In dieser Rubrik finden Sie Notizen über Bücher, ausführliche Buchkritiken und kurze Tipps. Wenn Sie ein gutes Buch gelesen haben, das Sie weiterempfehlen möchten: Schreiben Sie uns eine kurze Kritik. Egal, ob es nur zwei Sätze sind oder es eine ausführliche Besprechung ist. Egal, ob das Buch eine aktuelle Neuerscheinung ist oder schon seit Jahren erhältlich ist. Einzige Bedingung: Das Buch sollte noch über den Buchhandel erhältlich sein.
Thomas Böhm war Programmleiter für das Gastland »Island« auf der Frankfurter Buchmesse 2011. Im kommenden Jahr wird er die gleiche Funktion beim Internationalen Literaturfestival in Berlin ausüben. Davor war er jahrelang Programmleiter des Kölner Literaturhauses.
Wir blicken im Gespräch mit Thomas Böhm zunächst zurück auf den Gastlandauftritt Islands, der in diesem Jahr tatsächlich von Land und Literatur und nicht von politischen Verwerfungen geprägt war.
Thomas Böhms Leidenschaft jedoch sind Lesekreise. Darüber hat er sogar ein ganzes Buch geschrieben: »Das Lesekreisbuch« ist Anleitung und kompetenter Ratgeber für alle, die mit anderen Menschen über Bücher sprechen sollen.
Ich besitze zwei Bücher von Umberto Eco. Ich habe keines davon zu Ende gelesen.
Das eine ist natürlich »Der Name der Rose«. Für mich deswegen nicht ganz unbedeutend, weil es ein Geschenk meiner damaligen Freundin war, mit einer Widmung in runder Mädchenschrift. Soweit ich mich erinnern kann, hatte sie mir das Taschenbuch geschenkt, nachdem wir den Film im Kino gesehen hatten.
Bis heute ist es mir ein Rätsel, warum Bücher von Umberto Eco die Bestsellerlisten erstürmen. Gerade erst ist sein neues Werk erschienen – und schon wieder ist es ganz vorn auf den Listen zu finden.
Eine komprimierte Version seines Romananfang hatte Leif Randt in Klagenfurt bei den Tagen der Deutschsprachigen Literatur 2011 vorgelesen. »Schimmernder Dunst über Coby County« erhielt zwar nicht den Bachmannpreis, jedoch den mit 7.000 Euro dotierten Ernst-Willner-Preis. »Eine Geschichte der Generation Obstkorb«, urteilte Jurorin Daniela Strigl über den Text des 28-jährigen Autors.
Nun ist der vollständige Roman im Berlin Verlag erschienen und herausgekommen ist ein durch und durch schönes Buch, das auf ungewöhnliche Art mit den aktuellen Schreib- und Lesegewohnheiten bricht.
Warum sollen Autoren, die keinen Verlag finden, der ihnen ein angemessenes Honorar zahlt, immer nur bei teuren Zuschussverlagen landen, die sich das Versprechen auf einen Bucherfolg vom Autor schon mal mit 15.000 Euro bezahlen lassen?
»Das können wir billiger!«, hat man sich offenbar beim Hamburger Abendblatt gedacht. Die zum Springer-Konzern gehörende Zeitung tritt scheinbar selbst als Pseudoverlag auf, bei dem Autorinnen und Autoren für ihr Buch zahlen müssen. Als besonderer Anreiz wird von den Hamburgern ein »Vermarktungspaket« angeboten.
Und wieder ein neuer Glavinic. Der österreichische Autor ist mittlerweile nicht nur einer der vielseitigsten im deutschsprachigen Raum, sondern auch einer der vielschreibendsten.
Hatte Thomas Glavinic gerade noch im Frühjahr dieses Jahres mit »Lisa« einen fulminanten Internet-, Paranoia- und Drogenroman um einen Webradio-Moderator präsentiert, ist er nun »Unterwegs im Namen des Herrn«.
Es ist der scheinbar autobiografische Bericht einer Pilgerbusreise nach Medjugorje in Bosnien. Ein Buch, dem aber leider der göttliche Beistand im entscheidenden Moment fehlte.
