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Beitrag vom 10. Mai 2013 | Rubrik: E-Books, Schreiben, Self-Publishing

Self-Publishing: Suizid im Hirschkostüm und 57 Antworten von Tom Liehr

Gib's mir!21 Kommentare bereits am Veröffentlichungstag: Tom Liehrs Beitrags zum Thema Selfpublishing hat damit vielleicht einen Rekord im literaturcafe.de aufgestellt. Zahl und Inhalt der Kommentare zeigen, dass es um ein schwieriges, vor allem aber um ein sehr emotionales Thema geht.

»Gut! Kunst ist emotional, Künstler leben von Emotionen. Wenn Kalkül das Gefühl übertrumpft, entsteht seelenloser, wenig nachhaltiger Müll – diese Randbemerkung sei mir gestattet. Sie wird allerdings auch im Nachfolgenden noch relevant sein«, meint Autor Tom Liehr.

Wie angekündigt antwortet Tom Liehr in diesem Artikel den Kommentatoren und Kritikern ausführlich. Nehmen Sie sich Zeit zum Lesen dieses Beitrags.

Wider die Selbstveröffentlichungs-Abfeierei

Tom Liehr (Foto:privat)Tom Liehr
Jahrgang 1962, Berliner, ist freier Schriftsteller. Im Aufbau Verlag sind seine Romane »Radio Nights« (2003), »Idiotentest« (2005), »Stellungswechsel« (2007), »Geisterfahrer« (2008) und »Pauschaltourist« (2009) erschienen. Bei Rütten & Loening sind »Sommerhit« (2011) und »Leichtmatrosen« (2013) erhältlich. Er hat zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, darunter im »Playboy« und in der »c’t«, außerdem Prominentenportraits im österreichischen Magazin »DATUM - Seiten der Zeit« und diverse Sachtexte zum Thema Schreiben im »Autorenkalender«. Er ist Mitbegründer des gemeinnützigen »42erAutoren - Verein zur Förderung der Literatur e.V.«, der u.a. den »Putlitzer Preis« auslobt und den »Autorenkalender« herausgibt und dessen Vorsitzender Liehr jahrelang war. Für eine enorm medienwirksame Aktion schufen die 42er im Sommer 2009 die fiktive Autorenperson »Rico Beutlich«, mit deren Hilfe sie sog. Druckkostenzuschussverlagen erfolgreich auf den Zahn fühlten.

Links:
Autorensite:
www.tomliehr.de
42erAutoren:
www.42erAutoren.de

Romane:
Radio Nights (2003)
Idiotentest (2005)
Stellungswechsel (2007)
Geisterfahrer (2008)
Pauschaltourist (2009)
Sommerhit (2011, soeben als Taschenbuch)
Leichtmatrosen (2013)

Der – zugegeben, nicht ganz glücklich betitelte – Beitrag ist natürlich auch emotional, subjektiv und provokant – es ging mir darum, der Selbstveröffentlichungs-Abfeierei z. B. hier im literaturcafe.de etwas entgegenzusetzen, also eine relativierende Diskussion anzustoßen, an deren Ende möglicherweise beiderseitiger Erkenntnisgewinn steht, ohne auf Gedeih und Verderb eine – völlig überflüssige und alle Alternativen ausschließende – Entscheidung für das eine oder andere treffen zu müssen. Schade eigentlich, hier von »Seiten« sprechen zu müssen, denn eigentlich wollen wir alle das gleiche: Guten Autoren dabei helfen, ein/ihr Publikum zu erreichen. An dieser Stelle trifft mich die mehrfach geäußerte Unterstellung, ich wäre neidisch, besonders hart. Seit Jahrzehnten leiste ich unermüdlich aktive Nachwuchsförderung und habe vielen Autoren bei den ersten bis fünften Schritten geholfen (was umgekehrt übrigens auch der Fall war), ich bin selbst Leser und ich liebe Bücher – von denen es zwar nicht zu viele, aber zu wenige wirklich gute gibt, also solche mit frischen Ideen, originellen Plots und verblüffenden neuen Stimmen. Wenn es um Literatur geht, ist Neid nun wirklich das allerletzte Gefühl, das mich umtreibt – es würde mich außerdem bei meiner schriftstellerischen Tätigkeit behindern. In einem einzigen Zusammenhang träfe es zu: Ich würde gerne so schreiben können wie Frank Schulz, auf den verspüre ich tatsächlich eine liebevolle Form von Neid, die aber eher demütige Ehrfurcht ist – verbunden mit der Gewissheit, diese Messlatte niemals reißen zu können. Auch die Verkaufszahlen der E-Book-Bestseller machen mich keineswegs neidisch, höchstens ein bisschen traurig, wenn Absatzzahlen zum alles andere überdeckenden Aspekt werden. Relativ hohe Verkaufszahlen sind längst nicht alles. Übrigens ließe sich der Neid-Vorwurf auch recht lässig zurückreichen, aber dieser Verlockung erliege ich nicht. Mit meinem eigenen, bescheidenen Erfolg bin ich bislang jedenfalls durchaus zufrieden, arbeite aber daran, ihn auszubauen.

Tod im Wald

PAPIERDie anscheinend übliche, jedenfalls überwiegende Vorgehensweise, wenn Selbstveröffentlichungen praktiziert werden, hat mich zu folgendem Vergleich kommen lassen: Jemand, der des Lebens müde ist, betritt einen Wald, um dort Selbstmord zu begehen, darauf hoffend, zufällig von der Kugel eines Jägers getroffen zu werden. Die Person beschäftigt sich vor dem originellen Suizidversuch nicht damit, ob Jagdsaison ist, gar in diesem Wald überhaupt Tiere leben, die bejagt werden dürfen, welchen Einfluss die Jahreszeit möglicherweise hat, und sie kommt auch nicht auf die Idee, sich beispielsweise als Jagdwild zu verkleiden – sie steht einfach im Unterholz und wartet stoisch auf den Tod. Es ist denkbar, dass sie irgendwann tatsächlich stirbt, aber sehr wahrscheinlich nicht, wie erhofft, durch den Schuss aus einem Jagdgewehr. Nach einem ähnlichen Prinzip (deshalb auch der Lottovergleich am Anfang des Beitrags) verfahren nach meinem Dafürhalten viele Autoren, die sich als »Selfpublisher« betätigen (sowie solche, die nach dem Gießkannenprinzip Manuskripte an Publikumsverlage und Agenturen versenden). Spricht sich aber herum, dass man dann und dann jenen oder diesen Wald aufsuchen müsste, weil Saison ist und dort Jagdgesellschaften auf der Pirsch sind, stehen zwischen den Bäumen plötzlich zehntausend Suizidkandidaten in Damhirschkostümen.

Mit großem Unbehagen musste ich – auch schon vor der Veröffentlichung des Beitrags – zur Kenntnis nehmen, dass die Thematik intensiv ideologisiert wird. Zuweilen beschleicht mich der Eindruck, es ginge um Sekten, die sich in einer Konkurrenzsituation befinden, und die sich, um Neuzugänge buhlend, die immer gleichen, oft ziemlich lahmen Argumente an den Kopf werfen: Publikumsverlage veröffentlichen nur Dreck, Auslandslizenzen und »Mainstream« (Was bitte ist das genau? Ist das ein Genre? Und wer von den Leuten, die das behaupten, war je in einer Buchhandlung?), verschlafen überdies Trends (genau, und die Schlaumeier, die viel besser als die Verlagskläuse wissen, wo der Zug hinfährt, verkaufen 50 oder vielleicht 500 Neunundneunzig-Cent-Downloads pro Quartal per KDP!), außerdem wäre längst ein neues Zeitalter angebrochen (ein Argument, bei dem ich immer an den nachhaltigen Erfolg der Piratenpartei denken muss) und so weiter – der Sarkasmus an dieser Stelle sei mir verziehen, ich relativiere ihn später, versprochen. Auf der anderen Seite meint man, einen Besitzstandswahrungsreflex zu erkennen, ein Festhalten an den (ver)alte(te)n Strukturen, einfach, weil man – vorübergehend – das Glück hat, ein Dazugehöriger zu sein. Wer Verlagsverträge in der Tasche hat, will natürlich nicht hören, dass die Verlage Dinosaurier sind, deren Aussterben praktisch unmittelbar bevorsteht, gar, wenn man einigen glaubt, längst erfolgt ist, nur noch nicht bemerkt wurde. In einem anderen Zusammenhang, aber auch hierzu passend, sagte kürzlich ein Professor im Rahmen eines »Spiegel online«-Interviews (bei dem es um Intelligenzforschung ging) sinngemäß: Faktenwissen wird (inzwischen) häufig durch Meinungen, Mythen und Mutmaßungen ersetzt.

So ist es.

Quasireligiöse Aspekte und Bibeln

Dass es um quasireligiöse Aspekte, also nahezu um eine Glaubensfrage geht, darauf scheint auch zu verweisen, dass ein großes Portal für Selbstveröffentlicher »Die Selfpublisher-Bibel« heißt – eine »Verlagsautoren-Bibel« habe ich jedoch nicht gefunden. Bibeln enthalten heilige Worte, die man nachzubeten und gefälligst nicht zu hinterfragen hat. Warum aber sollte jemand, der eine Schriftstellerkarriere plant, gar aktiv in Angriff nimmt, sich für eine Fraktion entscheiden müssen, einer Gruppe beitreten, deren Dogmen er zu verinnerlichen und weiterzuverbreiten hat, wie das auch hier, im Rahmen der Kommentare gebetsmühlenartig geschieht? Ich verstehe, dass diese Fraktionsbildung selbstbewusstseinsstärkende Aspekte hat, dass man sich besser mit Entscheidungen fühlt, wenn sie von anderen geteilt werden (exakt so funktionieren Glaubensgemeinschaften), aber richtiger werden diese Entscheidungen dadurch in jedem Einzelfall nicht. Evident oder repräsentativ sind sie erst recht nicht.

Der Beruf Schriftsteller – um den es geht! – hat mit Glaubensfragen wenig bis nichts zu tun. Man kann glauben, was man will, die Leser wird das kaum interessieren, und Buchverkäufe oder Reputation generiert es ebenso wenig. Was den angehenden Schriftsteller beschäftigen sollte, das sind faktische Entwicklungen, Chancen und Brancheneigenarten, vor allem aber die eigene Tätigkeit als schreibender Mensch, also die (nicht nur literarische) Qualität dessen, was er verfasst. Die Entscheidung für die Sekten »Selfpublisher« oder »Verlagsautoren« (diese Sekte gibt es übrigens nicht) ist eine sinn- und wertlose; sie sollte vor allem nicht dadurch beeinflusst werden, dass das eine vermeintlich leichter geht als das andere. In Karaokebars sind Gesangsauftritte auch einfacher zu bekommen als im Opernhaus von Sidney. Es wäre idiotisch, das eine oder andere zu planen, wenn man die ersten Stunden beim Gesangslehrer bucht. Alternativen sollte man an der richtigen Stelle prüfen, und nicht zu einem Dogma für die gesamte Tätigkeit hochstilisieren. Das wäre, mit Verlaub, unprofessionell, und es geht um eine Profession – siehe Einleitung des ursprünglichen Beitrags.

Second Life für neue Autoren

The EndIch möchte meine detaillierten Erwiderungen mit diesem Satz beginnen: Es darf nicht zum elektronischen Hausierertum verkommen, Schriftsteller zu sein. So, jetzt bitte kurz den Monitor ausschalten und den Satz einfach mal sacken lassen. Danke.

Viele Antworten verdeutlichen – unbeabsichtigt? -, was ich mit dem Abschnitt »Perspektivprobleme« zu sagen versucht habe: Die Realität des Schriftstellerdaseins wird auf engen Ausschnitt des Geschehens reduziert, namentlich in der Hauptsache Amazon nebst KDP und ACS. Dieses Second Life für neue Autoren wird ganz selbstverständlich als repräsentativ und – vor allem im Hinblick auf die Zukunft – alternativlos hingenommen. Das scheinen, wie gehabt, die Verkaufserfolge einzelner zu bestätigen, die Storys von Autoren, die, möglicherweise nach Formablehnungsorgien, plötzlich auf diesem Weg zu »Bestsellern« wurden. Auch hier ignoriert man die Heerscharen der Scheiternden (und die Verhältnismäßigkeit des Begriffs »Bestseller«), jongliert mit Zahlen, die vorerst nichts weiter beweisen, als dass jemand für vielleicht 99 Cent geklickt hat – 99 Cent, von denen man derzeit noch, je nach Dienstleister, 50 bis 70 Prozent abbekommt. In diesem Zusammenhang sei die Frage gestattet, wie sich die Selfpublishinggurus eigentlich verhalten werden, wenn der zwar bequeme, aber auch aggressive Monopolist, dem sie so treu und loyal ihre Werke überantworten, Konditionen, Bedingungen, Strukturen, Kostengefüge und Abläufe ändert. Mithin dürfte bekannt sein, dass Amazon die starke Förderung seiner E-Book-Sparte und damit auch die von den Selbstveröffentlichern genutzten Dienste als Zuschussgeschäft kalkuliert hat, um in diesem Marktsegment die unstrittige Führerschaft zu übernehmen. Das ist vorläufig gelungen. Fragt sich also, wann der Versandriese damit beginnt, die Ernte einzufahren. Dass man in Luxemburg wenig Manschetten hat, wenn es um die eigene (Markt-)Position geht, und sich recht unbeeindruckt von öffentlicher Kritik zeigt, dürfte ebenfalls zum Allgemeinwissen gehören. So sehr ich Amazon als Konsument und dort relativ gut verkaufender Autor mag, so wenig käme ich auf die Idee, meinen schriftstellerischen Werdegang von A bis Z in deren Hände zu legen.

Bedeutungsloser Qualitätsvergleich

Überwiegend amüsant, aber in meinen Augen letztlich bedeutungslos sind jene Kommentare, die »qualitative« Vergleiche ziehen und hierbei aus fraglos tendenzschwachsinnigen Büchern wie irgendwelchen Prominentenautobiografien zitieren (oder auf das wiederholte Spiel mit dem Versand von längst erfolgreichen, älteren Romantexten an Lektoren und Agenten verweisen – mit Verlaub: gähn! In diesem Zusammenhang ist lediglich originell, dass man sich – wie auch bei Vergleichen mit dutzendfach abgelehnten Autoren, die dann zu Weltbestsellern wurden – absolut realistisch auf einer Stufe etwa mit Nobelpreisträgern sieht). Kein einziger Selfpublisher veröffentlicht Prominentenautobiografien, und die Verlage tun es, weil Prominentenfans und BILD-Redakteure diesen Mist lesen wollen – und weil es die anderen Titel mitfinanziert. Das hat mit Literatur – selbst im weitesten Sinne – so wenig zu tun wie das Furzen einer Schabrackenhyäne mit dem Pianospiel von Lang Lang oder wenigstens Chris Martin (»Coldplay«). Dem Zitat könnte man, wenn man wollte und zu viel Zeit hätte, zigtausende sehr fragwürdiger Formulierungen aus selbstveröffentlichten Texten entgegenhalten, wobei man bei fast jeder Leseprobe fündig würde, und außerdem hinreißende Sätze aus in Publikumsverlagen veröffentlichten, nicht nur beim Feuilleton erfolgreichen Büchern, die über jede Diskussion zu ihrer literarischen Qualität erhaben sind. Diese nimmermüde Behauptung, auch namhafte Verlage würden Murks publizieren – hier schwingt ein »überwiegend« mit – karikiert den Behauptenden, der vermutlich noch niemals eine Buchhandlung aufgesucht hat. Wer miterlebt hat, wie durch die aufwendige Redaktionsarbeit aus ohnehin sehr guten Manuskripten exzellente Bücher werden (und derlei ist Verlagsalltag, auch heutzutage noch), würde sich schämen, eine solche Behauptung auch nur anzudenken. Der Liste großartiger deutscher Debüts, die in den vergangenen Jahren erschienen sind, ließe sich kaum eine Liste ähnlich hinreißender Selbstveröffentlichungstitel entgegensetzen, die in der gleichen Zeit per KDP, ACS & Co. auf den Markt gelangten. Anders gesagt: Wer diese Diskussion auf der Qualitätsebene führen will, begibt sich in meinen Augen auf äußerst dünnes Eis. Eigentlich aber herrschen am fraglichen Gewässer noch nicht einmal Minusgrade. Ich habe mir den fragwürdigen Spaß gegönnt, die Leseproben einiger SP-»Bestseller« zu studieren, ein halbes Dutzend Titel habe ich sogar bestellt, weil ich nicht glauben konnte, dass die Texte so weitergehen, wie sie beginnen. Sie tun es. Erschütternd. Von wirklich wenigen Ausnahmen abgesehen – etwa Nika Lubitsch – würde ich bei den meisten Elektrobüchern reklamieren. Wenn es gewünscht wird, belege ich diese Behauptung sehr gerne detailliert – vielleicht im Rahmen eines gesonderten Beitrags. Die publizierten Texte weisen praktisch durch die Bank haarige Schwächen auf, die ich als zahlender Leser nicht hinzunehmen bereit wäre.

Indie oder Mainstream?

ReparaturmuellNebenbei bemerkt, zum Terminus »Indie-Autoren«: Diese Formulierung, entspringend jener Zeit, als Musiker und Bands dazu übergingen, selbst oder bei kleinen, neuen Labels zu veröffentlichen, die unabhängig von den großen Plattenfirmen waren, gilt letztlich auch für einen Gutteil der Schriftsteller, die unter Vertrag sind oder waren. »Independent« besagte, bezogen auf das Musikbusiness: Ich habe keinen bindenden Deal mit einer fetten Company, insbesondere aber bin ich unabhängig vom wirtschaftskulturpolitisch motivierten Einerlei (damals hierzulande noch bestimmt vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in den U.S. of A. vom Einfluss der großen Plattenfirmen), formuliere mein künstlerisches Dasein frei von Kategorisierungen – eine Entwicklung, die seinerzeit die Popmusik revolutioniert hat, weil diese Revolution überfällig war. Diese Begrifflichkeit hat sich längst zur eigenen Kategorie entwickelt; »Indie-Rock« bezeichnet aber nicht mehr den Zustand, bindungsfrei zu sein, sondern – huch! – ein musikalisches Genre.

Das ist bei uns Autoren anders – nicht nur, weil absolut keine vergleichbare Revolution ansteht, und erst recht nicht initiiert durch die Selbstverleger. »Independent« ist der Normalzustand, Schriftsteller, die mit einem Buchvertrag gleich die Option für mehrere Folgeromane an einen Verlag verkaufen, sind längst Ausnahmen innerhalb der Ausnahmen, und Autoren mit Verlagsvertrag sind keine Angestellten. Der Erfolg des aktuellen Buchs entscheidet darüber, ob man einen neuen Vertrag angeboten bekommt oder sogar eine Auktion für den nächsten Titel stattfindet, aber die meisten »von uns« hängen nach dem Buch im Schwebezustand, während die Agentur das neue Exposé feilbietet und man noch nicht weiß, wie das jüngst veröffentlichte Buch ankommt. Die meisten Schriftsteller sind immer unfreiwillig unabhängig; es gehört zum Berufsbild. Wir sind also überwiegend »Indie-Autoren« – das gilt auch für mich selbst. Die Fünf-Bücher-Option beim Ankauf des ersten Manuskripts hat nahezu Legendenqualität, und dennoch wählen kaum Autoren nach ein, zwei Achtungserfolgen den Weg ins Selbstverlegertum. Allerdings eröffnet dieser Umstand natürlich auch die – von nicht wenigen genutzte – Option, im Erfolgsfall zu einem anderen Verlag zu wechseln oder parallel mit mehreren zu arbeiten.

Und, by the way: Der ebenfalls oft kolportierte Begriff »Mainstream«, bevorzugt abwertend verwendet, markiert keinen Ort, den man ansteuert, sondern einen, den man entstehen lässt. Der Mainstream von heute ist der kulturelle Friedhof von morgen. Wer versucht, einem Trend nachzueifern, ist immer mindestens sechs Monate zu spät dran, erklärte kürzlich und sehr richtig ein Musiker der französischen Band »Phoenix« in einem sehr lesenswerten Interview. Darüber hinaus verwundert mich immer wieder, wenn der Mainstream gescholten wird, während man zugleich versucht, die eigene schriftstellerische Existenz vor allem über Verkaufszahlen zu quali- und quantifizieren. Mainstream, das bedeutet nämlich schlicht: hohe Verkaufszahlen, also Massenware. Punkt. Ganz egal, womit. Jenen Ort, den Charlotte Roche vor fünf Jahren mit »Feuchtgebiete« hat entstehen lassen, gibt es inzwischen nicht mehr. Andere Orte sind überbevölkert. »Schnappi, das Krokodil«, seit dem Erscheinen der Single im Jahr 2005 fast 2 Millionen Mal verkauft, war Mainstream, wäre aber, heutzutage publiziert, vermutlich höchstens ein Lacherfolg auf YouTube. Die Zeiten ändern sich fortwährend, und der Mainstream tut es auch.

Second ContainerHiervon abgesehen ist dieser »Vorwurf«, der eigentlich überhaupt keiner ist, weil man ja selbst »Mainstream« sein will, völlig unhaltbar. Auch im Gier-Zeitalter veröffentlichen Verlage immer noch viele, viele Titel, von denen anzunehmen ist, gar von vornherein feststeht, dass sie keine Verkaufserfolge sein werden. Die immer wieder unterstellte kurzsichtige Betrachtung des Literaturmarkts gilt vielleicht für einige potente Teilnehmer, die tatsächlich Klopapier produzieren, ganz egal, womit es bedruckt ist, Hauptsache, es verkauft sich. Schaut man sich aber mal in aller Ruhe sämtliche Vorschauen wenigstens der 200 größten Verlage an, kommt man zu ganz anderen Verteilungen und damit Ergebnissen. Tut es! Das Material ist online verfügbar.

Es freut mich sehr, dass die von mir hochgeschätzte Susanne Gerdom einen Kommentar geschrieben hat. Ich habe Susannes Entwicklung vom Debüt »Ellorans Traum« (als »Frances G. Hill«, 2000, Heyne) über die »AnidA-Trilogie« (2003 und 2004, Heyne) hinweg bis zum vorerst letzten verlagsgebundenen Roman »Aethermagie« (2012, Ueberreuther) beobachtet und begleitet. Sie nutzt seit einigen Jahren als Schriftstellerin intensiv die sozialen Strukturen des Internets und veröffentlicht inzwischen viele Titel über die Selbstveröffentlichungsplattform »neobooks«, die sie auch für die Revitalisierung vergriffener Bücher verwendet. Susanne ist sehr umtriebig, hat eine solide Fanbasis akquiriert (wie man ihren »Voting«-Erfolgen etwa bei »LovelyBooks« entnehmen kann), und trotz der Genresprünge veröffentlicht sie verlässlich eigenartige (positiv gemeint) Romane mit einem ganz speziellen Flair. Dabei kommuniziert sie ihre Unwilligkeit, sich der Branche beugen zu müssen, ziemlich direkt, und formuliert allerorts die Meinung, jene Branche wäre in ihrem derzeitigen Zustand ein Anachronismus, den man noch nutzen sollte, wenn man die Chance hat, aber nicht mehr nutzen muss, wenn man sich dabei zu verbiegen hat. Der Erfolg, den sie nach eigenen Angaben über »neobooks« hat (eine anbieterübergreifende Selbstveröffentlichungsplattform des Droemer Knaur Verlags), scheint ihr Recht zu geben, aber es sei zumindest die Frage gestattet, wie dieser Erfolg aussähe, gäbe es die vorherige und parallel fortgeführte Verlagskarriere nicht. Susanne hat sich über fast 15 Jahre hinweg einen Namen erschrieben, wie man in der Branche zu sagen pflegt, und auf subtil-charmante Weise kontinuierlich in den sozialen Netzen für sich geworben – diese beiden Aspekte haben ihr zu einem Fundament als (auch) selbstveröffentlichende Autorin verholfen. Interessant wäre die Frage, welchen Aufwand sie neben der Schreibarbeit treiben muss, um das Nachfrageniveau in diesem Segment konstant hoch zu halten. Im Übrigen hat Susanne Gerdom kürzlich gemeinsam mit einigen Partnern das Portal »Qindie.de« ins Leben gerufen, vereinfacht gesagt eine Institution zur Qualitätssicherung bei selbstverlegter Literatur, und bestätigt damit eines der Hauptprobleme des Trends, der eben kein Boom ist: Es handelt sich um einen mehrere Quadratkilometer großen Schrottplatz, auf dem irgendwer irgendwo ein paar kleine Diamanten versteckt hat. Gut, wenigstens schimmernden Glasschmuck.

Verkaufszahlen und Umsätze

StoppstelleUnd noch ein paar Worte zu Verkaufszahlen und Umsätzen. Sechzig oder siebzig Prozent Marge – also Umsatzbeteiligung – sind natürlich der Hammer. Erstveröffentlichende Verlagsautoren, die mit einem Taschenbuch für 9 € und Tantiemen in Höhe von sechs Prozent vom Nettoladenpreis (also ohne Mehrwertsteuer, in diesem Fall 8,41 €) an den Start gehen, erhalten ganze 50 Cent pro verkauftem Exemplar. Ein »Indie-Autor«, der einen 300-Seiten-Roman für 2,99 € ins KDP schubst, bekommt je Download ungefähr 2,00 €, da noch Versandkosten abgezogen werden, also das Vierfache. Nach zehntausend Abgängen hat der eine vor Steuern (!) 5.000 € verdient (tatsächlich etwas mehr, denn mit diesen Zahlen landet er meistens schon in höheren Tantiemen), der andere aber mehr als zwanzig Riesen. Da können einem Autor, der soeben beim Verlag unterschrieben hat, schon die Tränen kommen. Schlimmer noch, der Verlagsautor muss unter Umständen fast ein Jahr auf die erste Zahlung warten, weil die Verlage halbjährlich oder jährlich abrechnen, während KDP & Co. mit zwei Monaten Versatz monatsweise ausschütten, Verkäufe also fast umgehend Kontoumsätze generieren. Mit etwas Glück hat der Publikumsverlagsveröffentlicher einen Vorschuss bzw. eine Garantie bekommen, die aber leider mit den Tantiemen verrechnet wird, bis diese den Vorschuss übersteigen (den er, immerhin, aber nicht zurückzahlen muss, wenn das nie geschieht). Betrachtet man nur diese Aspekte, muss das nüchterne Ergebnis eindeutig sein: Es wäre idiotisch, am Verlagsroulette teilzunehmen, um vielleicht mit solchen Konditionen – und übrigens in der Regel ein Jahr nach Vertragsabschluss – zu debütieren.

