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Beitrag vom 2. April 2008 | Rubrik: E-Books, Notizen

Kein Scherz: Raubkopien halten Autoren vom Schreiben ab

Times OnlineNatürlich war unsere gestrige Meldung über die radikale Protest-Maßnahme der Buchkonzerne ein Aprilscherz. Kein Scherz war jedoch das abschließende Zitat der britischen Society of Authors, dessen deutsche Übersetzung wir der österreichischen Zeitung »Die Presse« entnommen haben. Darin beklagen die britischen Autoren, dass die Verbreitung von Raubkopien ihrer Bücher im Internet dazu führt, dass Autoren nicht mehr für ihre Arbeit entlohnt werden und dies letztendlich bedeutet, dass einige ganz aufhören werden, Bücher zu schreiben.

Im Original ist der Artikel im Online-Angebot der Times zu finden. Der Titel »Internet book piracy will drive authors to stop writing« lässt zunächst befürchten, dass hier wieder die insbesondere bei Verlagen beliebte Meinung vertreten wird, dass Raubkopien den Buchverkäufen schaden und man daher juristisch und am besten gleich strafrechtlich gegen Raubkopierer vorgehen sollte. Wie berichtet, gibt es hierzu durchaus völlig gegensätzliche Meinungen.

Doch liest man den Artikel genauer, so findet man heraus, dass die britische Autorenvereinigung die Dinge durchaus differenzierter sieht. So stellt die Autorin Tracy Chevalier fest, dass nicht alle Autoren im gleichen Maße von der Digitalisierung betroffen sind. Überhaupt ist im Artikel nicht nur von Raubkopien, sondern generell von im Internet kostenlos erhältlichen Inhalten die Rede. Besonders treffen diese neuen Entwicklungen Autoren von Büchern, die man nicht ganz lesen muss. Insbesondere sind hier Autoren von Kochbüchern oder Reiseführern betroffen. Aber auch Autoren von Gedichten und Kurzgeschichten. Vieles davon findet man auch legal im Internet, sodass der Kauf eines Buches nicht mehr zwingend notwendig ist. Tatsache bleibt jedoch, dass die Web-Autoren freiwillig oder unfreiwillig für ihre Arbeit nicht mehr entlohnt werden. Dies wiederum führt dazu, dass gerade die Autoren, die bislang ihr Geld mit solchen Inhalten verdient haben, künftig auf diesem Gebiet nichts mehr schreiben werden.

Anders als viele Verlage schreit Chevalier jedoch nicht nach dem Gesetzgeber. Zwar sieht sie Parallelen zur Musikindustrie, doch liegen diese nicht nur im Rückgang der verkauften Artikel, sondern auch darin, dass die Buchbranche ebenfalls noch nicht in der Lage ist, über die althergebrachten Geschäftsmodelle hinaus zu denken. Doch wird man sich zukünftig über eine andere Entlohung der Autoren Gedanken machen müssen, da das »alte« System von Vorschüssen und Tantiemen bald überholt sein dürfte. Staatliche Förderung, Wirtschaftsunternehmen, Mäzenaten oder allgemein die Öffentlichkeit könnten künftig bei der Entlohnung der Autoren stärker herangezogen werden.

Klar ist für die britischen Autoren, dass hier ein neues Denken einsetzen muss. Derzeit sind viele Verlage ratlos, wo sie künftig stehen werden und was in der Zukunft ihre Aufgaben sind. »Wenn Sie zehn verschiedene Verlage nach der Zukunft der Branche fragen, werden Sie zehn verschiedene Antworten erhalten«, zitiert die Times den ehemaligen Chef-Bucheinkäufer der Buchhandelskette »Waterstone’s«.

Der Artikel in »Die Presse« zitiert abschließend auch einen Vertreter des Börsenvereins für den Deutschen Buchhandel. Ob sich seine Äußerung konkret auf den Artikel in der Times bezieht, bleibt unklar, doch dennoch belegt er leider erneut, dass der deutsche Buchhandel offenbar die Notwendigkeit zum Um- und Weiterdenken noch nicht erkannt hat. Hier wird nachwievor nach dem Gesetzgeber gerufen und nach Instrumenten, die es den Verlagen erlauben, Raubkopierer zu ermitteln, um zivilrechtlich gegen sie vorzugehen.

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7 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. mikel schrieb am 2. April 2008 um 18:16 Uhr

    Es gibt immer noch viel zu viele Autoren, die geistig noch nicht einmal beim Computer angelangt sind, noch von der Schreibmaschine träumen, man kann es täglich in Romanen lesen, wie wenig Autoren (und daher auch ihre Lektoren und Verleger) wirklich von (zu gebrauchender) IT verstehen, vom Wesen des Web ganz zu schweigen. Daher wird es irgendwann wirklich ein böses Erwachen geben. (“Sie haben Post” ist ein beliebter Satz um email zu beschreiben, welcher Client sagt heute noch sowas?)

