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	<title>Kommentare zu: Prominente Autorinnen und Autoren unterst&#252;tzen Fairlag-Initiative gegen unseri&#246;se Verlagspraktiken</title>
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	<description>Der literarische Treffpunkt im Internet für Autoren, Leser, Verlage und alle Literatur-Begeisterten. Aktuelle Berichte, Gedichte, Kurzgeschichten, Buchtipps, Hörbücher und Podcast.</description>
	<lastBuildDate>Thu, 11 Mar 2010 16:15:32 +0100</lastBuildDate>
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		<title>Von: Franz Wolf</title>
		<link>http://www.literaturcafe.de/prominente-autorinnen-und-autoren-unterstuetzen-fairlag-initiative-gegen-unserioese-verlagspraktiken/comment-page-1/#comment-8934</link>
		<dc:creator>Franz Wolf</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 16:07:50 +0000</pubDate>
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		<description>Ein beispielhaftes Autorenleben

   Am Anfang schuf der HERR Himmel und Erde. Er z&#246;gerte kurz und mu&#223;te erschrocken feststellen: Die Erde war ganz leer! Und obendrein w&#252;st. W&#252;st und leer. Eine leere W&#252;ste. Nichts zu sehen, so weit das Auge reichte. Da setzte er sich trotz des Rauchverbotes auf einen Barhocker. 
Und bei der philosophischen Frage, was er wohl als n&#228;chstes erschaffen sollte, die Feinstaub-Plakette, Bill Gates, das Handy oder die gu&#223;eiserne Thermoskanne, entschied er sich f&#252;r das Paradies. 
Bzw. f&#252;r die Deutschen Buchverlage. 
Denn der HERR war Schreiber mit unb&#228;ndiger Passion. In jeder freien Minute schrieb er was das Zeug hielt. Und was er zu Papier brachte, war nicht uninteressant. Einige seiner Krimis im Internet waren derart spannend, da&#223; die Beamten in ihren B&#252;ros bei der Lekt&#252;re regelm&#228;&#223;ig ihre Pausen verga&#223;en - sowie den obligatorischen Ausflug zur Toilette. Was zur Folge hatte, da&#223; sie noch weniger arbeiteten und ihre Vorgesetzten ihnen diese Krimis mit Gewalt verbieten mu&#223;ten. Um sie selber zu lesen!  
Die Deutschen Verlage aber zeigten sich undankbar und renitent, indem sie m&#228;nnliche deutsche Autoren boykottierten. Jedesmal, wenn er ihnen eine seiner inzwischen zu beachtlicher Zahl angewachsenen Arbeiten zusandte, war ihre schriftliche Antwort die gleiche, ohne da&#223; sie auch nur eine Zeile davon &#252;berflogen h&#228;tten: Leider pa&#223;t es nicht in unser Programm, stand auf den Briefen, entnommen aus den mit Abstand gewaltigsten Aktenschr&#228;nken im ganzen Stadtviertel, die all jene stereotypen Antwortschreiben beherbergten, welche t&#228;glich zu Hunderten verschickt wurden; viele davon prophylaktisch. Nie hatte ein Lektor den Mut besessen, zu formulieren: Sie haben kein Talent, lassen Sie es sein! Niemals. 
Der HERR vermutete schlie&#223;lich, die Verlage l&#228;sen &#252;berhaupt keine Manuskripte! Ihre eigentliche Bestimmung l&#228;ge im allmorgendlichen Kaffeetrinken und anschlie&#223;endem Beraten, wen man als n&#228;chstes unbesehen ablehnen k&#246;nne; das jedoch mochte er so nicht hinnehmen. Um sich selbst zu widerlegen, versiegelte er eines seiner Manuskripte mit unsichtbaren Klebestreifen und schickte es an einen der gr&#246;&#223;ten Verlage im Lande. Nach einigen Wochen kam es zur&#252;ck mit dem Vermerk: Wir haben Ihr Manuskript ausgiebig gelesen, leider pa&#223;t es nicht in unser Programm! Die Klebestreifen waren unversehrt, das Skript nie ge&#246;ffnet worden! 
   Da sich ein Schriftsteller jedoch erst als ein n&#228;mlicher definiert, wenn er ein Buch ver&#246;ffentlicht hat, hing der HERR mit seiner aktuellen Berufsbezeichnung noch etwas in der Schwebe. Wer er war, wu&#223;te er, ansatzweise. Was aber war er? Ein Schreibkundiger ohne H&#228;nde? Ein S&#228;nger mit zugen&#228;htem Mund oder ein zungenloser Dolmetscher? Ein Philosoph ohne Gedanken?
