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Beitrag vom 2. Mai 2007 | Rubrik: Literarisches Leben

»Und bring mir aus der Schweiz den neuen Potter mit!«

Heidi bald nicht nur als Butter günstigIn der deutschsprachigen Schweiz ist die Buchpreisbindung gefallen. Sie wurde heute vom dortigen Bundesrat »vom Tisch gefegt«, wie es eine Pressemeldung des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes ausdrückte. Bis zuletzt hatte der Verband für den Erhalt gekämpft.

Wie in Deutschland und Österreich regelte der sogenannte Preisbindungsrevers, dass Bücher nur zu einem vom Verlag festgelegten Preis verkauft werden dürfen. Dies ist eine Art staatlich erlaubtes Monopol, das damit begründet wird, dass Bücher Kulturgüter sind und nur der einheitliche Verkaufspreis auch das Überleben der kleinen Buchhandlungen und somit eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Büchern sichert. Mit ähnlichen Argumenten wurde auch Anfang des Jahres die Mehrwertsteuer für Bücher nicht erhöht.

Die großen Buchhandelskonzerne wie Weltbild-Hugendubel und Thalia haben einen zentralen Einkauf und erhalten daher bei den Verlagen Einkaufsrabatte, von denen kleine Buchhändlerinnen nur träumen können. Den Konzernen fällt es daher leicht, bei einem Wegfall der Preisbindung insbesondere Bestseller günstiger anzubieten. Wer kauft noch bei der Buchhandlung um die Ecke, wenn der neue (deutschsprachige) Harry-Potter im Buchsupermarkt 30% weniger kostet? Denn auch kleine Buchhandlungen brauchen die Bestseller, da sie nicht von Spezialbestellungen von Buchliebhabern leben können.

Wie perfide die Konzerne agieren, zeigt der zur katholischen Kirche gehörende Weltbild-Konzern: Während Carel Halff, Vorsitzender der Weltbild-Geschäftsführung, den Fall der Schweizer Preisbindung mit Krokodilstränen bedauert (»Bücher sind keine reine Handelsware, sondern Kulturgüter.«), kündigt der Schweizer Konzernableger bereits Minuten nach dem Fall der Bindung Preissenkungen von bis zu 30% bei Bestsellern an.

Es ist zu erwarten, dass es in den Grenzgebieten zum Buchtourismus kommen wird und somit auch grenznahe deutsche Buchhandlungen von der neuesten Entwicklung in der Schweiz betroffen sind.

Wer allerdings glaubt, nun einige Titel übers Internet günstig bei Schweizer Online-Shops bestellen zu können, der irrt. Auch importierte deutschsprachige Bücher müssen in Deutschland zum gebundenen Ladenpreis verkauft werden.

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1 Kommentar zu diesem Beitrag lesen

  1. H.L schrieb am 3. Mai 2007 um 12:21 Uhr

    Als Schweizer kann ich nur sagen: Da sieht man, wie wichtig uns der Erhalt der literarischen Vielfalt ist :-(. Und Weltbild ist sowieso s******e …

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