scheinen die Verlage immer noch zu brauchen. Verlage sind trendorientiert. Gegenwärtig braucht man in Fantasy den x-ten Vampir-Aufguss.

  13. immanuel schrieb am 28. Januar 2010 um 20:03 Uhr

    @peter: Mir ist bewusst, dass Moral und Geschäft sich oft widersprechen, stören tut mich diese Art trotzdem.

    danke für die Tipps mit dem schreibratgebern. Ich werde sie mir mal anschaffen, da selber schreibe und immer gerne bereit bin mich weiter zu entwickeln und mehr zu lernen.

  14. fischfresse schrieb am 29. Januar 2010 um 17:44 Uhr

    Ich habe in meinem Blog mal versuchsweise AdSense-Anzeigen platziert. Aufgrund meiner Prosa/Satire-Thematik wurden hauptsächlich Verlagsanzeigen angezeigt – und zwar von Druckkostenzuschussverlagen. Alle berüchtigten Vertreter der Branche waren dabei. Bis ich AdSense so konfiguriert habe, dass diese Ads ausgefiltert werden, werde ich auf meiner Seite kein AdSense anzeigen lassen.

  15. Peter Hellinger schrieb am 29. Januar 2010 um 22:32 Uhr

    @Annorra: Rechtliche Immunität: Warum sollte ich als Kleinverleger einen Mitbewerber verklagen, wenn es die “Großen” auch nicht tun? Und mit welchem Grund? Unlauterer Wettbewerb? Solange dem Kunden gesagt wird, dass er für eine Leistung bezahlt und diese Leistung tatsächlich erbracht wird (schließlich wird das Buch gedruckt, und ist auch im Handel erhältlich), sehe ich da nichts rechtlich verwerfliches (moralisch bewerte ich es völlig anders). Meine Einschätzung ist, dass jede Druckerei so einen Dienst anbieten kann – tatsächlich machen das auch einige, sogar die Druckerei, bei der ich die von mir verlegten Bücher fertigen lasse. Dieses Geschäftsmodell der speziellen DKZ-Verlage funktioniert, weil es mit den Empfindungen der Menschen spielt. Letzendlich muss jeder selbst entscheiden, was er tut, mann kann einfach nur warnen.

    Anzeigen: Heute war die neue Federwelt bei mir im Kasten und Frau Uschtrin hat Wort gehalten. :-) Wie gesagt, Herrn Buslaus (TextArt) Haltung kann ich da nicht teilen. Mein Verlgleich mit der Frankfurter Verlagsgruppe und FAIRLAG bezog sich darauf, dass auch die TextArt regelmäsig negativ über DKZ-Verlage berichtet, sich aber a) sagt, ich muss Geld verdienen, egal wie; und b) ich prüfe nicht, was da in der Anzeige steht. Ein Argument von Herrn Buslau war, dass der DKZ-Verlag ja aufhören könne zu inserieren, wenn ihm die Berichterstattung nicht gefalle. Daraus kann man lesen, dass sich bei aller Kritik am DKZ-Verlag der Ertrag aus der Werbung in Autorenzeitschriften offensichtlich rechnet: Sagen wir 1000 Euro für eine ganzseitige Anzeige. Einen Deppen als Rücklauf auf die Anzeige gefunden, macht 10.000 Euro Umsatz. Und EIN Depp findet sich irgendwie immer. :-)

    2 Stunden pro Manuskript: Das ist sehr optimistisch, wenn man davon ausgeht, dass der Lektor nichts anderes tut, als Manuskripte zu prüfen. Schließlich muss er ja die zwei Manuskripte lektorieren, die er dann doch verlegt. :-) Im Endeffekt, wird er wohl nur wenige Minuten mit dem Manuskript verbringen. Es ist schon so, wie es Hans-Peter Roentgen in “Vier Seiten …” schreibt: Mehr braucht man in der Regel nicht, um zu sehen, ob der Autor etwas kann und ob das Buch etwas für den Verlag ist. Ich habe letzen Monat zum Beispiel ein Manuskript mit der Bemerkung zurückgechickt, dass ich die Idee interessant finde, es aber a) viel Lektorat erfordert, weil einiges stark überarbeitungsbedürftig scheint und ich b) kein Budget habe, um das zu leisten. Als Kleinverlag im Sinne des Wortes kann ich halt nur zwei oder drei Produktionen im Jahr stemmen, und muss eben auch aufs Geld gucken, um im Preisniveau auch mit den großen Jungs mitspielen zu können.

