In dieser Rubrik finden Sie Beiträge, die sich generell mit dem Thema »Internet und Literatur« befassen. Wir werfen dabei auch immer wieder einen kritischen Blick auf literarische Websites oder Internet-Angebote von Verlagen und stellen interessante Entwicklungen in diesem Bereich vor.
Die Website literaturport.de sollte sich ursprünglich dem literarischen Leben in Berlin und Brandenburg widmen. Doch schon bald war festzustellen, dass dieses Angebot weitaus besser und gepflegter ist, als das offizielle vom Bund geförderte literaturportal.de, dass zur Datenruine verkommen ist.
Literaturport.de hingegen, der 2008 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde, öffnet sich immer mehr den anderen Regionen. So deckt das Autorenlexikon Schriftsteller aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ab – derzeit sind es über 700.
Und nicht nur das: Ab sofort können sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die im Online-Lexikon noch nicht verzeichnet sind, selbst eintragen. Voraussetzung ist mindestens eine eigenständige Veröffentlichung im Bereich Belletristik/Kinderbuch nach 1995. Bücher im Eigen- oder Kostenzuschussverlag zählen nicht.
Dan Clancy leitet die Entwicklung der Google Buchsuche. Er war am Donnerstagabend, 30. Juli 2009, zu Gast im Computergeschichte-Museum im Kalifornischen Moutain View. Das Gespräch mit dem Leiter des Museums wurde von Google gesponsert, sodass davon auszugehen ist, dass Google den Abend bewusst nutzen wollte, um die Visionen des Unternehmens zum Thema Bücher und Digitalisierung zu verkünden.
Die Google Buchsuche und die aktuell auch in Deutschland geführte kontroverse Diskussion um das Google Books Settlement spiegle laut Clancy nicht wider, wie Google die Zukunft des Buches tatsächlich sehe. Bei der aktuelle Buchsuche gehe es primär um vergriffene Bücher, sagte Clancy und spielte die Tatsache herunter, dass das so nicht ganz richtig ist.
Der Chefentwickler der Google Buchsuche wollte über die Zukunft sprechen. Er sieht das Geschäftsmodell der stationären Buchhandlungen um die Ecke als bedroht und überholt an. Sie seien »der wunde Punkt des Bücher-Ökosystems«. Stattdessen soll es nach den Wünschen von Google künftig nur eine große digitale Über-Buchhandlung geben – und die heißt Google.
Sascha Lobo hat wieder mal alles versaut. Der nach Umfragen unter Vodafone-Kunden bekannteste und beliebteste Blogger Deutschlands hat sich per Twitter für @HappySchnitzel . Mindestens ein Achtel seiner über 16.000 Follower folgten dann seinem Wahlaufruf und klickten bei der Online-Abstimmung zur Ms Twitter auf Platz eins.
So ein Mist! Um endlich der Kultur eine Stimme zu geben, hatten wir in der Redaktion des Literatur-Cafés die Tage zuvor kontinuierlich Else Buschheuer () nach vorne geklickt. Die Ex-Wetterfee und Buchautorin hatte unlängst den Rückzug vom Bloggen verkündet, um anschließend mindestens die doppelte Textmenge als Tweets in 140 Zeichen portioniert über den Kurznachrichtendienst zu verschicken.
Zunächst haben wir von Hand Cookies gelöscht und die IP-Nummer unseres Rechners geändert, um die Abstimmung zugunsten Buschheuers zu manipulieren. Was irgendwann zu aufwendig wurde, erledigte schließlich ein automatisches Script aus einem Hacker-Forum.
Mit sauber manipulierten 3.500 Klicks hatten wir Buschheuer schon an der Spitze, erste Online-Medien berichteten – doch dann kam Lobo.
Warum Twitter bei Verlagen und Buchhandlungen nicht funktionieren wird, das hat Literatur-Café-Herausgeber Wolfgang Tischer bereits im Februar dieses Jahres im Börsenblatt erläutert. Blickt man auf die Twitter-Feeds der Deutschen Verlagslandschaft, so hat sich dies bewahrheitet: Pressemitteilungen, Uninteressantes, und zu viel Selbstreferenzielles sind an der Tagesordnung.
Nur wenige Verlage haben es geschafft, eine eigene Twitter-Identität zu entwickeln und Hinweise in eigener Sache mit interessanten Informationen aus der Branche anzureichern. Als positive Beispiele seien hier und genannt. Interessanter wird es dort, wo hinter den Tweets ohnehin erkennbare Einzelpersonen stehen wie oder .
Seit gestern twittern nun auch die zum Holtzbrinck-Konzern gehörenden S. Fischer Verlage unter der Kennung . Getwittert wird jeweils nur ein einziger Satz aus einem Buch der Verlage und der Link dorthin. Eine auf den ersten Blick simple Idee, hinter der jedoch viel Potenzial steckt und die bei den Twitter-Nutzern gut ankommt, wie die Zahl der Follower innerhalb kürzester Zeit zeigt.
Wir haben mit Martin Spieles, Leiter Kommunikation bei den S. Fischer Verlagen, über den @Tagesfang gesprochen.
Ab sofort bietet das soziale Web-Netzwerk Facebook die Möglichkeit, für sogenannte Fan-Seiten einen eingängigen Profilnamen zu vergeben. Verlage und Autoren sollten sich den eigenen Namen unbedingt sichern. Denn wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Noch bis vor nicht allzu langer Zeit war Facebook nur realen Personen vorbehalten. Nutzer konnten sich ein Profil anlegen und sich mit Freunden und Bekannten auf der Web-Plattform virtuell verknüpfen. Der Name des eigenen Profils war dabei eher kryptisch und lautete z. B. www.facebook.com/profile.php?id=634464599. Seit dem 13. Juni 2009 kann man sich unter der Adresse www.facebook.com/username einen verständlicheren Namen vergeben, beispielsweise www.facebook.com/belinda.buchbinder.
