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Selfpublishing: So veröffentlichen Sie Kinderbücher für Kindle und Co

Kinderbuch als E-Book auf dem Kindle Fire

Kann man als Selfpublisher auch Kinderbücher oder gar Bilderbücher als E-Book veröffentlichen?

Die Antwort ist: Ja. Doch es gilt einige Dinge und Einschränkungen zu beachten.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen zudem, wie Sie mit dem »Kindle Kids’ Book Creator« eigene Kinderbücher als E-Book erstellen und verkaufen können.

Der Einsatz von Bildern und Grafiken steht dabei im Mittelpunkt der Überlegungen. Ist von Bilderbüchern, Kinderbüchern und Jugendbüchern die Rede, so können wir drei Arten von E-Books unterscheiden.

Die unterschiedlichen Arten von Kinder- und Jugendbüchern

Jugendbücher
In E-Books für ältere Kinder und Jugendliche sind in der Regel keine Bilder enthalten. Um dieser E-Books soll es hier nicht gehen, denn es sind »normale« E-Books, für die all das gilt, was Sie in unserem Ratgeber [1] oder anderen Beiträgen zum Thema E-Book und Selfpublishing nachlesen können [2].

Kinderbücher
Bücher für Leseanfänger enthalten meist Grafiken, die eher Beiwerk sind und zur Lesemotivation dienen. Sie sind im Grunde nicht zwingend erforderlich und illustrieren nur hin und wieder Schlüsselszenen. Bei diesen Büchern steht der Text im Vordergrund. Für Leseanfänger ist er oft größer gesetzt.

Auch diese E-Books können auf dem herkömmlichen Weg erstellt werden, indem die Grafiken über die Textverarbeitung eingebunden werden. Wenn man bei Amazons KDP-Portal [3] beispielsweise eine Word-Datei hochlädt, werden die darin enthaltenen Grafiken automatisch mit konvertiert. Da der Leser auf seinem Lesegerät Schriftgröße und -art selbst einstellen kann, kommt es vor, dass hin und wieder der Umbruch vor und nach einem Bild oder Bildunterschriften nicht dort erscheinen, wo man es als Autor beabsichtigt hat. Am besten testet man sein Werk vorab auf unterschiedlichen Geräten und unterschiedlichen Einstellungen, indem man die Datei mit Calibre [4] ins Amazon-Mobi-Format oder ins EPUB-Format umwandelt und per USB-Kabel auf die Geräte überträgt. Für die Grafiken in den E-Books sollten Sie die Einschränkungen unten berücksichtigen.

Bilderbücher
Wie es der Name schon sagt, stehen hier Bilder im Vordergrund. Text beinhalten diese Werke meistens sehr wenig oder gar nicht.

Einschränkungen bei Bilderbüchern als E-Book

Werfen wir daher einen Blick auf E-Books mit Bildern und auf Bilderbücher. Zunächst gilt es die Einschränkungen zu berücksichtigen, die das Format E-Book und die aktuellen E-Reader und Tablets mit sich bringen.

Schwarz-Weiß-Darstellung
Android-Tablets, das iPad, iPhone und der Kindle Fire [5] können Grafiken in E-Books farbig darstellen. Doch ein Großteil der Leser bevorzugt zum Lesen nach wie vor E-Ink-Geräte wie den Kindle Paperwhite [6] oder den Tolino [7]. Diese Geräteklasse stellt Bilder jedoch nur schwarz-weiß dar. Optimalerweise sollten also die Farben so gewählt werden, dass die Abbildungen auch in Schwarz-Weiß noch gut wirken. Wenn Sie Ihr Buch für Geräte mit Farbdisplay optimieren, schließen Sie viele Leser und somit Käufer aus. Manche sind deswegen vielleicht verärgert und geben Ihrem Buch schlechte Bewertungen. Ein Hinweis in der Buchbeschreibung, dass das Buch für Farbgeräte optimiert ist, hilft da wenig! Seien Sie sich also der »Schwarz-Weiß-Leser« bewusst.

Ein Bilderbuch, bei dem die kleinen Leser beispielsweise Farben lernen und unterscheiden sollen, funktioniert daher auf einem Kindle Paperwhite nicht (siehe auch Nachtrag unten).