Aber. Wir haben hier erstens nur den herstellereigenen E-Book-Markt betrachtet; die Konditionen der Print-On-Demand-Varianten sind deutlich schlechter.

Zweitens wird etwas länger.

Die E-Book-Marktanteile bewegen sich langsam in den niedrig zweistelligen Bereich, je nachdem, welche Zahlen man heranzieht und welche Quellen man befragt (meiner Meinung nach werden sie in drei bis fünf Jahren bei 20 bis 25 Prozent stagnieren). In jedem Fall erreicht man bislang ungefähr ein Zehntel des Markts, was aber so auch nicht stimmt, denn es werden viel, viel mehr – selbstverlegte – Elektrobücher veröffentlicht als verhältnismäßig (bezogen auf die 90 Prozent Marktanteil) Verlagstitel, die ja zusätzlich als E-Books rausgehen. Um das zu veranschaulichen: Es gibt derzeit 193 in der UN organisierte Staaten auf der Erde. Ein Staat – egal welcher – würde also knapp ein halbes Prozent »der Welt« repräsentieren, wenn man auf diese Weise rechnet. Tatsächlich leben in Indien 1,3 Milliarden Menschen. Indien allein repräsentiert also fast 18 Prozent der Weltbevölkerung – zusammen mit China (1,4 Milliarden) wären es fast 38 Prozent, aber zusammen trotzdem nur »ein Prozent der Staaten«. E-Book-Nutzer laden nach einigen Auswertungen deutlich mehr Titel auf ihre Lesegeräte als Käufer von gedruckten Büchern erwerben, was übrigens nicht bedeutet, dass sie auch notwendigerweise mehr lesen. Was ich sagen will: Man sollte Marktanteilsangaben nicht leichtfertig auf Aussagen über den erreichbaren Anteil des Markts umlegen.

Den gesamten Markt erreichen

Wie auch immer: Unser Taschenbuchautor (dessen Titel in beiden Formen erscheint – und für das E-Book erhält er deutlich höhere Tantiemen) hat es theoretisch um den Faktor zehn leichter, seine 10.000 Exemplare abzusetzen, einfach, weil er den gesamten Markt erreicht – und nicht nur einen derzeit noch relativ kleinen, aber wesentlich unüberschaubareren Teil davon. Sein Werk geht als konzeptioniertes, durchdachtes, vergleichsweise fehlerfreies Produkt zu Händlern, Multiplikatoren, Bibliotheken und an die Presse, aber unser DIY-Publizierer haut im statistischen Normalfall ein marginal oder überhaupt nicht lektoriertes, meistens fehlerhaftes, langweilig oder überambitioniert gesetztes, dilettantisch ausgestattetes, unglücklich betiteltes Monstrum raus (vom Inhalt ganz zu schweigen), für das beim Start lediglich im Bekanntenkreis Interesse besteht – ein Interesse, das im Regelfall mit Titel zwei, drei, vier deutlich nachlassen wird. Gründe, es zu finden oder gar zu kaufen, hat ansonsten zunächst niemand. Von der Erstauflage unseres Verlagsautors aber sind fünf Prozent als Rezensionsexemplare angeboten oder verschickt worden, für ihn waren und sind Buchhandelsvertreter unterwegs, die einzelne Händler davon überzeugt haben, den Titel ins Sortiment zu nehmen. Lesungen werden organisiert, das Marketing läuft an, von der »LovelyBooks«-Leserunde über den Banner bei Amazon bis zur Zeitungsanzeige. Die Nebenrechte des Titels werden prominent feilgeboten, vom Hörbuch über Auslandslizenzen bis zum Film, und noch während all das geschieht, arbeitet der Autor bereits am nächsten Titel, denn abgesehen von den Lesungen und möglichen Presseterminen hat er ab diesem Zeitpunkt praktisch keine Arbeit mehr mit dem erschienenen Buch. Natürlich kann er das Marketing online unterstützen, was nicht wenige Schriftsteller – auch namhafte – tun, aber in der Hauptsache kann er sich zurücklehnen und abwarten – oder eben am nächsten Titel arbeiten. Unser Selbstmacher ist in dieser Zeit damit beschäftigt, für seinen Zehntelanteil Markt Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, verbunden mit der energischen, aber wenig aussichtsreichen Hoffnung, als Diamant auf der Schrotthalde ausgemacht zu werden. Er findet sich, als Damhirsch verkleidet, neben Tausenden anderen im Wald der Selbstmörder wieder. Die Wahrscheinlichkeit, dass er die sagenhaften zehntausend Downloads erreicht, ist bezogen auf die Gesamtmenge der veröffentlichten Titel verschwindend klein, ganz im Gegensatz zu den Chancen unseres Verlagsautors. Den ich hier bewusst niedrig angesetzt habe. Und: Wie viele Exemplare verkaufen die Amazon-Publizierer denn auf dem Rest des Markts? Richtig, praktisch keine.

Noch Fragen? :-)

Es gibt aber noch ein Drittens, danach folgen endlich die Antworten.

Nur wenig bewohnte Planeten

Muell?Man kommt natürlich nicht umhin, Inhalte zu betrachten, um wirklich vergleichen zu können, also den Ausstoß der Belletristikverlage – gerne auch aus der zweiten, dritten Reihe – mit dem Querschnitt dessen, was die Selbstveröffentlicher auf den Markt werfen. Angedeutet habe ich das ja bereits im Beitrag selbst. Dabei ist auch die Wahrnehmung dieser inhaltlichen Unterschiede relevant. Geht es um Golden Delicious versus Jonagold oder doch um einen Vergleich zwischen Äpfeln und Glühbirnen? Diese Frage ist von Bedeutung, wenn man als Autor wissen möchte, in welchem Umfeld man sich mit seiner Veröffentlichung bewegt. Nicht umsonst konturieren sich die Publikumsverlage, gibt es also beispielsweise hier Suhrkamp und dort das Random House-Imprint Page & Turner. Schon die Marke gibt Auskunft über zu erwartende Produkteigenschaften.

Bei meiner Forschungsreise durch das Selfpublishing-Universum sind mir nur wenige bewohnte Planeten begegnet, worunter ich Genres und Gattungen verstehe, die mindestens marginale Resonanz erzeugen. Eine grobe Zusammenfassung enthält der Ausgangsbeitrag. Deutlich zu erkennen ist, dass sich die Exponenten an den Bewegungen an der Spitze des »richtigen« Buchmarkts zu orientieren scheinen. Viele Bereiche scheinen völlig zu fehlen oder sind unauffindbar, weil die dort aktiven Autoren keine nennenswerten Verkaufszahlen verzeichnen und also gezielt aufgesucht werden müssten, wofür ich keine naheliegenden Hilfsmittel entdeckt habe.

Damit gelange ich zu dem Schluss, dass es ganz bestimmte Genres und Gattungen sind, mit denen man per Selbstveröffentlichung zu irgendwas kommen kann, wohingegen andere nicht existieren oder zwar vorhanden sind, aber kaum wahrgenommen werden. Das wiederum bedeutet: Wenn das »Selfpublishing« tatsächlich Qualitäten hat, die bei entsprechenden Voraussetzungen zum Erfolg führen können, gilt dies nur für einen Teil der Belletristik. Ein Teil eines Teils also.

Und übrigens. Ich habe auch zumindest die größeren Bücherforen nach Resonanz auf selbstveröffentlichte Romane durchsucht. Sie ist gering – und fällt dann im Einzelfall auch noch überwiegend bescheiden aus, höflich formuliert.

Warum fast 30 Tacken ablatzen?

Gib'S mir! - NochmalBevor ich auf die Fragen antworte, die an dieser Stelle noch übrig bleiben, muss ich ein paar Worte zur Preispolitik verlieren. Warum kostet ein neues Taschenbuch eigentlich um die 9 €, und der Download dazu 8? Und warum muss man für einen neuen Hardcover-Roman fast 30 Tacken ablatzen?

Die Verlage bilden ja kein Kartell, sie sind in der Preisgestaltung frei – die Buchpreisbindung schreibt lediglich vor, dass ein neues Buch nur zum vom Verlag festgesetzten Preis verkauft werden darf. Theoretisch könnten gedruckte Taschenbücher, die in der Herstellung Fensterkreuz mal Pi achtzig Cent je Exemplar kosten, auch für 2,99 € angeboten werden (übrigens kostet die Herstellung eines Hardcover-Romans anteilig auch nicht viel mehr).

Nun, die Antwort auf diese Frage ist einfach: Es würde keiner mehr etwas an Büchern verdienen, wenn sie billiger wären, denn geringere Preise generieren keineswegs mehr Nachfrage, weil die Leute nicht deutlich mehr lesen würden, wenn es weniger kosten würde. Der Endpreis finanziert die Buchhandlungen – auch die Online-Buchhändler -, die Druckereien, die Logistikunternehmen, die Barsortimenter, die Verlage selbst mit ihren vielen beteiligten Abteilungen und natürlich die Autoren. Gewaltige Renditen fährt in diesem Bereich kaum jemand ein. Die Reduzierung der Preise hätte den Zusammenbruch der gesamten kommerziellen Literaturwelt zur Folge. Und man bezahlt nicht den materiellen Wert des Produkts, sondern auch seinen ideellen – den Wert der Literatur. Das verblüffend einheitliche Preisgefüge gestattet es zugleich, anspruchsvolle Bücher auf Augenhöhe neben Massenschwarten zu präsentieren: Kein Leser muss sich für ein vermeintlich schlechteres Buch entscheiden, nur, weil es weniger kostet.

Nicht wenige bemängeln, dass ein E-Book-Preis nur ein oder zwei Euro unter dem Preis für die gedruckte Ausgabe vor diesem Hintergrund Konsumentenschröpfung wäre, denn in diesem Bereich fallen schließlich Herstellungs-, Logistik- und Vertriebskosten weg. Nun, erstens stimmt das so nicht ganz, zweitens profitieren hier – endlich – die Autoren ein wenig stärker, und drittens bezahlt man ja sowieso nichts Materielles: Eine Datei hat keinen immanenten Wert. Davon abgesehen mag sich jeder, der die E-Book-Preise der Verlage für ungerecht hält, einmal die Handelsmargen in beliebigen anderen Branchen anschauen. Selbst im – kaum noch praktizierten – Sommerschlussverkauf, wenn Kleidungspreise um mehr als 60 Prozent sinken, verdienen immer noch alle Beteiligten daran. Vereinfachende Betrachtungen solcher Vorgänge setzen nämlich intensiv blaue Augen voraus.

Die Selbstveröffentlicher, die ihre Romane überwiegend für deutlich unter 5 € pro Exemplar feilbieten, geben einerseits ihre hohen Margen weiter, was aus Kundensicht zu begrüßen ist. Andererseits hoffen sie natürlich, durch niedrige Preise höhere Auflagen zu erreichen, was man auch so ausdrücken kann: Ihnen dürfte bewusst sein, dass sie deutlich weniger Bücher verkaufen würden, wenn diese teurer wären, gar das Preisgefüge der Verlags-Elektrobücher erreichen würden. Die mehrstimmige Botschaft dieses Abschnitts dürfte eindeutig sein, weshalb ich uns erspare, sie auszuformulieren.

Die Antworten auf die Kommentare

So, und jetzt kann’s auch schon losgehen! Aber, hey, ich musste ja auch 50+ überwiegend sehr ausführliche Kommentare lesen. Die Kommentare, auf die sich die Antworten beziehen, sind jeweils verlinkt, können also rasch aufgerufen werden.

1. @Cornelia Lotter: Zu diesem Kommentar gibt es eigentlich kaum etwas zu sagen, außer: Ja.

2. @rolf degen: Mich deucht, dass ich auch genau das im Beitrag schrieb. Diese technischen Möglichkeiten sind in vielerlei Hinsicht ganz wunderbar, unter anderem auch für arrivierte Autoren, die ihre älteren Titel über die Zeit retten. Es gibt aber noch einige andere Aspekte.

3. @Selfpublisher: Glückwunsch! Ganz ironiefrei. Einige Deiner Aussagen würde ich zwar nicht unterschreiben (siehe oben), aber das hört sich nach einer der wenigen Erfolgsstorys an, was übrigens deutlich stichhaltiger wäre, würdest Du hier nicht unter einem Pseudonym antworten. ;) In diesem Zusammenhang muss ich – endlich – eine Titelaussage meines Beitrags relativieren. Natürlich ist »Selfpublishing« eine Alternative. Das war es auch in seinen diversen Vorgängerfassungen schon, vielleicht von den Zuschussbuden abgesehen. Wer genau weiß, was er tut, und/oder sich für die relevanten Bereiche professionelle Hilfe dazuholt, einen strengen Blick darauf hat, ob wirklich gut und zielgruppenrelevant ist, was er da raushaut, und viel Zeit und/oder Geld ins Marketing investiert, hat natürlich zweifelsfrei die – ja mehrfach bewiesene – Chance, Fuß zu fassen und seinen Claim stetig zu erweitern. Aber: Für wie viele gilt das? Einen von zehntausend? Und wie wird sich dieser Anteil darstellen, wenn die Müllhalde weiter wächst? Oder die Portale ihre Bedingungen drastisch ändern, weil es keinen Grund mehr dafür gibt, Autoren mit Mondmargen anzulocken, einfach, weil die Abhängigkeit längst gefestigt ist?

Ach so: Nein, ich habe nicht die geringste Angst davor, dass mir andere »die Butter vom Brot nehmen«. Hier sei zuerst wieder der Hinweis auf das weiter oben Ausgeführte gestattet, außerdem betrachte ich mein schriftstellerisches Dasein nicht als wettbewerbliche Tätigkeit, was auch ein sehr sinnloses Unterfangen wäre. Zudem wünsche ich mir mehr gute Bücher. Hiervon abgesehen: Das Geld, das Du verdienst, nimmst Du mir nicht weg. So einfach ist das Ganze nicht.

4. @rolf degen (2): Auch ich kenne die Branche, wenigstens ansatzweise. Ich könnte an dieser Stelle mit einer langen Namensliste antworten, die Sie vermutlich aber auch kennen, wenn die Branchenkenntnisse so umfassend sind. Natürlich wird der Prominentenschrott eingekauft und veröffentlicht, jeder Talkshowauftritt generiert enorme Nachfrage, und Personal, das sowieso medienpräsent ist, lässt sich umso leichter herumreichen. Das ist aber kein Argument gegen irgendwas, eher dafür – die Verlage finanzieren hiermit ihre Midlists, ihre neuen Autoren und Experimente. Und nur selten versperrt es Programmplätze, die für Debüts verlorengehen.

5. @Nika Lubitsch: Die Formulierung »Episch giftig« hat mich grinsen lassen. Episch – nunwohl, ich erkläre einen Aspekt lieber zweimal, um die Missverständnisse wenigstens auf ein halbwegs gescheites Maß einzudampfen, außerdem sollte der Beitrag natürlich auch unterhalten. Und giftig – selbstverständlich handelt es sich um einen Tendenztext. Wenn man der orgiastischen Selfpublisher-Margenparty etwas entgegensetzen will, bleibt derzeit nur die Offensive mit schweren Geschützen.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle herzlichst (und völlig neidlos) zum äußerst bemerkenswerten Erfolg gratulieren! Die Verantwortung, die damit auch im Rahmen solcher Diskussionen verbunden ist, fällt nicht eben gering aus – Ihr Name wird ja allerorten in diesem Zusammenhang genannt, Amazon stützt die entsprechenden Kampagnen u. a. auf Ihren Werdegang. Gut möglich, dass Sie über kurz oder lang ähnliche Legendenqualität entwickeln wie die Harry Potter-Schöpferin Rowling, die ja auch immer herhalten muss, wenn es um Dutzende Ablehnungen geht, die anschließend durch fantastischen Erfolg gekrönt wurden – womit vermeintlich der Beweis angetreten ist, dass in den Lektoraten nur Idioten hocken.

Sie skizzieren die Ausnahmestellung, die Sie innehaben, deutlich und in aller Bescheidenheit, vermitteln aber auch ein wohltuendes Bild der professionellen Idee, die dahintersteckt, sich in Ihrer Vorgehensweise manifestiert. Diese konsequente und bewusste Nutzung der ja fraglos reizvollen, (derzeit noch) renditestrotzenden Optionen steht aber nicht im Widerspruch zu irgendeiner meiner Äußerungen. Es ist richtig, wenn sich die Autoren bewegen, während es an der Verlagsfront keine Bewegungen zu geben scheint oder deren Ressourcen erschöpft sind; es sei nur zugleich zur Vorsicht geraten, wenn der u. a. von Ihnen beschrittene Weg als glückbringende Karrierealternative am »klassischen« Buchmarkt vorbei dargestellt wird. Man erreicht diesen Markt in erster Instanz nicht; auch Sie haben sich einen Vertriebspartner für den »Rest« gesucht. Und Ihre Entwicklung weist viele Eigenarten auf, über die das Gros der Selbstverleger einfach nicht verfügt. Statt sich aber solchen Aspekten zu stellen, setzen sie nahezu ausnahmslos auf das Gießkannen- oder Lottoprinzip. Darauf wollte ich hinaus.

6. @Susanne Gerdom: Zu Dir habe ich ja weiter oben schon einiges gesagt. Nein, ich glaube nicht, dass ich gerade etwas verpasse – und ich betrachte das Geschehen tatsächlich relativ nüchtern, ohne nostalgische Verklärung oder Scheuklappenblick, weil ich zufällig gerade unter Vertrag bin (was genau genommen nicht einmal stimmt). Ich erlebe ein Sperrfeuer der Argumente, von denen viele völlig unhaltbar sind, was kaum jemanden daran hindert, sie reflexartig zu wiederholen, und lese beinahe im Minutentakt Prognosen von selbsternannten Experten, die wildeste Dinge vorhersagen. Natürlich ist die Branche im Wandel, kaufen beispielsweise einige Verlage nur noch Titel, bei denen Startauflagen jenseits der 50.000 kalkuliert werden können, während zugleich im Monatsrhythmus Dutzende neuer Verlage auftreten. Es ist, und darauf würde ich sogar wetten, absolut keine Bewegung weg vom klassischen Verlagswesen – und erst recht keine, die eine vorauseilende Kapitulation nötig macht. Du stellst mit »Qindie.de« ja gerade unter Beweis, warum das Modell in seiner vorliegenden Form zum Scheitern verurteilt ist und nämlich keine bedrohliche Konkurrenz darstellt: Aus einer Müllhalde wird kein blühender Garten, einfach dadurch, dass man sie harkt. Das Missverständnis bleibt: Nur die Menge stellt noch keine Konkurrenz dar. Qualität täte es. Die ist aber kaum auszumachen (und die Behauptung, der Ausstoß der Verlage hätte ähnliche Qualität, ist schlicht absurd – s. o.). Eine »Demokratisierung des Angebots« erzeugt nicht mehr Nachfrage, sondern einfach nur ein größeres, diffuseres und unterm Strich schlechteres Angebot, das überwiegend resonanzfrei bleibt, wenn sich fast niemand dafür interessiert: Die Nachfrage bewegt sich deutlich weniger. Und sie verschiebt sich auch kaum, was das grundsätzliche Leserverhalten anbetrifft.

Wenn aber die »Zeiten des Verlagsmonopols« tatsächlich ihrem Ende entgegenstreben – kann sich wirklich irgendjemand wünschen, dass, mit Verlaub (sehr sarkastisch und natürlich nicht ausschließlich gemeint), die Zeiten des KDP-Neunundneunzig-Cent-Idiotentextemonopols an ihre Stelle treten? Keine Sorge, das werden sie auch nicht. Hier ist meine Hand – hat jemand Feuer?

7. @Maarten Donders: Ich kann, um ehrlich zu sein, in den allermeisten Fällen nicht einmal das Groschenhefteniveau ausmachen, und übrigens scheinst Du die Arbeit zu unterschätzen, die in Heftromanen steckt. Und auch Du reduzierst das Geschehen weitgehend auf die derzeit noch ungeheuren Margen. So drei bis fünf Argumente dafür, dass der Monopolist diese Margen beibehält, also aktiv eine stetig wachsende Geldmenge verschenkt, würde ich schon ganz gerne mal hören. Ich muss mir also einerseits egoistischen Konservatismus vorwerfen lassen, während andererseits ganz selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass alles so bleibt, wie es derzeit ist – schon originell. Wann wird beispielsweise Amazon die Verhältnisse ändern? Wenn die Pessimistenprognosen wahrgeworden sind und der Buchmarkt kollabiert ist? Und was geschieht danach? Packen die erfolgreichen »Indie-Autoren« ihre Schütte zusammen und kaufen die Insolvenzmasse von Random House? Ansonsten verweise ich auf meine obigen Ausführungen. Nebenbei bemerkt: Glaubt wirklich jemand, BoD hätte seinerzeit den Buchmarkt planiert, wenn über Milliardenkriegskassen all die dort publizierten Bücher für zwei Euro pro Stück auf den Markt gespült worden wären? Bitte nicht antworten – das war eine rhetorische Frage. ;)

Ich habe, um nicht missverstanden zu werden, viel Sympathie für die energisch vorgetragenen Argumente, die die Prophezeiungen stützen sollen, für die hinkenden Vergleiche mit dem Musikmarkt und all das, weil mir natürlich bewusst ist, dass jene, die auf den einen oder anderen Zug setzen, auf Applaus hoffen, der ihre riskante Entscheidung bestätigt und emotional voranträgt. Fakten werden hierdurch aber längst noch nicht geschaffen.

8. @Hans Peter Roentgen: Nein, die missglückten Geschichten floppen nicht in jedem Fall – es gab einige Fälle, in denen akribisches Viralmarketing wenigstens Strohfeuer entfacht hat, und in vielen Foren findet man originelle Tipps für Selbstveröffentlicher, über die sie wenigstens kurzzeitig zum Chartstürmer werden können. Und, ja, die Guten werden langfristig die Erfolgreichen sein und bleiben (diese nivellierende Entwicklung steht dem gesamten Konstrukt noch bevor), aber wie bei allen Massenspektakeln wird es ihnen zunehmend erschwert. Andernorts wurde im Rahmen dieser Diskussion auf YouTube verwiesen, wo aus den vielen Katzenvideos inzwischen seltener drastische Erfolgsgeschichten herausragen als das während der ersten Jahre der Fall war – Jahre, in denen Propheten das Ende des Fernsehens eingeläutet haben, ersetzt eben durch YouTube. Geschehen ist das vorläufig noch nicht. Und, nein, Mund-zu-Mund-Propaganda ist nicht die beste Werbung – wie es der Zufall will, ist das Fernsehen ohne jeden Zweifel und auch heute noch (sogar mehr denn je) die reichweitenstärkste Werbeform. Rumsprechbücher bilden ein eigenes Segment, dessen Nachhaltigkeit abnimmt, je mehr Bücher sich herumsprechen sollen. Die Erfolge, die Sebastian Fitzek und Kerstin Gier verzeichnen konnten, vom Präsenzbuchhandel zunächst fast völlig ignoriert, während sie von den Communities gefeiert wurden, lassen sich inzwischen nur noch schwer adaptieren.

«Gut« ist vieles, zudem ist diese Kategorisierung subjektiv und längst nicht absolut. Man sollte bei diesem Gedanken nicht außer Acht lassen, dass es um Konsumprodukte geht – die Auswahl ist für den Endkunden aber nicht dadurch einfacher geworden, dass die Meinungshoheit der Medien vom Netz vermeintlich gebrochen wurde, während die Selbstveröffentlicher das Monopol der Verlage unterminieren. Das gilt längst nicht nur für Literatur, sondern für viele Bereiche.

Der Wegfall der Gatekeeper, also die Öffnung aller Schleusen führt aus dieser Perspektive aber in erster Linie zu Unzufriedenheit. Man mag das Paradigma auf eine alltägliche Einkaufssituation übertragen und kommt notwendigerweise zu dieser Schlussfolgerung.

Ansonsten hast Du mit vielen Anmerkungen Recht, was übrigens für die meisten Kommentatoren gilt – nur eben nicht in dieser Ausschließlichkeit.

9. @Eva Jancak: So ganz weiß ich Ihren Kommentar nicht einzuordnen. Fraglos ist man als Autor heute nicht mehr so schnell »verbrannt« wie früher, wenn man selbst oder in einem Pseudoverlag publiziert hat, aber es gilt m. E. nach wie vor, dass Verlage – wenn sie es denn tun, ja – Debütanten bevorzugt von Anfang an aufbauen wollen, statt gegen eine etwas krude, aber – leider – nachhaltige Eitelkeitskarriere anwerben zu müssen. Die Buchbranche ist ein verdammtes Nadelöhr, und auch nachgewiesenermaßen längst nicht mehr der einzige Erfolgsweg für Schriftsteller. Dem habe ich nicht widersprochen. Auch das Laientheater generiert mitunter Karrieren, und seien es nur solche als Darsteller in unwürdigen Scripted Reality Shows. Bei einer etwas langfristigeren Planung sollte man aber nicht nur die kurzfristigen Aspekte beachten.

