In dieser Rubrik finden Sie Beiträge, die sich generell mit dem Thema »Internet und Literatur« befassen. Wir werfen dabei auch immer wieder einen kritischen Blick auf literarische Websites oder Internet-Angebote von Verlagen und stellen interessante Entwicklungen in diesem Bereich vor.
Im Juni 2006 ging www.literaturportal.de online. 150.000 Euro an Bundesmitteln flossen in dieses überflüssige Portal, das das Literaturarchiv Marbach zu verantworten hat. Wir wollten in einem offenen Brief an Minister Neumann wissen, aus welchem Grund dieses Projekt eine solch hohe Fördersumme erhalten hat, die die Website in keiner Weise widerspiegelt. Der Brief blieb unbeantwortet. In der Tradition von Altkanzler Kohl sitzt der Minister das Problem aus. Allerdings wissen wir, dass unser Brief für einige Aufregung im Ministerium sorgte und der Minister gar nicht mehr gut auf das Portal zu sprechen ist.
Damals sagten wir bereits voraus, dass das Portal schnell zur Ruine werden wird. Ein aktueller Blick auf das Web-Angebot zeigt, dass unsere Prophezeiung schon nach einem halben Jahr eingetreten ist. Es hat sich seit der Eröffnung dort so gut wie nichts getan. Zuverlässig spuckt die Datenbank die aktuellen Autorengeburtstage als Kalenderblatt aus. Der Literaturkalender, der seinerzeit von den Marbacher Machern als eines der Kernstücke des Portals gelobt wurde, nennt für den heutigen Freitag für ganz Baden-Württemberg gerade mal fünf Literaturveranstaltungen – allein vier davon sind Dauerausstellungen.
Für einige ist Second Life die Zukunft des Internet, für andere ist es bestenfalls ein Online-Spiel, das hohe Anforderungen an die Hardware des Computers stellt. Doch egal: Second Life ist derzeit mega-in. Egal ob Spiegel Online oder Bildzeitung, alle berichten darüber, und namhafte Firmen wie Adidas, Sony oder Toyota nutzen Second Life als Marketing und
Eine der ambitioniertesten Literatur-Websites wird nicht mehr aktualisiert. www.berlinerzimmer.de schließt endgültig seine Tür. Dies gaben die beiden Gründer Enno E. Peter und Sabrina Ortmann nun offiziell bekannt. Bereit seit über zwei Jahren wurde die Website nicht mehr nennenswert aktualisiert, jetzt ist die Schließung offiziell. Die Website bleibt jedoch zunächst als Archiv im Web bestehen. Als
Wie die Times berichtet, arbeitet Google daran, demnächst elektronische Bücher (eBooks) zu verkaufen. Die Zeitung zitiert Jens Redmer, den Chef von Google Book Search in Europa, der bestätigt, dass man an einer Plattform arbeite, über die Verlage ihre Bücher digital zugänglich machen können. Neben dem Verkauf erwähnt Redmer auch die Möglichkeit, beispielsweise digitale Reiseführer lediglich für die Dauer der Reise auszuleihen oder ein Buch kapitelweise zu kaufen.
Evan Schnittman vom Verlag Oxford University Press, einer der Verlage, die mit Google Book Search bereits zusammenarbeiten, führt im Times-Artikel wieder mal das beliebte Argument für eBooks auf: »Wollen Sie wirklich im Urlaub vier Romane und einen Reiseführer mitschleppen?«
In den letzten Tagen werden leider bei uns in der Redaktion einige Spam-Mails, die angebliche von der Deutschen Postbank stammen und uns verleiten sollen, unsere PINs und TANs in die Formulare irgendwelcher Phisher einzugeben, von unserem Spam-Filter nicht erkannt.
