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Beitrag vom 3. Januar 2017 | Rubrik: E-Books

Rakuten statt Telekom: Was wird aus den Tolino-Geräten und der Self-Publishing-Plattform? [Update]

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Wird der Tolino zum Kobo? (Fotomontage)

Ungewiss: Wird der Tolino zum Kobo? (Fotomontage)

Zum Jahresanfang 2017 hat die Telekom ihren Ausstieg aus der sogenannten Tolino-Allianz verkündet. Zusammen mit den großen deutschen Buchhandelsketten hat die Telekom hierzulande mit den Tolino-Geräten eine ebenbürtige Konkurrenz zu Amazons Kindle-Welt aufgebaut. Die Telekom war für die Hard- und Software der Geräte verantwortlich.

Neuer Technologiepartner der Buchhändler wird der japanische Rakuten-Konzern. Der hat jedoch hierzulande bereits die wenig bekannten Kobo-Reader im Portfolio. Stehen die Tolino-Reader damit in Deutschland vor dem Aus?

Update: Das Kartellamt hat der Übernahme am 20.01.2017 zugestimmt (siehe Nachtrag).

Die Rakuten-Telekom-Übernahme ist bei den laufenden Fusionskontrollverfahren gelistet (Stand: 31.12.2016)

Die Rakuten-Telekom-Übernahme ist bei den laufenden Fusionskontrollverfahren auf der Website des Bundeskartellamtes gelistet (Stand: 31.12.2016)

Zunächst muss noch das Bundeskartellamt seine Zustimmung für den Wechsel des Technologiepartners innerhalb der Tolino-Allianz geben. [Update: Dies Zustimmung ist am 20. Januar 2017 erfolgt; siehe Nachtrag unten.] Zwar sind die Kobo-Reader in Deutschland beispielsweise in den Saturn- und Mediamärkten erhältlich, doch haben die Geräte in Deutschland keinen nennenswerten Marktanteil. Vor einiger Zeit verkündete die Tolino-Allianz, dass in Deutschland der Anteil der E-Book-Verkäufe mit denen Amazons identisch sei. Demnach dürfte der Marktanteil der Kobo-Reader unter 10% liegen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass das Kartellamt keine Einwände gegen den Rakuten-Einstieg in die Tolino-Allianz hat. Zur Allianz gehören die großen und mittleren deutschen Buchhandelsketten wie Hugendubel, Thalia, Weltbild, Mayersche und Osiander.

Kobo ist ursprünglich ein kanadisches Unternehmen, der Firmenname ein Anagramm des Wortes book. Im November 2011 wurde das Unternehmen vom japanischen Rakuten-Konzern aufgekauft.

Ähnlich wie dem Sony-Konzern, der sich mittlerweile komplett aus dem E-Reader-Markt zurückgezogen hat, fehlt auch Kobo hierzulande die Kompetenz im Inhalte-Bereich. Vergleiche ergeben regelmäßig, dass im Kobo-Shop das kleinste Sortiment an E-Books angeboten wird. Kobo setzt jedoch auf den offenen EPUB-Standard mit Adobe-Kopierschutz. Bei den Tolino-Buchhändlern erworbene E-Books konnten also schon immer auch auf Kobo-Geräten gelesen werden.

Mit dem Einstieg in die Tolino-Allianz und der Übernahme der Tolino-Hardware besitzt Kobo über Nacht einen Marktanteil von 50% auf dem deutschen E-Ink-Reader-Markt, wenn man den Tolino-Zahlen glaubt. Nach den USA ist Deutschland ein wichtiger E-Book-Markt. Zwar lesen viele Menschen E-Books auch auf Smartphones und Tablets, doch zumindest die E-Ink-Reader kommen künftig mehr oder weniger ausschließlich von einem amerikanischen (Amazon) und einem japanischen Konzern (Rakuten).

Endlich: Kostenlose Tolino-App für Smartphones und Tablets

Wird auch zunächst bleiben: Die Tolino-App für Smartphones und Tablets

Wie bei einer solchen Übernahme üblich, betonen sowohl die Tolino-Buchhandlungen als auch die aussteigende Telekom, dass für die Kunden alles beim Alten bleibe. Dies bedeutet:

  • Tolino bleibt die Marke für den deutschsprachigen Raum
  • Rakuten übernimmt die Betreuung der bestehende Hard- und Software und auch das Cloud-Ökosystem von der Telekom
  • Der Shop des jeweiligen Tolino-Partners, bei dem die Hardware gekauft wurde, bleibt auf dem Gerät vorinstalliert.
  • Kunden können die Telekom-Hotspots weiterhin kostenfrei nutzen, um auf ihre digitalen Bibliotheken und die Shops zuzugreifen.
  • Die Allianz bleibt für weitere Buchhandelspartner offen

Jedoch dürfte es mittelfristig für Rakuten nicht sinnvoll sein, hierzulande eine eigene Hard- und Software anzubieten. Rakuten ist beispielsweise in England ebenfalls schon Hard- und Softwaredienstleister für das E-Book-Geschäft von Buchhandelspartnern. Früher oder später wird Rakuten die Infrastruktur angleichen und weltweit vereinheitlichen. Ob dann Kobo oder Tolino auf der Hardware steht, wird sich zeigen.

Was wird aus dem Self-Publishing für Tolino?