11. @Kathy McAllister: Nein, ich sehe meine Felle nicht davonschwimmen. Ich sehe ein paar wenige Erfolgsgeschichten und ansonsten Argumente, die meine Äußerungen lediglich bestätigen. Und auch Ihre Entwicklung markiert einen Sonderfall, zudem scheint sich Ihr Oeuvre – wie weiter oben skizziert – ziemlich deutlich am gescholtenen Buchmarkt zu orientieren. Gestaltwandlergeschichten, Nackenbeißer und Sex – Genres, die ihre Leserschaft haben, und die in besonderer Weise für die neuen Technologien geeignet scheinen, ohne dass dies signifikante Schlussfolgerungen bezogen auf das gesamte Marktgeschehen zuließe. Übrigens, obwohl Sie das nicht waren: Ich bin im Rahmen der Kommentare auf einen Roman angesprochen worden, den ich im vergangenen Jahr über Chichili/Satzweiß publiziert habe, nur als E-Book. Der subtil betitelte Roman läuft zu meiner eigenen Verblüffung recht gut, aber ich frage mich seit dem Launch hin und wieder, ob das auch der Fall wäre, wenn das Buch nicht »Gefickt« hieße, sondern, wie von mir geplant, »So cool«. ;)

12. @Wolfgang G. Wettach: Auch namhafte Verlage bauen Mist, Lektoren vergurken Texte (oder tun einfach überhaupt nichts), Ausstattungsabteilungen planen am Inhalt vorbei, all das geschieht. Man sollte aber den Hintergrund nicht vergessen, vor dem das geschieht. Ansonsten verweise ich auf die Einführung zu diesem Text.

Doch, die Chance ist deutlich höher als beim Lottospielen; ich habe schon viele Gewinner miterlebt, bin ein ganz klein wenig selbst einer. Gemein ist allen, dass sie geduldig in ihrer eigenen Konturierung als Schriftsteller gearbeitet haben, statt jeden Erguss umgehend auf den Markt zu verklappen.

13. @rolf degen (3): Solche Prognosen sind wertlos, vom direkten Zweck abgesehen: Die »Anhänger« irgendwelcher Fraktionen mit Argumenten zu füttern, die keine sind. Und die Vergleiche werden nicht weniger haltlos, wenn man sie häufiger wiederholt. Musik- und Literaturmarkt lassen sich so nicht gegenüberstellen, zumal für musikalische Konserven seit jeher Abspielgeräte nötig waren, während Bücher auch nach Jahrhunderten noch ohne funktionieren, aber auch das Konsumverhalten bei Musik ist ein völlig anderes. Weswegen die Anti-DRM-Kampagnen hier überwiegend am Ziel vorbeigehen; den normalen E-Book-Konsumenten, der ein Buch einmal liest und keine Medienübergänge praktiziert, stört das wenig bis überhaupt nicht. Aber das ist eine Randdiskussion, die nicht hierher gehört. Das Elektrobuch ist praktisch, für den Konsumenten ebenso wie für den Hersteller, dessen Vertriebswege auf ein Minimum reduziert werden. Es ist aber – wenigstens mittelfristig – kein zwingender Ersatz, wie das bei Musik von der Spieluhr über die Schellackplatte, das Vinyl, Tapes und CDs hin zur Datei der Fall war. Bei all diesen Prognosen sei empfohlen, sie vor dem Hintergrund tatsächlicher Entwicklungen entspannt zur Kenntnis zu nehmen, aber sich nicht auf sie zu verlassen – nur die wenigsten treten auch ein.

14. @McGarrett: Nein, es ist kein Lottogewinn, sondern in den meisten Fällen das Ergebnis unermüdlicher, zielorientierter, jahrelanger Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit, so man eine zugrunde legen wollte, ähnelt übrigens derjenigen für einen Vierer im Lotto. Und, nein, nicht nur Verlage können belletristischer Literatur zum Erfolg verhelfen, aber sie erreichen wenigstens den gesamten Markt und die relevanten Nebenmärkte, während Selbstpubliziertes vorerst auf einen Teilbereich reduziert bleibt, und darauf hoffen muss, im Müll entdeckt zu werden – da sind die Startchancen von Verlagsbüchern (die ja, wie gesagt, in aller Regel parallel elektronisch erscheinen) deutlich besser. Was das Grundsätzliche anbetrifft – wir reden über eine Entwicklung, die soeben die Babyschuhe ablegt und mit voller Kraft die ersten schweren Kinderkrankheiten ansteuert. Am Anfang einer jeden Neuerung gab es Pioniere, die davon profitieren konnten, was sich immer drastisch nivelliert hat, wenn Akzeptanz und Beliebtheit auf der Anbieterseite (!) zunahmen. Wir werden sicherlich alle gespannt beobachten, wie es weitergeht, aber es dürfte kaum jemand annehmen, dass sich nichts ändern wird, der Aufwärtstrend also ungebrochen anhält.

15. @Irene: Ja, das passiert. Und?

16. @Edmund Sackbauer: Man muss nicht schreiben, um Geld zu verdienen. Warum man nicht schreiben sollte, um damit auch Geld zu verdienen, leuchtet mir nicht ein. Und mir macht das Schreiben Spaß, obwohl ich damit Geld verdiene – womit ich mich in guter Gesellschaft befinde.

17. @j-b: Mmh, wenn ich E-Books »Elektrobücher« nenne, ist das eine »reaktionäre Skurrilität«, aber die »Selfpublishing«-Ikone Nika Lubitsch darf die andere Darreichungsform als »Holzbücher« bezeichnen, ja (Links reiche ich gerne nach)? Außerdem, mit Verlaub. Wer Autoren vorschreibt, welcher Wortwahl sie sich zu bedienen haben, missversteht einiges. Geschenkt.

KDP-Autoren mögen sich nicht auf einen bestimmten Player beschränken, wohl jedoch auf die Player und, schlimmer noch, die Vertriebswege eines bestimmten Anbieters. Aber wenn man solche Feinheiten zwischen den Zeilen sucht, verbunden mit dem Bemühen, dadurch eine Argumentation zu Fall zu bringen, ist man wohl nicht ernsthaft an einer Diskussion interessiert. Die Behauptung jedoch, KDP »wolle nicht im Buchhandel ankommen« ist absolut richtig. Was Amazon u. a. mit KDP bezweckt, habe ich – aus meiner Sicht – weiter oben erläutert. Darüber können wir gerne sprechen, aber bitte nicht über die eingeschränkten Gehfähigkeiten irgendwelcher Vergleiche. Jeder Vergleich hinkt.

18. @Stefan Schäfer: Wann immer ich solche Zusammenfassungen der Literaturszene lese, frage ich mich, warum ich das selbst nicht bemerke, gar, wo ich überhaupt lebe. Möglicherweise, weil es einfach nicht so ist? Kann aber auch sein, dass ich zu blauäugig bin, dass ich missverstanden habe, was mir soeben begegnet ist, als ich Kevin Kuhns »Hikikomori« gelesen habe, selbst Wolfgang Herrndorfs »Tschick«, Helmut Kuhns »Gehwegschäden«, Eva Menasses »Quasikristalle«, Clemens Bergers »Das Streichelinstitut«, Michael Stavaric’ »Brenntage«, die Bücher von Frank Schulz, Heinrich Steinfest, Wolf Haas, Christian Kracht, Thomas Glavinic, Juli Zeh und vielen, vielen, vielen anderen (um nur die etwas erfolgreicheren zu nennen) – kein auch nur annähernd vergleichbarer Text ist mir bei meiner Selbstveröffentlicher-Recherche begegnet. Ihnen? Dann bitte her mit den Bestellnummern!

19. @Dr. Angela Fetzner: Bin verblüfft und erlaube mir die Frage, warum zur Hölle Sie Geschichten von Ex-Prostituierten, Bushido oder DSDS-Kandidaten lesen, wenn Sie das (was ich wiederum nachvollziehen kann) so scheiße finden? Was hindert Sie daran, einfach diejenigen Texte zu konsumieren, die besser in Ihr Beuteschema passen? Die Auswahl ist gigantisch! Ansonsten sei beim Qualitätsvergleich auf die Antwort an Stefan Schäfer und die Einleitung dieses Textes verwiesen.

20. @Frank Kandziora: Jo, ein Gewinn. Bin glücklich. ;)

21. @Christa S. Lotz: Danke! Kommentare überflüssig.

22. @Rouven: Ihren Beitrag habe ich auch nach dem fünften Lesen nicht wirklich verstanden. Ich muss vermutlich meine Medikation erhöhen.

23. @Fruchtwein: Auch dieser Kommentar hätte mich stärker beeindruckt, hätte sich der Kommentator nicht hinter einem Pseudonym verborgen. So lese ich die Zahlen und nicke dabei schulterzuckend; ich habe an keiner Stelle behauptet, dass es anders sein könnte. Ob ich ganz persönlich »rausfliege«, wenn ich mich nicht anpasse, bleibt ziemlich entspannt abzuwarten. Sollten die Prognosen eintreten, besteht durchaus die Möglichkeit, auf diese Tätigkeit ganz zu verzichten. Mein Verständnis vom Autorendasein enthält das elektronische Hausierertum jedenfalls nicht.

Die »schreibenden Hausmütterchen« waren übrigens nicht Zielgruppe meines Beitrags. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, das deutlich gesagt zu haben.

24. @Alexandra: Bis zum einschließlich vierten Absatz würde ich Ihrem Kommentar bedingt (s. o.) zustimmen, danach folgt eine Marktdiagnose, die überwiegend von redlicher Unkenntnis zeugt. Ganz so einfach lässt sich nicht zusammenfassen und beurteilen, warum geschieht, was im stationären Buchhandel gerade geschieht – die Ursachen sind deutlich vielschichtiger, und damit auch die Konsequenzen.

25. @Kathy McAllister: Mag sein, ist aber nicht signifikant. Siehe »Perspektivprobleme«. ;)

26. @Dahlia Mertens: Dieser Kommentar kommt, denke ich, ohne Antwort aus.

27. @Frank Kandziora (2): Äh. Nö. Ich bekomme vom fraglichen Buch keineswegs nur 48 Cent je Abgang, aber ich verbinde das mal ganz salopp mit einem gepflegten: Selbst wenn – scheißt der Hund drauf (Sven Regener). Und, nein, ich bin nicht »sauer«. Nichts hätte mich daran gehindert, den Titel über irgendeinen Dienstleister direkt zu publizieren, in der Folge die satten Margen einzustreichen und mir also solche merkwürdigen »Vorwürfe« nicht anhören zu müssen. Die nötigen Vorarbeiten hätten mich vielleicht zwei Manntage gekostet. Es entspricht schlicht und ergreifend nicht meinem Verständnis vom Schriftstellerberuf, so zu arbeiten. Aber ich definiere meine Existenz (dummerweise) auch nicht ausschließlich über meinen Kontostand.

28. @Ariela Sager: Sie schreiben, dass Sie Anspruch, Experimentierfreudigkeit und Niveau nur bei ausländischen Büchern und bei deutschen »Indie-Autoren« finden, werben im gleichen Atemzug mehr oder weniger subtil für die von Ihnen mitveranstaltete Plattform »autorenfreiheit.de«, auf der ich mich natürlich sofort umgeschaut habe. Helfen Sie mir bitte – welchen Titel (einer reicht schon!) meinen Sie genau, wenn Sie davon sprechen, hier »Anspruch, Experimentierfreudigkeit und Niveau« vorzufinden, die Sie bei deutschen Verlagstiteln vermissen? Ich habe die Leseproben einiger empfohlener Texte studiert und bin – leider – nicht fündig geworden. Danke vorab! Falls Sie davor oder danach etwas Zeit haben – irgendwo in Ihrer Gegend wird sicher eine Buchhandlung sein. Ignorieren Sie die Stapel und widmen Sie den Regalen etwas Aufmerksamkeit. Es könnte sich lohnen.

29. @Dahlia Mertens (2): »Verlagsgebundene Autoren« sind, wie weiter oben dargestellt, die Ausnahmen unter den Ausnahmen – die meisten Schriftsteller arbeiten von Vertrag zu Vertrag, ohne die absolute Sicherheit, den nächsten auch zu bekommen, lediglich die Wahrscheinlichkeit hierfür steigt mit dem (meistens bescheidenen) Erfolg. Vor diesem Hintergrund gelingt es mir ums Verrecken nicht, auch nur das kleinste Argument in diesem Kommentar zu entdecken. Nichts hindert beispielsweise mich daran, den nächsten Roman in Eigenregie zu veröffentlichen. Ich bin nicht angestellt, also frei in dieser Entscheidung: Sähe ich mein »Mampfi« schwinden, könnte ich problemlos woanders mampfen gehen. Warum diese Option aus meiner Sicht keine ist, sollte jedoch inzwischen verständlich sein. Die Empfehlung, mir einen Beißkorb zuzulegen (hierzulande nennt man sie »Maulkorb«), prüfe ich wohlwollend.

30. @A. M.: Ihrer Geschichte entnehme ich (lediglich) das Argument, es würde bei den Verlage (oft?) schief laufen. Das kann ich so nicht bestätigen oder nachvollziehen, auch auf die vielen Erfahrungsberichte anderer Autoren blickend. Übrigens enthalten Verlagsverträge üblicherweise eine Frist, innerhalb derer das Werk nach Manuskriptabgabe zu veröffentlichen ist. Geschieht das nicht, fallen die Rechte an die Autoren zurück.

31. @Patrick Reiter: Danke für diesen Kommentar. Hier bemüht sich endlich mal jemand, den von den gewaltigen Tantiemen verblendeten Blick auf einen Aspekt zu lenken, der Relevanz hat, auch wenn es in diesem Fall wohl nicht um die Zielgruppe meines Beitrags geht. »Denn wer ein Buch herausbringt, stellt nicht nur seine kreative Leistung auf den Prüfstand, sondern beweist auch Rückgrat und den Willen, einen Lebenstraum zu verwirklichen.« Schön gesagt! Ansonsten kann man diese Rückmeldung, meine ich, so stehen lassen – abermals danke dafür.

32. @Hannah Kaiser: Die ernüchternde Feststellung, dass der Preis die fehlende Qualität wettmacht, kann ich aus Lesersicht nicht teilen. Fragt sich, was vom gewaltigen Tantiemenkuchen übrig bleibt, wenn sich die Zahl der Selbstveröffentlicher verzehnfacht. ;)

33. @Horst-Dieter Radke: Zustimmung. Danke übrigens dafür, dass Du hier nicht den (berechtigten) Vorwurf wiederholt hast, dass einige meiner Zahlen nicht ganz stimmten. ;)

34. @Hans Peter Roentgen (2): Ich habe die Bücher/Autoren außer Acht gelassen, die keine Bestseller sind? Merkwürdig, dann muss der falsche Beitrag veröffentlicht worden sein. ;)

35. @Horst-Dieter Radke (2): Hä? Ich habe die Chancen für die Backlists übersehen? Verdammich, Wolfgang Tischer hat mir etwas untergejubelt! Kommando zurück, der Beitrag ist NICHT von mir! ;) Spaß beiseite – ich habe tatsächlich genau das getan, also auf die Vorteile aus dieser Sicht hingewiesen, die ich auch für unstrittig halte, von der Bindung an bestimmte Anbieter vielleicht abgesehen.

36. @Sigrid: Ich habe durchaus hervorgehoben, dass die Marketing-Kriegskassen natürlich nur für Spitzen- und Schwerpunkttitel geöffnet werden, während die Midlist-Autoren lediglich die übliche Presse- und Vertreterarbeit abbekommen, aber immerhin wenigstens diese. Dass nach irgendwelchen (nicht repräsentativen) Umfragen viele Autoren mit der PR-Arbeit ihrer Verlage unzufrieden sind, kann ich gut verstehen. Jeder Autor hofft darauf, dass der nächste Roman ein Bestseller wird, und sucht die Schuld dafür, dass es nicht geschieht, dann überall, nur nicht bei sich selbst. Dass es am Marketing lag, ist ein naheliegender Trugschluss. Und selbst wenn alle Verlage für alle Titel Fernsehwerbespots schalten würden, wären die Autoren immer noch unzufrieden, denn auf die Bestsellerlisten kommen 100 Titel, und kein einziger mehr, ganz egal, wie viel in die Werbung investiert wird. Über diese Listenplätze entscheidet aber nicht allein die Werbung, sondern ein bisschen auch der Käufer.

37. @Hans Peter Roentgen (3): Auch Du verblüffst mich in diesem Kommentar mit einer doch recht engstirnigen Betrachtung des Marktgeschehens.

38. @Frank Kandziora (3): »Aber der Bereich ebook ist fast schon komplett in Händen der Indies.« Absolut. Die Erde ist übrigens ein Würfel.

39. @Christa S. Lotz (2): Die Latenzen, mit denen Verlage und damit auch die Autoren arbeiten (müssen), verhindern in vielen Fällen, direkt auf Marktbewegungen zu reagieren, obwohl bei drastischen Trends durchaus Abkürzungen genommen werden. Der historische Roman ist ein problematisches Genre, insgesamt auf dem absteigenden Ast, ausgepresst in homöopathischen Maßstäben. Was da noch geht, sich also für die Verlagsapparate lohnen könnte, ist stark begrenzt. Vor diesem Hintergrund muss die Zurückhaltung der Lektoren betrachtet werden. Für Autoren, die sich dennoch in diesem Genre heimisch fühlen, mag die Selbstveröffentlichung fallweise eine gute Alternative sein – den Rat, es zu tun, würde ich aber niemandem geben.

40. @chSchlesinger: Ein mich etwas ratlos stimmender Kommentar. Es geht also ums Geld, ums große Geld? Ja. Warum sitzen in den Verlagen dann eigentlich keine Börsenmakler oder wenigstens Staubsaugervertreter, sondern Germanisten und Publizisten? Und warum machen die sich überhaupt die Mühe, Bücher herzustellen? Merkwürdig. Aber immerhin unterhaltsam, wofür’s ein Bienchen gibt. ;)

41. @raankor: Ich »putze die Selbstverleger« nicht »runter«, sondern werbe für eine etwas nüchternere und professionellere Perspektive. Und, nein, ich halte mich nicht für etwas »Besseres« – in diesem Fall würde ich mir nicht die Mühe machen, solche Beiträge zu schreiben und > 50 Kommentare darauf zu beantworten, wovon ich selbst definitiv nicht viel habe, und wofür ich nicht einmal ein Honorar vom »Literaturcafé« bekomme.

42. @Harald Timm: Der Kommentar steht für sich, von der Randbemerkung »Wer schreibt, sollte es nur tun, weil er muss« vielleicht abgesehen – hier lassen sich an letzter Stelle auch einige andere Verben einsetzen (können, sollen), und die Intention, die zur Berufswahl geführt hat, ist für mich als Leser bedeutungslos, wenn mich das Ergebnis überzeugt. Punkt.

43. @rouven: Ergänzt die Verbenliste um »wollen«. Danke.

44. @Sabine: Ihren sehr amüsanten und wohlformulierten Kommentar habe ich sehr gerne gelesen. Eine weitere detaillierte Antwort auf die darin angesprochenen Aspekte erspare ich mir und verweise auf die obigen Ausführungen.

45: @Frank Kandziora (4): Absolut zum Beömmeln. Ich lache immer noch, obwohl ich eine ähnliche Geschichte schon vor über zehn Jahren gelesen habe. Ansonsten – s. o.

46. @FK (5): …

47. @Sabine: Wenn die vier Lektoren des S. Fischer-Verlags mit 4.500 Manuskripten pro Jahr »bombardiert« werden, geht es ihnen nicht darum, alle Texte zu finden, die man veröffentlichen könnte (oder gar »objektiv« sollte), sondern jene zwei bis zehn, die man erfolgversprechend im eigenen Programm (ggf. noch denen der Imprints) als Debüts unterbringen könnte, vorausgesetzt, es gibt überhaupt noch Platz. Da sich das Roulette unaufhörlich wiederholt, hat es auch nur ausnahmsweise Sinn, zweitbeste Manuskripte für das übernächste Programm in Erwägung zu ziehen. Dieses Missverständnis zieht sich durch viele Forenthreads und Blogs, jene Annahme, es wäre die Aufgabe der angeschriebenen Verlage, sämtliche nobelpreiswürdigen Texte herauszufiltern. Dafür ist dieses Angebot zu groß und die hausinterne Nachfrage zu klein. Man sucht bestenfalls zweimal im Jahr (zusammengefasst betrachtet) nach Optionen, und wenn diese Aufgabe erledigt ist, stellt alles andere die Kür dar – vereinfacht gesagt. Leider glauben alle Abgelehnten, die zweite J. K. Rowling, der zweite Kafka oder der zweite V. S. Naipaul zu sein. Wenn man den Verlagen in diesem Zusammenhang etwas vorwerfen wollte, dann höchstens, dass sie in den Formablehnungen lügen.

48. @Michael Blasius: Genau. Die Zeit wird es zeigen. ;)

49. @Isabell Schmitt-Egner: Ich meine doch, das eine oder andere Argument über »Müll« hinaus geliefert zu haben. Aber, hey, das ist wie mit den Romanen: Sie kommen so an, wie sie ankommen, und nicht unbedingt so, wie man das erhofft hat.

50. @Cornelia Lotter: Man kann viele Fragen formulieren, solche und andere, so herum oder andersherum. Man kann damit Hoffnungen verbinden oder Prognosen beipflichten, aber häufig ist und bleibt es schlicht: Propaganda. Schade eigentlich.

51. @Thorsten Nesch: Wer sich perspektivisch mit der Idee auseinandersetzt, Schriftsteller zu werden, sollte dies nicht in der Hoffnung tun, damit (viel) Geld zu verdienen, was sehr wahrscheinlich über eine lange Zeit hinweg nicht geschehen wird, und zwar auf beiden Wegen. Ich kenne auch nicht viele Autoren (eigentlich sogar überhaupt keinen), bei denen dieser Aspekt anfangs im Vordergrund stand oder maßgebliche Bedeutung hatte, was wenig damit zu tun hat, dass natürlich die meisten vom Ausnahmeerfolg träumen, wogegen nichts zu sagen ist. Wie bei jeder Wahl einer Tätigkeit, die enorme Zeit (und damit immer auch Geld) kosten und vorläufig wenig bis nichts einbringen wird, sollten der Entscheidung viele Erwägungen vorangehen, im weiteren Verlauf aber durchaus zur Disposition stehen können. Wirklich relevant ist einzig der Zeitpunkt, an dem man erkennt, ob die Entscheidung richtig oder falsch war. Alles andere geschieht danach.

52. @Hexarkun: Es mögen schon viele Perlen verlorengegangen sein – und einige beinahe. Der amerikanische Autor John Kennedy Toole hat sich (im Jahr 1969) umgebracht, weil sein Manuskript »A Confederacy of Dunces« keinen Verlag fand. Die Mutter des Verstorbenen sorgte für die Veröffentlichung, und »Ignaz oder die Verschwörung der Idioten« wurde zum Weltbestseller, Toole erhielt posthum den Pulitzer Preis. Möglich, dass der Autor, der heute 76 Jahre alt wäre, noch leben würde, hätte es seinerzeit bereits das »Selfpublishing« gegeben. Denkbar aber auch, dass sein Roman auf diesem Weg nie jene Beachtung gefunden hätte, der er schließlich bekam – man weiß es nicht. Es mag viele, viele ähnliche, weniger drastische Fälle geben, Geschichten von Autoren, die dreißig Jahre an einem Manuskript gearbeitet haben, Menschen, die sich in Schulden gestürzt haben, um den großen Roman schreiben zu können, aber durchs Sieb der Verlage rasselten. Ich halte das nicht für ein Argument, das irgendwas bestätigen oder entkräften würde; man muss die Umstände kennen(lernen), bevor man sich ihnen aussetzt. Das gilt für das Verlagswesen ebenso wie für die Selbstveröffentlichung. Und prinzipiell auch für jede andere Berufswahl.

53/54erledigt :-)

55. @Thorsten: Die Tatsache, dass die Innenstädte veröden, hat mit unserer Thematik bestenfalls marginal zu tun, und die an einigen Stellen kolportierte Monokausalität »Internethandel tötet Innenstädte« halte ich für frag-, mindestens aber diskussionswürdig. Es mag u. a. teilweise an der Städtebau- und Infrastrukturpolitik liegen, die Spontaneinkäufe mit dem PKW aktiv verhindert und damit den Onlinehandel attraktiver gestaltet, aber fraglos hat der Einzelhandel auch eine Menge verpennt. Die Buchhandelsketten haben sich mit ihrem Verdrängungswettbewerb schlicht übernommen, und kapitulieren aktuell keineswegs nur vor rückläufigen Umsätzen, die zu Amazon abgewandert sind. Das ist eine vielschichtige Problematik. Eine Tatsache scheint mir aber zu sein, dass wir als Endkunden durch unsere Bequemlichkeit (wieder einmal) eine Monopolbildung fördern, uns in eine Abhängigkeit manövrieren, die wir über kurz oder lang dezent bedauern werden. Dem steht allerdings die Gewissheit gegenüber, dass alle Giganten irgendwann straucheln, weshalb es unterm Strich immer spannend bleibt.

56. @Coralin: Ich habe mit Chichili einen ordentlichen Verlagsvertrag – und habe diese Firma keineswegs als Dienstleister in Anspruch genommen. Tatsächlich hatte Karsten Sturm – der Inhaber – bei mir angeklopft. Der Titel wurde auch »richtig« lektoriert (womit Chichili eine externe Lektorin beauftragt hat) und ausgestattet – und in einer Verlagsreihe platziert. Ja, es scheint wenig Marketing zu geben, aber das ist mir egal – ich habe diesen Titel nicht veröffentlicht, um damit (viel) Geld zu verdienen. Und ich habe Chichili zugesagt, weil befreundete Autoren dort gute Erfahrungen gesammelt hatten.