Jahrelang hatte er vergeblich versucht, mit den von ihm und f&#252;r ihn eigens erschaffenen Editionen in Kontakt zu treten, jene aber schwebten in unerreichbaren H&#246;hen. Gelungen war ihm lediglich eine sch&#252;chterne Begegnung der Dritten Art: Auf der Frankfurter Buch-Messe hatte sein sehnsuchtsvoller Blick einen ihrer St&#228;nde erhaschen d&#252;rfen. Kostenlos.
   Die Erkenntnis, da&#223; die Mehrzahl der von Deutschen Verlagen publizierten Schriften aus der Feder weiblicher Autoren stammte, ausl&#228;ndischer zumeist, zwang ihn zu radikalem Umdenken, und der HERR gr&#252;belte 14 Tage intensiv. Obwohl er alle Doku-Soaps im Vorabendprogramm sausen lie&#223;, vermochte er sich nicht daran zu erinnern, jemals das Weib erschaffen zu haben - das nie zuh&#246;rt, weil es st&#228;ndig Schuhe kauft. 
Im Anschlu&#223; nahm er - unter seinem M&#228;dchennamen - an diversen Literaturwettbewerben teil und gelangte - zuweilen - in die engere Wahl! Was ihn erstaunte. Vielleicht h&#228;tten sich die Verlage doch einmal die M&#252;he machen und eines seiner Werke fl&#252;chtig be&#228;ugen sollen? Denn so miserabel, wie ihm von Verlagsseite suggeriert wurde, schienen die Arbeiten nicht zu sein. Er war ja schlie&#223;lich nicht irgendwer! Zwei Wettbewerbe hatte er sogar gewonnen! 
Gut, das mag daran gelegen haben, da&#223; seine Schriften durchweg pornographischen Charakter aufwiesen, was die Juroren allerdings nicht am wiederholten Lesen, an der Vervielf&#228;ltigung derselben und an der dezidierten Forderung um Nachschub gehindert hatte. Die Preise konnte er aus verst&#228;ndlichen Gr&#252;nden nie pers&#246;nlich entgegennehmen, ohne sich als Mann zu erkennen zu geben. Er stand zu seinem Geschlecht. 
Die beiden Erzengel Dieter Bohlen und Bruce Darnell rieten ihm - zwischen zwei Talentwettbewerben - sich als Frau zu verkleiden, wollte er als Preistr&#228;ger in Erscheinung treten. Das lehnte er ab. Zu gut war ihm der amerikanische Spielfilm Tootsie noch in Erinnerung, und der HERR wollte nicht Gefahr laufen, von einem der Abstimmungsmitglieder hinter die B&#252;hne gezerrt und dort nach allen Regeln seiner eigenen Schriften vernascht zu werden. Seither galt er in jenen Kreisen als die begabte Unbekannte, die sich aufgrund ihres Genies rar machte. 
Monatelang hatte er daraufhin f&#252;r die Zeitschrift EMMA unter seinem Pseudonym Aphrodite Artikel verfa&#223;t, die eifrig gedruckt wurden. Bis es zum ersten Telefonat kam und man ihn an der Stimme entlarvte. Damit endete seine kurze Kariere als Journalistin. 
   Eine Zeitlang befa&#223;te sich der HERR danach mit dem Schreiben von Kochb&#252;chern f&#252;r Weight Watchers, was ihn aber intellektuell nicht zufriedenstellen konnte. Zu eint&#246;nig waren ihm die Rezepte, zu unglaubw&#252;rdig die Kalorientabellen. 
Daraufhin wechselte er das literarische Revier, schrieb eine wissenschaftliche Abhandlung, in welcher er Albert Einstein mit Isaak Newton verglich und nahm die Anekdote mit dem ber&#252;hmten Apfel, der Newton auf den Kopf gefallen sein soll, w&#228;hrend er unter einem Baum &#252;ber die Gravitation sinnierte, zum Anla&#223; f&#252;r eine lustige Geschichte. Die schickte er an die Zeitung mit den gro&#223;en Buchstaben. Tags darauf erhielt er die obligate Absage mit der Begr&#252;ndung:
,Einen Roman &#252;ber Wilhelm Tell gibt es schon seit vielen Jahren.’ Dann nannten sie ihm noch den Autor. Ihrer Meinung nach war er von Karl May.
Nach diesem Fehlschlag konzentrierte er sich - f&#252;r kurze Zeit nur - auf das Verfassen von absolut sicheren Horoskopen und der Vorhersage der Lottozahlen in der Zeitschrift Brigitte, was ihm jedoch von jener Seite, die ihm nicht vertraut hatte, nur &#196;rger und Schm&#228;hungen bescherte und sich verschiedene Nachrichtendienste an seine Verfolgung machten.