    Ablehnung: Natürlich muss ein Verlag auch die Machbarkeit im Auge behalten – schliesslich gibt der Verlag eine Menge Geld aus, das wieder reinkommen soll. Und auch das kann ein Ablehnungsgrund sein. Deshalb von vornherein schauen: Zu welchem Verlag kann das Projekt passen? Wer macht so ähnliche Themen? Kann ich mit dem Lektor vorher schon mal reden, ob Interesse besteht? Kontakt suchen, sich in Erinnerung bringen usw., das empfiehlt zum Beispiel Björn Jagnow in seinem Buch. Und eben auch das eigene Werk einschätzen können: Setzt es einen Trend, oder läuft es dem Trend hinterher? Heute gehen Vampir-Romane gut. Wie war das vor zwei Jahren, was war da in den Bestseller-Listen? Harry Potter? Wo sind heute die Zauberlehrling-Romane? Bis ein Buch geschrieben, lektoriert, gedruckt und im Handel ist, sind schon mal ein oder zwei Jahre ins Land gegangen. Was werden wir in zwei Jahren lesen? Ein befreundeter Autor meint, dass Zombies ein großes Comeback erleben werden. Aber wer weiß das schon?

    Autorenforum/Erfahrung: Gerade weil dort fachkundiges Publikum ist, dass mehr als der Durchschnitt von Literatur versteht, wäre das doch ein gutes Pflaster um seine eigenen Fähigkeiten zu testen. Ich mache seit vielen Jahren bei solchen Veranstaltungen mit (hörend und lesend) und hab daraus schon viel gelernt. Außerdem schult es die Kritikfähigkeit: Es ist nicht einfach still zu bleiben, wenn gerade jemand deine mit Herzblut geschriebene Kurzgeschichte als den größten Quatsch abwertet, den er je gehört hat. Wobei diese Art der Kritik eher selten zu finden ist. Wenn ich dann schon mal ein “gereifteres” Werk dem Verlag anbiete, eines bei dem den Lektor die ersten Seiten hellhörig macht, und wenn vorher Thema und Verlag in Einklang stehen, ist die Chance verlegt zu werden, doch ein ganzes Stückchen gestiegen. Eine Garantie gibt es natürlich nicht.

  16. Jutta Ouwens schrieb am 30. Januar 2010 um 09:49 Uhr

    Vor ein paar Jahren erzählte eine Lektorin auf der LitCologne, dass ihr Verlag täglich bis zu 50 Manuskripte erhält (Habe leider vergessen, welcher Verlag es war, aber auf jeden Fall ein bekannter..). Sie lese maximal zwei Seiten und ist entweder angefixt vom Text oder nicht. Es könne aber durchaus sein, dass ein Kollege einen von ihr abgelehnten Text gut findet und deshalb sei es auch sinnvoll, ein Manuskript in Abständen mehrmals einzureichen! Okay, wer viel Geld für Porto und Unmengen von Geduld hat….

    Habe nochmal in einer alten ‘Federwelt’ (2008) geblättert und lediglich Anzeigen von eindeutig erkennbaren Demand-Anbietern gefunden.

    Zu den Schreibratgebern gehören unbedingt:
    Stephen King: Das Leben und das Schreiben
    Sol Stein:Über das Schreiben.

  17. kerstin schrieb am 2. Februar 2010 um 10:41 Uhr

    was ist denn von folgender Variante zu halten: Teilnahme an einem Wettbewerb. Der eigene Beitrag wird zur kostenlosen Veröffentlichung in einem Buch vorgeschlagen, sofern man selbst zustimmt. Man zahlt also nichts, bekommt aber auch nichts. Wer möchte, kann einige Exemplare des Buches zum Vorzugspreis erwerben.

  18. fischfresse schrieb am 2. Februar 2010 um 10:57 Uhr

    zu 17) Einige kostenlose Belegexemplare würden dieses Modell für Autoren interessant machen. Der “Wettbewerb” darf nicht bloß Feigenblatt für ein Geschäftsmodell sein.

  19. Johanna Sibera schrieb am 2. Februar 2010 um 17:54 Uhr

    Der Vorschlag von Kerstin ist tatsächlich schon verwirklicht: Etliche deutsche Verlage veranstalten immer wieder Wettbewerbe, mit denen Kurzgeschichten gesucht werden. Die für gut befundenen oder besonders gut zum Thema passenden werden in Anthologien veröffentlicht. Es gibt Freiexemplare für die Autoren, weitere können mit Autorenrabatt erworben werden. Manchmal gibt es auch ein Autorenhonorar, auch wenn es nicht riesig ist.