Ihren Anmerkungen bezüglich der Marktverteilung kann und muss ich zustimmen; ich hatte diese Zahlen auch gelesen. Es ist allerdings nicht ganz erkenntlich, worauf sie sich genau beziehen. Meine eigenen Angaben fußen auf den Abrechnungsdaten, die ich mit einigen Autoren und Agenturen abgeglichen habe (wobei es ausschließlich um Belletristiktitel aus größeren Verlagen ging) – also auf aktuellen Umsatzzahlen je Vertriebsweg. Demnach wären Amazons Anteile im E-Book-Segment sogar noch weit höher; ich habe sie bezogen auf die von mir verwendete Zahlenbasis niedrig angesetzt.

57. @Jan Freisleben: Zum Thema »Neid« finden sich in der Einleitung dieses Textes bereits ein paar Anmerkungen – nebenbei bemerkt ist mir aufgefallen (was natürlich keineswegs evident ist), dass jene, die anderen Menschen Neid und ähnliche Gefühle unterstellen, eben im Rahmen solcher Unterstellungen selbst oft genau diese Regungen erkennen lassen. Ansonsten scheint mir ihr Kommentar in erster Linie eine wenig subtile Werbung für das eigene Buch zu sein.

Postskriptum zum Abschluss dieser Runde

Bitte, macht es nicht zu einer Glaubensentscheidung, das eine, das andere oder beides zu wählen, nur weil eine »Fraktion« sympathischer erscheint oder sich besser zu verkaufen vermag. Beobachtet das Geschehen, schaut euch an, wer per »Selfpublishing« erfolgreich ist, womit und, sofern nachvollziehbar, warum. Trefft solche Entscheidungen nicht übereilt oder verfrüht, trefft überhaupt keine Entscheidungen verfrüht, auch nicht jene, Texte zu veröffentlichen – was in den Köpfen, Regalen oder auf den Readern der Leser ist, bekommt man dort schwer wieder raus (es sei denn, man heißt Amazon und daddelt hinterrücks auf den Lesegeräten der Kunden herum). Schriftsteller ist zwar ein überwiegend schlecht bezahlter, aber absolut traumhafter Job, den ich jedem wünsche, der gute Geschichten gut erzählen kann. Und nur darum geht es bei alldem.

Ich möchte mich bei allen Kommentatoren herzlich für ihre Beiträge bedanken, hoffe, dass ich niemanden übersehen und keinen Namen falsch geschrieben habe. Vielleicht, und das ist ebenfalls (m)eine Hoffnung, helfen mein kleiner Beitrag und die Resonanz darauf, die Diskussion etwas zu versachlichen und zu entspannen, um sie wieder auf jene Aspekte zu lenken, die für uns alle relevant sein sollten. Ich bedaure, wenn ich jemanden gelangweilt habe, verbinde dies aber mit einer Erkenntnis, die hier ja mehrfach formuliert wurde: Was nichts oder wenig kostet, muss nicht unbedingt viel wert sein. In diesem Sinne: Alles Gute!

Herzlich,

Tom Liehr

77 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. HerrKurz schrieb am 10. Mai 2013 um 14:58 Uhr

    Meine Güte ist das langweilig, ich hab das nur durchflogen und fand es gruselig. Gut, dass es ernsthafte Autoren gibt, welche die Ihre Zeit nicht damit vergeuden solch einen Quatsch zu erzählen.

    Übrigens wenn alles schon so kleinkariert daherkommt wie die blödsinnige Selbstmordbeschreibung.

    Glauben Sie ernsthaft ein Bundesligasspieler würde ein Urteil über einen Kreisligaspieler abgeben?
    Da bedeutet, entweder spielen beide in derselben, also in der Kreisligga ,,oder einer von beiden hat etwas ganz und gar nicht verstanden.

  2. Diana Hillebrand schrieb am 10. Mai 2013 um 15:01 Uhr

    Tom, ich verneige mich vor Dir! Das hast Du großartig geschrieben. Und egal, welcher Meinung man ist, finde ich es einfach fabelhaft, wie intensiv Du Dich mit der Flut an Antworten und dem Thema auseinandersetzt hast. Dafür meine Hochachtung und vielen Dank für den interessanten und intensiven Beitrag!

  3. Thorsten schrieb am 10. Mai 2013 um 17:04 Uhr

    Ein römischer Imperator hatte häufig einen Mitarbeiter, dessen Aufgabe es war, ihn ggf. daran zu erinnern, das auch er selbst nur ein Mensch sei. Dieser Job war relativ gefährlich, weil dieser “Angestellte”, zumindest an schlecht gelaunten Tagen, ständig um sein eigenes Leben bangen musste. Vielleicht eine Idee für einen neu zu schaffenden Arbeitsplatz?!
    Ich habe Ihren ersten Beitrag, die Kommentare und jetzt auch Ihre zweiten Ausführungen aufmerksam gelesen. Der auffallende Umfang und auch die bewusst umständliche Art der Umschreibung, macht es für mich jedoch keinen Deut besser.

    Insgesamt kommt es mir so vor, als ob da ein Ernährungsberater garstig und abwertend über fastfood referiert und dabei völlig außer Acht lässt, dass McDonald`s jedes Jahr neue Rekordzahlen präsentiert.

    Auch wenn mich in meiner Einstellung bestenfalls ein Betriebswirtschaftler bestätigen wird: “Der Markt wird von Angebot und Nachfrage bestimmt!” Wer dieses Gesetz außer Kraft setzen möchte, der muss entweder Kommunist sein, oder er ist noch verträumter als der erwähnte Lottospieler.
    Wenn auf Amazon ein Cover mit Nackten, Blut oder offensichtlicher Gewalt erscheint, dann gehen die Downloads durch die Decke.

    Sie bestreiten permanent Tatsachen und verurteilen Diejenigen, die sich ihren eigenen Weg, vorbei an Verlagen gesucht haben.
    Wenn eine alte Frau am Straßenrand Burger verkauft, steigen sie dann auch aus und beschimpfen diese, nur weil sie versucht ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Oder weisen sie auf etablierte Anbieter hin, die seit Jahrzehnten Burger verkaufen?

    Nichts ist beständiger als der Wandel … das werden auch Sie nicht ändern!

  4. Marina schrieb am 10. Mai 2013 um 17:31 Uhr

    Ehrlich gesagt musste ich mich wieder ganz schön durch diesen Artikel kämpfen. Es ist etwas befremdlich zu sehen, wie ein professionaler Autor sich so im Geschwafel verlieren kann.

    Aber gut, darum geht es mir hier nicht. Da ich selbst kein Selbstverleger bin, möchte ich mich nicht groß zum Thema äußern. Da fehlt mir einfach das nötige Fachwissen.
    Dennoch schätze ich den Selbstverlag sehr, weswegen Ihre Artikel doch für einige Verwirrung sorgen.

    Woher kommt diese Feindseligkeit? Und bitte nicht abstreiten, denn wenn Sie dem Selbstverlag eine bessere Meinung entgegenbringen würden, dann hätten Sie weit weniger das Wort “Müll” verwendet.

    Es mag viele Bücher geben, die nur für den Profit geschrieben worden sind und bei denen entsprechend wenig auf Qualität geachtet worden ist.

    Dennoch bin ich der Meinung, dass mindestens 70% der Bücher von Selbstverlegern aus Leidenschaft entstanden sind. Leidenschaft, die den Autor über Wochen und Monate an den Plot, den Charakteren und der Wortwahl feilen ließ. Sicherlich wird nicht jedes von ihnen ein Bestseller und findet viele Leser, dennoch gibt es Menschen, die sie gerne lesen.

    Menschen wie mich.

    Diese Bücher aus einem subjektiven Eindruck heraus in einem Artikel als Müll zu bezeichnen und dazu diese provokanten Bilder zu verwenden, das ist doch sehr beleidigend und respektlos. Nicht nur den Autoren, sondern auch den Lesern gegenüber.

    Woher kommt also diese Feindseligkeit, wenn die Selbstverleger doch so wenig Einfluss auf dem Buchmarkt haben? Wieso schreiben Sie diese langen Artikel, wenn Sie weder neidisch sind, noch Existenzängste verspüren?
    Ist es Werbung für Ihre eigenen Bücher? Oder möchten Sie versuchen, die Träume mancher Selbstverleger im Keim zu ersticken, bevor sie Früchte tragen können oder vergammeln?
    Das ist mir leider nicht richtig klar geworden.

    Ihre (etwas verwirrte) Marina, die jetzt weiter ihre selbstverlegten Perlen lesen wird

  5. Sigrid schrieb am 10. Mai 2013 um 23:00 Uhr

    Vielen Dank, Tom Liehr, daß Sie sich die Mühe gemacht haben, so ausführlich zu antworten – und auch noch auf jeden Kommentar.
    Zu meiner Bemerkung (#36): Ich glaube nicht, daß die Autorinnen und Autoren so naiv sind und sich immer gleich auf den Bestsellerlisten sehen, und wenn das nicht passiert, sind die Verlage schuld. Aber viele Midlist-Autoren erleben seit einiger Zeit, daß schlicht gar nichts mehr für sie getan wird. Sicher ist die von mir angesprochene Umfrage nicht repräsentativ – doch der Frust in diversen (oft nicht öffentlich zugänglichen) Foren ist schon auffällig, manche Kolleginnen/Kollegen reden von “Verlagsmüdigkeit” und suchen auch deshalb nach neuen Wegen.

    Ich kann vieles, sehr vieles in Ihrem Artikel nur dick unterstreichen, aber ich kenne sozusagen beide Seiten der Medaille. Seit etlichen Jahren veröffentliche ich Romane in den vielgescholtenen Publikumsverlagen, seit einem Jahr aber auch Ebooks auf eigene Faust. Manuskripte, die aus unterschiedlichsten Gründen von meinen Verlagen abgelehnt wurden – Zielgrupe zu klein, zu sperrig fürs Genre, können wir nicht positionieren usw. usw.

    Im Gegensatz zu Frau Gerdom bringe ich diese Manuskripte unter Pseudonym heraus (einen der Gründe dafür haben Sie in Ihrem ersten Beitrag angesprochen) und habe gar keine Zeit, dafür Werbung zu machen.
    Trotzdem finden diese Ebooks ihre Leser – und ich freue mich über positive Rückmeldungen.
    Überhaupt ist es sehr reizvoll und macht Spaß, mit dieser neuen Möglichkeit zu experimentieren. Und als im März die Verlagsabrechnungen kamen, hat es mich diebisch gefreut, daß mir mein erstes Ebook innerhalb eines Jahres viel mehr eingebracht hatte als alle Ebookausgaben meiner Printbücher.
    Warum? Fragen Sie mich nicht. Aber etwas schwerfällig und verschlafen kommen mir Verlage mittlerweile doch vor, so rosa wie Sie sehe ich die Verlagswelt nicht mehr.

  6. Caro schrieb am 11. Mai 2013 um 00:35 Uhr

    Ich hatte schon beim ersten Beitrag das Gefühl, dass der Autor hier z.T. hoffnungslos missverstanden wird. Für mich als Laie wurden in beiden Artikeln die Vor- und Nachteile von Selfpublishing vs. Verlagsbücher ordentlich und für mich hilf- und aufschlussreich aufgezeigt. Vielleicht hat da nicht jede Metapher reingehauen, aber meine Güte. Gerade in Hinblick auf die letzten Artikel des Literaturcafés hatte ich etwas Bedenken, nur noch HowTo’s für das Selfpublishing lesen zu können, und es hätte nicht mehr viel gebraucht um den Feed wieder rauszukacheln.

    Ich bin noch lange nicht soweit, irgendetwas veröffentlichen zu können, aber ich habe mich freilich auch schon gefragt, welchen Weg ich einschlagen könnte, um zumindest den Fuß in die Tür zu bekommen (etablierte Autoren könnten wahrscheinlich frei wählen, die Fanherde folgt dann). Die ersten Eindrücke die man dazu so sammelt:

    große Verlage -> vergiss es
    kleine Verlage -> vielleicht hast du Glück
    Selfpublishing -> du könntest morgen berühmt sein

    Von daher finde ich etwas konstruktiven Gegenwind schon angebracht. Der zerstört zwar vielleicht den einen oder anderen Traum, aber auf dem Boden der Tatsachen lassen sich nunmal bessere Entscheidungen treffen, und das seh ich als Intention des Ganzen an. Warum man da irgendwelche aufwallende Gefühle unterstellen muss, erschließt sich mir nicht. Vielleicht hänge ich zu wenig in der Szene.

    Ich danke auf jeden Fall für beide Artikel, die ich zu geeigneter Zeit noch einmal heranziehen werde.

  7. raaknor schrieb am 11. Mai 2013 um 01:55 Uhr

    Hallo,

    vielen Dank für die Antworten auf die Kommentare! Ich finde, dafür hat sich Herr Liehr einen ehrlichen Beifall verdient.

    Offen gesagt bin ich hin und her gerissen. Einerseits fände ich es schade, meine Manuskripte im Selbstverlag zu verbrennen. Ein Lektorat würde ihnen sicher gut tun, und die Werbemaßnahmen eines Verlags sind wohl auch nicht zu verachten. Von Layout und der größeren Reichweite ganz zu schweigen. Andererseits lockt die Aussicht, ohne Erwartungen im Genick tippen zu können. Keine Fristen, keine Titelvorgabe; keine Menschen, deren täglich Brot von den eigenen Ergüssen abhängt. Wenn ich mancherorts von Insidern lese, wie man angeblich als ‘Neuer’ in großen Verlagen gehandhabt wird, dann schiebe ich die Umschläge für die Exposes lieber ganz nach hinten in die Schublade. Von A- und B-Autoren ist da die Rede. Dass von Büchern ein Wirtschaftszweig leben kann, nur die Verfasser idR nicht, dürfte in hiesigen Kreisen bekannt sein. Ein finanzieller Anreiz fehlt somit praktisch.

    Vielleicht hätte ich das Zeug zum Schriftsteller, vielleicht auch nicht, keine Ahnung. Wenn man als Schüler Talent für Naturwissenschaft zeigt, gibt es ‘Jugend forscht’ und eine ganze Reihe von Olympiaden (ich war selbst zweimal auf der Internationalen Physikolympiade). Hingegen in der Literatur kann man scheinbar Berge versetzen und wird dennoch ignoriert. In meinem Regal klemmen inzwischen zwei dutzend Schreibratgeber. Angeblich mit das Beste, was der Markt zum Thema zu bieten hat. Seit vier Jahren tüftle ich an meiner Schreibe, geistere in Foren herum und verschlimmbessere meine Manuskripte (und fast ebenso lange ist es her, seit ich an Verlage herangetreten bin). Langsam dürfte der Punkt erreicht sein, an dem ich allein nicht weiterkomme. Doch alle, die vermutlich helfen könnten, verstecken sich hinter den Festungsmauern eines Verlagshauses, im Montsegurforum, in sündteueren Lektoraten oder Seminaren oder sonstwo, wo man als unbedeutender ‘Müllspucker’ nicht rankommt. Es ist zum Haareraufen.

    Herr Liehr, meinereiner ist dankbar für jeden Ratschlag, was ein Vogel wie ich tun sollte. Ach und ja, mein Nickname ist falsch geschrieben :^)

    Liebe Grüße

  8. Peter L. schrieb am 11. Mai 2013 um 12:38 Uhr

    Sehr umfangreich.
    Für meinen Geschmack aber zu lange und teilweise auch zu umständlich.
    Schade finde ich, dass es keine Spur von Konsens, keine Grautöne gibt. Nur schwarz und weiß.
    Einen (visionären) Blick in die Zukunft vermisse ich ebenfalls.

    Tom Liehr platziert sich eindeutig und unmissverständlich, was heutzutage auch keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

  9. chSchlesinger schrieb am 11. Mai 2013 um 14:12 Uhr

    Jetzt wird Herr Liehr aber zum Hütchenspieler! Ging es zuvor noch um Lottomillionen, ist plötzlich von Germanisten und Publizisten die Rede. Von großartigen deutschen Debüts, mit denen sich vielleicht einige tausend Euro abgreifen lassen. Spielt jemand Lotto wegen einiger tausend Euro?
    Selbstverständlich erhebt wohl kein Selfpublisher Anspruch auf den Ingeborg-Bachmann-Preis. Selfpublishing ist Sex & Crime in allen Spielarten. Seien es nun “Chick lits” oder “Shades of Grey”.
    Den Boulevard schert es einen Dreck, was in der “Frankfurter Allgemeinen” gelobt wird oder in der Süddeutschen oder in der ZEIT. Selbst wenn am Ende mit unverschämtesten Glück vielleicht 100.000 Euro dabei herausschauen. Literatur ist “special Interest”, mag sie noch so weit vorne in den Buchhandlungen stehen. Reines Alibi. Die Masse der Käufer eilt blicklos daran vorbei, hin zu den neuesten Reißern. Wenn man nicht ohnehin bereits im Bahnhofsmilieu zugegriffen hat.
    Sagen wir so: Mit dem redaktionellen Inhalt des “Playboy” tun sich Selfpublisher eindeutig schwerer als Profis. Aber Nacktfotos bekommen sie beinahe ebenso gut hin. Lassen wir den Markt entscheiden!

  10. rackete schrieb am 11. Mai 2013 um 14:28 Uhr

    @raaknorr:
    Deine Larmoyanz interessiert hier nicht, auch nicht deine dutzenden Schreibratgeber und deine diamantene Mitgliedschaft in einem Hobbytippslerforum.

    Das sollte dir als exorbitant intelligentem Menschen eigentlich klar sein.

    Vielleicht doch Physik?

    @Herr Tom:
    Sie verpassen gerade eine Entwicklung und erinnern mich ein wenig an die Internetausdrucker-Politiker der frühen 00er Jahre.

  11. Verlagsautorin schrieb am 11. Mai 2013 um 16:08 Uhr

    Lieber Tom Liehr,

    ich habe schon Ihre “große Manuskriptverschickung” mit viel Vergnügen gelesen. Und ich bewundere, wieviel Zeit und Energie Sie für dieses Thema aufbringen. Literatur wird sich nur im Kosmos der grossen Verlage, der spannenden Rezensionen und der Millionen begeisterter Bücherleser entwickeln. Und nicht in den diversen Selbsthilfegruppen unveröffentlichter “Autoren”, in der vanity-press oder bei Selfpublishern. Es ist schlicht eine Frage der Qualität. In vielen Kommentaren geht es ums Geld, aber offensichtlich nicht einmal um die Rechtschreibung, geschweige denn um die Grammatik. Wortschatz? Figurenzeichnung? Buchplanung? Eher nicht, oder?
    Und nein – der Neid treibt mich nicht an. Mein Verlag unterstützt mich, wo er kann und auch mein neues Buch ist auf der Bestsellerliste. Dafür arbeite ich viel und hart. Und das ist der Rat, den ich den noch unveröffentlichten Autoren geben möchte. Lesen Sie! Schreiben Sie, was Sie gerne lesen! Arbeiten Sie an sich! Und verschwenden Sie nicht Ihre Arbeitszeit damit, in allen Foren herumzuturnen. Und wenn es mit der großen Schriftstellerkarriere nicht klappt – na und? Man kann die Formel 1 auch lieben, wenn man nicht als Pilot mitfährt.

  12. DerDumme schrieb am 11. Mai 2013 um 17:06 Uhr

    Guten Tag Bestsellerautorin,
    was für ein toller aufregender Name, aber wie kommt es, oder mir kommt es (nein keine Bange) vor, als würden sie ähem als würde Ihnen geradwegs Ihre Nase immer länger werden.
    Welche Bestsellerautorin sind sie den und kommt es nun also auf das Bestsellern an (wobei sie sicher nicht dabei sind, warum sollte eine Bestsellerautorin im Literaturcafe schreiben und wenn sie es tut, könnte man sie ja ausrufen (wie im Wartezimmer) und “Frau Bestsellerautorun sie sind dran” rufen.

    Ja Frau Bestsellerautorin, so einfach ist die Welt gestrickt (in einem Bestsellerkopf) Die einen sind gut (mit Verlag) die anderen nicht (ohne Verlag) Frau Bestsellerautorin, ich liebe solche Kommentare, sie sprechen alles aus, aber wirklich alles und hinterher bleibt nichts mehr übrig.

  13. Frank Kandziora schrieb am 11. Mai 2013 um 19:36 Uhr

    Unsere Oma sachte immer: “Hochmut kommt vor dem Fall.”
    Dann sachte se noch: “Wenn einer nix zu sagen hat, aber die Klappe aufreißt, dann sach se besser nix dazu.”

    Danke, Oma! Guter Rat ist besser, als TomToms Tamtam.

  14. raaknor schrieb am 11. Mai 2013 um 21:29 Uhr

    @rackete: Stimmt, das ist mir klar, und Sie haben auch völlig recht. Es tat trotzdem gut, sich mal ein wenig Selbstmitleid von der Seele zu tippen, man möge es mir nachsehen. Abseits davon wollte ich Herrn Liehr einfach wissen lassen, dass der Artikel Menschen wie mich nachdenklich stimmen kann.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

  15. Angela Charlotte Reichel schrieb am 12. Mai 2013 um 14:20 Uhr

    ich zitiere Sie:
    “Vorab: Dieser Text von Tom Liehr richtet sich nicht an jene, die mit der Selbstveröffentlichung irgendwelcher Texte via KDP & Co. ein schönes Hobby für sich entdeckt haben, sondern an Menschen, die sich mit der Idee, Schriftsteller zu werden, zu sein und zu bleiben, ernsthaft auseinandersetzen, aber möglicherweise irrtümlich annehmen, die Aufgabe der Verlage bestünde allein darin, Bücher herzustellen.”

    .
    Angenommen Menschen kämen auf die Idee, einzige Bestimmung der Verlage sei das Herstellen von Büchern.

    Worin liegt die enorme Gefahr, vor der Sie warnen? An irgendeiner Stelle nennen Sie ein Werk, welches, nach meinem, zugegeben, flüchtigen Eindruck, wie eine ständig erweiterbare Werkstatt Instrumente feilbietet. Damit können Schreibende, die nicht denken der Verlage alleinige Aufgabe sei das Produzieren von Büchern, ihre Arbeiten denen angleichen, die vermuten, sie seien die Sachkundig(st)en auf dem Gebiet.

    So etwas ist Zeitgeist. Es gibt auch viele, die sich Nasen, Hinterbacken und Augenbrauen nach anderer Leute Körperteilen nachformen lassen, weil sie vermuten, die seien schöner und führten zu Erfolgen.

    Allgemeiner Abschied von Alleinstellungsmerkmalen oder grundsätzliche Faulheit, selbstständig nach einer Lösung zu suchen?
    Die Behauptung, das Rad müsse nicht ständig neu erfunden werden, wird durch die weltweit unterschiedliche Weiterentwicklung des Rades zur Floskel.

    In Foren kochen immer die gleichen Wisser an den gleichen Suppen für unwissende Esser? Fühle ich ähnlich. Egal, welche Tür aufgemacht wird, dieselben sind immer schon da. Und es gibt alle möglichen Bemüher. Die, die anderen nachrennen, selbst gehen, nichts tun, abschreiben, Rezension gegen Rezension tauschen, Gefällt-mir – Marathons starten, Endlosteiler, Gegenseitigkaufer, Dauerkopierer. Es gibt jene, die hofieren, probieren, testen, löschen, neu schreiben, jammern, klammern, still bleiben, laut schreien … es gibt die Neider und Nichtleider, die Affektierten und die Angeschmierten. Es gibt die Tuschler und die Aufrichtigen und deren Gegenüber. Und viele mehr, alles, was unter Menschen überall üblich ist, bleibt und geworden ist.
    Unter Verlagsautoren wie unter Nichtverlagsautoren, unter Hausfrauen wie unter Unternehmerinnen.

    Im Zusammenhang mit Self Publishing gibt es kaum irgendetwas ohne Verkaufszahlen oder Verdiensten, Ranking und Preisstaffelung. Informationen, Diskussionen, die alle mehr oder minder etwas mit Geldverdienen zu tun haben sollen und es nur in Einzelfällen wirklich erreichen.

    Der Kunde Leser liest mit und wird informiert, auf welche Weise er geködert werden kann, wie er als Markt aufgeteilt wird, wie dick die Scheibe Schinken ist, die er auf des Autors Brötchen finanziert.

    Wem`s gefällt. Rechter als recht hat keiner von allen. Es ist ein reines Vertreten eigener Ansichten, von mir aus Glaubensbekenntnisse, was auch immer.
    Es ist m e n s c h l i c h.

    Schriftsteller sein ist ein freies Leben. Diese Freiheit geht in all dem baden und ertrinkt, was daran hindert, frei zu sein. Freiheit ist selbst bestimmend. Sie bedarf einerseits Disziplin und sich zu sich bekennen und andererseits ein paar banal anmutende Voraussetzungen. Meinen die einen, dies biete ein Verlag, ist das meines Erachtens genauso rechtens wie die Überzeugung all derer, die auf anderen Wegen gehen.

    Eine Vorstellung teile ich. Verlage suchen in der Mehrzahl keine Werke. Sie suchen Handwerker, die in ihrem Auftrag und Sinn genau das produzieren, von dem angenommen wird, die Leserschaft sei gewinnbringend.

    Na und?

    Eilten die einen den Verlagsautorenideen und die anderen den Manifestideen der alles selber machenden Nichtverlagsautoren mit der Werkzeugausgabe nach, blieben Sie derjenige, der über all dem steht und die Richtung vorgibt, nämlich hin zu IHREN Vorstellungen?

