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Beitrag vom 25. September 2017 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Preise und Wettbewerbe

Self-Publishing-Preis: Ein Blick auf Amazons Storyteller Award 2017

Kindle Storyteller 2017

»Die Finalisten des Kindle Storyteller Award 2017 stehen fest«, teilt Amazon dem literaturcafe.de freundlicherweise mit, und ich denke mit vergnügtem Erinnern zurück an die vergangenen Jahre: Was einem da aber auch als preiswürdige Self-Publishing-Literatur angedient wurde (vgl. hier und da und dort)!

Erneut zahlt Amazon der Gewinnerin oder dem Gewinner 10.000 Euro Preisgeld. Damit in diesem Jahr nicht nur schnöde Unterhaltungsliteratur gewinnt, gibt’s erstmalig den Sonderpreises Kindle Storyteller X. Für »nicht traditionelle Belletristik« und Sachbuch-Genres spendiert Amazon nochmals 5.000 Euro.

Unser Textkritiker Malte Bremer hat sich die nominierten Titel beider Kategorien angeschaut.

Die Nominierten Titel für den Kindle Storyteller Award 2017

Kindle Storyteller 2017

An erster Stelle der von Amazon ausgesuchten Werke – ich sehe das nicht als Rangliste, denn alle fünf haben höchste Bewertungen, wenn auch keine, die auf literarischen Kriterien beruhen – steht ein Liebesroman von Emma Wagner, der da heißt Wir für immer und zu dem Amazon Folgendes anmerkt:

Ein zutiefst berührender und erstklassiger Liebesroman über die junge Sophie, der von Vertrauen, Verrat und Vergebung, Freundschaft und Feindschaft handelt, von zerstörten Hoffnungen und neuen Träumen und dem Kampf um die ganz große Liebe.

Das erinnert trefflich an den In- und Gehalt abgeschlossener zweiseitiger Liebesromane der goldenen Blätter und Konsorten für die Frau! Nun gut, Jetzt werfe ich mal einen Blick:

Eine ältere Frau mit einem an der Leine zerrenden Pudel beobachtet die Ich-Erzählerin, weil letztere schon eine halbe Ewigkeit vor einer Haustür steht, ohne sich zu rühren.

Folglich beobachtet die Ich-Erzählerin wohl die ältere Frau mit dem zerrenden Hund? Und sie beobachtet äußerst präzise, denn sie kann wahrnehmen, dass die ältere Frau trotz Zerrpudel sich keinen Millimeter vom Fleck bewegt.

Halbe Ewigkeit! Diese dusselige Worthülse ohne erkennbaren Inhalt: Ewig heißt OHNE ANFANG UND OHNE ENDE, das lässt sich auch nicht halbieren und ist nur Ausdruck umgangsprachlicher Gewohnheit: man (& frau) hält sich halt mit Flachsinn über Wasser, denn so schreibt’s sich schließlich von allein!

Dann hofft die Ich-Erzählerin, dass die Frau sich endlich weiter ihrem Spaziergang widmet – aber bisher war die doch noch gar nicht spazieren gegangen? Die stand doch nur da und hatte sich sogar neugierig über den Gartenzaun gebeugt? Wann auch trifft man schließlich Menschen, die regungslos – pardon: eine halbe Ewigkeit – vor einer Tür stehen, statt einfach zu läuten? Auch wenn einem solchen noch freundlich mitgeteilt wird, dass da ja jemand zu Hause ist? Ist doch spannend, und Pudelfrau durchaus hilfsbereit. Von einem Spaziergang kann die Ich-Erzählerin gar nichts wissen!

Die Ich-Erzählerin nickt der Frau mit verkrampftem Lächeln zu, also mit einer weiteren sprachliche 08/15-Hülse. Sie fürchtet zudem, dass sie für eine Einbrecherin gehalten wird, denn die pflegen ja regungslos vor Türen zu stehen, vor allem wenn sie wissen, dass jemand zu Hause ist.

Was ein Schmarrn!

