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Literatur-Quiz

Logo der Schiller-BuchhandlungUnser monatliches Literatur-Quiz wird Ihnen präsentiert in Zusammenarbeit mit der Schiller Buchhandlung in Stuttgart-Vaihingen. Auf der Website der Buchhandlung finden Sie auch das umfangreiche Archiv der bisherigen Quiz-Runden.

Mai 2011

»Der Gegensatz zweier Welten«

Das Theaterstück, das ich kürzlich gesehen habe, nennt sich offiziell eine Tragikomödie. Nachdem ich mich vorher über den Inhalt des Stückes schlau gemacht hatte, war ich doch ein bisschen gespannt darauf, wo der Autor denn den komischen Teil versteckt haben könnte. Die Geschichte um eine nicht mehr ganz junge Frau, die ihr Kind kurz nach der Geburt verloren hatte und jetzt in der unfreiwilligen Schwangerschaft eines polnischen Dienstmädchens ihre zweite Chance auf Mutterglück sieht und der Unglücklichen das Baby abkaufen will, klingt eher traurig. Und ist es auch. Denn die leibliche Mutter überlegt es sich kurz nach der Geburt doch noch anders und will ihr Kind zurückhaben. Aus schierer Verzweiflung stiftet die Ältere ihren kriminellen Bruder an, der Polin zu drohen, damit sie von ihrer Forderung absieht. Der aber nimmt seine Aufgabe zu ernst und bringt die junge Frau um. Am Ende des Stückes sind zwei Tote zu beklagen, denn die sich so verzweifelt nach Mutterglück Sehnende nimmt sich das Leben.

Anlass zum Schmunzeln war für mich da eigentlich nur der Berliner Dialekt, dem die Figuren aus dem Arbeitermilieu heftigst frönten. Das Stück spielt Ende des 19. Jahrhunderts in einer ehemaligen Berliner Kaserne, die damals von zahlreichen Familien bewohnt wurde und im Volksmund »Wanzenburg« jenannt wurde. Je einfacher die Herkunft der Menschen, desto stärker der Dialekt.

Der komische Teil der Tragödie entsteht aber nicht durch den Dialekt, sondern durch den fast parallel verlaufenden zweiten Handlungsstrang, der satirisch überspitzt mit den Sorgen und Nöten des Bürgertums spielt, die im Vergleich zu den Lebensumständen im Arbeitermilieu fast schon grotesk wirken. Wenn der Theaterdirektor auf dem Dachboden der Mietskaserne heimlich seine Geliebte empfängt und ihm die Libido zu Kopfe steigt; wenn ein junger Pfarrerssohn sich gegen die vom Vater vorgesehene Karriere als Theologe entscheidet und Schauspieler werden will – dann lässt das die existentiellen Sorgen der einfachen Leute in der Mietskaserne noch deutlicher werden. Auf dem Dachboden die Komödie, eine Etage tiefer die Tragödie.

Der Dichter schrieb über sein Stück:

»Die Idee des Dramas bestand aus dem Gegensatz zweier Welten und hatte diese Welten zum Ausgangsgrund. (…) Sie haben im Allgemeinen manche, im Besonderen wenig Berührungen. So ist es am Anfang, so bleibt es zum Schluss. Allerhand Verflechtungen indessen, mechanisch und ideell, bringt ihnen unbewusst das Schicksal in ihre Beziehungen, und diese Verflechtungen und das Unbewusste dieser Verflechtungen stellen gleichnisweise etwas von dem tragikomischen Gehalt des blinden menschlichen Daseins dar.«

Der Autor war sehr vielseitig, hat insgesamt 47 Stücke, Novellen und Erzählungen und mehrere Romane geschrieben und wurde bereits im Alter von fünfzig Jahren mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Weltberühmt wurde er durch ein Theaterstück, das für großen Wirbel sorgte, weil es so viel sozialen Sprengstoff enthielt, dass der Dramatiker durch seine Anwälte erklären lassen musste, dass das Drama als »dichterischer Aufruf an das Mitleid der Besitzenden zu verstehen sei« und nicht als »sozialdemokratische Parteischrift«. Nur so war eine Inszenierung am Deutschen Theater möglich. Der damalige Kaiser Wilhelm II. war allerdings not amused und sah sich veranlasst, daraufhin sein Theaterabo am Deutschen Theater zu kündigen. Macht nüscht, war wieder eine Loge frei.

