Hier finden Sie ausführliche Berichte, Interviews und Tipps für Leser und Autoren. Informationen aus der und über die Welt der Literatur innerhalb und außerhalb des Netzes. Auch hier freuen wir uns immer über Beiträge unsrer Gäste.
Im Juni 2006 ging www.literaturportal.de online. 150.000 Euro an Bundesmitteln flossen in dieses überflüssige Portal, das das Literaturarchiv Marbach zu verantworten hat. Wir wollten in einem offenen Brief an Minister Neumann wissen, aus welchem Grund dieses Projekt eine solch hohe Fördersumme erhalten hat, die die Website in keiner Weise widerspiegelt. Der Brief blieb unbeantwortet. In der Tradition von Altkanzler Kohl sitzt der Minister das Problem aus. Allerdings wissen wir, dass unser Brief für einige Aufregung im Ministerium sorgte und der Minister gar nicht mehr gut auf das Portal zu sprechen ist.
Damals sagten wir bereits voraus, dass das Portal schnell zur Ruine werden wird. Ein aktueller Blick auf das Web-Angebot zeigt, dass unsere Prophezeiung schon nach einem halben Jahr eingetreten ist. Es hat sich seit der Eröffnung dort so gut wie nichts getan. Zuverlässig spuckt die Datenbank die aktuellen Autorengeburtstage als Kalenderblatt aus. Der Literaturkalender, der seinerzeit von den Marbacher Machern als eines der Kernstücke des Portals gelobt wurde, nennt für den heutigen Freitag für ganz Baden-Württemberg gerade mal fünf Literaturveranstaltungen – allein vier davon sind Dauerausstellungen.
Der in München ansässige Hanser Verlag wurde von den Lesern des Buchmarkt zum Verlag des Jahres gewählt. Felicitas von Lovenberg hat den erfolgreichen Verlag für die FAZ besucht und einen Bericht geschrieben. Die dicke Haustür ist an diesem Januarmittag nur angelehnt, das Pförtnerzimmer nicht besetzt. Nachdem man so ohne Klingeln und Anmeldung hereingeplatzt ist, wäre andächtiges Herumlungern Zeitverschwendung, zumal hier keine lebensgroßen Schriftstellerporträts hängen, die den Kratzfuß fordern. Dynamischen Schrittes vorbeieilende Menschen lächeln den Besucher freundlich, aber zerstreut an.
Für den Hanser Verlag hat das Literatur-Café im letzten Jahr den Podcast »Die Arbeit der Nacht« realisiert.
In einem etwas zu langen und ermüdenden Essay lässt sich Zadie Smith (»Von der Schönheit«) über das Schreiben von Romanen und über die Selbstbeurteilung durch den Schriftsteller aus. Der Artikel war in der heutigen FAZ am Sonntag zu lesen und ist in einer noch längeren Fassung unter faz.de zu finden. Schriftsteller können über die Qualitäten ihrer Bücher nicht viel Verlässliches sagen – die meisten machen sich weiß Gott reichlich Illusionen über ihr Talent. Aber sie wissen andere Dinge als die Professoren oder Kritiker. Gelegentlich lohnt es sich, ihnen zuzuhören.
Für einige ist Second Life die Zukunft des Internet, für andere ist es bestenfalls ein Online-Spiel, das hohe Anforderungen an die Hardware des Computers stellt. Doch egal: Second Life ist derzeit mega-in. Egal ob Spiegel Online oder Bildzeitung, alle berichten darüber, und namhafte Firmen wie Adidas, Sony oder Toyota nutzen Second Life als Marketing und
2007 ist das Jahr der Geisteswissenschaften. Der Deutschlandfunk hat sich daher mit Verleger Klaus Wagenbach über die Rolle der Literatur unterhalten. Ein lesenswertes Interview, das auch als MP3-Download bereitsteht.
Unter anderem wird Wagenbach gefragt, wie man Kindern die Liebe zur Literatur beibringt: Ich würde sagen Vorlesen, Vorlesen, Vorlesen, Vorlesen. Alles das, was die Eltern nicht mehr tun, was die Großeltern nicht mehr tun, was der Pfarrer sowieso nicht tut, Vorlesen. Texte vorlesen, ohne sie weiter zu kommentieren und besonders ohne sie mit diesen furchtbaren germanistischen Folterinstrumenten zu interpretieren, sondern einfach Gedichte vorlesen.