    Ich glaube nicht, dass das pure Vorhandensein von (belletristischen) Inhalten dem Schreibmarkt bereits jetzt böse Dinge antut. Bei Kochbüchern, php-Lernbüchern, cum censeum cetero, kann dies durchaus sein.

    Wer hat noch keine Studis gesehen, die klammheimlich das ungeliebte Ding vom Prof einfach mit dem Handy abgeknipst haben? Das geht, ehrlich.

    Aber das wahre Erwachen wird es geben, wenn es ein billiges und praktikables Lesegerät geben wird (nicht das C 64-like Ungetüm von der Amazone). Es wird es geben, keine Frage. Denn, am PC lange lesen ist nicht sehr sexy und pdfs ausdrucken teuer. Aber mit einem Lesegerät, wie der Asus EEC dies andeutet, ohne ein Lesegerät zu sein wird es ruckzuck auch die digitalen Kopien geben, die im Netz wandern, emule, Napster und co lassen grüßen. Bookz werden sexy sein. Und dann erst wird der Grass mit dem Walser (*nur so als Beispiel) über den Niedergang des Abendlandes fluchen und so weiter, weil es an den Geldbeutel geht.

    Es wird kommen und anstatt ein Erlösmodell zu erarbeiten wird wahrscheinlich die Bücher-Zeitungs-Polizei (man stelle sich die Bildzeitung als illegalen Download vor) völlig nutzlos arme Rentner in U-Bahnen verhaften, weil ihr Enkel das neueste Söldner-Heftchen auf den Bildbetrachter (die kosten zur Zeit 65 ) geladen haben.

    Es wäre an der Zeit sich zu unterhalten. Nicht mit den Rowlings, Grass un Kerkelings dieser Welt, die werden auch digital ihr Geld verdienen, sondern mit all denen, die sowieso nur schlecht vom schreiben, malen, steinhauen, schauspielern, tanzen, musizieren (jetzt hab ich bestimmt ziemlich viel vergessen) und dann mit denen, die das dann doch finanzieren, die Sponsoren, die Stiftungen, der Staat, das Lotto, was weiß ich wer und das alles vernünftig kanalisieren. Was weiß ich wie.

    Ja, sowas wie flat, oder ein wirklich einfach und wirklich kostengünstiges Bezahlmodell für Künste (Kunst-Handwerke) aller Art, Haltbarkeit und Vertrieb, offline, wie online.

    Aber es wird wohl zum Hauen und stechen kommen, schade eigentlich.

    Dem gedruckten Buch wurde auch eine böse Zukunft prophetiert.

  2. Tony schrieb am 4. April 2008 um 09:39 Uhr

    so überspitzt sollte man das glaube ich nicht sehen. denn es hört ja auch nicht gleich jeder musiker oder filmproduzent zum produzieren auf nur weil jetzt auf einmal alles heruntergeladen, gebrannt und verteilt wird.

  3. tico schrieb am 4. April 2008 um 10:11 Uhr

    Autoren von Kochbüchern oder Reiseführern werden es sicherlich Probleme haben, in solch einer Welt zu ihrem Geld zu kommen. Nur frage ich mich ob es überhaupt jemanden gibt, der davon leben kann. Bei Kurzgeschichten und Lyrik bin ich mir jedoch ziemlich sicher: Niemand wird mit solchen Texten satt, geschweige denn reich. Was soll also der Quatsch? Ist Geld die einzige Motivation die sich Tracy Chevalier für Autoren vorstellen kann? Ich glaube eher, dass Schriftsteller in Zukunft ihre Kurzgeschichten und Gedichte vorwiegend im Internet veröffentlichen werden, sollte es für Sammlingen in Buchformat keinen ausreichenden Markt mehr geben. Geschiet das nicht jetzt schon mit den abertausenden Hobby-Autoren? Dann werden Walser & Co (oder vielleicht die Generation danach) eben ihre neuesten Kurzwerke (wenn nicht gar Romane) auf ihrem Weblog präsentieren. Mit Rezepten funktioniert das auch. Ist es überhaupt ein Verlust, wenn die Buchhandlungen weniger mit Beckenbauers und Bohlens (etc.) persönlichen Lieblingsrezepten zugemüllt werden? Natürlich wird sich der Markt verändern. Das hindert aber niemanden am Schreiben. Das Internet hat Platz genug für alle, auch wenn es dadurch eher unübersichtlich wird. Das macht aber nix, wir haben ja Gockl und Juhu die uns bei der Suche helfen!

