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Buchkritiken und Tipps

In dieser Rubrik finden Sie Notizen über Bücher, ausführliche Buchkritiken und kurze Tipps. Wenn Sie ein gutes Buch gelesen haben, das Sie weiterempfehlen möchten: Schreiben Sie uns eine kurze Kritik. Egal, ob es nur zwei Sätze sind oder es eine ausführliche Besprechung ist. Egal, ob das Buch eine aktuelle Neuerscheinung ist oder schon seit Jahren erhältlich ist. Einzige Bedingung: Das Buch sollte noch über den Buchhandel erhältlich sein.

Beitrag vom 19. April 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Literatur online

Im Internet gibt es keine Literaturkritik mehr

Amazon-RezensionNeuerdings wandert wieder eine Welle der Verwunderung durchs Internet, die offensichtlich durch einen Spiegel-Online-Artikel ausgelöst wurde. Dieser wärmt die bekannte Tatsache auf, dass man Rezensionen bei Amazon nicht immer glauben sollte.

Hinlänglich bekannt ist, dass viele Autoren positive Besprechungen über ihre eigenen Bücher schreiben. Ebenso unrühmlich bekannt ist der Fall des Rockbuch Verlags: Durch bewusst schlechte Kritiken auf Amazon wurde versucht, dem Verlag zu schaden. Auch Bernd Röthlingshöfer schilderte vor einiger Zeit, wie er wegen einer schlechte Besprechung zu leiden hatte. Er lässt deutlich durchblicken, dass er dem Rezensenten Absicht unterstellt.

Anlässlich der aktuellen Diskussion möchten wir nochmals auf den etwas älteren aber lesenswerten Artikel »Der Troll als Leser« auf telepolis.de hinweisen. Volker König schildert hier neben dem Rockbuch-Fall weitere interessante Ungereimtheiten bei Amazon-Buchbesprechungen, wie beispielsweise private Rezensionen, bevor ein Buch überhaupt im Handel erhältlich ist.

Beitrag vom 14. April 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Literarisches Leben

Hätte Herr Oettinger mal lieber Siegfried Lenz gelesen

Siegfried Lenz: Ein KriegsendeDas kommt dabei heraus, wenn man sich ausschließlich im Internet informiert und einfach abschreibt, was auf Homepages steht. Da man über Tote bekanntlich nichts Schlechtes sagen soll, sagt man eben das, was die auf ihrer Website über sich selbst geschrieben hatten. Und plötzlich macht man aus einem überzeugten Nazi-Mitläufer einen überzeugten Nazi-Gegner – und merkt es gar nicht. Ups!

Beitrag vom 13. April 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Literarisches Leben

Kurt Vonnegut ist tot

Kurt Vonneguts Alter Ego in Second LifeDer von vielen als »Kultautor« verehrte und geschätzte Autor Kurt Vonnegut ist tot. Er starb im Alter von 84 Jahren. Vonnegut verband in seinen Werken meist Science Fiction und Sozialkritik. Zuletzt kritisierte der überzeugte Pazifist in »Mann ohne Land« den Irakkrieg und die Umweltpolitik der US-Regierung.

Und vielleicht ist ja Second Life doch nicht so schlecht, denn immerhin konnten wir im letzten Jahr an einer seiner Lesungen virtuell teilnehmen.

Schön auch das derzeitige Start-Bild auf seiner Homepage: Es zeigt als einfache Strichzeichnung einen geöffneten Vogelkäfig und darunter steht: Kurt Vonnegut, Jr. 1922-2007

Beitrag vom 5. April 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Dem Schockwellenreiter sein Buch: Nur echt mit Krawatte

BuchcoverJörg Kantel, als deutsches Weblog-Urgestein besser bekannt unter dem Namen »Der Schockwellenreiter«, hat ein Buch geschrieben. Es ist ein EDV-Fachbuch, erschienen beim bekannten O’Reilly-Verlag. Der Titel »RSS und Atom – kurz & gut« mag sicherlich nicht für jeden verständlich sein, das ist bei einem Fachbuch aber auch nicht die Voraussetzung.