   Bei der anschlie&#223;enden Lekt&#252;re von sogenannten Bestsellern breitete sich in seinem Magen regelm&#228;&#223;ig eine klammheimliche Leere aus, ein Literaturhunger gewisserma&#223;en; sie entsprachen in den meisten F&#228;llen nicht seiner Vorstellung. Da entdeckte er ein dickes, altert&#252;mliches Buch, welches in einer archaischen Schrift verfa&#223;t war, schlug es auf und las es begierig. 
Aber auch jene Autoren wiesen eine gew&#246;hnungsbed&#252;rftige Schreibweise auf. Sowohl Stil als auch Inhalt animierten ihn zu heftigem Kopfsch&#252;tteln und pausenlosen unkontrollierten Heiterkeitsausbr&#252;chen - es handelte sich um die Luthersche Bibel. 
Nachdem er sich die Tr&#228;nen aus dem Gesicht gewischt hatte, besorgte er sich die Originalschriften, bl&#228;tterte darin, la&#223; aram&#228;isch, hebr&#228;isch, griechisch und hatte eine neue Idee: Er setzte sich an seinen PC und machte sich mit Hilfe der Word-Datei an die Richtigstellung, was einige Zeit in Anspruch nahm, denn der HERR mu&#223;te beinahe alles erkl&#228;ren, aus dem Ged&#228;chtnis die zahlreichen L&#252;cken f&#252;llen - und er war mit dem vertrackten Windows-System nicht vertraut. Dennoch schickte er das Resultat hoffnungsfroh an die Verlage und war erstaunt zu h&#246;ren: Die korrekte Wiedergabe der sogenannten Heiligen Schriften, verfa&#223;t von einem, der es wissen mu&#223;te, der zeitweilig dabei war, ein Augenzeuge quasi, pa&#223;te auch nicht in deren unendlich vielseitiges Programm. Es interessierte sie nicht!  
Da&#223; gerade die Wahrheit f&#252;r niemanden von Interesse war, stimmte ihn nachdenklich. 
Etwas mu&#223;te sich &#228;ndern, der HERR ben&#246;tigte Haushaltsgeld; f&#252;r Parkgeb&#252;hren, Gitarrensaiten und Mohrenk&#246;pfe! Daher entschlo&#223; er sich, den Sprung in unbekanntes Terrain zu wagen. Unter Aufbietung aller seiner Kr&#228;fte und unter Ber&#252;cksichtigung seiner unbegrenzten F&#228;higkeiten gelang es ihm, einen begehrten Posten zu ergattern: 
Er wurde als Empf&#228;nger von einer gro&#223;en Beh&#246;rde engagiert und trug seither den Namen: Hartz der IV. Mit einemmal standen ihm alle T&#252;ren offen. 
Doch dort hineinzugelangen erwies sich als au&#223;erordentlich schwierig, denn sobald er sich besagten T&#252;ren n&#228;herte und erkl&#228;rte, wer sein Arbeitgeber war, wurden dieselben von unsichtbaren H&#228;nden vehement zugeschlagen. Jedwedes L&#228;uten zeitigte keinen Erfolg.
   Sein Lohn als Empf&#228;nger reichte nicht einmal f&#252;r das Allern&#246;tigste, daher versah er sich mit drei Pfund Zitronen und einem nassen Schwamm. Damit reinigte er an belebten Stra&#223;enkreuzungen die Frontscheiben der Autofahrer, was die meisten mit einem freundlichen Kopfnicken quittierten. Bis auf jene, die sich bitter beklagten und ihn aufforderten, gef&#228;lligst den ganzen Wagen zu waschen, einschlie&#223;lich Leichtmetallfelgen und Dachspoiler und zu Hause st&#252;nde noch ein Wohnwagen usw. Nach vielen Stunden und zahllosen Windschutzscheiben konnte der HERR einen gewissen Hunger nicht mehr verleugnen und wollte dies seinen Arbeitgeber wissen lassen. Dies jedoch war nicht so einfach.
Denn Herr Hartz, schwerreicher Manager und Erfinder der Empf&#228;nger, hatte sich gerade wegen irgendwelcher Nichtigkeiten in ein Geb&#228;ude begeben, dessen dickes Gem&#228;uer ihn davon abhielt, beliebig Besucher zu empfangen. Um sich durch die Gitterst&#228;be zu zw&#228;ngen, war Herr Hartz zu f&#252;llig. Schlie&#223;lich bekam er, im Unterschied zu den von ihm geschaffenen Empf&#228;ngern, t&#228;glich drei volle Mahlzeiten. Ergo erschien ihm der HERR im Traum. 