Emma Wagner: Wir. Für immer. Kindle Edition. 2017.  » Herunterladen bei Amazon.de

Kindle Storyteller 2017

An zweiter Stelle folgt – nein: Kein Kriminalroman, auch kein Thriller, sondern ein Werk von Elias Haller, denn der hat den Kriminalthriller Der Augenmacher geschrieben (im Buch selbst schrumpelt dieser unversehens wieder zu einem schnöden Thriller zusammen). Amazon bemerkt dazu:

Ein packender Thriller über einen brutalen Serienmörder, der nach siebenjähriger Abstinenz wieder zugeschlagen hat. Sein neuestes Opfer weist eine frappierende Ähnlichkeit mit der ermittelnden Kriminalhauptkomissarin auf.

Der Roman beginnt mit einem der gefürchtet blödsinnigen, weil fälschlicherweise so benannten »Prologe«, die statt der für einen Prolog erforderlichen Mitteilungen von Verfassern an geneigte Leser und Leserinnen irgendwelche Appetithappen aus dem Text enthalten, weil der eigentliche Text offenbar so miserabel ist, dass er nicht für sich selbst spricht! Hier ist es ein Erlebnis von Carolin, die so dumm war, weil sie ein Kind war. Überall lagen nämlich Federn und klebte Blut. Und weil Carolin ein dummes Kind war, riss sie die Hände zum Mund. Sie hatte sich in den Hühnerstall verirrt und konnte sich dort nicht verstecken. Wird so behauptet. Begründung? Fehlt. Dumm halt. Ob sie ins Haus sollte, in der Dunkelheit, allein? Und jetzt wird’s oberspannend: Dort würde er sie garantiert finden. Denn er kam. Oioioi, wird wohl ein Böser sein? Was weiß schließlich ein dummes Kind?

Jetzt wird »mitgeteilt«, was vor der Flucht war. Hätte als Appetithappen doch völlig gereicht und der E-Publisher-Prolog-Manie völlig genügt – Aber nein: Immer noch im Prolog! Immer noch keine Mitteilungen für Leser!

Carolin war nämlich in der Dunkelheit vom Strand geflüchtet, weil in der Nacht auf der Ostsee ein schneeweißer Mast aufgetaucht war (Leuchtfarbe? Angestrahlt?), und die daran befindliche Flagge getanzt hatte wie ein zorniges Gespenst (wie tanzen zornige Gespenster) und das Scheinwerferlicht (welches Scheinwerferlicht? Waren Mast samt Flagge angestrahlt? Oder sind hier die Positionslichter gemeint, rot und grün?) – oder war hier ein Suchscheinwerfer zugange, denn wenn das Scheinwerferlicht sie erfasst hatte, könnte damit auch das dumme Kind gemeint sein – aber dann hätte sie, da geblendet, weder Mast noch Gespenster-Zorn-Tanz sehen können. Oder liegt hier ein Wechsel der Erzählperspektive vor, also nicht mehr dumme Carolin, sondern neutraler Erzähler?

Egal: Interessiert mich nicht die Bohne. Nur zusammengestümperte Albernheiten & Klischees! Ein Rumpf, der den Wellen trotzt wie ein mächtiges Schlachtross, das durch die Reihen der Feinde pflügt, hinter ihr (also Carolin) war der Bug des Piratenschiffes (auch DAS noch!) hin und her geschwankt – was sie ja nicht sehen konnte – und was die Führung eines Suchscheinwerfers – sofern es überhaupt einer war – ziemlich beeinträchtigt). Schrott.

Elias Haller: Der Augenmacher: Thriller. Kindle Edition. 2017.  » Herunterladen bei Amazon.de

Kindle Storyteller 2017

An dritter Stelle folgt der zweite Teil eines Fantasy-Romanes von Sam Feuerbach: Der Totengräbersohn. Amazon teilt uns dazu mit:

Das Leben von Totengräbersohn Farin ist mehr als eintönig, aber als die verstorbene Giftmischerin des Dorfes unter die Erde gebracht werden muss, erlebt der Junge eine Verkettung verrücktester Umstände.