Interessant jedoch, dass Kantel mit einer kleinen, aber netten Verlosungsaktion in seinem Weblog für das eigene Buch wirbt. Wer zum Buch-Eintrag einen netten Kommentar schreibt oder einen blog-üblichen Trackback absetzt (wieder so ein Fachbegriff), der oder die kommt in einen Verlosungstopf: Kantel verlost fünf Exemplare seines Buches. Und wo und wann findet die Verlosung statt? Am Ostermontag in seiner Stammkneipe. Eine nette kleine Aktion, die zeigt, wie man das eigene Blog fürs eigene Buchmarketing einsetzen kann.

Wir machen natürlich auch mit, und unser Grafiker hat das nebenstehende Buchcover entworfen. Nur echt mit der rot-grünen Krawatte! Und bitte mit dem Mauszeiger drüberfahren! Wer diese Anspielung nicht versteht, hat noch nie die das Blog des Schockwellenreiters gesehen.

Beitrag vom 1. April 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Mag die Welt Daniel Kehlmanns Vermessung?

Die Vermessung der Welt Der Roman »Die Vermessung der Welt« von Daniel Kehlmann ist einer der seltenen Fälle, bei denen ein Buch von Literaturkritikern und Lesern gleichermaßen geschätzt wird. In Deutschland ist das Werk seit Monaten auf der Bestsellerliste.

Aber wie sieht es im Ausland aus? Die Rechte sind bislang an fast 30 Länder verkauft worden, und die FAZ frägt ihre Korrespondenten in Amerika, China, Spanien, Frankreich, Ungarn, Italien und den Niederlanden, was man dort von diesem deutschen Roman hält.

Beitrag vom 30. März 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Die Bibel macht aggressiv

Keine JugendfreigabeNicht nur sogenannte Killerspiele erhöhen die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, sondern auch Bibeltexte. Dies haben laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung Psychologen der University of Michigan, der Vrijen Universiteit in Amsterdam und der Brigham Young University herausgefunden. Probanden, die zuvor u.a. eine Stelle aus dem Buch der Richter gelesen hatten, in denen eine Vergewaltigung, ein Mord und eine blutige Schlacht beschrieben werden, waren danach aggressiver. Ein Ausschnitt:

25 (…) Da fasste der Mann seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen hinaus. Die machten sich über sie her und trieben ihren Mutwillen mit ihr die ganze Nacht bis an den Morgen. Und als die Morgenröte anbrach, ließen sie sie gehen. (…) 29Als er nun heimkam, nahm er ein Messer, fasste seine Nebenfrau und zerstückelte sie Glied für Glied in zwölf Stücke und sandte sie in das ganze Gebiet Israels.

Sollte die Bibel also demnächst nicht mehr ungeschnitten ungekürzt an Jugendliche verkauft werden? Die »Bibel uncut« nur als FSK18-Fassung? Dass die Texte von Goethe und Hesse ebenfalls sehr gefährlich für Jugendliche sein können, ist im literaturcafe.de schon seit langem nachzulesen.

Beitrag vom 26. März 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Von wegen selbsterklärend: Buch-Support im Mittelalter

»Der Unterschied zwischen dem Auto und dem Buch ist ja der, dass die Betriebsanleitung für mein Auto, ich hab’ nachgeguckt, inzwischen 344 Seiten hat. Das Buch schlagen Sie einfach auf, und es funktioniert sogar ohne Klappentext. Mit dem Buch haben wir ein Produkt, das in sich selbst erklärbar ist.« Das behauptet Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder. Aber stimmt das denn? Oder haben wir uns nur an die Bedienung eines Buches gewöhnt?