  4. Jutta Ouwens schrieb am 4. April 2008 um 17:00 Uhr

    Also, ich hätte da mal eine Frage: So ein Lesegerät,”…wie der Asus EEC dies andeutet, ohne ein Lesegerät zu sein…”, ja, was ist das denn überhaupt und wie läßt es sich handhaben? Kann man es zum Beispiel in die Hand nehmen und umblättern, wie ein richtiges Buch? Kann man ein Lesezeichen reinlegen und es auf den Tisch legen, neben die Kaffeetasse und die Schale mit den Schokoplätzchen? Kann man es durchblättern und die letzten 50 Seiten endlos in die Länge ziehen, damit der sinnliche Genuß nicht so schnell vorbei ist? Würde es ins Bücherregal passen und hat es auch ein ansprechendes Cover?
    Wenn ja, gäbe es sicher nichts Besseres, als sich nachmittags mit dem Lesegerät in die Couchecke zu flätzen, besonders, wenn es draussen stürmt und regnet. Wenn es nicht so ist, glaube ich weiter an das gute alte Buch, denn: Totgesagte leben länger!

  5. mikel schrieb am 4. April 2008 um 17:47 Uhr

    @Jutta Ouwens:
    Der Asus EEC ist schlicht ein kleiner, leichter Computer, der aber durch seine Preisgestaltung von < 300 andeutet, was demnächst möglich sein wird.
    Und der Rest der Argumente? So oder ähnlich klang das wohl auch unter den mönchischen Kopisten weiland, als Gänsfleisch oder sonst wer den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand erfand oder die CD die Platte verdrängte oder der MP3-Player die CD.

    Ich freue mich darauf, endlich die 5 “Bücher”, die ich zumeist zugleich lese, digital mit ins Schwimmbad und die Straßenbahn nehmen zu können, mit dem gleichen Gerät dazu “meine” Musik hören kann und notfalls Notizen dazu schreiben.
    Der Druck solche Geräte herstellen zu wollen, kommt vor allem aus den Schwellenländern und z.T aus der wirklichen 3. Welt. Solche Lesegeräte, die ggfs gesponsert werden könnten und WIRKLICH billig zu erstehen wären (ggfs auf Handy-Basis) würden alleine die notwendige Versorgung mit Büchern (Schulbüchern) gewährleisten. Die diesjährige Nobelpreisrede sprach von der Bücher-Losigkeit Afrikas z.B., auch wenn Lessing das mit dem PC nicht gutierte. Woher dann allerdings die Autorenerlöse noch stammen sollten weiß ich auch nicht.

    @tico:
    Vorab:Ich bin solch ein Autor, der das heute schon macht. Vor allem für Lyrik ist das DER Weg. Und ja, ich war einmal Moderator einer der großen lit-Foren hierzulande. Ich kenne das alles.
    Nur: Umfangreiche Formate wie Roman oder Drama z.B. kann man letztendlich und auf Dauer nur richtig produzieren, wenn einem dafür die Zeit zur Verfügung steht. Zeit, die man nicht im Brotberuf verbringen muss.

    Es gibt letztendlich keine schlüssigen Erlösmodelle mehr, wenn das “kostenlose” zur Norm wird.

    Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Alle. Ich kenne zum Beispiel Musiker gerade aus NY, die prophezeien, dass es bald keinen innovativen Jazz mehr geben wird, weil die Erlösmodelle weggenapstert wurden.
    Die CD oder die Platte als Geldtransfer-Projekt scheint im Indie-Bereich z.B. tot. Und so wird es mit kleiner Verlagen gehen, samt ihren Autoren, die zunächst sehen müssen, von was sonst sie sich ernähren können.
    Ist alles nicht so einfach und das Netz ist groß, na ja.

  6. Jutta Ouwens schrieb am 6. April 2008 um 11:21 Uhr

    Geht es denn unbedingt um ENTWEDER-ODER? Ehrich gesagt, finde ich die Vorstellung zu kurz gegriffen. Jeder kann doch das Eine tun, ohne das Andere zu lassen, so finde ich das Netz zum Lesen und Publizieren von Lyrik und Kurzprosa ideal, trotzdem möchte ich niemals auf Bücher verzichten. Coelho stellt einen Roman ins Netz und verkauft mehr Bücher; scheint ja beides machbar zu sein. Die Sache mit dem Verdienst ist schwierig, aber erleben im Moment nicht auch kleine Verlage, wenn sie Gutes anbieten, einen Boom? Ich gebe aber gerne zu, dass es meine persönliche Prägung ist, ich liebe Bücher, ich liebe Buchläden und die Ruhe, wenn ich mich aufs Lesen konzentriere. Wir werden sehen…

  7. Gerrit schrieb am 26. September 2009 um 19:32 Uhr

    Hallo :)

    Die Pappnasen, die nur schreiben um reich zu werden, sollen es wirklich besser sein lassen. Wer nichts zu sagen hat, der schreibt auch besser nichts, und wer was zu sagen hat, der schreibt, ob es nun Geld gibt dafür oder nicht?

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