Er lie&#223; ihn &#252;ber einen B&#252;rgersteig wandeln, stellte sich vor ihn und begann beschaulich von seinen Problemen als Empf&#228;nger zu plaudern. Aber Herr Hartz h&#246;rte nicht zu. Statt dessen wandte er sich ab und besch&#228;ftigte sich mit den Parkuhren, indem er die M&#252;nzen darin heraussch&#252;ttelte, um sie sich in die Taschen zu stopfen. F&#252;r n&#228;chtliche Bordellbesuche.
   So wurde der HERR zusehends d&#252;nner und &#228;hnelte in seinem Erscheinungsbild immer mehr einem dieser an Bulimie leidenden Topmodels, wodurch sich zwangsl&#228;ufig ein neuer Einfall einstellte. Er verdingte sich als Mannequin, trug die sch&#246;nsten Kleider zur Schau, quittierte aber bald wieder den Dienst, weil die seichten Gespr&#228;che mit seinen Kolleginnen in den Umkleidekabinen nicht zu ertragen waren.  
   Als ihm die Mittel g&#228;nzlich auszugehen drohten, und er in zunehmendem Ma&#223;e bei der Essensausgabe der Heilsarmee gesichtet wurde, beschlo&#223; er, jenem Verlag einen pers&#246;nlichen Besuch abzustatten, der aufgrund der Vielzahl seiner unqualifizierten Absagen bereits seit langem im Guinness-Buch der Rekorde zu finden war. 
Als der HERR, modern gekleidet, beim Pf&#246;rtner vorstellig wurde, sagte, wer er sei und was er w&#252;nschte, wurde er auf eine Besuchercouch gelotst. Nach kurzer Wartezeit bat man ihn in das oberste Stockwerk, in ein B&#252;ro, das von feinstem Geschmack zeugte. Dort endlich wurde er von einem freundlichen Verlagsangestellten per Handschlag herzlich begr&#252;&#223;t.
Um gleich darauf vom Sicherheitsdienst aus dem Fenster auf den B&#252;rgersteig hinunter geworfen zu werden. Er hatte das winzige Schild am Eingang &#252;bersehen, das darauf verwies: Autoren unerw&#252;nscht! Wieder war es ihm nicht gelungen, einen Lektor von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Das war jammerschade. 
Voll der Resignation erhob er sich vom schmutzigen Trottoir, kroch hinter die Hecke, die das Verlagsgeb&#228;ude mit ihrem gr&#252;nen Kragen vor ungebetenen G&#228;sten abschirmte, versteckte sich dort und weinte bitterlich. Der HERR sch&#228;mte sich. Ein Nichtsnutz war er, ein Niemand, eine Unperson. Selbst Diogenes im alten Griechenland wurde seinerzeit mehr Aufmerksamkeit zuteil. 
Von keinem beachtet sa&#223; er dort tagelang, in Gedanken versunken. Nur einmal hatte ein struppiger Hund Mitleid, beschn&#252;ffelte ihn vorsichtig, bevor er sich abwandte, ein Bein zu heben. 
Als der Hund tags darauf erneut bei ihm vorbeischaute, war der HERR verhungert. &#220;briggeblieben waren nur einige Klamotten neuester Machart und ein paar unbedeutende Schriften.
Die entdeckte ein emsiger Lektor, der im &#252;berspr&#252;henden Arbeitseifer beim Polieren der Bl&#228;tter seines Gummibaumes aus dem Fenster schaute, las sie und war begeistert. Nicht nur, da&#223; da ein kleines Genie aufgesp&#252;rt worden war, nein, aufgrund seines fr&#252;hen Dahinscheidens mu&#223;te der Verlag auch keine Tantiemen an ihn bezahlen - was am erfreulichsten war. Die Schriften des HERRN wurden Welterfolge und verhalfen dem Verlag zu einer Bl&#252;te ohnegleichen! 
Als das Leserpublikum jedoch irgendwann den Autor sehen, ihn fragen, ihn verehren wollte, mu&#223;te der Verlag kleinlaut einr&#228;umen, auf welche Weise er in den Besitz dieser Literatur gelangt war. Das brach ihm das Genick. Die Kunden blieben aus, Schm&#228;hschriften wurden verfa&#223;t, man zeigte mit Fingern auf ihn. 
Kurze Zeit sp&#228;ter verhungerten die ersten Mitarbeiter dieses Verlages.