Wie im Mittelalter der Arbeitsalltag beim Buch-Support ausgesehen haben könnte, das zeigt dieser nette Film. Leider auf Dänisch mit eben solchen Unter- aber englischen Obertiteln.

http://www.youtube.com/watch?v=LRBIVRwvUeE

Beitrag vom 13. März 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Gefunden im Rolling Stone: Plappern on demand

Ein Zug durch die Gemeinde der Stummler und Stammler

Zwischen Bastian Sick und Guidoknoppisierung, »Rund-Hairum«-Friseuren und »Lecker Kuttelsuppe«, »Gaspreis-Rebellen« und dem »Migrationshintergrund« erfasst Rolling-Stone-Autor MICHAEL RUDOLF in seinem kommenden Buch »Atmo. Bingo. Credo« die Schrecken der neuen deutschen Standort-Lingo. Einige erlebnisorientierte Beispiele in Dummgeschwätz für die Lexem-affine Zielgruppe samt Mitnahme-Effekten.

Beitrag vom 8. März 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Virtuelle Film- und Buchtournee: Nessa Altura war zu Gast im literaturcafe.de

Das Buch: Die 13. Klasse - Roman von Nessa AlturaNach einem Erdbeben sind 17 Schülerinnen und Schüler, ihr Deutschlehrer und ein Referendar unter den Trümmern ihres Schulgebäudes begraben. Vier Schüler der Klasse gelten als vermisst, und man muss annehmen, dass sie tot sind. Die Schüler beginnen, sich Geschichten zu erzählen, um das Warten auf Rettung erträglicher zu machen. Eine Handlung, die natürlich nicht zufällig an Tausendundeine Nacht oder das Dekameron erinnert.

»Die 13. Klasse« heißt das Buch, das die Geschichte(n) der Schüler beinhaltet. »Ein Roman von Nessa Altura« lautet der Untertitel, und die mehrfach ausgezeichnete (Krimi-)Autorin Nessa Altura, begrüßten wir am 8. März 2007 im Rahmen ihrer virtuellen Buch- und Filmtournee im literaturcafe.de.

Beitrag vom 7. März 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Die 13. Klasse – ein Filmsplitter zum Buch von Nessa Altura

Ein Erdbeben erschüttert den Bodensee-Raum. Das Gebäude des Bodensee-Gymnasiums in Lindau stürzt ein. Ein Lehrer, ein Referendar und 17 Schüler sind zwischen Gebäudeteilen und in nahezu vollkommener Dunkelheit gefangen. Vier Schüler der Klasse antworten nicht mehr.

Um ihre Angst zu vertreiben und die Zeit bis zur hoffentlich bevorstehenden Rettung schneller verstreichen zu lassen, beginnen die Überlebenden, sich Geschichten zu erzählen. Später, nach ihrer Rettung, schreiben die Schüler die Geschichten auf und veröffentlichen sie als Buch. Die Schüler starten zudem ein Weblog über ihr Buchprojekt und stellen kleine Filme in Videoportalen online, die für ihr Buch und ihre Geschichte(n) werben sollen.

Hier ist einer der Filme zur Erzählung »Alles ihre Schuld«, die Anna Echtern im Buch erzählt:

[sevenload T6ZTG3W]

Aber ist das alles wirklich so passiert? Gibt es diese Schulklasse? Oder ist alles nur eine Erfindung der (Krimi-)Autorin Nessa Altura? Am Donnerstag ist Nessa Altura im Rahmen ihrer virtuellen Buch- und Filmtournee hier im literaturcafe.de zu Gast, um über das Projekt zu berichten und Fragen zu beantworten. Das literaturcafe.de ist ihre zweite Station. Wer noch mehr über die Autorin und das Projekt wissen will, der sollte bei Bernd Röthlingshöfer reinschauen, bei dem Nessa Altura ihre Tournee am Dienstag begann.