    Woher wissen Sie alles und warum glauben Sie daran; an sich, was sie tun, was sie unterlassen?

    Was unterscheidet Sie von all denen, die auch an sich glauben und demnach weniger an Sie?

    Machen Sie und viele andere das Werten, Bewerten, Beurteilen, Vergleichen künstlerischer Arbeiten nicht am Ergebnis, sondern an der Machart fest? Ich weiß jetzt schon, ich wähle einen hinkenden Vergleich, frage dennoch: Ist ein handgestrickter Pullover weniger wert als einer aus der Produktionslinie? Na hallo, da hat aber jemand nie ein 3 Euro 99 Maschinenstrickteil gesehen.

    Oder reden wir von Marken? Ist eher der Mensch einer Marke nahe (wenn es auch komisch klingt) als ein Verlag?
    Schriftsteller, Autor, Verlag unter die sogenannten Räder kommen können sie jederzeit. Einzeln und als Paket.

    »Lobe den Sonnenuntergang erst als schönsten, wenn Du sicher sein kannst, Du erlebst keinen weiteren. (ACR)

    Folgten Sie mit Ihren Ausführungen ausschließlich dem menschlichen Drang eines Autors, über die Erfahrung mit den eigenen Werken zu sprechen, brauchte es weder den Umfang noch die unendlichen Füllworte, Worthülsen und Beispiele.
    Demnach folgere ich subjektiv, Sie wollen polarisieren.
    Mit welchem Ziel?
    Ich gebe zu, an einigen Stellen Ihrer Ausführungen habe ich herzlich gelacht. An anderen wurde ich lediglich von der Kaffeetasse in der linken und der Maus in der rechten Hand daran gehindert, eine unanständige Handbewegung zu machen. Das geht mir bei Bohlen aber auch so und bei der Schwarzer. Auch Nietzsche reizt mich gelegentlich zum Kopfschütteln, Stirnklopfen oder zum „Aha“, dem Effekt, der weiterbringt und weiter bringt. Bei Bohlen denke ich eher an einen Narziss, bei Frau Schwarzer daran, wie viel einfacher es zu sein scheint, für Prinzipien zu kämpfen als in ihnen zu leben, na und Nietzsche steht für mich als ein Beispiel, was einem anderen in den Mund gelegt wird, der sich nicht mehr wehren kann.

    Aber ich komme beim Lesen Ihrer Ausführungen nicht weiter, erkenne nicht, wohin Sie wollen mit dem Leser, dem Einseher, dem Erkenner, dem Jubler oder dem Widersprecher. Gut, es käme noch der Frager hinzu. Ich rechne mich zu Lesern und Fragern.

    Ein Mann wie Sie (Gendertechnische Schnörkel lasse ich weg- es könnte auch eine Frau wie eben nicht Sie, sondern eine –irgendeine- Frau, die von der Sache gleichviel oder gleichwenig oder Gleiches versteht oder gleiche Ansichten vertritt oder so …. Sie merken, ich bin eine, die das mit der Frau/Mann Trennung einfach nicht hinkriegt, und eher Mensch sagt. Nur klingt in diesem Falle: „Ein Mensch wie Sie“, … untertonbehaftet und so bleib ich ganz bei mir, und wie ich bin, und komme auf -à ‚Ein Mann wie Sie‘, zurück.)

    Also: Ein Mann wie Sie sollte nach meiner Vorstellung nicht nur polarisieren und auch nicht in seine Richtung weisen. Ein Mann wie Sie verfügt über Möglichkeiten, zum Nachdenken anzuregen, dem Aha – Effekt ans Licht der Erkenntnis zu verhelfen. Ich bekomme den Vergleich mit Lotto spielen und der Chance, Manuskripte an Verlage zu schicken und Beachtung zu finden mit Einschränkungen zusammen. Lottozahlen werden gezogen und hängen nicht einen Deut daran, ob der Redakteur der Sendung zurzeit Stress mit seiner Frau durchlebt.

    Der Lektor, und sei er noch so professionell, der gestern auf einer zu kurzen, schmalen Couch nächtigen musste, nachdem ihm seine Frau was von Gleichberechtigung geblasen hat, wegen des Mülleimers, wird heute früh die feministischen Anwandlungen eines Manuskriptes vollkommen anders werten als der Macho, der über solchen Krümelkram sowieso nur lacht. Ich bin sicher, der eine kann es nicht ertragen und der andere feixt sein: „Lass sie mal“, in die Kurznotiz, dies solle sich noch jemand anderes anschauen. „Lesenswert. Lustig allemal.“

    Lottospielen, Suizid, was auch immer Sie noch beispielhaft heranziehen, hätte zu allen Zeiten zur Verhinderung einer Veränderung geführt. Und! Stets ist so etwas auch versucht worden. Anderssein ist Unsicherheit. Für wen? Fürs Alte? Es hat sogar Kriege gegeben, zwischen Fortschritt und Stillstand oder gar Rückschritt. Niemand wollte Wege frei machen. Raum schaffen. Zurücktreten.

    Sofern Sie jedoch über den Büchermarkt reden, von Schriftstellern, Autoren, Dichtern geht es nicht ums Wegfreimachen. Es ist kein Verdrängungsprozess. Es sollen nicht die Pferdekutschen durch Lastkraftwagen abgelöst werden. Es bieten sich durchs Internet andere Wege, weitere Möglichkeiten, zusätzliche Entfaltungen, Ausgangspunkte für Experimente. Menschen leben länger. Sie sind geistig beweglicher, sie haben in den letzten Jahrzehnten an Mobilität gewonnen. Nicht nur die elitäre Gruppe verlagsbestätigter Menschen hat etwas zu sagen. Da ist was herangewachsen seit der Erfindung des Buchdrucks.

    Seit Menschengedenken sind Versuche die Grundlage für Umbrüche, Veränderungen, Abweichungen, Neues. Ist nicht alles, begonnen vom Entdecken und N u t z e n des Feuers, bis hin zum Erforschen ferner Galaxien, eigens das Menschausmachende? Pioniergeist?

    Stellen Sie sich vor, alle wären denen gefolgt, die einst behauptet haben, Eisen könne weder schwimmen noch fliegen. Es haben sich Menschen verbrennen lassen für ihre Überzeugung, die Erde sei keine Scheibe und nun sollen wir schamhaft den Kopf einziehen und schweigen, weil Sie befinden …

    Und nun kommt´s: Was befinde Sie denn überhaupt? Was wollen Sie sagen mit Ihren Artikeln. Wovor haben sie es nötig, Schriftsteller, Autoren, Self Publisher, Verlage, Amazon, Leser … ?sich? zu bewahren, retten, schützen?

    Mal angenommen, ich wäre überzeugt, Beton könnte singen, warum sollte ich damit nicht so lange experimentieren, bis ich keine Lust mehr habe oder der Inhalt meines Betonmischers Charleston tanzend Arien singt?

    Einzige Einschränkung: Sollten Sie aus irgendeinem unerklärlichen Grund an meine Versuche gekoppelt sein, im oder außerhalb des Betonmischers, könnte ich Ihre Unbill verstehen. Dann wären Sie mit Bemerkungen wie Dreck oder Müll sogar den Ausgangsprodukten nahe. Verdonnerte Sie jemand, meine Betonsingexperimente zu finanzieren, verstünde ich, Sie unterstellten mir überkandidelten Schwachsinn.

    Aber so.

    Was nun?

    Beste Grüße
    ACR

  16. GeorgF schrieb am 13. Mai 2013 um 01:09 Uhr

    Es macht durchaus Spaß längere Beiträge zu lesen, ob man immer Romane schreiben muss, ist natürlich eine andere Frage. Für Selfpublisher ists vielleicht okay, in der harten Verlagswelt müsste man wohl 3/4 kürzen.

    Dennoch vielen Dank für die umfangreiche Antowrt, das persönliche Eingehen auf die Kommentare ist besonders toll. Und kontroverse Meinungen bekommt man zu unserer glattgeschliffenen Zeit auch selten.

    Nur leider konnte ich mich weder auf den ersten, noch auf den zweiten Text konzentrieren, recht zeitig komme ich auf den Beispiel mit Lotto bzw. dem Wald und verstehe ich den Autor nicht mehr.

    Lotto wäre für mich eher ein Vergleich zum klassischen Markt- da schickt man jahrelang Manuskripte durch die Gegend, die Wahrscheinlichkeit ein Bestsellerautor zu werden ist noch geringer als bei Lotto.
    6 Richtige entsprechen wohl der mehr oder weniger regelmässigen Veröffentlichung mit 10 000er Auflage und 50 Cent pro Buch.
    Im ersten Beitrag wurde ja schön gezeigt, wie wenige Autoren von ihrem Werk leben können.

    Einfach mal sein Werk bei Amazon und Co. zu veröffentlichen, ist doch alles andere als Lottospielen?! Da nimmt man die Sache selbst in die Hand statt abzuwarten.

    Auch wird man online doch eher entdeckt, im Thalia steht wohl nicht jedes 10000er Auflage-Buch. Auch gibt der Kunde lieber 2,59€ als 9,99€ für ein Buch eines unbekannten Autors aus.

    Wie gesagt die Metapher gegen Selfpublishing würde ich der Verlagswelt zuornden.

  17. Reiner schrieb am 13. Mai 2013 um 10:36 Uhr

    Koexistenz!
    Überlegungen zum Self-Publishing sind ja immer willkommen. Was macht es allerdings für einen Sinn, SP und Verlagsautoren zu vergleichen oder die Wertigkeit zu gewichten? Self-Publishing existiert nun mal und man wird es auch nicht mehr weg bekommen. Es wird Autorinnen und Autoren geben, die über SP gute Umsätze machen und gute Literatur schaffen – zur Freude der Leser! Es wird Autoren geben, die trotz Verlag kaum Leser finden, scheitern und wenig verdienen. Qualität kann bei beiden Veröffentlichungsformen vorhanden sein – oder auch nicht.

  18. Kerstin Rachfahl schrieb am 13. Mai 2013 um 12:38 Uhr

    Schade – eigentlich bin ich immer gut im Verstehen von komplizierten Artikeln, doch hier fehlt mir der strukturelle Aufbau der Argumente und die klaren Aussagen. Ich finde die Vergleiche und Anregungen sehr interessant und sie werden ja auch bewusst provozierend geäußert. Schön – so kommen Diskussionen zu Stande.
    Es gibt aber etwas was hier meiner Meinung nach falsch dargestellt wird und das ist das Marketing. Auch Verlage suchen Autoren, die bereits eine Plattform haben und zwar in diesem Fall eine “Internet” Plattform. Autoren, die mit ihren Lesern in Kontakt stehen, mit ihnen interagieren und vielleicht sogar bereits eine eigene Fangemeinde aufgebaut haben. So kann ein Verlag viel besser seine Risiken abschätzen. Auch ein Verlagsautor muss eine Selbstvermarktung betreiben. Kein Verlag kann das leisten.
    Ein letzter Aspekt: Am Ende entscheiden die Leser und Leserinnen, wer als Autor sein Geld mit dem Schreiben verdienen kann. Nicht der Weg, den ein Autor zum Publizieren wählt. Meine Zielsetzung ist es am Ende einen Namen zu haben, der den Lesern bereits sagt, was sie zu erwarten haben. Dafür brauche ich Qualität, ein Gespür was meine Leser/Leserinnen mögen und meine eigene Erzählstimme. Ich kann es mir als selbstpublizierende Autorin gar nicht leisten – Schrott abzuliefern. Insofern neigen Sie mit ihren Argumenten gerade selbst dazu die Autoren – welchen Weg sie auch wählen für ihre Veröffentlichung – über einen Kamm zu scheren. Weder ist der Weg über den Verlag ein Garant für den Erfolg – noch der Weg als selbstpublizierender Autor.
    Wieder etwas gelernt :-)

  19. Kerstin Rachfahl schrieb am 13. Mai 2013 um 20:29 Uhr

    In diesem Fall hoffe ich, dass dies nicht die Zukunft ist – ich möchte ja nicht an dem Tod eines Menschen schuldig sein *LOL*
    http://forum.42erautoren.de/wbb3/index.php?page=Thread&threadID=21775&pageNo=4

  20. raaknor schrieb am 13. Mai 2013 um 23:04 Uhr

    @Kerstin Rachfahl: Vielen Dank für den Link :D Finde ich spannend zu lesen, was da so geschrieben wird …

  21. Tom Liehr schrieb am 13. Mai 2013 um 23:13 Uhr

    Liebe Kerstin Rachfahl,

    ja, Schande über mich, denn ich habe genau das getan, wogegen ich zuvor so vehement argumentiert habe: Einen Einzelfall heranzuziehen, der natürlich nichts beweist oder widerlegt, sondern, wie die Bezeichnung schon sagt, nur ein Einzelfall sein mag. Nichtdestotrotz. Die Steilvorlage haben Sie selbst geliefert, indem Sie in Ihrem Kommentar auf das eigene Werk verwiesen und in diesem Zusammenhang erklärten, “es sich nicht leisten zu können, Schrott abzuliefern”. Da lag es für mich nahe, dem Link auf die Website zu folgen – was mich zunächst zum Schmunzeln gebracht hat, denn der allererste Satz, den man dort lesen kann, lautet wie folgt: “Letzte Woche war ich eine ganze Woche in Graz.” Dem Schmunzeln – an dieser Stelle vermutete ich noch, dass es sich um einen Flüchtigkeitsfehler handelte, eine Nachlässigkeit, die jedem mal unterlaufen kann, und auch Leuten, die sich Schriftsteller nennen – folgte bei der Lektüre weiterer Texte auf der Site eine gewisse Ernüchterung, die schließlich an Fassungslosigkeit grenzte, als ich feststellte, dass Ihr “Hannas Wahrheit” auf Platz eins der Kindle-Gratis-Charts steht, munter begleitet durch Formulierungen wie “Spannungsroman ab 18 Jahre (wegen dem Verständnis und dem Thema)” oder die qualitätssichernde Behauptung, der Roman wäre “durch ein Lektorat und Korrektorat gegangen”. Immerhin vergeht sich die Leseprobe (drei Seiten habe ich geschafft) nicht so sträflich am Genitiv, wie das beim Begleittext geschieht, entpuppt sich aber schnell als gutes Beispiel dafür, wie roh und holprig die meisten solcher Selbstveröffentlichungen daherkommen. Es mag sein, dass es sich prinzipiell um eine interessante, gar spannende Geschichte handelt, aber ohne den aktuellen Anlass hätte ich nach der Lektüre der Produktbeschreibung niemals die Leseprobe abgerufen, und nach deren Lektüre wiederum wäre ich nicht auf die Idee gekommen, den Roman zu kaufen – auch für null Euro nicht. Nichts für ungut. Sie haben bei diesem Veröffentlichungsweg immerhin die Chance, auch bereits verfügbare Produkte jederzeit nachzubessern, und möglicherweise wäre es, wenn Sie im Hinblick auf die eigene Arbeit wirklich so anspruchsvoll sind, wie Sie ausführen, eine gute Idee, genau das zu tun.

    Ich habe die fraglichen Stellen im Rahmen einer Forendiskussion zitiert und absichtlich nicht hier, aber vielleicht hat es auch etwas Gutes, sich am Rande mit konkreten Fällen auseinanderzusetzen. Umgekehrt steht es natürlich auch jedem frei, meine Texte zu zerfleddern, die mit Sicherheit alles andere als fehlerfrei und dramaturgisch oder stilistisch perfekt sind.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  22. raaknor schrieb am 14. Mai 2013 um 00:54 Uhr

    Hallo,

    im verlinkten Thread wurden stilistische Schwächen zweier Indie-Werke aufgezeigt. Da drängt sich die Frage auf, ob Bücher aus Verlagen wirklich so viel voraus haben. Sucht man auf Amazon nach Tom Liehr, so folgt als erstes Ergebnis der Roman ‘Leichtmatrosen’.

    Der erste Satz lautet: ‘Bei Entwurf stand irgendwann die Entscheidung an, die Originalschauplätze […] mit ihren richtigen Namen zu nennen oder diese durch Fantasiebezeichnungen zu ersetzen.’
    Laut Stilfibel sollte man ‘diese’ nur in Verbindung mit einem Hauptwort nutzen, sonst klingt es unnatürlich. Nachzulesen auf Seite 26 unter diesem Link: http://books.google.at/books?id=4maXIWOQOSIC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false
    (Manchmal sind Seiten ausgeblendet, dann muss man es später noch einmal probieren.)

    Weiter geht es mit dem zweiten Satz: ‘Ich habe mich für Ersteres entschieden […]’
    In der Stilfibel, ebenfalls auf Seite 26, findet sich eine Bemerkung zu Ersteres und Letzteres.

    Satz drei: ‘Dadurch könnte aber der Eindruck entstehen […]’
    ‘aber’ erscheint mir hier wie ein Füllwort. Eine Anmerkung dazu findet sich bei Punkt 4 unter diesem Link, einer Hinweisliste, die auf Wolf Schneiders Buch ‘Deutsch für Profis’ beruht: http://www.fh-bonn-rhein-sieg.de/informatikmedia/-p-1300.pdf?rewrite_engine=id

    Macht drei Stilschnitzer in drei Sätzen. Natürlich könnte man dagegenhalten, es handelt sich bloß um ein Vorwort. In besagtem Thread wurden jedoch auch Dinge bemängelt, die nicht zur Prosa zählen, deshalb erschien es mir fair, hier beim Drumherum ebenfalls genauer hinzusehen.

    Im ersten Satz der Erzählung tauchen vier verschiedene Namen auf, zum Teil sogar mehrfach. Ich persönlich fühlte mich ein wenig erschlagen. Dass Laurie Curts Schwester ist, ließe sich bestimmt auch später einbauen. (Die konkreten Lieder danach haben mir hingegen sehr gefallen.)

    Liebe Grüße

  23. Silka Rödl schrieb am 14. Mai 2013 um 08:25 Uhr

    Sehr geehrter Herr Liehr,

    ich möchte gar nicht Argumente für und wider Ihre beiden Artikel niederschreiben, denn vieles ist schon genannt worden: weitgehend zutreffende Analyse der Situation, aber Über-Länge, argumentative Schwächen, v.a. aber die unverständliche Absicht, die oft grobe Respektlosigkeit und Unsachlichkeit – und das nicht nur in den Fotos und der Müll-Analogie. Ich persönlich finde es einfach nur schade, dass Sie hier nicht sachlicher schreiben konnten. Dass Sie unterhaltsam schreiben wollen, sei Ihnen nicht verwehrt, aber so, wie Sie Ihre Artikel nun einmal verfasst haben, haben Sie Ihr selbsterklärtes Ziel, die Diskussion zu versachlichen, schlicht und einfach verfehlt, bzw. gar das Gegenteil produziert.

    Vielleicht kennen Sie schon folgenden Essay. Wenn nicht, möchte ich Ihnen die kurze Lektüre gern ans Herz legen, denn ein weitsichtiger Gleichmut wie der des (etablierten) Autoren würde Ihnen sehr gut anstehen in dieser Diskussion. Alexander Kluge: Die Entsprechung einer Oase: Essay für die digitale Generation (erschienen bei mitkrotext.de).

    Das einzige, was mir als Leserin am SP-Markt nicht gefällt, ist seine Unübersichtlichkeit. Man muss sich viel Zeit nehmen, um nach Perlen zu suchen. Aber der Markt ist noch jung, und es bilden sich schon Besprechungs-Foren (wie bereits in anderen Kommentaren benannt), die Licht in diesen Dschungel bringen wollen. Und, ich stimme Ihnen da zu, es gibt natürlich auch viele Perlen unter Verlagsveröffentlichungen.

    Und der Rest ist einfach leben und leben lassen. M.E. haben Ihre Artikel dem/ der einen oder anderen Autoren/in einige profitable Einblicke verschafft, aber im großen und ganzen die Diskussion Verlagsautor vs. Self-Publisher eher noch angeheizt. Gut gemeint, ist einfach nicht gut. Schade. Vielleicht hätten Sie einfach Ihre eigentlichen Beweggründe transparenter reflektieren können. Dass Sie die Diskussion versachlichen wollten, glaube ich Ihnen nicht. Was ich Ihnen glaube, ist, dass Sie nicht von Neid, Panik o.ä. getrieben sind, sondern vielmehr, dass Sie von den tatsächlich manchmal ganz schön anstrengenden Hilfestellungs- und Diskussionsforen zum SP schlicht und ergreifend genervt sind. Aber hey, das ist das digitale Zeitalter (zu dem auch die Möglichkeit gehört, Texte zu veröffentlichen, die von manchen Menschen als qualitativ minderwertig erachtet werden – von anderen aber wiederum nicht). So what? Let’s get used to it!
    Selbstverständlich gilt das auch für Sie und Ihr Recht, Ihre Meinung in der von Ihnen gewählten Form zu veröffentlichen.

    MfG – Silka Rödl

  24. Kerstin Rachfahl schrieb am 14. Mai 2013 um 09:16 Uhr

    Hallo Tom Liehr,
    es ist richtig, dass ich mit der deutschen Sprache erhebliche Probleme habe. Das liegt daran, dass ich Legasthenikerin bin. Der Grund warum ich niemals auf die Idee gekommen wäre, Schriftstellerin zu sein.
    In meinem Blog schreibe ich so wie ich bin, mit allen Fehlern und Schwächen, aber auch mit meiner Persönlichkeit und meinen Stärken.
    Nein, Sie gehören nicht zu meiner Zielgruppe und genau das möchte ich auch sicherstellen, wenn Sie auf meinen Blog kommen oder sich für meine Bücher interessieren. Die Leseprobe ist eine weitere gute Möglichkeit im Vorfeld zu entscheiden, ob das Buch ihren Erwartungen entspricht oder nicht. Deshalb gefällt es mir so gut auf diese Art zu publizieren. Im Notfall können Sie einen Kauf sogar rückgängig machen, was der eine oder andere Leser/Leserin auch macht und das ist völlig in Ordnung für mich.
    Das ich auf Platz 1. bei den kostenlosen Büchern stehe, liegt sicherlich nur daran, dass nicht sehr oft kostenlose Bücher angeboten werden, die neu sind. Also bitte daraus nicht auf die Leser/Leserinnen schließen – das sie einen schlechten Geschmack haben. Von den Downloads 4.303 (Stand 14.03.2013 8:44), werden vielleicht 1-4 Menschen das Buch tatsächlich lesen. Vielleicht wie Sie nicht mehr als drei Seiten. Allerdings haben mir schon 4 Menschen ein “Gefällt mir” gegeben seit der kostenlosen Aktion von Sonntag – egal das sind Statistiken, dann lassen Sie es halt 10 sein.
    Ich trage die Risiken selber, was für mich kein Problem ist, da ich in meinem anderen Job als Mitinhaberin eines IT-Unternehmens gut verdiene. Ich habe mir meinen Lektor ausgesucht und arbeite sehr gerne mit ihm zusammen. Andere renommierte Verlage übrigens auch ;-) Pro Seite kostet ein Lektorat zwischen 6,50 – 7,50 Euro, so bisher meine Erfahrung. Mein Korrektorat ist von einer Freundin gemacht worden, die normalerweise sehr gut in Rechtschreibung und Grammatik ist. Sie arbeitet die Geschichte nach dem Lektorat durch. Ein Leserin, ebenfalls Lektorin, hat mir dann nochmal Fehler aufgezeigt, die ich aber weder meinem Korrektorat noch Lektorat ankreiden kann, weil ich später bei der Umwandlung in das EPub, Änderungen vorgenommen habe. Deshalb werde ich den Arbeitsprozess in Zukunft verändern – Sie sehen ich lerne nie aus :-)
    Ich bin nicht der Meinung ein supertolles, geniales, wortgewandtes Buch geschrieben zu haben, dass irgendwann in den Bestsellerlisten steht und durch seine präzise deutsche Sprache die Literaturlandschaft von Deutschland bereichert. Aber mein erstes Buch – von dem zweiten kann ich noch nicht viel sagen – hat Menschen erreicht, sie berührt, sie zum Nachdenken gebracht und das bedeutet mir sehr viel mehr. Wenn ein Reiter in Zukunft darüber nachdenkt, das Pferde Wesen sind, die in unglaublicher Weise bereit sind uns zu tragen und er/sie anfängt darüber nachzudenken, was diese Tiere wirklich brauchen – dann habe ich mehr erreicht als ich jemals zu hoffen gewagt habe. Schauen Sie mal bei Duke auf ein paar Rezensionen, natürlich nur wenn Sie Zeit und Lust haben. Ah – vergessen, Sie denken bestimmt, diese wären manipuliert – egal wichtig ist was meine Leser denken :-)

    Legastheniker zu sein ist für mich keine Entschuldigung falsch zu schreiben. Es zeigt nur, dass es für jeden Lektor/Lektorin eine echte Qual und Herausforderung ist mit mir zu arbeiten. Ein Verlag kann sich eine solche Autorin nicht leisten und ich wäre auch nie über die Eingangshürden gekommen. Insofern stimmt es, dass Verlage die Torwächter sind für qualitativ, hochwertige Literatur – *LOL* oder Sie sollten es sein. Offensichtlich gibt es auch eine Zielgruppe für meine Literatur – Menschen, die gute Geschichten lieben und für die einfache Worte in Ordnung sind. Ob ich irgendwann von dem Schreiben leben kann? – Das wird die Zukunft und meine Leserinnen entscheiden. So wie bei allen anderen Autoren/Autorinnen auch :-)

    Liebe Grüße
    Kerstin Rachfahl

  25. Kerstin Rachfahl schrieb am 14. Mai 2013 um 09:49 Uhr

    P.S. völlig meine gute Erziehung vergessen.
    Danke für den Hinweis mit dem Fehler “National Geografics” – was natürlich richtigerweise “National Geographic” lauten müsste. Ist ausgebessert und müsste bald richtig erscheinen.