Francesco Lupo</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ein beispielhaftes Autorenleben</p>
<p>   Am Anfang schuf der HERR Himmel und Erde. Er z&#246;gerte kurz und mu&#223;te erschrocken feststellen: Die Erde war ganz leer! Und obendrein w&#252;st. W&#252;st und leer. Eine leere W&#252;ste. Nichts zu sehen, so weit das Auge reichte. Da setzte er sich trotz des Rauchverbotes auf einen Barhocker.<br />
Und bei der philosophischen Frage, was er wohl als n&#228;chstes erschaffen sollte, die Feinstaub-Plakette, Bill Gates, das Handy oder die gu&#223;eiserne Thermoskanne, entschied er sich f&#252;r das Paradies.<br />
Bzw. f&#252;r die Deutschen Buchverlage.<br />
Denn der HERR war Schreiber mit unb&#228;ndiger Passion. In jeder freien Minute schrieb er was das Zeug hielt. Und was er zu Papier brachte, war nicht uninteressant. Einige seiner Krimis im Internet waren derart spannend, da&#223; die Beamten in ihren B&#252;ros bei der Lekt&#252;re regelm&#228;&#223;ig ihre Pausen verga&#223;en &#8211; sowie den obligatorischen Ausflug zur Toilette. Was zur Folge hatte, da&#223; sie noch weniger arbeiteten und ihre Vorgesetzten ihnen diese Krimis mit Gewalt verbieten mu&#223;ten. Um sie selber zu lesen!<br />
Die Deutschen Verlage aber zeigten sich undankbar und renitent, indem sie m&#228;nnliche deutsche Autoren boykottierten. Jedesmal, wenn er ihnen eine seiner inzwischen zu beachtlicher Zahl angewachsenen Arbeiten zusandte, war ihre schriftliche Antwort die gleiche, ohne da&#223; sie auch nur eine Zeile davon &#252;berflogen h&#228;tten: Leider pa&#223;t es nicht in unser Programm, stand auf den Briefen, entnommen aus den mit Abstand gewaltigsten Aktenschr&#228;nken im ganzen Stadtviertel, die all jene stereotypen Antwortschreiben beherbergten, welche t&#228;glich zu Hunderten verschickt wurden; viele davon prophylaktisch. Nie hatte ein Lektor den Mut besessen, zu formulieren: Sie haben kein Talent, lassen Sie es sein! Niemals.<br />
Der HERR vermutete schlie&#223;lich, die Verlage l&#228;sen &#252;berhaupt keine Manuskripte! Ihre eigentliche Bestimmung l&#228;ge im allmorgendlichen Kaffeetrinken und anschlie&#223;endem Beraten, wen man als n&#228;chstes unbesehen ablehnen k&#246;nne; das jedoch mochte er so nicht hinnehmen. Um sich selbst zu widerlegen, versiegelte er eines seiner Manuskripte mit unsichtbaren Klebestreifen und schickte es an einen der gr&#246;&#223;ten Verlage im Lande. Nach einigen Wochen kam es zur&#252;ck mit dem Vermerk: Wir haben Ihr Manuskript ausgiebig gelesen, leider pa&#223;t es nicht in unser Programm! Die Klebestreifen waren unversehrt, das Skript nie ge&#246;ffnet worden!<br />
   Da sich ein Schriftsteller jedoch erst als ein n&#228;mlicher definiert, wenn er ein Buch ver&#246;ffentlicht hat, hing der HERR mit seiner aktuellen Berufsbezeichnung noch etwas in der Schwebe. Wer er war, wu&#223;te er, ansatzweise. Was aber war er? Ein Schreibkundiger ohne H&#228;nde? Ein S&#228;nger mit zugen&#228;htem Mund oder ein zungenloser Dolmetscher? Ein Philosoph ohne Gedanken?<br />
Jahrelang hatte er vergeblich versucht, mit den von ihm und f&#252;r ihn eigens erschaffenen Editionen in Kontakt zu treten, jene aber schwebten in unerreichbaren H&#246;hen. Gelungen war ihm lediglich eine sch&#252;chterne Begegnung der Dritten Art: Auf der Frankfurter Buch-Messe hatte sein sehnsuchtsvoller Blick einen ihrer St&#228;nde erhaschen d&#252;rfen. Kostenlos.<br />
   Die Erkenntnis, da&#223; die Mehrzahl der von Deutschen Verlagen publizierten Schriften aus der Feder weiblicher Autoren stammte, ausl&#228;ndischer zumeist, zwang ihn zu radikalem Umdenken, und der HERR gr&#252;belte 14 Tage intensiv. Obwohl er alle Doku-Soaps im Vorabendprogramm sausen lie&#223;, vermochte er sich nicht daran zu erinnern, jemals das Weib erschaffen zu haben &#8211; das nie zuh&#246;rt, weil es st&#228;ndig Schuhe kauft.<br />