Größe des Bildschirms
Bilderbücher sind meist großformatig, damit die Abbildungen gut wirken. Dem gegenüber stehen die eher kleinen Displays der Tablets, der E-Ink-Reader oder gar von Mobiltelefonen, die ebenfalls potenzielle Lesegeräte sind.

Der Text eines Romans kann beliebig umbrochen und vom Gerät neu formatiert werden. Mit Bildern klappt dies nicht. Im Gegenteil: Für Bilderbücher wird oftmals ein fixes Layout eingesetzt, sodass die Grafik zwar den gesamten Bildschirm ausfüllt, aber nicht herangezoomt werden kann. Die Detailtiefe der Grafiken sollte daher so gewählt werden, dass alle wesentlichen Bildbestandteile auch auf kleineren Displays erkennbar bleiben.

Die berühmten Wimmelbücher [8] mit ihren vielen Details sind also als normales E-Book nicht geeignet (Siehe auch den nächsten Punkt).

Animationen, Ton und Interaktion
Wer an Kinderbücher für Tablets denkt, dem fallen vielleicht einige tolle Kinderbücher ein, die er auf dem iPad gesehen hat. Dort kann man Figuren auf dem Bildschirm antippen [9], die sich dann bewegen oder Laute von sich geben. Bewegt man das Gerät, so fallen vielleicht Dinge im Bild um, oder man kann mit dem Finger etwas verändern, z. B. heranzoomen.

So beeindruckend und vorbildlich diese Werke gestaltet sind, meist handelt es sich um aufwendig programmierte oder gar für bestimmte Geräte optimierte Anwendungen und Buchdateien, deren Entwicklung überaus kostenintensiv ist. Für Selfpublisher ist dies wohl keine Option. E-Reader wie Tolino und Kindle Paperwhite haben nicht einmal einen Lautsprecher, und Animationen können sie nicht flüssig darstellen.

Bilderbücher für Amazons Kindle erstellen:
Kindle Kids’ Book Creator

Kinderbuch als E-Book auf Kindle Paperwhite und Kindle Fire (hinten)

Kinderbuch als E-Book auf Kindle Paperwhite und Kindle Fire (hinten) mit vergrößertem Text-Popup

Wie so oft macht es Amazon für Selfpublisher am einfachsten. Mit dem »Kindle Kids’ Book Creator [10]« stellt der US-Konzern eine kostenlose Software für Windows-Rechner und Macs zur Verfügung, womit man ohne Progammierkenntnisse aus Einzelbildern eine fertige Buchdatei erstellen kann. Diese Datei ist auf allen Kindle-Geräten [mit Farb-Display] und Kindle-Lese-Apps [11] darstellbar (neueste Software-Version vorausgesetzt [12]), sodass auch Benutzer von Tablets oder Apple-Geräten das E-Bilderbuch ansehen können.

[Nachtrag: Derzeit unterbindet Amazon den Download eines Kinderbuchs auf die hauseigenen E-Ink-Geräte (Paperwhite, Kindle, Kindle Voyage). Nur die Kindle-Fire-Modelle oder die Apps ermöglichen Kauf und Download von digitalen Kinderbüchern. Wie unser Test zeigt (siehe Bildergalerie), funktionieren die mit dem Kids’ Book Creator erstellten E-Books dennoch auch auf dem Paperwhite. Es handelt sich also nicht um eine technische Inkompatibilität. Es kann nur vermutet werden, dass Amazon das Leseerlebnis auf einem Farbdisplay als optimaler ansieht und daher E-Ink-Geräte künstlich vom Download ausschließt. Für unseren Test hatten wir die Buchdatei per USB-Kabel übertragen.

Nachtrag 2: Auf Nachfrage spricht Amazon gewohnt unpräzise von einer »bestmöglichen Leseerfahrung« die es den Lesern zu verschaffen gelte, sodass man Bücher mit festem Layout derzeit nicht für E-Ink-Geräte anbiete. Dies sei zwar geplant, doch könne man keinen Termin hierfür nennen.]

Der Kindle Kids’ Book Creator [10] arbeitet mit festem Layout. Anders als bei normalen Text-E-Books wird jeweils eine Grafik dargestellt, die nicht vergrößert werden kann. Beachten Sie daher die Hinweise oben und verwenden Sie nicht zu detailreiche Grafiken.