Erfreuliche Überraschung: Es ist das erste (und einzige!) Buch in dieser Reihe, das ich vielleicht lesen würde. Und das nicht, weil ich etwa ein Fantasy-Fan wäre – sondern weil es auch in diesem Genre literarisch überaus gelungene Werke gibt!

Dieser Roman geht flott voran, es gibt nur wenige Stellen, wo ich Kürzungen empfehlen würde; es gibt etliche Fehler bei der Zeichensetzung, vor allem die direkte und zitierte Rede betreffend, und eine Menge Mängel im Layout, weil wegen inhaltlich unklar gesetzter Absätze nicht klar wird, welche Worte und Handlungen zu welcher Person gehören und wo das wechselt. Es ist lästig, wenn ich manche Absätze mehrmals lesen musste, um das vom Inhalt her aufzuschlüsseln – dabei wäre es von einer logischen Gestaltung der Absätze her leicht zu beheben.

Sam Feuerbach: Der Totengräbersohn: Buch 2. Kindle Edition. 2017. www.samfeuerbach.de » Herunterladen bei Amazon.de

Kindle Storyteller 2017

Als viertes Werk hat Amazon ein Jugendbuch von Mira Valentin ausgewählt: Der Mitreiser und die Überfliegerin. Amazon meint dazu:

Ein einfühlsamer Jugendroman über menschliche Verluste, Seelentiere und die Herausforderungen des Lebens, die jede Menge Mut erfordern.

Fein – Aber was sind Seelentiere? In diesem Kitschwerk ist doch bestimmt Seelentiefe gemeint?– Tatsächlich jedoch gibt es Mengen kitschiger Handbücher für die Bestimmung von Seelentieren! Man lernt eben nie aus! Gut, dass ich eine Seele weder habe noch brauche …

Zurück zum Machwerk: Immerhin beginnt dieses Jugendbuch mit einer Warnung an die Jugendlichen:

Bei Personen, die an Depressionen leiden, suizidale oder selbstverletzende Gedanken haben, könnte das Lesen dieses Buches zu einer Verschlechterung ihres Zustandes führen.

Da brat mir doch jemand bitte einen Storch: Welche Jugendlichen haben denn keine suizidalen, depressiven oder selbst-verletzenden Gedanken? Das ist doch normal, schlimm ist, wer als Jugendlicher solche heimliche Gedanken nicht hat oder hatte! Ist das eine juristische Absicherung, um sich zu schützen? Also, liebe Jugendliche, wenn’s euch beim Lesen scheiße geht, ist das nicht meine Schuld, ihr seid gewarnt worden!

Zum Buch: Pubertärer Kitsch! Schon bei der Widmung und ganz schlimm bei dem Gedicht! Erläuterung: Während der Pubertät sind Tagebücher und eigene Weltschmerz-Gedichte usw. (und heute leider auch noch Facebook, WhatsApp und Co.) ein ungeheuer wichtiges Seelen-Reinigungsportal für die vielfältigen Probleme Jugendlicher. Dabei ist die reinigende Funktion am Wichtigsten: Wer seinen Weltschmerz u. a. irgendwie losgeworden ist, fühlt sich sofort besser. Der Inhalt interessiert in der Regel nicht, denn dabei geht es nicht um Literatur!

Dass dann noch ein Pseudo-Prolog folgt mit einer pubertären Liebesgeschichte, wundert nicht: Finger weg! Die pädagogische Absicht kriecht auch hier aus jedem Satz …

Mira Valentin: Der Mitreiser und die Überfliegerin. Kindle Edition. 2017.  » Herunterladen bei Amazon.de

Kindle Storyteller 2017

Als fünftes Werk wurde gesetzt die 17. Folge einer Ostfrieslandkrimi-Reihe von Elke Bergsma, Zornesbrut.

Ein fesselnder Ostfrieslandkrimi über einen Hauptkommissar, der sich eigentlich mit Yoga und Qigong erholen soll, jedoch aufgrund eines Mordes im benachbarten Streichelzoo in einen weiteren verzwickten Fall gezogen wird.