  26. Angela Charlotte Reichel schrieb am 14. Mai 2013 um 10:45 Uhr

    Zitat:
    “Da drängt sich die Frage auf, ob Bücher aus Verlagen wirklich so viel voraus haben.”

    Ich füge in diesem Zusammenhang meinem Kommentar s.o. #15 hinzu:

    Die Frage drängt sich mMn nicht auf. Sie ist vollkommen unschuldig. Sie ist bei allen möglichen Gelegenheiten immer wieder hervorgeholt worden, ist weiterhin präsent.

    Im stetigen Drang des Vergleichens wird sie von uns selbst erschaffen. Ob dieses ewige Gegenüberstellen wirklich Ergebnisse bringt, wird die Zukunft zeigen. Vor allem, -welche- Ergebnisse und für wen.

    „Du bist dünner als ich, ich bin größer als Du, er ist jünger als sie, so alt ist sie, aber niemand sieht ihr – mangels Falten- das an.“ Was bringt´s? Die Menschen schnippeln und spritzen und salben und übermalen, haben Essstörungen, Depressionen, Burn out und was nicht alles. Nun soll noch dazukommen- „Du bist nur ein Allesselbermacher, Du gehörst nicht zu uns, so lange Du nicht beweisen kannst …“

    Bisher habe ich noch keinen Verlag(svertreter) gefunden, der behauptet, die Werke “seines Verlages” seien durchweg fehlerfrei und stilistisch auf makellosem Stand. Ein öffentliches sich gegenseitiges “Fehlerumdieohrenhauen” ermöglicht keine freie Debatte. Gespräche wie:
    ” So lange Du die Kommas nicht richtig setzt, hast gar nichts zu sagen!”, führen in die Totschlagargumentenkammer. Damit steigern wir das ewige Vergleichen. Dann geht es nicht mehr (nur) um Verlagsautor gegen Self Publisher, sondern Mensch gegen Mensch.

    Verschwenden wir womöglich Ressourcen , wenn wir Argumente in den Raum werfen, die nichts anderes als Schweigen, Verteidigungs- oder Angriffshaltung ermöglichen? Na gut, eingeschnappt könnte der eine oder andere noch sein.

    Verhindern wir Schaffensperioden, Experimente, Diskussionen, ja Kommunikation insgesamt, wenn nur noch reden, schreiben, kreativ sein darf, wer sich in einem vollkommen fehlerfreien Raum bewegt?

    Und vor allem … mal angenommen, den gäbe es wirklich: Wer ist der Prüfstein, auf dem das Siegel der Würdigkeit vergeben oder das Werk zerschlagen wird? Wer wird durch wen zu etwas gemacht, was über allem steht und “gut” oder “schlecht” stempelt oder “würdig” und “unwürdig”?

    Nur wegen der Behauptung, Self Publisher könnten Verlagsautoren „nicht das Wasser reichen“, mit dem Umdrehen des Spießes reagieren? Wozu? Welches Ergebnis bringt so etwas?

    Es gibt Tatsachenberichte von Verlagsautoren, da steigen einem die Tränen in die Augen. Selbstbezeichnungen wie “Schreibsklave” und “Schreibmaschine”, der Monatslohn eines Normalverdieners als Jahreseinkommen, schreiben auf Bestellung in Zeitnot, Verstümmelung der eigenen Manuskripte bis zur Unkenntlichkeit, wird beschrieben und allerhand mehr.
    Darüber könnten nun wieder die Self Publisher lachen. Andersherum glänzen einzelne Self Publisher mit Jahresverdiensten, die den, der seine Autorate kaum zusammenbringt, in die Tischplatte beißen lässt.

    Verlag, nicht Verlag, Agentur, nicht Agentur, gedrucktes Buch, eBook, hungernd weiterschreiben statt Brotberuf – die Entscheidung trägt der Einzelne für sich.
    Warum lassen wir uns das nicht? Warum sollte ein Verlag oder ein singender Frosch, ein hüpfender Vogel, ein umgedrehtes Bügeleisen oder was auch immer, einem Buch etwas verleihen, was andere auch nur -glauben- können. Wissen wissen´s alle nicht.

    „Was drauf steht, ist auch drin“-, hier besser: „Was ich erwarte, finde ich auch vor“ ist gerade bei Büchern eine Frage des ganz persönlichen Empfindens. Darüber reden wir hier auch gerade, Verlag garantiert keine Fehlerfreiheit, SP auch nicht, Bestseller wird X Mal gekauft, davon wahrscheinlich zu einem hohen Prozentsatz gelesen und die einen finden die Geschichte toll, die anderen weniger und wieder andere wundern sich, warum das jemand Klasse finden kann.

    Den einen ist das egal, sie schreiben weiter, andere tummeln sich in allen möglichen Foren und Gruppen, suchen Vergleiche und hoffen auf Bestätigung.

    Und bitte, habe ich nicht hier auch schon die Werbung gelesen, jeder könne schreiben lernen und bietet nicht der eine oder andere sogar an, jedem das Schreiben beizubringen? Liebesdienste? Freien Herzens anderen zu Ruhm verhelfen? Oder knackige Dienstleistungen gegen Kohle? Und dann? Ein nunmehr begabt gemachter Mensch ist sozusagen begabt worden von einem anderen begabten begabt gewordenen Menschen. Gegenseitiges Hochloben, ebensolches Bedanken. Tolle Bedarfslenkung. Klappte kurz nach der Wende vor allem im Osten. Aber die Zeiten sind doch vorbei.

    Wird vergessen, es gibt immer nur einen 1. Platz? Einer beißt nun mal in das letzte Brötchen und/oder lebt mit knurrendem Magen. Sollte die Jagd nach dem 1. Platz tatsächlich irgendwann jede Kreativität hintenanstellen?

    Ob nun bei “Kostenlos,- unter 1 Euro oder geben sie einfach was Sie wollen” … wenn es nur einer macht, hat er den 1. Platz, gehen 10 den Weg, ist einer 10. Selbst die Möglichkeit, alle teilten sich einen Platz, tauchte den im Topf der Beliebigkeit bis auf den Boden.

    Wir sind 100 000e … wohin sollte ein „Kampf“ führen? 100 000e erste Plätze gäbe es bei 100 000en Kategorien, die dann auch wieder entsprechend aufgeteilt werden müssten- unter den Hunderttausenden. Dann beginnt der Kampf um zwei oder drei oder mehr Kategorien? Oder hat der schon begonnen?
    Macht das Sinn? Welchen?

    Beste Grüße
    ACR

  27. Maarten Donders schrieb am 14. Mai 2013 um 11:47 Uhr

    Tom, nur kurz, weil ich nicht gerne verzerrt dargestellt werde. Du schreibst in Deiner Antwort auf meinen Kommentar: ‘ Ich muss mir also einerseits egoistischen Konservatismus vorwerfen lassen…’
    Was den Eindruck erweckt, irgendetwas mit meinem Kommentar zu tun zu haben, was es nicht hat. Diese Vorwürfe sind aus meiner Sicht hahnebüchener Unsinn.

    Ich bin auch kein Autor, der auf einen Zug setzt, sondern lediglich ein Leser, der beobachtet, wie sich der Markt ändert. Eine Beobachtung, die ich bei BoD nicht gemacht habe.

    Zu Deinem neuen Artikel: Vieles kann ich nachvollziehen, aber Bemerkungen wie diese: ‘Die Entscheidung für die Sekten »Selfpublisher« oder »Verlagsautoren« (diese Sekte gibt es übrigens nicht)’ finde ich schade. Natürlich gibt es die Sekte ‘Selfpublisher’ ebenfalls nicht. Wozu die Pauschalisierung?

  28. Tom Liehr schrieb am 14. Mai 2013 um 12:12 Uhr

    Liebe Kerstin Rachfahl,

    Autoren und Schriftsteller mit Lese-Rechtschreib-Schwächen sind keine krasse Seltenheit, ich kenne persönlich einige, und es gibt auch berühmte Beispiele (an dieser Stelle wird in aller Regel Ernest Hemingway genannt). Je nach Ausprägung stehen heutzutage technische wie menschliche Helferlein schnell und kostengünstig zur Verfügung, weshalb LRS kein Grund ist (und auch nie war), eine Tätigkeit wie die Schriftstellerei nicht aufzunehmen. Falls man derlei jedoch nicht offensiv kommuniziert, entsteht beispielsweise bei einem Besucher Ihrer Website der Eindruck, hier würde sich jemand, der sich Autor schimpft, nicht sonderlich um Rechtschreibung, aber auch eher kaum um gute Formulierungen bemühen (wenn der Besucher etwa Sätze liest wie “Ursprünglich war ich bei meinem Roman Hannas Wahrheit mit einem Rüstungskonzern am liebäugeln.)”. Dieser Eindruck wäre nicht weniger als katastrophal, denn beim Schreiben geht es vorwiegend um solche Aspekte – ein Schriftsteller arbeitet schließlich mit der Sprache, nutzt sie, um Bilder und Geschichten in den Köpfen der Leser entstehen zu lassen; sie ist sein Handwerkszeug. Die Website und die Präsenzen in sozialen Netzen haben Visitenkartencharakter; (noch) unbekannte Autoren müssen wissen, dass diese Orte von Interessierten bevorzugt angesteuert werden, um sich ein Bild über die Person zu machen, von der man möglicherweise Bücher lesen will – auch kostenlose. Sie haben mit Ihrer Gratisaktion, wie Sie ausführen, mehrere tausend Downloads generiert, worunter sich möglicherweise Literaturblogger und Journalisten befinden mögen, die natürlich auch Ihre Site aufsuchen werden. Wenn Sie dort also schreiben, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist, mag das sympathisch sein, dürfte auf solche Leute – die von Ihrer Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht wissen – aber abschreckend wirken, weshalb Sie hier meiner Meinung nach Chancen verschenken. Was natürlich auch für “normale” Leser gilt – selbst wenn sich nur ein Viertel der “Herunterlader” tatsächlich Ihrem Text widmet, hat dieser Text damit mehr Aufmerksamkeit, als so manche Veröffentlichung in Kleinverlagen je erhalten wird.

    Sie führen aus, dass Sie ein Lektorat beauftragt haben, wodurch in der Leseprobe immerhin kaum Rechtschreibfehler vorzufinden sind (dort heißt das Magazin allerdings “National Geographik”). Lektorat und Lektorat sind nicht immer das gleiche. Manch ein Lektoratsdienst beschränkt sich auf Korrektorat und Formulierungshilfen, widmet sich dramaturgischen und stilistischen Problemen aber überhaupt nicht oder bestenfalls am Rande. Deshalb bleiben Aspekte, die quasi darüberliegende Ebenen betreffen, unberücksichtigt, und selbst ein dieserart “lektorierter” Text weist – wie der Ihre, jedenfalls in der Leseprobe – Probleme wie unscharfe Perspektiven, Infodumps, unmotivierte Rückblenden usw. usf. auf. Es mag – gar viele – Leser geben, denen das vergleichsweise egal ist, wenn die Geschichte ansonsten stimmt, aber bei Multiplikatoren wie (guten) Literaturbloggern oder auch Menschen, deren Aufmerksamkeit angesichts solcher Unstimmigkeiten schnell nachlässt, erzeugt man Widerwillen, aus dem schnell Ablehnung wird. Das ist schade, vor allem, wenn man bereits über 4.000 Leute dazu gebracht hat, sich den Text aufs Lesegerät zu holen.

    Am Rande: Es ist nicht ganz ungefährlich, ein existierendes Unternehmen wie das Magazin “National Geographic” eine Rolle beispielsweise als Arbeitgeber der Hauptfigur spielen zu lassen. Grundsätzlich unzulässig ist es nicht, aber man läuft Gefahr, sich mit falschen Tatsachenbehauptungen (“Mein Chef ist ein Idiot”, “Die Bezahlung ist erschütternd”) und ähnlichem auf sehr dünnes Eis zu begeben.

    Die Art und Weise, wie ich Ihre Internetpräsenz und den Roman im verlinkten Forum kritisiert habe, missfällt mir selbst – ich hätte diesem Reiz nicht erliegen sollen. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bei Ihnen entschuldigen. Inhaltlich gibt es aus meiner Sicht allerdings nichts, das ich zurücknehmen müsste.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  29. Tom Liehr schrieb am 14. Mai 2013 um 12:29 Uhr

    Werte(r) raaknor,

    das ist ja erschütternd! Ich habe soeben den Verlag angewiesen, sämtliche Exemplare zurückzurufen und anschließend zu makulieren, außerdem werde ich versuchen, alle Buchkäufer aufzufinden, und ihnen Rückerstattung sowie Schadenersatz anbieten.

    Ludwig Reiners “Stilfibel” ist von 1954. Es ist zumindest denkbar, dass sich inzwischen ein wenig geändert hat. ;) Das vermeintlich fehlende Hauptwort nach “dieses” ist ausgelassen – das Demonstrativpronomen bezieht sich auf das kurz davor verwendete Substantiv “Namen”. Ob man Wörter wie “Ersteres” verwenden sollte – gar darf – oder das “aber” im fraglichen Satz Füllwort oder doch sinnstiftend ist, könnte man diskutieren. Muss man aber nicht. Stilvorschriften sind mir, um ehrlich zu sein, schnuppe. Es kommt auf den Klang an. Und, hey, es handelt sich um ein Vorwort.

    Tatsächlich ließe ich den Vorwurf gelten, dass der Roman mit einem Vorwort beginnt, wovon mein Lektor eigentlich hätte abraten müssen.

    Aber – geschenkt. Sie machen ja sowieso nur Spaß, gell?

    Herzlich,
    Tom Liehr

  30. Tom Liehr schrieb am 14. Mai 2013 um 14:50 Uhr

    Hallo, Maarten.

    Die “verzerrte Darstellung” war dem Umstand geschuldet, dass ich die Replik auf Deinen Kommentar genutzt habe, um auf einen Umstand zu verweisen, der mir an dieser Stelle wichtig schien, aber tatsächlich nicht direkt mit Deiner Stellungnahme zu tun hatte.

    Ja, der Markt ändert sich, das tut er ständig, inhaltlich wie logistisch. Technik und Anbieter eröffnen neue Möglichkeiten, das Wissen explodiert, Kommunikationswege sind drastisch verkürzt worden. Ich glaube aber nicht, dass damit notwendigerweise ein generell geringeres Interesse an hochwertiger Leistung einhergeht. Natürlich kann es beispielsweise einem Smartphone-Benutzer relativ egal sein, ob eine kostenlose oder sehr billige App wirklich funktioniert und ihr Leistungsversprechen einhält, denn sie ist schnell gelöscht und durch eine andere ersetzt, aber mit der Zeit nervt das, kostet eben Zeit – und es beschädigt den Ruf jener, die – auch sehr preisgünstig – eben funktionierende und verlässliche Anwendungen anzubieten versuchen. Vor dem Hintergrund der massiven Manipulationen auf der Bewertungsseite (mit den enormen Schwierigkeiten des Rezensentensystems bei Amazon vergleichbar) verliert ein potentes Marktsegment auf diese Weise nach und nach an Reputation und möglicherweise auch an Bedeutung. In den Köpfen der Konsumenten wird festgesetzt, dass nichts taugt, was wenig kostet, und am Ende wird der Abstand zwischen den megareichen Gewinnern und den interessanten, kleinen Anbietern am Rand immer größer. Während Firmen wie Apple und Google am Anfang dieser Entwicklung unermüdlich für die monströse Anzahl verfügbarer Programme warben, hat sich der Fokus mithin auf andere Aspekte verlegt, weil letztlich jeder erkennen muss, dass die Größe des Angebots nichts über seine Qualität aussagt. Ganz im Gegenteil: Es wird immer schwerer, aus Millionen Apps die wenigen guten herauszufiltern.

    Initiativen wie Susanne Gerdoms “Qindie” reagieren auf genau diesen Aspekt, der eben längst keine Babykrankheit des Selbstveröffentlichermarkts mehr darstellt. So spannend es ist, zu beobachten, wie anscheinend Vielfalt aufblüht, so ernüchternd fällt die Erkenntnis aus, dass die Mehrheit der Teilnehmer aktive Selbstdemontage betreibt – oft, wie ganz unverblümt kommuniziert wird, um die schnelle Mark zu machen. Die es nicht mehr geben wird, wenn das Angebot weiter im bisherigen Maßstab wächst. Selbst äußerst wohlwollende Zeitgenossen, die sich der Nachwuchsförderung verschrieben haben, müssen eingestehen, dass das Gros der veröffentlichten Werke in der vorliegenden Form besser auf der heimischen Festplatte geblieben wäre – im Verhältnis eins zu tausend, mindestens. Autoren verschenken ihr Erzähltalent, indem sie den vielerorts formulierten Verlockungen erliegen und Prosaembryonen in die Welt schicken. Damit ist niemandem geholfen und nichts gewonnen. Schlimmer noch, es bremst jene aus, denen auf diese Weise der Weg zum Publikum versperrt wird. Womit NICHT “Verlagsautoren” gemeint sind.

    Der Vergleich mit dem Sektierertum war möglicherweise etwas überzogen, ist aber meiner Meinung nach so weit hergeholt nicht, wie auch hier, im Rahmen der Kommentare, durchaus erkennbar wird. Die organisierte Solidarisierung der Selbstveröffentlicher trägt originelle Züge, eben nahezu jene von Glaubensgemeinschaften, während sich die anderen Autoren vielleicht über ihre Arbeit austauschen, sie in erster Linie aber einfach machen. Weil es das der einzig wirklich relevante Aspekt ist.

    Herzlich,
    Tom

  31. Kerstin Rachfahl schrieb am 14. Mai 2013 um 15:04 Uhr

    Lieber Tom Liehr,
    vielen Dank für die netten Entschuldigung, aber es braucht Ihnen gar nicht leid zu tun. Ich denke unsere Diskussion mit den anschaulichen Beispielen, zeigt vielen Lesern des Beitrages wesentlich besser auf, worum es Ihnen geht. Jedenfalls kann ich ihre Position nun sehr gut nachvollziehen.
    Es mag nicht schön sein, als negativ Beispiel zu fungieren, doch ich kann nicht leugnen, dass ihre Anmerkungen sehr treffend sind und mich auch zum Nachdenken gebracht haben. Insofern habe ich persönlich durch unseren Austausch sehr viel gelernt. Vielleicht profitiert der ein oder andere Nachwuchs-Autor davon genauso, macht Fehler nicht, die mir unterlaufen sind und versteht, dass der “Beruf Autor”, harte Arbeit ist, viel Selbstreflexion bedeutet und wir ehrlich sein müssen zu uns selbst. Nur dann können wir auch erfolgreich sein – egal auf welchem Weg :-)
    Herzliche Grüße
    Kerstin Rachfahl

  32. Maarten Donders schrieb am 14. Mai 2013 um 16:41 Uhr

    Hi Tom,

    das was Du in Deinem Kommentar zu meiner 27 nochmal ausführlich geschrieben hast, dass das Meiste der Selbstverleger schlicht nicht veröffentlicht hätte werden sollen, entspricht eben dem, was ich in meinem Kommentar zu Deinem 1. Artikel bereits bejaht hatte. Wir waren uns in dieser Hinsicht von Anfang an einig und es lohnt sich nicht da weitere Worte zu verlieren.

    Was Sektiererei angeht: Nun, da sind wir dann definitiv verschiedener Meinung. Nicht nur weil mir das viel zu sehr generalisiert ist und ich nicht verstehe, was die Frontenbildung Selbstverleger/Verlagsautor überhaupt soll, auch weil religiöser Fanatismus eines der großen Probleme der Menschheit ist. Willst Du das wirklich mit dem Einstellen eines Buches bei Amazon vergleichen? Ich verstehe ja, dass Du provozieren möchtest, aber dennoch…

    Unsere eigentlich Diskrepanz aber: Ich beobachte, dass der SP-Markt mit EBooks eine sehr viel größere Änderung auf dem Markt mit sich bringt, als BoDs sie je hatten. Wenn ich Deinen Artikel/Kommentar richtig verstehe, glaubst Du, dass die Konditionen für den Selfpublisher sich wieder deutlich verschlechtern werden und der SP-Markt dann für die qualifizierten Autoren wieder uninteressant wird. Du möchtest 3-5 Gegenargumente. Ich werde nicht dagegen argumentieren, Märkte sind komplex, die Zukunft vorauszusagen mehr oder weniger Kaffeesatzleserei. Ich extrapoliere lieber die gegenwärtigen Änderungen und komme zu einer anderen Einschätzung als Du und kann damit völlig daneben liegen. Wie Du auch. ;)

    Viele Grüße,
    Maarten

  33. Thomas Fontanari schrieb am 14. Mai 2013 um 19:30 Uhr

    Bei einem sich, zumindest indirekt, als Qualitätsautor selbst Lobenden verstört mich die unnötige, zu den Argumenten nichts beitragende, Länge der beiden Texte. Das ließe sich alles viel prägnanter formulieren, z. B. in Form konkreter Thesen. Dann könnte man auch besser darüber diskutieren.

    Vielleicht hätte den Artikeln ein kürzender Verlagslektor gut getan. ;-)

  34. Nick J. schrieb am 15. Mai 2013 um 10:53 Uhr

    Zu einer “Versachlichung der Diskussion” möchte Herr Liehr also beitragen. So so.
    Deshalbl wählt er Ausdrücke wie “Müll” und “Schrott” und garniert seinen Beitrag mit einschlägigen Fotos.

    So macht man das als hinreichend geprüfter und mit Siegel, Stempel und Verlag versehener (Wühltisch-)”Qualitätsautor”.

    Logo.

  35. Tom Liehr schrieb am 15. Mai 2013 um 14:59 Uhr

    Hallo, Nick J.

    Müll, Schrott oder auch Mist, wie es die “Qindie”-Schöpferin Susanne Gerdom nennt – natürlich könnte man auch von “eher miesen Texten” sprechen oder von “literarischer B-Ware”, aber prägnante Bilder funktionieren erfahrungsgemäß besser. Übrigens ist noch niemand meiner wiederholten Bitte gefolgt, ein paar dieser wiederholt erwähnten, anspruchsvollen, spannenden und so ganz und gar unmainstreamigen Bücher zu nennen. Aber ich bin geduldig.

    Die Garnierung stammt nicht von mir.

    Und, hey, besser auf dem Wühltisch als im Makulierungscontainer. ;)

    Herzlich,
    Tom Liehr

  36. Silka Rödl schrieb am 15. Mai 2013 um 20:24 Uhr

    Wer gar nicht erst sucht, der findet auch nicht, Herr Liehr. Und wer nicht finden will, der schon mal gleich gar nicht. Aber das wissen Sie so gut wie ich.

    Hätten Sie Ihre Bitte um Buchempfehlungen deutlicher formuliert und platziert, anstatt sich in eloquenten Pirouetten zu gefallen, und v.a. Dingen hätten Sie die Anfrage nicht mit dieser mehr als deutlich durchklingenden Haltung gestellt, dass keins der Bücher Sie vom Gegenteil überzeugen könnte, wäre ich ihr gern nachgekommen. So aber sind mir die Kleinode, die ich auch schon unter SP-Büchern gefunden habe, einfach zu schade, um sie von Ihnen ungelesen zerreißen und in den Makulierungscontainer schmeißen zu lassen. Sollten Sie irgendwann Ihr Mütchen gekühlt und wirklich ernsthaft interessiert fragen, werde ich Ihnen evtl. Empfehlungen aussprechen. Aber vorher sollten Sie sich selbst die Mühe gemacht haben, in dem bisher unsystematischen Wust der Veröffentlichungen zu suchen.

    Sie können Ihre persönliche Fehde gern hier oder auch woanders weiterführen, bis auch der letzte begriffen hat, dass es sich um nichts anderes handelt. Niemand hat es nötig, sich von Ihnen mit Dreck beschmeißen zu lassen. Wer sind Sie eigentlich, dass Sie Ihren persönlichen, quersitzenden Furz öffentlich austragen? Tom Liehr. Und was sagt uns das jetzt? Genauso wenig oder viel wie Ihre Beiträge hier.

  37. Ariela Sager schrieb am 16. Mai 2013 um 08:51 Uhr

    Sehr geehrter Herr Liehr,
    ich stelle mich gerne Ihrer Kritik und erwarte ein angemessenes Beschreibungsinstrumentarium jenseits polemisierender Rhetorik. Vergessen Sie nicht: Zur Diskussion steht die Frage nach dem Experiment, nicht Geschmack oder persönliches Interesse. Suchen Sie sich eins aus und lassen Sie uns reden: http://www.ariela-sager.de/

  38. Stefan Novotny schrieb am 16. Mai 2013 um 10:13 Uhr

    So viel Text.
    Da muss man die Argumente ja wie Perlen auf einer Müllhalde suchen.
    Aber Argumente wofür oder wogegen eigentlich?
    Der Autor kann unmöglich alle Selbstveröffentlichungen gelesen haben.
    Er muss sich also zwangsläufig darauf beschränken, dass jeder veröffentlichen kann und er nichts lesenswertes findet. Nun gut.

    Diese beiden Artikel dienen meiner Meinung nach nur dazu, Tom Liehr mal wieder ins Gespräch zu bringen.

    Aber ob solche Polemiken wirklich Werbung für seine Bücher sind? Für mich jedenfalls nicht.

    Beste Grüße usw.

  39. Tom Liehr schrieb am 16. Mai 2013 um 19:47 Uhr

    Herrje.