  20. kerstin schrieb am 2. Februar 2010 um 18:40 Uhr

    danke ff, für die antwort. ja, so dachte ich das auch, und habe bis dato kein einziges exemplar bestellt. dabei wird es wohl auch bleiben.

  21. Peter Hellinger schrieb am 4. Februar 2010 um 09:12 Uhr

    @kerstin, fischfresse: Ich weiß ja nicht ob das für einen Wettbewerb Anreiz genug ist. Ich überlege derzeit auch, ob ich einen solchen Wettbewerb veranstalte, denke aber, dass “Text wird in Anthologie veröffentlicht” wohl nicht genug Ansporn für eine Teilnahme ist. Die nächste Frage ist (hab ich neulich auch mit einer befreundeten Schrifstellerin diskutiert): Wer kauft denn eine Anthologie aus einem kleinen Verlag? In der Regel doch nur die, die drin abgedruckt sind und deren Verwandte. Und oft nicht mal die – siehe Kommentar 20 von kerstin.
    Ein Honorar für den Text zu zahlen, ist in der Regel nicht möglich. Wenn man davon ausgeht, dass man das Buch nicht teurer als 15 Euro verkaufen kann, davon 50% als Handelsspanne abzieht, Kosten für Druck, Layout usw. abzieht, bleibt vielleicht noch 1,50 Euro für die Autoren übrig. Bei einer Auflage von verkauften (!) 500 Stück sind das 750 Euro, die sich dann 20 oder 30 Autoren teilen. Das sind dann höchstens 37,50 Euro pro Nase – da sind gerade mal 2 oder 3 Belegexemplare drin …

  22. Johanna Sibera schrieb am 4. Februar 2010 um 14:28 Uhr

    Genau treffend ausgerechnet, lieber Peter Hellinger – Euro 37,50 habe ich für die Veröffentlichung einer Kurzgeschichte bei der Edition Vitalis bekommen (“Liebesgeheimnisse” hieß diese Anthologie). Hat trotzdem Spaß gemacht! Heyne war da schon großzügiger: Für eine Short Story in den “Rubinroten Nächten” hab ich Euro 368,– erhalten. Aber Heyne hat eben auch einen größeren Namen und einen weiteren Aktionsradius. Dennoch – auch Kleinvieh macht Mist, nur Geduld beim Schreiben, liebe Kollegen und Kolleginnen. Helene Hegemann, das neue Wunderkind in der deutschen Literaturwelt, hatte es da wohl leichter. Und Tiere – in ihrem Fall ein Axolotl – machen sich bekanntlich immer gut in Film und Literatur.

  23. Nicole J. Küppers schrieb am 27. August 2010 um 09:58 Uhr

    Liebe Kommentatoren,

    es ist ein Irrglaube, dass nur die Druckkostenvorschußverlage Geld von Ihren Autoren verlangen. In vielen unentgeldlichen Verträgen steht dann Bspw. das der Autor erst ab einem Buchverkauf von 4000 Exemplaren das erste Honorar erhällt. Wir haben im letzten Jahr als Verlag begonnen, mit dem festen Vorsatz, kein Geld von unseren Autoren zu verlangen. Mittlerweile haben wir 30 Autoren vorfinanziert, sprich das gesamte Prozedere von Manuskript bis zum fertigen Buch und dem Messeauftritt aus der eigenen privaten Tasche bezahlt und wenn ich Ihnen sage, das das weit über einhundert Tausend EUR kostet (Messe,Werbung,Lektorat,Satz,Druck,Vertrieb,die eigenen Mitarbeiter etc.), dann ist das nicht eine erfundene Zahl. Die Garantie für einen Bestseller kann man keinem Autoren geben und es herrscht schon ein sehr komplexes Vertriebskonstrukt in diesem Land, wenn ich da an den Anteil der Barsortimente denke, also die Verteiler im Land. Die fordern nämlich 45 – 50% vom Buch, 12 % möchte der Vetreter des Vertriebes haben,dann bekommt der Autor seine 10%, das Lektorat und der Satz kosten 600 – 800 EUR pro Buch, bei einem Buch mit 200 Seiten kostet die Erstauflage bei dem Druck von 1000 Exemplaren 1900 EUR. Dann der Einkauf in die Presseportale, der Messestand, der mit 3800 EUR zu buche schlägt, die Hotelübernachtungen, die Fahrten, das Porto etc. Und dann hat man in diesem Land als neuer unbekannter Verlag erst einmal sehr schlechte Karten, um in den Handel zu gelangen. Schon seit langer Zeit prangern wir die Tatsache an, dass auf den Präsentationstischen der Buchhandlungen immer nur die großen Verlage beheimatet sind … So und wenn Sie alle diese Aspekte hinter einer Verlagsarbeit einmal berücksichtigen, dann müssen Sie auch verstehen, wenn man irgendwann dazu übergehen muss, den Autor an den Kosten zu beteiligen. Und wenn es als Unseriös gilt, dass man seine Arbeit bezahlt bekommen möchte, dann soll es so sein. Nur diese Gedanken macht sich keiner. Verlegen ist auch als Dienstleistung anzusehen und warum sollten wir weiterhin Umsonst arbeiten. Wir beteiligen seit Juli 2010 auch unsere Autoren an den Kosten, denn wir können nicht alles alleinig vorfinanzieren. Nur zocken wir diese nicht ab, in dem wir 5000 – 20000 EUR kassieren, sondern wir lassen uns die Arbeit vom Manuskript bis zum Buch mit einer Einmalzahlung von 2100 EUr bezahlen. Und das ist doch wohl alles andere als Unseriös, wo doch die Kosten weitaus höher liegen, bis das Buch im Regal landet.