Beitrag vom 27. Februar 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Literarisches Leben

Neue Werbeformen erobern auch das Buch

Gerade entdeckt: Neue Formen der Buchwerbung
Foto: Wolfgang Tischer – Das literaturcafe.de – Unter Creative-Commons-Lizenz

Beitrag vom 25. Februar 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Ein sehr unbekannter Vater

Régis Jauffret: MicrofictionDass in der Literatur (und in der Wirklichkeit) männliche Kindeserzeuger häufig fraglich oder unbekannt sind, ist nicht neu; eine besonders verrückte Version findet sich in dem aktuellen Roman von Régis Jauffret: Microfiction (leider nur auf Französisch); für die, die kein Französisch können, hier ein eigener und höchst unautorisierter Übersetzungsversuch; und für die, die diese Sprache schätzen, folgt anschließend das Original – übrigens wäre in den Kommentaren genug Platz für bessere Vorschläge:

»Mein Vater existiert nicht, Mama hat mich mit dem Sperma gemacht, das sie einem Betrunkenen gestohlen hat. Er lag ausgestreckt am Ufer. Weil es Nacht war, hat sie sein Gesicht nicht gesehen. Danach hat sie ihn in die Seine geschubst. Er muss sofort untergegangen sein. Er war sicher schwarz, denn ich bin ein Mischling, während Mama blond ist wie eine Schüssel Cornflakes.«

»Mon père n’existe pas, maman m’a faite avec le sperme qu’elle a volé à un ivrogne. Il était allongé sur le quai. Comme il faisait nuit, elle n’a pas vu son visage. Après, elle l’a poussé dans la Seine. Il a dû couler tout de suite. Il était sûrement noir, car je suis métisse, alors que maman est blonde comme un bol de corn flakes.« (S. 131)

Beitrag vom 24. Februar 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Sprachkritiker und Fan sein? Geht nicht!

Cover: Lieder voller PoesieBastian Sick (»Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod«) hat gezeigt, dass man selbst heute noch als Sprachkritiker Berühmtheit erlangen kann (höre auch unser Podcast-Interview aus dem Jahre 2005). Sick füllt mit seiner Sprachshow die Konzerthallen und begeistert Jung und Alt.

Nun gibt es eine neue CD des Schlagersängers Udo Jürgens, deren Stücke von Bastian Sieck ausgewählt und kommentiert wurden. Und Andreas Platthaus von der FAZ lässt es sich natürlich nicht nehmen, die Klappentexte Sicks genüsslich zu sezieren. So stößt er auf Floskeln wie »vielleicht« und »womöglich« und zeigt, dass das Sicksche Lob für die Jürgensche Sprache sehr selektiv ist. So wird alles sprachlich Zweifelhafte kurzerhand ausgeblendet. Damit aber zeigt Sick, dass er nicht weiß, was er will: Sprachkritiker bleiben oder Fan sein. So versucht er beides. Das gelinge ihm nicht, so Andreas Platthaus.

Aber es ist beruhigend zu wissen, dass auch ein Sprachkritiker, wenn es ihm um Inhalt und Begeisterung in einem Text geht, die Sprachbeherrschung verliert.

Beitrag vom 20. Februar 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Hörbücher

»Das Vorlesen ist nicht die Kunst, sondern das Zuhören«

Ich habe drei Bücher von David Sedaris übersetzt, und ich hasse es, Leute zu übersetzen, deren Englisch schlechter ist als mein Deutsch, aber Sedaris’ Englisch ist sogar schlechter als mein Englisch, was man der Übersetzung natürlich leider nicht mehr anmerkt, insofern ist sie nicht werktreu. Man kann zwar einen guten Witz, den man schlecht erzählt bekommen hat, besser weitererzählen, aber bei Übersetzungen geht das nicht.

Interviews mit Harry Rowohlt sind immer ein Vergnügen, ob man nun das aktuelle Gespräch mit ihm im Standard liest oder sich ans eigene Interview zurückerinnert, das man hier nach wie vor hören kann.

Beitrag vom 19. Februar 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Schreiben

Sibylle Berg sucht Abschiedsbriefe von Männern

Die Schriftstellerin Sibylle Berg sucht für ihr nächstes Buchprojekt Abschiedsbriefe von Männern. Wer sich also von seiner ersten Liebe, der Ehefrau oder von seinem Chef gekonnt schriftlich verabschiedet hat und der Meinung ist, dass seine Zeilen der Nachwelt in einem Buch hinterlassen werden sollten, der kann seinen Brief an die Autorin schicken. Neben den Abschiedszeilen

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