    Mit Interesse, Begeisterung, Verwunderung und zuweilen auch schockiert habe ich während der vergangenen Tage die Kommentare hier und an vielen anderen Orten zur Kenntnis genommen. Ist schon erstaunlich. Dort Applaus, weil man sich angemessen ausführlich einem wichtigen Thema gewidmet hat, hier Buhrufe, weil man zu ausführlich war. Da Lob für die treffenden Vergleiche, hier der unsubtile Vorwurf, man sei oberlehrerhaft, eigentlich aber ein arrogantes Arschloch. Und so weiter, und so fort. Ist natürlich nicht wirklich erstaunlich – es war vorhersehbar. Schade, dass dabei einige interessante Argumente untergingen.

    Mit den folgenden (vergleichsweise) kurzen Worten werde ich mich aus der Diskussion verabschieden.

    Ich mache hier keine Eigenwerbung. Wolfgang Tischer hat mich angefragt, ob ich mal wieder einen Beitrag in petto hätte, und zufällig befasste ich mich gerade intensiv mit dem Phänomen “Self-Publishing”. Man betreibt kein Marketing, indem man Stellung bezieht. Jeder PR-Berater wird einem Künstler davon abraten, energisch für oder gegen eine Sache einzutreten (wobei ich nicht energisch für oder gegen das “Self-Publishing” eintrete, sondern … ), und wer es trotzdem tut, ist ein Idiot – oder demjenigen ist das fragliche Thema wirklich sehr wichtig. Sucht es Euch aus.

    @Silka Rödl: Ich habe nirgendwo behauptet, alles wäre Schrott, sondern sogar unterstrichen, dass es einige prinzipiell wirklich bemerkenswerte Texte gäbe, selbst darunter aber leider eben fast keinen Text ohne Schwächen. Meine Frage bezog sich darauf, dass wiederholt behauptet wurde, die Selbstveröffentlichung würde vor allem jenen Texten helfen, die besonders anspruchsvoll, originell u.ä. wären – hierfür hätte ich gerne ein paar Beispiele gesehen, denn ich habe bei meinen Recherchen keinerlei Material gefunden, das in diese Kategorien fiele. Auch nicht über die diversen Sites, die selbstveröffentlichte eBooks empfehlen.

    Just heute schrieb jemand etwas Bemerkenswertes in einem Bücherforum, nämlich sinngemäß: Wenn die Autoren, die bei Verlagen veröffentlicht haben, in größerem Stil das “Self-Publishing” für ihre Backlist-Titel entdecken, um also mit +10 Jahre alten Titeln im üblichen Preisgefüge den anderen Konkurrenz machen, werden sich nicht wenige Leser bevorzugt solchen Titeln zuwenden, weil sie lieber etwas zwar 10 Jahre altes, aber bewährtes kaufen, als das ungewisse Wagnis einzugehen. Da könnte was dran sein.

    Und dann noch das hier:
    http://thedailyfrown.wordpress.com/2013/05/16/wo-kommen-all-die-jungen-autoren-her/

    Offenbar ist mir nicht ganz gelungen, zu verdeutlichen, was ich für das eigentliche Problem halte. Oder hier haben nur jene reagiert, die das ohnehin nicht hören wollten – ich weiß es nicht. Wie gesagt – die Dynamik der Diskussionen war eigentlich wenig überraschend.

    Ich möchte allen danken, die sich die Zeit genommen haben, meine Ergüsse zu studieren. Vielleicht haben sie einigen Autoren geholfen, oder tun das noch in der Zukunft. Das würde mich sehr freuen. Allen anderen viel Spaß beim Lesen der Kontoauszüge.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  40. Renate Blaes schrieb am 17. Mai 2013 um 01:53 Uhr

    Ich fand den ersten Artikel schon deutlich zu lang. Und die Länge dieses Artikels ist (für mich) schlichtweg eine Zumutung. “In der Kürze liegt die Würze”. Mit wenigen Worten viel zu sagen, ist eine Kunst, die ein Schriftsteller auf jeden Fall beherrschen sollte. Sonst langweilt er schnell.
    Nix für ungut, Herr Liehr.
    Beste Grüße von Renate Blaes, Autorin von Romanen, die bei namhaften Verlagen erschienen sind, Autorin von Kurzgeschichten-Büchern, die sie selbst verlegt hat und nun auch noch ambitionierte Verlegerin von Büchern unbekannter Autoren …

  41. M.Schnecke schrieb am 17. Mai 2013 um 04:18 Uhr

    zu 39: Offenbar ist mir nicht ganz gelungen, zu verdeutlichen, was ich für das eigentliche Problem halte.

    Hallo Tom,
    mir ist gar nicht gelungen, zu erkennen was Du für das Problem hälst. Das füllende Wort “eigentliche” weist allerdings schon darauf hin, es ist auch nicht gelungen, es Dir selbst zu verdeutlichen, nicht ganz jedenfalls …

    Hättest Du das mal am Anfang gesagt (durchdacht?), statt Dich da so hinzustellen.
    Die Unschärfe in Deinen Äußerungen spricht jetzt Bände. Genial dargestellt, die Person. Jedenfalls wenn Absicht dahinter gewesen wäre.

    Du warst so gut ins Gespräch gekommen, es zog immer größere Kreise …
    Es hätte sich sogar gelohnt, das nicht ganz verdeutlichte, Eigendliche zu erdichten. Ich dachte das könntest Du.

    Schwacher Abgang, der jetzt bleibt. Funktional, dann aber zu spät. Nicht ganz überzeugend, für mich enttäuschend.
    Schlecht gemachtes Projekt, fast hätte ich gesagt: wie sonst nur von unausgegohrenen “Self-Publishern” gekannt.
    Du solltest so etwas nicht selbst machen, das können Verlage besser. Hoffentlich.
    Oder: das ist eher was für “Self-Publisher”.
    Die machen etwas Anderes, auch literarisch gesehen womöglich, vielleicht wie damals die Comic-Autoren, die früher auch nicht dazugehörten.

    Das halte ich für das eigentliche Problem.

  42. Angela Charlotte Reichel schrieb am 17. Mai 2013 um 08:31 Uhr

    Zitat: ” Herrje. ( … )
    Mit den folgenden (vergleichsweise) kurzen Worten werde ich mich aus der Diskussion verabschieden.”

    Verabschieden?
    … nun sind Sie der Eingeschnappte? Wer ist denn dann “man”? Sie erwähnen ihn gerade in diesem Text besonders oft. Macht der jetzt weiter?

    Nachdem Ihnen “offenbar nicht ganz gelungen ist, zu verdeutlichen, was Sie für das eigentliche Problem halten”, zeigen Sie nun uns – wie soll ich es nett sagen- sinngemäss das eindrucksvoll- aussagekräftige Cover ihres SP- Buches – erwähnen das “böse Wort”, rücken Ihren Stuhl nach hinten und verlassen den Raum?

    Offenbar nicht gelungen? Eigentliche Problem? Wenn ich mal kurz erinnern darf, Sie haben den Versuch gemacht, Lottospieler in Hirschkostüme zu stecken und einer Menge Leute einzureden wollen, sie seien auf dem Weg in den Wald und zusätzlich noch zu bleeede, sich vorher zu erkundigen, ob dort überhaupt gejagd wird.

    Bissel mit der Bürste waschen ist wirklich kein einseitiger Akt. Wer andere schrubbt, sollte sich übers Abtrocknen nicht wundern.

    All denen, die sich durch Ihre Beiträge gequält haben, schicken Sie nun ein “selber schuld” in die Runde und verduften?

    Sie sind anerkannter Verlagsautor und Journalist, haben eine entsprechend eindrucksvolle Vita verfasst, und packen schon bei ein paar Reaktionen nach Ihren eigenen Vorlagen mit einem genervten “Herrje” die Tasche packen und gehen …

    ich entschuldige mich vorab schon für die kommende Bemerkung, erstickte aber an ihr, erwähnte ich nicht meine Überlegung: Wie viele Hirschkostüme bräuchte es nun und kennt wer die Lottozahlen der letzten Woche?

    Verlagsautor- nicht Verlagsautor, anerkannt- unbekannt, wiedermal eine Welle, auf der nicht mal der Wellenmacher surfen konnte.

    War das Self Publishing, ist es schief gegangen und bestärkt die anerkannten Verlagsautoren in ihrer Auffassung, ohne richtiges Verlagslektorat usw. gehe sowieso nix.

    War es anerkanntes Verlagsautorengehabe bestätigen Sie damit eine häufige Meinung der Self Publisher.

    War es ein Kritikerauftritt ging der mindestens zur Seite los.

    War es Ihre persönliche Sache, konnten Sie die offenbar nicht deutlich machen.

    So viele Seiten und Lesezeit für: “Der Initiator hat keine Lust mehr und löst die Runde auf” ?

    Hätte das ein Self Publisher verzapft, fiele Ihnen sicher was ein.

    Beste Grüße
    ACR

  43. Maarten Donders schrieb am 17. Mai 2013 um 09:11 Uhr

    Tom, Respekt.
    Du hast Dich mit einer durchdachten und gut begründeten Meinung hier öffentlich hingestellt und den Finger in eine Wunde gesteckt, was natürlich entsprechende Reaktionen hervorruft. Und auch wenn ich Deine Darstellung definitiv zu provokant finde, ist für mich glasklar, was Du meinst und das Du ausnahmslos auf der Seite des Autors stehst, unabhängig davon, ob er selbstverlegt oder nicht. Danke für die ausführliche Diskussion eines offensichtlich wichtigen Themas. Autoren sollten nicht zu elektronischen Hausierern werden, sondern Schreiben.

  44. Tom Liehr schrieb am 17. Mai 2013 um 09:43 Uhr

    Doch noch ein letztes Wort:

    Liebe Angela Charlotte Reichel,

    abseits der – aus meiner Sicht etwas rätselhaften – ziemlich persönlichen Angriffe (ich habe, um das abermals zu betonen, KEINEN Roman per “Self-Publishing” veröffentlicht) ist mir im Rahmen der neueren Kommentare kein nachvollziehbares bzw. neues Argument begegnet, auf das sich eine abermalige ausführliche Antwort lohnen würde, die etwas enthielte, das nicht bereits gesagt wurde. Deshalb erlaube ich es mir, die Diskussion nun sich selbst zu überlassen. Schließlich will ich mir nicht andauernd den Vorwurf anhören müssen, zu ausführlich zu sein. ;) (BTW – wer zwingt hier eigentlich irgendwen, solche Beiträge überhaupt zu lesen – und sich diese “Quälerei” zu geben?) Die Auseinandersetzung wird ja, hiervon unabhängig, an vielen anderen Stellen (fort)geführt. Ich denke, dass diejenigen, die echtes Interesse haben, inzwischen auch verstanden haben, was ich zu sagen versucht habe.

    Also, noch einmal und kurz gesagt: Ich bin keineswegs eingeschnappt oder sonstwie emotional verstört (wenn das so leicht möglich wäre, würde ich solche Beiträge überhaupt nicht schreiben, und wahrscheinlich auch keine Bücher), sondern schlicht der Meinung, dass a) überwiegend kein echtes Interesse an einem Diskurs besteht und b) meinerseits alles gesagt ist, was ich zu diesem Thema zu sagen habe. Ich nehme weiterhin alle Kommentare zur Kenntnis, hier wie andernorts, übe mich aber in Zurückhaltung. Punkt.

    Herzlich,
    Tom Liehr

  45. raaknor schrieb am 17. Mai 2013 um 09:54 Uhr

    Hallo,

    ich möchte noch einmal betonen, dass ich den Artikel wirklich interessant fand. In letzter Zeit habe ich immer öfter mit dem Gedanken gespielt, den Selbstverlag zu testen. Doch nun werde ich es zumindest gründlich abwägen.

    Vielen Dank für den Link auf den ‘Daily Frown’ sowie an Verlagsautorin für den Ratschlag. Vielleicht ist es tatsächlich besser, erst einmal den Weg über Wettbewerbe und Anthologien zu versuchen. ACR möchte ich ebenfalls einen virtuellen Blumenstrauß schicken, dafür, dass Sie mich an etwas Wichtiges erinnert hat.

    Liebe Grüße,
    Euer raaknor

  46. Angela Charlotte Reichel schrieb am 17. Mai 2013 um 11:39 Uhr

    Zitat: “(ich habe, um das abermals zu betonen, KEINEN Roman per “Self-Publishing” veröffentlicht)”

    Korrigiere mich hiermit: Ich hatte, nur den Angaben zum Verlag bei Amazon folgend, offensichtlich nicht tief genug recherchiert. Nun, nachdem ich mehr Informationen bekommen habe, nehme ich die Bemerkung zur “Herstellungsart” selbstverständlich zurück.

    Beste Grüsse
    ACR

  47. Verlagsautorin schrieb am 17. Mai 2013 um 15:01 Uhr

    Lieber Tom Liehr,

    Nachdem ich die Normseite vom Literaturcafe für meine Manuskripte verwende, habe ich nach langer Zeit vorbeigeschaut. Nun weiß ich, dass des Nachts in deutschen Stuben ein Heer von Schreibzwergen am Computer sitzt und im fahlen Mondschein giftige Worte in die Tasten hämmert. Stephen King lässt grüssen! Halt, war das schon die Idee für meinen neuen Thriller ….?

    @raaknor: auch Ihnen vielen Dank! Wenn Sie eine fest umrissene Vorstellung von der Identität ihres Werkes haben und genau wissen, wohin Sie als Autor wollen (in welchem Regal sollen Ihre Bücher in der Buchhandlung stehen?), wenn Sie von der Qualität ihres Textes überzeugt sind, dann probieren Sie den Zwischenschritt über eine gute Literaturagentur. Auch ich habe mein erstes Buch so verkauft. Sie schaffen das – Sie sind auf dem richtigen Weg. (Und tun Sie’ s niemals für Geld).

    Adieu.

  48. B.E. Knoll schrieb am 18. Mai 2013 um 04:11 Uhr

    Herr Lier! Ich finde Ihre Beiträge hier wundervoll. Ich frage mich nur, ob Sie nicht Perlen vor die Säue werfen. Bei all dem schwachsinnigen Gegrunze dass hier an Antworten zu lesen ist. Es gibt ein sehr schönes Zitat von Marc Degens: “Während die, die nichts können nach Antworten suchen, warum sie nicht akzeptiert werden, suchen die, die etwas können nach Erklärungen, warum sie nichts können.”.
    Es soll halt jeder den Weg gehen, den man gewillt ist, einzuschlagen. Ich jedenfalls lerne sehr gerne von deinen Beiträgen.

    @ Ariela Sager: “Beschreibungsinstrumentarium”, was meinen Sie denn damit? Ich hoffe, ich kann es Ihnen geben, nachdem sich Liehr nun wohl verabschiedet hat. Aber was wollen Sie denn eigentlich?

    Antworten Sie bitte schnell, sonst kommt wieder so ein Genie wie Rouven und will Literatur machen!

  49. raaknor schrieb am 18. Mai 2013 um 11:14 Uhr

    Liebe Verlagsautorin,

    vielen Dank, dass Sie sich noch einmal Zeit genommen haben. Ich weiß die Hilfe zu schätzen. Leider bin ich von der Qualität meiner Texte noch nicht überzeugt, darin liegt das Problem. Wenn, dann sollen sie erst an eine Agentur gehen, sobald ich das Gefühl habe, das Beste aus ihnen herausgeholt zu haben. Aber es dürfte wirklich helfen, mehr zu lesen, statt sich in Foren herumzutreiben. Für mich persönlich dürfte der Ratschlag Gold wert sein.

    Nun habe ich genug Ihrer wertvollen Freizeit beansprucht. Ich möchte mich zudem bei allen Mitlesenden dafür entschuldigen, dass ich hier herumlamentiert habe.

    Liebe Grüße und ein frohes Schaffen!

  50. Renate Blaes schrieb am 18. Mai 2013 um 16:17 Uhr

    Hallo Raaknor, lesen, lesen, lesen … das ist auch meine Empfehlung. Und eine Leseempfehlung kann ich Ihnen geben: “Die Wand” von Marlene Haushofer. Unter schreiberischen Aspekten zählt dieses Buch zu den besten, die ich je gelesen habe, und ich lese viel. Diese Frau beherrscht die Kunst der einfachen, unprätentiösen und anschaulichen Formulierung in Perfektion.
    Viel Erfolg!
    Renate Blaes

  51. Verlagsautorin schrieb am 18. Mai 2013 um 17:41 Uhr

    @raaknor
    Gut.
    1. Sie wissen genau, in welchem Genre Sie zuhause sind. Fantasy, Thriller …
    2. Sie lesen mindestens die fünf besten Bücher dieses Genres am Markt. (wenn Sie Thriller schreiben, haben Sie keine Zeit für den großen Liebesroman).
    3. Sie bekommen ein Gefühl für Sprache, Tempo und Aufbau Ihres Genres. Jedes Genre unterliegt eigenen Gesetzmässigkeiten.
    4. Sie erzählen Ihre Geschichte in einem Satz.
    5. Sie schreiben eine Inhaltsangabe. Hier erkennen Sie Ungereimtheiten und werden neue Ideen haben, Ihre Geschichte weiterzuentwickeln oder auszubauen.
    6. Sie schreiben für jede Ihrer Figuren eine Charakteristik. Aussehen, Vorlieben, Abneigungen …
    7. Sie nehmen Ihr Lieblingsbuch in Ihrem Genre und analysieren den Aufbau. Was passiert in den Kapiteln, wie ist die Entwicklung, wo ist der Point of no Return (Tipp: nach 3/4).
    8. Sie nehmen Ihr Lieblingsbuch und sehen sich an, wie der Autor die Kapitel beginnt und wie er sie beendet.
    9. Sie machen einen Buchplan. Nehmen Sie für jedes Kapitel eine Karteikarte, das hilft bei der Übersicht. Jedes Kapitel muss die Handlung vorantreiben, in sich eine geschlossene Geschichte sein.
    9. Guter Dialog im Buch ist immer indirekt. Frage: möchtest du einen Apfel? Antwort direkt: nein. Antwort indirekt: ich mag kein Obst. Klar?
    10. Durchhaltevermögen und Talent kann man nicht lernen, Handwerk schon.

    Lesen Sie ab jetzt mit den analytischen Augen eines Autors. Und wirklich nur das, was Sie gerade für Ihre Arbeit brauchen können.Der Leser will nicht wissen, wie der Zauber funktioniert, Sie aber schon.

    Bitte verstehen Sie diese Zeilen einfach als Starthilfe. Den Job machen Sie! Alles Gute.

  52. Hummel schrieb am 19. Mai 2013 um 11:45 Uhr

    Meine Güte, warum hört es nicht irgendwann einmal auf mit diesen Schreibtipps von Leuten deren Fantasie so durstig wie ein Strohhalm, sie greifen danach, doch sie bekommen ihn einfach nicht zu fassen.

  53. einfaltspinsel schrieb am 20. Mai 2013 um 12:33 Uhr

    Verlagsautorin, ja so macht man das als Muttis Liebster.

    Große und avantgardistische Literatur funktioniert aber anders.

    Aber ich ahne schon: Das wollen Sie gar nicht. Sie sind ja eine Handwerkerin, keine Künstlerin.

    Bastelanleitungen für 0815-Schundliteratur gibt es schon zuhauf. Da dürfen Sie sich die Mühe sparen und stattdessen an Ihren “Protas” werkeln.

    PS:
    Cliffhangers nicht vergessen. Gerne auch inflationär.

  54. Peter Hakenjos schrieb am 21. Mai 2013 um 09:57 Uhr

    Seufz,
    der liebe Herr Liehr hat ja recht. Ob ihn das für uns sympatischer macht? Vielleicht will er das ja gar nicht :-) Auf jeden Fall schreibe ich Nobody, der von seiner engen Verwandtschaft als begnadeter Schriftsteller gefeiert wird, weiter. Unsere Motivation speist sich nämlich durchaus nicht immer aus dem Wunsch reich und berühmt wie Herr Liehr zu werden, sondern auch aus dem Wunsch, uns etwas von der Seele zu schreiben, unser Ego zu stärken oder eine Message zu transportieren. Dass wir damit die Verlagswelt zumüllen? Nun ja. Wirklich Mitleid kann ich nicht mit jemand haben, der billig Praktikanten im Vorlektorat für das Entsorgen von Manuskripten beschäftigt. Und der zugegebenermaßen leidende Romankonsument? Ihm streichle ich mitfühlend über die vor Ärger ausgegangen Haare und wische ihm mit einem Papiertaschentuch die Krokodilstränen aus den Augen. Vielleicht – und das wäre schön – beginnt er auch zu schreiben? Unsere Herde kann Zuwachs brauchen …
    Übrigens, jenseits jeden Spotts, ich habe den Liehrschen Arbeitsbeschaffungsartikel auf meiner Seite verlinkt. Er (der Artikel und sicher auch der Herr Liehr) ist köstlich.

  55. Kai Seuthe schrieb am 23. Mai 2013 um 21:06 Uhr

    Hi,

    ich finde diesen und auch den vorherigen Artikel wirklich gut, weil er ehrlich ist. Sicher gibt es einige Perlen, aber das meiste ist Müll, so schlimm sich das auch anhören mag.
    Richtig interessant – man könnte gleich eine Sozialstudie daraus machen – sind die Reaktionen der hier Kommentierenden. Da wird sich gerechtfertigt, diskutiert, verglichen, gemacht und getan, nur um sich selbst zu beruhigen, weil man insgeheim weiß (aber als Autor ja niemals zugeben würde), dass sein selbstverlegtes Buch nicht gut genug war, um bei einem (regulären) Verlag zu landen.
    Schreibt doch einfach mal zur Abwechslung gute Bücher, dann erübrigen sich auch die meisten Diskussionen.

    Übrigens: Ich habe nichts gegen Self-Publishing. Ich liebäugle hin und wieder selbst damit, etwas auf diesem Weg zu veröffentlichen. Hat sich aus aktuellem Anlass erübrigt, doch ich hätte darauf zurückgegriffen, um das Ding endlich aus den Füßen zu haben. Besser, als es auf ewig in der Schublade verstauben zu lassen.

    Aktuell schreibe ich ein Sachbuch, das ich ausschließlich via KDP veröffentlichen will. Aber nicht, weil ich mir davon einen riesen Erfolg erhoffe, sondern weil es nur eine “kleine”, finanzschwache Zielgruppe ist, der ich das Buch für 2,99 anbieten kann. Zudem habe ich so die Möglichkeit, harte Fakten unkompliziert zu ändern, zu berichtigen oder zu ergänzen.

    Eine ernsthafte Alternative zum Verlagswesen stellt das Self-Publishing für mich wahrscheinlich auch in Zukunft nicht dar, denn das, was ich in den Buchläden anlese, ist in der Regel richtig gut. Und davon sind, wie erwähnt, die meisten, nein, fast alle selbstverlegten Bücher aufgrund eines fehlendes Lektorats, Korrektorats und Talents meilenweit entfernt.

    Vielen Dank noch mal für die aufschlussreichen Artikel, die auch meinen zugegeben rosarot verklärten Blick auf die aktuelle Selfpublisher-Szene etwas geklart haben.

    Mit besten Grüßen,

    Kai Seuthe

  56. Florian Popp schrieb am 24. Mai 2013 um 00:32 Uhr

    @Kai Seuthe

    Ich lese Ihren Koloss-Anreißer und kann über Ihren Beitrag nur noch schmunzeln. Nichts für ungut. ;-)

  57. Kai Seuthe schrieb am 24. Mai 2013 um 08:22 Uhr

    Lieber Florian Popp,

    danke für diesen Kommentar. Er bestätigt mal wieder, wie das mit Kritik in dieser Szene zu geht. Dieses Recherchieren nach den Werken der anderen Kommentatoren, um dann darauf herumzureiten. Ich für meinen Teil habe mir niemanden persönlich rausgesucht, weil ich finde, dass sich das nicht gehört. Diese Herangehensweise finde ich übrigens auch von Herrn Liehr sehr unfein.
    Ich habe mich von dieser Regel nie ausgenommen, deshalb ist Ihr Kommentar auch mehr als überflüssig.
    Übrigens: tolle Leseprobe. Vielleicht eine der Perlen? Das meine ich ernst.

    Viele Grüße,

    Kai Seuthe

  58. Oskars Meinung schrieb am 24. Mai 2013 um 09:11 Uhr

    So, so,, das meiste ist Schrott und das kann man natürlich wissen wenn man sich durch mindestens ein schrottiges Selbstbuch herausgekämpft hat und die Veröffentlichungen in Verlagen sind nach dieser Rechnung natürlich meistens gut, denn nur so ging die Rechnung auf, das heißt sie haben sich durch alle Veröffentlichungen der Verlage gekämpft und objektiv herausgefunden, die Autoren sind gut, die Anderen Mist.

  59. Florian Popp schrieb am 24. Mai 2013 um 15:46 Uhr

    @Kai Seuthe

    Sie haben Recht, da habe ich mich wohl hinreißen lassen. Die Polemisiererei färbt ab mit der Zeit und der Menge der Kommentare. Schande über mich und Entschuldigung dafür, sowie viel Erfolg mit Ihrer Arbeit – eine große Hürde scheint ja genommen, viel Glück mit den nächsten.

    Letztendlich käme bei der ganzen Self- und Sonstwie-Publisherei vermutlich mehr Brauchbares heraus, wenn die Beteiligten mehr an derselben Seite des Strangs denn an entgegengesetzten Enden ziehen würden, was? ;-) (Das große Streitthema der Qualität und “Qualität” mal außen vor gelassen.)

  60. Lars Gunmann schrieb am 25. Mai 2013 um 00:37 Uhr

    Der Begriff “Indie” wurde im englischsprachigen Raum nicht erst jetzt wieder ausgegraben. In den Neunzigern sind mir z.B. schon US-Comics von Indie-Verlagen begegnet (sicher gab es die auch vorher schon), das war eigentlich alles, was nicht unter Marvel und DC fiel, d.h. auch alles (aber nicht nur) was unter dem Label “Image” lief, was an sich ja auch ein großes Label für mehrere, kleinere Verlage (MacFarlane, Wildstorm, Top Cow, etc.) war. Da ging es hauptsächlich darum, dass die Kreativen die alleinigen Rechte und die volle Kontrolle über ihre Reihen hatten. Erfinde nämlich eine Comicfigur für Marvel, und sie gehört dem Verlag und nicht dir!