Markiert man den Text der Mail mit der Maus, so wird unter der falschen Postbank-Box ein zuvor weißer Text auf weißem Grund sichtbar. Dieser klingt sehr literarisch und nachdem man Google bemüht hat, stellt sich raus, dass der Text von Schopenhauer stammt. Allerdings nicht von Arthur, sondern von seiner Mutter Johanna Schopenhauer (1766-1838). Ein Auschnitt aus »Reise durch England und Schottland«, der vom Spam-Versender offenbar willkürlich dem amerikanischen Project Gutenberg entnommen wurde, in dem sich auch deutsche Texte befinden.
Der so eingestreute Text, der zwar aus dem Zusammenhang gerissen aber dennoch sinnvoll ist, soll Spamfilter verwirren und ihnen eine normale Mail vortäuschen. Der Postbank-Text darüber ist nämlich eigentlich ein Bild, sodass ein rein textbasierter Filter dort nicht die üblichen Texte findet, die auf eine Phisher-Mail hinweisen.
Und das Austricksen mittels literarischem Text funktioniert bei unserem Filter leider recht gut. Zeit für einen neuen Filter, der per OCR auch die Texte in Bildern erkennt? Denn die Mail einfach so als »Mark as Spam« zu bewerten… hm, da zögert man, denn es dürfte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass deutschsprachige Nicht-Spam-Mails fälschlicherweise im Spamtopf landen.
Christoph Winder sammelt für den Standard aus der endlosen Flut der Wörter und Phrasen, die in den politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und Alltagsdiskursen auf uns einplätschert, Woche für Woche ein paar frische Exemplare, um sie von allen Seiten zu besehen, zu studieren, zu analysieren, zu kommentieren und zu dokumentieren, auf dass aus dem sprachlichen Stückwerk vielleicht sogar einmal zusammenhängende Konturen entstehen.
Seine Sammlung hat der Standard nun von A bis Z online zugänglich gemacht. Natürlich sind viele Spezialfälle aus Österreich dabei – aber nicht nur. Ein Blick in Winders Wörterbuch ist also durchaus lohnenswert – und man kann sich schnell festlesen.
Wissen Sie, was zetteln ist? Wir dachten bislang noch, dass das Speichelhockey heißt.
Wie bereits berichtet unterliegen die Texte von Karl Kraus seit dem 01.01.2007 nicht mehr dem Urheberschutz. Ein Projekts des Austrian Academy Corpus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) macht nun sämtliche Ausgaben der von Kraus herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel im Web zugänglich. Hierzu muss man sich kostenlos unter der Web-Adresse www.aac.ac.at/fackel registrieren und man erhält eine eMail mit den Zugangsdaten.
Die 922 Nummern und rund 22.500 Seiten sind im Volltext durchsuchbar und auch einzeln durchzublättern. Dabei wird sowohl die gescannte Originalseite als auch die digitalisierte Textform angezeigt.
Die Fackel wurde von Karl Kraus von 1899 bis 1936 herausgegeben. Er schrieb auch die meisten der dort enthaltenen Texte. Kraus setzte sich kritisch, ironisch und oft bitterbös mit den Entwicklungen seiner Zeit auseinander. Seine Themen
waren u.a. Journalismus und Krieg, Sex und Kriminalität, Politik und Korruption sowie Literatur und Lüge.
Kraus im Vorwort der ersten Ausgabe:
Das politische Programm dieser Zeitung scheint somit dürftig; kein tönendes »Was wir bringen«, aber ein ehrliches »Was wir umbringen« hat sie sich als Leitwort gewählt.
Unter dieser provokaten Überschrift hat der Inhaber und Herausgeber des Literatur-Cafés, Wolfgang Tischer, einen Gastbeitrag für das Kunden- und Autorenmagazin von BoD »BoD AKTUELL« verfasst. Wolfgang Tischer nennt in diesem Artikel seine wichtigsten Tipps für den gelungenen Auftritt im Netz.
literaturcafe.de präsentiert den Artikel an dieser Stelle online zum Nachlesen, da er über bod.de nicht mehr abrufbar ist.