Gleiches gilt ab sofort auch für sogenannte Fan-Seiten. Wir sagen, was Sie als Autor oder Verlag dabei beachten sollten.
Die Behauptung, dass Bücher out sind und sie heute keiner mehr liest, scheint nicht zu stimmen. Zumindest die Zahl der neuen Bücher-Websites beweist offenbar das Gegenteil. Während man in Köln mehr schlecht als recht versucht, den Erfolg des Literaturfestivals lit.COLOGNE mit der Website litcolony.de fortzusetzen, ist nun ein weiteres Buchportal online. Mit lettra.tv lassen die Macher des gescheiterten Pay-TV-Kanals lettra diesen im Web wieder auferstehen. Wie Name und Herkunft vermuten lassen, setzt man dabei verstärkt auf Videos über Bücher und Autoren. Als Aufmacher zum Start wird Bestseller- und eMail-Roman-Autor Daniel Glattauer (»Alle sieben Wellen«) porträtiert.
Anders als bei litcolony.de, wo man den genialen PR-Coup, dass dort Elke Heidenreich ihre Sendung »Lesen« ins Web verlagerte, grandios versickern ließ und erst spät einen Podcat anbot, verbreitet man bei lettra.tv die Filme auch als Podcast und über YouTube.
Bislang sind im nicht sehr umfangreichen Video-Archiv überwiegend Beiträge aus der Pay-TV-Zeit zu sehen. Die aktuellen Videos haben eher privaten Charakter (»KossisWelt«).
Romanautoren haben keine Ahnung vom Internet. Diese Behauptung ist gewagt. Aber nur wer solch unumstößliche Tatsachen in den Raum stellt, findet Gehör. Romanautoren haben viel mit Politikern gemeinsam. Auch von Günter Grass kann man sich vorstellen, dass er sich eMails und Websites lieber von seiner Sekretärin ausdrucken lässt, um die Texte zu lesen. Der Mann ist schließlich 82 Jahre alt. Doch auch Judith Hermann, die nicht einmal halb so alt ist, bekennt in einem Interview mit der ZEIT freimütig, dass das Internet nicht ihre Welt sei. »Ich habe erst seit diesem dritten Buch zu Hause einen Internetanschluss. Wenn die mediale Korrespondenz dieser Tage hier vorbei sein wird, schaffe ich ihn wieder ab«, sagt die Bestsellerautorin (»Sommerhaus, später«).
Viele Autoren haben eine Website. Aber gerade die etablierten Autoren lassen diese pflegen. Meist vom Verlag, der dann einen Buchtrailer oder tolle Flash-Animationen erstellen lässt, die dann wiederum in brancheninternen Wettbewerben als besonders innovativ ausgezeichnet werden.
Dabei müssten die Autoren nach »draußen«, ins Web, zu ihren Lesern gehen.
Unter den insgesamt sieben Nominierungen des Grimme Online Award 2009 in der Rubrik »Kultur und Unterhaltung« befinden sich erfreulicherweise drei Websites zum Thema Literatur. Mit dem Grimm Online Award werden seit dem Jahr 2001 durch das Adolf-Grimme-Institut qualitativ hochwertige Websites ausgezeichnet.
Während man sich im letzten Jahr fragen konnte, was die damals nominierten literarischen Websites so besonders macht, fällt diesmal angenehm auf, dass die preisverdächtigen drei Literatur-Sites in der Tat neue und unkonventionelle Wege der Literaturvermittlung gehen.
Ebenfalls erfreulich: Alle drei nominierten Websites sind private Initiativen, gehören also weder zu einem Medienkonzern noch zu öffentlichen Einrichtungen.
Die Jury des 1. Twitter-Lyrik-Wettbewerbs von literaturcafe.de und BoD hat entschieden, den Preis für das beste Gedicht an Nuscha Ferber () zu vergeben.

Die ausführliche Jurybegründung und weitere Infos unter www.twitter-lyrik.de »
Das Medienecho war gewaltig, als Elke Heidenreich im letzten Jahr verkündete, nach ihrem Rauswurf beim ZDF ihre Sendung »lesen!« im Internet fortzuführen. Es war obendrein die beste PR- und Werbekampagne zum Start der Literatur-Website litCOLONY.de, mit der die Veranstalter des Kölner Literaturfestivals lit.COLOGNE dessen Erfolg auch im Web fortsetzen wollten. Aufgrund persönlicher Beziehungen konnte man Elke Heidenreich als Zugpferd gewinnen.
Doch jeden Kenner der aktuellen Web-Landschaft erstaunte es, wie sehr man sich mit diesem Literaturportal einmauerte und nichts nach draußen gab. Die Sendung »lesen!« sollte offenbar nur auf der litCOLONY-Website betrachtet werden, ein Einbetten des Videos in andere Websites war zwar möglich, wurde jedoch im Gegensatz zu YouTube nicht groß beworben. Offenbar lebte man im Glauben vergangener Web-Zeiten, dass es nur zählt, Besucher, Klicks und Visits auf die eigene Website zu ziehen, um so Werbeplatz und Bücher zu verkaufen.
Eines der größten Versäumnisse war es daher, die Heidenreichsche Bücher-Dauerwerbesendung nicht als Podcast anzubieten. Einer der Kritikpunkte, die Literatur-Café-Herausgeber Wolfgang Tischer zuletzt in einem Interview mit Deutschlandradio KULTUR hervorhob.
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