Auf den Grafiken lassen sich mit der Software Textfelder platzieren. Wenn der Leser diese antippt, wird der Text in der Mitte des Bildschirms größer dargestellt.

Zudem muss man sich festlegen, ob das Buch im Hoch- oder Querformat dargestellt wird. Ein späteres Drehen des Inhalts durch den Leser ist nicht möglich.

Will man ein Bilderbuch erstellen, so sollte man die Seiten als einzelne Grafiken vorliegen haben, ebenso das Titelbild.

Beim Start des Programms fragt dieses Metadaten wie Titel und Autor ab, sodann wählt man das gewünschte Layout und die Coverdatei aus.

Anschließend lädt man Bild für Bild – also Seite für Seite – in das Programm und platziert die Textfelder. Auch das Einbinden individueller Schriftarten erlaubt die Software. Denken Sie daran, dass der Leser die Schrift nicht vergrößern kann, also gestalten Sie sie ausreichend groß!

Bildergalerie: So erstellen Sie Kinderbücher mit Amazons Kindle Kids’ Book Creator

Um den rechtlichen Anforderungen in Deutschland zu entsprechen, sollte man zudem eine »leere« Grafik einfügen und darin als Textfeld das Impressum mit seinen Kontaktdaten einsetzen. Das könnte zum Beispiel die letzte Seite der Buchdatei sein.

Alternativ zum Aufbau Bild für Bild können Sie in den Kindle Kids’ Book Creator auch eine fertig gestaltete PDF-Datei importieren. Das Programm macht daraus dann Einzelbilder. Bisweilen leidet aber die Qualität, sodass die bildweise Arbeitsweise oftmals das bessere Ergebnis liefert. Deswegen sollten Sie auch nach einem PDF-Import jedes Bild kontrollieren und notwendige Text-Popups ergänzen.

Die Programmoberfläche ist komplett auf Deutsch [15], und es gibt eine ausführliche Anleitung und Programmhilfe in deutscher Sprache. So sollte es kein Problem sein, ohne Programmierkenntnisse ein Bilderbuch zu erstellen.

Zur Überprüfung des Ergebnisses ist im Kindle Kids’ Book Creator der Kindle Previewer (Kindle Vorschau) [16] enthalten. Auf Ihrem Mac oder Windows-Rechner können Sie so vorab prüfen, wie Ihre Buchdatei auf den Kindle-Geräten aussehen wird. Dennoch raten wir dazu, dass Sie das Ergebnis tatsächlich auf den Endgeräten testen – sofern vorhanden. Die Emulation des Kindle Previewer ist zwar sehr gut, doch kann das »echte« Lesegefühl auf einem E-Reader nicht vollständig simuliert werden.

Profis können sich optional den zugrunde liegenden HTML-Quellcode ansehen und diesen gezielt bearbeiten.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, können Sie final vom Programm eine MOBI-Datei erstellen, die Sie über das ganz normale KDP-Portal von Amazon [3] hochladen [2] können. Amazon ermöglicht es dort sogar, das Lesealter anzugeben, was Käufern bei der Auswahl helfen kann. Alle KDP-Instrumente stehen zur Verfügung, Sie können also Ihr Buch auch beim KDP-Select-Programm [17] anmelden.

Eines sollten Sie im Auge haben: die Dateigröße! Da eine Kinderbuchdatei fast nur aus Grafiken besteht, ist sie größer als bei einem rein textbasierten E-Book.

Amazon erlaubt eine maximale Dateigröße von 650 Megabyte. Wenn jedes verkaufte Buch Ihnen Einnahmen von 70% des Nettopreises [2] bringen soll, wird Ihnen jedoch auch eine »Lieferpauschale« abgezogen, die sich an der Dateigröße orientiert.

Aktuell (September 2014) werden pro Megabyte 12 Cent an Versandkosten abgezogen [18]. Ist Ihre Buchdatei also 500 MB groß, wären das 60 Euro! Diese Summe fällt nicht an, wenn Sie Ihr Buch im 35%-Tantiemenbereich anbieten. Doch auch der Download eines solchen Dateimonsters würde über ein langsames WLAN oder gar Mobilfunknetz für den Leser ewig dauern. Optimieren Sie daher Ihre Bilddateien schon im Vorfeld so, dass sie gut aussehen, aber dennoch die Dateigröße nicht zu mächtig ist.