    Zur Info: in der BRD werden jedes Jahr ca. 100.000 Bücher veröffentlicht und wenn es 50 Bestseller im Jahr gibt, dann ist das sehr hochgegriffen.

    Nicole J. Küppers DESIGN PAVONI° VERLAG

  24. Michael Stein schrieb am 27. August 2010 um 12:28 Uhr

    zu 23)
    Verlegen ist nicht, wie Sie schreiben, als Dienstleistung anzusehen, sondern als unternehmerische Tätigkeit, für die Sie selbst das volle wirtschaftliche Risiko tragen sollten. Ein Bäcker lässt sich auch nicht von der Mühle Geld vorschießen, damit er aus ihrem Mehl das Brot backen kann.

  25. Tom Liehr schrieb am 27. August 2010 um 14:56 Uhr

    Liebe Frau Küppers,

    wenn Sie ursprünglich mit dem Vorsatz an den Markt gegangen sind, von den Autoren kein Geld zu verlangen, und dies nunmehr zu tun gezwungen sind, weil die Entwicklung eine andere war als diejenige, die Sie geplant hatten, so zeugt dies lediglich von Ihrem unternehmerischen Scheitern als Verlegerin. Es rechtfertigt keineswegs die allgemeine Umkehrung der Grundsätze, die auf dem Literaturmarkt herrschen. Leser, also Buchkäufer bezahlen die “Dienstleistung” (es IST keine!), die Verlage erbringen. Wenn ein Verlag nicht genug Leser findet, um seine Autoren zu bezahlen (und was ansonsten noch an Kosten anfällt), sollte er Insolvenz anmelden oder damit aufhören, sich “Verlag” zu nennen.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  26. Nicole J. Küppers schrieb am 27. August 2010 um 16:12 Uhr

    Lieber Herr Liehr,
    ich denke das es zwingend an der Zeit ist, die Grundsätze umzukehren, weil es sonst nur den großen, alteingesessenen Verlagen möglich ist, ihre Produkte zu verkaufen. Jetzt kenne ich nicht Ihr betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen aber ein Verlag muss sich nun wirklich, nach einem Jahr der Gründung, noch nicht als gescheitert betrachten, weil es noch keinen Bestseller hervorgebracht hat. Warum wird in den Foren immer auf die gleiche Art und Weise reagiert? Friss oder Stirb, dass kann es doch nicht sein. Kann man nicht einmal in der sachlichen Form die Problematik der jungen Verlage in diesem Land diskutieren? Die Grundsätze, die auf dem Literaturmarkt herrschen, sind doch die, dass immer die gleichen Verlage die repräsentativen Tische in der Buchhandlung belegen und wie mir am gestrigen Tag der ehemalige Geschäftsführer einer renomierten Düsseldorfer Buchhandlung sagte, liegt es nicht an schlechteren Handelsrabatten, die kleine Verlage geben, sondern an der Kostenbeteiligung von den Werbemaßnahmen der Buchhandlungen etc. Als was betrachten Sie denn die Arbeit eines Verlages, wenn nicht als Dienstleistung für den Handel und die Autoren? Aber ich erahne schon jetzt, dass diese Diskussionsrunde wieder entgleisen wird und daher überlasse ich Ihnen jetzt das Portal, um sich darin auszutoben!
    Wie sagte mein Großvater doch immer so schön: Der Eiche ist es egal, wenn die Sau sich daran reibt!
    In diesem Sinne … einen recht herzlichen Dank für Ihre kurze Aufmerksamkeit!
    Ihre Nicole J, Küppers