Das meint Amazon dazu. Schau mer mal: Klar, musste ja sein, Pseudoprolog (Ab sofort nur noch ProllPro, um den Unterschied zu einem Prolog zu klassifizieren). Also: Da schreit es in ihm »Weg, nur weg!« Eigentlich sollte man diesem Befehl sofort Folge leisten – Aber leider schrie es nicht im ProllPro, sondern in einem Ihm. Wer oder was dieses schreiende Es ist, wissen wir nicht, müssen wir auch nicht, es ist einfach das hirnlose Es, das immer wieder bemüht wird, wenn man bzw. frau keine Lust haben, sich beim Schriftstellern von ausgelutschten Formulierungen zu befreien.

Zurück zum wegwollenden ES: Weg will es von den Schreien, dem Gewimmer, dem Haut-auf-Haut-Klatschen. Aber der Körper des ES gehorchte nicht, sondern lugte um die Ecke und sah, wie eine Faust ein Wumm machte. Dann hört der Körper »Aufhören! Sofort Aufhören!« rufen und merkt – Na? Was wohl? Dämmert’s? Richtig, Genau: – »erst Sekunden später, dass er selbst es war, der diese Worte ausgestoßen hatte».

Mehr Quatschkitsch ertrag ich nicht.

Elke Bergsma: Zornesbrut - Ostfrieslandkrimi (Büttner und Hasenkrug ermitteln 17). Kindle Edition. 2017.  » Herunterladen bei Amazon.de

Die Nominierten Titel für den Kindle Storyteller X Award 2017

Amazon teilte uns außerdem die Titel der drei Bücher der Kindle-Storyteller-X-Shortlist mit, und da lassen wir uns nicht lumpen:

Kindle Storyteller 2017

Da ist zunächst die »Romanhafte Biografie« von Kera Rachel Cook: Hässliches Entlein war gestern, wozu Amazon mitteilt:

In dieser Biographie erzählt das Ex-Model offen und bewegend von ihren Erfahrungen in der oftmals oberflächlichen Modelwelt, ihrer Essstörung und dem harten Weg, diese zu überwinden, sowie ganz neuen Zielen fernab des Laufstegs.

Donnerwetter: Ein echter Prolog: Die Autorin wendet sich an die potentiellen Leserinnen bzw. Leser und erklärt, wer sie ist, wie alt, wie groß, zudem verheiratet und teilzeitglücklich – und vor allem, wie das war mit ihrer Model-Karriere, und dass sie endlich ihre Ess-Störungen überwunden hat usw.

Und dann erzählt sie, einfach, klar, selbstverständlich, ihre Träume und Wirrungen und Irrungen! Ein preiswürdiges Jugendbuch! Toll!

Kera Rachel Cook: Hässliches Entlein war gestern. Kindle Edition. 2017. choose love » Herunterladen bei Amazon.de

Kindle Storyteller 2017

Es folgt was Ausgefallenes, nämlich ein Lyrikband von Kea von Garnier: Poetische Zeiten. Amazon fasst zusammen:

In Kea von Garniers Gedichten geben sich Witz und Melancholie wechselseitig die Klinke in die Hand. Neben Details aus dem Großstadtleben thematisiert sie die Liebe in all ihren Facetten, aber auch die wunden Punkte der Konsumgesellschaft.

Mag sein – aber wer das Buch aufschlägt, muss sich zunächst durch eine grafisch fürchterlich zentrierte Danksagung quälen, in der die Autorin allen ZweiflerInnen und QuerdenkerInnen dankt, die abseits der ausgetretenen Pfade auf der Reise sind usw. laberlaber! Das kitscht, es ist nicht zum aushalten! Soll das eine Selbstkarikatur sein? Die Autorin selber eine, die mutig drauflosliebt? In Kleinigkeiten große Schätze findet? Offen zu ihren Schwächen steht? TagträumerIn, RebellIn, FriedensstifterIn? Eine, die den wahren Reichtum (Ächz!) in ihrem Inneren (Doppelächz!!) sucht? Da befürchte ich Schlimmstes!