»Schoßgebete« ist da. Das zweite Buch von Charlotte Roche und der Nachfolger von »Feuchtgebiete« ist seit einer Woche in den Buchhandlungen erhältlich. Und genauso zuverlässlich, wie der Medienhype beginnt, nervt das Gejammer derer, die das Geschreibsel schrecklich, den Rummel verächtlich und das perverse Buch ohnehin nicht als Literatur bezeichnen.
Ob es klug war, das Werk mit einer 15-seitigen Sex-Szene zu beginnen, in der sich Fans und Feinde in ihren Vorurteilen bestätigt sehen?
Wer in Deutschland ein Buch veröffentlicht, ist gesetzlich dazu verpflichtet, kostenlos Exemplare an die Deutsche Nationalbibliothek und die entsprechende Landesbibliothek »abzuliefern«. Wer dies vergisst, dem droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 10.000 Euro.
Diese Pflicht gilt auch für elektronische Werke und E-Books – und somit auch für alle, die ihre Werke als Selbstverleger via Amazons für den Kindle anbieten.
Droht Kindle-Autoren bei Nichtablieferung ein Bußgeld? Und kann man Kindle-Bücher überhaupt bei der DNB abliefern? Wir haben nachgefragt.
John Locke hat über eine Million E-Books via Amazon verkauft. Das Besondere: Er veröffentlicht seine Romane nicht bei einem Verlag. Locke ist Selbstverleger und hat seine Bücher selbst über Amazons KDP-Programm hochgeladen.
Jetzt gehört Locke zu den bislang nur acht Autoren in Amazons »Kindle Million Club«. Neben Locke stehen unter anderen Stieg Larsson, James Patterson und Nora Roberts auf der Liste.
»How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months!« heißt sein neues E-Book, in dem er verrät, wie er das geschafft hat – auf den ersten Blick das typische amerikanische »Make-Money-fast«-Manifest. Doch es gibt einen Unterschied: Locke hat gezeigt, dass er es kann. Und er will für seine Geheimrezepte nicht Tausende von Dollars, sondern nur 2,50 Euro.
Stephen King ist ein Meister der zeitgenössischen Novelle. Und der amerikanische Autor liebt »Gadgets«, also elektronische »Spielzeuge«, zu denen E-Book-Lesegeräte zählen. Mit der Novelle »Riding the Bullet«, die seinerzeit exklusiv als E-Book erschien, löste er im Jahre 2000 den ersten E-Book-Hype und die folgende Ernüchterung aus.
Neun Jahre später veröffentlichte Stephen King mit »UR« eine weitere Novelle als E-Book. Der Text aus dem Jahre 2009 ist bis heute ausschließlich für Amazons Kindle erhältlich – und das E-Book-Lesegerät spielt darin eine wichtige Rolle.
Für Millionen Bundesbürger gehört es zum sonntäglichen Ritual, sich nach der Tagesschau gemütlich im Sessel oder auf der Couch zurückzulehnen und die Woche mit dem Tatort ausklingen zu lassen. Hier muss keiner befürchten, der Mörder entkommt, hier siegt das Gute in Form tüchtiger Ermittler und der Böse bekommt seine gerechte Strafe. Unser Bedarf am Blick in die Abgründe des Menschen ist gedeckt, der voyeuristische Kitzel befriedigt.
Diejenigen, denen das noch nicht reicht, die auch nach Stieg Larsson und Kommissar Wallander noch nach menschlicher Bösartigkeit dürsten, können zu Sachbüchern greifen. Real Crime sozusagen. Da gibt der Strafverteidiger Ferdinand von Schirach in seinem Buch Einblicke in »Verbrechen« und der Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort schreibt bevorzugt über Serienmörder.
Was bringt Menschen dazu, sich so tief wie möglich in die Psyche von Straftätern hineinbegeben zu wollen? Was bringt einen Ermittler dazu, jahrelange Interviews mit verurteilten Serienmördern zu führen, um auch das letzte Verborgene aus den kranken Hirnen heraus zu destillieren? Cornelia Lotter hat Stephan Harbort dazu befragt.