Bilderbücher für EPUB-Reader erstellen

Kinderbücher für Kindle-Geräte sind mithilfe des Kindle Kids’ Book Creator einfach erstellt. Doch wie sieht es mit anderen Lesegeräten aus? Dem Tolino [7] zum Beispiel, der E-Books als EPUB-Dateien benötigt und das Amazon-Format nicht anzeigen kann.

Mit einem Programm wie Calibre [20] könnten Sie die MOBI-Datei, die der Kindle Kids’ Book Creator erzeugt hat, in eine EPUB-Datei umwandeln. Doch in der Praxis ist das Ergebnis wenig befriedigend: Das Layout ist zerstört, der Text nicht oder falsch formatiert. Die spezifischen Formatierungen für den Kindle werden nicht übernommen.

Ein kostenloses Programm, mit dem Sie für den Tolino ebenfalls ohne Programmierkenntnisse ein Bilderbuch zusammenklicken könnten, wird nicht angeboten. Hinzu kommt, dass es für den Tolino kein vergleichbares Angebot für Selfpublisher gibt wie bei Amazon. Ein spezielles Kinderbuch-Format mit Text-Popups wird vom Tolino nicht unterstützt. Sollten Sie mit einem Profi-Tool wie InDesign [21] ein EPUB mit fixem Layout erstellt haben, müssten Sie Ihre Datei zudem über einen Distributor bereitstellen.

Bilderbücher für Tolino und Co. sind also für den Selfpublisher nicht wirklich eine Option. Von Behelfslösungen wie »eine Bilddatei pro E-Book-Seite« wollen wir hier absehen.

Sie kennen eine alternative Lösung? Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Kinderbücher für iPad und Mac

Wenn es um bilderreiche E-Books geht, darf der Hinweis auf das kostenlose Programm iBookAuthor [22] von Apple nicht fehlen. Allerdings läuft es nur auf Macs. Damit lassen sich ebenfalls ohne Programmierkenntnisse beeindruckende E-Books erstellen, die sogar Videos oder Audiodateien beinhalten können.

Diese E-Books lassen sich aber nur via Apple verkaufen und nur auf dem iPad und Mac-Computern anzeigen. Bereits auf dem iPhone ist ein Lesen dieser Dateien nicht mehr möglich, sodass die Zielgruppe recht eingeschränkt ist.

Fazit

Wenn es um das Erstellen und den Verkauf von Bilderbüchern geht, hat Amazon wieder einmal die Nase vorn. Mit dem kostenlosen Kindle Kids’ Book Creator [10] lassen sich ohne Programmierkenntnisse E-Books für Kindle-Geräte und Kindle-Apps erstellen und via Amazon hochladen und verkaufen. Da Amazon mit Abstand die wichtigste Plattform für Selfpublisher ist, ist dies also eine gute Option, mit dem eigenen elektronischen Kinderbuch Geld zu verdienen [2].

Weitere Tipps finden Sie in unserem E-Book für Amazons Kindle

Cover der 6. Ausgabe: Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen [23]In unserem E-Book »Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen [24]« finden Sie weitere Tipps zur Erstellung digitaler Bücher.

Kaufen Sie das E-Book und werden Sie Teil des Experiments, über das wir in unserem Erfahrungsbericht ständig Aktuelles schreiben [25]. Außerdem freuen wir uns über Ihre Amazon-Rezensionen zu diesen Titel.

Zum Lesen des E-Book benötigen Sie kein Kindle-Gerät. Amazon bietet kostenlose Lese-Software für Kindle-Bücher [26] auch für mobile Geräte (iPhone, iPad, Android oder Desktop-PC und Mac an. Einmal erworbene Kindle-Bücher können Sie auf allen Geräten lesen.

Wolfgang Tischer: Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen - 6., nochmals erweiterte und überarbeitete Ausgabe [Kindle Edition] für Amazon Kindle (alle Modelle) [27] und die entsprechenden Apps für iPhone, iPad, Android, Mac und PC [26], 2012. literaturcafe.de.
E-Book für 2,99 Euro bei Amazon kaufen [24]