Im Anschlu&#223; nahm er &#8211; unter seinem M&#228;dchennamen &#8211; an diversen Literaturwettbewerben teil und gelangte &#8211; zuweilen &#8211; in die engere Wahl! Was ihn erstaunte. Vielleicht h&#228;tten sich die Verlage doch einmal die M&#252;he machen und eines seiner Werke fl&#252;chtig be&#228;ugen sollen? Denn so miserabel, wie ihm von Verlagsseite suggeriert wurde, schienen die Arbeiten nicht zu sein. Er war ja schlie&#223;lich nicht irgendwer! Zwei Wettbewerbe hatte er sogar gewonnen!<br />
Gut, das mag daran gelegen haben, da&#223; seine Schriften durchweg pornographischen Charakter aufwiesen, was die Juroren allerdings nicht am wiederholten Lesen, an der Vervielf&#228;ltigung derselben und an der dezidierten Forderung um Nachschub gehindert hatte. Die Preise konnte er aus verst&#228;ndlichen Gr&#252;nden nie pers&#246;nlich entgegennehmen, ohne sich als Mann zu erkennen zu geben. Er stand zu seinem Geschlecht.<br />
Die beiden Erzengel Dieter Bohlen und Bruce Darnell rieten ihm &#8211; zwischen zwei Talentwettbewerben &#8211; sich als Frau zu verkleiden, wollte er als Preistr&#228;ger in Erscheinung treten. Das lehnte er ab. Zu gut war ihm der amerikanische Spielfilm Tootsie noch in Erinnerung, und der HERR wollte nicht Gefahr laufen, von einem der Abstimmungsmitglieder hinter die B&#252;hne gezerrt und dort nach allen Regeln seiner eigenen Schriften vernascht zu werden. Seither galt er in jenen Kreisen als die begabte Unbekannte, die sich aufgrund ihres Genies rar machte.<br />
Monatelang hatte er daraufhin f&#252;r die Zeitschrift EMMA unter seinem Pseudonym Aphrodite Artikel verfa&#223;t, die eifrig gedruckt wurden. Bis es zum ersten Telefonat kam und man ihn an der Stimme entlarvte. Damit endete seine kurze Kariere als Journalistin.<br />
   Eine Zeitlang befa&#223;te sich der HERR danach mit dem Schreiben von Kochb&#252;chern f&#252;r Weight Watchers, was ihn aber intellektuell nicht zufriedenstellen konnte. Zu eint&#246;nig waren ihm die Rezepte, zu unglaubw&#252;rdig die Kalorientabellen.<br />
Daraufhin wechselte er das literarische Revier, schrieb eine wissenschaftliche Abhandlung, in welcher er Albert Einstein mit Isaak Newton verglich und nahm die Anekdote mit dem ber&#252;hmten Apfel, der Newton auf den Kopf gefallen sein soll, w&#228;hrend er unter einem Baum &#252;ber die Gravitation sinnierte, zum Anla&#223; f&#252;r eine lustige Geschichte. Die schickte er an die Zeitung mit den gro&#223;en Buchstaben. Tags darauf erhielt er die obligate Absage mit der Begr&#252;ndung:<br />
,Einen Roman &#252;ber Wilhelm Tell gibt es schon seit vielen Jahren.’ Dann nannten sie ihm noch den Autor. Ihrer Meinung nach war er von Karl May.<br />
Nach diesem Fehlschlag konzentrierte er sich &#8211; f&#252;r kurze Zeit nur &#8211; auf das Verfassen von absolut sicheren Horoskopen und der Vorhersage der Lottozahlen in der Zeitschrift Brigitte, was ihm jedoch von jener Seite, die ihm nicht vertraut hatte, nur &#196;rger und Schm&#228;hungen bescherte und sich verschiedene Nachrichtendienste an seine Verfolgung machten.<br />
   Bei der anschlie&#223;enden Lekt&#252;re von sogenannten Bestsellern breitete sich in seinem Magen regelm&#228;&#223;ig eine klammheimliche Leere aus, ein Literaturhunger gewisserma&#223;en; sie entsprachen in den meisten F&#228;llen nicht seiner Vorstellung. Da entdeckte er ein dickes, altert&#252;mliches Buch, welches in einer archaischen Schrift verfa&#223;t war, schlug es auf und las es begierig.<br />
Aber auch jene Autoren wiesen eine gew&#246;hnungsbed&#252;rftige Schreibweise auf. Sowohl Stil als auch Inhalt animierten ihn zu heftigem Kopfsch&#252;tteln und pausenlosen unkontrollierten Heiterkeitsausbr&#252;chen &#8211; es handelte sich um die Luthersche Bibel.<br />