  27. Anke schrieb am 28. August 2010 um 08:21 Uhr

    Wer noch mehr über Frau Küppers und ihren DESIGN PAVONI Verlag erfahren möchte, dem sei folgende Seite empfohlen:

    http://www.pavoni1.de

  28. Michael Stein schrieb am 28. August 2010 um 10:37 Uhr

    Anke, warum schreibst Du Design Pavoni in Versalien, so wie es Frau Küpper tun würde? Bist Du vielleicht ein Alter Ego von ihr, das auf ihren neuen Blog-Eintrag aufmerksam machen möchte? Den hätte doch ohnenhin niemand übersehen, ist er doch in pinkfarbener 37-Punkt-Arial verfasst.

  29. Tom Liehr schrieb am 28. August 2010 um 13:44 Uhr

    Liebe Frau Küppers,

    die sich wohlig an der Eiche reibende Sau verfügt über ausreichendes “betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen” (und sogar über Vordergrundwissen), um Argumente von Schönfärberei unterscheiden zu können.

    Die “Dienstleistung” eines Verlags besteht mitnichten in einer für die Autoren, denn genau genommen sind es die Autoren selbst, die eine Dienstleistung erbringen. Diese besteht darin, ein marktfähiges, verkäufliches Manuskript anzubieten, das sie häufig auf eigenes Risiko verfasst haben. Die Leistung eines Verlags besteht darin, aus dem Manuskript ein Buch herzustellen, das im Handel verfügbar ist – und es zu vermarkten. Er refinanziert diese – immer riskante – Leistung über Buchverkäufe. Verlage verkaufen Bücher, DAS ist ihre “Dienstleistung” und ihre, wie man so schön auf Bullshit-Deutsch sagt, “Kernkompetenz”.

    Die großen, bösen Verlage mit ihrer enormen Marktmacht verhindern also, dass Betriebe wie der Ihre schwarze Zahlen schreiben können, ohne dafür die Autoren zu schröpfen. Interessanterweise fehlt die Erklärung, wie unter Beteiligung der Autoren auch nur ein einziges zusätzliches Buch verkauft werden soll. Tatsächlich gibt es sehr, sehr viele unabhängige, kleinere Verlage, die zuweilen mehr als nur Nischen besetzt halten und ein gutes Auskommen haben, ohne die Autoren zur Kasse zu bitten. Die Liste beginnt nicht erst bei Blumenbar und endet längst nicht beim Verbrecher Verlag. Wie schaffen die das?

    Nun, die Erklärung ist einfach. Das Angebot ist groß und es lohnt sich – übrigens auch aus Lesersicht – längst nicht bei allen Manuskripten, aus ihnen Bücher zu machen. Das liegt zuweilen an der Qualität der Texte, häufig aber schlicht daran, dass eine doch eher beschauliche Zielgruppe angesprochen wird. Unternehmen wie Ihres aber suggerieren den Autoren dieser Manuskripte, alleine die Existenz des Textes als Buch würde irgendwas garantieren. Zum Beispiel Absatzzahlen, die später eine Beteiligung der Autoren refinanzieren. Dass dies nie oder höchstens ausnahmsweise geschieht, liegt natürlich an den bösen, großen Verlagen, die mit ihrer unbeschreiblichen Marktmacht verhindern, dass Buchhändler aus den Sortimenten von Häusern wie dem Ihren bestellen (Woran sich, wenn es denn stimmen sollte, bitte WAS durch die Autorenbeteiligung ändert?). Eine sehr verblüffende, in der Hauptsache aber falsche Argumentation, mit der davon abgelenkt werden soll, dass Ihr Interesse nicht darin besteht, Bestseller oder wenigstens Achtungserfolge zu verlegen, sondern viel verplempertes Geld mit Nachwuchsautorenträumen zu verdienen. Die anderen, die “richtigen” kleineren Verlage aber wählen sorgfältig aus und bringen nur Bücher auf den Markt, deren Produktion sich auch auszahlt. Häufig, zugegeben, nicht aus künstlerischen Erwägungen, aber, mit Verlaub – das gilt für Firmen wie Ihre erst recht. Wie “Rico Beutlich” im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen hat. Schade, dass Rico vergessen hat, “Design Pavoni” anzuschreiben. ;)