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Wenn ein Wort zum »Unwort des Jahres« gekürt wird, dann gehen wir eigentlich davon aus, dass dieses Wort in der Regel durch die Medien eine gewisse Bekanntheit erlangt hat – und zwar vor der Kür. »Ja«, sollte man dann sagen, »das war ein gar garstig Wort, das dort von Politikern, Wirtschaftsbossen oder Medien verwendet wurde. Diese Auszeichnung hat es uns nochmals vor Augen geführt. Hinfort!«
Entlassungsproduktivität. Sagt Ihnen das was? Wie? Das sei kein Wort, das Ihnen aufgefallen ist? Es gehört nicht einmal zu Ihrem passiven Wortschatz? Entlassungsproduktivität war das Unwort des Jahres 2006, gekürt wie immer von einer Expertenjury. Thomas Knüwer vom Handelsblatt hatte sich seinerzeit gefragt, woher denn dieses Unwort stammt, denn auch er als Wirtschaftsjournalist hatte es zuvor noch nie gehört.
Achja, in diesem Jahr lautet das Unwort »Freiwillige Ausreise«. Laut der Expertenjury ist es der euphemistische Begriff für eine doch nicht so ganz freiwillige Ausreise von Asylbewerbern. Nicht gewonnen haben in diesem Jahr »Problembär Bruno« oder die »Unterschicht«.
Heißer Kandidat für das Unwort des Jahres 2007 dürfte natürlich »Stoiber« sein.
Das Literaturarchiv Marbach zeigt derzeit die Ausstellung »In der Geisterfalle« mit Porträts von deutschen Schriftstellern. Sie ist bis zum 18.03. verlängert worden. Vielleicht sollten wir also mal wieder mit der S-Bahn hinfahren.
Die ZEIT nimmt dies zum Anlass, sich mit der Physiognomik-Expertin und ehemaligen Lektoren Claudia Schmölders aktuelle Verlagsprospekte anzuschauen, um über die Wirkung von Autorenfotos zu sprechen.
Es gibt aber noch einen praktischen Grund für diesen Realismus [der aktuellen Autorenporträts]. Die Autoren müssen ja einerseits im Fernsehen auftreten, andererseits auf Lesereisen. Überall sind sie live zu erleben. Das Foto ist nur noch das Kürzel, es darf nicht wesentlich anders aussehen als der Lebende. Sonst würden die Besucher der Lesungen verdrossen sagen: Ach je, so sieht er gar nicht aus, das ist doch ein ganz einfacher Junge. Sie erinnern sich vielleicht an Daniel Goldhagen, von dem dieses ungeheure Buch mit seiner grauenhaften Botschaft erschien, und als dieser nette, süße Junge hier ankam, waren wir doch alle hin- und hergerissen. Ein Autor kann sich heute hinter einem Foto nicht mehr verstecken. Mehr bei der ZEIT…
Seien wir ehrlich: den Herstellern von Druckern sind Urheberrechte eigentlich egal. Selbst wenn alle Drucker dieser Welt nur dazu eingesetzt würden, Raubkopien von geschützten Werken auszugeben, würden sich die Hersteller in Ruhe zurücklehnen. Hauptsache es wird gedruckt und die Hersteller verdienen ihr Geld.
Durch massive Lobbyarbeit in politischen Kreisen versucht daher die Industrie, geplante Abgaben auf Drucker zu verhindern. Solche pauschalen Abgaben existieren in Deutschland und anderen Ländern bereits seit langem beispielsweise auf Kopierer, Leerkassetten oder CD-Rohlingen. Da diese Geräte und Medien zum Teil auch zur Speicherung, Vervielfältigung und Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke dienen, werden diese Abgaben nach einem bestimmten Schlüssel an die Urheber verteilt. Im Musikbereich ist hierfür die GEMA zuständig, bei Autoren ist es die VG WORT. Die VG WORT als Vertretung der Urheber sorgt also dafür, dass diese auch für Verbreitungen ihrer Werke Geld bekommen, die diese nicht selbst kontrollieren können.
Der SPIEGEL-Verlag hat rückwirkend zum 1. Januar 2007 den Buchreport gekauft, berichtet das Börsenblatt. Der Buchreport ist ein monatliches Fachmagazin für den Buchhandel, das bislang im Harenberg-Verlag erschien. Laut Börsenblatt regelt Verleger Bodo Harenberg damit die Nachfolgefrage. Er bleibt weiterhin als Herausgeber tätig.
SPIEGEL und Buchreport arbeiten schon seit 1972 zusammen. Seit dieser Zeit erstellt der Buchreport für den SPIEGEL die berühmte Hardcover-Bestsellerlisten für die Bereiche Belletristik und Sachbuch.