Der Journalist und Autor Jörn Klare hat in seinem kürzlich erschienenen Buch »Was bin ich wert? Eine Preisermittlung« den wahrlich nicht einfachen Versuch unternommen, den Wert eines Menschenlebens zu ermitteln. Der Anlass, sich mit dieser Frage auseinander zu setzen, waren seine Recherchen zum Thema Menschenhandel. Außerdem sei er, so erzählt er in seinem ersten Kapitel, Zeuge eines Gespräches in der U-Bahn gewesen, in dem zwei jungen Männer über einen aktuellen Raubmord diskutierten. Der Täter hatte die, angesichts der tödlichen Konsequenzen der Tat, traurige Summe von 100 Euro erbeutet. Die Gesprächspartner sinnierten nun darüber, welche Geldsumme ihrer Meinung nach von Nöten wäre, um einen Mord nachvollziehen zu können. Für den einen waren es 10 000 Euro, für den anderen mindestens 100 000 Euro.

Wer bietet mehr? Der Autor ertappte sich dabei, dieses makabere Gedankenspiel mitzuspielen, verbot sich die Teilnahme daran zwar sofort wieder, kam aber dennoch von diesem Thema nicht mehr los. Das Ergebnis ist sein Versuch einer Preisermittlung, übrigens ein sehr lesenswertes Buch.

Kann man den Wert eines menschlichen Lebens überhaupt in Zahlen ausdrücken? Der gebildete Ottonormalbürger mit humanistischer Grundausbildung würde vermutlich behaupten, dass nein. Aber beispielsweise ein Auftragsmörder würde von Berufs wegen sagen, aber ja doch. Und eine Versicherungsgesellschaft würde vermutlich ohne zu zögern dem Auftragsmörder beipflichten.

Auf das makabere Betätigungsfeld des Auftragsmörders komme ich in diesem Zusammenhang deshalb, weil es in einer bekannten tragischen Komödie auch um einen Auftrag zum Mord geht. Eigentlich ist es nicht direkt ein Auftrag, sondern ein Angebot. Ein sehr provokantes Angebot. Es geht um Reichtum für eine ganze Stadt , aber nicht ohne Gegenleistung. Ein Mitglied der Gemeinde soll dafür sterben, damit anschließend die Millionen fließen und eine heruntergekommene Stadt und dessen arbeitlose und völlig desillusionierte Bürger saniert werden. Natürlich weist die Gemeinde dieses Angebot erst mal empört zurück. Nicht für alles Geld dieser Welt würden sie einen beliebten und anerkannten Bürger aus ihrer Mitte töten. Die Menschen haben sich also spontan dafür entschieden, dass ein Menschenleben nicht mit Geld aufzuwiegen ist.

Wäre die Geschichte an diesem Punkt zu Ende gewesen, wäre es keine tragische Komödie geworden.

Als die Bürger der Stadt aber den Grund für dieses Angebot erfahren, fängt die Versuchung an, in ihnen zu gären. Dieser besagte Mitbürger hatte vor Jahrzehnten ein Unrecht begangen und nun soll er dafür bestraft werden. Die Person, der damals das Unrecht widerfahren war, will sich mit diesem unmoralischen Angebot Gerechtigkeit erkaufen. Aber kann man Gerechtigkeit kaufen? Und ist Gerechtigkeit einen Mord wert?

Der Autor schrieb für die Erstausgabe folgendes über sein Stück: »(…) Es ist eine Gemeinde, die langsam der Versuchung nachgibt, wie der Lehrer, doch dieses Nachgeben muss begreiflich sein. Die Versuchung ist zu groß, die Armut ist zu bitter. Die (….) ist ein böses Stück, doch gerade deshalb darf es nicht böse, sondern muss aufs humanste wiedergegeben werden, mit Trauer, nicht mit Zorn, doch auch mit Humor, denn nichts schadet dieser Komödie, die tragisch endet, mehr als tierischer Ernst.«

Wie ist der Name des Dichters, der zu den repräsentativsten Vertretern des Naturalismus zählt und dessen Todestag sich dieses Jahr zum 65mal jährt? Und wie heißt seine Tragikomödie in fünf Akten?

Klicken Sie hier, und Sie gelangen zur Website der Schiller Buchhandlung, wo Ihnen drei mögliche Antworten präsentiert werden? Welche ist die richtige? Zu den möglichen Antworten auf schiller-buch.de »

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