Das erste mit dem Titel MEIN HERZ – EIN OZEAN endet:

Mich liebt man nicht,
mich zu besitzen,
mein Wesen ist ein
unberittenes Pferd,
das sich nach
allen Seiten hingibt –
dem Traum, der Freiheit, der Poesie.

Ah ja: Alle Seiten sind für ein Pferd also Traum, Freiheit und Poesie? Gut zu wissen.

Und noch’n Gedicht! Das heißt IN DER BIBLIOTHEK und hat diesmal ein Metrum, das aber nicht durchgehalten ist, und inhaltlich hakt es bereits in der ersten Strophe – eigentlich besser Abschnitt, denn die einzelnen Blöcke sind nicht gleich gebaut.

Er erblickt sie auf der Straße,
schiebt sein Rad, bleibt plötzlich stehn,
sieht ihr nach, wie schlanke Schritte
eilig übers Pflaster gehen.

Mmh: Wie sieht man, wenn man wie schlanke Schritte sieht? Will ich aber nicht wissen. Noch ein letzter Versuch mit dem vierten Gedicht dieser Versammlung, das da lautet in IN DER FUSSGÄNGERZONE, vielleicht finden sich ja hier die wunden Punkte der der Konsumgesellschaft?

Der Frühling prahlt ganz pubertär
mit seinem weißen Blütenmeer,
die Einkaufsstraßen gut gefüllt
mit Tüten und mit Kaffeetassen,
kein Platz mehr auf den Südterrassen
und man leckt Himbeereis im Becher,
Am Rand sitzt einer ohne Schuhe,
und ohne Konto, ohne Kuchen (…)

Das genügt! Keine Zeile mehr! Flachsinn! Mit Tüten und mit Kaffeetassen gut gefüllte Einkaufsstraßen! Ein Mensch ohne Schuhe und ohne Konto – vermutlich auch im Suff ohne SUV? Fazit: Belangloses Sammelsurium, gewissermaßen Gedichte, die man sich getrost schenken kann.

Kea von Garnier: Poetische Zeiten. Kindle Edition. 2017.  » Herunterladen bei Amazon.de

Kindle Storyteller 2017

Zuletzt wird vorgestellt die Kurzgeschichtensammlung Kleine Kreise: EGOismen von Toralf Sperschneider. Amazon meint dazu:

16 Kurzgeschichten, die sich um einen Sportunfall mit Todesfolge drehen und die dem Leser Geschichte für Geschichte ein Puzzleteil nach dem anderen zuspielen und so den Blick auf eine tödliche Inszenierung offenlegen.

Nun: Im Buch heißt diese Kurzgeschichtensammlung EPISODENROMAN, passt auch besser zu den Ausführungen von Amazon!

Das erste Kapitel beginnt mit dem gleißenden Tageslicht des putzmunteren Vormittags, und mindestens zwei Personen (nämlich wir) fahren per Zug in die Dämmerung eines kleinen Bahnhofs, wobei die Scheibe zur Grenzlinie wird der Innen- und Außenwelt des Zuges. Aber schon habe ich mich getäuscht: WIR sind nämlich alle Fahrgäste, zu denen auch der Ich-Erzähler gehört. Der berichtet nun von seiner Fotoleidenschaft und warum und wozu die gut ist und worauf man achten muss: Ein klares Bild der Umgebung zu haben ohne jedes Werkzeug oder Verstärker, ist ein Segen (das Komma ist an dieser Stelle falsch). Ich sehe mich wieder in der Scheibe an, sehe die Leute, die hereinkommen und den Zug mit sich voll machen.

Das kennt man eigentlich, muss man sich auch keine Gedanken drüber machen. Der Ich-Erzähler hingegen stellt sich vor, dass auch aus ihm jemand herausschaut, ein für ihn lustiger Gedanke. Insgesamt ist das für ihn zauberschöner Tag, was er beim Vorüberfahren als Graffiti-Schriftzug liest. Und der prägt sich ein wie ein wohl ausgesuchter Untertitel in meinen heutigen Erinnerungsfilm.