Nachdem er sich die Tr&#228;nen aus dem Gesicht gewischt hatte, besorgte er sich die Originalschriften, bl&#228;tterte darin, la&#223; aram&#228;isch, hebr&#228;isch, griechisch und hatte eine neue Idee: Er setzte sich an seinen PC und machte sich mit Hilfe der Word-Datei an die Richtigstellung, was einige Zeit in Anspruch nahm, denn der HERR mu&#223;te beinahe alles erkl&#228;ren, aus dem Ged&#228;chtnis die zahlreichen L&#252;cken f&#252;llen &#8211; und er war mit dem vertrackten Windows-System nicht vertraut. Dennoch schickte er das Resultat hoffnungsfroh an die Verlage und war erstaunt zu h&#246;ren: Die korrekte Wiedergabe der sogenannten Heiligen Schriften, verfa&#223;t von einem, der es wissen mu&#223;te, der zeitweilig dabei war, ein Augenzeuge quasi, pa&#223;te auch nicht in deren unendlich vielseitiges Programm. Es interessierte sie nicht!<br />
Da&#223; gerade die Wahrheit f&#252;r niemanden von Interesse war, stimmte ihn nachdenklich.<br />
Etwas mu&#223;te sich &#228;ndern, der HERR ben&#246;tigte Haushaltsgeld; f&#252;r Parkgeb&#252;hren, Gitarrensaiten und Mohrenk&#246;pfe! Daher entschlo&#223; er sich, den Sprung in unbekanntes Terrain zu wagen. Unter Aufbietung aller seiner Kr&#228;fte und unter Ber&#252;cksichtigung seiner unbegrenzten F&#228;higkeiten gelang es ihm, einen begehrten Posten zu ergattern:<br />
Er wurde als Empf&#228;nger von einer gro&#223;en Beh&#246;rde engagiert und trug seither den Namen: Hartz der IV. Mit einemmal standen ihm alle T&#252;ren offen.<br />
Doch dort hineinzugelangen erwies sich als au&#223;erordentlich schwierig, denn sobald er sich besagten T&#252;ren n&#228;herte und erkl&#228;rte, wer sein Arbeitgeber war, wurden dieselben von unsichtbaren H&#228;nden vehement zugeschlagen. Jedwedes L&#228;uten zeitigte keinen Erfolg.<br />
   Sein Lohn als Empf&#228;nger reichte nicht einmal f&#252;r das Allern&#246;tigste, daher versah er sich mit drei Pfund Zitronen und einem nassen Schwamm. Damit reinigte er an belebten Stra&#223;enkreuzungen die Frontscheiben der Autofahrer, was die meisten mit einem freundlichen Kopfnicken quittierten. Bis auf jene, die sich bitter beklagten und ihn aufforderten, gef&#228;lligst den ganzen Wagen zu waschen, einschlie&#223;lich Leichtmetallfelgen und Dachspoiler und zu Hause st&#252;nde noch ein Wohnwagen usw. Nach vielen Stunden und zahllosen Windschutzscheiben konnte der HERR einen gewissen Hunger nicht mehr verleugnen und wollte dies seinen Arbeitgeber wissen lassen. Dies jedoch war nicht so einfach.<br />
Denn Herr Hartz, schwerreicher Manager und Erfinder der Empf&#228;nger, hatte sich gerade wegen irgendwelcher Nichtigkeiten in ein Geb&#228;ude begeben, dessen dickes Gem&#228;uer ihn davon abhielt, beliebig Besucher zu empfangen. Um sich durch die Gitterst&#228;be zu zw&#228;ngen, war Herr Hartz zu f&#252;llig. Schlie&#223;lich bekam er, im Unterschied zu den von ihm geschaffenen Empf&#228;ngern, t&#228;glich drei volle Mahlzeiten. Ergo erschien ihm der HERR im Traum.<br />
Er lie&#223; ihn &#252;ber einen B&#252;rgersteig wandeln, stellte sich vor ihn und begann beschaulich von seinen Problemen als Empf&#228;nger zu plaudern. Aber Herr Hartz h&#246;rte nicht zu. Statt dessen wandte er sich ab und besch&#228;ftigte sich mit den Parkuhren, indem er die M&#252;nzen darin heraussch&#252;ttelte, um sie sich in die Taschen zu stopfen. F&#252;r n&#228;chtliche Bordellbesuche.<br />
   So wurde der HERR zusehends d&#252;nner und &#228;hnelte in seinem Erscheinungsbild immer mehr einem dieser an Bulimie leidenden Topmodels, wodurch sich zwangsl&#228;ufig ein neuer Einfall einstellte. Er verdingte sich als Mannequin, trug die sch&#246;nsten Kleider zur Schau, quittierte aber bald wieder den Dienst, weil die seichten Gespr&#228;che mit seinen Kolleginnen in den Umkleidekabinen nicht zu ertragen waren.<br />