Ebenfalls noch offen ist, was der Partnerwechsel in der Allianz fürs Self-Publishing auf dem Tolino bedeutet. Für den deutschen Markt wird dies durch das relativ kleine Team bei Tolino Media realisiert. Mit Kobo Wirting Life betreibt Rakuten jedoch ebenfalls schon länger ein eigenes Self-Publishing-Portal, über das E-Books nicht nur in Deutschland, sondern weltweit verkauft werden können. Die Bedienung ist einfach und simpel, der Upload für jedermann möglich. Aufgrund der geringen Kobo-Verbreitung spielt dieses Portal jedoch für den deutschen Markt bislang keine wichtige Rolle. Auch das könnte sich nun ändern bzw. die deutschlandspezifische Tolino-Media-Plattform könnte sich mittelfristig in die Writing-Life-Infrastruktur eingliedern.

Fazit: Was bleibt von Tolino?

Obwohl man derzeit anderes beteuert: Mit dem Einstieg von Rakuten bzw. Kobo wird sich die Tolino-Allianz verändern. Mit dem japanischen Partner kann nun nicht mehr von einer deutschen Allianz gegen Amazon gesprochen werden. Als Hard- und Software-Betreiber sitzt Rakuten künftig am längeren Hebel. Nach der Zustimmung durch das Kartellamt ist daher zu erwarten, dass Rakuten die Hard- und Software mittelfristig weltweit vereinheitlichen wird. Dies betrifft auch das Self-Publishing-Angebot. Die Buchhandelsketten sind dann die jeweiligen nationalen Partner für Deutschland, England, Frankreich etc. Da Tolino und Kobo auf das gleiche E-Book-Format setzen, bleibt das Kobo-Tolino-System offener und handelsseitig heterogener als die Amazon-Konkurrenz. Der Rakuten-Konzern mit seinen E-Ink-Readern ist somit die weltweit einzig verbleibende ernst zu nehmende Konkurrenz zu Amazons Paperwhite und Co.

Aktualisierung vom 20. Januar 2017:
Kartellamt stimmt der Tolino-Übernahme durch Rakuten/Kobo zu

Wie erwartet hat das Bundeskartellamt in einer Pressemeldung mitgeteilt, dass der japanische Rakuten-Konzern die Hard- und Softwareplattform des Tolino von der Deutschen Telekom übernehmen darf.

Obwohl Rakuten weltweit 700 Mio. »Mitglieder« habe, liege der Marktanteil in Deutschland im »niedrigen einstelligen Bereich«, sodass Rakuten hierzulande kaum vertreten sei. Mit Mitgliedern sind offenbar registrierte Nutzer gemeint, da Kobo neben den E-Readern auch Lese-Apps anbietet.

Die folgenden Zahlen und Annahmen werden vom Bundeskartellamt zugrunde gelegt:

  • Rakuten/Kobo hat weltweit 700 Mio. Mitglieder.
  • Das Marktvolumen für E-Books liege derzeit in Deutschland bei 5% des Gesamtumsatzes im Buchhandel im Publikumsmarkt. (Eine sehr vorsichtige Schätzung, tatsächlich dürfte er bei über 10% liegen. Anm. der Redaktion)
  • Amazon mit seiner Kindle-Plattform verkaufe in Deutschland rund 50% aller E-Books.
  • Der Anteil der von den Mitgliedern der Tolino-Allianz verkauften E-Books liege bei 30 bis 40%.
  • Der Anteil von Rakuten/Kobo sei sehr gering und bewegt sich im niedrigen einstelligen Bereich.
  • Weitere Wettbewerber seien unter anderem Apple mit dem iBook-Store und der Google Play Store.

Die amtliche Pressemeldung zitiert Andreas Mundt, den Präsidenten des Bundeskartellamtes, mit den Worten:

Die Plattform tolino hat im E-Book Markt in Deutschland neben dem Marktführer Amazon eine wichtige Marktposition. Der Erwerb durch Rakuten bringt aber keine wettbewerblichen Probleme mit sich. Rakuten ist zwar global ein wichtiger Player, im E-Book-Bereich in Deutschland ist das Unternehmen aber bislang ein eher kleinerer Wettbewerber.

Was die Geräte selbst betrifft heißt es in der Meldung weiter:

Auch bei dem ebenfalls von dem Zusammenschluss betroffenen Markt für Lesegeräte führt der Zusammenschluss zu keiner erheblichen Behinderung von wirksamen Wettbewerb. Die tolino E-Reader sind in Deutschland nach dem Amazon Kindle zwar die am zweithäufigsten verkauften E-Reader, diese Marktposition wird aber durch Rakuten/Kobo nur geringfügig verstärkt. Wettbewerbsdruck besteht hier zudem durch Tablets und Smartphones, über die E-Books per App-Anwendung gleichfalls lesbar sind.

Link ins Web:

2 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Rouven schrieb am 22. Januar 2017 um 12:36 Uhr

    Wenn die das eBook-Geschäft verkaufen, dann wird’s wohl kaum viel Gewinn abwerfen. Oder? Kann’s mir nicht anders erklären.

  2. Robin Morgan schrieb am 6. März 2017 um 13:18 Uhr

    Das ist schade. Mein Guthaben beim Kobo war auf weg und ich habe mehrfach versucht, jemanden von Kobo zu erreichen. Nichts. Teilweise kamen die im Impressum angegebenen eMails als ungültig zurück, teilweise wurde nicht geantwortet. Deshalb habe ich den Kobo links liegen gelassen. Und jetzt habe ich die gleiche Null-Service-Firma auf meinem Tolino?

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