Tja, irgendwie, ich weiß nicht, überzeugt bin ich nicht, lesen möchte ich das auch nicht weiter, das schlurft so vor sich hin, sprachlich soweit in Ordnung, gewiss, auch mal ausgefallenere Adjektive …

Toralf Sperschneider: Kleine Kreise: EGOismen. Taschenbuch. 2017. Toralf Sperschneider. ISBN/EAN: 9783000575181. EUR 8,99 » Bestellen bei Amazon.de

Fazit:

Pro Kategorie hat wirklich nur eines diese Werke einen (literarischen) Preis verdient: Der Totengräbersohn von Sam Feuerbach – und zwar trotz seiner formalen Mängel, die jedoch leicht zu beheben wären. Bei den anderen »Werken« fallen die nicht auf, weil die schon inhaltlich so daneben sind, dass sich eine Beschäftigung mit formalen Mängeln gar nicht lohnt – denn das würde nichts verbessern!

Meine Favoritin für den Storyteller-X-Preis steht ebenfalls eindeutig fest: Es ist Kera Rachel Cook: Hässliches Entlein war gestern.

Malte Bremer

Eine Jury u.a. mit TV-Moderatorin Nazan Eckes, Bestseller-Autorin Catherine Shepherd, Autor und Poetry Slammer Nils Straatmann sowie Moderator und Journalist Cherno Jobatey kürt die beiden Gewinner. Die Bekanntgabe und Preisverleihung findet am 12. Oktober 2017 auf der Frankfurter Buchmesse statt.

6 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Nevis schrieb am 25. September 2017 um 22:50 Uhr

    Wenn man nur ein paar Seiten liest hat man sich kein Urteil in dieser Art zu machen.

  2. Marie schrieb am 25. September 2017 um 23:23 Uhr

    Alleine, dass Sie nicht wissen, dass es bei Mira tatsächlich um SeelenTIERE geht zeigt mir, dass Sie hier nur Frust absondern und die Bücher nicht mal im Ansatz gelesen haben. Ihre Art ist ziemlich borniert und unverschämt. Nun ja mit Krawall erreicht man ja auch mehr Leser als mit guter, präziser Kritik.

  3. Carsten Schulze schrieb am 26. September 2017 um 06:30 Uhr

    Unverschämt und frech ist ihre Kritik. Ein paar Seiten des Buches überfliegen und dann hier den Spezi geben. Daumen runter!

  4. Uli schrieb am 26. September 2017 um 11:51 Uhr

    Herr Bremer ist als Kritiker in keinster Weise ernstzunehmen. Er kriegt selbst nichts auf die Kette und lässt seinen Frust darüber an echten Autoren aus, von denen er – wenn überhaupt – nur ein paar Sätze gelesen hat. Tragisch ist, dass ihm Herr Tischer für seinen Sermon auch noch Platz bietet.

  5. Rebecca schrieb am 26. September 2017 um 13:15 Uhr

    Ein Artikel, der bei mir das Gefühl weckt, dass er nur existiert, weil jemand Freude am Fehlerfinden und Abstrafen hat.

  6. Peter Hakenjos schrieb am 29. September 2017 um 08:51 Uhr

    Literaturkritik ist notwendig, auch und gerade, wenn sie wie hier, unverblümt zur Sache kommt. Hier hat Reich-Ranicky in “Lauter Verrisse” sehr viel Klärendes geschrieben.
    Würden sich die Kritiken hier auf die Veröffentlichung stiller Selbstverleger beziehen, so wäre dies sicherlich eine unschöne Sache. Tun sie aber nicht. Amazon hat in eine Auswahl getroffen und diese Veröffentlichungen mit einem hohen Preis dotiert. Eine Kritik ist deshalb auch eine Kritik an KDP. Die Autoren werden, und da bin ich mir sicher, genügend Professionalität besitzen, diese Kritik auch anzunehmen und zu verdauen.

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