   Als ihm die Mittel g&#228;nzlich auszugehen drohten, und er in zunehmendem Ma&#223;e bei der Essensausgabe der Heilsarmee gesichtet wurde, beschlo&#223; er, jenem Verlag einen pers&#246;nlichen Besuch abzustatten, der aufgrund der Vielzahl seiner unqualifizierten Absagen bereits seit langem im Guinness-Buch der Rekorde zu finden war.<br />
Als der HERR, modern gekleidet, beim Pf&#246;rtner vorstellig wurde, sagte, wer er sei und was er w&#252;nschte, wurde er auf eine Besuchercouch gelotst. Nach kurzer Wartezeit bat man ihn in das oberste Stockwerk, in ein B&#252;ro, das von feinstem Geschmack zeugte. Dort endlich wurde er von einem freundlichen Verlagsangestellten per Handschlag herzlich begr&#252;&#223;t.<br />
Um gleich darauf vom Sicherheitsdienst aus dem Fenster auf den B&#252;rgersteig hinunter geworfen zu werden. Er hatte das winzige Schild am Eingang &#252;bersehen, das darauf verwies: Autoren unerw&#252;nscht! Wieder war es ihm nicht gelungen, einen Lektor von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Das war jammerschade.<br />
Voll der Resignation erhob er sich vom schmutzigen Trottoir, kroch hinter die Hecke, die das Verlagsgeb&#228;ude mit ihrem gr&#252;nen Kragen vor ungebetenen G&#228;sten abschirmte, versteckte sich dort und weinte bitterlich. Der HERR sch&#228;mte sich. Ein Nichtsnutz war er, ein Niemand, eine Unperson. Selbst Diogenes im alten Griechenland wurde seinerzeit mehr Aufmerksamkeit zuteil.<br />
Von keinem beachtet sa&#223; er dort tagelang, in Gedanken versunken. Nur einmal hatte ein struppiger Hund Mitleid, beschn&#252;ffelte ihn vorsichtig, bevor er sich abwandte, ein Bein zu heben.<br />
Als der Hund tags darauf erneut bei ihm vorbeischaute, war der HERR verhungert. &#220;briggeblieben waren nur einige Klamotten neuester Machart und ein paar unbedeutende Schriften.<br />
Die entdeckte ein emsiger Lektor, der im &#252;berspr&#252;henden Arbeitseifer beim Polieren der Bl&#228;tter seines Gummibaumes aus dem Fenster schaute, las sie und war begeistert. Nicht nur, da&#223; da ein kleines Genie aufgesp&#252;rt worden war, nein, aufgrund seines fr&#252;hen Dahinscheidens mu&#223;te der Verlag auch keine Tantiemen an ihn bezahlen &#8211; was am erfreulichsten war. Die Schriften des HERRN wurden Welterfolge und verhalfen dem Verlag zu einer Bl&#252;te ohnegleichen!<br />
Als das Leserpublikum jedoch irgendwann den Autor sehen, ihn fragen, ihn verehren wollte, mu&#223;te der Verlag kleinlaut einr&#228;umen, auf welche Weise er in den Besitz dieser Literatur gelangt war. Das brach ihm das Genick. Die Kunden blieben aus, Schm&#228;hschriften wurden verfa&#223;t, man zeigte mit Fingern auf ihn.<br />
Kurze Zeit sp&#228;ter verhungerten die ersten Mitarbeiter dieses Verlages.</p>
<p>Francesco Lupo</p>
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		<title>Von: Monika Buttler</title>
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		<dc:creator>Monika Buttler</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 14:26:48 +0000</pubDate>
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		<description>Ich bin Autorn und unterst&#252;tze den Appell. Zwei meiner B&#252;cher werden zur Zeit &#252;ber das Internet verkauft, ohne dass ich einen Cent erhalte.
MONIKA BUTTLER</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin Autorn und unterst&#252;tze den Appell. Zwei meiner B&#252;cher werden zur Zeit &#252;ber das Internet verkauft, ohne dass ich einen Cent erhalte.<br />
MONIKA BUTTLER</p>
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