    Niemand braucht all diese Bücher, und das wissen Sie ganz genau. Das ist eine simple und grob klingende Wahrheit, und mehr als ein Ärgernis für all die Autoren, die zuweilen jahrelang an etwas gearbeitet haben, von dem sich gedanklich zu trennen sie einfach – und aus nachvollziehbaren Gründen – nicht in der Lage sind. Die allermeisten der vielen tausend Bücher, die Jahr für Jahr von Dienstleistungsverlagen publiziert werden, verfügen über so geringe Verkaufszahlen, dass es sich nicht einmal lohnt, sie statistisch zu erheben (Was aber, logisch, an der Marktmacht der Großverlage liegt). Es stellt also keine zeitgemäße Veränderung der Paradigmen dar, Autoren finanziell mit ins Boot zu nehmen (womit immerhin nur die reicheren unter den schlechten produziert werden), sondern eine weitgehend überflüssige Tätigkeit, von der nur einer etwas hat: Der Besitzer des fraglichen Unternehmens. Und das wäre ja auch in Ordnung, würden die Betreiber dieser Firmen damit aufhören, haltloses Geschwätz über die Funktionsweise des Buchmarktes und über die Rezeption von Büchern zu verbreiten. Halten Sie sich an das Beispiel von Herrn Frieling, der unumwunden zugibt, dass die Investitionen verschenkt sind, weil keiner diese Bücher kaufen will, und erst recht nicht in so großer Anzahl, dass die Zuschüsse zurückfließen können. Wer sehenden Auges dann trotzdem in dieses Glück rennen will, ist wenigstens nicht getäuscht worden.

    Sagt die Sau
    Tom Liehr

  30. Anke schrieb am 29. August 2010 um 17:59 Uhr

    Lieber Michael Stein,

    weit gefehlt. Ich bin kein Alter Ego von Frau Küppers. Mir ging es lediglich darum, dass sich möglichst viele der hiesigen Leser selbst ein Bild von Frau Küppers und ihrem Verlag machen. Und dafür eignet sich Frau Küppers’ Blog m. E. ganz besonders gut.

    Besonders der heutige Beitrag – dessen Inhalt ich gar nicht kommentieren möchte – strotzt nur so vor Rechtschreibfehlern.

  31. M schrieb am 3. September 2010 um 17:32 Uhr

    Ein Verlag, der das Wort “Design” im Namen trägt, der sollte einen gewissen Sinn für ein solches und eventuell gleich noch ästhetisches Gespür dazu besitzen. Siehe Blog. Röchelhust.

  32. Doreen Stenzel schrieb am 20. Januar 2013 um 11:16 Uhr

    Danke für diesen guten Artikel! Absolut lesens- und empfehlenswert!!!

  33. Martin Galli schrieb am 19. August 2013 um 12:06 Uhr

    Sehr geehrte Frau Remscheid,
    Ihre Sicht der Dinge ist zwar ehrbar, aber etwas naiv.
    Ein deutschsprachiger Autor, der keinen bekannten Namen hat, MUSS für die Veröffentlichung seines Werkes bezahlen, eine andere Möglichkeit gibt es nicht.
    Dies hängt u.a. damit zusammen, dass deutschprachige Literatur, weltweit gesehen, einen Nischenmarkt darstellt, da der Buchmarkt seit Jahrzehnten von amerikanischen Lizenzen dominiert wird. Also wieder einmal die alte Geschichte von Angebot und Nachfrage.

    @bezahlte Magazinbeiträge
    Dass scheinbar objektiv recherchierte Artikel in diversen Printmedien in Wirklichkeit “bezahlte Anzeigen” sind, ist seit Jahren gängige Praxis vor allem im Online-Journalismus.
    Dagegen zu wettern, ist ungefähr genauso sinnvoll, wie zu versuchen, in einem Fluss das Wasser mit den Händen flussaufwärts schaufeln zu wollen.

    Eine Petition an den Gesetzgeber, durch Erlass eines entsprechenden Gesetzes diesen Unfug abzustellen, wäre da wesentlich erfolgversprechender.

    Gerne höre ich von Ihnen!

    Beste Grüße
    Martin Galli

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