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Beitrag vom 14. Oktober 2008 | Rubrik: Literarisches Leben, Literatur online

Paulo Coelho auf der Buchmesse: »Die Buchbranche steht dem Internet mit einem gewissen Mangel an Verständnis gegenüber«

Paulo CoelhoDer Mann ist knapp über 60, Marketingmenschen würden ihn daher als »Silver Surfer« bezeichnen, doch wie kaum ein anderer Buchautor hat er das Internet verstanden. Der Bestseller-Autor Paulo Coelho nutzte seine heutige Eröffnungsrede (Download als PDF-Datei, 90 kByte) auf der Frankfurter Buchmesse wieder einmal dazu, um der Buchbranche zu erklären, wie das Internet funktioniert und wie man es gewinnbringend einsetzt.

»Die Menschen tauschen das, was sie für wichtig halten, kostenlos untereinander aus, und sie erwarten, dass dasselbe auch für die Massenkommunikation gilt«, stellt Coelho fest. Die Musikindustrie und die Filmindustrie seien die ersten »Opfer« des Internets gewesen, da sie dies nicht verstanden hätten. »Die Manager der multinationalen Plattenfirmen zogen es vor, die Preise für Musik nicht zu senken sondern stattdessen Anwälte ins Feld zu schicken.«

Das sei jedoch der falsche Weg. Fast genüsslich erwähnt Coelho, dass der von der Unterhaltungsindustire polemisch benutze Begriff »Pirat« im Ursprung auch bedeutet habe »sein Glück auf See zu finden«.

In den 90er Jahren seien die Schriftsteller zu Popstars geworden. Zwar gewinnen nun auch eBooks an Boden, doch noch habe die Buchbrache den Vorteil, dass sie durch die Digitalisierung noch nicht allzusehr betroffen sei. Allerdings sei dies nur eine »kostbare Atempause«, die Verleger, Buchhändler und Schriftsteller hätten, »bevor das Internet eingreift«.

Wie auch schon auf der DLD-Konferenz (siehe Artikel) berichtet Coelho auch dem Publikum der Buchmesse-Eröffnungsfeier, dass digitale Raubkopien von Büchern den Verkauf von gedruckten Ausgaben nicht verringern müssen, sondern sogar fördern können. Coelho bezieht sich dabei nicht auf Studien, sondern auf eigene Erfahrung. Nachdem er in Russland Raubkopien seiner Werke in Umlauf brachte, nahm die Zahl der verkauften Buchexemplare auf Papier zu.

Coelho weiß, dass dies nicht immer so bleiben wird, wenn die Zahl der eBooks zunimmt: »Wir müssen auch daran denken, welche Zukunft das Buch ohne seine materielle Grundlage haben könnte. Hier zeigt sich meiner Ansicht nach ein weiteres entscheidendes Element der Leser muss mit einbezogen werden. Wir alle haben Geschichten zu erzählen und Ideen auszutauschen, und die Debatte um Ideen wurde schon immer durch Verleger und Schriftsteller angeregt. Warum also sollte das nicht auch im Internet so sein?«

Zwei Probleme gelte es dabei laut Coelho noch zu lösen, für die er auch noch keine Antwort parat habe: das Urheberrecht und die Zukunftsfähigkeit des Verlagswesens.

Eines ist jedoch für den Bestsellerautor klar: »Wir treten in ein neues Zeitalter ein, und wir müssen uns entweder anpassen oder untergehen. «

Dahingegen zeigte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, in seiner Rede (Download als PDF-Datei, 77 kByte) wenig Verständnis für die »neue« Welt des Internet und der digitalen Medien. »Wer im Buchhandel ein Buch mitgehen lässt, muss mit Sanktionen rechnen. Warum sollte im Internet ein anderes Recht gelten? Nur weil dieses Buch nicht auf Papier gedruckt und fest eingebunden ist?« Honnefelder rief erneut nach der Politik und nach rechtlichen Sanktionen.

Die Buchbranche zieht es offenbar nachwievor wie Musik- und Filmindustrie vor, »die Anwälte ins Feld zu schicken«.

Paulo Coelho und der Deutsche Buchhandel, da prallen offenbar immer noch einander fremde Gedankenwelten aufeinander.

  • Hinweis:
    Ab morgen im literaturcafe.de: Der Buchmesse-Podcast 2008 mit über 40 Interviews direkt von aus Frankfurt.

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  1. Paulo Coelho goes Web 2.0 | FrauLehmann verlinkte am 14. Oktober 2008 um 18:41 Uhr

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    […] literaturcafe.de liest man eine gute […]

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    […] Der Börsenverein des deutschen Buchhandels wird ohnehin aufgeatmet haben, nachdem Coelho ein großer Fan raubkopierter Bücher ist, weil er überzeugt davon ist, dass auch die Raubkopie dem Autor nutzt und die Verkäufe ankurbelt. Sowas will man in Deutschland besser nicht hören. […]