    Zu Zeiten von Shareware sprach dagegen noch niemand von Indigames. Vieles wurde als kostenlose Freeware im Intenet veröffentlicht, bei Shareware bekam man eine eingeschränkte Version und zahlte dann für das Upgrade zur Vollversion (das bekannteste Beispiel dürfte Doom sein). Doch das mit dem Bezahlen gestaltete sich damals vor allem international als problematisch. Auf den Konsolen wuchsen dagegen Homebrew-Szenen, die Sachen liefen aber meistens nur auf geknackten Geräten.

    Irgendwann kam dann der Begriff Indiegames auf. Selbst entwickelte und per Download angebotene Spiele, bei denen kein Publisher was wegen Marktauglichkeit etc. reinreden konnte. World of Goo war so eines der ersten, das mir damals ins Auge stach.

    Dank Kreditkarten, Guthabenkarten, Paypal usw. und natürlich den PC-Downloadplattformen wie Steam, Desura, GOG und der Öffnung von Xbox Live Arcade, des Nintendo eShops und des Playstation Networks für kleine Entwickler (Indies), und natürlich durch die ganzen Smartphone-Appstores wurden Indiegames immer beliebter. Viele, die als Hobby Apps und Spiele programmierten, verdienen inzwischen gutes Geld. Minecraft dürfte vielen etwas sagen.

    Ich finde, Indiecomics und -games haben den jeweiligen Markt stark bereichert. Es kamen dann übrigens auch immer öfter zeitlich begrenzte Indiebundles ins Angebot. Da bezahlt man, was man möchte, und ein Teil davon wird auch gespendet (kann man auch selbst aufteilen)

    Irgendwann kamen dann auch Indiebundles mit eBooks. Allerdings nicht bei uns, wegen der Buchpreisbindung. Wann genau sich der Begriff “Indieautoren” auch hier verbreitete, kann ich nicht sagen. Aber ich halte ihn nicht für falsch, man muss sich nicht an der Bedeutung aufhängen und anfangen Erbsen zu zählen. Es ist auf jeden Fall kürzer als “Self-Publishing-Autoren”.

  61. Lars Gunmann schrieb am 25. Mai 2013 um 01:03 Uhr

    Ach ja, bei den Smartphones würde ich sogar soweit gehen und sagen, dass der App-Boom erst durch Ein-Personen-“Entwicklerstudios” und kleine Teams möglich wurde. Die meisten große Firmen sind da eigentlich erst aufgesprungen, als man merkte, wie viel über Apps geredet wurde. Obwohl es in Japan schon vor dem iPhone sowas wie einen Appstore gab, der von Firmen gefüttert wurde.

    Übrigens auch interessant finde ich das Thema Crowdfunding. Computerspiellegenden wie Tim Schafer, Brian Fargo, Jane Jensen und Chris Roberts haben von Fans Millionen von Dollars eingenommen. Und das für Spiele, die laut den großen Publishern in den USA kein Mensch kaufen will. Aber auch eine Menge toller Kleinprojekte sind darüber realisiert worden, z.B. ein Spiel, das Arbeitslosigkeit thematisiert, um nur ein Beispiel zu nennen.

  62. Florian Voß schrieb am 28. Mai 2013 um 18:08 Uhr

    Letztendlich besteht doch nur ein marginaler Unterschied zwischen Print und eBook. Sogenannte anspruchsvolle Literatur wird nicht gelesen (und natürlich auch nicht gekauft), Genreliteratur hingegen hat in jeder Publikationsform das Zeug zum Bestseller.
    Und das liegt weniger an den Verlagen, als mehr am Publikum. Von meinem Roman z.B. sind seinerzeit 500 Leseexemplare rausgehauen worden, der Verlag (ein mittelgroßer, Rotbuch) hat eine kleine Lesereihe organisiert und das Buch als Spitzentitel auf die erste Seite des Verlagsprogramms genommen. Mehr als dreißig Rezensionen wurden veröffentlicht. Nichtsdestotrotz haben sich weniger Exemplare verkauft, als Leseexemplare verschenkt wurden. Das Publikum war nicht interessiert.

    Ich glaube nicht, dass es anders gelaufen wäre, hätte ich das Manuskript als eBook publiziert. Aber vielleicht belehre ich mich nun eines Besseren.
    Gerade heute habe ich das Buch bei Amazon hochgeladen, und ich bin mir fast sicher, dass es sich nicht nennenswert verkaufen wird. Aber natürlich bin ich trotzdem gespannt. Man wartet ja immer auf den rettenden Boten.

    Ob Print oder eBook; der Markt ist konform geworden in den letzten zwanzig Jahren. Das spiegelt sich auch bei den sog. Indies wider, denn auch dort setzt sich allenfalls, nennen wir es, Unterhaltungsliteratur durch.
    So ist das Leben.

  63. Sophie schrieb am 31. Mai 2013 um 11:11 Uhr

    Hallo Herr Liehr (und alle Kommentatoren),

    ich habe diesen Artikel, wie auch den Vorgänger mit Interesse gelesen und wundere mich über einen Punkt besonders. Es scheint (wie immer und überall) gleich welche zu geben, die sich zu unrecht angegriffen fühlen und ihren Standpunkt vehement vertreten müssen, warum denn nun die eine oder die andere “Seite” die bessere oder gar richtige ist.
    Schade eigentlich.

    Ich schreibe, weil ich nicht mehr anders kann. Weil ich damit etwas gefunden habe, was mich zu einem ausgeglichenen Menschen macht. Und man mag mich belächeln, aber ich gehöre zur Kategorie “schreibende Hausfrau”. Ja und? Angefangen habe ich aus einer Laune heraus, weil ich ein Buch zuschlug und das Ende besch… fand. Also hockte ich mich hin, klappte den Laptop auf und schrieb drauf los. Einfach nur um zu sehen, ob ich es bis zum Wörtchen Ende schaffe. Das tat ich und schrieb weiter und wusste zu dem Zeitpunkt nicht einmal, was eine Normseite ist.

    Durch Umwege bzw. erste Versuche im Kontakt mir der Leserschaft via Internet (und deren Zuspruch es zu versuchen) kam ich zum Kleinverlag und einem Nieschenverlag (ich nenne ihn einfach mal so, weil sie ausschließlich eine Niesche bedienen). Ich habe vorher etliche Absagen kassiert, wie so viele andere auch. Der erste Vertrag ist jetzt knapp 1 1/2 Jahre her. In dieser Zeit sind 8 Romane erschienen, mit teils sehr unterschiedlichem Erfolg.

    Ich bilde mir nichts ein, versuche immer, mich zu steigern und zu bessern (was zugegeben sehr viele der KDP Indies nicht zu versuchen scheinen). Ich schreibe gern, für mich und weil ich die Leser/innen, die meine Sachen kaufen, unterhalten möchte. Punkt.
    Wenn ich dann etwas daran verdiene, umso besser. Für mich perönlich ein Nebeneffekt, denn mein Lohn ist etwas, was nicht bezahlbar ist: Wenn ich von einem Leser höre, dass ich ihn fesseln und begeistern konnte, wenn es schwerfiel, das Buch aus der Hand zu legen und ich damit das erreicht habe, was ich wollte. Gute Unterhaltung – eine Pause vom Alltag.

    Ich nutze auch die Möglichkeit zum Selfpublishing. Das jedoch ausschließlich für Kurzgeschichten. Kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch für kleines Geld. Einen Roman würde ich auf diese Weise nicht veröffentlichen wollen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Ich habe in einigen Literaturforen und sonstigen Schreiberling-Plattformen des Öfteren gelesen, dass man im ersten Jahr froh sein kann, wenn man (über einen Verlag, wohlgemerkt) etwa 100 Exemplare verkauft. In diesem Sinne bin ich von Anfang an nicht mit rosa Brille an die Sache herangegangen – auch wenn ich mir das Träumen dennoch nicht verbot. Im Grunde kann ich mich schon “von” schreiben, denn die erwähnten 8 Romane ergaben in den ersten 13 bis 2 Monaten (je nach VÖ Datum) eine Gesamtzahl von über 7000 Exemplare – und da zähle ich die Indie eBooks nicht dazu. Und natürlich kassiere ich nicht nur gute Rezensionen, man kann weder jeden begeistern, noch sollte man das erwarten. Eine Kritik zeigt mir nur auf, dass ich mich noch verbessern kann und muss.

    So sehe ich die Indie Veröffentlichungen: Ich störe mich nicht sonderlich an grottenschlechten Exemplaren, mag die durchaus lesbaren Varianten und freue mich über die Perlen, die ihren Erfolg verdienen. Konkurrenz gibt es immer und überall – die Kunst ist, sich nicht zu sehr damit zu beschäftigen.

    Ich zitiere Andreas Eschbach:
    Ich bin keineswegs der Auffassung, dass jeder ein Buch schreiben müsste, im Gegenteil. Genausowenig muss jeder Autorennen fahren, den Himalaya besteigen oder Triathlon machen. Es reicht vollauf, wenn diejenigen Bücher schreiben, die man von der Tastatur wegzerren muss, damit sie das Essen nicht vergessen…

    In diesem Sinne: Wünschenswert wäre es, aber das sagt man besser nicht denen, die KDP und andere Plattformen mit ihren Texten fluten, weil sie davon träumen, reich zu werden ;-)

    Ich bezeichne mich nicht als Schriftstellerin, sondern als Autorin. Das ist der richtigen Definition geschuldet. Wäre ich Schriftstellerin, könnte ich von dem Erlös meiner Bücher leben. Das ist nicht der Fall. Vielleicht wird es einmal so sein, doch dann müssen noch einige Bücher und auch Kurzgeschichten folgen …

    Was ich noch zum Thema Bestseller sagen wollte. Egal ob Verlagsbuch oder Indie – die Marketingmaschinerie spielt da nur eine Untergeordnete Rolle, finde ich. Die Leser machen den Bestseller. Erfolgreich ist, was gefällt und/oder per Mund zu Mund Propaganda dazu gemacht wird. Siehe Shades of Gray, um nur einen zu nennen – und bei allem Respekt, den Hype kann ich leider gar nicht nachvollziehen.

    Genug gequatscht, wird Zeit zum Weiterschreiben ;-)

    Viele Grüße
    Sophie

  64. Bea Milana schrieb am 31. Mai 2013 um 22:45 Uhr

    Herr Liehr! Bei Ihren umfangreichen, aber nur teilweise recherchierten und polemischen Betrachtungen zum Thema Selfpublishing haben Sie mehrere wichtige Aspekte schlichtweg unter den Tisch fallen lassen:

    1. Ursprung:
    Das Selfpublishing ist entstanden, weil es ein großes Bedürfnis von Menschen gab und immer noch gibt zu Schreiben und das Geschriebene einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Gründe hierfür sind, wie jedes menschliche Tun, vielfältig, aber sicherlich spielt die Hoffnung etwas Geld damit zu verdienen, eine nicht unerhebliche Rolle.

    Amazon hat diesen Trend als erster genutzt und die Möglichkeiten des Selfpublishing auch in Deutschland und später für andere europäische Bürger geschaffen (oder war da jemand anders, der das Potential vorher gesehen hat?)

    Die etablierten Verlage haben diese Entwicklung verschlafen oder nicht ernst genommen.
    Erst als a) die Zahlen Wachstum prognostizierten, b) die technischen Voraussetzungen (e-reader) soweit waren, und c) der große Marktführer mit seinem Kindle massiv Werbung machte, kam Bewegung in die Verlagswelt.

    Denn wer bringt ein „marginal oder überhaupt nicht lektoriertes, meistens fehlerhaftes, langweilig oder überambitioniert gesetztes, dilettantisch ausgestattetes, unglücklich betiteltes Monstrum raus (vom Inhalt ganz zu schweigen), für das beim Start lediglich im Bekanntenkreis Interesse besteht.”
    Da braucht man doch wirklich keiner Angst zu haben, oder? Bei den wenigen Verkäufen noch weniger, stimmt´s?
    Benutzen Sie eigentlich die gleiche Argumentation, wenn sie in einem Billig-Supermarkt auf dem Ramschtisch Billigprodukte oder auf einem Flohmarkt Selbstgemachtes kaufen? Oder sind Sie nur in Feinkostgeschäften unterwegs?

    Statt kreative und marktwirtschaftlich interessante Potentiale zu erkennen und zu fördern, kann man natürlich auch polarisieren und am Gewohnten festhalten.

    2. Autoren: Wenn Ihnen die Entwicklung unserer Buchkultur so am Herzen liegt, sollten Sie unbedingt auch der folgenden Frage nachgehen, denn sie hat viel mit dem Ursprung des Selfpublishing zu tun:

    Wer entdeckt hierzulande neue Autoren? Wie viele „Neue“ sind es denn, die eine Veröffentlichung per Verlag schaffen? Aus eigener Erfahrung und von Branchenkennern kann ich bestätigen, dass ein deutschsprachiger Jungautor fast keine Chance auf Veröffentlichung seines Debüts im Print hat: Zu unbekannt der Name, zu hoch das Risiko.
    Um das unternehmerische Risiko möglichst klein zu halten kommen drei Viertel aller Neuerscheinungen als Übersetzungen aus anderen Sprachräumen. Ist es da nicht verständlich und naheliegend, wenn dann das Internet zur Publikation genutzt wird?

    Von erheblichem Vorteil wäre es gewesen, wenn Sie Ihren Artikel diesbezüglich mit Fakten, sprich Zahlen, untermauert hätten. Diese sprechen nämlich eine eindeutige Sprache und stecken nicht voller Häme, Respektlosigkeit, Verachtung und Klassenideologie.

    Eines ist doch wohl ganz klar:
    Das Selfpublishing hat sehr viele neue Autoren (ich weiß, Sie wollen sie nicht so nennen!) hervorgebracht, ob sie sich nun „als Damhirsch verkleidet, neben Tausenden anderen im Wald der Selbstmörder wieder” -finden oder nicht. Es gibt nämlich auch Menschen (siehe Leipzig-Award) http://www.indie-autor-preis.de/die-preistraeger.html
    die durch das Selfpublishing einer kleinen Karriere entgegensteuern oder gar den Sprung in den „richtigen“ Buchmarkt geschafft haben. Vielleicht würden diese Autoren aber noch in den dunklen Kellern der Ablehnung und Verzweiflung ihr Dasein fristen, in der Annahme, es würde etwas mit ihrer Geschichte nicht stimmen, dabei entscheiden oft ganz andere Faktoren eine Ablehnung vom Verlag.

    Eine erste Umfrage zu dem Thema Selfpublishing läuft jetzt an http://selfpublisherbibel.de/wichtig-die-erste-grose-self-publishing-studie-fur-deutschland/

    Das Mitteilungsbedürfnis der Menschen ist enorm, ihre literarischen Qualitäten lassen sicherlich oft zu wünschen übrig, aber das scheint für den Käufer nicht das einzige Kriterium zu sein. Wie sonst wäre der Erfolg von „Shades of grey“ zu erklären?
    Das ist die willkommene Revolution: der Käufer entscheidet und nicht der Germanistikstudent am Posteingang oder der Marketingmanager eines Verlages.

    „Die Wahrscheinlichkeit, dass er die sagenhaften zehntausend Downloads erreicht, ist bezogen auf die Gesamtmenge der veröffentlichten Titel verschwindend klein, ganz im Gegensatz zu den Chancen unseres Verlagsautors“ kann doch ganz alleine das Problem des Selfpublishers bleiben. Prima, wenn nicht ein Verlag dafür bluten muss, sondern der Selfpublisher selbst. Der Erfolg eines Selfpublishers definiert sich auch in anderen Größen als in Verkaufszahlen. Ein Indie-Autor kommuniziert basisnah und ist über jede einzelne Reaktion, Rezension, Aufmerksamkeit, jeden Satz, Erwähnung, Wettbewerb dankbar. (Auch Lovelybooks arbeitet mittlerweile daran, den Indies ein Forum zu geben, höchste Zeit!)

    “Dass das „»Selfpublishing« tatsächlich Qualitäten hat, die bei entsprechenden Voraussetzungen zum Erfolg führen können, gilt nur für einen Teil der Belletristik. Ein Teil eines Teils also.“
    Na und? Da müsste man erst einmal wissen, was für Sie Qualität bedeutet und was Erfolg. Muss sich ein Selfpublisher eigentlich schlecht fühlen, weil er von Leuten wie Ihnen wie ein fünftklassiger Schreiberling, auferstanden aus der „Müllhalde der virtuellen Buchregale“ beurteilt wird?Mitnichten.

    Ich bin sicher: Ein Selfpublisher ist lernfähig. Selbst wenn er bestimmte Berufe zur Vervollkommnung seiner Tätigkeit nicht selbst ausüben kann, steht der selbständige Lektor, Grafiker, Formatierer bereits in Wartestellung, um die fehlenden Kompetenzen auszugleichen. Das bringt Bewegung in den Markt und wird sicherlich in Zukunft zu einigen ungeahnten Synergien führen.
    Zu guter Letzt sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es auch viele Indie-Autoren gibt, die ihre schriftstellerische Arbeit sehr ernst nehmen, es aber bis zum Marketing-Experten noch nicht geschafft haben (und deshalb auch nicht unter den ersten 100 zu finden sind).

    3. Zukunft: Es lebe die Freiheit! Die der Kunst und die des Marktes!
    Ich freue mich über den Wandel und über die Vielseitigkeit, die für alle Beteiligten, den Leser, die Verlage, die Zulieferer und vor allem für die neuen Autoren (ja, ich nenne sie so!) große Chancen birgt. Ich freue mich auf singels und serials und solche ebooks, die ihre Geschichten multimedial erzählen, mit Links zu Videos, Fotos, Internetportalen, Blogs, kurz zu allem, was im Internet zu haben ist und eben nicht auf Papier. Das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft.

    Viel Erfolg beim Perlentauchen, es gibt immer und überall Schätze zu entdecken. Hier wie da! Aber nur, wenn man neugierig und offen bleibt und die Feindseligkeit einen nicht blind gemacht hat.

  65. Renate Blaes schrieb am 1. Juni 2013 um 00:32 Uhr

    Interessanter Beitrag, liebe Bea, der die Dinge des Selfpublishing schön auf den Punkt bringt. Danke!
    Sie haben völlig Recht – jeder fängt mal klein an. Auch Herr Liehr ist nicht als Schreiberling auf die Welt gekommen …
    Viele Grüße
    Renate
    P. S.: Zum Selfpublishing bin ich gekommen, nachdem 3 Romane von mir von bekannten Verlagen veröffentlicht wurden. An meinen Kurzgeschichten allerdings waren sie nicht interessiert. Weil die Deutschen angeblich nicht gern Kurzgeschichten lesen. Was ich nicht glauben kann. Und wenn dem tatsächlich so ist, nicht verstehen kann. Ich liebe Kurzgeschichten – weil ich sie am Stück im Bett lesen kann.

  66. Peter Hakenjos schrieb am 2. Juni 2013 um 10:23 Uhr

    Hallo Bea,
    ein wundervoller und absolut treffender Beitrag. Ich weiß zwar nicht, ob Herr Liehr den verdient hat – ich glaube es eher nicht, aber du bringst wirklich vieles für uns Autoren auf den Punkt.
    Ich vermute mal, Herr Liehr wollte provozieren und das ist ihm gelungen. Polemik an sich ist ja nicht schlecht. Dass er dann so viel Tinte dafür verschwendet hat, ist mir allerdings nicht einsichtig. Sollte er wirklich meinen, was er schreibt?

  67. Bea Milana schrieb am 2. Juni 2013 um 11:13 Uhr

    Lieber Peter, ich mag eigentlich auch nicht glauben, dass Herr Liehr das ernst meint; er gehört wahrscheinlich eher in die Schublade von Menschen, die marktschreierisch auf sich aufmerksam machen wollen.

  68. Cornelia Lotter schrieb am 2. Juni 2013 um 19:57 Uhr

    @ Bea: so, so, Schubladen für Menschen, interessant. Ich bin wirklich erstaunt, wer sich hier wie zu Wort meldet.

    @ Renate Blaes: Klickt man auf Ihren Namen, kommt man zu einem Dienstleister, auch wenn Sie ihn Verlag nennen. In welchen großen Verlagen sind denn Ihre Romane erschienen? Bei amazon bin ich da nicht fündig geworden. (Nur BoD u.Ä.)

  69. Peter Hakenjos schrieb am 3. Juni 2013 um 14:33 Uhr

    Nur eine kleine Anmerkung zur Begrifflichkeit: Autor und Schriftsteller ist JEDER, der Texte bzw. Romane, Poesie oder Geschichten verfasst und veröffentlicht. Damit ist noch nichts über den Wert dieser Produkte ausgesagt. Es ist wie bei der Kuns:. Ein Kind, das am Strand aus Sand ein Burg baut, ist “Künstler”. Ob es deshalb “künstlerischen Wert” hat? Eher nicht.

  70. Peter Hakenjos schrieb am 3. Juni 2013 um 14:39 Uhr

    Oups! Fiel mir gerade noch auf: Warum duzt uns Herr Liehr eigentlich, wenn er doch gar nicht zu uns gehört, zu denen, die er anspricht? Finde ich echt nicht nett! Mir wäre mir das höflichere “Sie” von ihm lieber, so schön polemisch sein Artikel auch ist.

  71. Renate Blaes schrieb am 3. Juni 2013 um 14:47 Uhr

    @ C. Lotter
    Schneekluth
    Lübbe
    Knaur
    S. Fischer

  72. Nadine1978 schrieb am 17. Juni 2013 um 19:48 Uhr

    Die heftigen Reaktionen auf Tom Liehrs Text wundern mich sehr. Er sagt doch eigentlich gar nichts gegen Selfpublishing an sich – er weist nur darauf hin, daß man auf diesem Weg nicht reich und berühmt wird.

  73. Lars Gunmann schrieb am 17. Juni 2013 um 22:00 Uhr

    Nun ja, das trifft dann aber sicher nicht nur auf das Selfpublishing zu, sondern auf tausend andere Dinge auch.

    Tom Liehr ist schließlich auch nicht berühmt, und reich sicher auch nicht. Vom Schreiben wird er aber eventuell leben können, und ich denke, dass ist doch das Ziel von vielen.

  74. Nadine1978 schrieb am 20. Juni 2013 um 10:19 Uhr

    Klar trifft das auf viele Dinge zu. Schreiben ist – genau wie Singen, Malen, Töpfern und vieles mehr – eine sehr schöne Tätigkeit, aber die Aussichten, davon leben zu können oder gar damit Karriere zu machen, sind nun einmal sehr, sehr gering. Warum macht es soviele Leute wütend, wenn jemand diese Tatsache ausspricht?

  75. Lars Gunmann schrieb am 20. Juni 2013 um 12:09 Uhr

    Ich denke nicht, dass es das ist, was die Leute wütend macht. Das wird schon vielen klar sein, auch wenn es einige unverbesserliche gibt, die meinen, die Literaturwelt müssten vor ihnen niederknien.

    Wütend wurden die Leute dadurch, dass Tom Liehr ihre Schreiberei mit der Müllhalde verglichen hat, etc. Die Musik hat dafür Dieter Bohlen, aber der macht auch nur die nieder, die zu seinem Casting kommen, und nicht die, die ihre Musik und ihren Gesang auf Youtube oder auf Indie-Musikseiten einstellen.

    Beim Töpfern kommt doch auch niemand auf die Idee, den Leuten ihr Hobby madig zu machen. Und wenn mir auf einer Hobbyaustellung etwas nicht gefällt, spreche ich auch niemanden darauf an, dass sie/er doch lieber Regale auffüllen gehen sollte.

  76. Peter Hakenjos schrieb am 20. Juni 2013 um 18:46 Uhr

    Hallo Nadine 1978,
    ich bin schon viel auf Foren von uns Nobodys unterwegs gewesen. Dass jemand wütend war, weil die “Geschäftsaussichten” für das Schreiben schlecht sind, habe ich bislang kaum angetroffen. Was uns eher nervt ist die Tatsache, dass ein Etikett wie BoD, LULU, Create Space usw. ausreicht, um mit Arroganz und Ignoranz behandelt zu werden. Künstlern geht es da nicht viel anders. Ich war beim Kunstverein in einem Dauerkeramik-Kurs. Einige unseres Kurses hatten bessere Objekte hergestellt, als das was man gemeinhin in renommierten Ausstellungen sieht. In der Folge davon waren hin und wieder die unbewacht herumstehenden Tonfiguren von Profis, die die Räume ebenfalls benutzt haben, beschädigt und wurde immer wieder von den “Profis” der Antrag gestellt, diese Kurse zu unterbinden.
    Vielleicht war der Artikel von Herrn Liehr etwas Vergleichbares: Revieransprüche der Etablierten verteidigen. Sehen wir es ihm nach. Er hat immerhin ein paar sehr treffende Beobachtungen dargeboten ;-)

  77. Nadine1978 schrieb am 21. Juni 2013 um 09:14 Uhr

    Hallo Peter Hakenjos,

    ja, jetzt verstehe ich, was Sie meinen – es nervt Sie und andere, daß BoD-Veröffentlichungen automatisch als schlecht gelten, nur weil sie bei BoD erschienen sind. DIESEN Ärger verstehe ich gut, denn das ist wirklich arrogant. Ein guter Text wird nicht dadurch schlechter, daß er “selbst” publiziert wurde, da gebe ich Ihnen recht.

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